Buddha - das Langohr

Moderator: kilaya

:)

Ernsthafte Frage: Was ist der Grund für die großen/langen Ohrläppchen, die auf den bekannten Buddha-Statuen zu sehen sind? Welche Symbolik verbirgt sich dahinter?

Buddha - das Langohr? :? Warum?

Siehe Bilder bei https://de.wikipedia.org/wiki/Buddha
Die für mich plausible Erklärung: Die langgezogenen Ohrläppchen symbolisieren die edle Herkunft des Buddha aus einem reichen Hause.
Denn nur die Reichen konnten sich schweres kostbares Ohrgehänge leisten. Die "langen Ohren" sind also ein Statussymbol. :)

P.S. Man kann das auch ein wenig freundlicher interpretieren als Symbol der Entsagung: "Seht her, er kommt aus einem reichen Hause, aber er hat den Reichtum abgelegt!"
Richtig, dies tauchte bei den Statuen aus Tibet auf.

Alles Symbolik - die Ohren, die Handhaltung, der "Haarknoten"

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Frieden-und-Freude hat geschrieben:
Die "langen Ohren" sind also ein Statussymbol.
"Statussymbol" war(!) der schwere Ohrschmuck des kshatriya-Prinzen, dem der Legende folgend (und solche Legenden sind bestimmend für die Ikonographie) bei der Geburt eine Zukunft entweder als weltlicher Cakravartin oder aber als Erwachter bestimmt war. Die leeren, langen Ohrläppchen verweisen auf Buddhas Entschluss, der Zukunft als Cakravartin zu entsagen und sich stattdessen auf die Suche nach endgültiger Befreiung zu machen, den er nach den mythischen 'drei Ausfahrten' (auf denen ihm die Unausweichlichkeit von Alter, Krankheit und Tod bewusst wurde) fasste.

Die langen Ohrläppchen symbolisieren nicht nur Entsagung, sie symbolisieren auch Verzicht auf Status und Statussymbole. Das ist der 'Kern' von 'Hauslosigkeit'.

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Sudhana hat geschrieben:
Die langen Ohrläppchen symbolisieren nicht nur Entsagung, sie symbolisieren auch Verzicht auf Status und Statussymbole. Das ist der 'Kern' von 'Hauslosigkeit'.



Das ist die offensichtliche Bedeutung, schon klar.

Daneben erscheint es mir aber aufschlussreich, dass in verschiedenen Lehrreden die "Merkmale des großen Mannes" betont werden, oftmals in absurd-übertreibender Weise.
Und was ist ein Merkmal eines "großen Mannes" letztlich anderes als ein - Statussymbol?!
Die Merkmals - Sucht kommt imho aus dem Indien vor >2500 Jahren.
Ist dies heute noch etwas, was als wichtig anzusehen wäre?
jianwang hat geschrieben:
Die Merkmals - Sucht kommt imho aus dem Indien vor >2500 Jahren.
Ist dies heute noch etwas, was als wichtig anzusehen wäre?


Vielleicht ist es wichtig, denn es ist Teil eines Personenkults, den der Buddha - soweit man weiß - klar abgelehnt hat, der aber bis heute anhält.
Der Palikanon sagt dazu im DN30 (http://www.palikanon.com/digha/d30.htm).........

Was der Einzelne daraus macht, bleibt ihm überlassen. Im Zweifelsfall diskutiert er darüber, spekuliert, bildet sich eine Meinung, versucht zu bewerten, einzuordnen.... :D

Ich nehme die langen Ohren einfach zur Kenntnis.
Festus hat geschrieben:
Der Palikanon sagt dazu im DN30 (http://www.palikanon.com/digha/d30.htm).........

Was der Einzelne daraus macht, bleibt ihm überlassen. Im Zweifelsfall diskutiert er darüber, spekuliert, bildet sich eine Meinung, versucht zu bewerten, einzuordnen.... :D

Ich nehme die langen Ohren einfach zur Kenntnis.


