Mitgefühl versus Nirvana?

Moderator: kilaya

Hallo Ihr Lieben,

auf der Suche nach Antworten bin ich auf dieses Forum gestoßen.

Ein Thema das mich schon mein ganzes Leben begleitet ist, dass ich öfters von anderen als gefühllos war genommen werde. Mit den meisten Menschen komme ich ganz gut aus - am besten mit denen, die einen spirituellen Bezug haben (egal ob buddhistisch, oder eine andere Richtung). Es kommt aber immer wieder vor, dass man mir Leute, die nicht spirituell sind, vorwerfen, dass ich mich nicht einfühlen kann.

Von Zeit zu Zeit befasse ich mich deshalb mit dem Thema "Mitgefühl", lese z.B. Bücher von Pema Chödrön wie "Tonglen", wo sie z.B. auch schreibt, dass man das was man sich für einem selber wünscht für alle fühlenden Wesen wünschen soll. Ich hab das aber noch nicht so richtig griffig und das Thema entgleitet mir deshalb immer wieder.

Einerseits gibt es im Buddhismus ja die fünf Silas (Sittlichkeitsregeln), die ich gut finde und auch praktiziere ... und froh darüber bin, dass meine Freundinnen sich auch daran halten ... und ich mich deshalb sicher fühlen kann, weil ich weiß, was sie tun und was warum nicht und dass sie mich nicht belügen, oder bestehlen würden.

Irgendwie bringe ich es aber gedanklich nicht zusammen - z.B. mit dem Nirvana. Wenn es keinen Täter gibt und keinen, dem das Leid widerfährt ... warum kümmere ich mich dann um Mitgefühl? Wer oder was fühlt mit wem mit und warum?

Für mich ist es einfach nur praktisch und nett(er), wenn man achtsam und freundlich miteinander umgeht, aber nicht mehr.

Ich würde Leuten die über was jammern (und keinen spirituellen Bezug haben) gern etwas sagen, weiß aber nicht was (so dass sie es verstehen) und wie.

... und ich würde es gerne "behirnen" - das eine mit dem anderen irgendwie zusammen bringen.

Vielleicht könnt ihr mir ja helfen.

Ganz lieb Grüße
Hanni
Mitgefühl ist ein Nebenprodukt des Erwachens. Es wäre eher Nihilismus, würde man Probleme (anderer Wesen) oder weltliche Dinge aus- bzw. verblenden.
Hi kal,

ich glaub nicht, dass ich Probleme anderer ausblende oder verdränge. Was mich immer wundert, ist der Umgang damit. Ich hatte z.B. mein Leben lang das Gefühl, dass was falsch läuft und war auf der Suche. Viele glauben aber immer noch, dass sie die Probleme auf der dreidimensionalen Ebene lösen können und ich kann das nicht nachvollziehen.

Es ist ja nicht so, dass ich nicht das Gefühl hab, dass sie arm dran sind, aber es kommt immer gleich das aber sie könnten ja ... wenn sie wüssten ...

Ganz liebe Grüße
Hanni
Meiner Meinung nach liegt bei Dir eine Verwechselung vor. Nirvana ist kein Mitgefühl. Mitgefühl entwickeln kann Nirvana erfahrbar machen. Mitgefühl kann sich in bedingungslose Liebe wandeln, doch das ist auch nicht Nirvana. Das Problem ist die Weiterentwicklung von Mitgefühl zu bedingungsloser Liebe. Es gibt wirklich bedingungslos Lieben, doch das ist weder Mitgefühl noch Nirvana. Wenn schon Mitgefühl da ist versuche mal das zu lieben was nicht dein Mitgefühl abdeckt. Durch Mitgefühl bedingt ist bedingungslos lieben. Nirvana ist etwas das bedingt durch, nein, ich weiß es nicht.

