Wie weit kann die romantische Liebe im Buddhismus gehen?

Moderator: kilaya

Liebes Forum,

meine Ausführungen sind lang geworden, ich freue mich aber sehr, wenn mir jemand zu meiner Frage und Situation seine Meinung mitteilen kann, da mir die Sache schon ziemlich am Herzen liegt. Auch wenn es sich anfangs anders liest, interessiert mich vordergründig schon die buddhistische Sichtweise auf meine Schilderungen. Ich danke Euch schon mal sehr für die Zeit, die ihr mir schenkt!

Nachdem ich mich Jahre lang mit Glaube, Religion, Gott und Übersinnlichkeit in verschiedene Richtungen kritisch und interessiert beschäftigt habe, denke ich, mich jetzt als junger Erwachsender vorsichtig seit einem Monat als Buddhist zu bezeichnen. Diese Religion erscheint mir bisher am Authentischsten und ich möchte mich mit ihr in Zukunft gerne näher befassen.

Den nötigen Anstoß mich näher mit dem Buddhismus zu beschäftigen, hat mich meine theravada-buddhistische Freundin gebracht. Und hier ist das Dilemma: Ich habe sie vor einiger Zeit in ihrer von mir sehr weit entfernten Heimat kennen- und sie sehr schätzen und lieben gelernt, wie niemand je zu vor. Zuerst sprachen wir die Zuneigung wegen des bevorstehenden Abschiedes zueinander bewusst nicht aus um unnötiges Leiden zu vermeiden, aber unsere Liebe war einfach zu tief und innig, dass wir dies als nicht richtig empfanden. So hatten wir nach einem filmreifen Drama doch zueinander gefunden. Die gemeinsame Zeit war recht kurz, aber es war für mich jedenfalls die schönste Zeit meines Lebens. Dann musste ich jedoch wieder zurück in meine sehr weit von ihr entfernte eigene Heimat und wir haben uns für eine Fernbeziehung entschieden.

Wir waren der Auffassung, dass starke und wahre Liebe jede Distanz überwinden könne. Ich teilte ihr mit, dass ich sie in wenigen Monaten wieder zu ihr kommen werde und wenn unsere Liebe immer noch hält, langfristig mich darum bemühen werde uns eine gemeinsame glückliche Zukunft zu bescheren.

Wir schrieben und videotelefoniert täglich miteinander. Es schien so, dass sie mich noch viel mehr liebte und vermisste, als ich es tat. Offensichtlich litt sie unter der Distanz. Ich bemühte mich sehr drum, die positiven Seiten unserer Beziehung zu sehen. Sie stimmte mir auch stets zu. Aber nach einigen Wochen trennte sie sich von mir und brach den Kontakt zu mir fast gänzlich ab.

Sie suchte nach Rechtfertigungen im Buddhismus, um unsere Beziehung beenden zu können und Lösungen, um ihren damit verbundenen Schmerz zu lindern. Dieser Umstand brachte mich dazu, mich intensiver mit dem Buddhismus zu beschäftigen, damit ich ihre Entscheidung besser verstehen kann. Bei meinen Recherchen konnte ich der Lehre überwiegend zustimmen, unabhängig von meiner persönlichen Situation.

Um das ganze mal übersichtlich zusammenzufassen, damit ihr die Situation besser versteht, führe ich hier auf, was sie sinngemäß nach meinem Kenntnisstand über unsere Beziehung denkt und was ich dazu denke (was richtig sei):


Sie: (in mehr oder weniger depressiv-trauriger Feststellung) "Alles ist vergänglich. Wir werden alle einmal sterben und gehen allein von der Welt. Unsere Körper werden verwesen. Unsere Beziehung ist daher bedeutungslos."
Ich: "Ja, das ist die Wahrheit, so wird es eines Tages kommen. Wir sollten uns aber nicht ausschließlich auf das Ende fokussieren, sondern die Zeit nutzen, das Leben (in Zweisamkeit) auch genießen und wertschätzen können, wenn dies unser Herzenswunsch ist. Der Buddhismus spricht von Vergänglichkeit, fordert uns aber nicht auf, der Vergänglichkeit wegen zu trauern. Weiterhin muss man sich dem Zöllibat und die buddhistische Askese nicht unterwerfen, wenn man sich (in dieser Reinkarnation) noch nicht bereit dafür fühlt. Man gehe den Mittleren Weg und das Herz entscheide, was einem gut tut und was nicht."



Sie: "Du liebst nicht mich als Person, sondern nur meine äußere Hülle. Und die ist vergänglich. Meine Schönheit wird zunehmend verfallen. Du empfindest für mich nicht Liebe, du empfindest nur Lust"
Ich: "Ja, wir alle werden einmal alt, davor können wir nicht wegrennen. Ich kann es nicht leugnen: du bist ein sehr hübsches Mädchen und in dieses hübsche Mädchen habe ich mich auch verliebt. Und deine äußere Schönheit wird dir auch noch lange erhalten bleiben. Ich habe mich aber auch in deine Persönlichkeit, deinen Charakter und alles Seelische, was du ausstrahlst, verliebt. Es gibt verschiedene Arten von Liebe. Man liebt seine Freunde anders als seine Eltern. Und seine Eltern liebt man anders als seinen Partner einer romantischen Beziehung. Und in einer romantischen Beziehung ist der sexuell-körperliche Aspekt nun einmal nicht wegzudenken. Ich empfinde Liebe und Lust. Ich habe mich sowohl in deine äußere als auch in deine innere Schönheit verliebt. Zu einer romantischen Liebesbeziehung gehört nun mal beides zusammen. Und wir haben uns einander verliebt."



Sie: "Ich leide unter der Fernbeziehung, ich vermisse dich zu sehr und meine Gedanken an dich tun mir weh, wenn ich nicht bei dir sein kann. Ergibt unsere Beziehung überhaupt noch einen Sinn, wenn ich leide?

