Meditation

Moderator: kilaya

Wozu genau dient die Meditation im Buddhismus? Sie scheint ja mehr als nur ein Ritual zu sein, oder? Was soll sie bewirken und wie wichtig ist sie?
Ganz allgemein und zum Überblick:
https://de.wikipedia.org/wiki/Meditation

Im Buddhismus finden sich Anleitungen zur Betrachtung und Verweilen in MN 10, dem Satipatthana-Sutta.
http://www.palikanon.de/majjhima/m010n.htm

Wozu dient es? Der Sammlung und damit dem achtfachen Pfad. Es ist also samma samadhi - vollkommene Sammlung - . Zu mehr dient es nicht.
Das ist aber schon auch alles:

"Wer auch immer, ihr Mönche, diese vier Pfeiler der Achtsamkeit sieben Jahre also behaupten kann, dem mag eins von beiden zur Reife gedeihen: entweder schon bei Lebzeiten vollkommenes Wissen oder aber, wenn noch ein Rest Anhangen übrig bleibt, die Niewiederkehr (anāgāmī). Sei es, ihr Mönche, um die sieben Jahre: wer auch immer, ihr Mönche, diese vier Pfeiler der Achtsamkeit sechs Jahre, fünf Jahre, vier Jahre, drei Jahre, zwei Jahre, ein Jahr also behaupten kann, dem mag eins von beiden zur Reife gedeihen: Bei Lebzeiten vollkommenes Wissen oder aber, wenn noch ein Rest Anhangen übrig bleibt, Niewiederkehr. Sei es, ihr Mönche, um das eine Jahr: wer da, ihr Mönche, diese vier Pfeiler der Achtsamkeit sieben Monate also behaupten kann, dem mag eins von beiden zur Reife gedeihen: Bei Lebzeiten vollkommenes Wissen oder aber, wenn noch ein Rest Anhangen übrig bleibt, Niewiederkehr. Sei es, ihr Mönche, um die sieben Monate: wer auch immer, ihr Mönche, diese vier Pfeiler der Achtsamkeit sechs Monate, fünf Monate, vier Monate, drei Monate, zwei Monate, einen Monat, einen halben Monat also behaupten kann, dem mag eins von beiden zur Reife gedeihen: Bei Lebzeiten vollkommenes Wissen oder aber, wenn noch ein Rest Anhangen übrig bleibt, Niewiederkehr. Sei es, ihr Mönche, um den halben Monat: wer auch immer, ihr Mönche, diese vier Pfeiler der Achtsamkeit sieben Tage also behaupten kann, dem mag eins von beiden zur Reife gedeihen: Bei Lebzeiten vollkommenes Wissen oder aber, wenn noch ein Rest Anhangen übrig bleibt, Niewiederkehr.

"Der einzige Weg, ihr Mönche, der zur Läuterung der Wesen, zur Überwältigung des Schmerzes und Jammers, zur Zerstörung des Leidens und der Trübsal, zur Gewinnung des Rechten, zur Verwirklichung der Erlöschung führt, das sind die vier Pfeiler der Achtsamkeit': wurde das gesagt, so war es darum gesagt."
antelatis hat geschrieben:
Wozu genau dient die Meditation im Buddhismus? Sie scheint ja mehr als nur ein Ritual zu sein, oder? Was soll sie bewirken und wie wichtig ist sie?


Ganz einfach ausgedrückt ist es so, dass Buddha davon ausging, dass unser Leiden daher kommt, dass unser Geist es beständig produziert. Weswegen es möglich ist, diesen Prozess der Leiderzeugung zum Aufhören zu bringen. Wozu es aber wichtig ist, diesen Prozess sehr gut kennezulernen.