Nirvana ist das Verneinen von allem was es sein könnte bis selbst Nirvana verneint ist. Nirvana ist nicht, sonder ist nicht wenn es erfahren wird. Mit allen Gefühlen, Begriffen selbst mit dem Begriff Nirvana hat Nirvana nicht am Hut.
Hi Ellviral,

ich hab auch schon versucht was zu lieben, was mein Mitgefühl nicht abdeckt, aber das fühlt sich auch nicht richtig an.

Prinzipiell finde ich Deine Antwort aber gut - auf bedingungslose Liebe hinarbeiten und so.

Ganz liebe Grüße
Hanni
Whanni hat geschrieben:
Hi Ellviral,

ich hab auch schon versucht was zu lieben, was mein Mitgefühl nicht abdeckt, aber das fühlt sich auch nicht richtig an.

Prinzipiell finde ich Deine Antwort aber gut - auf bedingungslose Liebe hinarbeiten und so.

Ganz liebe Grüße
Hanni
Das ist kein hinarbeiten. Mach einfach, jetzt, immer, finde das was Du nicht finden willst, das was dein Mitgefühl nicht erkennen will. Wo ist es Mitleid oder Abwenden?
Hallo Hanni,
Du schreibst: Irgendwie bringe ich es aber gedanklich nicht zusammen - z.B. mit dem Nirvana. Wenn es keinen Täter gibt und keinen, dem das Leid widerfährt ... warum kümmere ich mich dann um Mitgefühl? Wer oder was fühlt mit wem mit und warum?

:eek: Puuuh - weißt Du, alles wäre weitaus einfacher, wenn jeder, der sich für den Buddhismus interessiert, zunächst einmal ein einfaches Büchlein über die grundlegenden Lehren lesen würde :wink: ;

1.) gäbe es dann weitaus weniger Verwirrung und Missverständnisse, und
2.) wäre es den Menschen möglich, die Spreu vom Weizen zu trennen, falls sie irgendwann einmal eines der ´zig aus dem Boden schießenden Dharma-Zentren betreten und das, was dort erzählt und getan wird, auf seinen Wahrheitsgehalt abklopfen können.

So - und nun werde ich versuchen, Dir zu antworten:

Wenn jemand ausholen würde und Dich schlägt, wäre die Lage gewiss augenblicklich klar: derjenige, der Dich geschlagen hat, ist der Täter, Du, also diejenige, die geschlagen wurde, würdest Schmerz empfinden und daher sicherlich leiden, und was Du denken würdest, wenn Deine Freundinnen kein Mitgefühl mit Dir hätten, Dich nicht trösten würden, sondern Dir irgendetwas von "es gibt ja keinen Täter und keinen, dem das Leid geschieht" erzählen würden, weißt Du am besten selbsṭ.
....
Somit steht fest: es gibt auf jeden Fall empfindende Personen, und ja, ... alle buddhistischen Schulen stimmen darin überein, dass eine Person existiert – und zwar auf konventioneller Ebene.

Was heißt das?

Das "Ich" oder "Selbst", wie einige sagen, (das ist das, was Du als Hanni ("Ich") empfindest), existiert lediglich in Verbindung mit den körperlichen und geistigen Aggregaten, den Skandhas. (So nennt man in der buddhistischen Philosophie eine Gruppe sich ständig verändernder, physischer und psychischer Bestandteile.)

Dennoch wirst Du innerhalb dieser Gruppen von "Bestandteilen" nichts auffinden, was Du nun genau als "Ich oder Selbst", also als Hanni, bezeichnen könntest. Weder Deine Knochen, Muskeln, Sehnen, Organe usw. sind Hanni, auch nicht Dein Geist allein, noch sind Deine Empfindungen oder Gefühle Hanni.

Nun wird es erst einmal langweilig - ist aber nötig zu wissen, wenn Du Deine Frage beantwortet haben möchtesṭ.