Ich: "Auch ich leide darunter, dass ich gerade nicht bei dir sein kann. Wir können uns aber jeden Tag schreiben und (im Videoanruf) sehen, miteinander sprechen und uns über alles mögliche austauschen. In Gedanken bist du stets bei mir. Unsere Liebe ist körperlich und geistig. Und geistig (Chat-Kommunikation) und körperlich (Videochat, Fotos) können wir uns stets austauschen. Über das Internet und unsere Gedanken haben wir praktisch immer Zeit, die wir gemeinsam verbringen können. Eigentlich haben wir alles, was für eine Liebesbeziehung nötig ist.

Das einzige, was uns fehlt, ist die körperliche Nähe. Unsere Liebe beschränkt sich jedoch nicht auf körperliche Nähe, auch wenn sie sehr wichtig ist. Aber auch die haben wir, wenn auch nur wenige Tage im Jahr. Wenn ich dich wieder besuchen komme, versuchen wir die kurze gemeinsame Zeit so sehr zu genießen, wie wir nur können. In der Zeit wo wir wieder weit auseinander sind, leben wir einfach unser eigenes Leben wie bisher. Unsere Situation ist alles andere leicht. Aber wir können lernen damit umzugehen.

Am liebsten wäre ich auch die ganze Zeit bei dir. Aber man sollte einfach mit dem zufrieden sein, was man hat und nicht zu gierig nach mehr sein. Und ich bin sehr glücklich darüber, dich als Freundin zu haben. Mit der temporären Distanz habe ich mich schon abgefunden, ich akzeptiere diese Wahrheit. Manchmal tut es mir auch weh, aber die positiven Gefühle überwiegen. Konzentrieren wir uns einfach darauf, auf das Postivie, konzentrieren wir uns darauf, was wir haben, nicht darauf, was wir nicht haben."



Sie: "Ich habe viel zu viele Gedanken und sollte einen klareren Kopf bekommen. Das kann ich nur, wenn ich unsere Beziehung beende und aufhöre an dich zu denken. Als Buddhist muss man seine Gedanken möglichst beruhigen können."

Ich: "Gibt es im Buddhismus nur ein Entweder/Oder? Ich denke nicht. Bemühen wir uns beide darum fromme Buddhisten zu sein, den Weg der Erleuchtung zu gehen, Gutes zu tun und gleichzeitig eine glückliche Beziehung zu führen. Das schließt sich nicht aus. Lernen wir unsere Gedanken zu beruhigen, auch wenn unsere Beziehung es nicht leicht macht. Aber es ist möglich, wenn man sich darum bemüht."



Sie: "Man sollte sich als Buddhist von Anhaftungen lösen. Denn Anhaftungen führen immer nur zu Leid. Darum beende ich die Beziehung."

Ich: "Stimmt das? Hier bin ich überfragt. Ich vermute, man sollte hier einfach auf sein Herz hören. Womit bin ich glücklicher? In einer Beziehung mit jemandem, den ich wirklich liebe? Oder sollte ich ein enthaltsames Leben führen, meine Gefühle für jemanden unterdrücken, damit ich meine Gedanken besser beruhigen und vom Leiden durch vorzeitigen Beziehungsabbruch oder Tod des Partners bewahren kann? Ich hoffe du entscheidest dich für die Beziehung."


Da sie nur verkürzt und rätselhaft mit mir kommuniziert, weiß ich nicht genau, was sie wirklich denkt. Was ich vermute: Meine (Ex-)Freundin möchte mich also vergessen, damit sie mich nicht mehr vermissen muss und einen klareren Kopf bekommt. Soweit ich aber mitbekommen habe, tut sie sich damit aber überhaupt nicht leicht. Über ihre Bilder und Statusmeldungen hielt und hält sie immer noch indirekten Kontakt zu mir und scheint mir dabei mehr oder weniger wankelmütig und melancholisch. Nach zwei Wochen Kontaktsperre schreiben wir uns seit einiger Zeit auch wieder (das heißt nur, sie reagiert auf meine Nachrichten), ihre Worte bleiben dabei aber stets vollkommen kühl, nüchtern und ziemlich knapp. Ein Videotelefonat lässt sie nicht zu.

Tief im Innersten tut sie mich bestimmt noch lieben und vermissen tut sie mich auch. Aber sie möchte mich glaube ich loslassen. Oder sagen wir so, ich weiß nicht, ob sie wirklich weiß, was sie wirklich möchte oder ob sie sich nur für einen Weg entschieden hat, wo sie selbst nicht weiß, ob er richtig ist. Sie hätte die Kommunikation auch komplett blockieren können, was sie noch nicht getan hat. Bisher ist sie nur stark eingeschränkt.

Vielleicht bin ich total geblendet und ein Narr. Aber nach meiner Einschätzung ist unsere Verbindung auf einer sehr spirituellen Ebene. Ich bin aus vielerlei Hinsicht Mensch, der von der Masse sehr abweicht (allein schon wegen meiner Zuwendung zum Buddhismus als ein in Europa lebender), ein Advokat, der gegen den Strom schwimmt. So ein Mensch verliebt sich nicht schnell mal in das nächstbeste Mädchen im Nachtclub und zugegeben, hatte ich mit den Frauen bisher auch noch keine echten Erfolge. Und dann kam sie zu mir und änderte mein Leben. Ein Mädchen, das einfach perfekt zu mir passt, wo die Chemie einfach stimmt, vielleicht ist das schon eine Seelenverwandtschaft (falls es im Buddhismus so etwas gibt). Ebenso unkonventiell, ein Außenseiter der Gesellschaft. Vielleicht sind wir uns in einem früheren Leben schon einmal begegnet und haben jetzt noch mal die Chance, begangene Fehler richtig zu stellen. Es ist vielleicht auch nur eine optische Täuschung, aber all die Umstände, die mich zu dem gemacht haben, der ich geworden und all die Umstände, die mich dazu geführt haben, dieses Mädchen kennenzulernen, empfinde ich als ein konstruiertes Schicksal, ein Deja Vú. Was auch immer, eine universelle Energie, wie das Nirvana unbeschreiblich Energie, die ich unterbewusst spüre, sie kann aber auch nur eine Einbildung sein, ich weiß es nicht.