Weil es, wenn man viel macht, sehr schwer ist, sich darauf zu fokusieren, macht man das eher wenn man weniger macht. Sitzen ist da die nächstliegende Wahl, aber es geht natürlich auch sowas einfaches wie Gehen. Es soll auch Leute gegeben haben, die das während des Besen-Kehrens gemacht haben.
Ein Zen Meister sagte mal:
Lass Deine Leinwand des Lebens weiss werden. Dann erst kannst Du das, was darauf projiziert ist, wirklich wahrnehmen.
Dieses "weiss werden lassen", dieses "Leeren" geschieht durch Versenkung in Meditation, so lehrt es meine Schule.
Hallo Antelatis,
nur in der Stille, d.h. wenn der Geist beruhigt ist, empfängt man Einsichten. Und ohne Einsichten, wirst Du kaum Fortschritte machen. Meditation ist ein Werkzeug. Wie immer Du das handhabst, ist Deine Sache. Ich lege mich einfach hin und wende mich nach innen. Natürlich ist die Methode, im Schneidersitz ganz diszipliniert zu sitzen und bestimmte Zeiten einzuhalten, sinnvoll. Denn wenn Du es nicht gewohnt bist, Dich in Stille zurückzuziehen, dann wirst Du diese Fähigkeit kaum erlangen ohne eine entsprechende gewohnheitsmäßige Herangehensweise.

Ich habe in all den Jahren - seit Mitte der 80er - jede Gelegenheit dazu genutzt, ob nun im Wartezimmer, in der U-Bahn, während des Fluges oder einfach zuhause auf dem Sofa.
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Monikadie4. hat geschrieben:
Ich habe in all den Jahren - seit Mitte der 80er - jede Gelegenheit dazu genutzt, ob nun im Wartezimmer, in der U-Bahn, während des Fluges oder einfach zuhause auf dem Sofa.
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Wenn du schon seit 30 Jahren meditierst, ist das ja schon eine lange Zeit. Hat dich das spürbar deinem Ziel näher gebracht? Also ist durch das Meditieren bis jetzt irgendwas anders oder klarer geworden?

Ändert sich die Art der Meditation im Laufe der Zeit? Also fühlt sie sich anders an...war die Mediation am Anfang weniger "ergiebig" als nach 30 Jahren? Oder gibt es da keinen Unterschied?
Wenn man meditiert, dann hofft man darauf, dass es irgendwann einen Moment der Erkenntnis gibt, oder? Jedenfalls war es doch bei Buddha so, er hat doch beim Meditieren irgendwann den Punkt erreicht, an dem er erleuchtet war. Kann man das kurz gesagt so beschreiben: Der Buddhist meditiert, weil er hofft, dass ihn dabei irgendwann etwas überkommt, das ihn plötzlich erleuchtet?
antelatis hat geschrieben:
Wenn man meditiert, dann hofft man darauf, dass es irgendwann einen Moment der Erkenntnis gibt, oder?


Das hofft man - aber ist diese Hoffnung auch berechtigt? Gibt es zwischen der Meditation und der Erkenntnis einen Zusammenhang? Man hat ja gewöhnlich bereits eine Vorstellung davon, worin man denn Erkenntnis sucht. Und das hindert dann die Erkenntnis selbst. Daher muss man seine Hoffnung auf Erkenntnis fallen lassen, damit der Moment nicht unerkannt vorbei zieht.

Jedenfalls war es doch bei Buddha so, er hat doch beim Meditieren irgendwann den Punkt erreicht, an dem er erleuchtet war.

Ausgangspunkt von Buddha war die Erkenntnis (!) - das die Menschen leiden und keinen Ausweg aus de Leiden sehen, sondern in einem Kreislauf von Wiedergeburten hängen. Diesen Ausweg hat er gesucht. Und da ist er bei einigen großen Lehrern seiner Zeit gewesen und hat dort die Schulungen absolviert. Er hat sie dann alle verlassen, um letztlich seinen Weg selbst zu finden, da er erkannte, dass das was er bisher gelernt hatte, nicht das war, was er suchte. Dann setzte er sich und erkannte den Zusammenhang aller Dinge, den er Kette des bedingten Entstehens und Vergehens nannte - und er ging die Kette vorwärts und rückwärts durch und erkannte, wie er aus dem Kreislauf von samsara aussteigen kann.

