Laienfrage Politik und Buddhismus

Moderator: kilaya

Hallo,

ich hoffe, ich schreibe keinen kompletten Blödsinn, weil ich habe nicht sehr genau recherchiert nur in den Nachrichten gesehen und gehört, dass es ethische Säuberungen in Myarmar gibt. Das soll ein vorwiegend buddhistisches Land sein und die Angriffe gehen gegen eine andere Religionsgruppe, welche habe ich jetzt vergessen.

Wie kann das sein, dass ein buddhistisch geprägtes Land hunderttausende Menschen vertreibt.

Danke, Son

http://www.bild.de/politik/ausland/myan ... .bild.html
Lieber Son,

danke, dass Du das ansprichst!
Der Konflikt schwelt wohl schon seit Jahren, aber hier wird eine muslimische Minderheit von der buddhistischen Mehrheit massiv verfolgt, unterdrückt und ermordet. Es findet dort offenbar eine "ethnische Säuberung" statt, das Ganze aber nach meinem Wissen nicht unter dem Deckmäntelchen des Buddhismus, sondern als "Antwort" auf die "Terrorattacken" der muslimischen Minderheit.

Auch dort wird also seit nur "seit 5:45 Uhr zurückgeschossen" (Hitler, Adolf. Rede vor dem Reichstag, Berlin, 1. September 1939)

Ohne die Details zu kennen, kann man sich vom Vorgehen der "buddhistisch" geprägten Staatsmacht in Myanmar als Buddhist nur ausdrücklich distanzieren, was ich hiermit tue.

Das ist mit keiner mir bekannten Auslegung des Buddhismus auch nur in Ansätzen vereinbar, wer in dieser Form gegen Menschen, warum auch immer, vorgeht, ist kein Buddhist und spricht und handelt ganz sicher nicht im Sinne des Buddha.

Viele Grüße
Andreas
Es macht überhaupt keinen Sinn zu diskutieren, ohne Details zu kennen.
Wenn man sich anschaut, mit welcher Selbstverständlichkeit in Deutschland auch von Buddhisten über "die Muslime" diskutiert und jederzeit sofort eine (berechtigte) Distanzierung von allem Terror, der im Namen des Islam verübt wird, von allen Muslimen gefordert wird, macht es Sinn, sich um Details zu kümmern. Hau' rein...

void hat geschrieben:
Es macht überhaupt keinen Sinn zu diskutieren, ohne Details zu kennen.


Finde ich.
Andreas hat geschrieben:
Das ist mit keiner mir bekannten Auslegung des Buddhismus auch nur in Ansätzen vereinbar, wer in dieser Form gegen Menschen, warum auch immer, vorgeht, ist kein Buddhist und spricht und handelt ganz sicher nicht im Sinne des Buddha.


Korrekt. Wer hier auf der Seite Myarmar, das sich gerade mühevoll Elemente einer Demokratie erkämpft hat gegen bewaffnete Rebellentruppen kämpft ist kein Buddhist, es handelt sich um reguläre Soldaten. Die Verantwortlichen sind keine Buddhisten, sondern gewählte Politiker.

Wenn diese privat zufällig Buddhisten sind ist das gut, weil sie dann vielleicht weniger Kriegsverbrechen begehen als in solchen Auseinandersetzungen leider üblich ist.
Andreas hat geschrieben:
Das ist mit keiner mir bekannten Auslegung des Buddhismus auch nur in Ansätzen vereinbar, wer in dieser Form gegen Menschen, warum auch immer, vorgeht, ist kein Buddhist ...


Natürlich sind das Buddhisten. Nur weil sie etwas machen, was nicht gefällt, kann man sie nicht einfach ausladen, Hände in den Schoß legen und sagen mein Haus ist sauber. Es sind eben nicht immer nur die anderen.
Lieber Son,
Du fragst: „Wie kann das sein, dass ein buddhistisch geprägtes Land hunderttausende Menschen vertreibt.“
Menschen, die in buddhistisch geprägten Ländern geboren und dort aufwachsen sind, erleben ihre Religion nicht anders, und sie sind nicht anders, als Menschen, die z.B. in christlich geprägten Ländern geboren werden und aufwachsen: sie sind ein mehr oder weniger religiöser Buddhist, bzw. Christ.

Zudem ist Myanmar ein von politischen Unwägbarkeiten gebeuteltes Land (siehe Historie) und die Menschen dort müssen mit der Regierung leben, die von der Mehrheit und (immer noch) dem Militär, unterstützt wird, … (obwohl, so viel ich weiß, ein Demokratisierungsprozess stattfindet.)