Fünf Aggregate oder Skandhas (die Bestandteile)

Körper und Geist sind eine Einheit; beides ist voneinander abhängig. Differenzierter wird unterteilt in:

- Körper
- Geist:
* Bewusstsein - auch Hauptgeist genannt
* Empfindung
* Unterscheidung
* gestaltenden Faktoren

Funktion der geistigen Tätigkeit:

- Der Hauptgeist auch Bewusstsein genannt, wird stets von einer Empfindung begleitet.
- Die Empfindung ist die Basis aller Emotionen, denn sie wägt bei der Wahrnehmung ab: angenehm, unangenehm oder neutral.
- Die Unterscheidung meldet sich mit: will ich, will ich nicht.
- Die sog. "gestaltende Faktoren", sind Geistesfaktoren wie Begierde, Hass, Konzentration, Vertrauen etc., die aufgrund der Empfindung und Unterscheidung im Hauptgeist, dem Bewusstsein entstehen.

Wie Du siehst, besteht Hanni aus vielen Teilen, die ständig in Bewegung sind, denn es vergeht kaum eine Minute, in der Du nicht etwas anderes denkst, Deine Aufmerksamkeit auf etwas Neues richtest, vielleicht Deine Meinung änderst, und ganz nebenbei auch noch alterst, einen Schnupfen bekommst usw....

Auch die Menschen, denen Du begegnest - so auch derjenige, der (wie oben als Beispiel angebracht) Dich schlägt, Deine Freundinnen, die Mitgefühl zeigen, verändern sich ständig. Nichts und niemand ist in der nächsten Sekunde noch genauso, wie in der Sekunde zuvoṛ. ... Alles ist im steten Wandel begriffen.

Das ist der tiefere Sinn der Worte:
Nicht findet man der Taten „Täter“,
Kein „Wesen“, das die Wirkung trifft,
Nur leere Dinge zieh’n vorüber:
Wer so erkennt, hat rechten Blick.
Und während so die Tat und Wirkung
Im Gange sind, wurzelbedingt,
Kann, wie beim Samen und beim Baume,
Man kein Anfang je erspäh’n.
Visuddhi-Magga XIX

Wichtig ist, zu begreifen, dass diese Lehre kein "absolutes Nichts", keinen Nihilismus propagiert; es wird lediglich erklärt, das eines vom anderen abhängig ist, nichts aus sich heraus existiert, und alles dem steten Wandel unterworfen isṭ

Der Wandel hat sein Gutes: ein Kranker kann gesunden, ein Trauriger Mensch wieder fröhlich werden, und ein Mensch, der sich für die buddhistischen Lehren interessiert, kann seinen Geist schulen und lernen, worum es in dieser Religion letztendlich gehṭ :) :wink:

Dieser "Durchblick", das tiefe Verständnis und das Verinnerlichen der Lehre Buddhas, wird Erleuchtung genannṭ. ... Die Beendigung aller Leidenschaften zusammen mit den Samen dieser Leidenschaften, so dass nicht mehr die geringste Leidenschaft und die geringste Unwissenheit zurückkehren kann, das ist Nirvana, (zumindest habe ich es so gelernt :) )

LG mkha'
Hallo Whanni und herzlich Willkommen,
mir geht es ähnlich wie Dir. Ich selbst empfinde mich sogar meistens als kalt. Aber ich halte es nicht für falsch. Ich bin nur nicht auf sentimentale Weise mitfühlend, es sei denn, es handelt sich um ein Kind, dem ich den Schmerz wegpusten will.

Was aber ist Mitgefühl wirklich? Für mich ist da Stille - und Hinwendung, wenn nötig. Handelt es sich um Jammern auf höchsten Niveau, kann ich sogar sehr barsch werden. Es wird viel zu viel gejammert. Uns geht es gut, selbst wenn wir nicht all das haben, was andere haben, selbst wenn wir verlassen werden, krank und alt. Das alles sind Prozesse, die eben nicht nur passieren, sondern teilweise unvermeidlich sind. Im übrigen behaupte ich, dass ich nur mit-fühlen kann, was ich selbst durchgemacht habe. Alles Andere sind Vorstellungen.

