Geist/Materie?

Moderator: kilaya

Hi,
es wäre gut, einmal das Wort Geist im Buddhismus genau zu definieren. Ich habe das Wort Geist im ganzen Pali-Kanon nicht gelesen.
Es gibt das Ich und das Selbst und die Anwesenheit eines Leucht- oder Lichtwesens, während unserem
irdischen Leben.
Ich und Körper sind materielle Konstrukionen. Einmal ist die Materie belebt und zum Anderen eben nicht.
Diese Materie ist ständigen Veränderungen unterworfen und erzeugt dadurch Leiden.

kesakambalo
kesakambalo hat geschrieben:
Hi,
es wäre gut, einmal das Wort Geist im Buddhismus genau zu definieren. Ich habe das Wort Geist im ganzen Pali-Kanon nicht gelesen.

Du meinst sicher die deutsche Übersetzung.
Das hat mit den Übersetzern zu tun und mit
der begrifflichen Zuordnung. Meistens wird
mit dem Begriff "Geist" heutzutage nur noch
die rationale Seite des Geistes bezeichnet.
Die Emotionale Seite des angeblich so rationalen
Geist ist verdrängt und hätte nichts damit zu tun
vermeint man seinen Geist als unabhängig von den
Trieben und Neigungen zu betrachten. Diese einseitige
Vorstellung muß aber nicht für immer so bleiben.
Geist ( Bewusstsein ) und Materie ist EINS, ist das Sein ... JI
Nichts, was Du mit den 5 skhanda erfahren kannst, ist getrennt vom Sein.

Und diese EINE ist auch eins mit dem Nichts ... mit der Leere, der So-heit ... RI

Und diese Leere ist nicht nur Nichts, sie ist nicht einmal.


_()_
jianwang hat geschrieben:
Nichts, was Du mit den 5 skhanda erfahren kannst, ist getrennt vom Sein.

Hwa, was du nicht sagst.
Frage: Wenn Geist/Bewusstsein und Materie von unterschiedlicher Qualität sind, und sich
gegenseitig bedingen - Ohne Geist keine Materie und ohne Materie kein Geist - wie kann dann
nach der buddhistischen kosmologie 1. das Universum Entstehen 2. Wachsen 3. irgendwann
die Bedingungen erfüllen das Leben darin entstehen kann bzw. das sich fühlende Wesen darin
inkarnieren können???


Hi Thor ,

deine Frage ist völlig gerechtfertig und dein Satz ohne Geist keine Materie und ohne Materie kein Geist völlig richtig.

Deswegen glaube ich das allein die Einteilung Geist Materie generell seit Schopenhauer überhohlt ist und nur aufs Glatteis führt.

Hier ein Zitat vom Meister selbst.

Der Gegensatz zwischen Geist und Materie.
Unter philosophisch rohen Leuten besteht noch der alte, grundfalsche Gegensatz zwischen Geist und Materie, den die Hegelianer unter dem Namen "Geist und Natur" von Neuem in Gang gebracht. Unter Voraussetzung dieses falschen Gegensatzes gibt es dann Spiritualisten und Materialisten.
In Wahrheit aber gibt es weder Geist, noch Materie, wohl aber viel Unsinn und Hirngespinste in der Welt. Das Streben der Schwere im Steine ist gerade so unerklärlich, wie das Denken im menschlichen Gehirne, würde also, aus diesem Grunde, auch auf einen Geist im Steine schließen lassen. Nehmt Ihr im Menschenkopfe, als Deum ex machina, einen Geist an; so müsst ihr auch jedem Stein einen Geist zugestehen. Kann hingegen Eure tote und rein passive Materie als Schwere streben, oder als Elektrizität anziehen, abstoßen und Funken schlagen; so kann sie auch als Gehirnbrei denken. Kurz, jedem angeblichen Geist kann man Materie, aber auch jeder Materie Geist unterlegen; woraus sich ergibt, dass der Gegensatz falsch ist.
Also nicht jene Cartesianische Einteilung aller Dinge in Geist und Materie ist die philosophisch richtige; sondern die in Wille und Vorstellung ist es; diese aber geht mit jener keinen Schritt parallel. Denn sie vergeistigt Alles, indem sie einerseits auch das dort ganz Reale und Objektive, den Körper, die Materie, in die Vorstellung verlegt, und andererseits das Wesen an sich einer jeden Erscheinung auf Willen zurückführt. (P. II, 111 fg. I, 12. 20)

Ich kann dir nur das Buch Schopenhauer die Welt als Wille und Vorstellung empfehlen. Da wirst du fündig werden...

Viele Grüße Fred
Thor hat geschrieben:
Hallo an Alle!
Frage: Wenn Geist/Bewusstsein und Materie von unterschiedlicher Qualität sind, und sich
gegenseitig bedingen - Ohne Geist keine Materie und ohne Materie kein Geist - wie kann dann
nach der buddhistischen kosmologie 1. das Universum Entstehen 2. Wachsen 3. irgendwann
die Bedingungen erfüllen das Leben darin entstehen kann bzw. das sich fühlende Wesen darin
inkarnieren können???