Kann man das kurz gesagt so beschreiben: Der Buddhist meditiert, weil er hofft, dass ihn dabei irgendwann etwas überkommt, das ihn plötzlich erleuchtet?

Der Buddhist hat eine ganz klare Anleitung und wenn er der folgt, dann kommt er zwangsläufig zum Ausgang - dazu braucht es keine Hoffnung - das wäre zu wenig.
antelatis hat geschrieben:
Wenn man meditiert, dann hofft man darauf, dass es irgendwann einen Moment der Erkenntnis gibt, oder? Jedenfalls war es doch bei Buddha so, er hat doch beim Meditieren irgendwann den Punkt erreicht, an dem er erleuchtet war. Kann man das kurz gesagt so beschreiben: Der Buddhist meditiert, weil er hofft, dass ihn dabei irgendwann etwas überkommt, das ihn plötzlich erleuchtet?


Es ist ein allmählicher Anstieg an Erkenntnis bis sie irgendwann vollkommen ist.
antelatis hat geschrieben:
...Kann man das kurz gesagt so beschreiben: Der Buddhist meditiert, weil er hofft, dass ihn dabei irgendwann etwas überkommt, das ihn plötzlich erleuchtet?

Eigentlich nicht. Es gibt viele verschiedene Übungen die ein
Nachfolger des Buddha üben wird mit je unterschiedlichen Zweck.
Welche Übung das sein wird, ob zur Überwindung oder zur Durchschauung,
oder zur Beruhigung usw. kann und wird auch unterschiedlich sein.
Es ist unwahrscheinlich das ein Asket der sich mit Leidenschaften
herum quält zu dieser Zeit glaubt das ihm etwas besonderes überkommt.
Und auch sonst, normalerweise muß man sich die Dinge erarbeiten, nuß
sie entfalten, zu entwickeln usw. Da denkt er nicht ihm würde was "überkommen".
Der Buddha sagt u.a.:
Es gibt, ihr Mönche, Dinge, die weise zu durchschauen sind;
es gibt, ihr Mönche, Dinge, die weise zu überwinden sind;
es gibt, ihr Mönche, Dinge, die weise zu entfalten sind;
es gibt, ihr Mönche, Dinge, die weise zu verwirklichen sind.
A.4.251
Mir ging es so, dass ich anfangs mit sehr hoher Erwartung meditiert habe. Ich erhoffte jeden Moment die Erleuchtung. War regelrecht begierig darauf. Das hat sich mit der Zeit gelegt: Meditation machte ich ihrer selbst willen. Ein Labor, dessen Erfahrunge ich versucht habe, in den Alltag zu integrieren. Dann wurde der Alltag immer wichtiger und das Labor immer weniger wichtig. Meditation wurde zu etwas, das immer mitläuft, oder immer mitlaufen soll. Oft ist nicht klar: ist mein Blickwinkel jetzt der "meditative" oder "ist das einfach so". Es verschmilzt miteinander, wird immer natürlicher. Ich neige dazu, darüber das immer noch notwendige "Labor" zu vernachlässigen, also die formale Meditation. Ich weiss, wenn ich etwas dringend brauche im Geist, ist es sofort da. Aber wenn nicht viel passiert, ist das Leben irgendwie einfach "weltlich". Aber auch das ist gut so. Ich weiss nicht, wo ich stehe, aber es ist ein fortlaufender Prozess, nicht linear, eher in Wellen und Spiralen. Einen Endpunkt stelle ich mir nicht mehr vor, eher so dass es irgendwann fliessend übergeht und dann entwickelt sich immer noch was weiter. So wie im Zen-Spruch: Vor der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen. Nach der Erleuichtung: Holz hacken, Wasser holen. Es ist wohl spektakulär unspektakulär. Man weiss es, springt deswegen aber nicht vom nächsten Hochhaus weil man fliegen kann, sondern macht einfach weiter was vor der Nase liegt. Ach ja, ich meditiere seit ca. 28 Jahren. v.a. Tantra und Mahamudra/Dzogchen.
kilaya hat geschrieben:
Einen Endpunkt stelle ich mir nicht mehr vor, eher so dass es irgendwann fliessend übergeht und dann entwickelt sich immer noch was weiter. So wie im Zen-Spruch: Vor der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen. Nach der Erleuichtung: Holz hacken, Wasser holen. Es ist wohl spektakulär unspektakulär. Man weiss es, springt deswegen aber nicht vom nächsten Hochhaus weil man fliegen kann, sondern macht einfach weiter was vor der Nase liegt. Ach ja, ich meditiere seit ca. 28 Jahren. v.a. Tantra und Mahamudra/Dzogchen.

