8facher Pfad und Überwindung von Krankheit

Moderator: kilaya

Hallo Ihr Lieben,

das Thema wurde sicher mehrfach thematisiert, möglicherweise auch von mir in abgewandelter Form, wobei das Thema an sich viele Facetten hat.

Ich habe bewusst geschrieben 8facher Pfad und nicht Buddhismus, wobei mir klar ist, dass der 8fache Pfad eines oder das zentrale Element im Buddhismus ist.

Das Leben besteht aus Leid, das ist meine Erfahrung, aber natürlich haben das vor mir schon viel weisere Menschen festgestellt, unter anderem natürlich Buddha.

Die Frage, die sich mir stellt, in welchen Bereich kann das wirkliche Umsetzen des 8fachen Pfads in den Alltag bei Krankheiten hilfreich sein?

Was ist Eure Erfahrung dabei? Schwere körperliche Erkrankungen sind ebenso wie schwere psychische Erkrankungen mehr denn je eine Herausforderung, die unsere Zeit mit sich gebracht hat. Die Gegenstrategien der Schulmedizin sind bescheiden bzw. manchmal sogar gar nicht heilsam.

Die Psychologie benutzt ja zunehmend Therapiearten, die sie glaubt erfunden zu haben, aber ihren Ursprung im Buddhismus haben, wie die Achtsamkeit eben, was ich etwas seltsam finde, sich mit fremden Federn zu schmücken, aber gut.

Ich denke der Buddhismus ist Lebenshilfe für Jeden, also auch für Menschen, die mit diesem Glauben nichts zu tun haben. Oft wissen sie ja nicht einmal woher dies oder das kommt.

Meine Erfahrung sagt mir, dass sowohl psychische Erkrankungen wie auch schwere körperliche Erkrankungen ganz schwer zu verbessern sind. Wobei das Wort verbessern denke ich gut gewählt ist, weil man soll nicht von Heilung ausgehen, aber Verbesserung könnte möglich sein.

Bei den psychischen Erkrankungen halte ich sogar deutliche Verbesserungen für möglich, weil sie durch Änderung der Geisteshaltung einfach vieles ändert. Bei körperlichen Erkrankungen ist es schwerer, da kann man vielleicht eher die Sichtweise zu seiner Erkrankung anders annehmen.

Ich habe auch keine Ahnung ob Buddha kranke Menschen geheilt hat und wenn ja welche? Durch eine Änderung der Geisteshaltung bzw. des Denkens oder Nichtdenkens ist da sicherlich einiges möglich.

Es ist schade, dass dieses Wissen nicht mehr eingesetzt wird, weil es von sämtlichen geistigen Ansätzen meiner Ansicht nach die effektivste Methode ist Erleichterung für Betroffene zu erreichen. Ich sage das auch oft zu Menschen, denen es nicht gut geht, bzw. versuche es bei mir selbst anzuwenden, wobei ich den Buddhismus nicht in den Vordergrund stellen will sondern die Lebensphilosophie, die dahinter steckt, weil ich möchte ja niemand zu einem Glauben bekehren, das wäre aufdringlich. LG Son
Ich bring es auf den Punkt

Heilt ein gebrochenes Bein schneller, wenn man aufmerksam ist?

Wird z.B. eine physiologisch bedingte psychische Störung gebessert?

Oder ist es "nur" ein anderes Herangehen?
Hallo,

das war mir schon klar, dass ein gebrochenes Bein durch eine andere Lebensweise bzw. Einstellung vermutlich nicht schneller heilt.

Sag mir bitte eine Antwort z.B. bei keiner körperlichen Erkrankung wie Angststörungen aller Art, Depression, Schlafstörung? Da sollte eine geänderte Lebensweise bzw. Einstellung vielleicht doch eher eine Verbesserung bringen als Nichts zu tun, vielen Dank, LG Son
Son hat geschrieben:
Die Frage, die sich mir stellt, in welchen Bereich kann das wirkliche Umsetzen des 8fachen Pfads in den Alltag bei Krankheiten hilfreich sein?
Ich hoffe, dass ich Deine Frage richtig verstehe. Mit "in welchen Bereich" beziehe ich auf die einzelnen Glieder des 8fachen Pfades. Dazu lautet meine Antwort:

Du hast Deine Frage mit "samādhi" doch eigentlich schon selbst beantwortet oder? „Rechtes Handeln“ und die „Rechte Rede“ in Bezug auf schwere Krankheiten? :? Da wird es schwierig. Als medizinischer Laie fällt es selbst durch „Rechtes Zuhören“ schwer, die Fachsprache/Fachbegriffe richtig zu verstehen/deuten. Daraus dann „Rechtes Handeln“ abzuleiten - auch unendlich schwierig! Selbst wenn man der Schulmedizin vertraut….wie soll man abwägen zwischen Chemo-/Strahlentherapie mit starken Nebenwirkungen mit dennoch vergleichsweise „wenig Lebensverlängerung“ oder versuchen den natürlichen Krankheitsprozess „anzunehmen/zu akzeptieren“?
jianwang hat geschrieben:
Ich bring es auf den Punkt

Heilt ein gebrochenes Bein schneller, wenn man aufmerksam ist?

