Leben im Hier & Jetzt - Gegenwärtigkeit & Achtsamkeit

Moderator: kilaya

Hallo zusammen,

Seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit Menschen wie Eckhart Tolle und seinen Büchern, oder lehrreichen youtube Videos wie "innere welten - äußere welten".

Inhaltlich entspechen diese Bücher und Videos dem, was ich vorher schon fühlte, nur nie so gut auf den Punkt bringen konnte.

Vor kurzem fiel mir ein eher "leichteres" Buch mit dem Titel "Ruhe da oben!" von Andreas Knuf in die Hände. Es ließt sich sehr gut und ist vor allem praktisch und pragmatisch orientiert. Ein guter Einstieg in Achtsamkeit und das Leben im Hier und Jetzt.

Es gibt auch zahlreiche Übungen in dem Buch, die meisten kannte ich schon, aber wiederholen schadet nicht. Wie ich bemerkt habe, fällt mir jedoch folgendes immer sehr schwer:

Sobald ich meine Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt richte und ein Geräusch, einen Geruch, ein Gefühl oder einen Gegenstand bewusst wahrnehme, erinnert mich es jedes Mal automatisch an irgendeine Situation aus meiner Vergangenheit, eigentlich immer etwas Schönes, aber ich kann nicht verhindern, dass meine Gedanken dann zu jener Situation aus der Vergangenheit zurück wandern, anstatt im Moment zu bleiben. Kennt ihr ähnliche Erfahrungen und habt Ratschläge, wie man dieses Muster änder könnte ?

Mein Verstand findet im Bruchteil einer Sekunde eine Erinnerung und Zack bin ich eigentlich nicht mehr Gegenwärtig sondern tauche in das Bild der Vergangenheit ein.
Beispiele:
Ich höhre das Surren eines Ventilators und es erinnert mich an das dumpfe Surren der Flugzeugturbinen als ich hoch über dem Uralgebirge in der Dämmerung aus dem Fenster schaute und diese unglaublich schöne Landschaft betrachtet habe.
Ich sehe die Sonne auf die Blätter eines Baumes scheinen und denke "Der Baum schaut aus wie der Eukalyptus Baum auf dem du mal Koalas beoachtet hast". Und so weiter und so fort. Meine Vergangenheit ist sehr reich an schönen Erinnerungen und ich möchte diese auch nicht los werden, aber sie hindern mich doch in der oben genannten Weise daran im Hier und Jetzt zu leben, weil sie mich immerzu fort tragen.

Danke für eure Ratschläge und eure Zeit
Simon
Hallo,

sanubis hat geschrieben:
Sobald ich meine Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt richte und ein Geräusch, einen Geruch, ein Gefühl oder einen Gegenstand bewusst wahrnehme, erinnert mich es jedes Mal automatisch an irgendeine Situation aus meiner Vergangenheit, eigentlich immer etwas Schönes, aber ich kann nicht verhindern, dass meine Gedanken dann zu jener Situation aus der Vergangenheit zurück wandern, anstatt im Moment zu bleiben. Kennt ihr ähnliche Erfahrungen und habt Ratschläge, wie man dieses Muster änder könnte ?

In so einem Fall versuche ich nicht das Muster zu ändern sondern die Erinnerung ebenfalls in die Gegenwart mit einzubeziehen - Aha da ist jetzt eine Erinnerung. Dass man sich verlieren kann und damit die Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt verloren geht passiert ja nicht nur bei Erinnerungen, sondern bei aller Art Wahrnehmung. In Gedanken, Gefühlen, Wünschen und Sinneseindrücken ist man entweder derjenige der denkt, fühlt usw. oder man beobachtet alles im Hier und Jetzt. Das ist halt gewöhnlich ein langer Übungsweg mit vielen Hindernissen. Ohne den gesamten achtfachen Pfad zu befolgen geht das auch nicht so richtig voran.
sanubis hat geschrieben:
Meine Vergangenheit ist sehr reich an schönen Erinnerungen und ich möchte diese auch nicht los werden, aber sie hindern mich doch in der oben genannten Weise daran im Hier und Jetzt zu leben, weil sie mich immerzu fort tragen.


Vielleicht ist es nützlich, wenn du deine Fähigkeit, dich so schnell und so lebhaft in schöne Erinnerungen zu vertiefen, erst einmal als Vorteil siehst.
Nicht jeder hat diese Fähigkeit, und dir schenkt sie glückliche Momente.
Du hast das anscheinend zu einer gewissen Perfektion gebracht, jeden gegenwärtigen Anlass zu nutzen, um dich an etwas Schönes zu erinnern.
Zugleich ist dir bewusst, dass dein Leben durch Achtsamkeit und Meditation auf eine ganz andere Art bereichert werden kann.
Indem Vergangenheit und Zukunft eine Weile losgelassen werden.

