Begründung zu diversen Sonderheiten des Amidismus

Moderator: void

Grüß euch zusammen!

Ich hätte ein paar Fragen, die mich beschäftigen, seitdem ich mehr über den Amidismus , innsbesondere den SHinbuddhismus, gelesen habe.

Wie begründet man die Fähigkeit des Amida Buddha, alle Menschen durch sein unendliches Mitgefühl zu befreien?
Warum kann der das?
Warum hat das Shakyamuni Buddha nicht getan, so wären alle Wesen befreit, und Amida hätte es nicht machen müssen?
Wieweit ist Amida die Personifizierung der Buddhanatur?
Wie hängen Amida, Buddhanatur und seine eige Güte miteinander zusammen?

mfg,
Jan
Jan hat geschrieben:
Ich hätte ein paar Fragen, die mich beschäftigen, seitdem ich mehr über den Amidismus , insbesondere den Shinbuddhismus, gelesen habe.
Wie begründet man die Fähigkeit des Amida Buddha, alle Menschen durch sein unendliches Mitgefühl zu befreien?


Hallo,

Ich kann nur aus meinem begrenzten Verständnis schreiben.
Weil das grenzenlose Erwachen (Amida Buddha) Befreiung ist. Und weil es keine Trennung zwischen Nichtselbst und Nichtanderen gibt. Wenn Amida Buddha befreit ist, sind auch alle Wesen befreit, denn es gibt ja keine Wesen außerhalb Amida Buddhas. Was sollte es außerhalb der Grenzenlosigkeit geben?

Warum kann der das?


Weil er kein Wesen ist. Und weil die Tätigkeit nicht mehr von deiner Idee des Ichs ausgeht, von der Begrenztheit, sondern von Amida, der Unbegrenztheit, jenseits von Raum und Zeit und dadurch das hier, was du bist. Die Idee des Ichs und des eigenen Willens werden überflüssig und schwimmen davon.

Warum hat das Shakyamuni Buddha nicht getan, so wären alle Wesen befreit, und Amida hätte es nicht machen müssen?


Es gibt keine Trennung zwischen dem Erwachen Amidas, dem Erwachen Buddhas und deinem Erwachen. Daher rezitieren wir ja nicht Amida Buddha, sondern Namu Amida Buddha (Butsu). Da ist keine Trennung zwischen dir(namu) und Amida.

Wieweit ist Amida die Personifizierung der Buddhanatur?


Weil die Buddhanatur grenzenlos ist, und Amida grenzenlos heisst.

Wie hängen Amida, Buddhanatur und seine eige Güte miteinander zusammen?


So wie bei einer goldenen Statue das Gold und die Statue zusammenhängen. Sie sind nicht zu trennen.

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Ryonin

Namu Amida Butsu

„Ein Mensch ist gleich allen Menschen
Alle Menschen sind gleich einem Menschen
Eine Übung ist gleich allen Übungen
Alle Übungen sind gleich einer Übung
Dies ist die Erlangung (往生, ōjō) der Kraft des Anderen (他力, tariki)"
Erstmal danke für die hilfreiche Antwort, aber...


Warum kann der das?


"Weil er kein Wesen ist. Und weil die Tätigkeit nicht mehr von deiner Idee des Ichs ausgeht, von der Begrenztheit, sondern von Amida, der Unbegrenztheit, jenseits von Raum und Zeit und dadurch das hier, was du bist. Die Idee des Ichs und des eigenen Willens werden überflüssig und schwimmen davon."


-Warum ist er kein Wesen? Er sollte doch eigentlich genauso ein Wesen sein, wie Ich? Ein Mensch, der Erleuchtung erlangt hat, bleibt doch weiter Person...
Und nach seinem Tod? Existiert dort dann der Wille zur Befreiung der Wesen weiter...
Entschuldige, aber ich verstehe noch nicht ganz...

Warum hat das Shakyamuni Buddha nicht getan, so wären alle Wesen befreit, und Amida hätte es nicht machen müssen?


"Es gibt keine Trennung zwischen dem Erwachen Amidas, dem Erwachen Buddhas und deinem Erwachen. Daher rezitieren wir ja nicht Amida Buddha, sondern Namu Amida Buddha (Butsu). Da ist keine Trennung zwischen dir(namu) und Amida. "

-Wenn ich befreit bin, warum leide ich?

Wieweit ist Amida die Personifizierung der Buddhanatur?


"Weil die Buddhanatur grenzenlos ist, und Amida grenzenlos heisst."

-Wie wurde ein normaler Mensch grenzenlos?



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Ryonin

Namu Amida Butsu

„Ein Mensch ist gleich allen Menschen
Alle Menschen sind gleich einem Menschen
Eine Übung ist gleich allen Übungen
Alle Übungen sind gleich einer Übung
Dies ist die Erlangung (往生, ōjō) der Kraft des Anderen (他力, tariki)"[/quote]

Kannst du mir das kleine Gedicht genaer erklären?

Es tut mir Leid, dass ich euch mit meiner Unwissenheit belaste ...
:)

mfg,
Jan
Sagen wir, es gibt verschiedene Sichtweisen.
a) Es gab etwas bedingtes, ein Wesen, das ging vor langer Zeit den Weg, schaffte den Sprung von dem bedingten ins Unbedingte, und befreit dadurch alle Wesen.
das ging aber nur, weil die Zeit damals nicht so degeneriert war, wie unsere Zeit, und ist jetzt nicht mehr oder so gut wie nicht mehr möglich.

