Was erzeugt aus buddhistischer Sicht die Illusion eines Selbst ?

Moderator: kilaya

Hallo zusammen,

ich muss sagen das ich die Atman Brahaman Lehre der Hindus irgendwie einleuchtender, ja vielleicht einfach schöner finde . Anscheinend lag dem Buddha aber viel daran sich von der Lehre abzugrenzen.
Was meint ihr dazu ?

Viele Grüße

Fred
Fred1234 hat geschrieben:
Hallo,

ich muss sagen das ich die Atman Brahaman Lehre der Hindus irgendwie einleuchtender, ja vielleicht einfach schöner finde . Anscheinend lag dem Buddha aber viel daran sich von der Lehre abzugrenzen.
Was meint ihr dazu ?


Begehren ist die Ursache von Leid, auch Atman Brahman begehren. Ich fand das früher attraktiv, aber nachdem es unmöglich schien etwas zu sein das man sich ohnehin nicht vorstellen kann, habe ich diese Vorstellung aufgegeben.
Fred1234 hat geschrieben:
Anscheinend lag dem Buddha aber viel daran sich von der Lehre abzugrenzen.


Ihm ging es nicht darum, sich abzugrenzen. Vielmehr erklärte er logisch, warum es ein eigenständiges, aus sich heraus existierendes "Selbst" nicht geben kann.
Fred1234 hat geschrieben:
Hallo zusammen,

ich muss sagen das ich die Atman Brahaman Lehre der Hindus irgendwie einleuchtender, ja vielleicht einfach schöner finde . Anscheinend lag dem Buddha aber viel daran sich von der Lehre abzugrenzen.
Was meint ihr dazu ?

Viele Grüße

Fred
Mir war sie auch schöner. Bis ich Buddha verstanden habe. Er hat nur ein winziges fast unauffindbares Detail zur Abgrenzung zu seiner Lehre eingesetzt. Er machte Atman, Brahman usw. vergänglich. Er sagte das auch diese irgendwann vergehen, das auch sie bedingt entstanden sind genau so wie es nichts gibt das nicht bedingt erscheint. Wenn Du das wirklich verstehst trägt das schon zu einem großen Teil zu deiner Befreiung bei.

Auch das Selbst entsteht bedingt, genau wie die Illusion des Selbst. Alles erscheint/kommt in Erscheinung bedingt und es entsteht immer wieder immer wieder als das was es ist.

Die Illusion des Selbst entsteht aus der Identifikation Mit. Das bin ich, das ist Mein, so bin ich nun mal. Durch den Glauben etwas zu sein das ich als ich bin Dies und Das annehme.
Ihm ging es nicht darum, sich abzugrenzen. Vielmehr erklärte er logisch, warum es ein eigenständiges, aus sich heraus existierendes "Selbst" nicht geben kann.


Na da gerade liegt ja der Punkt. Logisch ist das es den Menschen als solches gibt, also sind wir alle gleich. Andersherum ist jeder individuell und einzigartig.

Wie ist den der Buddha da logisch drauf gekommen ...
Wenn es aus sich selbst heraus besteht, wie kann es dann seiner selbst bewusst sein? Dafür muss es zwei geben: Bewusstsein und das Objekt über das es bewusst ist.
Fred1234 hat geschrieben:
Ihm ging es nicht darum, sich abzugrenzen. Vielmehr erklärte er logisch, warum es ein eigenständiges, aus sich heraus existierendes "Selbst" nicht geben kann.


Na da gerade liegt ja der Punkt. Logisch ist das es den Menschen als solches gibt, also sind wir alle gleich. Andersherum ist jeder individuell und einzigartig.

Wie ist den der Buddha da logisch drauf gekommen ...


Leerheit :)
Begehren ist die Ursache von Leid, auch Atman Brahman begehren


Wenn wirkllich so ist das Atman und Brahman begehren, wäre es für mich verständlich.
Danke das ich doch noch eine befriedigende Antwort bekommen habe.