Ein Glück das ich kein Zenist bin.-
Ich bin auch keiner :) Wär ich aber wohl, wenn ich nicht so tief verwurzelt im TB wäre... :moon:
antelatis hat geschrieben:
Monikadie4. hat geschrieben:
Ich habe in all den Jahren - seit Mitte der 80er - jede Gelegenheit dazu genutzt, ob nun im Wartezimmer, in der U-Bahn, während des Fluges oder einfach zuhause auf dem Sofa.
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Wenn du schon seit 30 Jahren meditierst, ist das ja schon eine lange Zeit. Hat dich das spürbar deinem Ziel näher gebracht? Also ist durch das Meditieren bis jetzt irgendwas anders oder klarer geworden?


Zu Beginn der Zeit war ich voller Erwartungen. Aber eigentlich hatte ich schon seit Mitte der 70er die Einsicht durch ein Buch "Erich Fromm: Die Kunst des Liebens", dass Konzentration viel bewirkt.
Mein Ziel glaubte ich bereits Ende der 80er erreicht zu haben, weil ich außergewöhnliche länger anhaltende Erfahrungen machte, die mich aus dem normalen Alltag heraushoben. Da das aber nur Einbrüche waren, erlangte ich mit den Jahren die Einsicht, dass "es" das nicht ist.

Mein Leben hat sich dennoch gravierend verändert. Meine Perspektive hat sich seit langer Zeit völlig verändert. Ich sehe den Unterschied zu mir früher und zu den anderen Menschen, die nicht die Einsichten haben. Dieses sich immer wieder Involvieren lassen in weltliches Geschehen, im Grunde die Welt nicht zu verstehen, ihre Unabänderlichkeit, die Zusammenhänge, das Netzwerk aller Gedanke, Wünsche, Befürchtungen und daraus folgenden Handlungen, das ist m.E. der große Unterschied. Wenn ich mich wirklich mal verwickeln lasse, dann weiß ich, dass ich mich zu sehr von der Mitte entfernt habe, durch was auch immer. Aber ich weiß es. Und ich weiß, wie ich da wieder rauskomme. Und das weiß "man" nicht, wenn man die innere Stille, den inneren Raum nicht kennt.

Ändert sich die Art der Meditation im Laufe der Zeit? Also fühlt sie sich anders an...war die Mediation am Anfang weniger "ergiebig" als nach 30 Jahren? Oder gibt es da keinen Unterschied?


Ich meditiere nicht nach Vorschriften, verschiedenen Vertiefungen u.dergl. Ich bin sofort in einem anderen "Zustand", sobald ich das für nötig halte bzw. will. Und ich verfolge auch keine besonderen Ziele mehr. Das Ziel der Erleuchtung ist mir völlig unwichtig geworden. Ich tue das, was vor meinen Füßen liegt, so gut ich kann, bleibe ansonsten sehr entspannt.

Aber das sagt sich leicht, wenn man nicht mehr jeden Tag ins Büro oder Kinder großziehen muß, wenn man im Grunde machen kann, was man will, weil auch das Geld reicht und keine Krankheit an der Tür klopft. Insofern halte ich das alles nicht für mein Verdienst, sondern bin immer wieder dankbar.
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kilaya hat geschrieben:
Ich bin auch keiner :) Wär ich aber wohl, wenn ich nicht so tief verwurzelt im TB wäre... :moon:

Dann ein Glück das ich kein ZenTB bin. :)
Damit will ich aber nicht sagen, das es auf der Welt
nicht noch viel schlechtere Möglichkeiten geben würde.
accinca hat geschrieben:
kilaya hat geschrieben:
Ich bin auch keiner :) Wär ich aber wohl, wenn ich nicht so tief verwurzelt im TB wäre... :moon:

Dann ein Glück das ich kein ZenTB bin. :)
Damit will ich aber nicht sagen, das es auf der Welt
nicht noch viel schlechtere Möglichkeiten geben würde.