b) Etwas bedingtes kann nur wieder etwas bedingtes hervorrufen und kann somit nie zu einem unbedingten werden. Wenn etwas Zeit braucht, schafft es wieder Bedingungen für anderes, und das schafft wieder Bedingungen, da gibt es kein Ende. Bedingtes auf Bedingtes. Gedanke auf Gedanke.
Wenn es nur Bedingtes gäbe, wär Erwachen nicht möglich. Das ist das, was man untersuchen muss. Gibt es etwas jenseits von Zeit. Gibt es etwas jenseits vom Denken.
Aber die Bewegung kann nicht von mir geschehen (Aus Illusionen erfolgen Illusionen)
Alles was aus mir entsteht, führt mich nur weiter in die Illusion.
Jegliche Methode muss die Illusion von Ich verstärken. Je geheimer und mächtiger, um so mehr.
Es gibt die Erfahrung, dass Ich und Wille mich nicht weiterführen. (Nicht nur im Shin-Buddhismus. Auch von einem Zen-Meister, der im übrigens Shin nicht mochte, stammt der Koan: Wenn alles, was du tust, nichts tut, nicht funktioniert, was tust du dann?)
Es gibt das Anvertrauen an das, was nicht Ich und nicht Wille ist, an das Nichtbedingte.
An Amida Buddha. Das Grenzenloses Erwachen. Aber das ist weder eine Person noch ein Ding noch ein Ort noch irgendwas. Dann wär es ja bedingt. Daher ist für mich Buddha, Erwachen kein Wesen. Grenzenloses Licht (Amitabha) ist für mich ein Hinweis auf Nicht-Raum und Grenzenloses Leben (Amitayus) ein Hinweis auf Nicht-Zeit.
Und selbst dieses Anvertrauen kann nicht von mir kommen, dann wär ich wieder in der "ich will"-Falle. Nembutsu sagt Nembutsu, Zazen sitzt Zazen.
Anderseits sind das Bedingte und das Unbedingte nicht getrennt. Namu Amida Butsu. Alles bedingte durchdringt einander und das unbedingte durchdringt das bedingte und umgekehrt.
Daher auch:Ich und alle Wesen erlangen (jetzt, nun, stets) gemeinsam das Erwachen.

Buddha und leidende Wesen sind nicht zwei.

Aus dem Anvertrauen entspringt der 8-fache Pfad. Und in ihm verwirklicht sich er.

Wenn ich befreit bin, warum leide ich?


Na ja, lass uns erst mal schau, was es ist, was da leidet.
Mir fällt da immer wieder ein Gespräch zwischen einen Zenmeister und seinen Schüler ein (Vorsicht! Aus dem Gedächtnis!)
Der Zenmeister: Such den Ort, wo es weder Hitze noch Kälte gibt.
Der Schüler: Wo ist der Ort, wo es weder Hitze noch Kälte gibt?
Der Zenmeister: Im Winter friere ich, im Sommer schwitze ich.

„Ein Mensch ist gleich allen Menschen
Alle Menschen sind gleich einem Menschen


Da ist keine Trennung. Daher halte ich die Trennung zwischen Erwachen für mich und Arbeiten für das Erwachen aller auch für sehr problematisch, weil es wieder eine illusionäre Trennung konstruiert.
Buddhas und leidende Wesen sind nicht getrennt. Durchdringung von allen.

Eine Übung ist gleich allen Übungen
Alle Übungen sind gleich einer Übung


Da ist keine Trennung. Nembutsu, das "Ursprüngliche Gesicht" des Zen, das natürliche Befreien des Dzogchen, das "Wer/Was bin ich?" im Advaita, Zen und Dzogchen und überall sind meiner Meinung nach der Fingerzeig auf den selben Mond. Im Anvertrauen verwirklicht sich alles. Niemand tut etwas und doch bleibt nichts ungetan.

Dies ist die Erlangung (往生, ōjō) der Kraft des Anderen (他力, tariki)"


Nicht mein Erlangen, nicht mein Tun, nicht mein Lassen. Nur Dankbarkeit.

Soweit meine begrenzte Sicht in meiner begrenzten Sprache.

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Ryonin

Namu Amida Butsu
Danke danke, für die ausführlichen und sehr hilfreichen Antwortet :D ...

Also konnte Amida die Erleuchtung erlangen, weil er noch Zugang zur orthodoxen Lehre hatte?

Amida gilt für dich also als Personifikation der Befreiung?

Was macht Amida, die Person? Was spielt er für eine Rolle?
Ihn gibt es doch gar nicht mehr, er starb... wie kann er uns also erretten?

Das mit den Illusion erzeugt Illusion, und die verzweifelten versuche des Ichs sich aus Samsara zu befreien, obwohl man durch die Verblendung noch tiefer hineingezogen wird, habe ich nun verstanden, denke ich .

Aber ich frage mich immernoch, wie kann ein Mensch alle Menschen befreien?

Tut mir Leid für mein Unwissen
Gut. Also erstmal die Frage von Amida als Person.

Es gibt innerhalb der Jodo Shinshu zwei Anschauungen der Amida-Sutras. Die eine Idee ist, die Amida Sutras wörtlich zu nehmen. Da gab es einen Bodhisatvva, der weit vor Buddha gelebt hat und der dann zum Buddha wurde. Da bekommt man Schwierigkeiten mit der wissenschftlichen Sicht. Das Amida-Sutra ist erst viel nach Buddhas Tod entstanden, das Meditationssutra wahrscheinlich sogar erst in China. Und vor allem muss ich glauben, daß Amida ein Wesen und sein Reines Land ein Ort ist. Und das verneint Shinran. Das Reine Land ist Nirvana.
Die andere Sichtweise ist den Inhalt symbolisch zu verstehen als innere Wahrheit. Aber nicht so, daß irgendwann ein Mensch gelebt hat, der dann zu Amida wurde.
Sondern so, dass Befreiung nur vom Nichtbedingten Mitgefühl, von grenzenlosen Sein ausgehen kann. Man könnte vielleicht aus dieser Sicht auch sagen, daß alle Mahayana-Schriften Interpretationen in oft poetischer Form der Lehren Buddhas und späterer Verwirklichter sind. Für eine innere Wahrheit ist es egal, von wem und wann sie formuliert wurde. Dieser Interpretation folgen eigentlich alle Lehrer, die für mich wichtig sind.

Die Frage zur Befreiung ist aber aus beiden Sichtweisen ähnlich. Es gibt nämlich eigentlich einen Unauflösbaren Widerspruch. Amida hat versprochen, nur dann zum Buddha zu werden, wenn alle Wesen, die seinen Namen anrufen, errettet werden. Es gibt also eigentlich das Konstrukt, er kann erst zu Buddha werden, wenn alle Wesen gerettet werden, und wenn nicht alle Wesen gerettet sind, kann er nicht zum Buddha werden. Daraus folgt: Er ist entweder nicht Amida (aber das Sutra sagt, er ist Amida) oder alle Wesen sind gerettet. Das Buddhasein Amidas und die Rettung aller Wesen bedingen sich also wechselseitig.
Es gibt ein Durchdrungensein von Erwachen und Erscheinungen, von Leere und Form, von Buddha und leidenden Wesen. In mir ist Hölle und Amida.

