Die Unfähigkeit etwas zu akzeptieren

Moderator: kilaya

Hallo, ich habe kürzlich einem Vortrag eines buddhistischen Mönchs gelauscht.
Er meinte, dass 98% aller unserer Probleme Illusionen unseres Geistes sind.
Bezüglich der letzten beiden Prozent haben wir genau zwei Möglichkeiten darauf zu reagieren.
1) Veränderung 2) Akzeptanz
Ganz gleich, in welcher Lebenssituation wir stecken und welche Probleme uns plagen - wir sollten uns immer fragen: Kann ich es verändern?
Und wir können es meistens verändern (wenn wir ehrlich sind und den Berg von Ängsten und Ausreden überwinden).
Können wir es tatsächlich nicht verändern, sollten wir es akzeptieren (und Frieden finden damit).
Diese beiden Lösungen seien die Flügel zu unserer Freiheit.
Soweit zum Vortrag, der sich für mich beruhigend, befreiend und stimmig anfühlte.
Nun habe ich jemandem von dieser Sichtweise erzählt - und dieser jemand hat eine Frage.
Er ist überzeugter Vegetarier und hat ein großes Problem damit, wie 'die Menschen' mit den Tieren umgehen. Er macht die schlechte Tierhaltung und den Fleischkonsum praktisch zu seinem eigenen Problem, (obwohl er bereits von früher Jugend an Vegetarier ist). Und er fand die Sichtweise aus dem Vortrag wirklich stimmig und interessant - aber in diesem einen Punkt hakt es gewaltig. Er fragte mich, was er tun kann, wenn er es nicht schafft dieses Problem einfach zu akzeptieren.
Bitte lasst mich an euren Gedanken teilhaben! Danke!
Er kann nichts tun, er will es nicht akzeptieren. Die Verantwortung, Tiere zu schützen und Schlachtung und die Fleischindustrie zu boykottieren ist sein Beitrag. Da ist ein Wunsch nach einer Veränderung der Welt, welcher nie erfüllt werden kann. Er kann seine Vorstellungen nicht auf die Welt übertragen. Alles fängt bei einem selbst an. Vielleicht fehlt ihm das Gewahrsein, das Thema und alle dazugehörigen aufsteigenden Gedanken, wenn es aufkommt, zu beobachten, ohne daran kleben zu bleiben. Der Verstand mischt sich sehr gerne überall ein, macht alles zu seinem Thema und gaukelt vor einen Anspruch auf die universelle Richtigkeit der eigenen Sichtweise zu haben.
Das ist Dukkha und der Grund für so viele zwischenmenschliche Konflikte.
Ich habe da auch keine Lösung. Ich leide permanent wegen der Umweltzerstörung.
Ich schaffe es da auch nicht, zu erkennen, dass das daraus resultierende Leiden der Wesen leer ist. Die Erde ist die Grundlage der kostbaren menschlichen Existenz und wir zerstören diese Grundlage.
Wie die Menschen mit den Tieren umgehen finde ich auch inakzeptabel.

"Akzeptanz (von lat. „accipere“ für gutheißen, annehmen, billigen) ist eine Substantivierung des Verbes akzeptieren, welches verstanden wird als annehmen, anerkennen, einwilligen, hinnehmen, billigen, mit jemandem oder etwas einverstanden sein." (Wikipedia)

Doch sich maßlos darüber zu ärgern oder zu grämen hilft niemandem, es fragt sich was man dagegen tun kann. Erstens muss man nicht mitmachen, z.B. indem man Vegetarier ist, und zweitens kann man Tierschutzaktivitäten unterstützen. Das war's, die Welt wird man damit nicht wesentlich verändern. Sie ist mit Leid (Dukkha) verbunden - das ist die Einsicht in die erste edle Wahrheit.
Natürlich ist es schon gut, wenn man nett ist und einander nicht schadet und es ist auch toll wenn man vegetarisch oder vegan ist. Daran ist bestimmt nichts falsch.

Was aber eine frustrierend Illusion ist, wenn man sich jenseits des Chaos und des Leids einen "Sphäre der Reinheit" vorstellt und sich vornimmt, diese Sphäre der Reinheit auszudehnen.

Vor allem, weil das nicht klappt; Also der Mensch ist zwar grotesk dumm und gierig aber wenn man sich die Natur anschaut dann ist die auch grotesk dumm und und gierig - von der Schlupfwespen bis zum Trump -vom Virus hin zum Konzern -
es herrscht so die ganz grosse Koalition der Dummheit. Uns selbst fähnchenschwingend nicht ausgeschlossen.