Das, was momentan dort geschieht, ist die Fortsetzung einer langen Reihe bereits stattgefundener Operationen:
„Seit der Unabhängigkeit Birmas am 4. Januar 1948 führte die Regierung gegen die Rohingya 20 groß angelegte Militäroperationen. Folge der massiven Militäroperationen war der Tod vieler Rohingya, die Verwüstung ihrer Siedlungsgebiete und Heiligtümer sowie die systematische Zerstörung ihrer Infrastrukturen.“ Siehe (u.v.a.) https://de.wikipedia.org/wiki/Rohingya
… und https://www.vice.com/de_ch/article/wdyd ... heimatlose

Anmerkung:

Natürlich ist das, was ich nun schreibe, kein Vergleich zu dem, was den Rohingya widerfährt, aber es ist, (immer dann, wenn man sich bezüglich des Weltgeschehens fragt: wie kann so etwas?), gut, sich klarzumachen, das, wenn auch nicht so offensichtlich, so dennoch auch in unserem Land (täglich) einiges geschieht, was sich nicht mit den für Christen (angeführt, da hiesige Hauptreligion) maßgeblichen Lehren, z.B. den Zehn Geboten, vereinbaren lässt.

Nicht nur das, was über Aktionen von Mitbürgern zu lesen ist (rechte/linke/Extremisten, ... und auch der Rest :roll: ) ist oftmals unfassbar, auch die Dinge, die sich unsere Politiker, Wirtschaftsbosse Lobbyisten, etc. leisten, (Geschäfte mit Ländern/Staaten zu machen, die sich nicht an die Menschenrechte halten, Verkauf von Kriegsgerät und Waffen an diejenigen, die gut und schnell zahlen, Vorteilnahme, Betrug in großem Stil, Umgang mit Flüchtlingen, etc.), Dinge, die kaum jemand wahrnimmt, sind schrecklich und haben ohne Zweifel oftmals verheerende Wirkungen.


Und schauen wir, (z.B. um ein wieder-aufrichtendes Wort zu lesen), in die Bibel, stellen wir fest, so friedfertig, wie gerne geglaubt wird, sind auch die Urtexte der christlichen Religion gar nicht, (obwohl sie überwiegend in abgeschwächter Form veröffentlicht werden):
"Wenn dein Bruder, der dieselbe Mutter hat wie du, oder dein Sohn oder deine Tochter oder deine Frau, mit der du schläfst, oder dein Freund, den du liebst wie dich selbst, dich heimlich (zu anderen Gottheiten) verführen will ... sollst du nicht nachgeben und nicht auf ihn hören. Du sollst in dir kein Mitleid mit ihm aufsteigen lassen, sollst keine Nachsicht für ihn kennen und die Sache nicht vertuschen. Sondern du sollst ihn anzeigen. Wenn er hingerichtet wird, sollst du als erster die Hand gegen ihn erheben, dann erst das ganze Volk. Du sollst ihn steinigen, und er soll sterben." Bibel, Deuteronomium, 5. Buch Mose 13,7-11, Strafe für falsche Propheten und Götzendiener
... Ob die Menschheit (wenigstens) jemals "zu Verstand" kommt? LG mkha‘
Danke für Eure Antworten! Wie gesagt ich bin Laie, ich habe gestern ein kleines Mädchen gesehen, das die Flucht geschafft mit einer Gruppe, ihr Vater wurde von Soldaten erschossen und ihre Mutter neben ihr bei lebendigem Leid verbrannt. Ich denke nicht, dass das eine Fake News war.

Ich war immer sehr glücklich, dass ich sagen konnte, der Buddhismus ist eine friedliche Religion, aber das kann ich jetzt wohl nicht mehr.

Ich verurteile das zutiefst, egal wie nun der Sachverhalt ist. Buddhistisches Handeln sieht anders aus. Ich habe mich vom Christentum distanziert aufgrund dessen, dass sie Kriege im Namen Gottes führten, Frauen im Mittelalter verbrannt haben und jeden anders Denkenden auch. Und ja heute wird überall auf der Welt Krieg im Namen irgendeiner Religion geführt, siehe Syrien und Co., wie gesagt, ich denke nicht, dass man sagen kann, dass da keine Buddhisten dabei sind, die Verbrechen begehen und dafür gibt es für mich keine Rechtfertigung.