Ich vermisse mein Mädchen sehr und möchte so gerne wieder mit ihr zusammen sein. Ich möchte sie nicht verlieren. Den Tod kann ich akzeptieren, weil er unumkehrbar ist. Aber solange ich eine Möglichkeit sehe mich mit meinem Mädchen wiederzuvereinen, habe ich das Bedürfnis darauf hinzuarbeiten. Ursprünglich habe ich mit ihr geplant, sie in einem Monat besuchen kommen. Nun weiß ich aber nicht, was ich tun soll. Meine hier geschilderte Situation hat mich in der Praxis schon viel über die Lehren des Buddhismus gelehrt, wirft aber eben gleichzeitig auch viele neue Fragen auf:


Die Reisekosten zu ihr sind schon ein wenig teuer, meine Abwesenheit bedeutet Verdienstausfall, der ein wenig wehtut. Wenn unsere Situation sich weitehrin nicht bessert, lohnt es sich zu ihr zu reisen und sie unangekündigt anzutreffen ohne zu wissen, ob sie sich überhaupt darauf einlässt? Falls doch, um sich einander ehrlich zu sein und seine Gedanken auszusprechen? Um sich erneut kennen zu lernen, besser kennenzulernen, sich wieder zu verlieben und eine zweite Chance zu bekommen?

Meine Liebe und Zuneigung zu ihr ist sehr stark. So stark, dass ich in Kauf nehme, die meiste Zeit des Jahres nicht bei ihr sein zu können, hohe Reisekosten zu bezahlen und mit Ehrgeiz daran zu arbeiten, sie noch öfter besuchen zu können. Natürlich (abgesehen davon, dass ich die universelle Liebe für alle Geschöpfe wünsche) liebe ich sie im besonderen Maße und mir ist ihr Wohlergehen von großer Bedeutung. Ich möchte definitiv, dass sie glücklich ist und nicht leidet, was immer passiert. Ich weiß, dass sie unter unserer Beziehung leidet, aber ich hoffe, dass es irgendeinen Weg gibt, in dem wir gemeinsam auch glücklich sein können. Ich arbeite dran und suche diesen Weg. Den Weg in ihr Herz. Ist das schon Anhaftung? Übersteigt meine Begierde mit ihr eine Beziehung führen zu wollen die wahre Liebe? Oder ist es wahre Liebe, wenn ich sie einfach loslasse? Ist mein starker Drang mit ihr eine Beziehung führen zu wollen verwerflich?

Wie wertet der Buddhismus das? Mir sind die Prinzipen des Buddhismus durchaus bekannt, speziell Dukkha und die Entstehung des Leidens. Wenn es danach gehe, müssten wir, ich hoffe ich verstehe das richtig, alle in Askese und Zöllibat als Mönche und Nonnen im Kloster meditieren. Wenn es danach gehe, dürfte es unumstritten die richtige Entscheidung sein, diese Beziehung zu beenden. Aber nun bin ich jedoch (noch) ein Laien-Buddhist (der den Buddhismus als die große Wahrheit annehmen und umfangreich praktizieren möchte). Und soweit ich verstehe sind Laien-Buddhisten Menschen, welche die Lehre des Buddhismus zwar anerkennen, jedoch aus Bequemlichkeit bzw. fehlender buddhistischer Reife und mangelnder Selbstlosigkeit (in gegenwärtiger Reinkarnation noch) den Mittleren Weg gehen, in dem Anhaftungen, Eigentum, Beziehungen usw. im gemäßigten Umfang das kleinere Übel sind. Und es ist wohl okay, wenn man noch ein Laie ist, solange man sich der Lehre entsprechend bemüht. Liegt mein Wunsch und mein Tatendrang mein Mädchen wieder zurückzugewinnen also noch im Mittleren Weg?
Du interpretierst imho zu sehr Äusserungen der Liebe oder Nicht-Liebe zwischen Menschen auf den Buddhismus.
Vielleicht solltest Du erstmal Alles aus den Anderen Religionen vergessen und Verstehen, das der buddhistische Weg keine "Richtlinie" für das Liebesleben oder andere emotionale Probleme des Lebens ist.
Auch wenn Wörter verwendet werden, die dem Buddhismus entlehnt sind ist es kein Buddhismus.

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SpirituellerBuddhist hat geschrieben:
Wie wertet der Buddhismus das? Mir sind die Prinzipen des Buddhismus durchaus bekannt, speziell Dukkha und die Entstehung des Leidens. Wenn es danach gehe, müssten wir, ich hoffe ich verstehe das richtig, alle in Askese und Zöllibat als Mönche und Nonnen im Kloster meditieren. Wenn es danach gehe, dürfte es unumstritten die richtige Entscheidung sein, diese Beziehung zu beenden. Aber nun bin ich jedoch (noch) ein Laien-Buddhist (der den Buddhismus als die große Wahrheit annehmen und umfangreich praktizieren möchte). Und soweit ich verstehe sind Laien-Buddhisten Menschen, welche die Lehre des Buddhismus zwar anerkennen, jedoch aus Bequemlichkeit bzw. fehlender buddhistischer Reife und mangelnder Selbstlosigkeit (in gegenwärtiger Reinkarnation noch) den Mittleren Weg gehen, in dem Anhaftungen, Eigentum, Beziehungen usw. im gemäßigten Umfang das kleinere Übel sind. Und es ist wohl okay, wenn man noch ein Laie ist, solange man sich der Lehre entsprechend bemüht. Liegt mein Wunsch und mein Tatendrang mein Mädchen wieder zurückzugewinnen also noch im Mittleren Weg?


Meiner Meinung nach wäre die Entscheidung einer Partnerin zu respektieren, eine Beziehung zu beenden, falls sie eindeutig kommuniziert dass sie das wirklich will. Möchte man es selber nicht, leidet man unter der Anhaftung. Aber alles ist vergänglich und man muss sich sowieso immer im Loslassen üben. Wenn man sich nicht für das Mönchstum entscheidet bleibt wohl nichts anderes übrig als eine andere Partnerin zu finden, wenn es denn keine Lösung gibt um diese Beziehung weiter zu führen.
Was hindert Euch eigentlich daran, dass einer zum anderen zieht oder Ihr Euch einen neuen gemeinsamen Lebensort sucht?