Ich habe mich ein Leben lang um wahres Mitgefühl bemüht. Echtes Mitgefühl war dann ein Ergebnis von Einsichten, sozusagen ein Nebenprodukt. Wie Ellviral schreibt, unbedingtes Lieben - ohne Schnörkel. Dennoch würde so mancher mich als kalt empfinden, weil ich nicht unbedingt in Tränen ausbreche. Aber das ist für mich eher Selbst-Mitleid.

Nirvana hat m.E. damit überhaupt nichts zu tun. Nirvana hat der Buddha erreicht, für uns - behaupte ich - ist es mondweit entfernt. Die Leerheit allerdings verstehe ich so, dass die Dinge - alle Dinge - im Grunde leer sind. Das heißt, sie werden mit unseren Begriffen, Bewertungen, Vorstellungen, Illusionen gefüllt. Und da hat jeder Mensch so seinen eigenen Füllstoff. Ich fülle das Wort Liebe sicher anders als andere. Das hat ja auch mit meinen Erfahrungen zu tun. Ein Mensch zum Beispiel, der noch nie romantische Liebe erlebt hat, wie will er das Wort füllen? Eine Frau, die noch nie ein Kind ausgetragen hat, wie will sie das Wort füllen, geschweige denn ein Mann?

Alle Dinge sind im Grunde leer, denn sie existieren nicht unabhängig. Alles ist bedingt.
Menschen, die von der Leerheit der Person sprechen, sprechen häufig davon, weil sie eine Befreiung von Bewertung wünschen, weil sie möglicherweise keine Verantwortung für ihr Handeln übernehmen wollen, denn es gibt ja offenbar keinen Handelnden.
Aber das ist falsch - nicht dies, nicht das, sowohl als auch. Wir haben einen Handlungsspielraum, sonst könnten wir uns ja nicht für die Lehre Buddhas entscheiden. Aber inwieweit wir entscheidungsfähig sind, hängt wiederum von unserer Reife ab - Karma?
_()_ Monika
Whanni hat geschrieben:
Hi kal,

ich glaub nicht, dass ich Probleme anderer ausblende oder verdränge. Was mich immer wundert, ist der Umgang damit. Ich hatte z.B. mein Leben lang das Gefühl, dass was falsch läuft und war auf der Suche. Viele glauben aber immer noch, dass sie die Probleme auf der dreidimensionalen Ebene lösen können und ich kann das nicht nachvollziehen.

Es ist ja nicht so, dass ich nicht das Gefühl hab, dass sie arm dran sind, aber es kommt immer gleich das aber sie könnten ja ... wenn sie wüssten ...

Ganz liebe Grüße
Hanni


Das was Du meinst ist die Problematik von Dukkha, die Menschen suchen in der Welt der Bedingtheit für die Lösung ihrer Probleme.. So wird das Leiden niemals aufhören und auch mit dem Erkennen den Illusionen kann und wird Leiden weiterhin bestehen, denn als Mensch in der Welt ist man zwangsläufig mit Umständen und Situationen konfrontiert, welche Schmerzen, Leid oder ähnliches beinhalten. Mit dem Durchblicken der Illusion des Ichs ist da nur niemand mehr, der sich damit identifiziert, sein Selbstkonzept daraus strickt, eine Story daraus macht oder es dramatisiert.

Was ich eingangs meinte, ist die Konzeptualisierung der Erfahrung der Nichtdualität, Nirwana. Ja, letztlich ist alles irgendwie illusionär, aber Mitgefühl entspringt aus der unmittelbaren Erfahrung und nicht durch gedankliche Reflexion oder durch die Konzeptualisierung von Erfahrung. In der Unmittelbarkeit spürst Du das Leiden der Menschen um Dich und ohne gedankliches Rechtfertigen oder Nachgrübeln kan Mitgefühl entstehen und demnach auch authentisches Handeln, ohne den Einfluss von Egoismus oder selbstwertdienlichem Verhalten, stattfinden.

