Buddhistische Schulen/Linien

Moderator: kilaya

Wie gehen die Schulen untereinander mit sich um? Wie kommt man damit klar, dass es da welche gibt, die im Namen des Buddhismus ganz andere Dinge lehren, als die eigenen Leute? Gibt es da auch schon mal Ärger und Vorwürfe?

Wie viele unterschiedliche Schulen gibt es? Sind es nur die 5, die hier im Forum einen eigenen Bereich haben, oder gibt es noch mehr?

Kann eine neue Schule jederzeit auftauchen und alles noch mal ein bisschen oder gar völlig anders sehen?
antelatis hat geschrieben:
Wie gehen die Schulen untereinander mit sich um? Wie kommt man damit klar, dass es da welche gibt, die im Namen des Buddhismus ganz andere Dinge lehren, als die eigenen Leute? Gibt es da auch schon mal Ärger und Vorwürfe?

Offensichtlich, wie man hier im Forum sehen kann. Viele der Konflikte sind Jahrhunderte alt. Was eigentlich schade ist, dass auch der Buddhismus Formen von Fundamentalismus zu beklagen hat.

Denn eigentlich kommt es doch darauf an, dass der Weg die Menschen zur Erleuchtung führt und mit den essentiellen Grundlagen des Buddhismus hantiert? Aber genau dass das bei den anderen Wegen der Fall ist, wird dann eben von "Fundamentalisten" angezweifelt bzw. komplett abgelehnt.

Wie viele unterschiedliche Schulen gibt es? Sind es nur die 5, die hier im Forum einen eigenen Bereich haben, oder gibt es noch mehr?

Es gibt grosse Strömungen wie Mahayana oder Nicht-Mahayana ( ich weiss schon gar nicht mehr wie ich das "politisch korrekt" nennen soll... ;) ). Schulen und Richtungen gibt es sehr viel mehr. Was hier im Forum vertreten ist, spiegelt nur die Nutzung des Forums wieder. z.B. ist Zen in Japan gar nicht die grösste buddhistische Schule. Oder Shingon als sehr verbreitete japanische Form des Vajrayana ist hier gar nicht vertreten, höchstens mal als Thread im tibetischen Bereich - vllt. weil im Westen nicht so bekannt.

Kann eine neue Schule jederzeit auftauchen und alles noch mal ein bisschen oder gar völlig anders sehen?

Jain. Es muss schon gewisse Grundlagen erfüllen, damit man es noch Buddhismus nennen kann. Sonst ist es halt was anderes. Was diese Grundlagen sind, darüber besteht aber alles andere als Einigkeit. Klar, 4 edle Wahrheiten usw., oder anatta ("Nicht-Selbst") darüber ist man sich einig. Darüber hinaus kann man aber vielleicht sagen: von 12 Faktoren, die den Buddhismus ausmachen, müssen wenigstens 8 erfüllt sein - oder sowas in der Art. Welche 8 das sind, das wäre dann eine Frage der kulturellen Ausprägung usw. Es ist ja auch so, dass überal die lokalen spirituellen Denkweisen integriert wurden - notfalls in abgewandelter und angepasster Form.

Kleine neue Schulen tauchen immer wieder auf, sind aber meist in einen größeren bereits länger bestehenden Kontext eingebettet.
Wenn 3 Lehrer mit dem Finger auf den Mond zeigen sind 3 Schulen entstanden.
Und doch es gibt nur einen Mond.

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Also Buddha Shakymuni wollte keine unterschielichen Schulen, sondern eine einzige Sangha. Er sah die Spaltung der Gemeinschaft als eine der schlimmsten Sachen, die man machen kann.
@void
Tja, und doch kam es anders, früher noch viel "schlimmer" als heute, wenn man historische Erkenntnisse sieht.
Doch mich selbst interessieren keine Schulunterschiede.
Jeder Weg jedes Suchenden ist verschieden, doch führt zur gleichen Richtung.

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Ist das wirklich so zu verstehen? Können nicht auch unterschiedliche Schulen eine gemeinsame Sangha bilden? Spaltung ist es doch nur, wenn es als Argument für eine Spaltung hergenommen wird. Wir sind ja auch alle Menschen, egal ob Europäer oder Südamerikaner oder welche Hautfarbe oder Kultur wir haben. Spalterisch wird es erst dann, wenn diese Unterschiede bewertet werden.
@kilaya
Ein Wort, was Du mal selbst benutzt hast ... Fundamentalisten ...