Aus dieser Nichtgetrenntheit von Leere und Erscheinung und Erscheinung und Erscheinung, von Wesen und Wesen (Die Amida-Schule hat in einer frühen Form der Yuzu Nembutsu Shu starke Einflüsse der Kegon-Schule gehabt, die die Durchdringung betont), gibt es auch nicht die Befreiung eines Einzelnen Wesens, Ich bin befreit durch Amida, und Amida ist durch mein mich retten lassen befreit. Weil diese Trennung nicht besteht. dadurch vermeidet man IMHO sogar noch zwei große logische Dilemmas:

Wenn man den Satz:
die Lebewesen sind zahllos, ich gelobe sie alle zu retten
sich ansieht, sieht man klar, dass es nie möglich sein kann. Selbst wenn ich pro Sekunde eine Millionen Wesen retten würde, kann das zahllos nie erreicht werden. die getrennte Errettung aller Wesen wär also nicht möglich. Das zweite ist, daß es freilich auch nicht geht, wenn auch nur 2 Lebewesen geloben, erst dann errettet werden zu wollen, wenn alle anderen Wesen befreit sind. Das ist das Problem des Bodhisattvastaus. Es läuft also auch hier wieder auf ein "Ich bin alle Wesen und alle Wesen sind Ich" meiner Meinung nach hinaus.

Für mich ist der wesentliche Punkt in der Jodo Shinshu das Anvertrauen (Shinjin) an das Gerettetsein durch Amida (eigentlich egal, ob du ihn als Wesen oder als Unbedingtes, Ungeborenes siehst). Aber das braucht sicher auch die Erfahrung, dass mein Tun in der Zeit keine Befreiung schafft und/oder die Einsicht, dass sie es nicht schaffen kann. Letzlich ist dass auch das Loslassen von der Idee eines Ichs und der Idee des Willens (wahrscheinlich konsequenter Weise auch der Idee der Zeit).

Meiner Meinung wird wenn man die Idee aufgibt, das ein ich erleuchtet werden kann, es also die Nichtgetrenntheit alles Seins, aller Erscheinung gibt, auch alle Unterteilungen in Hinayana und Mahayana, eine Unterscheidung in Arhat und Bodhisattva hinfällig. Sie ist nicht mehr möglich.

Freilich bleibt letzlich "bevor" das Anvertrauen "geschah" immer wieder die Frage: Aber ich leide doch. Solang kann man aber auch schauen, wer leidet, und was ist Leiden. Und sich immer wieder den Anvertrauen in der Form von Nembutsu oder Sitzen zuwenden und das Verfallensein an eine Idee von ich und mein aufgeben. aber freilich kann ich das nichttun. ;-) Irgendwie seh ich das so: Die Hölle akzeptieren/annehmen und mich Amida anvertrauen.

Mal schaun, ob ich mehr Klarheit schaffe, oder mehr Verwirrung stifte.

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Ryonin

Namu Amida Butsu
Genial! Ich danke dir, du schaffst Klarheit, nicht Verwirrung...

"Sondern so, dass Befreiung nur vom Nichtbedingten Mitgefühl, von grenzenlosen Sein ausgehen kann."
Mitgefühl und grenzenloses sein sind das Selbe? Oder wie meinst du diesen Satz?

Also ist Amida, keine Person, die irgendwo in einem reinen Land sitzt, und dort Buddhas residieren plaplapla...Paradies, etc.
Das wäre mir zu christlich - sprich irrational...

Aber dies als "Sinnbild" für die nicht zu beschreibende "Anderskraft" zu sehen, klingt logisch...

Was praktiziert man denn als Shin-Buddhist/Amidist, außer der Anrufung Amidas?
Wie kann man das Unbedingte erreichen?
Wie kann man auf das Unbedingte/Nirvana/Amida vertrauen?

mfg,
Jan
Und noch eine wichtige Frage, wenn man Amida nicht als Person ansieht, wie kann diese Nicht-Person das Versprechen geben, dass es uns alle befreien wird/befreit hat? :D

Verzeihe mir mein Unwissen

mfg,
Jan
Was praktiziert man:


Eigentlich praktiziert das Nembutsu das Nembutsu. ;-)

Es gibt aber auch noch Liturgien, die sich in den verschiedenen Schulen eingebürgert haben. Sie bestehen oft aus Zitaten der Werke der Gründer (Honen, Shinran).
Auch wird daskleinere Amida-Sutra manchmal rezitiert.
Aber das ist meiner Meinung nach nichts wesentliches.

Auch wird manchmal stilles Sitzen praktiziert.

Die Urform der Nembutsupraxis war eigentlich eine (meist über Tage gehende) Gehmeditation. (Ich galaub das war in der Tendai-Schule bzw. ihrem chinesischen Vorgänger)

Zum Nembutsu gibt es erstmal in den Schulen zwei Richtungen: Einmal Shinran sagte, dass die Hingeburt in Amidas Reines Land durch einmal rezitieren sicher ist und das restliche rezitieren nur aus Dankbarkeit geschieht.
Für Ippen (Gründer der Ji-Shu) vollzieht sich die Hingeburt in jedem Nembutsu.
Eine weitere für mich wichtige Aussage von Shinran ist, dass es nichts gibt, dass nicht das Nembutsu ist.

Die praktische Frage wäre noch, wie man rezitiert, ob ständig (ähnlich einem Mantra) oder nichtständig.

Mir fällt dazu eigentlich eine hinduistische Geschichte ein:
"Einst saß König Janaka am Ufer eines Flusses und wiederholte mit lauter Stimme das Mantra So Ham (Wörtlich: DAS bin ich). Zufällig kam Ashtavakra des Weges. Er war ein großer Kenner der Wahrheit, ein Erleuchterter. Als er Janaka sah war er überrascht. Er wusste, dass Janaka ein Mensch mit großem Verständnis war, und wunderte sich, dass dieser So Ham, So Ham auf solche Art wiederholte. Ashtavakra sah eine Weile zu, und überlegte, wie er ihn unterweisen könnte. Er setzte sich nieder, in der einen Hand die Wasserschale, in der anderen den T-förmigen Stock, den Yogis beim meditieren als Stütze benutzen. Dann begann er, laut vor sich hin zu sprechen: „Dies ist meine Wasserschale, dies ist mein Yogastock! Dies ist meine Wasserschale, dies ist mein Yogastock!"
König Janaka wiederholte sein mantra jetzt lauter. Auch der Heilige wiederholte sein mantra nun lauter. Schließlich wurde Janaka ärgerlich — er öffnete die Augen und fragte-. „Freund, was soll das?" — „Was tust denn du?" fragte Ashtavakra seinerseits. „Ich wiederhole das mantra "So Harn", antwortete Janaka.
Ashtavakra: „Auch ich wiederhole ein mantra. Ich wiederhole "Dies ist meine Wasserschale, dies ist mein Yogastock' ". Da rief der König: „Hast du den Verstand verloren? Wer behauptet,
daß Wasserschale und Stock dir nicht gehören? Warum mußt du das herumschreien?" Der Weise antwortete ihm: „Mir scheint, daß du es bist, dem es an Verständnis fehlt. Wer hat dir gesagt, daß du nicht Das bist (So Ham)? Warum mußt du ständig wiederholen, daß du Das bist?" Als Janaka dies hörte, erkannte er plötzlich, dass er DAS ist."