Wie kann die Materie ohne vorhandene Wesen/Bewusstsein sein? Universum und Wesen müssten
doch gleichzeitig "entstehen"? Oder dass Bewusstsein ist vorher da?

Generell verstehe ich nicht wie Geist und Materie in Verbindung stehen!
Buddhismus soll nicht dualistisch sein, aber ein Atom meines Körpers war mal ein Atom deines
Körpers und wird wahrscheinlich irgendwann wieder ein Atom meines Körpers sein. ABER
mein Moment des Erlebens kann niemals dein Moment des Erlebens sein. Also scheinen Geist
und Materie unterschiedliche Substanzen zu sein. Dualismus in Perfektion, oder???


Um es mal nach meinem Empfinden in Worte zu fassen (was eigentlich unmöglich ist). Vereinfacht und hoffentlich Verstandesgerecht:
Geist und Materie bestehen aus der selben Energie (Bewusstsein), es gibt nichts, was nicht aus dieser Energie besteht. Aber die Energie manifestiert sich unterschiedlich (das meinen die Hindus mit "Leela"). Somit ist ein Gedanke von der selben "Energie" wie das was gehört wird, was gespürt wird, was gesehen wird... Materie kann mal solide erscheinen, mal subtil. Woher kommt ein Gedanke, worin verweilt er und wohin verschwindet er? Dies ist das Bewusstsein, welches grenzenlos und universell ist, denn auch die dazu aufsteigenden Gedanken "Mein Bewusstsein" "Ich, Du..." etc. sind Wahrnehmungen, "Dein" Körper wird wahrgenommen, jede Wahrnehmung erscheint in diesem Bewusstsein. WER nimmt es wahr? Gibt es eine Antwort, welche KEIN Gedanke ist? Das Erkennen dass "Du" nicht in der Form existierst, wie Du es denkst, das Erkennen, dass alles nur eine Wahrnehmung in Dir als Bewusstsein ist, untrennbar, zeitlos, ungeboren, ist Nirwana.
Nibbana das der Buddha als Ziel der Lehre lehrte
ist allerdings noch etwas etwas anderes, denn es gibt
ja noch formloses Dasein.
Soweit man die Lehre des Buddha erforschen sollte wird
man in dieser Lehre auch niemals etwas über ein zeitlos,
ungeborenes Bewußtsein finden, da kannst du sicher sein,
im Gegenteil.
accinca hat geschrieben:
Nibbana das der Buddha als Ziel der Lehre lehrte
ist allerdings noch etwas etwas anderes, denn es gibt
ja noch formloses Dasein.
Soweit man die Lehre des Buddha erforschen sollte wird
man in dieser Lehre auch niemals etwas über ein zeitlos,
ungeborenes Bewußtsein finden, da kannst du sicher sein,
im Gegenteil.
Dabei wäre es doch so passend. Es ist schon eigenartig was das Erkennen der Vier alles beendet.
Thor hat geschrieben:
Generell verstehe ich nicht wie Geist und Materie in Verbindung stehen! Buddhismus soll nicht dualistisch sein,..

Solange es noch unterschiedliche Vorstellungen gibt, solange
kann man auch von Vielfalt reden. Aber richtig ist, der
Buddhismus lehrt eine Reinheit des Geistes als erstes anzustreben
u.a. weil der Buddhismus davon ausgeht, das es nur so möglich
ist mehr Weisheit und Einsicht zu entwickeln die über Worte
hinaus geht.
Die Begriffe und Worte sind nämlich in der Sprache schon
in einem viel größeren Ausmaß als allgemein bewußt, mit
einseitigen und falschen Vorstellungen und Gefühlen belegt,
das daraus keine letzten Wahrheiten abgeleitet werden können.
Wie könnte auch jemand der sich in einem Fieberwahn befindet
davon letzte Wahrheiten erkennen? Das ist unmöglich.
Deswegen muß das Fieber erst abklingen. Dann klären sich deine
Frage sowieso und wenn es nicht gelingt das Fieber zum abklingen
zu bringen werden die Fragen sowieso immer wieder unbeantwortet
bleiben wie bei einem Träumenden im Fieberwahn einer virtuellen Welt
und das ist natürlich unbefriedigend wie man verstehen kann.
-
accinca hat geschrieben:
Nibbana das der Buddha als Ziel der Lehre lehrte
ist allerdings noch etwas etwas anderes, denn es gibt
ja noch formloses Dasein.
Soweit man die Lehre des Buddha erforschen sollte wird
man in dieser Lehre auch niemals etwas über ein zeitlos,
ungeborenes Bewußtsein finden, da kannst du sicher sein,
im Gegenteil.