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Das ist alles ziemlich theoretisch. Fakt ist, es gab die Spaltung bald nach Buddhas Tod. Und jetzt gibt es diese gravierende Unterschiede, da kann man sich keine gemeinsame Sangha herbeiwünschen und ich glaube auch nicht, dass es iwem ernst damit wäre.
Man praktiziert dann halt so gut wie möglich in der selbstgewählten Gemeinschaft. Ob der eigene Weg oder ein anderer Weg "zum Ziel" führt, kann man schlicht nicht wissen. Schon deshalb erübrigen sich alle Wertungen.
Mal ganz nüchtern betrachtet.
Vielleicht kommt das etwas darauf an, wie man "Sangha" definiert. Es gibt ja verschiedene Bedeutungen. Im TB nimmt man zur Sangha Zuflucht, damit sind aber die hohen Bodhisattvas als Freunde auf dem Weg gemeint. Dann gibt die engere Sangha als Gemeinschaft derer, mit denen man das Gleiche praktiziert. Aber es gibt m.E. auch einen weiteren Begriff der Sangha als Gemeinschaft all derer, die im weitesten Sinne nach der Lehre die Erleuchtung und Buddhaschaft anstreben. In dem Sinne kann man durchaus das Gefühl vermitteln, dass wir alle zu einer grossen Familie gehören (in der ja auch gestritten wird, verschiedene Meinungen und Lebensentwürfe existieren, aber trotzdem immer klar ist: man gehört irgendwie zusammen).
Moosgarten hat geschrieben:
Das ist alles ziemlich theoretisch. ...
Ob der eigene Weg oder ein anderer Weg "zum Ziel" führt, kann man schlicht nicht wissen.

Ich persönlich gehe davon aus, das jeder ernsthaft begangene Weg, der in die Richtung weist, die vom Buddha beschrieben wurde, den Gehenden zu "Etwas" führt.
Ob es nun "Erleuchtung", "Buddhaschaft", "Leidensbefreiung oder -begrenzung" oder einfach "hab ne schöne Zeit" genannt wird geht mir ziemlich am Poppes vorbei. :clown:

Für mich ist nur eins wichtig - "Bleib nicht stehen."
Selbst nicht beim "Erreichen" des o.g. "Etwas".

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@kilaya
Richtig, doch wie geht man mit denen in der Familie um, welche diese nur im Sinne ihrer eigenen Lebensführung akzeptieren wollen und allen "Anderen" verweigern, zur Familie zu gehören?

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PS: NICHT politisierend ... nur auf die Lehre und ihre "Strömungen" bezogen zu lesen.
Ja, das ist eine gute Frage, wie man damit umgeht. Ich glaube da gibt es keine pauschale Antwort zu... Ausser immer wieder zu versuchen, im Dialog zu bleiben.
:like:

Auch deswegen bin ich noch hier ...

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jianwang hat geschrieben:
Ob es nun "Erleuchtung", "Buddhaschaft", "Leidensbefreiung oder -begrenzung" oder einfach "hab ne schöne Zeit" genannt wird geht mir ziemlich am Poppes vorbei. :clown:

Klar, aber das wäre ja dann ja jeweils was anderes.
jianwang fragt:
..., doch wie geht man mit denen in der Familie um, welche diese nur im Sinne ihrer eigenen Lebensführung akzeptieren wollen und allen "Anderen" verweigern, zur Familie zu gehören?
Ich nehme sie so, wie sie nun einmal ihrer Natur nach sind; das resultiert aus dem steten Bemühen, mich bei jeder zufälligen Begegnung daran zu erinnern, dass ich mir vornahm, eingedenk ihres So-seins die Contenance zu wahren, ... habe dann genug damit zu tun, ... Es bleibt keine Kraft, zu streiteṇ, :wink:, ...

... aber vielleicht für das Reflektieren der unterschwellig synchron aufflackernden Frage: na, .... haben wir etwa ein Problem? Haben wir geglaubt, "cool" zu sein und alles im Griff zu haben? Ist es vielleicht ein wenig peinlich, zu erkennen, in den letzten Jahrzehnten mittels des Wandelns auf dem Pfad nicht ein wenig mehr zu Stande gebracht zu haben??? 8) ... :oops:
kilaya hat geschrieben:
Vielleicht kommt das etwas darauf an, wie man "Sangha" definiert. Es gibt ja verschiedene Bedeutungen. Im TB nimmt man zur Sangha Zuflucht, damit sind aber die hohen Bodhisattvas als Freunde auf dem Weg gemeint. Dann gibt die engere Sangha als Gemeinschaft derer, mit denen man das Gleiche praktiziert. Aber es gibt m.E. auch einen weiteren Begriff der Sangha als Gemeinschaft all derer, die im weitesten Sinne nach der Lehre die Erleuchtung und Buddhaschaft anstreben. In dem Sinne kann man durchaus das Gefühl vermitteln, dass wir alle zu einer grossen Familie gehören (in der ja auch gestritten wird, verschiedene Meinungen und Lebensentwürfe existieren, aber trotzdem immer klar ist: man gehört irgendwie zusammen).