Nembutsu ist immer eine Sache, die von Amida ausgeht, also nicht von dir, deshalb ist der Zugang auch meist eher ein hörender/lauschender als ein rezitierender. Das schöne ist. Man kann nichts verkehrt machen. (Na ja, eine Einstellung: Ich mach das, damit... widerspricht dem ganzen).
Ich trenne auch nicht zwischen Nembutsu- und stillem Sitzen. Eins wird zum anderen, das andere wird zum einen. Immer wieder lauschen, aber eher ein Geschehen lassen als Ich muss jetzt lauschen. Manchmal mach ich Nembutsu/Stille auch mit Gehmeditation, allerdings (ja ich weiss, ich bin ein Synketist) meist in der Art des GODO (also das ist ein Vorderballengang).

Wie kann das Bedingte das Nichtbedingte erreichen?

Es ist so ähnlich wie mit dir. Du kannst dich nie erreichen, du kannst nur du sein. Für mich ist nicht da das Bedingte und da das Unbedingte (was sowieso Quatsch wär, da wär ja das Unbedingte ein Ding, also bedingt), sondern immer Bedingtes/Unbedingtes, Form/Leere. In der Trennung eins und im Einssein getrennt.Im Buddhismus gibts den schönen Ausdruck Verwirklichen. Verwirklichen meint für mich nichts ausschliessen.

Wie kann man auf das Unbedingte/Amida vertrauen?


Einfach so. Aber auch das ist im Jodo Shinshu nichts, was ich tun kann.

Und noch eine wichtige Frage, wenn man Amida nicht als Person ansieht, wie kann diese Nicht-Person das Versprechen geben, dass es uns alle befreien wird/befreit hat?


Weil sie Befreiung ist und nicht von uns getrennt. (Die Sonne hat doch auch versprochen, dass sie für uns scheint.)
Aber gerade dadurch verwirklicht sich Amidas Versprechen.

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Ryonin

Namu Amida Butsu
Wie siehst du das mit dem Wiedergeboren werden im reinen Land?
Auch Sinnbildlich?

mfg,
Jan
In Shinrans Schriften ist da nie von Wiedergeburt sondern immer von Hingeburt die Rede. Und er sagt immer, daß das Reine Land Nirvana ist (im Gegensatz zu anderen Schulen, die das Reine Land als einen Weg zur Erleuchtung ansahen).

Es geht für mich dabei (und ich bin der Meinung, dass sich Religion (es ist die Frage, ob Hingeburt nicht auch was ähnliches wie Religion, was ja zurückverbinden heisst, meint) überhaupt damit beschäftigt) um innere Wahrheiten, nicht um äußere (falls so eine Trennung sinnvoll ist). Das kann man sinn-bolisch, symbolisch nennen. Man könnte es vielleicht so sagen, was wir meist als äußerlich bezeichnen, sind Zweck-Bilder, und hier geht es um Sinn-Bilder. Meine Sicht ist ein wenig so, dass die Zweckbilder nicht die Wirklichkeit sind, sondern wir von den Zweckbildern durch die Sinnbilder zur Wirklichkeit stoßen. Oder eher, daß uns die Wirklichkeit durch die Sinnbilder ergreift. Deshalb mag ich den Ausdruck Verwirklichung.

Danke für deine vielen Fragen. Ich empfinde sie als sehr lehr- und hilfreich.

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Ryonin

Namu Amida Butsu
Also noch zusammenfassend:

Shin-Buddhismus unterscheidet sich davon von anderen Buddh. Richtungen, dass man die (zwecklosen) Bemühungen des Ichs als zwecklos erkennt und einen anderen Weg findet. Dieser andere Weg wäre das Entsagen gegenüber des Ichs und der Vertrauen in das Unbedingte.

Habe ich das soweit richtig verstanden?

Wieweit spielt die Wiedergeburt im Allgemeinen eine Rolle im Shin-Buddhismus?

Gibt es irgendwelche Informativen Website über Shinran oder ein gutes Buch?

Freut mich, wenn du meine Fragen als lehr- und hilfreich ansiehst, genauso sehe ich deine Antworten als lehr- und hilfreich an. :D

mfg,
Jan
Shin-Buddhismus unterscheidet sich davon von anderen Buddh. Richtungen, dass man die (zwecklosen) Bemühungen des Ichs als zwecklos erkennt und einen anderen Weg findet. Dieser andere Weg wäre das Entsagen gegenüber des Ichs und der Vertrauen in das Unbedingte.

Habe ich das soweit richtig verstanden?


Ich versteh ihn so. Ja. (Obwohl ich mir nicht sicher bin, ob man nicht auch in anderen Richtungen die zwecklosen Bemühungen des Ichs erkennt.)

Wieweit spielt die Wiedergeburt im Allgemeinen eine Rolle im Shin-Buddhismus?


So eine Frage, die eine Ja/Nein/Vielleicht-Antwort nahelegt. ;-)
Einerseits kann man aus einer eher traditionellen Sicht sagen, dass Wiedergeburt nicht wichtig ist, weil ja die Hingeburt sicher ist, oder dass nach der Hingeburt wieder eine Wiedergeburt passiert, um allen Wesen zu helfen. Aber es ist halt immer auch die Frage, was meint Wiedergeburt. Die Meinungen gehn ja schon hier im Forum auseinander. Das ist bei Millionen Anhängern dann ja eher noch vielfältiger. Und es nützt dir nichts. Du musst dass für dich klären.
Für mich liegt die Wichtigkeit des Nembutsu hier, wo ich auf diesen Stuhl sitze. Anvertrauen ist immer nur jetzt und nie später. Ich würde sagen, nächstes Leben ist Illusion, weil immer nur jetzt ist. Aber morgen ist auch Illusion.