Viele Grüße
Hallo,
ich bin mir bewusst, dass ich mit meiner Darstellung in etliche Fettnäpfchen treten werde.
Meine Kenntnisse stammen aus Auszügen aus dem Pali-Kanon in der Übersetzung von Neumann.
Das Ich ist eine Illusion, die durch die Wahrnehmungen erzeugt wird.
Das sog. wahre Selbst sind Leucht-oder Lichtwesen, welche Materie organisieren, dass aus ihr belebte Materie wird, gemeinhin Mensch genannt (Patikaputto)
Diese Wesen existieren vor der Vermenschlichung,bzw. Akkumulation von Materie und sie existieren auch nach dem materiellen Zerfall des menschlichen Körpers.
Damit läßt sich auch die Wiedergeburt erklären und etliche andere Erscheinungen, durch die Quanten-physik: Quantenverschränkung.
Soweit ich mich noch erinnern kann, wird das Selbst als das Reale Selbst bezeichnet, im Gegensatz zum illusionären Ich.Ich warte schon auf die "Liebesbriefe", der anderen buddh. Richtungen.

kesakambalo
Dann mal her mit den genauen Quellenangaben. "Palikanon Neumann" ist ja nun dermassen allgemein...
Fred1234 hat geschrieben:
Hallo zusammen,

ich muss sagen das ich die Atman Brahaman Lehre der Hindus irgendwie einleuchtender, ja vielleicht einfach schöner finde . Anscheinend lag dem Buddha aber viel daran sich von der Lehre abzugrenzen.
Was meint ihr dazu ?


In der Schule hat mir die Idee gefallen, dass Elektronen rund sind und um den Atomkern kreisen. Das wäre dann ja so schön symmetrisch gewesen: Die Planenten kreisen um die Sonne und die Elektronen um den Atomkern. Ich war dann in den höheren Klassen der Physik wirklich ein wenig sauer, dass die Natur diese ästhetische kleinen und großen Kreise verworfen hat, und sich dann doch alles als viel komplizierter und vetrackter ist - weder schön noch besonders einleuchtend.

Und nichtmal die Planentenbahnen sind kreisförmig sondern Ellipsen! Und das, wo doch jeder weiss, dass der Kreis Vollkommenheit symbolisiert.

Aber bei wem soll man sich da beschweren?
Fred1234 hat geschrieben:
Begehren ist die Ursache von Leid, auch Atman Brahman begehren


Wenn wirkllich so ist das Atman und Brahman begehren, wäre es für mich verständlich.
Danke das ich doch noch eine befriedigende Antwort bekommen habe.

Viele Grüße


Das habe ich wohl nicht perfekt ausgedrückt, gemeint war eigentlich dass es mit Leid verbunden ist, wenn man begehrt Atman/Brahman zu sein. Weil das etwas ist das man nie erreichen kann. Die Hindus meinen auch dass die Ich-Vorstellung erlöschen muss, aber sie denken dass man dann mit Brahman eins wird. Sie wollen also etwas Unvorstellbares werden bzw. sein. Obwohl es unvorstellbar ist, beschreiben sie es als ewig, bewusst und glückselig (sat-cit-ananda). Das möchte man natürlich gerne sein, begehrt es also, kann es aber eben niemals sein, weil man dazu erlöschen muss. Ich bin mir da ein wenig vorgekommen wie dieser Esel der vergeblich nach der Karotte schnappt.

Der Buddha bleibt daher beim Erlöschen, was nachher ist, ist ja in keiner Weise mehr beschreibbar oder vorstellbar. Begehren und Verblendung erlöschen, damit alles Leid, das war's. Weiß nicht ob ich das jetzt verständlich ausdrücken konnte.
Fred1234 hat geschrieben:
Was erzeugt aus buddhistischer Sicht die Illusion eines Selbst ?

„Dies der Weg, der zum Ursprung der Persönlichkeit führt.

Man betrachtet Sinnesorgane so: ,Dies ist mein, dies bin ich, dies ist mein Selbst.‘
Man betrachtet Sinnes-Objekte so: ,Dies ist mein, dies bin ich, dies ist mein Selbst.‘
Man betrachtet Sinnesbewußtsein so: ,Dies ist mein, dies bin ich, dies ist mein Selbst.‘
Man betrachtet Sinneskontakt so: ,Dies ist mein, dies bin ich, dies ist mein Selbst.‘
Man betrachtet Sinnesempfindung so: ,Dies ist mein, dies bin ich, dies ist mein Selbst.‘
Man betrachtet Begehren so: ,Dies ist mein, dies bin ich, dies ist mein Selbst.‘“

Majjhima Nikāya 148, Chachakka Sutta


LG
Das habe ich wohl nicht perfekt ausgedrückt, gemeint war eigentlich dass es mit Leid verbunden ist, wenn man begehrt Atman/Brahman zu sein.