Ansonsten halte ich wie meine Vorredner, das hat mit Buddhismus nichts zu tun. Das ist eine psychologische Sache und der Dharma wird nur als Argumentationshilfe zitiert.
Wenn es danach gehe, müssten wir, ich hoffe ich verstehe das richtig, alle in Askese und Zöllibat als Mönche und Nonnen im Kloster meditieren.


Die Klöster brauchen Geld von der Normalenbevölkerung. Ohne das könenn sie als Orden und Klöster nciht bestehen. Deswegen werden die Klöster immer Lehren, dass Mönche und Nonnen wertvoll und "gut" sind, damit die Normalos bezahlen. Aber die Klöster wollen sicher nicht, dass ALLE Mönche werden, weil dann gibt es keine Normalos mehr, die die Klöster finanziell unterstützen. Das sind strukturelle Sachzwänge und egal was im Palikanon oder inanderen heiligen Büchern geschrieben steht, werden die Klöster nicht den Ast absägen auf dem sie sitzen. Viele der Ordensregel sind entstanden weil ein Mönch über die Stränge schlug und wenn solches Verhalten weitergegangen wäre, das die Bevölkerung dazu bringen hätte können, von der Haltung abzukommen, dass der Orden und die Klöster heilig und unterstützenswert wären. Der Buddha lebte lange Askese und erkannte, das das zu extrem sei und er deswegen den Mitleren Weg einschlug.
nyalaana hat geschrieben:
Aber die Klöster wollen sicher nicht, dass ALLE Mönche werden, weil dann gibt es keine Normalos mehr, die die Klöster finanziell unterstützen.


Es ist ja niemand so naiv, etwas derart unrealistisches zu wollen. Die gegenseitige Unterstützung von Monastischen und Laien ist schon eine gute Einrichtung.
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
Was hindert Euch eigentlich daran, dass einer zum anderen zieht oder Ihr Euch einen neuen gemeinsamen Lebensort sucht?

Ansonsten halte ich wie meine Vorredner, das hat mit Buddhismus nichts zu tun. Das ist eine psychologische Sache und der Dharma wird nur als Argumentationshilfe zitiert.


Wie so immer ist der Lebensunterhalt die entscheidene Frage. Wir haben beide eine Heimat und einen Job an unterschiedlichen Orten, an die wir gebunden sind. Dieses Hindernis könnte aber mit einiger Aufopferung sehr wohl überwunden werden, wenn sie mir eine Chance gibt.

Aber das ist ja auch der Knackpunkt. Wir beide suchen Zuflucht und Antworten im Dharma, im Buddhismus. Nur glaubt sie, dass unsere Beziehung ein Hindernis für ihren buddhistischen Weg ist (zu viel Trauer, zu viele Gedanken usw. -> offensichtlich dem Buddhismus nicht förderlich), während ich der Auffassung bin, dass es vielmehr darauf ankommt, wie man mit der Beziehung umgeht (sich zufrieden damit geben was man hat, anerkennen dass wahre Liebe keine Distanzen kennt, Momente der Zweisamkeit im Hier und Jetzt genießen und für die gemeinsame kurze Zeit wertschätzen -> buddhistische Ethik). Lernt man den richtigen Umgang in der Partnerschaft und der temporären Fernbeziehung, kann es meiner Auffassung nach sowohl unseren buddhistischen Weg als auch unser weltliches "Glück" fördern.

Denn eine aufrichtige Partnerschaft kann durchaus etwas sein und die Partnerschaft mit ihr möchte ich nur ungern missen. Die Fernbeziehung stellt sich durchaus als Herausforderung dar, die wir jedoch meistern könnten, wenn wir die Lehre Buddhas befolgen und sie in der Praxis üben: Nicht nach zu viel Körperlichkeit gieren, wertschätzen was man hat (einen Partner, den man liebt und der dich liebt), im Hier und Jetzt leben (ob geografisch getrennt oder in gemeinsamer Zweisamkeit), wahre Liebe empfinden, die keine Grenzen kennt und welche sich nicht auf körperliche Nähe beschränkt.

So meine aktuelle Auffassung.
SpirituellerBuddhist hat geschrieben:
So meine aktuelle Auffassung.


Nicht schlecht, jetzt musst du sie nur noch davon überzeugen.
SpirituellerBuddhist hat geschrieben:
Denn eine aufrichtige Partnerschaft kann durchaus etwas sein und die Partnerschaft mit ihr möchte ich nur ungern missen. Die Fernbeziehung stellt sich durchaus als Herausforderung dar, die wir jedoch meistern könnten, wenn wir die Lehre Buddhas befolgen und sie in der Praxis üben: Nicht nach zu viel Körperlichkeit gieren, wertschätzen was man hat (einen Partner, den man liebt und der dich liebt), im Hier und Jetzt leben (ob geografisch getrennt oder in gemeinsamer Zweisamkeit), wahre Liebe empfinden, die keine Grenzen kennt und welche sich nicht auf körperliche Nähe beschränkt.


DAS bedeutet "Buddhismus"?

Seltsam. Ich bin seit 1987 auf dem buddh. Pfad, aber ich wusste nicht, dass der Buddha Partnerschaftsberater ist... ;-)

Nee, im Ernst: Liebesdinge sind wirklich nicht das Thema des Buddha gewesen. Er selbst verliess ja sogar seine Familie (Frau und Sohn), die er vermutlich sehr gelebt hat. Und vielleicht sieht Deine Ex-Freundin es ja so, dass sie denkt, Du versuchst da, mit der Buddhalehre oder gar über die Buddhalehre an sie heranzukommen. Das würde MICH auch massiv stören!

Wie alt bist Du?

Aus welchem buddh. land kommt Deine Ex-Freundin?