Gibt es irgendwelche Informativen Website über Shinran oder ein gutes Buch?


Zu deutschen Büchern (und ein paar wichtige englische) gibts glaub ich fast alles relevante hier im Buchempfehlungen Thread.
Wichtige Internetseiten auf englisch:
http://www.shinranworks.com/
http://www.shindharmanet.com/
http://www.nembutsu.info/
http://www.gatenby.id.au/notes/

Sehr lesenswert ist auch das e-sangha-Forum (wo man sieht, dass es unter Buddhisten auch friedlicher zugehen kann) auf http://www.lioncity.net/buddhism/
Unter East Asian Buddhism- Japanese Buddhism-Jodo gibts Jodo Shu und ein Jodo Shinshu-Unterforum. Dort vor allem alles, was Andreas Ludwig schreibt.

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Ryonin

Namu Amida Butsu
Soweit so gut, nochmal zurück zum Vertrauen:

"Einerseits kann man aus einer eher traditionellen Sicht sagen, dass Wiedergeburt nicht wichtig ist, weil ja die Hingeburt sicher ist, oder dass nach der Hingeburt wieder eine Wiedergeburt passiert, um allen Wesen zu helfen. Aber es ist halt immer auch die Frage, was meint Wiedergeburt. Die Meinungen gehn ja schon hier im Forum auseinander. Das ist bei Millionen Anhängern dann ja eher noch vielfältiger. Und es nützt dir nichts. Du musst dass für dich klären."

-Nunja, zurzeit Erfahre ich nicht "HIngeburt"... Und zurzeit vertraue ich auch nicht. Wenn mein Leben jetzt endet ( ohne Wiedergeburt etc. ) Dann habe ich keine Hingeburt und kein Vertrauen erfahren können. Wie kann dann Hingeburt sicher sein?

mfg,
Jan
Ich fürchte, so ein wenig ist es die Frage: Wie tue ich das Nichtstun. Einerseits"wächst" das Anvertrauen durch Erfahrung/Erkenntnis, dass ich nichts tun kann und nichts durch mich getan wird. Es ist auch nichts, wo ich sagen würde: Ich habs jetzt. Es ist eher ein Ergriffensein (aber nicht in Form von emotionalen Überschwang). Es ist ein schauen und hören. Eher die Tendenz von Hingabe und geschehenlassen.
Meiner Meinung nach gibt es in allem hingeben und geschehenlassen keine Sicherheit. So wie es in der Liebe und im Leben keine Sicherheit gibt. Es ist dann eher so, dass die Unsicherheit nicht mehr problematisch ist. Shinran hat es oft so ausgedrückt (in meinen Worten): "Selbst wenn der Weg des Nembutsu mich in die Hölle bringen würde, würde ich ihn gehn, weil in die Hölle würde ich so oder so kommen. Ich kann also gar nichts verlieren." Ich geb zu, recht drastisch, aber der Kernpunkt ist nachvollfühlbar.

Ansonsten was mir beim Nachdenken über Symbolik und über Wiedergeburt etc. noch gekommen ist: Für mich ist Religion (und auch der Buddhismus) nicht die Sprache eines Wissenschaftlers, sondern eines Dichters. Vielleicht verfehlen wir ihn total, wenn wir seine Sprache zu faktisch nehmen. Namu Amida Butsu als endloses Gedicht.

Es gibt auch den Ausspruch von Ryokan eines Zen-Meisters und Dichters:
In meiner Einsiedelei
Eine Ausgabe der Gedichte vom kalten Berg (Han Shan, eines chin. Dichters und Meisters)
Das ist besser als jedes Sutra.
Ich kopiere die Verse,
Hänge sie an den Wänden rundum auf,
Erfreue mich an jedem Vers
wieder und wieder.

Es gibt auch noch eines mit Amida-Bezug:

Wenn ich
An die Leiden der Wesen
In dieser Welt denke,
So wird ihre Traurigkeit
Zu meiner.

Oh wär meine Mönchsrobe
Weit genug,
All die leidenden Menschen
In dieser fließenden Welt
Zu bergen.

Nichts macht mich glücklicher,
Als Amidas Gelübde,
Alle Wesen zu retten.

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Ryonin

Namu Amida Butsu
Wie beginnt man denn damit , anzuvertrauen?

An was vertraut man sich an?

Du siehst Wiedergeburt auch nur als Sinn-bolisch/symbolisch?

Aber Amidas Gelübde hat mich doch rein theoretisch noch nicht erreicht, denn sonst würde ich nicht mehr leiden... Oder?

Entschuldige, dass sich manche Fragen vielleicht wiederholen, aber so erhalte ichmehr Klarheit.

mfg,
Jan
Wie beginnt man denn damit , anzuvertrauen?


So ähnlich, wie man damit beginnt, geboren zu werden oder wie man damit beginnt, einzuschlafen. (toller Vergleich, wenn es um Erwachen geht).
Ich weiss, ein nutzloser Hinweis.
(Aber ich habso den Verdacht, dass alles, wovon ich sage, das funktioniert für mich Ich-Dharma ist und kein Buddha-Dharma. Buddha-Dharma funktioniert nicht. Alles was funktioniert ist entstanden, vergänglich, leidvoll, ums in eine buddh. Terminologie zu bringen. Aber ich gebe zu, eine ziemlich unbefriedigende Antwort).

An was vertraut man sich an?


An das Erwachen. An das, was du nicht nicht sein kannst. An das, was Worte nicht fassen können. An das, was undenkbar ist. An das, was unhoffbar ist.
Ich nennen es Grenzenloses Licht Erwachen und Grenzenloses Leben Erwachen (Amitabha Buddha und Amitayus Buddha).
Aber auch an das, was da ist: Ich, Schmerzen, Leiden, Denken.
An die Nichtgetrenntheit von Buddha und leidenden Wesen
Kurz: an Namu Amida Butsu


Du siehst Wiedergeburt auch nur als Sinn-bolisch/symbolisch?

Ich seh das Ich als symbolisch. Und die Zeit als symbolisch.
Also lausche darauf, "Was bin Ich?"
Lausche darauf "Was ist Zeit?"
"Was ist Leiden"
"Was ist Freiheit?"
"Was ist anvertrauen?"
"Was ist grenzenlos?"
"Was ist Erwachen?"
Ich nenn das das fragende Nembutsu. Das hat aber glaub ich nichts mit traditionellem Jodo Shinshu zu tun.

