Achtsamkeit versus Reflexion

Moderator: void

Freunde,

ich habe eine Frage zu konkreten geistigen Vorgängen während der Meditation.

Um die Frage stellen zu können, muss ich zunächst meine Praxis schildern.
Ich übe meist die Achtsamkeit auf den Atem. Ich nehme also den köperlichen Vorgang des Ein- und Ausatmens wahr, die Änderungen der Wahrnehmung der inneren Organe.
Zugleich nehme ich wahr, dass Gefühle/Gedanken kommen und gehen und versuche, sie nicht weiter zu verfolgen oder zu modifizieren.

Nun aber lese ich in entlichen Meditioationsanleiungen und auch im Pk selbst (z.B. Kommentar zu Anapanasati) Formulierungen wie: "Nach jeder der Vertiefungen mag der Jünger eine Hellblickübung einschalten. Zum Beispiel untersucht er, wodurch Ein- und Ausatmung bedingt ist. Er erkennt dann, dass Ein- und Ausatmung den Körper voraussetzen. Der Körper aber ist eine Bezeichnung der 4 physischen Elemente und der davon abhängigen Körperlichkeit, wie der 5 Sinnenorgane usw. Durch den 5fachen Sinneneindruck aber bedingt entsteht das Bewußtsein und zusammen damit die übrigen 3 Daseinsgruppen, d. i. Gefühl, Wahrnehmung und Geistesformationen. So erkennt er 'Es gibt da keine Ichheit, sondern nur diesen bedingt entstandenen geistig-körperlichen Prozeß.' Und alle diese Phänomene als vergänglich, dem Leiden unterworfen und unpersönlich erkennend erreicht er schließlich einen der 4 Pfade der Heiligkeit." (Quelle: http://www.palikanon.com/buddhbib/01wrt ... uddhas.htm)

Meine Frage: Das ist doch reflektives Denken.

Wie soll ich zugleich reine Achtsamkeit und reflektives Denken üben?

Sollte ich nach einiger Zeit aus der reinen Wahrnehmung auftauchen und dann reflektiv-diskursiv das Wahrgenommene angehen? In Form eines inneren Dialogs?

Bin ratlos...

Danke!
Nein, das ist kein reflektives 'Denken'. Obiger Kommentar ist eine (recht technische ) Erklärund dessen was anhand eines direkten Beobachten (shokan) wahrgenommen wird. Es hat sicherlich auch einen kontemplativen Part; man hat ja Grundkenntnisse der Lehre und so wird einem vielleicht ein "Gedanke" an die Unbeständigkeit, Abhängigkeit und Substanzlosigkeit der Erscheinungen aufkommen.

Etwas anderes ist es mit (selbst)"geführten" Vipassana Kontemplationen, sie nehmen sich ein "Thema" vor. Ich denke, dadurch das sie auch mit Asoziationen arbeiten, zum Beispiel die Vorstellung des eigenen Todes könnte man von reflektiven Denken sprechen.

Und dann haben wir noch sowas wie "mittelbares Beobachten" - Gefühlsregungen, Unruhe, Zerstreung, Aversion, begierige Vorstellungen usw. Es lässt den Geist des Mitgefühls aufkommen, wenn wir da präsent bleiben können. Mitgefühl und "Tugend" wiederum sind ebenfalls "Dinge" welche sich für eine Betrachtung eignen.

Der Hauptpart ist aber in jedem Fall Shamatha. Beobachtung, kontemplativ oder nicht sollte "von allein" hinzutreten. Man kann noch mit 'Anussati' kombinieren. Letzteres ist hilfreich !

Von sg. Analytischen Mediationen halte ich persönlich nichts, - nicht als Sezialisierung meine ich. Ich finde sie beschäftigen nur den Affengeist und nach meiner Beobachtung sind "Geister" die sich auf AM "spezialisieren" eher mehr zerstreut und weniger konzentrationsfähig und schliesslich auch unwillig zur Praxis.
Nur meine Ansicht und Sichtweise. Muss keiner teilen.

()
Ratlos ist gut.

Im Tausch gegen Deine Erfahrung, nun meine.

