Das Weibliche und das Männliche vereinen

Moderator: kilaya

Hallo, ich bin interessierter 'Neuling' und unsicher, ob es auf meine Frage überhaupt eine 'buddhistische Antwort' gibt...aber es beschäftigt mich momentan.
Es geht um das Weibliche und das Männliche, das jeder Mensch in sich trägt.
Ich habe bereits mehrmals gelesen, dass es vor allem ab der Lebensmitte zur Aufgabe wird das jeweils andere (also bei Frauen den männlichen Anteil und umgekehrt) zu erkennen und zu integrieren.
Könnt Ihr mir diesbezüglich weiterhelfen? Was bedeutet das in der Praxis? Wie ist die buddhistische Sichtweise dazu?
Was kann/sollte ich als Frau tun, um das Männliche nicht zu unterdrücken und 'ganz' zu werden?
Lieben Dank für eure Antworten!
Das ist die Idee von Animus und Anima des Psychiaters Carl Gustav Jung.

Und es gibt ja viele Mythologische Systeme, in denen die Polarität männlich/weiblich eine große Rolle spielt. Im Hinduismus Shiva und Shakti oder im chinesischen Denken die Yin/Yang Polarität. Dies kombiniert sich mit Systemen (Ayurveda, chinesische Medizin) wo es genau darum geht so ein Gleichgewicht der Energien zu erzielen.

Im Buddhismus stellt sich das Problem meistens nicht in dieser Weise. Statt daran zu denken, wie man eine möglichst ausgeglichene Persönlichkeit wird, fragt man sich eher wie man vom Glauben an eine feste Persönlichkeitskern wegkommt.

Man lernt also eher, das was man ist, die eigene soziale Identität zu der eben auch die Geschlechterrolle gehört loszulassen. Was aber vielleicht oft auf etwas ähnliches hinausläuft wie Jungs Idee.
Willkommen MissMuffin,

ich finde die Fragen, mit denen sich neue im Forum melden immer wieder überraschend und toll :D

Eigentlich gibt es in den Texten des Palikanon recht wenig zum Thema Mann/Frau.
Sicher sind in einigen gleichnishaften Texten Dinge enthalten, die sich aus der Gesellschaft der damaligen Zeit ergeben haben, die stark durch eine geschlechterspezifische Aufgabenteilung geprägt war.

Wahrscheinlich war es genau diese Neutralität, die den Buddhismus in der Anfangszeit recht anziehend für Frauen gemacht hat.

Ich möchte einen Text aus den Nonnengeschichten zitieren

"Was sollte das Weibsein [2] bedeuten, wenn das Denken gut gesammelt ist,
Wenn das Wissen vorhanden ist bei einem, der die höchste Wahrheit schaut [3]?
Wer daran denkt: bin ich eine Frau oder bin ich ein Mann,
Oder bin ich überhaupt etwas? - zu dem darf Māra sprechen [4]."

http://www.palikanon.com/samyutta/sam05.html#s5_2
Die Nonne Somā macht es hier für mich klar. Solange das Denken noch durch Rollenmuster wie etwa Frau/Mann geprägt ist, ist höchste Wahrheit nicht möglich.

Vielleicht ist dies für eine Nonne oder einen Mönch durch den Rückzug aus dem Alltag manchmal leichter. Für diejenigen von uns die das nicht wollen ist das, was Du geschrieben hast bestimmt richtig. Annehmen des ganzen Menschseins mit allen Facetten. Integration statt Trennung.
fotost hat geschrieben:
Die Nonne Somā macht es hier für mich klar. Solange das Denken noch durch Rollenmuster wie etwa Frau/Mann geprägt ist, ist höchste Wahrheit nicht möglich.


Ja, da hat sie sehr recht. Insofern man an bestimmten Rollenmuster und Identitäten hängt, wird man ja immer ein Stück weit unfrei. Wenn man das eigene Selbstbild als Mann oder Frau nicht beschädigen will, kann man bestimmte Grenzen nicht über schreiten.

So fiel mir beim Meditieren oft die notwendige Hingabe schwer, weil Hingabe so verdammt unmännlich ist. Und Mitgefühl und Achtsamkeit gelten ja ebenfalls als Tugenden für Warmduscher und Softies.

Aber oft sind das nur so stereotype Vorstellungen was jetzt ein Mann und was eine Frau sein soll, die gar nicht so zur vielschichtigen Realität passen.
Wenn man lernt, sich solche "andersgeschlechtlichen" Qualitäten einfach zu erlauben und zuzugestehen, dann ist schon viel gewonnen.
"Alles darf und nichts muss sein" - wo kommt der Spruch noch her?
Hallo MissMuffin,
ich habe mich auch viele Jahre mit der Integration Mann/Frau beschäftigt. Für mich sind das Qualitäten, die in der Kindheit entsprechend dem Geschlecht gefördert oder unterdrückt werden. Eigentlich bedeutet das "Vereinen" nur, ganz zu werden, denn es ist die Vereinigung der linken mit der rechten Gehirnhälfte.

Wenn ich mich bei einem Arbeitgeber vorstellen will, sollte ich Entschlusskraft zeigen (männlich linke Gehirnhälfte). Wenn ich ein Baby in den Arm nehme, kommt meine Weichheit ins Spiel (weibliche Energie rechte Gehirnhälfte). So könnte ich noch vieles aufzählen. Eigentlich bedeutet die Integration lediglich, sich total vom Rollenverhalten abzuwenden und nur ganz einfach Mensch zu sein, so wie es mir möglich ist, ohne zu hinterfragen, ob das jetzt weiblich oder männlich ist. Wichtig ist, ob mein Denken und Handeln bewusst und achtsam ist. Nur das ist wichtig. Und da wird männlich/weiblich integriert, denn bewusst und achtsam zu sein bedeutet Denken und Fühlen (also linke Gehirnhälfte und rechte) in Einklang zu bringen. Dann entsteht kein Konflikt!

_()_ Monika
Losang Lamo hat geschrieben:
Wenn man lernt, sich solche "andersgeschlechtlichen" Qualitäten einfach zu erlauben und zuzugestehen, dann ist schon viel gewonnen.
"Alles darf und nichts muss sein" - wo kommt der Spruch noch her?

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Alles kann nichts muss – Warum du in Wahrheit immer die Wahl hast - Glücksdetektiv
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