Meine Sicht ist, dass Leiden gar nicht so das große Problem sind (Wenn ich jetzt sterbe, ist das ziemlich unproblematisch, das Problem ist, wenn ich mir vorstell, dass ich morgen sterbe, dass ist Leiden) ein Problem ist, dass ich aus mir zwei mach, vielleicht sogar drei, einer der ich bin, einer, als der ich mich seh und einer, der ich gern wär (und einer, von dem ich denk, dass die anderen den gern hätten)
Das nennt man dann Schizo.

Ansonsten denk ich, das Shakyamuni Buddha bedingtes Entstehen gelehrt hat und nicht Karma und Wiedergeburt (Ich weiss, damit steh ich ziemlich allein da)
Also wenn dieses ist, dann wird daraus jenes etc. Wenn dieses nicht ist, dann entsteht daraus jenes nicht.
Und nicht: Wenn du dieses tust, wirst du jenes erleiden. Wenn du jenes tust wirst du angenehmes erleben.
Ich sage nicht, dass wenn etwas vergeht, nichts neues entsteht, aber ich ordne ihm kein Ich zu.
"Ein bloßes Phänomen ist's, ein bedingtes Ding,
Was da ins Leben tritt im spätern Dasein.
Nicht wandert es aus früh'rem Dasein dort hinüber,
Und doch ist's nicht entstanden ohne früh'ren Grund."
(Visuddhimagga XVII.II)
Phänomen heisst übrigens Erscheinung, und das hängt mit dem Wort Schein zusammen. Das weisst für mich sowohl auf Illusion, als auch auf grenzenloses Licht hin, was da Schein zu sein scheint.

Aber Amidas Gelübde hat mich doch rein theoretisch noch nicht erreicht, denn sonst würde ich nicht mehr leiden... Oder?


Es ist das Zeichen, dass Amidas Gelübde dich erreicht hat. Ich hab jedenfalls nirgends gelesen, dass Amida die Wesen errettet, die frei von Leiden sind.
Ist also alles bestens. (Im traditionellen Jodo Shinshu gibts sogar so die Tendenz zu sagen: Nehmt mir mein schlechtes Karma nicht weg. Dadurch werd ich doch errettet.

Genza sagte zu Tanada Kono: "Dein erster Wohnsitz liegt im Reinen Land, das ist doch entschieden. Also beklag dich doch nicht."

Genza: "Auch wenn ich leide, eigentlich ist da gar kein Leid."

Genza: "Hast du den Sinn de Dharmas erfahren, so ändert sich bloss eins für dich:
Alles in der Welt wird wirklich.
Also, wenn die Leute sagen, "Der Genza ist der Teufel", so ist das wirklich,
denn er ist ein Zweiggeschäft der Unterwelt.
Andere Leute sagen wiederum:"Der Genza, der gleicht einem leibhaftigen Buddha".
auch das ist wirklich.
In diesem Augenblick werd ich zum Buddha gemacht."

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Ryonin

Namu Amida Butsu
"So ähnlich, wie man damit beginnt, geboren zu werden oder wie man damit beginnt, einzuschlafen. (toller Vergleich, wenn es um Erwachen geht).
Ich weiss, ein nutzloser Hinweis.
(Aber ich habso den Verdacht, dass alles, wovon ich sage, das funktioniert für mich Ich-Dharma ist und kein Buddha-Dharma. Buddha-Dharma funktioniert nicht. Alles was funktioniert ist entstanden, vergänglich, leidvoll, ums in eine buddh. Terminologie zu bringen. Aber ich gebe zu, eine ziemlich unbefriedigende Antwort)."

- Gibt es eine befriedigerende Antwort dafür? Oder muss es erfahren oder erkannt werden?

"Es ist das Zeichen, dass Amidas Gelübde dich erreicht hat. Ich hab jedenfalls nirgends gelesen, dass Amida die Wesen errettet, die frei von Leiden sind.
Ist also alles bestens."

- Und wann wird er mich denn erretten? Wann befreit er mich als Leidendes Wesen? Wann werde ich vom Grenzenlosen befreit? Agiert das Grenzenlose?
Oder kommt das alles durch Anvertrauen zustande?

Danke für die Zeit, die du in die Beantwortung meiner (bestimmt langsam nervenden) Fragen steckt.

mfg,
Jan
- Gibt es eine befriedigerende Antwort dafür? Oder muss es erfahren oder erkannt werden?


Ich befürchte weder noch. Ich weiss, eine schlechte Nachricht.
Erfahren, erkennen ist etwas, was du haben kannst. Anvertrauen kannst du nur sein. Oder so.
(Das ist nur ein Hinweis. Kann sein,dass da nicht mal ein du ist und nicht mal ein nicht-du, also echt nicht erklärbar).

- Und wann wird er mich denn erretten? Wann befreit er mich als Leidendes Wesen? Wann werde ich vom Grenzenlosen befreit?


Sagen wir mal: Da ist die Vorstellung:Ich werde befreit (Ich bestreite nicht, dass man das auch so im Jodo Shinshu manchmal sagt. Normale Antwort wäre: Nach meinem Tod ist die Hingeburt). Kurze Analyse des Satzes für mich lautet Ich leiden + Zeit und dann Befreiung. Das Nembutsu sagt für mich etwas anderes: Leiden/Befreiung. (Vielleicht wär das Welle/Teilchen der Quantenphysik eine wenn auch nicht gute Beschreibung) Da ist kein werden. da ist nur Jetzt. Für mich stimmt auch das Tod=Hingeburt, aber Tod ist Jetzt und Jetzt und Jetzt und Jetzt. Ich denk, es gibt zwei Arten von Anvertrauen, ein mal an Ich, an Zeit, an Tun und an Erreichen (Das ähnelt für mich sehr stark einem Ich will haben/vermeiden, viel Spiritualität ist auch nur eine Variante davon. Kennzeichen für mich sind meist, dass die Zielrichtung das Besondere ist)). Das andere Anvertrauen ist an Jetzt, an Leiden/Befreiung. Fallen/Gerettet sein. (Das ist eher ein Anvertrauen ans Sein oder sollte das Sein/Nicht-Sein heissen? Es ist ziemlich alltäglich).

Agiert das Grenzenlose?

Agiert/scheint die Sonne? (Ich befürchte, die Antwort heisst: Wen kümmerts?)

Oder kommt das alles durch Anvertrauen zustande?

Das wär ja dann wieder ein Tun, eine Bedingung.