So ein Schwachsinn Krieg im Namen einer Religion, eines Glaubens zu führen, wie kann ich an Gott glauben und Schlechtes für andere tun. Ich habe Jahre in der Katholischen Kirche gearbeitet, ich habe da auch viel erlebt, wenig Gutes gesehen, aber es gab auch Gutes. Aber ich habe mich oft gefragt, warum gehen die Leute in die Kirchen, wenn sie dann zu Hause ihre Frauen schlagen, das ist nur ein Beispiel - es gab konkrete Fälle.

Aber zurück zum Thema - wie gesagt, ich kenne mich politisch normal gut aus, aber nicht in diesem Gebiet, aber zu sagen auch unter den Buddhisten gibt es halt schlechte Menschen ist für mich schwer anzunehmen, ich bin Buddhist geworden, weil ich mich für eine friedliche Religion entschieden habe und natürlich aus anderen Gründen, dass Buddhisten töten ist für mich unvereinbar, wobei nochmal wer ein spiritueller Mensch ist, egal welche Konfession, der sollte schon danach leben, also das sehe ich schon sehr konservativ, Son
Dann hast du dich, wie viele andere auch, aus falschen Gründen für den Buddhismus entschieden. Der Dalai Lama sagt doch immer: bleibe bei den Leisten, die du kennst.
pamokkha hat geschrieben:
Dann hast du dich, wie viele andere auch, aus falschen Gründen für den Buddhismus entschieden. Der Dalai Lama sagt doch immer: bleibe bei den Leisten, die du kennst.

Nein, das sehe ich anders.
Son, wie so viele andere auch, haben sich aus den richtigen Gründen aus einer erwachsenen Überlegung heraus entschieden, ihrer jeweiligen Taufe zum Trotz Buddhisten zu werden.
Dass es Menschen gibt, die sich Buddhisten nennen, aber jedem Verständnis der Lehre des Buddha zuwiderhandeln, macht diese Entscheidung nicht falsch.

Dass es Christen/Muslime/xxx... gibt, die jeder menschlichen Regung zuwiderhandeln, relativiert keine einzige individuelle Handlung.
Egal, unter welcher "Taufe" oder mit welchem "Sinn".
Das Richtige tun, das Falsche lassen.
Und, wenn man es nicht unterscheiden kann, im Kämmerlein bleiben.
Mehr ist doch nicht.

Viele Grüße
Andreas
Son:
Danke für Eure Antworten! Wie gesagt ich bin Laie, ich habe gestern ein kleines Mädchen gesehen, das die Flucht geschafft mit einer Gruppe, ihr Vater wurde von Soldaten erschossen und ihre Mutter neben ihr bei lebendigem Leid verbrannt. Ich denke nicht, dass das eine Fake News war.


Ich wäre vorsichtig mit diesem Urteil. Es ist bekannt dass Extremisten mit gefälschten Bildern und News aufwarten.

Die UN spricht übrigens von einer 'mutmaßlich' ethnischen Säuberung und stützt sich auf Satellitenbilder. Es ist jetzt von 500 Toten die Rede. Die Rohingja Rebellen haben ihrerseits eine Waffenruhe ausgerufen. Es gibt diverses Material das diesen Konflikt beleuchtet.
Lieber Son,

ich kann das, was Du schreibst, sehr gut nachvollzieheṇ. Auch ich bin traurig und immer wieder niedergeschlagen, wenn Menschen, egal welcher Religion, und egal, aus welchen Gründen, einander (oder anderen Lebewesen) Leid zufügeṇ.

Es gab tatsächlich Tage, an denen ich mir wünschte, ich sei wieder genauso abgehoben, unsensibel und dumm wie früher, sodass ich mein Leben, ohne groß nachzudenken, einfach nur genießen könnte, aber dann fiel mir immer wieder rechtzeitig ein, was mir mein Lehrer an einem solchen Tag sagte:
das, was du durch stete Achtsamkeit immer öfter wahrnimmst, ist (zunächst einmal) so, wie es ist, anzunehmen. Auch, wenn dein Empfinden und Unterscheiden, das, was ist, vehement ablehnen möchte und Änderung begehrt, gilt es, unaufgeregt ganz genau hinzuschauen. Nur so, mit unaufgeregtem Geist, ist es dir möglich, Lösungen zu finden, z.B. indem du recherchierst und überlegst, ob und wie du nach bestem Wissen und Können helfen kanṇst. Kannst du etwas tun, ist Handeln angesagṭ. Kann du definitiv nichts tun, kommt der schwerste Teil: das, was ist, so, wie es seiner Natur nach isṭ, anzunehmen und dennoch nicht zu verzweifeln.
Verzweiflung frisst Kräfte, die ich sinnvoller nutzen kann - z.B. indem ich dort helfe, wo Hilfe nötig, erwünscht und möglich ist, (das kann auch bedeuten, dass ich einmal ganz bewusst meine Batterien auflade, denn vernachlässige ich dies, bin ich zu nichts mehr zu gebraucheṇ.)