Da würde ich widersprechen. Achtsamkeitsmeditation hilft z.B. beim Schmerzmanagement was den allgemeinen Stresslevel senkt, das reduziert wiederum den Entzündungslevel, weil dem Körper mehr Ressourcen zur Verfügung stehen.
Hallo Baika,

nein, ich habe das ein wenig anders gemeint, den 8fachen Pfad als Gesamtes. Mir ist schon klar, dass man als medizinischer Laie auch durch rechte Rede oder Achtsamkeit nicht entscheiden kann welche Therapieform besser ist, so wie du sagst das Leiden durch eine Therapie auf sich zu nehmen, die oft ins Leere führt, auch wenn es anders kommuniziert wird, sprich Halbwahrheiten oder dass man sein Schicksal annimmt. Soweit der körperliche Anteil.

Mir geht es und da war mein Fehler eher um die psychischen Erkrankungen, weil ich denke, dass man mit einem guten Leben und richtigem Handeln vor allem gerade da eine kleine Chance hat auf Verbesserung, auf Heilung kaum meiner Erfahrung nach, aber jemand, der z.B. Medikamente nehmen müsste, für den wäre es doch eine Verbesserung könnte er innere Ruhe durch Meditation bzw. andere Maßnahmen des 8fachen Pfads finden, das gleiche gilt für Depressionen oder Schlafstörungen, Panikattacken - wobei ich hier die vermeintlich "leichteren" Probleme aufzähle, die schweren Probleme wie Schizophrenie oder Psychosen, da kann die Einstellung vermutlich sein wie sie will da ist kein Verbesserungspotential möglich.

Ich sehe den 8fachen Pfad, wenn es jemand schafft ihn auch in den Alltag zu bringen bzw. zu leben und danach zu handeln als deutlich größere Chance als sämtliche anderen Therapien, inklusive Medikamente, wobei wie vorher schon jemand schrieb wenn es denn keine körperliche Ursache hat, weil eine psychische Erkrankung kann ja theoretisch auch eine körperliche Ursache haben.

Für mich würde der Buddhismus auf jeden Fall mehr Hilfsangebote haben wie die Schulmedizin auf dem Sektor hat, sprich sämtliche Formen der Psychotherapie, Medikamente und Co. und generell sei schon gesagt, dass die Zahlen dieser Erkrankungen dramatisch im Steigen sind, auch der körperlichen Erkrankungen. Meine Erklärung dafür ist nicht die Umwelt oder das Essen - bedingt ja, nein, meine Erklärung ist Digitalisierung unserer Zeit, die Veränderungen in der Gesellschaft, die Medien, das Überangebot in allen Bereichen - das überfordert uns und erzeugt negativen Stress, daher auch vermehrt Krankheiten.

Diejenigen die nicht betroffen sind, die werden das vielleicht anders sehen. Aber es ist ja heute doch anders als vor 30 Jahren, das bestätigen mir auch viele andere Menschen, der Gesellschaftswandel sowohl was den Privatbereich wie das Arbeitsleben betrifft ist sehr wohl angekommen und da wird es wohl keine Trendumkehr geben. Wir werden dazu erzogen zu funktionieren und nicht gesund zu sein. LG Son
...ja, da hast du natürlich recht, aber ob ein Bein schneller heilt zweifle ich, vielleicht ja, aber schwer - was Schmerzmanagement angeht kann ich deinen Zugang nachvollziehen, da kann man sicher etwas beeinflussen.

Ich habe zwar hauptsächlich über psychische Erkrankungen geschrieben, aber die Zahlen der schweren körperlichen Erkrankungen steigen auch sehr, wobei nochmal da sehe ich weniger Potential.

Ich habe z.B. eine Makuladegeneration an einem Auge, die zur Erblindung führen kann, da kann man laut meinem Informationsstand ziemlich wenig tun, einige sagen zwar Stress meiden, bzw. dass bestimmte Vitamine helfen es zu stoppen, aber es gibt Erkrankungen wo man ziemlich machtlos ist habe ich das Gefühl, von ganz schweren Erkrankungen gar nicht zu reden, LG Son
Son hat geschrieben:
Hallo,

das war mir schon klar, dass ein gebrochenes Bein durch eine andere Lebensweise bzw. Einstellung vermutlich nicht schneller heilt.