Zusammengehörigkeit gründet sich auf Gemeinsamkeiten. In diesem Sinne ist die ganze Menschheit natürlich eine Gemeinschaft, eigentlich sogar alle fühlende Wesen. Das ist unsere ganz natürliche "Familie", aus der sich eh niemand davonstehlen kann und jeder, der die Gelöbnisse abgelegt hat, hat sich dieser Familie verpflichtet, und zwar ohne Unterschiede zu machen.
Da ist es mir völlig egal, ob ich einen total A-Religiösen, einen Juden, Christen oder Theravada vor mir habe, es gibt da keinerlei exklusive Herhaushebung für irgendjemanden, auch nicht aus der eigenen Sangha im engen Sinne.
mkha' hat geschrieben:
jianwang fragt:
..., doch wie geht man mit denen in der Familie um, welche diese nur im Sinne ihrer eigenen Lebensführung akzeptieren wollen und allen "Anderen" verweigern, zur Familie zu gehören?
Ich nehme sie so, wie sie nun einmal ihrer Natur nach sind; das resultiert aus dem steten Bemühen, mich bei jeder zufälligen Begegnung daran zu erinnern, dass ich mir vornahm, eingedenk ihres So-seins die Contenance zu wahren, ... habe dann genug damit zu tun, ... Es bleibt keine Kraft, zu streiteṇ, :wink:, ...

:like:

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Moosgarten hat geschrieben:
kilaya hat geschrieben:
Vielleicht kommt das etwas darauf an, wie man "Sangha" definiert. Es gibt ja verschiedene Bedeutungen. Im TB nimmt man zur Sangha Zuflucht, damit sind aber die hohen Bodhisattvas als Freunde auf dem Weg gemeint. Dann gibt die engere Sangha als Gemeinschaft derer, mit denen man das Gleiche praktiziert. Aber es gibt m.E. auch einen weiteren Begriff der Sangha als Gemeinschaft all derer, die im weitesten Sinne nach der Lehre die Erleuchtung und Buddhaschaft anstreben. In dem Sinne kann man durchaus das Gefühl vermitteln, dass wir alle zu einer grossen Familie gehören (in der ja auch gestritten wird, verschiedene Meinungen und Lebensentwürfe existieren, aber trotzdem immer klar ist: man gehört irgendwie zusammen).

Zusammengehörigkeit gründet sich auf Gemeinsamkeiten. In diesem Sinne ist die ganze Menschheit natürlich eine Gemeinschaft, eigentlich sogar alle fühlende Wesen. Das ist unsere ganz natürliche "Familie", aus der sich eh niemand davonstehlen kann und jeder, der die Gelöbnisse abgelegt hat, hat sich dieser Familie verpflichtet, und zwar ohne Unterschiede zu machen.
Da ist es mir völlig egal, ob ich einen total A-Religiösen, einen Juden, Christen oder Theravada vor mir habe, es gibt da keinerlei exklusive Herhaushebung für irgendjemanden, auch nicht aus der eigenen Sangha im engen Sinne.


Das ist bestimmt richtig, geht aber am Konzept der buddhistischen Sangha vorbei. Bei einer buddhistischen Sangha sind nicht alle Elemente des Menschseins abgedeckt, es geht um das Erleben der Gemeinschaft und den Austausch mit anderen Buddhisten zu spezifischen Themen und um die Unterstützung von Kult- und Kultureinrichtungen die mit dieser Lehre verbunden sind.