Lieber Son, bitte bedenke: wo Licht ist, ist zwar unweigerlich auch Schatten, aber niemand ist gezwungen, im Schatten (anderer) zu wandeln. In meinem Leben kam ich schon oft an eine Kreuzung, an der es galt, die ausgetretenen Pfade zu verlassen, um eine eigene Spur zu legeṇ; ... (aber, um mich nicht zu verirren, hatte ich stets einen guten Kompass, den Dharma, in der Tasche. :wink:)

Weißt Du, "Buddhas Fußvolk" ist, wie es ist: menschlich und damit fehlbar; ... auf den Dharma, Buddhas Lehre, und darauf, wie Du sie zum Leben erweckst, (damit meine ich), wie Du sie im täglichen Leben zu Deinem (und zum Wohle anderer) anwendest - nur darauf kommt es an.

LG mkha'
Hallo Ihr Lieben,

Vor allem mit Andreas und mhka´s Darstellungen kann ich mich identifizieren, auch die anderen haben auf ihre Art recht. Nur eines bestreite ich, dass ich mich aus den falschen Motiven für den Buddhismus entschieden habe, das ist für mich wieder so Hardliner Aussage, der jede Empathie fehlt - ich beziehe das auf die Aussage und nicht auf die Person, die es schrieb, weil ich möchte nicht polarisieren, jeder hat sein Recht zu denken und zu sagen, wie er oder sie es empfindet.

Dass viele Nachrichten oft nicht stimmen oder Halbwahrheiten sind ist mir bewusst, aber es hat sich ja auch Dalai Lama kritisch dazu geäußert, also ich hoffe seine Quellen sind verlässlich.

Ich glaub Andreas hat geschrieben, dass auch sein Motiv war, sich einfach dafür zu entscheiden, das richtige zu tun und zu verstehen. Auch der Dalai Lama hat mehrfach betont egal welche Religion ein Mensch hat, es zählt das Richtige zu tun, anderen Menschen bewusst Leid zuzufügen gehört für mich nicht dazu. Und wie mhka auch sagt macht es mich traurig, auch wenn ich anderes Leid sehe, weil ich eben ein mitfühlender Mensch bin und ja mir ist bewusst, ob ich da mitleide oder nicht ändert an den Fakten nichts

Ich finde es nur schade, dass Menschen, die sich zu einer Glaubensrichtung bekennen sehr oft nicht mal annährend danach leben, das gilt leider für fast alle Religionen. Den Buddhismus sah ich bis vor kurzem schon unter einem Sonderstatus, mir waren keine kriegerischen Handlungen bekannt.

Ich bin als Christ auf die Welt gekommen, weil es meine Eltern und die Gesellschaft so wollte, ich wurde nicht gefragt. Als ich zum Buddhismus konvertierte war das eine bewusste und überlegte Entscheidung. Wenn ich die Regeln bzw. den Weg des Buddhismus nicht befolgen wollen würde, hätte ich mir diese Entscheidung sparen können und das meine ich, wenn ich eine bewusste Entscheidung treffe sollte ich auch danach handeln.

Wobei wie gesagt, ich habe ja vorwiegend mit Menschen zu tun, die Katholisch bzw. Christlich ausgerichtet sind und selbst die, die behaupten gute Christen zu sein, da habe ich schon sehr oft ein Verhalten gesehen, was dem komplett widerspricht, was ihr "Lehrer" Jesus Christus lehrte und sagte, weil das "Neue Testament" ist ein gewisser Leitfaden bzw. sehe ich es wie Nietzsche, das was Jesus lehrte und war hat mit der heutigen christlichen Religion sehr wenig zu tun.