Die Langohren finden sich in der längeren Liste der "80 kleineren Merkmale" eines großen Mannes.
:)
Ich habe den Eindruck dass die frühen Inder und auch die Tibeter Zahlen und Aufzählungen liebten. Vielleicht hat es auch damit zu tun dass man sich das am Anfang, weil es nicht schriftlich war, merken musste. Es ist schon eingenartig, dass eine Religion die es als Ziel ansieht, von Bewertung, Wertung und Konzepten wegzukommen so sehr mit diesen starren Einteilungen arbeitet.
Ich habe mal wo gelesen, dass die langgezogenen Ohrlappen Weisheit symbolisieren, da die Ohrlappen mit dem Alter schlaffer werden und dadurch etwas länger werden.
Ganz am Anfang wurde Buddha nicht dargestellt. Buddhastatuen ergaben sich erst später durch den Einfluss der griechischen Kultur in Indienn nach Alexander dem Grossen. In Gandhara ] wo dieser griechische Einfluss stark war, und das unterAshoka buddhitisch missioniert worden war, wurden dann die ersten Buddhastatuen gefertigt.( http://www.britannica.com/art/Gandhara-art )

Und da legte man, wie das in der griechisch-römischen Kunst so üblich war, Wert auf ein eingermaßen naturgetreue Darstellung. ( Auch wenn hier die Mönchkutte geradezu zur Toga mutiert ist)

Von daher ist davon auszugehen, dass die langen Ohrläppchen einfach von einem Prinzen der zum Asketen wurde zeugen.

Erst in späteren Zeiten, als sich der griechische Realismus der Symbolwut wich, interpretiert man da alles mögliche hinein. So wurde der Haarknoten, der späteren Generationen unbekannt war, zu einem "übernatürlicher Schädelhöcker" erklärt, In dem Versuch, Buddha nicht als Mensch sondern als Übermensch zu sehen, dichtete ihm also köperliche Abnormitäten an.
void hat geschrieben:
Ganz am Anfang wurde Buddha nicht dargestellt.
Richtig. diese sog. anikonische Phase endete erst um das Jahr 100 n.d.Z. (ganz exakt weiss man es nicht).
void hat geschrieben:
Buddhastatuen ergaben sich erst später durch den Einfluss der griechischen Kultur in Indienn nach Alexander dem Grossen. In Gandhara ] wo dieser griechische Einfluss stark war, und das unterAshoka buddhitisch missioniert worden war, wurden dann die ersten Buddhastatuen gefertigt.
Ganz so eindeutig sind die archäologischen und kunsthistorischen Befunde nicht. Es scheint eine Parallelentwicklung in Gandhara und (dem ca. 800 km dvon entfernten) Mathura gegeben zu haben. Zwar stand auch Mathura zeitweise (2. bis 1. Jhdt. v.d.Z.) unter graeco-indischem Einfluss, doch sind griechische Einflüsse in der Plastik Mathuras (anders als in der Gandharas) nicht eindeutig zu identifizieren; auch nicht als durch Gandhara vermittelt.
void hat geschrieben:
Von daher ist davon auszugehen, dass die langen Ohrläppchen einfach von einem Prinzen der zum Asketen wurde zeugen.
Die Deutung, dass dieses ikonographische Detail dem Bemühen um eine realistische Darstellung geschuldet ist, scheint mir die mit Abstand plausibelste.

Wobei Bhante Shravasti Dhammika (in 'A Guide to Buddhism A to Z') darauf hinweist, dass Ohrschmuck kein Privileg (und damit besonderes "Statussymbol") war, sondern recht verbreitet - wie in manchen Kulturen heute noch:
The ear lobe (kannapatta) is the soft nodule that hangs below the pinna of the outer ear. On both ancient and modern Buddha statues in all cultures the earlobes are depicted as elongated and usually with a hole in them. Most Buddha statues are meant to be symbols of the enlightened state as much as they are portraits of the Buddha himself. However, the elongated ear lobes on statues are the survival of a distant memory of what the Buddha actually looked like. In ancient India men and women commonly wore ear plugs. Children's ear lobes were pierced and a small clay cylinder was put in the holes. As the child grew, increasingly large cylinders were put in the lobes until they had stretched enough to accommodate plugs with diameters of up to 6 centimeters. Hundreds of these objects have been found by archaeologists and are displayed in some museums in India. Prince Siddhattha would have worn such plugs when he was a lay man and would have taken then off when he renounced the world, leaving his ear lobes elongated.

Bild

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Neuerdings ja auch :wink: bei uns
void hat geschrieben:
Ganz am Anfang wurde Buddha nicht dargestellt. Buddhastatuen ergaben sich erst später durch den Einfluss der griechischen Kultur in Indien nach Alexander dem Grossen. In Gandhara ] wo dieser griechische Einfluss stark war, und das unterAshoka buddhitisch missioniert worden war, wurden dann die ersten Buddhastatuen gefertigt.( http://www.britannica.com/art/Gandhara-art )
Ich danke allen, die sich hier mit meiner Frage beschäftigt haben und mit ihren Antworten zu einem (für mich) besseren Verständnis beigetragen haben.

Voids Hinweis auf den besonderen Einfluss der griechischen Kultur, ist ein Punkt mit dem ich mich noch weiter beschäftigen werde. Danke, an dieser Stelle.

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