Betrachte das mal wie am Beispiel eines Familienunternehmens. A,B,C,D und F gehören zu diesem Unternehmen und haben daraus sich ergebend spezifische Verbindungen und gegenseitige Rechte und Pflichten, das schließt aber nicht aus, daß Tante G und Opa H weiter als Familienmitglieder betrachtet und geschätzt werden. Die beiden gehören aber einfach nicht zum Familienunternehmen dazu. Tante G arbeitet beim Wettbewerb und Opa H ist aus dem Familienunternehmen vor 25 Jahren ausgeschieden, weil er mit der Entwicklung des Unternehmens nicht zufrieden war :rofl:
Verstehe was du meinst, aber außerhalb meiner Sangha im engeren Sinne, sehe ich eigentlich - abgesehen vom allgemeinen Menschsein oder anderen spezifischen, wenngleich nicht "buddhistischen" Überschneidungen - keine wirkliche, also real praktische, nicht nur theoretische Grundlage für ein "Erleben der Gemeinschaft" in einer "erweiterten Sangha", die sich beispielsweise nur darüber definiert, dass sie sich irgendwie "buddhistisch" bekennt.
Über Themen des Lebens kann ich mich auch austauschen, ohne dass ich buddhistisches Vokabular gebrauche, im Regelfall ist mir das auch angenehmer.
antelatis hat geschrieben:
Wie gehen die Schulen untereinander mit sich um?
Gar nicht. Es sind immer konkrete Menschen, die miteinander umgehen. Die dann durchaus zu unterschiedlichen 'Schulen', Traditionslinien usw. gehören können. Es gibt ein paar Grundregeln, die man beim Umgang mit anderen Menschen einhalten sollte - ganz gleich, ob sie nun zur selben oder einer anderen buddhistischen Traditionslinie gehören als man selbst oder auch 'Andersfährtige' (Nicht-Buddhisten) sind. Diese sind unter der Bezeichnung 'Rechte Rede' und 'Rechtes Handeln' zwei (sittliche) Aspekte des Achtfachen Pfades, also der persönlichen Übungspraxis von Menschen, die die dreifache Zuflucht zu Buddha, Dharma und Sangha genommen haben. Wobei es natürlich große Unterschiede hinsichtlich der Vollkommenheit dieser jeweiligen persönlichen Praxis gibt. Etwas konkretere Hinweise findet man in den verschiedenen 'Sets' von Gelübden, wobei die sog. pañcaśīla ('Fünf Sittlichkeiten') für Buddhisten aller Traditionslinien verbindlich sind. Von Selbstverständlichkeiten wie 'nicht töten' und 'nicht bestehlen' abgesehen ist hinsichtlich des Umgangs von Buddhisten untereinander insbesondere die vierte dieser fünf Übungsregeln von Bedeutung: nicht irreführend oder unheilsam zu reden / zu schreiben.

Heilsames, um Wahrhaftigheit bemühtes Reden / Schreiben ist der Kernpunkt der Antwort auf die Frage, wie unterschiedliche 'Schulen' bzw. deren Angehörige miteinander umgehen sollten. Wie gut das jeweils umgesetzt wird, hängt von der Reife der Übung des Einzelnen ab, erzwingen lässt sich so etwas nicht. Heilsamer Umgang miteinander schließt Kritik nicht aus, im Gegenteil. Entscheidend dabei ist die Intention der Kritik - diese sollte heilsame Auswirkungen haben (beim Kritisierten wie beim Kritiker), was bei verletzender oder herabsetzender Kritik nur selten der Fall ist.

Vom Grundsätzlichen zum Praktischen: in Foren wie diesem hier diskutiert man miteinander und da zeigt sich anschaulich, wie schwierig es sein kann, die oben genannten Grundsätze im Umgang miteinander umzusetzen. Außerdem gibt es viele Formen organisatorischer Zusammenarbeit; in Deutschland beispielsweise die Deutsche Buddhistische Union, den traditionsübergreifenden Dachverband buddhistischer Gemeinschaften und Einzelpersonen.
antelatis hat geschrieben:
Wie kommt man damit klar, dass es da welche gibt, die im Namen des Buddhismus ganz andere Dinge lehren, als die eigenen Leute?
Es geht im Buddhismus nur sekundär um Orthodoxie (die 'rechte Lehre') und primär um Orthopraxie (das 'rechte Handeln'). Wobei sich beides natürlich nicht voneinander trennen lässt, sondern das Eine zum Anderen führt. Aber dabei ist 'rechtes Handeln' der Prüfstein dafür, ob das, was da gelehrt wurde, 'rechtes Lehren' ist. Wie man bei der christlichen Konkurrenz sagt: "An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen."

Zu einem rechten Handeln ("Praxis") können durchaus unterschiedliche, sogar einander widersprechende Lehren führen - und das ist sogar gut so, weil die Menschen verschieden sind (jeweils unterschiedliche psychologische, soziale und kulturelle Ausgangsbedingungen haben) und daher für verschiedene Menschen verschiedene Lehren geeignet sein können. Speziell im Mahāyāna ist genau dies selbst eine ziemlich zentrale Lehre, nämlich die von den upāya ('geschickten Mitteln'), die im Lotossutra formuliert wird. Und damit wird auch definiert, was das 'Große Fahrzeug' (Mahāyāna) richtig verstanden tatsächlich ist: kein von anderen 'Fahrzeugen' verschiedenes, größeres, schnelleres, schöneres - sondern das 'Eine Fahrzeug' (Ekayāna), das alle 'richtigen Lehren' (geeignete, 'geschickte Mittel') umfasst.