Beste Grüße,
Ben
Ben, Du kannst eindeutig besser erklären, als icḥ: kurz, präzise, bingo. :) :wink:
Vielen Dank für die Blumen :)
kal hat geschrieben:
Was ich eingangs meinte, ist die Konzeptualisierung der Erfahrung der Nichtdualität, Nirwana. Ja, letztlich ist alles irgendwie illusionär, aber Mitgefühl entspringt aus der unmittelbaren Erfahrung und nicht durch gedankliche Reflexion oder durch die Konzeptualisierung von Erfahrung. In der Unmittelbarkeit spürst Du das Leiden der Menschen um Dich und ohne gedankliches Rechtfertigen oder Nachgrübeln kann Mitgefühl entstehen und demnach auch authentisches Handeln, ohne den Einfluss von Egoismus oder selbstwertdienlichem Verhalten, stattfinden.

Beste Grüße,
Ben


Ja, gut erklärt, Ben.
_()_
mkha' hat geschrieben:
Puuuh - weißt Du, alles wäre weitaus einfacher, wenn jeder, der sich für den Buddhismus interessiert, zunächst einmal ein einfaches Büchlein über die grundlegenden Lehren lesen würde


Ein wenig über die Grundlagen können wir ja auch beisteuern :)

Da gibt es auf relativer Ebene z.B, die 10 heilsamen Handlungen (des Körpers (1-3), der Rede (4-7), des Geistes (8-10):

1) Leben retten
2) Freigebigkeit
3) harmonische Beziehungen

4) Wahrheit sprechen
5) freundliche Worte wählen
6) harmonische Rede
7) sinnvolle Rede

8 ) freigebige Geisteshaltung
9) gute Wünsche
10) rechte Ansicht

Damit haben wir im Allgemeinen schon sehr viel zu tun :)
Hallo mkha´,

vielen lieben Dank für Deine ausführliche Antwort - zusammen mit anderen Antworten, die ich gestern Abend hier erhalten hab, wird es für mich langsam griffiger.

Dein Beispiel mit dem Schlagen ist zwar heftig, aber wenn mir etwas weniger schlimmes passiert, ist es schon so, dass ein paar Freundinnen, wenn ich es ihnen erzähle, sagen: "Du weißt eh." und ich sag dann nur drauf "Ich weiß eh." Also es ist jetzt nicht so, dass ich nur anderen gegenüber "gefühllos" wirke.

Mit den meisten komm ich auch ganz gut aus - vielleicht ist es ja wirklich so, dass mich die anderen nur in ihre Dramen mit rein ziehen wollen. ... es ist halt nur so, dass das Thema immer wieder Mal aufpoppt.

Ganz liebe Grüße
Hanni
Monikadie4. hat geschrieben:
Hallo Whanni und herzlich Willkommen,
mir geht es ähnlich wie Dir. Ich selbst empfinde mich sogar meistens als kalt. Aber ich halte es nicht für falsch. Ich bin nur nicht auf sentimentale Weise mitfühlend, es sei denn, es handelt sich um ein Kind, dem ich den Schmerz wegpusten will.

Was aber ist Mitgefühl wirklich? Für mich ist da Stille - und Hinwendung, wenn nötig. Handelt es sich um Jammern auf höchsten Niveau, kann ich sogar sehr barsch werden. Es wird viel zu viel gejammert. Uns geht es gut, selbst wenn wir nicht all das haben, was andere haben, selbst wenn wir verlassen werden, krank und alt. Das alles sind Prozesse, die eben nicht nur passieren, sondern teilweise unvermeidlich sind. Im übrigen behaupte ich, dass ich nur mit-fühlen kann, was ich selbst durchgemacht habe. Alles Andere sind Vorstellungen. ....


