Achtsamkeit und Genervtheit

Moderator: kilaya

Hallo,

Achtsamkeit ist im Buddhismus ja ein wichtiges Thema.

Ich fühle mich durch dieses ewige "Achtsam sein müssen" allerdings genervt. Eine Zeit lang macht mein Geist das Spiel mit, dann sehe ich es allerdings als unnötigen Zwang und es entsteht ein innerer Widerwille gegen die achtsame Praxis. "Andauernd daran denken, auch sich und seine Gefühlte zu achten, andauernd im Hier und Jetzt sein müssen".

Kennt das jemand? Wie komme ich da raus?
Nachtrag:

Dieses Gefühl des Zwangs führt dann meist sogar dazu, dass ich irgendwann komplett unkonzentriert bin und mich benebelt fühle.

Hat also den gegenteiligen Effekt.
Dowakwak hat geschrieben:
Hallo,

Achtsamkeit ist im Buddhismus ja ein wichtiges Thema.

Ich fühle mich durch dieses ewige "Achtsam sein müssen" allerdings genervt. Eine Zeit lang macht mein Geist das Spiel mit, dann sehe ich es allerdings als unnötigen Zwang und es entsteht ein innerer Widerwille gegen die achtsame Praxis. "Andauernd daran denken, auch sich und seine Gefühlte zu achten, andauernd im Hier und Jetzt sein müssen".

Kennt das jemand? Wie komme ich da raus?


Sie dir doch mal dieses genervt sein genau an. Sie dir dabei zu, bei diesem genervt sein. Mach das immer wieder, wenn es auftritt.

Dass sich das, was du da Geist nennst, dagegen wehrt, erkannt zu werden, ist völlig normal.
Um mal bei den zehn Ochsenbildern zu bleiben, es ist ganz normal, das der Ochse sich gegen den Strick, das Leitseil wehrt. Er möchte lieber frei und ungebunden herumstreifen.

Die Kunst ist es nun, zu Anfang eine Balance zu finden, zwischen dem Anziehen und dem Lockerlassen des Seils. Hast du sie gefunden, kannst du das Seil immer fester ziehen und irgendwann hast du den Ochsen (deinen Geist) am Zügel.

Das ist nicht das Ende der Übung, aber schon mal ws. :D
Dowakwak hat geschrieben:
Hallo,

Achtsamkeit ist im Buddhismus ja ein wichtiges Thema.

Ich fühle mich durch dieses ewige "Achtsam sein müssen" allerdings genervt. Eine Zeit lang macht mein Geist das Spiel mit, dann sehe ich es allerdings als unnötigen Zwang und es entsteht ein innerer Widerwille gegen die achtsame Praxis. "Andauernd daran denken, auch sich und seine Gefühlte zu achten, andauernd im Hier und Jetzt sein müssen".

Kennt das jemand? Wie komme ich da raus?


Hallo Dowakwak,

das wichtige wie immer zuerst - herzlich willkommen hier im Forum 8)
Du hast Dir schon ein Sitzkissen geschnappt und machst gleich mit einer guten Frage mit. Das ist genau die Idee des Forums :D

Nicht jeder liest alle Beiträge. Wir haben einen eigenen Bereich, wo sich neue Mitglieder vorstellen können, aber das ist vollkommen freiwillig.


Das, was Du beschreibst wird Nivarana (Hindernisse) genannt.

Wenn Du den Eindruck hast, daß Achtsam sein zum Zwang wird, läuft etwas falsch. Zwang stünde im Widerspruch zu einem mittleren Weg. Buddhistische Praxis sollte nie zu einem inneren Widerwillen führen.

Vielleicht könnte es helfen, wenn Du zuerst ganz einfach diesen momentanen Widerwillen zuläßt und akzeptierst. Das ist etwas, das da ist. (Punkt) :)

Der nächste Schritt könnte sein, Dir deutlich zu machen, was da passiert - wie fühle ich mich jetzt? -, Dir klar zu machen - welches Verhalten wird durch meinen Widerwillen, durch meine Unruhe gefördert, welches Verhalten wird durch meinen Widerwillen, durch meine Unruhe verhindert? - Und...

dann weiter zu machen 8)
Eine gute Motivation war für mich folgende Überlegung: bei einer Autofahrt mit der Geschwindigkeit von 50 Km/h fahre ich während einer Sekunde (Unachtsamkeit) bereits 13,8 m (ohne nötige Aufmerksamkeit). ... (Ich arbeitete in einer Unfallklinik.) :wink:
Vielen Dank für eure Antworten.

Ich glaube tatsächlich, dass ich dazu neige die Dinge extrem anzupacken und sich so innerlich bei Misserfolg schnell Unzufriedenheit einschleicht.