Gruss

W.
Es kann romantische Liebe im Christentum geben und es kann romantische Liebe im Buddhismus geben. Wie Du hier bei der Gliederung des Forums ja schon sehen kannst, gibt es sehr viele Formen des Buddhismus. Unserer Lama fordert uns auf glücklich und zufrieden zu sein. In anderen Gegegenden wird die Ekelmeditation gelehrt. Als Argumentationshilfe kann der Buddhismus also für sehr sehr viel herangezogen werden. So wie Du es beschreibst, wirkt es als ob die Argumentiation mit Hilfe des Buddhismus vorgeschoben ist. Im Hollywoodfilm wird die romantische Liebe als der Grund angegeben eine Beziehung einzugehen. In Asien ist es oft so, dass Ehen arrangiert werden. Romantische Gerfühle bei einer festen Beziehung sind dann nicht so wichtig wie hier, könnten -jetzt spekuliere ich- vielleicht sogar etwas sein für das man sich schähmt oder das einem unangenehm ist und selbstsüchtig vorkommt.
So wie Du, SpiriBuddhist, habe ich auch mal gedacht. :?
Heute bin ich davon überzeugt, dass das alles unnötige - aber vielleicht wichtige - Auseinandersetzungen sowohl innerer als auch äußerer Natur sind. Was denkt man sich alles zurecht, nur um ja ein richtiger Buddhist zu sein.

Aber selbst, wenn Du auf dem richtigen Weg bist, wie willst Du Deine Freundin davon überzeugen?
Ich würde loslassen, aber ich würde mich auch beob-achten, was mir wichtig ist, inwieweit ich die Lehre verstehe, was ich umsetzen kann - und ob ich überhaupt muss.

Der Buddha hat zu Haushältern gesprochen und ihnen auch Hinweise zur Führung einer Ehe gegeben. Die Regeln für Mönche und Nonnen gibt es aus ganz bestimmten Gründen, die bereits oben erwähnt werden. Ein Kloster ist schließlich kein Ashram in Puna. Aber eine Ehe bzw. eine Liebesbeziehung (so etwas wie heute gab es ja zu Buddhas Zeiten gar nicht), die mit Respekt und Achtung gelebt wird, widerspricht nicht dem 8fachen Pfad. Fährst Du ein Auto? Und Deine Freundin, nutzt sie die Vorteile unserer heutigen Zeit? Sicher, denn sonst hättet Ihr ja nicht täglich Kontakt halten können. All das gab es zu Buddhas Zeiten nicht.

Hören wir doch auf damit, alles an alten (indischen) Regeln und Ritualen bzw. Wertvorstellungen festmachen zu wollen. Es genügt der achtfache Pfad und das Verstehen der Vier Edlen Wahrheiten.
Und wenn man sich dann noch zu Zweit darüber austauschen und inspirieren kann, ist das ein großes Glück, selbst wenn es vergänglich ist und Leiden mit sich bringt.
_()_ Monika
Also gerade in traditionelleren Ländern geht es ja bei Beziehung nicht vorrangig um innigen Liebestaumel, sondern darum ob man eine gemeinsame Zukunft für sich sieht. Und das bedeutet dann konkret eine Intensivierung der Beziehung also Zusammenziehen bzw Ehe bzw Kinder. Die Romantik dient also mehr als Grillanzünder, der dann den Briketts weichen muss.

Während so ein Fernbeziehung - so innig die Liebesschwüre auch sind- ja eher was von einem Provisorium hat. Und von daher kann sich die harte Entscheidung ergeben, eine Beziehung - wenn sich keine Option zu einer Intensivierung abzeichnet- zu beenden. Vielleicht ist das ja bei euch der eigentliche Punkt?

Buddhismus taucht dann eher als Bewältnigungsstrategie auf, um mit dem damit verbundenen Leid umzugehen.
Die Liebe, die das Herz erfreut
muss bald dem Alltag weichen.
Die Schönheit, die man sich ersehnt
wird dürrem Gras dann gleichen.

Wenn man erfährt, das Liebe nicht
auf Dauer wird bestehen.
Dann sieht man erst den wahren Weg
den zusammen man kann gehen.


Diese Worte kamen auf, als ich an mich und meine Frau dachte. Seit 1976 zusammen, seit 1978 verheiratet und lange Zeit weit voneinander gelebt. Doch im Wissen, im Vertrauen immer zusammen, doch Beide haben wir dies akzeptiert.

Was nützt ein Partner,
gut nur im Zusammensein mit Dir?
Wenn tausende Meilen man getrennt
zeigt sich das wahre "Wir"

_()_
Es kommt mir recht einfach vor. Einer glaubt, das Problem mit dem Job überwinden zu können, der andere glaubt das nicht. Da ja eh nur einer einen neuen Job braucht, wird es der machen müssen, der es für überwindbar hält.
Also du. Bewerben in ihrer Stadt, oder?
@nyalaana. Der Begriff "Ekelmeditation" ist mir neu, scheint mir deswegen durchaus interessant. In der Trennungsphase hat mein Mädchen sehr viele Texte, Bilder und Videos über Tod, Verwesung und aus der Gerichtsmedizin geteilt. Und genau das ist ja meine Befürchtung: sie versteift sich zu sehr in eine Richtung: konzentriert sich im Übermaß auf das Leiden, bishin auf den Tod und die Verwesung des Körpers, sieht aber nicht schönen Seiten des Lebens, um ein glückliches und zufriedenes Leben zu haben, wie dein Lama auffordert.

Das Ehe-Arrangement ist mir durchaus bekannt und war vor 100-200 Jahren wohl noch ziemlicher Standard auf der ganzen Welt. Meine Freundin ist in der Hinsicht nach meiner Einschätzung schon deutlich progressiver und ihre Mutter hat unsere Beziehung durchaus begrüßt.


@Monikadie4. "Aber selbst, wenn Du auf dem richtigen Weg bist, wie willst Du Deine Freundin davon überzeugen?"
- In den ich mit ihr darüber rede, wenn sie es zulassen sollte. Ist dem nicht der Fall, ist die einzige Chance, die ich noch sehe, unankündigt zu ihr hinzureisen und sie vorsichtig um ein Gespräch zu bitten. Natürlich nicht verurteilend, belehrend etc., weiß ich alles, dass das äußerstes Feingefühl und Respekt benötigt. Ich habe ihr noch nie Vorwürfe gemacht.