Liebe Monika,

danke - es hat mir gut getan, dass Du schreibst, dass es Dir auch so ähnlich geht. Hinwendung finde ich gut - vielleicht sollte ich das mehr praktizieren.

Ganz liebe Grüße
Hanni
kal hat geschrieben:
Das was Du meinst ist die Problematik von Dukkha, die Menschen suchen in der Welt der Bedingtheit für die Lösung ihrer Probleme.. So wird das Leiden niemals aufhören und auch mit dem Erkennen den Illusionen kann und wird Leiden weiterhin bestehen, denn als Mensch in der Welt ist man zwangsläufig mit Umständen und Situationen konfrontiert, welche Schmerzen, Leid oder ähnliches beinhalten. Mit dem Durchblicken der Illusion des Ichs ist da nur niemand mehr, der sich damit identifiziert, sein Selbstkonzept daraus strickt, eine Story daraus macht oder es dramatisiert.
...


Hallo Ben,

ja das wird es wahrscheinlich eher sein ... ich frag mich nur, warum mich das so triggert ... wo ich da noch anhänge. Irgendwie ist das Thema für mich (auch) noch nicht gegessen.

Ganz liebe Grüße
Hanni
Sherab Yönten hat geschrieben:
mkha' hat geschrieben:
Puuuh - weißt Du, alles wäre weitaus einfacher, wenn jeder, der sich für den Buddhismus interessiert, zunächst einmal ein einfaches Büchlein über die grundlegenden Lehren lesen würde


Ein wenig über die Grundlagen können wir ja auch beisteuern :)

Da gibt es auf relativer Ebene z.B, die 10 heilsamen Handlungen (des Körpers (1-3), der Rede (4-7), des Geistes (8-10):

1) Leben retten
2) Freigebigkeit
3) harmonische Beziehungen

4) Wahrheit sprechen
5) freundliche Worte wählen
6) harmonische Rede
7) sinnvolle Rede

8 ) freigebige Geisteshaltung
9) gute Wünsche
10) rechte Ansicht

Damit haben wir im Allgemeinen schon sehr viel zu tun :)


Hallo Sherab Yönten,

ja vielleicht sollte ich mich mehr darauf konzentrieren was ich machen kann und mir nicht immer so einen Kopf über alles machen. (Hat eh irgendwer auch sinngemäß hier geschrieben.).

Ganz liebe Grüße
Hanni
Hi Buddhis!
Die beiden Begriffe stehen weit auseinander im buddh. Lehrgebäude.
Das Mitgefühl ist im Tugendteil des Achtfachen Weges, allerdings stehtda Mitleid:
Liebe, Mitleid und Erbarmen.
Die Definition von Nibbanam wäre die 8. Freiung (Jhana) und ist die Auflösung der
Wahrnehmbarkeit.
Mitleid ist eine Verhaltensform gegenüber den Mitmenschen und Nibbanam ist ein Bewußtseinszustand, der durch die Vertiefung in den Achtfachen Weg ensteht!
Da steht mit Sicherheit nicht "Mitleid" weil das in einer ganz anderen Sprache geschrieben wurde. Es kann also höchstens in irgendeiner Übersetzung "Mitleid" stehen - und da stellt sich die Frage, wer die Übersetzung gemacht hat und ob man da westliche Vorstellungen hat einfliessen lassen. m.E. passt der Begriff Mitgefühl erheblich besser, weil es kein leidvolles Gefühl ist und Mitfreude ebenso umfasst.
kilaya hat geschrieben:
Da steht mit Sicherheit nicht "Mitleid" weil das in einer ganz anderen Sprache geschrieben wurde. Es kann also höchstens in irgendeiner Übersetzung "Mitleid" stehen - und da stellt sich die Frage, wer die Übersetzung gemacht hat und ob man da westliche Vorstellungen hat einfliessen lassen. m.E. passt der Begriff Mitgefühl erheblich besser, weil es kein leidvolles Gefühl ist und Mitfreude ebenso umfasst.