Es ist kein Problem - also etwas, dass sich potentiell lösen lässt so dass "alles gut wird" sondern es ist samt und sondern ein Murks.

Der Punkt ist der, dass man ja auch für Tierrechte eintreten kann, ohne deswegen an eine grundsätzliche Reformierbarkeit der Welt hin zum Guten zu glauben.
Bevor wir eine Stufe der Erleuchtung erlangen, sind wir Schauspieler.
Die einen machen es besser, die einen schlechter.
Man kann heute viel über Upekkhā lesen und hören.
Aber wahres upekkha resultiert aus einer tiefen intensiven​ Praxis.

Diese Welt wird niemals so sein, wie ich es mir wünsche.
Ich sehe da auch keine Lösung für alle Probleme.

Ich habe trotz widrigen umständen Frieden gefunden, und viel mehr verspricht die Buddhistische lehre auch nicht.

Ich wünsche​ ihnen Frieden !
Hallo Missmuffin,
diesen beiden Beiträgen stimme ich vollkommen zu:

mukti hat geschrieben:
...Erstens muss man nicht mitmachen, z.B. indem man Vegetarier ist, und zweitens kann man Tierschutzaktivitäten unterstützen. Das war's, die Welt wird man damit nicht wesentlich verändern. Sie ist mit Leid (Dukkha) verbunden - das ist die Einsicht in die erste edle Wahrheit.


Mit Akzeptieren meinte der Mönch sicher nicht die einzelnen Grausamkeiten gegen Natur, Mensch und Tier, sondern das bedingte Entstehen und Samsara an sich.

Martin (Dhammavaro ) hat geschrieben:
...Diese Welt wird niemals so sein, wie ich es mir wünsche.
Ich sehe da auch keine Lösung für alle Probleme.

Ich habe trotz widrigen Umständen Frieden gefunden, und viel mehr verspricht die Buddhistische lehre auch nicht.


Wir können diese Welt nicht verändern, das war auch nicht die Absicht Buddhas. Wir können nur dazu beitragen, dass Leid vermindert wird - und unser eigenes Leiden beenden.
_()_ Monika
Hilfste einem Hilfste allen.
@ Monika und Martin


@ missmuffin: man kann sich leicht verstricken in Gesprächen mit anderen Menschen, die nicht selber Dharma üben.
Ich würde dem Freund sagen, dass es nicht hilfreich ist, sondern ihm schadet, wenn er über das tierleid über die Maßen selber leidet. Dann gilt es, eigene Verletzungen anzuschauen, die mit anspringen, wenn man das tierleid sieht. Letztlich kann er effektiver den Türen helfen, wenn er selber nicht mehr so unter Gefühlen leidet.
MissMuffin hat geschrieben:
Er ist überzeugter Vegetarier und hat ein großes Problem damit, wie 'die Menschen' mit den Tieren umgehen. Er macht die schlechte Tierhaltung und den Fleischkonsum praktisch zu seinem eigenen Problem, (obwohl er bereits von früher Jugend an Vegetarier ist). Und er fand die Sichtweise aus dem Vortrag wirklich stimmig und interessant - aber in diesem einen Punkt hakt es gewaltig. Er fragte mich, was er tun kann, wenn er es nicht schafft dieses Problem einfach zu akzeptieren.


Mal ins Blaue:

1) (Vipassana-)Meditation/Achtsamkeit betreiben und Gefühle/Gedanken beobachten. Wenn man sieht wie sie sich äußern und wie sie entstehen, haftet man meist nicht mehr so stark an ihnen

2) Mitgefühl mit den Menschen haben. Dass diese bereit sind für eine kurzzeitige angenehme Empfindung Tiere zu schlachten oder sogar für 1,99€ Fleisch bei Aldi zu kaufen liegt an ihrer Anhaftung am Selbst, und diese Anhaftung zu überwinden ist sehr schwierig (wie er ja selber bemerken sollte). Diese Menschen sind nicht durch und durch böse, sondern haften lediglich an ihren Illusionen an. Wenn man sich in ihr Leben und ihre Wahrnehmung hineinversetzt und sie mit ähnlichen Geisteszuständen vergleicht, die man selber schon erlebt hat, dann fällt es leichter Frieden mit ihnen zu schließen.

Bhante Gunaratana aus de Buch Mindfulness in Plain English hat geschrieben:
If we do not, for instance, have the root of hatred, nobody can make us angry, for it is the root of our anger that reacts to somebodys actions or words or behaviour.

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