Sag mir bitte eine Antwort z.B. bei keiner körperlichen Erkrankung wie Angststörungen aller Art, Depression, Schlafstörung? Da sollte eine geänderte Lebensweise bzw. Einstellung vielleicht doch eher eine Verbesserung bringen als Nichts zu tun, vielen Dank, LG Son

Ja, natürlich hilft es.
Doch habe ich oft gesehen, das gerade psychische Störungen (z.B. Schizophrenie oder Bipolare Störungen) das Erfassen und Befolgen des Pfades erschweren.
Man kann also nicht generell sagen - tu es und Dir wird geholfen.

Auch wenn viele das annehmen ist doch der Weg kein Fahinschlendern und Heilsbücher lesen.

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@Baika was Du ansprachst sind die unzweigelhaften Selbstheilungskräfte und der Einfluss des veg Nervensystems
Ein Hallo in die Runde,

auch in diesem Bereich kommt es sehr auf die innere Einstellung des jeweiligen Menschen aṇ

Mein Weg: Suche eines Lehrers ḍer buddḥ Phil., fündig geworden, Bitte um Unterrichtung.

Eigene Erfahrung (bei Diagnose Spondylitis ankylosans)

1. Tiefes Verinnerlichen der Lehren der buddhistischen Philosophie
2. Übung in der Fähigkeit, geistig und körperlich loszulassen,
3. Übung in bewusster Muskelentspannung,
4. Übung in der Fähigkeit, Schmerzen zu fokussieren, als solchen zu benennen, sein So-Sein zu belassen/ loszulassen

Aus Punkt 1 resultieren die Punkte 2, 3 und 4.

Fazit: Beim bewussten Einlassen auf die Möglichkeiten, die das Verständnis der Lehren eröffnet, (u.a. die korrekte Sicht der Natur allen Seins, das Erlernen tiefer Meditation) können, den westlichen Mediziner meist noch verblüffende, Resultate erzielt werdeṇ. ... Ich benötige keine Medikamente - auch nicht auf meinem Fußweg zum MRT vor der Operatioṇ (psychischer Effekt) - kam allerdings an drei Wirbelsäulenoperationen nicht vorbei (körperliche Ursache - manches, aber nicht alles konnte ich durch Muskelaufbau mittels geeigneten Sportarten (Schwimmen, Tauchen) in Grenzen halteṇ)

Sehr wichtig ist meiner Erfahrung nach die eigene Einstellung zu einer Erkrankung:

- sehe ich mich z.B. als "hilfloses Opfer einer Erkrankung", dann bin ich auch eineṣ.
- nehme ich das, was ist, an, um das mir Bestmögliche daraus zu machen, kann ich siegen, (... bei tiefer Einsicht ist auch das bewusste Annehmen einer unheilbaren Krankheit (mittels der differenzierten Sicht auf die wahre Natur allen Seins) möglicḥ. Kann man das, steigt die verbliebene Lebensqualitäṭ.)

LG mkha'
Je weniger man an den Körper angehaftet ist desto weniger leidet man unter Krankheiten. Auch beim Geist ist es so, man muss sich nicht vom Geist tyrannisieren lassen wenn man störende Gedanken und Gefühle einfach sein lässt ohne sie zu ergreifen, ohne sich damit abzugeben. Dann werden sie weniger oder verschwinden ganz weil sie keine Nahrung oder Zuwendung mehr erhalten.
Es hilft also das Verständnis: Das bin ich nicht, das gehört mir nicht, das ist nicht mein Selbst. Durch Identifikation entsteht der Hauptanteil des Leidens. Das ist verifizierbar indem man darüber bewusst wird dass Körper/Geist Objekte sind die im Bewusstsein erscheinen. Praktisch gesagt, was ich wahrnehmen kann, das kann ich unmöglich sein.
Das kann man üben eben mittels des achtfachen Pfades, was zu immer besserer Achtsamkeit bzw. Satipatthana führt und damit zu Erkenntnis und Freiheit.
Hallo,

vielen Dank für Eure Sichtweisen und Gedanken zu dem Thema, ich habe es gelesen, wobei ich es leider mehrfach lesen muss, um es auch richtig zu verstehen. Ich lese Texte, die tiefergehend sind immer mehrfach, und gerade in diesem Forum ist das auch notwendig zumindest für Menschen wie mich, weil ich ja wie gesagt selber Probleme habe und meine Aufnahmefähigkeit bzw. Konzentrationsfähigkeit leider zeitlich beschränkt ist.