Okay da haben wir uns wohl wirklich nicht richtig verstanden. Die Frage ist nur wo die Begierde Ihren Ursprung hat ? Kann es nicht sein das die Begierde aus Atman und Brahman kommt ?

Viele Grüße
Fred1234 hat geschrieben:
Die Frage ist nur wo die Begierde Ihren Ursprung hat ? Kann es nicht sein das die Begierde aus Atman und Brahman kommt ?


Dann wäre das angeblich Vollkommene die Ursache von Unvollkommenen. Nachvollziehbarer ist für mich dass Begierde der Verblendung entspringt, weiter kann man das nicht zurückführen. Bzw. kann man schon, wenn man etwas Transzendentes als Ursache postuliert. Dann hat man halt einen unlösbaren Widerspruch, ein guter Gott der das Böse geschaffen hat, eine glückselige Einheit als Ursache von leidvoller Vielheit usw.
mukti hat geschrieben:

Dann wäre das angeblich Vollkommene die Ursache von Unvollkommenen.


hmm schwierig aber Atman und Brahaman sind verbunden an einem Punkt und irgendetwas muss sie ja auch trennen .

Wie sieht es den mit dem Ansatz aus. Ich hab irgendwo gelesen, das in der Leerheit Samsara und Nirvana zusammenfallen.
Ich mein vollkommen und unvollkommen sind zwei Begriffe die sich vielleicht gegenseitig nicht ausschließen.

Ich mein unsere Welt ist ja nicht völlig unvollkommen . Sie hat doch auch Elemente die einen ins Staunen versetzten.

z.b. Das die bewusstlose Natur einen Menschen geschaffen hat mit Sprache und Bewusstsein ist schon immense.

ein anderes Beispiel.

Eine Biene die Ihren Nektar aus einer Pflanze nimmt und daraus Honig macht . Ist an und für sich vollkommen keiner der beiden muss leiden.
Sie leben in vollkommener Synthese.
Fred1234 hat geschrieben:
mukti hat geschrieben:

Dann wäre das angeblich Vollkommene die Ursache von Unvollkommenen.


hmm schwierig aber Atman und Brahaman sind verbunden an einem Punkt und irgendetwas muss sie ja auch trennen .

Wie sieht es den mit dem Ansatz aus. Ich hab irgendwo gelesen, das in der Leerheit Samsara und Nirvana zusammenfallen.


Ob verbunden oder getrennt, ich kann nichts Ewiges, Unveränderliches erkennen. Aber es gibt da auch andere Zugänge und Sichtweisen, wie im Mahayana eben dieses "Samsara und Nirvana sind eins". Davon verstehe ich nichts, das können wohl die Zennies oder vielleicht auch die Tibeter beantworten.
mukti hat geschrieben:
Fred1234 hat geschrieben:
Dann wäre das angeblich Vollkommene die Ursache von Unvollkommenen.


hmm schwierig aber Atman und Brahaman sind verbunden an einem Punkt und irgendetwas muss sie ja auch trennen .

Wie sieht es den mit dem Ansatz aus. Ich hab irgendwo gelesen, das in der Leerheit Samsara und Nirvana zusammenfallen.


Ob verbunden oder getrennt, ich kann nichts Ewiges, Unveränderliches erkennen. Aber es gibt auch andere Zugänge und Sichtweisen, wie im Mahayana eben dieses "Samsara und Nirvana sind eins". Davon verstehe ich nichts, das können wohl die Zennies oder vielleicht auch die Tibeter beantworten.
Lieber Fred,
Fred1234 hat geschrieben:
Die Frage ist nur wo die Begierde Ihren Ursprung hat?
Kann es nicht sein das die Begierde aus Atman und Brahman kommt?

der Buddha lehrte wohl, das alles der unpersönliche Vorgang des Bedingtes Entstehens ist. Am Anfang dieser Reihe von Verbindungen steht die Unwissenheit - Unwissenheit vom Bedingten Entstehen und den drei Daseinsmerkmale sowie den vier edlen Wahrheiten.
chart__DO-Middleway__(german).pdf
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Direkte Bedingung für Begehren ist Sinnesempfindung.
Sie kann angenehm, unangenehm oder weder angenehm noch unangenehm sein.


LG
Allerdings einen absoluten Anfang gibt es nirgends.
Fred1234 hat geschrieben:
Was meint ihr dazu ?