Generell scheint mir eine bescheidene und selbstkritische Einstellung gegenüber der "eigenen Richtung" heilsam zu sein, ein dogmatisches Festhalten an Glaubenssätzen und Abwerten anderer "Richtungen" dagegen unheilsam zu sein.

Samadhi ist mit Loslassen verbunden.
Dafür ist es nicht wichtig, welcher Richtung jemand angehört. Und es ist eher zweitrangig, was er "glaubt". Es geht beim Meditieren nicht um das, was jemand "hat" (Wahrheiten, Rituale etc.), sondern darum, was jemand loslassen kann.
Moderation:
accinca ich muss Dich bitten, wenigstens im Anfängerbereich die anderen Schulen nicht abzuwerten. Weitere Posts dieser Art von Dir werden hier gelöscht.
Frieden-und-Freude hat geschrieben:
Generell scheint mir eine bescheidene und selbstkritische Einstellung gegenüber der "eigenen Richtung" heilsam zu sein, ein dogmatisches Festhalten an Glaubenssätzen und Abwerten anderer "Richtungen" dagegen unheilsam zu sein.

Das darf man aber nicht mit zustimmen oder nicht zustimmen verwechseln.

Frieden-und-Freude hat geschrieben:
Samadhi ist mit Loslassen verbunden.
Dafür ist es nicht wichtig, welcher Richtung jemand angehört. Und es ist eher zweitrangig, was er "glaubt". Es geht beim Meditieren nicht um das, was jemand "hat" (Wahrheiten, Rituale etc.), sondern darum, was jemand loslassen kann.

Wahrheiten, Rituale würde ich aber nicht so eng zusammen sehen.
Aber kommt natürlich auf dies "Wahrheiten" an.
Auch würde ich wirkliche Wahrheit und Übungen wie
sie der Buddha lehrte nicht gegenseitig ausschließen.
Ich denke nicht das diese Wahrheit loszulassen sei.
Aber das sog. Nichtwissen das (mehr das Gegenteil von Wahrheit)
ist vielmehr zu überwinden als ausgerechnet diese wahre Wahrheit.
accinca hat geschrieben:
Frieden-und-Freude hat geschrieben:
Generell scheint mir eine bescheidene und selbstkritische Einstellung gegenüber der "eigenen Richtung" heilsam zu sein, ein dogmatisches Festhalten an Glaubenssätzen und Abwerten anderer "Richtungen" dagegen unheilsam zu sein.

Das darf man aber nicht mit zustimmen oder nicht zustimmen verwechseln.


Ja, das stimmt: Sachliche Kritik halte ich auch für sinnvoll.
Respekt vor anderen buddhistischen Richtungen bedeutet für mich nicht, auf sachlich und freundlich vorgebrachte Kritik zu verzichten.


accinca hat geschrieben:
Frieden-und-Freude hat geschrieben:
Samadhi ist mit Loslassen verbunden.
Dafür ist es nicht wichtig, welcher Richtung jemand angehört. Und es ist eher zweitrangig, was er "glaubt". Es geht beim Meditieren nicht um das, was jemand "hat" (Wahrheiten, Rituale etc.), sondern darum, was jemand loslassen kann.

Wahrheiten, Rituale würde ich aber nicht so eng zusammen sehen.
Aber kommt natürlich auf dies "Wahrheiten" an.
Auch würde ich wirkliche Wahrheit und Übungen wie
sie der Buddha lehrte nicht gegenseitig ausschließen.
Ich denke nicht das diese Wahrheit loszulassen sei.
Aber das sog. Nichtwissen das (mehr das Gegenteil von Wahrheit)
ist vielmehr zu überwinden als ausgerechnet diese wahre Wahrheit.