Erst sagt man das Nembutsu. Dann sagt das Nembutsu das Nembutsu. Dann merkt man, dass auch vorher das Nembutsu schon das Nembutsu gesagt hat. Oder besser das Nembutsu das Nembutsu war/ist.

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Ryonin

Namu Amida Butsu
Also dieses Anvertrauen an Sein/Nicht-Sein ist einfach ein völliges Annehmen der Welt mir all ihrem Leiden etc.
Ich denke die Vorstellung einer Geburt in einem reinen Land ist mir zu esoterisch. Dir nicht?

"Ich befürchte weder noch. Ich weiss, eine schlechte Nachricht.
Erfahren, erkennen ist etwas, was du haben kannst. Anvertrauen kannst du nur sein. Oder so.
(Das ist nur ein Hinweis. Kann sein,dass da nicht mal ein du ist und nicht mal ein nicht-du, also echt nicht erklärbar)."

- Wenn es nicht erklärbar ist, muss es doch wohl erfahrbar sein, oder woher wissen wir denn sonst dass es das gibt?

Was ich mich außerdem noch Frage:

Was ist denn das Grenzenlose?
Aber diese Fragestellung ist von vornerein paradox, nicht wahr?
Und warum rettet mich das Grenzenlose?

mfg,
Jan
Jan hat geschrieben:
Also dieses Anvertrauen an Sein/Nicht-Sein ist einfach ein völliges Annehmen der Welt mir all ihrem Leiden etc.


Auch. Und zwar unbedingt.
Wir wollen einen Dualismus. Entweder Leiden oder Befreitsein. Aber es ist eher ein Durchdrungensein.

Ich denke die Vorstellung einer Geburt in einem reinen Land ist mir zu esoterisch. Dir nicht?


Shinran sagt mir sehr deutlich, dass das reine Land Erwachen und Amida kein Wesen ist.

"Für ihn (Shinran) war Amida nicht einfach ein Buddha unter vielen, sondern Shinran sah in ihm den Dharmakaya-als-Mitgefühl, quasi das 'Gesicht des Nirvana'. Er verabsolutierte Amida und sah in ihm nicht mehr eine Figur, die durch Aussehen, Form, Größe etc. als 'Wesen' bestimmt wurde, das in einem real existierenden 'Land im Westen' residierte (was eben die alte, traditionelle Vorstellung war), sondern für ihn war Amida die absolut existierende Buddhanatur in uns und die Verkörperung der letztlichen unbedingten Realität, das 'Reine Land' wurde zu einer allgegenwärtigen Präsenz dieser Buddhanatur und als positive Beschreibung des Nirvana aufgefasst, im Gegensatz etwa zu den negierenden Termini im Theravada, die das Nirvana 'beschreiben' indem sie sagen, was es alles 'nicht ist'. Vorher galt das Reine Land als 'Durchgangsort' zum Nirvana, als ein paradiesicher Ort in diesem Universum, eine Dimension, wo man leichter praktizieren kann, weil es die schlechten Bedingungen wie auf der Erde nicht mehr gab."
Shin-Buddhismus / Jodo Shinshu (in) Amitabha Buddhismus

- Wenn es nicht erklärbar ist, muss es doch wohl erfahrbar sein, oder woher wissen wir denn sonst dass es das gibt?


Jein. Ich würd es eher als ein Wegfall der Illusion des Nichtanvertrauens beschreiben. Eine Erfahrung ist immer ein Objekt von mir. Im Anvertrauen ist keine Trennung zwischen Erfahren und Nichterfahrbarkeit. So wie das Auge sich nicht sehen kann und das Messer sich nicht schneiden, aber trotzdem das Auge bzw. das Messer ist, kannst du das Anvertrauen sein, aber es nicht erfahren. Und da ist kein Zweifel. Dann erkennst du, dass es schon immer da war. Du es nur immer übersehn hast. Erfahren kannst du nur, was kommt und geht. Wie kannst du das erfahren, das nicht kommt und nicht geht?

Was ist denn das Grenzenlose?


Wei Wu Wei, ein irischer Philosoph hat dafür mal ein paar sehr philosophische Kommentare gegeben, hier einer: Es ist die Abwesenheit von Anwesenheit und Abwesenheit.
Es wird auch als Buddhanatur und als Nirvana bezeichnet:
"Es gibt ein Ungeborenes, Ungewordenes, Unerschaffenes, nicht Bedingtes. Wenn es dies hier nicht gäbe, dann wäre ein Entrinnen aus dem Geborenen, Gewordenen, Geschaffenen, Bedingten nicht zu erkennen. Weil es nun aber ein Ungeborenes, Ungewordenes, Unerschaffenes, nicht Bedingtes gibt, deshalb ist hier ein Entrinnen aus dem Geborenen, Gewordenen, Geschaffenen, Bedingten zu erkennen. Udana 8, 3. Itivuttaka 43. "

Und warum rettet mich das Grenzenlose?

Weil es nicht getrennt ist. Weil es wahre Natur ist. (wobei das Wort ist hier mit großer Vorsicht zu gebrauchen ist)

Agiert das Grenzenlose?

Für mich ist es das Gelübde, alle Wesen zu befreien. Es ist ihre Natur. Aber es ist für mich kein Tun in irgendeinem Sinn.

Oder kommt das alles durch Anvertrauen zustande?

Es ist nur das Anvertrauen. Es ist kein Kommen und es ist kein Gehen. Wenn man was darüber sagen könnte, wärs das nicht.
Im Taoismus sagt man: Das Tao, über das man etwas sagen kann, ist nicht das wahre Tao. Sobald man den Mund auf macht, verfehlt man es.
Also nicht so einfach darüber zu schreiben. Wenn man drüber schreibt, verfehlt man es, wenn man nicht darüber schreibt, verfehlt man es.
Namu Amida Butsu. Namu Amida Butsu.

Und vielen Dank für deine Fragen.

_()_
Ryonin

Namu Amida Butsu
Soooo....
Ich habe keine Fragen mehr. Du konntest wirklich alle Fragen zufriedenstellend beantworten. Ich danke dir dafür. Nun habe ich den Shinbuddhismus als eine durchaus plausible Form des Buddhismus-Praktizieren für mich erkannt.

Jetzt noch eine ganz plumpe Frage:

Wie beginne ich zu praktizieren?
Wie beginne ich das Nembutsu zu üben, sodass letztendlich das Nembutsu Nembutsu ausspricht?