Auf jeden Fall waren sämtliche Beiträge sehr wertvoll und möchte mich für Eure Zeit und Engagement bedanken, weil da war doch etliches dabei was ich gerne versuchen möchte bzw. überdenken, LG Son
Tu es oder lass es. Versuchen ist imho falsch.

Überdenke die Möglichkeiten und fühle, wie Deine Erfahrungen sich dazu stellen.

Gassho
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Tue es oder lass es diese Frage stellt sich gar nicht, der 8fache Pfad ist so oder so eine wertvolle Lebenshilfe einerseits und auch für Menschen denen es gut geht ein Pfad eben wie man ein gutes Leben führen kann, ein Angebot auf jeden Fall.

Also nach wirklich langer Suche nach allen möglichen Alternativen ist mir das geblieben, was es eben wie du sagst zu leben, darüber nachzudenken wird keine Veränderung bringen.

Nur eines funktioniert meiner Ansicht nach nicht, nämlich das wegdenken von Schmerzen oder was auch immer, ja in tiefer Meditation und nach jahrelanger Übung mag das gelingen bzw. keine Gedanken, zumindest keine Ängste, ob das mit Schmerzen auch klappt schwerer glaub ich.

Ich glaube bei meinen Problemen der ziemlich einzige Weg einer Verbesserung, wobei das sollte natürlich nicht das Motiv sein, sondern wie ich schon sagte ein "gutes" Leben zu führen frei von egoistischen Motiven. Das heißt für mich, es nicht deshalb zu machen um eine "Belohnung" zu bekommen sondern eben weil es eben ein guter Pfad ist für ein Leben, LG Son
Es kommt auf die Intensität der Schmerzen an.
Nach einem Rücken-problem Anfang letzten Jahres mit OP habe ich ständige Schmerzen in den Füssen/Beinen wegen bleibender Nervenschäden.
Ich kann keine Stärke angeben, aber für mein Leben würde ich sagen 5-6 bei 10ner Skala.
Doch ich habe es gelernt, den Schmerz als Freund zu empfangen, wie ich es früher beim shikantaza lernte.
NICHT, das der Schmerz verschwindet, aber ich erfahre ihn als einen Teil meines Körpers im Hier und Jetzt.
Und manchmal mag ich eben meine Nase und manchmal nicht(auch nur ein Teil des Körpers)

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:D
Wieso sollte es nicht auch ein Motiv sein ... Ich glaube NICHT, das irgendein Übender völlig selbstlos begonnen hat.
Und da finde ich "Verringerung von Schmerzen" als menschlicher als manch anderes Ziel.

Ich wünsche Dir viel Kraft auf Deinem Weg.
Üben ist einfach, doch unbeirrt weiter zu üben ist manchmal schwer.

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Son hat geschrieben:
Nur eines funktioniert meiner Ansicht nach nicht, nämlich das wegdenken von Schmerzen oder was auch immer, ja in tiefer Meditation und nach jahrelanger Übung mag das gelingen bzw. keine Gedanken, zumindest keine Ängste, ob das mit Schmerzen auch klappt schwerer glaub ich.
Schmerz ist ein körperliches Phänomen und wenn man einen Körper hat, empfindet man auch Schmerz, wenn die entsprechenden Ursachen und Bedingungen dafür gegeben sind - Verschleiss, Krankheit, Verletzung ...

Aus dem Palikanon lässt sich entnehmen, dass Buddha Shakyamuni in fortgeschrittenem Alter an Rückenschmerzen litt und auch schon einmal an seiner Stelle einen Schüler eine Lehrrede halten ließ, wenn er sich hinlegen musste. Auch gibt es da z.B. diese Geschichte:
1. Also habe ich vernommen.
Einstmals weilte der Erhabene in Rājagaha im Antilopenhain Maddakucchi.

2. Zu jener Zeit aber war der Fuß des Erhabenen von einem Splitter verletzt. Heftig waren die körperlichen Schmerzen des Erhabenen, übel, peinigend, schlimm, qualvoll, unlieb, unangenehm. Der Erhabene aber ertrug sie besonnen und vollbewußt, ohne den Mut zu verlieren.
(S.1.38 und S.14.3)

Die Frage stellt sich anders - nämlich, ob man an Schmerzen leidet oder sie nur empfindet.

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Son hat geschrieben:
...
Das Leben besteht aus Leid, das ist meine Erfahrung, aber natürlich haben das vor mir schon viel weisere Menschen festgestellt, unter anderem natürlich Buddha.
..