"Und wenn man sich dann noch zu Zweit darüber austauschen und inspirieren kann, ist das ein großes Glück, selbst wenn es vergänglich ist und Leiden mit sich bringt."
- Genauso sehe ich das auch. Sie ist für mich eine Inspiration und gibt mir die Energie und de Liebe, die ich brauche. Und das gleiche möchte ich auch für sie sein.
Mit ihr fällt es mir auch leichter alle anderen weltlichen Dinge loszulassen, an die ich man sich nicht anhaften muss und gleichzeitig mich auf Dinge zu konzentrieren, welche dem achtfachen Pfad gerecht werden.

Deutlich habe ich ihr aber auch mitgeteilt, dass ich keine Versprechungen mache, die ich nicht einhalten kann. So habe ich ihr (bis auf eines, siehe unten) auch nichts versprochen und ihr klar gemacht, dass auch unsere Beziehungen eines Tages enden *könnte*. Alles ist eben vergänglich und mit diesem Fakt bin ich schon in die Beziehung gegangen, noch bevor mir diese buddhistische Weisheit überhaupt bekannt war. So wird man eben am Ende nicht zu sehr enttäuscht, wenn man die Erwartungen nicht zu hoch setzt.

Genau darum haben wir anfangs unsere Liebe wegen des bevorstehenden Abschiedes auch nicht gestanden. Um Leid zu verhindern. Darum haben wir uns nach dem Abend des Verliebens auch nicht mehr gesehen. Nach einem Online-Geständnis bot ich ihr an, sie doch wieder zu treffen, habe ihr sie aber davor gewarnt, dass der bevorstehende Abschied und eine Fernbeziehung sehr wehtun würd und damit wieder Leiden erzeugen würde. Wir haben uns dann aber doch beide für das Treffen entschieden, weil für uns das Glück überwiegt und das Leiden nur das kleinere Übel ist. Das hat sich bei ihr anscheinend geändert.

Sie hat mir versprochen, dass sie *immer* auf mich warten würde, mir immer eine Tür offen halten wird. Dieses Versprechen hat ist jetzt jedoch in Gefahr. Mir war sehr wohl bewusst, dass sie ein *Immer* nicht wirklich versprechen kann, aber der Umstand, dass sie mir das mitteilte, ließ mich glauben, dass ihre Liebe doch so immens groß ist, dass *immer* zumindest einen sehr langen Zeitraum bedeuten dürfte.

Das einzige, was ich ihr versprach, war, dass ich sie (in diesem Leben zumindest) nie vergessen werde und auch bei einer Trennung in meinem tiefsten Herzen sie immer einen Platz hätte und ich sie somit in gewisser immer lieben werde. Denn ihre Güte und ihre Sanftheit im Herzen, die sie ausstrahlt, ist einfach wunderschön und damit unvergesslich.

Und hier kann ich gleich anknüpfen an meine Antwort für:

@void Wenn ich Buddhas Lehre richtig verstanden habe, sollte ein Buddhist auch weder der Vergangenheit hinterhängen, noch sich zu viele Gedanken über die Zukunft machen. Man sollte im "Hier und Jetzt" leben. Und genau das ist, was ich erst einmal verfolge. Mit ihr schöne gemeinsame Tage erleben, in denen ich sie auch besser kennenlerne. Ich liebe sie sehr tief und innig, ich bin aber auch nicht völlig geblendet und naiv. Zusammenziehen, Ehe und Kinder stehen bei einer solch frischen Beziehung junger Menschen noch nicht gleich auf der Tagesordnung. Selbstverständlich mache ich mir darüber auch Gedanken, aber das ist zweitrangig. Auf das Hier und Jetzt liegt der Fokus.

"Buddhismus taucht dann eher als Bewältnigungsstrategie auf, um mit dem damit verbundenen Leid umzugehen." - Ja, so ist das gerade bei uns beiden. Ich wünsche nur, dass sie sich für eine alternative Strategie umentscheidet. Diejenige der Geduld und des beruhigten Geistes.

@jiangwang. Danke für deine schönen Worte. So sehe ich das auch.

@Turmalin Ganz so einfach ist das nicht immer. Da gehe auch ich den Mittleren Weg des Weltlichen und besuche sie erst ein weiteres Mal, bevor ich auf einen anderen Kontinent ziehe. Erst einmal muss ich sie zurück gewinnen, bevor ich umziehe. Alles andere wäre töricht.
Ich sehs so wie Turmalin und Void. Sie hat offenbar Erwartungen an dich, die du nicht erfüllen kannst. Es ist doch gerade bei interkontinentalen Fernbeziehungen so, dass sich die Frage nach einer gemeinsamen Lebensplanung relativ bald aufdrängt, zumal wenn die Partner noch aus unterschiedlichen Kulturkreisen stammen, sie Asiatin - und ihr habt offenbar noch nicht mal ne längere Zeit miteinander verbracht.
Auch wenn sie dir das jetzt nicht im Einzelnen alles erklärt, von deiner Seite ist einfach ein handfestes Bekenntnis gefragt, du kannst nun beim besten Willen nicht erwarten, dass du über Jahre da immer prima Urlaub hast, und sie immer schön auf dich wartet. So läuft das einfach nicht.
Was spricht übrigens dagegen, sie mal für 3 Monate einzuladen? Dann lernt ihr euch auch besser kennen - oder such dir da Arbeit. Mach ein für sie verläßliches Angebot ohne Rumeierei, und nimm einfach zur Kenntnis, dass der Ball in deinem Feld liegt und nicht in ihrem. Reden hilft da nix mehr.
Mit Buddhismus hat das alles nix zu tun, einfach mal gesunden Menschenverstand walten lassen.
SpirituellerBuddhist hat geschrieben:
Alles andere wäre töricht.


Dann sei töricht und nicht berechnend. Liebe fragt nicht, ob irgendetwas töricht ist.
Liebe macht sich zum Narren.

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jianwang hat geschrieben:
SpirituellerBuddhist hat geschrieben:
Alles andere wäre töricht.

Dann sei töricht und nicht berechnend. Liebe fragt nicht, ob irgendetwas töricht ist.
Liebe macht sich zum Narren.