Nichts. Meine Meinung ändert sich je nach Tageslaune oder buddhistisch ausgedrückt, je nach Abhängigkeit. Kram von gestern habe ich heute schon wieder verworfen. Wir haben 500 Selbste und eines sieht aus wie ein braun weises Meerschweinchen. Und je nachdem wie das rumspringt entsteht irgendeine Illusion :D
Fred1234 hat geschrieben:
Was meint ihr dazu ?

Ich seh n Unterschied in der Negation... Ich muss beim "Selbst" und einer impliziten "Echtheit" (Brahman) an Adorno denken. (Sorry)


Goldprobe. - Unter den Begriffen, in welche die bürgerliche Moral nach der Auflösung ihrer religiösen und der Formalisierung ihrer autonomen Normen sich zusammenzieht, rangiert Echtheit obenan. Wenn nichts anderes verbindlich mehr vom Menschen gefordert werden könne, dann wenigstens, daß er ganz und gar das sei, was er ist. In der Identität jedes Einzelnen mit sich selber wird das Postulat unbestechlicher Wahrheit sowohl wie die Glorifizierung des Faktischen von der aufgeklärten Erkenntnis auf die Ethik übertragen. Gerade die kritisch unabhängigen, der traditionellen Urteile und idealistischen Phrasen überdrüssigen Denker des späteren Bürgertums stimmen darin überein. Ibsens freilich gebrochenes Verdikt über die Lebenslüge, Kierkegaards Existenzlehre haben das Echtheitsideal zum Hauptstück der Metaphysik gemacht. In Nietzsches Analyse steht das Wort ächt bereits als Fragloses, von der Arbeit des Begriffs Ausgenommenes. Den bekehrten und unbekehrten Philosophen des Faschismus werden schließlich Werte wie Eigentlichkeit, heroisches Aushalten in der »Geworfenheit« der individuellen Existenz, Grenzsituation zum Mittel, religiös-autoritäres Pathos ohne jeglichen religiösen Inhalt zu usurpieren. Es treibt zur Denunziation alles dessen, was nicht kernig genug, nicht aus Schrot und Korn sein soll, also der Juden: hat doch schon Richard Wagner die echte deutsche Art gegen den welschen Tand ausgespielt und damit die Kritik am Kulturmarkt für die Apologie der Barbarei mißbraucht. Solcher Mißbrauch ist aber dem Begriff der Echtheit nicht äußerlich. Im Ausverkauf seiner abgetragenen Montur kommen Nähte und schadhafte Stellen heraus, die in den großen Tagen der Opposition unsichtbar schon vorhanden waren. Die Unwahrheit steckt im Substrat von Echtheit selber, dem Individuum. Wenn im principium individuationis, wie die Antipoden Hegel und Schopenhauer gemeinsam erkannten, das Gesetz des Weltlaufs sich versteckt, so wird die Anschauung von der letzten und absoluten Substantialität des Ichs Opfer eines Scheins, der die bestehende Ordnung schützt, während ihr Wesen bereits verfällt. Die Gleichsetzung von Echtheit und Wahrheit ist nicht zu halten. Gerade die unbeirrte Selbstbesinnung - jene Verhaltensweise, die Nietzsche Psychologie nannte -, also die Insistenz auf der Wahrheit über einen selber, ergibt immer wieder, schon in den ersten bewußten Erfahrungen der Kindheit, daß die Regungen, auf die man reflektiert, nicht ganz »echt« sind. Stets enthalten sie etwas von Nachahmung, Spiel, Andersseinwollen. Der Wille, durch Versenkung in die je eigene Individualität anstatt durch deren gesellschaftliche Erkenntnis auf das unbedingt Feste, aufs Sein des Seienden zu stoßen, führt in eben die schlechte Unendlichkeit, welche seit Kierkegaard der Begriff der Echtheit exorzieren soll. Keiner hat das unverblümter ausgesprochen als Schopenhauer. Der verdrossene Ahnherr der Existenzphilosophie und boshafte Erbe der großen Spekulation hat in den