Tausend Fragen werden aufgeworfen und am Ende selbst die Gelassenheit verflucht, weil sie als Zwang gesehen wird.

Unruhig und flink ist er, mein Geist.
Affengeist, immer und immer wieder zurück kommen. Das ist rechte Anstrengung
Vor allem ist Freude und Freundlichkeit gegenüber dir selber einer der grundlegenden Pfeiler. Du kannst, wenn der Zwang aufkommt, auch bewusst lächeln. Das kann manchmal Wunder bewirken.
Nimm es an und zwinge Dich nicht.
Praktiziere einfach weiter, doch denke nicht ständig "Ich muss aufmerksam sein". Einen Sch... musst Du!
Während Du Deinen Weg gehst wird dies Alles beginnen zu erscheinen. Ohne das Dein Geist bewusst daran denkt.
Nur Du wirst dann irgendwann feststellen : Ooops, ich bin aufmerksam.

_()_
Wie komme ich da raus?

Regelmäßig sitzen. Gewahrsein nimmst dann qua mit.
Dann merkst auch, dass es kein rechtes Wort für jibet.
Keine Literatur lesen oder Vorträgen zuhören wo andauernd Achtsamkeit steht.
Den Begriff (für sich ) ersetzen.
Mindfulness oder schlicht Sati hat doch gleich mal nen anderen Geschmack.
Absolut.

Ich merke, wie Literatur zu dem Thema mehr und mehr meinen Geist vernebelt.

Das Sitzen ist gut. Das mag ich.

Dann sitze ich manchmal. Und manchmal gehe ich und vielleicht sitze ich eines Tages beim Gehen von selbst.

Freude und Freundlichkeit zu sich selbst sind gute Wegweiser.

Danke.
Dowakwak hat geschrieben:
Ich fühle mich durch dieses ewige "Achtsam sein müssen" allerdings genervt.



Bei mir ist es eigentlich umgekehrt: Ich fühle mich genervt, wenn ich im Nachhinein gemerkt habe, dass ich unachtsam war :lol:

Die Gänsefüßchen sind sicherlich auch bei Deinem Beitrag beabsichtigt:

Im Buddhismus muss man nichts müssen!

Alle Handlungen sind die Konsequenz eigener Einsicht! In meinem Falle ist es so, dass ich mir meistens bewusst bin, dass Achtsamkeit förderlich ist für meinen eigenen Geist (bzw. für meine geistige Ruhe).
Vielleicht hilft das: Wie kann ich irgendwo anders sein als im Hier und Jetzt? Bei meiner Verworrenheit zu deinem Thema kam mir wie zur Befreiung der Gedanke: Ich kann keinen anderen Ort haben als den Hier. Ich kann nur im Hier und jetzt sein, alles andere ist Unsinn.
Setz dich hin und Du wirst erfahren das es keinen Unterschied gibt zwischen sitzen und gehen oder sonstige Bewegung Hier und Jetzt ist immer da. Die Übung im Hier und Jetzt zu sein macht dieses zur Fessel.
Dowakwak hat geschrieben:
Hallo,

Achtsamkeit ist im Buddhismus ja ein wichtiges Thema.

Ich fühle mich durch dieses ewige "Achtsam sein müssen" allerdings genervt. Eine Zeit lang macht mein Geist das Spiel mit, dann sehe ich es allerdings als unnötigen Zwang und es entsteht ein innerer Widerwille gegen die achtsame Praxis. "Andauernd daran denken, auch sich und seine Gefühlte zu achten, andauernd im Hier und Jetzt sein müssen".

Kennt das jemand? Wie komme ich da raus?


Hallo Dowakwak,
und herzlich Willkommen. :)
Für mich hat es niemals ein "Achtsam-sein-müssen" gegeben. Es ergab sich einfach automatisch, weil ich den Wert erkannte. Als ich mich dann mit entsprechender Literatur beschäftigte, wurde es auch zu der Meditation überhaupt. Das heißt, ich übe mich immer und immer wieder in Achtsamkeit, egal wo ich mich befinde, dazu muss ich nicht sitzen. Es gibt so viele Gelegenheiten: während der Fahrt in der Bahn oder im Wartezimmer eines Arztes, in der Warteschlange an der Kasse oder während einer aufregenden Diskussion.
Aber ein zwanghaftes Achtsamkeitstraining habe ich nie eingehalten. Wenn ich spürte, dass ich nicht achtsam war, wurde mir auch klar, dass aber das Spüren, nicht achtsam gewesen zu sein, Achtsamkeit ist.

Es geht nicht um Perfektion. Es geht darum, sich und seine Umwelt bewusst und frei von Bewertung und Beurteilung zu beobachten bzw. wahrzunehmen, ob nun die Unachtsamkeit oder sonstwas.
_()_ Monika

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