Nicht unbedingt, aber ohne ein echtes Risiko einzugehen, ist es keine. Kannst halt keine Versicherung abschließen :)
Ich möchte ein paar allgemeine Überlegungen zur Verliebtheit anstellen. Lieber Spiritueller Buddhist, es würde mich freuen, wenn du was damit anfangen kannst.

Das Gefühl der Verliebtheit kann ein sehr heftiger chemischer Cocktail sein. Vermutlich lässt sich Verliebtheit zwischen Lust und Liebe ansiedeln. Was mich erregt, kann ich mir nicht aussuchen, fürsorgliche Liebe beinhaltet dagegen wesentlich mehr Entscheidung, Autonomie.

Evolutionär betrachtet entstammt Fürsorglichkeit der Brutpflege, lässt sich mutmaßen, wogegen romantische Liebe auch den evolutionären Wettbewerb, die Balz, einschließt. So gesehen hilft sie, Aufmerksamkeit und Energie auf eine genetisch möglichst vorteilhafte Möglichkeit zu richten und diese Verbindung dann zu sichern. Die Dauer der typisch romantischen Liebe beträgt einige Monate bis längstens 3 Jahre, berichten Wissenschaftler.

Die biologische Erklärung ist freilich nicht alles, aber eine Grundlage. Diese erklärt, warum Verliebtheit nicht automatisch eine kluge Wahl repräsentiert, die Halt fürs weitere Leben gibt. Wenn ein Mensch äußerst anregend auf mich wirkt, bedeutet dies noch lange nicht, dass mich auch seine Gefühle und Gedanken positiv stimulieren. Dafür braucht es differenzierten sprachlichen Austausch, würde ich meinen. Es bedeutet nicht, dass mein an die Verliebtheit geknüpftes Vertrauen wirklich gerechtfertigt ist. Hier spielen auch kulturelle Faktoren eine Rolle.

Ich glaube, dass Gefühle einerseits total wichtig sind, denn ohne sie wäre alles egal. Richard David Precht spricht im Zusammenhang mit dem magischen Zustand der Verliebtheit von der Bedeutung, die wir uns selbst schenken, indem wir einander Bedeutung schenken. Und was wäre eine Beziehung ohne tiefe Bedeutung, die der Partner für mich hat? Auch gibt es keinen Grund, Erotik schlecht zu reden.

Dennoch ist auch Skepsis angebracht. Damit zum "Buddhismus". Der Dalai Lama nennt folgende Kritik an der romantischen Liebe:

• Die Idealisierung der romantischen Liebe schafft Fantasien, die unerreichbar sind und führt deshalb zwangsläufig zur Frustration.
• Man kann durch Lust und Leidenschaft sein geistiges Gleichgewicht verlieren – nicht viel anders, als dies bei Ärger oder Hass der Fall ist. Denn manche Gefühle hängen davon ab, ob unsere eigenen Ziele und Wünsche erfüllt werden. So kann der romantischen Liebe auch eine Tendenz zum Destruktiven innewohnen. Solange die anderen unsere Erwartungen erfüllen, ist alles gut, aber wenn sie es nicht tun, kann sich die anfängliche Begeisterung sogar sehr radikal in Wut, Abneigung oder gar Hass verkehren.
• Romantische Glücksgefühle verflüchtigen sich, wie bereits erwähnt, nach einer gewissen Zeit. Eine Beziehung, die sich nur auf die anfängliche Leidenschaft stützt, ist daher sehr labil und unbeständig.
Wenn man eine Liebesbeziehung will, dann ist damit eben verbunden, dass man sich aneinander bindet und füreinander da ist. Und wenn man sich so entschiedet, dann hat man eben die damit verbudenen Vorteile aber eben auch die Nachteile.

Oder man verzichtet auf eine Liebesbeziehung, wie es ja die Ordinierten vieler buddhitischer Richtungen machen. Man hat nicht mit dem aus Bezihungen erwachenen Leid zu tun, verzichtet aber auf die Vorteile.

Bei dir kommt es mir aber so vor, als sucht du was dazwischen: Du möchtest - so mein Eindruck - die Vorteile einer Liebensbeziehung geniessen, aber dich eben nicht sehr stark binden oder gar in ein anderes Land ziehen.

Um so eine unverbindlich, schwebende Form zu beschreiben benützt du die buddhitische Phrasen vom "Hier und Jetzt". Wobei damit ja traditionellerweise ja eher eine gleichmütige Haltung assoziiert ist, bei der man lernt, das was da ist - Regen oder Sonne - Liebesglück oder Liebeskummer - gleichmütig anzunehmen. Während es mir so vorkommt, als denkst du eher an ein ein sorgloses, freudiges "Hier und Jetzt", in dem man sich nicht um die Zukunft zu sorgen braucht.
void hat geschrieben:
Bei dir kommt es mir aber so vor, als sucht du was dazwischen: Du möchtest - so mein Eindruck - die Vorteile einer Liebensbeziehung geniessen, aber dich eben nicht sehr stark binden oder gar in ein anderes Land ziehen.



Wir sprechen von Thailand, nehme ich an. Das scheint mir doch eine schwierige Situation.
Hallo lieber SpirituellerBuddhist,

hier wurde ja schon einiges geschrieben. Ich würde auch sagen, dass ihr euch erstmal "im Alltag" besser kennenlernen solltet, bevor einer mit wehenden Fahnen alles hinter sich lässt um auf einen anderen Kontinent zu ziehen. Womit ich meine, 3 Wochen bis 3 Monate gemeinsame Zeit - nicht "Urlaub" - sondern mit Arbeit und laufenden Verpflichtungen - wie Oma besuchen und Sportverein hier - im Gegenzug sich dann auch in den dortigen Alltag einbringen und die Verwandtschaft kennenlernen und was dort zum Alltag gehört.

Wenn einem schon das zuviel ist, verleiht man seiner Liebe den größten Ausdruck, indem man den Partner wieder frei gibt und nicht hoffen und warten lässt.

Ich kenne übrigens einige sehr glückliche gemischte Ehen mit Kindern mit völlig unterschiedlichen kulturellen Hintergrund (kann ich dir per pn gern mehr davon berichten). Nur muss man eben bereit sein, sich auf die damit verbundenen Herausforderungen auch einzulassen.