Höhlen und Schluchten des individuellen Absolutismus unübertrefflich sich ausgekannt. Seine Einsicht schließt sich an die spekulative These an, das Individuum sei nur die Erscheinung, nicht das Ding an sich. »Jedes Individuum«, heißt es in einer Fußnote aus dem vierten Buch der Welt als Wille und Vorstellung, »ist einerseits das Subjekt des Erkennens, das heißt, die ergänzende Bedingung der Möglichkeit der ganzen objektiven Welt, und andererseits einzelne Erscheinung des Willens, desselben, der sich in jedem Dinge objektiviert. Aber diese Duplizität unseres Wesens ruht nicht in einer für sich bestehenden Einheit: sonst würden wir uns unserer selbst an uns selbst und unabhängig von den ObJekten des Erkennens und Wollens bewußt werden können: dies können wir aber schlechterdings nicht, sondern sobald wir, um es zu versuchen, in uns gehen und uns, indem wir das Erkennen nach Innen richten, einmal völlig besinnen wollen; so verlieren wir uns in eine bodenlose Leere, finden uns gleich der gläsernen Hohlkugel, aus deren Leere eine Stimme spricht, deren Ursache aber nicht darin anzutreffen ist, und indem wir so uns selbst ergreifen wollen, erhaschen wir, mit Schaudern, nichts, als ein bestandloses Gespenst.« (Schopenhauer, Sämtliche Werke [Großherzog Wilhelm-Ernst-Ausgabe]. Bd. 1: Die Welt als Wille und Vorstellung. I. Hrsg. von Eduard Grisebach. Leipzig o. J. [1920], S. 371 f.) Er hat damit den mythischen Trug des reinen Selbst als nichtig beim Namen gerufen. Es ist eine Abstraktion. Was als ursprüngliche Entität, als Monade auftritt, resultiert erst aus einer gesellschaftlichen Trennung vom gesellschaftlichen Prozeß. Gerade als Absolutes ist das Individuum bloße Reflexionsform der Eigentumsverhältnisse. In ihm wird der fiktive Anspruch erhoben, das biologisch Eine gehe dem Sinne nach dem gesellschaftlichen Ganzen voran, aus dem nur Gewalt es isoliert, und seine Zufälligkeit wird fürs Maß der Wahrheit ausgegeben. Nicht bloß ist das Ich in die Gesellschaft verflochten, sondern verdankt ihr sein Dasein im wörtlichsten Sinn. All sein Inhalt kommt aus ihr, oder schlechterdings aus der Beziehung zum Objekt. Es wird um so reicher, je freier es in dieser sich entfaltet und sie zurückspiegelt, während seine Abgrenzung und Verhärtung, die es als Ursprung reklamiert, eben damit es beschränkt, verarmen läßt und reduziert. Versuche wie der Kierkegaards, im Zurücktreten des Einzelnen in sich selber seiner Fülle habhaft zu werden, sind nicht umsonst gerade aufs Opfer des Einzelnen und auf dieselbe Abstraktheit hinausgelaufen, die er an den idealistischen Systemen diffamierte. Echtheit ist nichts anderes als das trotzige und verstockte Beharren auf der monadologischen Gestalt, welche die gesellschaftliche Unterdrückung den Menschen aufprägt. Was nicht verdorren will, nimmt lieber das Stigma des Unechten auf sich. Es zehrt von dem mimetischen Erbe. Das Humane haftet an der Nachahmung: ein Mensch wird zum Menschen überhaupt erst, indem er andere Menschen imitiert. In solchem Verhalten, der Urform von Liebe, wittern die Priester der Echtheit Spuren jener Utopie, welche das Gefüge der Herrschaft zu erschüttern vermöchte. DaR Nietzsche, dessen Reflexion bis in den Begriff der Wahrheit drang, dogmatisch vor dem der Echtheit innehielt, macht ihn zu dem, was er am letzten sein wollte, einem Lutheraner, und sein Wüten gegen die Schauspielerei ist vom Schlage des Antisemitismus, der an dem Erzschauspieler Wagner ihn empörte. Nicht