Eine Einschränkung gilt es da allerdings doch zu machen, denn natürlich sollten die Mittel oder Lehren auch tatsächlich 'geschickt' im Sinne dieses Einen Fahrzeuges sein. Anders gesagt: "im Namen des Buddhismus" wird Vieles gelehrt, und nicht alles davon ist auch 'geschickt' und wird insofern zu Recht "im Namen des Buddhismus" gelehrt. Das wäre dann z.B. ein Ansatzpunkt für die erwähnte Kritik. Es gibt da also ein paar Grundaussagen, zu denen eine Lehre nicht in Widerspruch stehen kann, wenn es denn eine buddhistische Lehre, ein 'geschicktes Mittel', sein soll. Auf einen solchen Kriterienkatalog, was nun 'Buddhismus' definiert, muss man sich erst einmal einigen, um eine gemeinsame Grundlage für einen Dialog zu haben. Die schon erwähnte Deutsche Buddhistische Union hat dies mit der Formulierung eines 'Buddhistischen Bekenntnisses' getan und die Anerkennung der dort formulierten Grundsätze ist Voraussetzung für die Anerkennung einer 'Schule' als buddhistisch durch die DBU. Von dem einen Satz "Ich bekenne mich zur Einheit aller Buddhisten und begegne allen Mitgliedern dieser Gemeinschaft mit Achtung und Offenheit" abgesehen, sind das alles traditionelle buddhistische Grundaussagen, die gemeinsam eine Art Definition von 'Buddhismus' im weitesten Sinn darstellen und damit auch eine Abgrenzung zu dem ermöglichen, was eben nicht "im Namen des Buddhismus" gelehrt werden kann - nämlich Aussagen, die diesen Grundaussagen widersprechen.

Vorsorglich der Hinweis, dass nicht jeder Buddhist einer solch weiten Ziehung von Kriterien (über "Grundaussagen") zustimmen wird. Viele Buddhisten sehen ganz bestimmte Schriften oder Schriftsammlungen als (einzig) originalgetreu überlieferte Worte Buddhas (buddhavacana) an und bestehen darüber hinaus auf einem bestimmten Verständnis / einer bestimmten Auslegung (oft auf Grund traditioneller Kommentarliteratur) dieser Texte. Entsprechend enger sind dann bei diesen die Kriterien gezogen.
antelatis hat geschrieben:
Gibt es da auch schon mal Ärger und Vorwürfe?
"Ärger" sollte man meiden bzw. buddhistisches Geistestraining dient unter anderem (und nicht zuletzt) auch dazu, dass Ärger gar nicht erst aufsteigt. Für Vorwürfe gilt das schon oben zum Thema Kritik Gesagte. Ansonsten - (almost) nobody is perfect.
antelatis hat geschrieben:
Wie viele unterschiedliche Schulen gibt es? Sind es nur die 5, die hier im Forum einen eigenen Bereich haben, oder gibt es noch mehr?
Das hängt ganz davon ab, nach welchen Kriterien man die 'Schulen' (ich ziehe es vor, von Traditionslinien zu sprechen) voneinander unterscheidet. Ich persönlich finde - wenn man schon unterscheiden will - eine Unterscheidung von ostasiatischem (China, Japan, Korea, Vietnam), zentralasiatischem (Tibet, Mongolei, Bhutan, Nepal) und süd- / südostasiatischem (Sri Lanka, Myanmar, Thailand, Laos, Kambodscha) Buddhismus hinreichend. Diese drei Gruppen beziehen sich jeweils auf eine gemeinsame historische schriftliche Überlieferung (einen "Kanon"), die sich mit der der anderen beiden Gruppen nur teilweise überdeckt.
antelatis hat geschrieben:
Kann eine neue Schule jederzeit auftauchen und alles noch mal ein bisschen oder gar völlig anders sehen?
"Ein bisschen" - natürlich, und das geschieht auch ständig. Wobei die meisten dieser "neuen Schulen" eine recht kurze Lebensdauer haben. "Völlig anders" - da wäre dann zu fragen, ob es sich (z.B. entsprechend den oben angeführten Kriterien) noch um Buddhismus handelt. Aber grundsätzlich kann man so ziemlich alles, was heute im Westen als buddhistische Organisation existiert, als "neue Schule" ansehen. Das liegt an den unvermeidbaren (und auch sinnvollen) kulturellen Anpassungen der Organisationen und den kulturellen Prägungen westlicher Menschen. Letzteres lässt diese Menschen zwangsläufig "alles noch mal ein bisschen anders sehen".

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