Ich habe auch weniger Probleme, wenn Menschen schlecht handeln, die sich nicht als gläubig bezeichnen, aber sich die Lehren ihres Glauben anzuhören, Teil davon zu sein und wider dieser zu leben das gefällt mir nicht und gilt für alle Religionen, dass der Buddhismus auch dazu gehört war vielleicht naiv von mir, aber wie gesagt ich war und bin ja Laie und habe nicht den Einblick den andere die sich sehr intensiv damit beschäftigen haben, LG Son
Die Regierung in Myanmar rechtfertigt Gewalt gegen Rohingyas ja damit, dass es sich um Terorristen handelt. Dazu gibt es ein Bild mit bewaffneten grimmigen Rohingyas. Wer weiß jetzt wirklich was dort genau abgeht? Terrorbekämpfung wäre noch irgendwie verständlich, aber wird gleich das ganze Volk vertrieben, nach Art der Glaubens- und Rassenkriege?

Myanmar war vor Kurzem noch eine gewaltsame Militärdiktatur, wohl nicht gemäß der Buddhalehre. Nur weil Buddhismus die vorherrschende Religion ist bedeutet das nicht dass alle eine buddhistische Gesinnung haben.
Die demokratische Partei von Aung San Suu Kyi hat zwar die Mehrheit im Parlament, sie kann aber laut Gesetz nicht Präsidentin werden weil sie zwei Söhne mit britischer Staatsbürgerschaft hat. Die Nationalisten haben also noch großen Einfluss und befehligen vermutlich das Militär. Man kann wohl davon ausgehen, dass das keine wirklichen Buddhisten sind.
https://www.myanmarexplorer.de/reiseinfos-politik.htm
mukti hat geschrieben:

Myanmar war vor Kurzem noch eine gewaltsame Militärdiktatur, wohl nicht gemäß der Buddhalehre. Nur weil Buddhismus die vorherrschende Religion ist bedeutet das nicht dass alle eine buddhistische Gesinnung haben.
Die demokratische Partei von Aung San Suu Kyi hat zwar die Mehrheit im Parlament, sie kann aber laut Gesetz nicht Präsidentin werden weil sie zwei Söhne mit britischer Staatsbürgerschaft hat. Die Nationalisten haben also noch großen Einfluss und befehligen vermutlich das Militär. Man kann wohl davon ausgehen, dass das keine wirklichen Buddhisten sind.
https://www.myanmarexplorer.de/reiseinfos-politik.htm


Und wie beurteilst du die offenbar sehr einflussreichen nationalistischen Mönche?
Sind das auch keine Buddhisten?
https://www.welt.de/politik/ausland/art ... slime.html
Frieden-und-Freude hat geschrieben:
Und wie beurteilst du die offenbar sehr einflussreichen nationalistischen Mönche?
Sind das auch keine Buddhisten?
https://www.welt.de/politik/ausland/art ... slime.html


Buddhist ist doch jemand der der Lehre des Buddha folgt. Man kann nun meinen dass hasserfüllte Nationalistenmönche Buddhisten mit gravierenden Fehlern sind oder dass sie im Grunde gar keine Buddhisten sind, das sind nur Bezeichnungen. Jedenfalls kann man nicht erwarten dass der Orden des Buddha nach so langer Zeit und massenhafter Verbreitung noch so gut drauf ist wie am Anfang.
Ich verstehe ehrlich gesagt das Problem nicht so ganz. "Buddhisten", "Christen", "Moslems" sind ja ebenso Konzepte wie "Soldaten", "Männer", "Österreicher" etc.

Kurz: Pauschalierungen. Dahinter stehen immer Menschen, jeder mit seiner eigenen Geschichte und seinem eigenen Dukkha. Wer sich irgendwem anschließt, weil das "bessere" Menschen sind, ist automatisch auf dem Holzweg. Das sagt mir nicht Buddha, sondern die bloße Tatsache, dass es sich um Individuen handelt.
Warum sollte jemand, der im Pass Buddhist stehen hat, niemanden umbringen, jemand der Christ drinstehen hat schon?

Anders gesagt, lieber Son, wenn Du Buddhist wurdest, weil Buddhisten netter sind, dann hat pamokkha recht. Das ist der falsche Grund - da suchst Du die Erfüllung bei anderen. Buddhist ist jemand, der den inneren Weg geht. Anders gesagt: Deine "Aufgabe" als Buddhist ist es weniger zu erwarten, dass Buddhisten keine böse Dinge tun, sondern zu fragen: "Moment! Warum empfinde ich da Enttäuschung? An welcher Vorstellung über Buddhisten hafte ich da an?"