Schauspielerei hätte er Wagner vorwerfen sollen - denn alle Kunst, und Musik vorab, ist dem Schauspiel verwandt, und in jeder Periode Nietzsches hallt das tausendjährige Echo der Rhetorenstimmen aus dem römischen Senat - sondern die Verleugnung der Schauspielerei durch den Schauspieler. Ja es wäre nicht erst das Unechte, das als seinshaltig sich aufspielt, der Lüge zu überführen, sondern das Echte selber wird zur Lüge, sobald es zum Echten überhaupt wird, also in der Reflexion auf sich, in seiner Setzung als Echtes, in der es bereits die Identität überschreitet, die es im gleichen Atemzug behauptet. Vom Selbst wäre nicht als dem ontologischen Grunde zu reden, sondern einzig allenfalls theologisch, im Namen der Gottesebenbildlichkeit. Wer am Selbst festhält und der theologischen Begriffe sich entschlägt, trägt bei zur Rechtfertigung des teuflisch Positiven, des kahlen Interesses. Ihm erborgt er die Aura des Sinnes und macht der Befehlsgewalt der selbsterhaltenden Vernunft einen hochtrabenden Überbau, während das reale Selbst in der Welt schon zu dem geworden ist, als was Schopenhauer es in der Selbstversenkung erkannte, zum Gespenst. Sein Scheincharakter läßt sich einsehen an den historischen Implikationen des Begriffs der Echtheit als solcher. In ihm steckt die Vorstellung von der Suprematie des Ursprungs übers Abgeleitete. Die ist aber stets mit sozialem Legitimismus verbunden. Alle Herrenschichten berufen sich darauf, älter eingesessen, autochthon zu sein. Die ganze Philosophie der Innerlichkeit, mit dem Anspruch der Weltverachtung, ist die letzte Sublimierung der barbarischen Brutalität, daß, wer zuerst da war, das größere Recht habe, und die Priorität des Selbst ist so unwahr wie die aller, die bei sich zu Hause sind. Daran ändert sich nichts, wenn Echtheit auf den Gegensatz von physei und thesei sich zurückzieht, darauf, daß, was ohne menschliches Zutun existiert, besser sei als das Artifizielle. Je dichter die Welt vom Netz des von Menschen Gemachten überzogen wird, um so krampfhafter betonen die, welche es ihr antun, ihre eigene Naturwüchsigkeit und Primitivität. Die Entdeckung der Echtheit als letzten Bollwerks der individualistischen Ethik ist ein Reflex der industriellen Massenproduktion. Erst indem ungezählte standardisierte Güter um des Profits willen vorspiegeln, ein Einmaliges zu sein, bildet sich als Antithese dazu, doch nach den gleichen Kriterien, die Idee des nicht zu Vervielfältigenden als des eigentlich Echten. Vorher dürfte geistigen Gebilden gegenüber die Frage nach Echtheit so wenig gestellt worden sein, wie die nach Originalität, welche noch der Ära Bachs unbekannt war. Der Trug der Echtheit geht zurück auf die bürgerliche Verblendung dem Tauschvorgang gegenüber. Echt erscheint, worauf die Waren und anderen Tauschmittel reduziert werden, Gold zumal. Wie das Gold aber wird die von seinem Feingehalt abstrahierte Echtheit zum Fetisch. Beide werden behandelt, als wären sie das Substrat, das doch in Wahrheit ein gesellschaftliches Verhältnis ist, während Gold und Echtheit gerade nur Fungibilität, die Vergleichbarkeit der Sachen ausdrücken; gerade sie sind nicht an sich, sondern für anderes. Die Unechtheit des Echten rührt daher, daß es in der vom Tausch beherrschten Gesellschaft prätendieren muß, das zu sein, wofür es einsteht, ohne es doch je sein zu können. Die Echtheitsapostel der Macht, die der Zirkulation zuleibe rückt, tanzen dieser zur Totenfeier den Geldschleiertanz.