Liebe Grüße Son,

und ich melde sofort Widerspruch an :wink:

Das Leben besteht nicht aus Leiden. Unfug!
Wenn im ganz konkreten Dein Leben oder das Leben anderer Menschen (Wesen) nur aus Leiden bestehen sollte, kann ich den Opfern nur das Beste wünschen.

Das Leben besteht nicht aus Leiden. Leben ist für bewußte Wesen zwangsläufig mit Leiden verbunden!
Ohne die Erfahrung der Lehre ist diese Verbindung nicht zu lösen.

Aber die Idee, daß das Leben als solches leidvoll ist existiert im Buddhismus nicht.
Buddha hat nach seiner Erleuchtung existiert (gelebt). Als biologisches Wesen hat er natürlich gelitten. An den Folgen seines Älter-Werdens, an Erkrankungen der Wirbelsäule und am Ende an seiner tödlichen Vergiftung. Aber sein Leben war nicht Leiden, sondern ein erfüllter und sinnvoller Dienst an der Gemeinschaft.
Ausserdem dukkha nicht mit der "landläufigen" Bezeichnung Leid/Leiden verwechseln.
fotost hat geschrieben:
Aber die Idee, daß das Leben als solches leidvoll ist existiert im Buddhismus nicht.
Einspruch. Du kennst doch sicher das Dhammacakkappavattana Sutta - der Überlieferung nach die erste Lehrrede, die Buddha nach seinem Erwachen gehalten hat:
Geburt ist dukkha, Altern ist dukkha, Tod ist dukkha. Leid, Klage, Schmerz, Trauer und Hoffnungslosigkeit sind dukkha; die Gemeinschaft mit Ungeliebtem ist dukkha; die Trennung von Geliebtem ist dukkha; nicht zu erlangen, was man ersehnt, ist dukkha. Kurzum, die fünf Skandhas sind dukkha.

Das Leben eines Wesens hat einen Beginn: Geburt (ist dukkha), es hat ein Ende: Tod (ist dukkha). Zwischen Anfang und Ende hat es einen Verlauf: Altern (ist dukkha). Es folgen die zur Illustration bzw. Verdeutlichung aufgeführten Beipiele (Leid, Klage, Schmerz, Trauer und Hoffnungslosigkeit, Gemeinschaft mit Ungeliebtem, Trennung von Geliebtem, nicht zu erlangen, was man ersehnt). Diese dienen zur Verdeutlichung der Unausweichlichkeit von dukkha (es sind Erfahrungen, die zumindest alle Menschen gemeinsam haben) - nicht seiner Universalität. Natürlich gäbe es nun Gegenbeispiele (Freude, Wohlgefühl, Gemeinschaft mit Geliebtem usw.)- deren Leidensaspekt ist jedoch nicht nichtexistent, sondern lediglich subtiler. Er liegt in der Vergänglichkeit dieser Erfahrungen, an der Unmöglichkeit, sie zu bewahren. Wie Nietzsche im Zarathustra schreibt: "Alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit." Die mit der Lust zwangsläufig verbundene Frustration des Willens nach deren Andauer ist ihr dukkha-Aspekt.

Ich belege dies nun nicht eigens mit Sutren-Zitaten - nicht nur die einleitende Formel (Geburt, Altern, Tod) belegt die Universalität von dukkha im Leben, noch unmissverständlicher tut dies die abschließende Formel: "die fünf Skandhas sind dukkha". Zumindest menschliches Leben ist notwendig und untrennbar mit den fünf Skandhas verbunden; Leben ist nichts anderes als deren Zusammenwirken.

Ansonsten: eine zentrale Lehre des Buddhismus sind die drei 'Seinsmerkmale':
sabbe saṅkhārā aniccā — alles Bedingte ist ohne Dauer
sabbe saṅkhārā dukkhā — alles Bedingte ist leidhaft
sabbe dhammā anattā - alle Dinge sind Nicht-Selbst (im Sinne: kein Ding ist das Selbst)

Da wir hier im Anfängerbereich sind, sei nur kurz angemerkt, dass es lediglich ein 'Ding' (dhamma) gibt, das nicht bedingt (saṅkhātā) ist: Nirvana.

()
Hallo,

nun, der Spruch mit dem üben hat was, die Konsequenz macht den "Erfolg" aus, wie bei so vielem im Leben.

Das Üben bzw. das Praktizieren des 8fachen Pfads ist irgendwie ein Wunsch von mir seitdem ich darüber gelesen habe, weil ich ihn einfach sehr gut fand. Und nein, mein Leid ist nicht vorrangiges Motiv sondern wäre vielleicht ein positiver Nebeneffekt, wenn ich den Schmerz oder die Schmerzen besser annehmen könnte oder damit umgehen.