Und wenn jemand freundlich zu einem anderen ist, obwohl ihn der beleidigt hat, handelt er gemäß den Weisungen Buddhas und den Weisungen Jesu. Ganz egal, welche Religion im Pass steht. Die Lehre Buddhas hat, so verstehe ich es, nur mit Dir zu tun. Und kein bisschen damit, was andere tun. :)
Frieden-und-Freude hat geschrieben:
Und wie beurteilst du die offenbar sehr einflussreichen nationalistischen Mönche?
Sind das auch keine Buddhisten?

Ich würde sie als Menschen bezeichnen, die Gewalt ausüben und zu Gewalt aufrufen, die sich auf die Lehre Buddhas berufen, aber die Silas nicht befolgen.

So wie Kreuzritter sich auf Jesus beriefen, aber seine Lehre nicht befolgten.
Cfant hat geschrieben:
Wer sich irgendwem anschließt, weil das "bessere" Menschen sind, ist automatisch auf dem Holzweg.


Du meinst das in einem bestimmten Zusammenhang, aber so für sich alleine würde ich das nicht sagen. Gute Gemeinschaft und ein kalyāna mitta (guter Freund) wird nach der Lehre als sehr wichtig angesehen. Dabei kommt es natürlich darauf an wie jemand handelt, nicht als was er bezeichnet wird oder welches Gewand er trägt.
mukti hat geschrieben:
Cfant hat geschrieben:
Wer sich irgendwem anschließt, weil das "bessere" Menschen sind, ist automatisch auf dem Holzweg.


Du meinst das in einem bestimmten Zusammenhang, aber so für sich alleine würde ich das nicht sagen. Gute Gemeinschaft und ein kalyāna mitta (guter Freund) wird nach der Lehre als sehr wichtig angesehen. Dabei kommt es natürlich darauf an wie jemand handelt, nicht als was er bezeichnet wird oder welches Gewand er trägt.


Danke für die Korrektur, ja, das ist präziser. Es ist natürlich ein Unterschied, ob ich sage: "Ich trete der Medidationsgruppe XY bei, weil mich Franz, Fritz und Susi dort inspirieren", also mich konkret Menschen zuwende, oder ob ich sage "Ich werde Buddhist, weil das sind liebe Leute". Ersteres ist eine Erfahrung, die ich gemacht habe, letzteres eine Pauschalierung.
Cfant hat geschrieben:
Es ist natürlich ein Unterschied, ob ich sage: "Ich trete der Medidationsgruppe XY bei, weil mich Franz, Fritz und Susi dort inspirieren", also mich konkret Menschen zuwende, oder ob ich sage "Ich werde Buddhist, weil das sind liebe Leute". Ersteres ist eine Erfahrung, die ich gemacht habe, letzteres eine Pauschalierung.


In puncto Gemeinschaft fällt mir immer diese schöne Stelle im PK ein:

Zur Seite sitzend, sprach nun der Ehrwürdige Anando zum Erhabenen also: 'Die Hälfte des Brahma-Wandels, o Herr, ist dieses, nämlich Freundschaft mit Guten, Gemeinschaft mit Guten, Vertrautsein mit Guten'.
"Sage das nicht, Anando, sage das nicht, Anando: ist es ja doch der ganze Brahma-Wandel, nämlich Freundschaft mit Guten, Gemeinschaft mit Guten, Vertrautsein mit Guten. Von einem Mönch, Anando, der Freundschaft mit Guten hat, Gemeinschaft mit Guten, Vertrautsein mit Guten, ist zu erwarten, daß er den edlen achtfältigen Pfad entfalten und ausbilden wird. S.45.2.
Cfant hat geschrieben:
Frieden-und-Freude hat geschrieben:
Und wie beurteilst du die offenbar sehr einflussreichen nationalistischen Mönche?
Sind das auch keine Buddhisten?

Ich würde sie als Menschen bezeichnen, die Gewalt ausüben und zu Gewalt aufrufen, die sich auf die Lehre Buddhas berufen, aber die Silas nicht befolgen.

So wie Kreuzritter sich auf Jesus beriefen, aber seine Lehre nicht befolgten.


Ja, genau!

Wobei sich die Kreuzritter auf den Papst als oberste religiöse Autorität berufen konnten.
Das real existierende Christentum war Jahrhunderte lang eine auf Machterhalt konzentrierte Ideologie, an vielen Verbrechen beteiligt.