Mit "Loslassen" meine ich eher so etwas wie "innerlich-locker-werden" und ein starres Festhalten zu lockern.
Es geht also nicht darum, das als wahr Erkannte plötzlich zu verneinen oder einer Beliebigkeit des "Anything goes" zu verfallen, sondern lediglich die dogmatische Starre loszulassen.
Dieses innerliche "Durchlässig-werden" bzw. Loslassen erlebe ich als wichtige Voraussetzung für Samadhi.
Frieden-und-Freude hat geschrieben:
Dieses innerliche "Durchlässig-werden" bzw.
Loslassen erlebe ich als wichtige Voraussetzung für Samadhi.

Was dann schon mal eine Wahrheit wäre.
Würde man sie nicht haben, würde man nicht loslassen.
Da gibt es doch diese Lehrrede von dem Musikinstrument
das überspannt ist und das zu lasch gespannt ist.
So sollte man nicht zu lasch und nicht zu straff gespannt sein.
accinca hat geschrieben:
Frieden-und-Freude hat geschrieben:
Dieses innerliche "Durchlässig-werden" bzw.
Loslassen erlebe ich als wichtige Voraussetzung für Samadhi.

Was dann schon mal eine Wahrheit wäre.
Würde man sie nicht haben, würde man nicht loslassen.


Genau, man kann sich an einer Wahrheit orientieren und sie dennoch zugleich "loslassen". (Denn losgelassen wird ja nur das starre Klammern an der Wahrheit.)

accinca hat geschrieben:
Da gibt es doch diese Lehrrede von dem Musikinstrument
das überspannt ist und das zu lasch gespannt ist.
So sollte man nicht zu lasch und nicht zu straff gespannt sein.


Eine schöne und nützliche Metapher, finde ich.

Für den einen mag es gut sein, straffer zu spannen, für den anderen ist es besser, etwas zu lockern.

Der Buddha war halt ein Menschenkenner. :)
Wenn ich das hier lese, hört sich das für mich so an, als würde einen die Meditation auch nicht viel weiter bringen. Man kann ja scheinbar Versenkungszustände erreichen, die einem beeindruckend vorkommen aber letztendlich auch nicht das sind, was man erwartet hat oder erreichen will. Also hat einen die Meditation doch sogar irgendwie in die Irre geleitet.

Besteht den nicht die Gefahr, dass die Mediation letztendlich nur ein Spiel mit dem Körper ist und einem einfach nur etwas vorgaukelt? Natürlich, es hört sich logisch an, wenn man sagt, dass das Geistliche/Geistige besser zum Vorschein kommen kann, wenn man durch Meditation den Körper „runterfährt“. Aber könnte das nicht auch ein Missverständnis sein? Der meditierende Körper erzeugt halt einfach Gefühle, die einem so vorkommen, als wäre man offener für diese Dinge, aber das sind letztendlich vielleicht auch nur dieselben Gefühle, die einen schon die ganze Zeit in die Irre führen.
antelatis hat geschrieben:
Besteht den nicht die Gefahr, dass die Mediation letztendlich nur ein Spiel mit dem Körper ist und einem einfach nur etwas vorgaukelt? Natürlich, es hört sich logisch an, wenn man sagt, dass das Geistliche/Geistige besser zum Vorschein kommen kann, wenn man durch Meditation den Körper „runterfährt“. Aber könnte das nicht auch ein Missverständnis sein? Der meditierende Körper erzeugt halt einfach Gefühle, die einem so vorkommen, als wäre man offener für diese Dinge, aber das sind letztendlich vielleicht auch nur dieselben Gefühle, die einen schon die ganze Zeit in die Irre führen.

Letztlich soll Meditation ja dazu führen, nicht an Gefühlen zu hängen. Gefühle werden nur wahrgenommen wie sie entstehen und wieder vergehen.