Ich hänge mich nicht an einzelnen Begriffen auf, Worte sind immer missverständlich, so wie ihre Überlieferungen. Vielleicht solltest Du aber mal deinen Blick abwenden von den Texten und selber schauen. Hat Buddha nicht gesagt, wir sollen ihm nichts glauben, sondern selber schauen? Dieses Bewusstsein ist die Basis, aus der alles aufsteigt, die ganze Welt...vielleicht sollte ich es Geist nennen?
kal hat geschrieben:
...Hat Buddha nicht gesagt, wir sollen ihm nichts glauben, sondern selber schauen?


Nein, hat er nicht - aber wie auch immer, über ein
zeitlos,ungeborenes Bewußtsein hat er nichts gesagt.
Aber um ein leidhaftes und unbeständiges um so mehr.

kal hat geschrieben:
Dieses Bewusstsein ist die Basis, aus
der alles aufsteigt, die ganze Welt...vielleicht
sollte ich es Geist nennen?


Dazu hatte ich nichts gesagt. Nur das es
kein zeitloses und ungeborenes Bewußtsein gibt
und das Geist/Bewußtsein nicht Nibbana ist.

Und tatsächlich ist es so, das in der Lehre des Buddha
alles Elend und Leiden, Begehren und Befriedigung,
Nichtwissen und Bwußtsein, Grundlage aller heilsamen
wie unheilsamen Dinge sind welche das sog. Dasein ausmachen.
accinca hat geschrieben:
Dazu hatte ich nichts gesagt. Nur das es
kein zeitloses und ungeborenes Bewußtsein gibt
und das Geist/Bewußtsein nicht Nibbana ist.

Ich habt nicht geschrieben, dass Geist/Bewusstsein Nirwana ist, sondern die Erkenntnis, dass alles Bewusstsein bzw. Ausdruck dieses Bewusstseins ist.:-)
Durch das Erkennen, dass es keine Trennung gibt, das Ich selber nur ein Objekt der Wahrnehmung ist, so wie alle Gedanken, die auftauchen und verschwinden und NICHT-Ich sind, wird kein weiteres Leid geschaffen.
Ob sich das mit Deinen Vorstellungen oder irgendwelchen Worten mit Nirwana deckt, keine Ahnung. Und Vorstellungen spielen keine Rolle, aber was soll es schon anderes geben?
Dann bleibt nur das das nicht erkennbare Geist/Bewusstsein Nirvana ist. Das in Nicht-wahrnehmen und wahrnehmen sein, sich des 8.Jhana bewusst sein ohne Denken, doch nicht ohne Gedanken. Denken ist wahrnehmen von Gedanken um sich dann Gedanken zu machen, sie ergreifen, nachdenken. Das 8.Jhana ist der Zustand des stillen Geistes und der Stillen Materie. Denn deutlich wird da auch das der Körper sich nicht mehr als Gedankenmachen meldet sondern nur noch wahrnimmt und Nicht wahrnimmt.

Kann es sein das wenn man das 8. Jhana erreicht hat und keine Sinneswahrnehmungen hat obwohl man wach ist der Körper eingeschlafen ist? Also schon über das8. hinaus ist weil es kein Wahrnehmen mehr gibt, nur noch Nicht-wahrnehmen? Nicht mehr Nichtwahrnehmen und Wahrnehmen sondern nur noch Nicht-Wahrnehmen, Nirwana schon verlassen ist aber geglaubt wird das das Nirwana wahr, das nur Nicht-wahrnehmen?
kal hat geschrieben:
Ich habt nicht geschrieben, dass Geist/Bewusstsein Nirwana ist, sondern die Erkenntnis, dass alles Bewusstsein bzw. Ausdruck dieses Bewusstseins ist.:-)

Eine solche Erkenntnis ist nicht schlecht, aber als Nibbana
würde ich sie nicht bezeichnen wollen, obwohl es natürlich
darauf ankommt zu was sie führen wird.
Generell kann ich aber sagen das ich dir nicht unterstellen
möchte wie du es gemeint hast. Ich kann ja nur nach den
Worten gehen. Tatsächlich lehrte ja der Buddha die 10. Fessel
(Unwissenswahn = avijjā) als letzte der 10 an das Dasein
bindenden Fesseln.
Hallo,
eigentlich müsste die Bezeichnung Geist erstmals definiert werden, bevor man darüber diskutiert.
Bei der Materie würde ich sagen, sind alle Stoffe der Erde und die Energie der Sonne zusammen.
Geist würde ich, im buddh. Sinn, als das Leuchtwesen bezeichnen, dass vor dem eigenen Leben vorhanden ist, während des Lebens da ist und nach dem Leben wieder ins Jenseits geht.
Quelle: Neumann, Karl-Eugen, Die Reden Gotamo Buddhos. Das Buch Patikakputtos.,
Längere Sammlung, Wien-Zürich, 1957

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