Wie steht es um den real existierenden Buddhismus?
Gibt es Stellungnahmen der verschiedenen buddhistischen Organisationen gegen die Gewalt im Namen des Buddha?

Ich habe davon bislang nichts gelesen.
Liebe(r?) mkha'

mkha' hat geschrieben:
Natürlich ist das, was ich nun schreibe, kein Vergleich zu dem, was den Rohingya widerfährt, aber es ist, (immer dann, wenn man sich bezüglich des Weltgeschehens fragt: wie kann so etwas?), gut, sich klarzumachen, das, wenn auch nicht so offensichtlich, so dennoch auch in unserem Land (täglich) einiges geschieht, was sich nicht mit den für Christen (angeführt, da hiesige Hauptreligion) maßgeblichen Lehren, z.B. den Zehn Geboten, vereinbaren lässt.


mkha' hat geschrieben:
Weißt Du, "Buddhas Fußvolk" ist, wie es ist: menschlich und damit fehlbar; ... auf den Dharma, Buddhas Lehre, und darauf, wie Du sie zum Leben erweckst, (damit meine ich), wie Du sie im täglichen Leben zu Deinem (und zum Wohle anderer) anwendest - nur darauf kommt es an.

LG mkha'
Hervorhebung von mir

Danke Dir!
Und für mich gehört momentan dazu, ein waches Auge auf die Vorgänge in Myanmar zu haben. Ich habe kaum bis keinen Einfluss auf die Vorgänge, aber ich muss ja auch nicht die Augen davor verschließen, dass Ist was Ist. Und, sollten wie immer geartete und "begründete" Gräuel von Buddhisten oder gar im Namen des Buddha begangen werden, dann hab' ich da 'ne Meinung zu und sehe als gelebtes Dharma an, sie auch zu äußern.
Sollten das alles Fake-News sein, dann bin ich da eben drauf reingefallen. :)


Danke Dir für Deine Beiträge, ich habe gerade in den letzten Tagen viel von Dir lernen können.
Liebe Grüße
Andreas
_()_
Lieber Frieden-und_Freude

Frieden-und-Freude hat geschrieben:

Wie steht es um den real existierenden Buddhismus?
Gibt es Stellungnahmen der verschiedenen buddhistischen Organisationen gegen die Gewalt im Namen des Buddha?

Ich habe davon bislang nichts gelesen.

Es gab Anfang des Jahres was vom DL:
http://buddhismus-aktuell.de/meldungen/ ... oeren.html
Aktuell ist mir sonst auch nichts bekannt, leider. Es kocht aber im Moment auch in der Tagespresse und damit im Bewusstsein erst jetzt wieder hoch, vielleicht kommt ja demnächst noch was.


Viele Grüße
Andreas
Andreas hat geschrieben:
Lieber Frieden-und_Freude

Frieden-und-Freude hat geschrieben:

Wie steht es um den real existierenden Buddhismus?
Gibt es Stellungnahmen der verschiedenen buddhistischen Organisationen gegen die Gewalt im Namen des Buddha?

Ich habe davon bislang nichts gelesen.

Es gab Anfang des Jahres was vom DL:
http://buddhismus-aktuell.de/meldungen/ ... oeren.html
Aktuell ist mir sonst auch nichts bekannt, leider. Es kocht aber im Moment auch in der Tagespresse und damit im Bewusstsein erst jetzt wieder hoch, vielleicht kommt ja demnächst noch was.


Viele Grüße
Andreas


Danke für den Link. Das ist immerhin schon etwas.
Son hat geschrieben:
Vor allem mit Andreas und mhka´s Darstellungen kann ich mich identifizieren, auch die anderen haben auf ihre Art recht. Nur eines bestreite ich, dass ich mich aus den falschen Motiven für den Buddhismus entschieden habe, das ist für mich wieder so Hardliner Aussage, der jede Empathie fehlt - ich beziehe das auf die Aussage und nicht auf die Person, die es schrieb, weil ich möchte nicht polarisieren, jeder hat sein Recht zu denken und zu sagen, wie er oder sie es empfindet.

Der Traum von einer perfekten Welt wird von keiner Religion realisiert.
Wenn man eine Religion will, in der es keine schwarzen Schafe gibt, dann muss man seine Eigene gründen und hart daran arbeiten perfekt zu sein. Vorher sollte man aber vielleicht auch etwas Energie in die Betrachtung des eigenen Menschenbildes stecken und ob die eigenen Erwartungen nicht etwas hoch gegriffen sind.
Also die Aufgabe, die man vor sich hat, wenn man ein Reich führen will, sind andere als die, die sich ein buddhitischer Mönch stellt - also Befreiung zu erlangen.