Er beobachtet wie die Gefühle entstehen, beobachtet wie die Gefühle vergehen, beobachtet wie die Gefühle entstehen und vergehen. <Das Gefühl ist da>: diese Einsicht ist ihm nun gegenwärtig, soweit sie eben zum Wissen taugt, zur Besinnung taugt; und uneingepflanzt verharrt er, und nirgends in der Welt ist er angehangen.
http://palikanon.com/digha/d22.htm
Besteht den nicht die Gefahr, dass die Mediation letztendlich nur ein Spiel mit dem Körper ist und einem einfach nur etwas vorgaukelt? Natürlich, es hört sich logisch an, wenn man sagt, dass das Geistliche/Geistige besser zum Vorschein kommen kann, wenn man durch Meditation den Körper „runterfährt“. Aber könnte das nicht auch ein Missverständnis sein? Der meditierende Körper erzeugt halt einfach Gefühle, die einem so vorkommen, als wäre man offener für diese Dinge, aber das sind letztendlich vielleicht auch nur dieselben Gefühle, die einen schon die ganze Zeit in die Irre führen.

Auf solche Ideen kann man nur aus dem Kopf heraus kommen. Wer Meditationserfahrung hat, kennt die Unterschiede. Der Punkt ist: es ist zwar nicht leicht und dauert auch seine Zeit, aber ohne Meditation passiert rein gar nichts. Und DAS kann man nicht wollen, wenn man die 4 edlen Gedanken einmal verstanden hat.
antelatis hat geschrieben:
Wenn ich das hier lese, hört sich das für mich so an, als würde einen die Meditation auch nicht viel weiter bringen. Man kann ja scheinbar Versenkungszustände erreichen, die einem beeindruckend vorkommen aber letztendlich auch nicht das sind, was man erwartet hat oder erreichen will. Also hat einen die Meditation doch sogar irgendwie in die Irre geleitet.

Besteht den nicht die Gefahr, dass die Mediation letztendlich nur ein Spiel mit dem Körper ist und einem einfach nur etwas vorgaukelt?

Beeindruckende Versenkungszustände sind in den meisten Richtungen kein Ziel. In manchen werden sie nach meinem Verständnis sogar als eher schädlich angesehen.

Die schlechte Nachricht: die Wirkung von Meditation kannst Du nur selbst erfahren, Beschreibungen von anderen helfen Dir gar nichts.

Die gute Nachricht: Die Wirkung von Meditation kannst Du selbst erfahren, Beschreibungen von anderen brauchst Du nicht! ^^

Liebe Grüße, Aravind.
kilaya hat geschrieben:
Besteht den nicht die Gefahr, dass die Mediation letztendlich nur ein Spiel mit dem Körper ist und einem einfach nur etwas vorgaukelt? Natürlich, es hört sich logisch an, wenn man sagt, dass das Geistliche/Geistige besser zum Vorschein kommen kann, wenn man durch Meditation den Körper „runterfährt“. Aber könnte das nicht auch ein Missverständnis sein? Der meditierende Körper erzeugt halt einfach Gefühle, die einem so vorkommen, als wäre man offener für diese Dinge, aber das sind letztendlich vielleicht auch nur dieselben Gefühle, die einen schon die ganze Zeit in die Irre führen.

Auf solche Ideen kann man nur aus dem Kopf heraus kommen. Wer Meditationserfahrung hat, kennt die Unterschiede. Der Punkt ist: es ist zwar nicht leicht und dauert auch seine Zeit, aber ohne Meditation passiert rein gar nichts. Und DAS kann man nicht wollen, wenn man die 4 edlen Gedanken einmal verstanden hat.


:like:
Ich möchte nie wieder in eine Welt der Unwissenheit zurück, obwohl ich nicht behaupten will, dass ich jetzt nicht mehr unwissend bin, aber freier als vor der Zeit der Meditation.
_()_
Monikadie4. hat geschrieben:

Ich möchte nie wieder in eine Welt der Unwissenheit zurück, obwohl ich nicht behaupten will, dass ich jetzt nicht mehr unwissend bin, aber freier als vor der Zeit der Meditation.
_()_


Aravind hat geschrieben:
Die gute Nachricht: Die Wirkung von Meditation kannst Du selbst erfahren, Beschreibungen von anderen brauchst Du nicht! ^^
Liebe Grüße, Aravind.