Falls ich irgendwann weitere Frage haben, werde ich sie einfach in diesen Thread posten.

Ich bedanke mich nochmals.

Namu Amida Butsu :D

mfg,
Jan

P.S.
Ich werde mir wohl bald ein Buch bestellen, namens "Der Gute wird erlöst, um wieviel mehr der Böse. Der Weg des buddhistischen Meisters Shinran"
Kennst du das Buch eventuell? Und wenn ja, hast du gute oder schlechte Erfahrungen gemacht?
Wie beginne ich zu praktizieren?


Namu Amida Butsu, Namu Amida Butsu, Namu Amida Butsu. Du kannst das auch mit formeller Praxis (z.b. ein Sitzen in Nembutsu und Stille) verbinden.
Manche verbinden das auch noch mit liturgischen Formen. Aber auch formelle Praxis ist eher ein Geschehenlassen, ein Hören.

Ich werde mir wohl bald ein Buch bestellen, namens "Der Gute wird erlöst, um wieviel mehr der Böse. Der Weg des buddhistischen Meisters Shinran"
Kennst du das Buch eventuell? Und wenn ja, hast du gute oder schlechte Erfahrungen gemacht?


Ich denk, es ist das beste Amida-buddhistische Buch in deutscher Sprache (was aber bei den Angebot nicht besonders schwer ist).

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Ryonin

Namu Amida Butsu
Einfach Sitzen und Namu Amida Butsu sagen, scheint mir ein aussichtsloes Unterfangen. Was mache ich gedanklich dabei? :D

Mfg,
Jan
Ja schon. Genauso wie einfach so sein ein hoffnungsloses Unterfangen ist. Eigentlich ein wichtiger Punkt unserer Praxis.

Andererseits ist es ganz einfach. Du setzt dich auf dein Kissen. (Das find ich dier Vorstellung Rücken und Kopf so zu halten, wie wenn man auf einem Pferd sitzen würde, ganz gut und entspannend) Der Körper sitzt, die Gefühle fühlen, die Gedanken denken, die Ohren hören, es ist weder wichtig das zu vermengen, noch es zu trennen. Du brauchst nichts in irgend eine Richtung zu manipulieren. Du sagst, denkst Namu Amida Butsu. Lässt das sagen, geschehen, lauschst darauf (Das kann genauso geschehen, wenn du es nicht laut, sondern innerlich sprichst). Es muss auch nicht die ganze Zeit als Klang geschehen, es kann auch als Stille geschehen. Auch das ist nicht getrennt. Anfangen und enden tu ich im Gassho, die Hände aneinandergelegt.

Das wäre so eine Beschreibung einer einfachen Form.

_()_
Ryonin

Namu Amida Butsu
Soooo...
Ich hab das Buch jetzt angefangen.

"Auch Shinran intepretiere in diesem Sinn Amithabas Land als Nirvana und den Buddha nicht als substanzielles Wesen sondern als Mittel zur Erlangung des Nirvana."
- Aus dem Vorwort von Volker Zotz

"Der Begriff reines Land bezeichnet keinen Ort, sondern eine spirituelle Wirklichkeit, die Welt des unbregnzten Amdithaba, die sich in Weisheit und Mitleid offenbart."
- Ende 3. Kapitel

Als was darf ich jetzt Amithaba und Reines Land sehen?

Reines Land = Nirvana
Amithaba = Personifizierung des Mitleids und der Weisheit?

mfg,
Jan
"Auch Shinran intepretiere in diesem Sinn Amithabas Land als Nirvana und den Buddha nicht als substanzielles Wesen sondern als Mittel zur Erlangung des Nirvana."
- Aus dem Vorwort von Volker Zotz


Hm, hm. Schwierig. Ich würde es nicht als Mittel zum Erlangen von ... bezeichnen.

"Der Begriff reines Land bezeichnet keinen Ort, sondern eine spirituelle Wirklichkeit, die Welt des unbregnzten Amithaba, die sich in Weisheit und Mitleid offenbart."
- Ende 3. Kapitel


Als was darf ich jetzt Amithaba und Reines Land sehen?


Das musst du schon selber herausfinden. Wie soll ich dir sagen, was du wie sehen darfst?

Reines Land = Nirvana


Ja, das würd ich so sagen.

Amithaba = Personifizierung des Mitleids und der Weisheit?


Wird manchmal so ausgedrückt, aber ich würde da eher von Amida = Mitgefühl, Weisheit, Erwachen reden. Wie oben so schön steht, als die Offenbarung, als das offenbar werden/sein von Mitgefühl, Weisheit etc.

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Ryonin

Namu Amida Butsu
Ich habe verschiedene Homepages die sich mit dem Shin-Buddhismus befassen durchgelesen.
Ich bekomme fast immer den Eindruck, dass der Amidismus nach Honen gelehrt wird, sprich Reines LAnd = Land im Westen, und Amida = Person.
Ist das nicht eine Verfälschund des von Shinran gelehrten?

mfg,
Jan
Honen war Shinrans Lehrer. Solang Shinran bei ihm war, haben sie über viele Punkte diskutiert, und bei diesen Diskussionen unter den Schülern hat sich Honen immer hinter Shinran gestellt. Daher würde ich davon ausgehen, dass ihre Sichtweisen ziemlich gleich waren. Inwieweit dann Shinran Honens Ansichten nach ihrer Trennung (sie wurden aus politischen Gründen dann beide in die Verbannung geschickt) weiterentwickelte, ist für mich da schwierig zu sagen. Jedenfalls spielt in der Jodo Shu, die auf Honen zurückgeht, das Mönchs/Nonnentum noch eine Rolle, die es im Jodo Shinshu gar nicht gibt. Auch scheint es mir dort die Tendenz zu geben, das Nembutsu möglichst oft auszusprechen, und dazu auch eine Mala zu benutzen, während sie im Jodo Shinshu nur über die Hände gelegt wird.
Inwieweit die Sichtweise einer eher Amida als Person und sein Reines Land als Ort zu sehen, eine Entwicklung innerhalb der Jodo Shu nach Honen war (es gab ja eine solche volkstümliche Entwicklung besonders nach Rennyo auch in der Jodo Shinshu) ist schwer zu sagen, dazu hab ich zu wenig von Honen gelesen.

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Ryonin

Namu Amida Butsu
Fakt ist: Shinran lehrte Amida als Nichtperson. Für ihn war es Buddhanatur/ Weisheit / Mitgefühl / Nirvana...


mfg,
Jan

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