Du könntest vor jeder Übung dir vergegenwärtigen, dass es darauf ankommt, das Hier und Jetzt wahrzunehmen, quasi als Einstimmung denken: "Ich bleibe in der Gegenwart".
Dann vielleicht erstmal einige Wochen mehrfach täglich nur für wenige Minuten üben, dafür aber konsequent immer wieder zum Meditationsobjekt bzw. zur gegenwärtigen Wahrnehmung zurück.

Genauso wie du gelernt hast, jede Gelegenheit zu nutzen, um dich an schöne Momente zu erinnern, kannst du mit ein wenig Übung auch lernen, bei Achtsamkeitsübungen und in der formellen Meditation für eine bestimmte Zeit in der Gegenwart zu bleiben.
Hallo Sanubis
Ist es nicht so das auch deine Erinnerungen hier sind und nicht Vergangenheit? Gehören deiner Erinnerungen die Du jetzt hast nicht auch zu deinem Leben wie es jetzt ist? Es gibt nichts zu bereuen wenn sich jemand erinnert ohne gleichzeitig zu glauben das seine Erinnerungen handeln im jetzt mit den Dingen der Erinnerung sind. Es ist immer Dein Leben und das ist untrennbar vom hier in dem Du jetzt lebst.
Im Buddhismus dient die Sammlung ja dazu, genauer zu sehen was im Geist so passiert. Die ganzen Mechanismen wie Leid entsteht usw. Und im Allgemeinen merkt man da, dass der eigene Geist viel wirrer und unruhiger ist als man so denkt. Dass man abschweift ist also sehr normal.

Ich kenne jetzt die Bücher nicht die du liest, aber erwecken die so die Hoffnung das sei so ne schnelle Sache, wo es wenig Zeit und Geduld braucht?
Simon, mein Tipp wäre: Probiere es mal aus mit einer Achtsamkeitsmeditation. Wird das gar nicht im Buch empfohlen? Suche Dir einen ruhigen Ort und versuche (eventuell mit geschlossenen oder halboffenen Augen) Dich auf den Atem zu konzentrieren. Aufrecht sitzen. Bei einer stillen Meditation gibt es nicht so viele "Trigger", die Dich ablenken könnten.
sanubis hat geschrieben:
....
Mein Verstand findet im Bruchteil einer Sekunde eine Erinnerung und Zack bin ich eigentlich nicht mehr Gegenwärtig sondern tauche in das Bild der Vergangenheit ein.
Beispiele:
Ich höre das Surren eines Ventilators und es erinnert mich an das dumpfe Surren der Flugzeugturbinen als ich hoch über dem Uralgebirge in der Dämmerung aus dem Fenster schaute und diese unglaublich schöne Landschaft betrachtet habe.
Ich sehe die Sonne auf die Blätter eines Baumes scheinen und denke "Der Baum schaut aus wie der Eukalyptus Baum auf dem du mal Koalas beoachtet hast". Und so weiter und so fort. Meine Vergangenheit ist sehr reich an schönen Erinnerungen und ich möchte diese auch nicht los werden, aber sie hindern mich doch in der oben genannten Weise daran im Hier und Jetzt zu leben, weil sie mich immerzu fort tragen.


Hmmm, ich verstehe das jetzt nicht so ganz. Wieso gehören Deine Erinnerungen oder Assoziationen in einem konkreten Augenblick nicht mehr zu diesem Augenblick als andere vielleicht ganz direkte Eindrücke?

"Der Baum schaut aus wie der Eukalyptus Baum auf dem du mal Koalas beoachtet hast"... ?? Ich finde es einfach nur toll, daß Du diese Chance für einen Vergleich hast.

Es wäre nur übel, wenn Du damit wie in einer defekten Schallplatte hängen bleibst um immer die Vergangenheit zu wiederholen.
Ist ja bei jedem so anders. Mir hat es mal geholfen immer wieder zurück zum Körper zu kommen. Dabei habe ich mich meist auf dieselben Körperaspekte beschränkt. Fand ich einfacher.
Mir hat es geholfen, dass ich eine Erklärung für mein Sich fand
Hallo Sanubis,ich stelle auch immer wieder fest,dass es unheimlich schwer ist,wirklich im Hier und
Jetzt zu leben.Ich habe mal gelesen,dass es auch hilfreich sein kann,ganz normale Alltagsgeräusche,
wie z.B.das Klingeln des Telefons,die Hupe eines Autos,eine Polizeisirene oder ähnliches mit einzubeziehen sozusagen als 'Achtsamkeitsglocke',die einen immer wieder daran erinnert,ein paar
bewusste Atemzüge zu nehmen und so mit dem Geist in die Gegenwart zurückkehren.Das gelingt mir
allerdings nur bedingt gut,ist aber eine Möglichkeit. :)
Hallo,
das mit den schnellen Gedanken,kann man durch die Beobachtung, wie sie entstehen, bestehen und vergehen, einschränken. Das findet in der Vertiefung des Achtfachen Weges, im Teil, die Pfeiler der Einsicht unter dem Oberbegriff Gefühle, statt!

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