Zu Buddhas Zeiten, war die Führung eines Reichs meist die Aufgabe des Königs und es wurde zwar betont, dass man als König wenn es möglich war, auf friedliche Mittel zurückgreifen sollte, also z.B eine gute Heiratspolitik statt Krieg, aber genauso wurde gesehen, dass das Handwerk des König manchmal Krieg, Eroberung und Unterdrückung von Minderheiten mit einschloss. Viellleicht so, wie man als Bauer nicht bestehen konnte, wenn man nicht mal grob mit seinen Zugtieren und Nutztieren umging. Gleichzeitig wurde anerkannt, dass die Tätigkeit des Königs ja nicht nur aus Privatinteresse erfolgte, sondern eben all den Menschen im Reich, so eben auch den Ordinierten zugute kam. Indem in dem Herrschaftbereich Dharma und Sangha blühte, war das was der Herrscher machte, ja irgendwie heilsam und mitfühlend auch wenn es für Aussensthendes so leicht nach Massaker aussah. Ein schmerzvolles Dilemma, aus dem man sich nur schwer rauswinden kann.

Auch der Erhabene selbst hatte ja die Gesellschaft von Königen nicht verschmäht. So pflegte Buddha zu König Bimbisara enge Beziehungen und gab ihm Ratschläge. Auch wenn Bimbisara auch natürlich Eroberungsfeldzüge durchführte, wie das für Könige damals normal war. Dafür war Bimbisara eine Förderer der buddhitischen Sangha.

Aus dieser Konstallation "Beschützer der Sangha" - "Mässigender buddhitischer Berater" ergab sich mit Kaiser Ashoka die Figur des Chakravartin, des "idealen, umfassenden Herrscher, der in Orientierung am Dharma ethisch und gütig über die gesamte Welt herrscht". Und so wie man heute oft mal präventiv Friedennobelpreise veleiht, in der Hoffnung derjenige würde so zu einem Leuchtturm des Friedens, war man geneigt qasi jeden Herrscher erstmal als "Chakravartin" zu sehen.

Und diese Idee wirkte in der Geschichte Myanmars fort:

    The Konbaung Dynasty was an absolute monarchy. As in the rest of Southeast Asia, the traditional concept of kingship aspired to the Chakravartin (Universal Monarchs) creating their own mandala or field of power within the Jambudipa universe, along with the possession of the white elephant which allowed them to assume the title Hsinbyushin or Hsinbyumyashin (Lord of the White Elephants), played a significant role in their endeavours. Of more earthly importance was the historical threat of periodic raids and aiding of internal rebellions as well as invasion and imposition of overlordship from the neighbouring kingdoms of the Mon, Tai Shans and Manipuris
Konbaung Dynasty

Das Land wurde also als eine Art Mandala gesehen, als ein heiliger Bereich der Ordnung, den es gegen all die dämonischen Kräfte der Unordnung zu verteidigen galt.( Auch damals gab es ja dort, wo heute die Rohingya leben, den Arakan-Staat, der damals von der Zentralgewalt bekämpft wurde. )

Über die "Chakravartin" und Mandala-Idee vermischten sich buddhitisches Denken und Herrschaftsdenken. Es geht darum, das Zentrum des Mandalas, den Bereich der Ordnung, des Heilsamen und Guten gegen die Kräfte von Zerfall, Unordnung und Schwächung des Dharmas zu verteidigen.

Über die "Chakravartin" Idee galten die Herrscher als Schützer des Buddhismus, während er dann widerum über die buddhistische Legitimierung froh sein konnte. Dies führte sich in Myanmar bis hin zu der blutigen Militärherrschaft fort und auch einige ranghöhe Militärs hatten buddhitische Berater.
Frieden-und-Freude hat geschrieben:
Danke für den Link. Das ist immerhin schon etwas.

Gern! Danke Dir für Deine Aufmerksamkeit!
Die Zen-Peacemaker sind auch aktiv, man muss aber leider proaktiv googlen, sonst finde ich zumindest nix. Aber das Projekt ist Klasse und aktuell (letztes Update vom 5. September 2017):

http://zenpeacemakers.org/2017/09/roshi ... -rohingya/

Viele Grüße nochmal
Andreas

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