Korrektur: Trotzdem kann man sich natürlich von der Begeisterung anderer anstecken lassen... ^^
Boah eh,

so viele Worte - da wird's einem ja ganz schwummerig!

Also wenn ich jetzt mal die Frage des Threadstarters aufgreife, dann gibt es

1. mehrere Arten von Meditation, die auch ganz unterschiedliche Ergebnisse haben und
2. keine Möglichkeit, den "Wert" einer Meditations Praxis für einen selbst durch beharrliche Diskussion in irgendeinem beliebigen Kontext herauszufinden.

zu 1.: Im jeweiligen Kontext der verschiedenen Schulen werden unterschiedliche Meditationsarten angewandt. Entscheide dich für eine Schule und praktiziere die Meditation innerhalb dieses Kontexts, dann kannst du selber herausfinden, ob das für dich passt oder nicht.

zu 2.: Diskussionen sind IMHO im Buddhismus ungefähr genauso sinnvoll wie ein zweiter Anus am Ellbogen. Buddhismus ist eine Methode mit dem eigenen Geist zu arbeiten; diskursives Denken gehört nicht dazu.

Also antelatis, wenn du wissen willst, wozu Meditation im Buddhismus benutzt wird und wie sie funktioniert und wirkt, such dir 'nen Lehrer - lass dir die Methoden erkären und setz dich auf dein Kissen. Und wenn du dann Fragen zur Meditation oder zu Erlebnissen hast dann ist dein Lehrer dein richtiger Ansprechpartner.

Ganz einfach!
Chrisly hat geschrieben:
Also antelatis, wenn du wissen willst, wozu Meditation im Buddhismus benutzt wird und wie sie funktioniert und wirkt, such dir 'nen Lehrer - lass dir die Methoden erkären und setz dich auf dein Kissen. Und wenn du dann Fragen zur Meditation oder zu Erlebnissen hast dann ist dein Lehrer dein richtiger Ansprechpartner.


Aber hat Buddha selber nicht gesagt, man soll und kann keiner Lehre folgen - also auch keinem Lehrer -, sondern man muss den richtigen Weg selber finden? Dann ist es doch viel sinnvoller, sich alle möglichen Meinungen und Diskussionen anzuhören und sich davon inspirieren zu lassen, anstatt es sich nur von einem Lehrer erklären zu lassen.
antelatis hat geschrieben:
Aber hat Buddha selber nicht gesagt, man soll und kann keiner Lehre folgen - also auch keinem Lehrer -, sondern man muss den richtigen Weg selber finden? Dann ist es doch viel sinnvoller, sich alle möglichen Meinungen und Diskussionen anzuhören und sich davon inspirieren zu lassen, anstatt es sich nur von einem Lehrer erklären zu lassen.


Damit widersprichst du dir selber - denn du hörst auf das was Buddha deiner Meinung nach gesagt haben soll.

Du kannst deine Lebenszeit natürlich einsetzen wie du willst; aber mein Lehrer betont immer wieder, wie wichtig es ist jetzt und hier mit dem eigenen Geist zu arbeiten. Wieviele Meinungen und Ansichten willst du hören und miteinander vergleichen? 10, 200, 10.000?

Und wenn du diese miteinander Vergleichst, abwägst usw. woher willst du wissen, ob du die richtigen Schlüsse ziehen kannst? Buddhas Lehren haben alle nur einen einzigen Zweck: den eigenen Geist zu erkennen.

Wie lange willst du dich mit theoretischen und akademischen Fragen auseinandersetzen, bevor du dann tatsächlich anfängst mit deinem eigenen Geist zu arbeiten? Wie lange lebst du noch? Wieviel Zeit bleibt dir um deinen Geist zu erkennen?

Kein Mensch weiß, ob er nächste Woche noch lebt oder nicht - also was wirst du tun?

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