Adorno - Minima Moralia

Viele Grüsse
Hallo,
ich hätte das Thema anders gestellt, was erzeugt die Illusion des Ich.
dieses Selbst überdauert die materielle Konstellation: Körper, Materie.
Das Selbst entstammt dem Jenseits.
Diese Wesen werden Leuchtwesen genannt.
P-K.: Buch des Patikaputtos, Längere Sammlung
Fred1234 hat geschrieben:
Hallo zusammen,
ich muss sagen das ich die Atman Brahaman Lehre der Hindus irgendwie einleuchtender, ja vielleicht einfach schöner finde . Anscheinend lag dem Buddha aber viel daran sich von der Lehre abzugrenzen.
Was meint ihr dazu ?

Der Buddha hat sich immer von allem abgegrenzt
was falsch war, nicht nur von der Lehre der Brahmanen.
kesakambalo hat geschrieben:
Hallo,
ich hätte das Thema anders gestellt, was erzeugt die Illusion des Ich.
dieses Selbst überdauert die materielle Konstellation: Körper, Materie.
Das Selbst entstammt dem Jenseits.
Diese Wesen werden Leuchtwesen genannt.
P-K.: Buch des Patikaputtos, Längere Sammlung

Kannst Du bitte die nächsten Male Deine Aussagen nicht als endgültige Wahrheit darstellen? Bitte lass Usern, welche weniger in der Materie sind, die Möglichkeit solche Behauptungen selber zu überprüfen, statt sie zu verwirren.. Wenn Du an Leuchtwesen etc. glauben willst ist das Deine Sache, ich tue es nicht, nur weil es irgendwo steht. Es gibt auch in anderen Büchern die Sage vom Spaghettimonster, welches die Welt erschaffen habe..
kesakambalo hat geschrieben:
Hallo,
ich hätte das Thema anders gestellt, was erzeugt die Illusion des Ich.
dieses Selbst überdauert die materielle Konstellation: Körper, Materie.
Das Selbst entstammt dem Jenseits.
Diese Wesen werden Leuchtwesen genannt.

Begehren erzeugt die Illusion eines Ich oder Selbst und
das ist bei allen Wesen so, auch bei den Leuchtwesen.
Nur die Arahats haben diese Illusion völlig aufgegeben.
Fred1234 hat geschrieben:
Ihm ging es nicht darum, sich abzugrenzen. Vielmehr erklärte er logisch, warum es ein eigenständiges, aus sich heraus existierendes "Selbst" nicht geben kann.


Na da gerade liegt ja der Punkt. Logisch ist das es den Menschen als solches gibt, also sind wir alle gleich. Andersherum ist jeder individuell und einzigartig.

Wie ist den der Buddha da logisch drauf gekommen ...

Jeder Mensch ist zwar individuell und einzigartig, aber existiert nur in Abhängigkeit von anderen Dingen, die sich ständig ändern. Der Mensch mag dabei individuell und einzigartig bleiben, aber er existiert trotzdem nicht als unveränderliche feste Größe. Dies zu wollen ist ein Ausscheren aus der Realität. Man sieht die Dinge nicht mehr wie sie wirklich sind: Alles was passiert, ist das Ablaufen natürlicher Phänomene. Ständig ändert sich alles was uns ausmacht und wir sind nicht mehr was wir vorher waren. Nachdem jemand diesen Thread gelesen hat, denkt er über verschiedene Dinge anders als vorher.

Im Glauben an Individualität und Einzigartigkeit liegt eine sehr große Falle. Die Individualität wird zum Teil (oder ganz?) ständig konstruiert ohne dass dies wahrgenommen oder gar erkannt wird. "Ich bin individuell, weil ich Klamotten trage, nach denen ich lange gesucht habe und die ich lange auf meine Persönlichkeit abgestimmt habe". Dies wird noch leicht als vom eigenen Geist konstruierte Individualität erkannt, die aber nur fiktiv ist und tatsächlich nicht existiert.

Aber es gibt ständig viel subtilere Täuschungen, denen man ständig erliegt, wenn nur noch ein Funken Gier nach Einzigkartigkeit vorhanden ist. Einzigkartigkeit ist die Folge davon, das ablaufende natürliche Phänomene sich nicht in genau gleicher Weise wiederholen, weil die Voraussetzungen, von denen sie abhängen, sich auch ständig ändern. Einzigkartigkeit als Kennzeichen eines besonderen Selbst ist wieder der Glaube, dass mit Gier das Leiden überwunden werden kann und ein Wohlfühlgefühl erzeugt werden kann. Dabei wird dadurch erst das Leiden ins Rollen gebracht, weil damit die Anhaftung beginnt und mit der Zeit immer fester wird.
Der Mensch ist nie im Jetzt, doch dies wäre er wirklich.
Wenn man etwas sieht und das Bewusstsein anerkennt es, hat sich das Gesehene schon verändert.
Deswegen gibt es des Satz " Wenn wirklich gesehen wird ist da Niemand, der sieht und Nichts, was gesehen wird."
Selbst wenn wir einen Gedanken erkennen ist er schon vergangen.

Wir erkennen also "normal" immer das Gewesene und denken uns das Kommende. Dies geschieht unbewusst und Millionen mal innerhalb eines Wimpernschlages.
Doch da es ein "zu jeder Zeit im Jetzt" nicht geben kann, nehmen wir auch dies nicht wahr.

_()_
jianwang hat geschrieben:
Wenn man etwas sieht und das Bewusstsein anerkennt es, hat sich das Gesehene schon verändert.


Hm, wenn ich etwa auf einen Nagel trete dann ist der Schmerz genau in dem Moment bewusst in dem er stattfindet, oder?

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