Generell geht der 8fache Pfad ja in alle Bereiche des Lebens, also ich finde es nach wie vor durchaus sinnvoll zu versuchen gut zu Leben, das ist für einen selbst gut und die "Anderen" profitieren davon natürlich auch, im Idealfall ist es das Vorleben und gar nicht so sehr das sprechen darüber, wobei die meisten machen dies vermutlich ja ohnedies so im täglichen Leben, dass sie ihren Glauben leben und nicht missionieren, das passt auch gar nicht zum Buddhismus, mir zumindest nicht bekannt.

Ich habe mich schlecht ausgedrückt - klar besteht das Leben nicht nur Leiden, aber in meinem persönlichen Weltbild ist das Leid überwiegend, nicht mal nur auf mein persönliches Leben bezogen sondern global gesehen, schau dich um in der Welt, wo leben denn die Menschen gut und sicher und selbst dort, wo das der Fall ist Teile Westeuropas, Teile der USA, Australien, auch da gibt es viel Leid.

Also mit Buddha möchte ich kann ich mich nicht vergleichen, aber glaub mir, es gibt Menschen, die haben so viel Schmerzen und Leid und das nicht aufgrund einer schweren plötzlichen Krankheit sondern viele, viele Jahre, dass die Lebensqualität ziemlich mäßig ist. Ich sehe mein eigenes Leben überwiegend leidvoll, bin aber auch dankbar, dass ich leben darf, für jeden Tag.

LG Son
Sudhana hat geschrieben:
fotost hat geschrieben:
Aber die Idee, daß das Leben als solches leidvoll ist existiert im Buddhismus nicht.
Einspruch. Du kennst doch sicher das Dhammacakkappavattana Sutta - der Überlieferung nach die erste Lehrrede, die Buddha nach seinem Erwachen gehalten hat:
Geburt ist dukkha, Altern ist dukkha, Tod ist dukkha. Leid, Klage, Schmerz, Trauer und Hoffnungslosigkeit sind dukkha; die Gemeinschaft mit Ungeliebtem ist dukkha; die Trennung von Geliebtem ist dukkha; nicht zu erlangen, was man ersehnt, ist dukkha. Kurzum, die fünf Skandhas sind dukkha.


Sicher kenne ich den Text :)

'Geburt ist dukkha, Altern ist dukkha, Tod ist dukkha.' Natürlich.

'Leid, Klage, Schmerz, Trauer und Hoffnungslosigkeit sind dukkha; die Gemeinschaft mit Ungeliebtem ist dukkha; die Trennung von Geliebtem ist dukkha; nicht zu erlangen, was man ersehnt, ist dukkha. Kurzum, die fünf Skandhas sind dukkha.' Sicher. Binsenweisheiten für einen ernsthaften Buddhisten.

Aber - zwischen Geburt und Alter (und mit Mitte 60 sei der Hinweis erlaubt, auch im Alter) gibt es noch ganz nette Momente :mrgreen:

Sudhana hat geschrieben:
menschliches Leben ist notwendig und untrennbar mit den fünf Skandhas verbunden; Leben ist nichts anderes als deren Zusammenwirken.

Ja, kein Problem damit. Das Zusammenwirken der fünf Skandhas bewirkt letztlich das Scheitern der Illusionen, der Träume. Es ist gleichgültig, ob wir unsere Endlichkeit verstehen oder akzeptieren oder nicht. Sie besteht.

Sudhana hat geschrieben:
Ansonsten: eine zentrale Lehre des Buddhismus sind die drei 'Seinsmerkmale':
sabbe saṅkhārā aniccā — alles Bedingte ist ohne Dauer
sabbe saṅkhārā dukkhā — alles Bedingte ist leidhaft
sabbe dhammā anattā - alle Dinge sind Nicht-Selbst (im Sinne: kein Ding ist das Selbst)

Da wir hier im Anfängerbereich sind, sei nur kurz angemerkt, dass es lediglich ein 'Ding' (dhamma) gibt, das nicht bedingt (saṅkhātā) ist: Nirvana.


Auch im Anfängerbereich - ich empfehle jedem die Beschäftigung mit den drei Merkmalen des Seins..
@son

Gerade die Teile der Welt, die Du als "relativ gut lebend" nanntest, sehe ich als leidvoll an.
Ich kenne Menschen, die nach unseren Vorstellungen ärmlich, primitiv leben, aber mit viel weniger Leiden als wir in unserer "Gesellschaft".
Auch wird leider bei vielen das Leiden oft mit körperlichem Schmerz gleichgestellt. Glaub dem alten Mann hier, so schlimm ist das nicht.
Mein Meister litt stark unter Schmerzen, doch genoss er sein Leben und wollte keinen Moment missen.