Liebe Grüße und den Mut zur richtigen Entscheidung. :rainbow:
Da gibt's ein altes Kölsch´es Sprichwort, dass die Lösung für alle deine Probleme beschreibt:

Mach et oder loss et sin!

Buddhismus sagt zu romantischer Liebe oder Dinge dieser Art sehr wenig bis Garnichts, weil das kein Thema der Lehre ist.
Da jetzt einzelnen dir bekannte Empfindungen so akribisch auf bestimmte Abschnitte der Leidentstehung anzuwenden ist zu abstrakt. Du bist kein Bhikku und willst auch keiner werden - daher gelten für dich andere Regeln, als für den Monasten.

Ich wünsche dir und ihr viel Glück ^^
Wie weit kann die romantische Liebe im Buddhismus gehen?


Hmmm, keine Ahnung. Buddha soll da ziemlich immun gewesen sein. Trotz geliebter Ehefrau und trotz Sohn aus der Ehe.

Es scheint da in der Lehre recht wenig zu geben. Die dritte Sila sagt lakonisch
Ich nehme mich der Übungsregel des Abstehens von sexuellem Fehlverhalten an.


Keine Ahnung was das in Bezug auf romantische Liebe (hat auch nur der Begriff romantisch/Romantik am Rand mit Buddhismus zu tun?) bedeuten mag.
Ich vermute es kommt am Ende zurück auf die Idee, keinem anderen Wesen Schaden, unnötiges Leiden zuzufügen.

Also - nutzt es Dir und Deiner Partnerin an dieser romantischen Beziehung festzuhalten? Schadet es Dir oder ihr darin, vielleicht Neues zu lernen?
Leidest Du an der bestehenden Situation und falls ja, ist dieses Leiden so intensiv, daß Du dafür extreme Veränderungen vornehmen möchtest?
Meine Antwort wird nicht helfen, aber "romantische Liebe" und "Buddhismus" - da fällt mir spontan "Der Pilger Kamanita" ein...
Hallo SpirituellerBuddhist,

ich hatte mal früher sowas ähnliches. Das ist jetzt über 20 Jahre her und ich war damals jung so wie du jetzt auch. Ich hatte jemanden auf einer Urlaubsreise in der Karibik kennengelernt. Wir hielten Kontakt über e-Mails und Briefe. Als ich wieder hinflog um sie zu treffen ist sie nicht einmal gekommen. "Es sei eine schöne Erfahrung gewesen" war auch eine absolut eindeutige Formulierung, die sie mir vorher gegeben hatte. Es zu überhören war ziemlich doof von mir. Ich wollte es wohl überhören.

Obwohl ich mich ziemlich doof angestellt habe war es am Ende doch eben eine schöne Erfahrung. Das ist nicht immer so. Jemand aus der Reisegruppe hatte auch eine Frau kennengelernt. Bei der Abreise gab es Tränen. Er schickte ihr Geld, damit sie einen Flug bezahlen kann um zu ihm zu kommen. Sie nahm das Geld und ging in die USA. Ein Arbeitskollege kaufte seiner Freundin in Thailand ein Haus. Als er sie das nächste Mal besuchte, wollte sie ihn nicht mehr sehen. Die Welt ist nicht einfach schlecht, aber wenn man nur seine Illusionen sieht, sieht man nicht die reale Natur der Dinge. Und darum geht es in der Lehre Buddhas, denn dadurch umgeht man den Aufbau von leidvollen Gedanken und Handlungen.

Deine Bekannschaft sagt eigentlich ebenfalls wiederholt, dass es eine schöne Erfahrung gewesen sei und dass es keinen Sinn mehr machen würde. So wie ich damals scheinst du das auch nicht hören zu wollen. Ich würde dir empfehlen die schöne Erfahrung zu sehen als das was es ist und dafür dankbar zu sein und sich zu freuen. Weiter verfolgen macht wohl aber keinen Sinn, da sie nicht wirklich interessiert ist.

Ich erlaube mir mal zu bemerken, dass du in einer etwas schwärmerischen und wehleidigen Stimmung zu sein scheinst. Dein Post lässt vom Tonfall her darauf schließen. So wie ich früher scheinst du das Nein von ihr auch zu überhören. Der Grund bei mir war damals der, dass ich schon lange allein war, schon verzweifelt war und ich kein Glück haben sollte. Daher bin ich auch in so eine verzweifelte "Herz-Schmerz-Stimmung" geraten. So eine Stimmung führt zu nichts anderem als auf eine Straße zu geraten die diesen Schmerz weiter vertieft und die Verzweiflung anwachsen lässt.

Zurückblickend und mit dem was ich bis jetzt durch die Lehren Buddhas gelernt habe würde ich mich darin üben den Menschen mit Freundlichkeit zu begegnen. Lernen über Meditieren seinen Geist zu beobachten und über Monate und Jahre hinweg zu erkennen wie er funktioniert und wie er uns beherrscht, wenn wir ihn nicht ins Leere laufen lassen. Damals vor 20 jahren hätte ich das wohl nicht gekonnt. War viel zu aufgedreht für sowas. Aber ich würde mich ganz konzentriert und ernsthaft versuchen den Menschen mit Freundlichkeit zu begegnen und Rechte Rede zu üben, also nie ein hartes Wort gegen niemanden ohne Ausnahme. Mit der Zeit bekommt man mehr Ruhe. Man entdeckt, dass die Menschen zu einem kommen, wenn man freundlich ist und aus der Freundlichkeit nie rausfällt (und zwar nie, das ist wichtig). Dann fallen einem langsam die freundlichen Menschen mit offenen Herzen zu und es kann etwas sich ergeben, dass ohne Schmerzen und Leiden sein wird. Wenn du Ängste hast alleine zu bleiben so wie ich damals, dann übe noch bestimmter freundlich zu sein. Vom Dalai Lama ist der Aussage: "Meine Philosophie ist Freundlichkeit". Er weiß warum ;-).

Liebe Grüße,
Anandasa

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