Aja? Was ist es denn für ein Gefühl das z.B. eine Mutter hat
wenn ihr Kind leidet?
Man muß sich tatsächlich manchmal wundern das es selbst in Deutschland
eine Sprache gibt die nicht exakt ist wie eine Behörde hier zu sein hat.
Das Gefühl das die Mutter hat, wenn das Kind leidet kann Mitleid oder Mitgefühl sein, je nachdem ob die Mutter mitfühlend ist oder mitleidet.

Eine Tugend des Buddhismus auf dem Weg zur Überwindung des Leids wird kaum sein, dass man mehr Leid erzeugt indem man das Leid anderer auch noch im Inneren spiegelt. Und denen ist damit auch nicht geholfen.

Mitgefühl wiederum bedeutet, dass man versteht, was jemand fühlt, egal ob es leidvoll, neutral oder freudvoll ist. Es ist eine Form von Empathie, verbunden mit der Fähigkeit, etwas zu tun weil man selbst eben nicht mitleidet.

Zusätzlich ist der Begriff "Mitleid" im Deutschen oft etwas, das von oben herab benutzt wird. Der Begriff ist auch deswegen nicht gut geeignet, um das auszudrücken, worum es im Buddhismus geht.
Sehr schön und treffend formuliert kilaya. Man muss zwischen Mitleid und Mitgefühl differenzieren. Das Leid eines anderen zu seinem eigenem Leid zu machen kann sicherlich nicht sinnvoll und heilsam sein. Mitgefühl hingegen schon.
kilaya hat geschrieben:
Mitgefühl wiederum bedeutet, dass man versteht, was jemand fühlt, egal ob es leidvoll, neutral oder freudvoll ist.

Das kann nicht sein. Mitfreude (muditā) ist etwas anderes
als karunā (Mitleid).
Es kann nicht angehen das eine anderes zu behandelt als das andere.
Insofern sich jemand bei der Mitfreude an der Freude des anderen
beteiligt kann es nicht angehen das man am Leid des anderen unbeteiligt
bleiben möchte. Daher ist Mitleid anstelle von Mitgefühl, wobei man
nicht sagt um was für ein Gefühl es geht, wohl realistischer.

p.s. Ich könnte aber noch anbieten an stelle von Mitleid
das Wort "Erbarmen" einzusetzen. Dabei geht es zwar um Leiden
aber Erbarmen bedeutet nicht unbedingt zusätzlich mitzuleiden.
Das Gefühl einer Mutter ist als Erstes ein biologisch hormonell bedingtes Sichern der Art.
Oder was ist es, wenn eine Hündin sich aufopfert für ihren Nachwuchs?

Ich muss Lachen, wenn Alles und Jedes durch die Lehre versucht wird zu erklären.

_()_
accinca hat geschrieben:
Insofern sich jemand bei der Mitfreude an der Freude des anderen
beteiligt kann es nicht angehen das man am Leid des anderen unbeteiligt
bleiben möchte. Daher ist Mitleid anstelle von Mitgefühl, wobei man
nicht sagt um was für ein Gefühl es geht, wohl realistischer.

Ich finde schon, dass es auf der bedingten Ebene sinnvoller ist, Freude zu vermehren, als Leid zu vermehren.

accinca hat geschrieben:
p.s. Ich könnte aber noch anbieten an stelle von Mitleid
das Wort "Erbarmen" einzusetzen. Dabei geht es zwar um Leiden
aber Erbarmen bedeutet nicht unbedingt zusätzlich mitzuleiden.

Finde ich besser, wenn auch nicht optimal.

Aber optimal ist wohl kein Wort...

Die Frage ist ja immer, welche Begriffe in einer Sprache die richtigen / besten Assoziationen mit dem auslösen, was gemeint ist.

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