Ich weis, das es Momente gibt, wo das Leiden zu stark wird, selbst für einen Geübten ... dann hilft es, wenn die 3 Juwelen demjenigen zur Seite stehen.
Mein Meister mahnte uns dann: Versucht es nicht mit Worten, leidet mit dem Anderen mit, wie dieser leidet. Geht des Weg der Bodhisattvas ...

Mit Dir mitleidend nehme ich Dich still in den Arm ...
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Wenn es jemanden interessiert und wenn er Zeit hat sich das anzusehen und mit der schlechten Tonqualität zurecht kommt …
Heute gab es eine Live-Übertragung von Garchen Rinpoche zu dem Thema über Facebook zum Anschauen.
Dazu muss man wissen, dass er überall sehr respektiert wird. Der alte Mann hat 20 Jahre seines Lebens in einem chinesischen Gulag verbracht und ist gesundheitlich schwer angeschlagen. Ich bin mir sicher, er weiß wovon er redet.

https://www.facebook.com/mahasiddhagarchen/
Instructions on how to practice with sickness
"Das Leiden ist das schnellste Pferd...", sagte glaub ich Eckhart. Zu Gott..., sagte er glaub ich noch. Oder halt zum Nibbana, Erwachen. Wie man mag. Es ist natürlich so eine Sache wenn man unentwegt leidet, wie ein Schmerzpatient zum Beispiel, dann ist es vielleicht günstig, eine Schmerzklinik aufzusuchen. Ansonsten lohnt es sich auf "Kontemplation" zu setzen. Achtsamkeit (Ruhemeditation) und Betrachtung ( VII und VIII des 8 fachen). Aber auch die "Rechte Anstrengung"(VI) ist diesbezüglich nicht von der Hand zu weisen. Die rechte Anstrengung achtet darauf, wo man unheilsame Gedanken und Vorstellungen pflegt, was bedeutet: 'dunkle', aversive, gierige, misstrauische, zweifelnde... Das dann entweder (los)lassen oder "transformieren", wenn möglich; dazu ist "ein Hauch" 'rechte Gesinnung' ( II) notwendig ( Metta, Bodhichitta ) Anhaftung verstärkt ja jedenfalls das Leiden am Schmerz. Während Schmerz selber: Siehe oben ( Leid und Schmerz verquickt sich, - was den Unerwachten betrifft; er leidet qua an dem was er "für sich / seiner selbst" hält - Körper, Gefühl, Gedanke) Das ist natürlich "okay"; man muss schauen, dass man etwas Abstand, Einlassen und Loslösung zulässt. Das ist so der WEG.
Hallo,

mir ist bewusst, dass Menschen in armen Kontinenten oder Ländern oft trotz Armut glücklicher sind. Glück hat ja nicht unbedingt mit Geld zu tun. Die Familienbanden sind oft deutlich enger als in unserer Gesellschaft und auch die Empathie.

Unsere Gesellschaft hat ja meiner Ansicht nach das geschadet, dass es uns so gut ging eine Zeit lang, sprich wir viele Sorgen Jahrzehnte nicht hatten. Es gab soziale Sicherheit, ein gutes Gesundheitssystem und auch keine Bedrohungen durch Terror oder Kriege, die jetzt Westeuropa betrafen oder sagen wir kaum.

Ich sehe wie gesagt die Digitalisierung, den sogenannten Fortschritt als Schlüssel des Übels, die Informmationsüberflutung in allen Bereichen, die Menschen sind heute mit so einem Überangebot konfrontiert, dass es sie einfach überfordert. Das gilt für sämtliche Medien, das gilt sogar für die Freizeitangebote, weil auch die Freizeit ist für normale Menschen ja schon Stress geworden, weil man immer was machen muss, um ja nicht mal für sich zu sein und nachzudenken.

In meiner Kindheit gab es in den Geschäften z.B. 2 Joghurtsorten - ein normales, ein Fruchtjoghurt (Erdbeeren) glaub ich, heute steht man im Supermarkt vor Regalen mit 50 verschiedenen Joghurts und da stellt sich die Frage zwischen wollen und brauchen. Meiner Ansicht nach braucht niemand 50 verschieden Joghurts, aber dieses Beispiel lässt sich in viele Lebensbereiche ummünzen.

Wenn ich Essen gehe ist mir lieber ein Lokal wo 10 Gerichte stehen als 150, das überfordert mich einfach.

Ich spreche übrigens von einer Kombination aus physischen und psychischen Leiden und die kann ziemlich die Lebensqualität beeinflussen - bis hin zur totalen Isolation. Ein Tabuthema in der Gesellschaft, auch kein unbedingtes Thema dieses Forums, aber wenn ich von Leid spreche, dann mein ich auch wirklich Leid, tiefer möchte ich nicht drauf eingehen, würde auch keiner verstehen, nicht weil der Intellekt fehlt sondern einfach weil hier andere Menschen sind und das meine ich positiv.

Wie gesagt, für mich ist es ein Ziel den Pfad für meine psychische Gesundheit einzusetzen und hoffe auch ein wenig Erleichterung - körperliche Leiden da ist es schwerer, mir fällt auch keine effektivere Methode ein als diese, daher möchte ich sie versuchen zu nutzen neben anderen Alternativen.

Man soll auch nicht urteilen, Menschen, denen es verhältnismäßig gut geht, die sollten wirklich dankbar sein, weil sie einfach nicht wissen, was es bedeutet gewisses Leid zu haben, woher auch, man kann Dinge nur mitfühlen, wenn man sie kennt.

LG Son
Son hat geschrieben:
Wenn ich Essen gehe ist mir lieber ein Lokal wo 10 Gerichte stehen als 150, das überfordert mich einfach.


etwas OT, aber bei 150 Gerichten auf der Karte habe ich eher die Sorge, daß das den Koch überfordern muß und das deswegen das meiste vorgekocht ist oder einfach nur nach dem Baukastenprinzip zusammengekippt wird...
Hallo,

eigentlich wollte ich ja einen eigenen Beitrag aufmachen, aber wozu?

Mein ehemaliger Lehrer - übrigens keine Ahnung an was er wirklich glaubte - hat mir immer wieder gesagt "einfaches Denken", wenn ich jetzt aber die Menschen so ansehe bzw. was sie so denken, mit was sie sich beschäftigen, dann hat das mit einfachem Denken wenig zu tun.

Wobei er mit einfachem Denken sicher nicht Oberflächlichkeit meinte. Wenn ich mit spirituellen Menschen oder Menschen mit etwas mehr Intellekt spreche vermisse ich einfaches Denken und vor allem einfache Sprache.

Oft bleibe ich danach zurück mit der Erkenntnis nicht verstanden zu haben, oft frage ich mich auch, ob die Person, die mir das gesagt hat, verstand, was sie mir sagte.

Der Buddhismus mit all seinen Richtungen ist hochkomplex, da frage ich mich öfter auch, warum eigentlich, wenn ich Diskussionen lese, ob in meinen Beiträgen oder anderen finde ich die Antwort nicht, mag sein, dass es keine geben mag, weil es gibt ja bekanntlich nicht auf alle Fragen eine Antwort.

Aber warum alles so kompliziert und für mich die Frage, ob die Betroffenen, die das schreiben, es verstehen oder die es sagen?

Mein Lehrer ist in einem buddhistisch geprägten Land aufgewachsen, er meditiert seit dem er ein Kind ist über Jahrzehnte täglich stundenlang. Es ist Teil seiner Berufung und seines Berufs die Meditation, ein oder der zentrale Teil. Er glaubt übrigens nicht an einen Gott, auch sagt er wir haben nur ein Leben, andererseits habe ich immer wieder buddhistische Ansätze in unseren Gesprächen erkannt.

Auch in seiner Lebensphilosophie - für ihn steht glaube ich die Natur im Mittelpunkt von allem, ob es nur ein Leben gibt? Ob er das so meint? Keine Ahnung. Er hat auch gemeint, er könnte in der Meditation an jedem beliebigen Platz der Erde hingehen, vielleicht auch normal, für Menschen, die das jahrelang üben, eine Freundin behauptet das auch von sich, die ist Christin übrigens.

Tja, wenn man ich nun fragen würde, was ich eigentlich sagen will mit diesem Beitrag - ja, vielleicht mehr Einfachheit, mehr Verstehen. Manchmal kommt es mir in Diskussionen vor, dass Menschen sich übertrumpfen wollen mit Weisheit oder Wissen, bevor sie nichts sagen, weil wie sieht denn das aus, wenn man zu einem Thema keine Meinung hat oder schlichtweg sagt, ich weiß es nicht? Was ist so schlimm daran? Man bitte mich um Verzeihung falls ich "dumme" Fragen stelle, aber wie gesagt, ich bin ja nach wie vor Neuling.

LG Son

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