Über Sinneskontakte usw. habe ich gelesen, die Belehrungen meiner Lehrer gehört und denke darüber nach. Irgendwann habe ich es rational verstanden. Und allmählich ist dann auch ab und zu ein Blitzer der direkten Erfahrung durchgedrungen. Sehr unvollständig und rudimentär, aber immerhin soweit, dass ich sagen kann: Ja, kommt mir auch so vor, könnte stimmen … Bittschön, die Rede ist nicht von "4 Pfade der Heiligkeit" :mrgreen:

Ich glaube, wenn ich diese Anweisung lesen würde und danach meditieren, dann würde ich narrisch werden.
Meine Vermutung ist daher, dass dies Anweisungen zur Kontemplation, zum Nachdenken und zur Analyse sind. Auf gut Deutsch: Du setzt Dich an ein ruhiges Plätzchen und denkst über den Körper nach. Du schaust aus was er besteht, wie er funktioniert, wie der Atem funktioniert, was geschieht wenn Du einen Vogel singen hörst, eine Ameise vorbeiläuft, was geschieht, wenn Du den Duft des Grases wahrnimmst (auch den Duft des Grases, das vom Balkon Deines Nachbarn zu Dir rüberweht), wie sich der Wind im Gesicht anfühlt, das Kratzen des Pullis und so fort. Du untersucht, wie sich das anfühlt, was da bei Dir geschieht, was das auslöst, wie der Weg ist vom Kontakt bis zu Deiner Reaktion.
(Die Texte sind meiner Meinung nach ein Tipp, wohin die Reise geht. Wir müssen also nicht erst alles nochmal neu überdenken, sondern haben schon einen Handlauf, der von Generation zu Generation, von Tradition zu Tradition weitergegeben wurde.)
Du konzentriert Dich auf den Atem, und schaust wie das geschieht. Nicht besondere Atemtechniken anwenden, einfach nur atmen und schauen. Für mich als Asthmatikerin eine sehr gute Schulung, weil man auf Dauer schon die kleinsten Störungen erkennen lernen kann und dann bewusst eingreifen kann. Megapraktisch.

Das macht man natürlich oft, so oft wie möglich und geht immer und überall. Was ich persönlich ganz lehrreich finde, ist wenn ich eine ärztliche Behandlung über mich ergehen lassen muss, die unangenehm ist. Zum einen eine gute Art den Schmerz zu bewältigen, zum anderen super, um zu verstehen, wie mein Körper reagiert, welche Gedanken auftauchen, wie ich mich verspanne oder entspanne. In den Beobachtungsmodus überzugehen, in irgendwie kritischen, aufregenden, turbulenten Situationen, finde ich höchst interessant und aufschlussreich. Da stehe ich aber noch ganz am Anfang,

Reine Achtsamkeit und reflektierendes Denken wechseln meiner Erfahrung nach ab. Da ist ein Moment der reinen Achtsamkeit, dann kommt sofort wieder ein Gedanke, und so fort. Nur sind diese Gedanken auf das Thema focussiert. Na ja, bei mir nicht so sehr, wenn ich ehrlich bin. Aber dann fang ich einfach wieder von vorne an.
Sorry, aber das Verb von "Reflexion" ist "reflektieren" :angel:
Tulamben hat geschrieben:
Sorry, aber das Verb von "Reflexion" ist "reflektieren" :angel:

Ja und??
Was willst du damit sagen?
sinn-los hat geschrieben:
...Nun aber lese ich in entlichen Meditioationsanleiungen und auch im Pk selbst (z.B. Kommentar zu Anapanasati) Formulierungen wie: "Nach jeder der Vertiefungen mag der Jünger eine Hellblickübung einschalten. Zum Beispiel untersucht er, wodurch Ein- und Ausatmung bedingt ist. Er erkennt dann, dass Ein- und Ausatmung den Körper voraussetzen. Der Körper aber ist eine Bezeichnung der 4 physischen Elemente und der davon abhängigen Körperlichkeit, wie der 5 Sinnenorgane usw. Durch den 5fachen Sinneneindruck aber bedingt entsteht das Bewußtsein und zusammen damit die übrigen 3 Daseinsgruppen, d. i. Gefühl, Wahrnehmung und Geistesformationen. So erkennt er 'Es gibt da keine Ichheit, sondern nur diesen bedingt entstandenen geistig-körperlichen Prozeß.' Und alle diese Phänomene als vergänglich, dem Leiden unterworfen und unpersönlich erkennend erreicht er schließlich einen der 4 Pfade der Heiligkeit." (Quelle: http://www.palikanon.com/buddhbib/01wrt ... uddhas.htm)

Meine Frage: Das ist doch reflektives Denken....


Vielleicht hilft dir das hier weiter
http://www.palikanon.com/diverses/satipatthana/satipatt_05.html
Festus hat geschrieben:
Tulamben hat geschrieben:
Sorry, aber das Verb von "Reflexion" ist "reflektieren" :angel:

Ja und??
Was willst du damit sagen?


Ist lediglich ein orthografischer Hinweis (s.o.)...
Freunde, ich danke Euch für Eure hilfreiche Antworten. Ich muss mir mehr Zeit nehmen, um diese nachzuvollziehen.

Mit "reflektiv" meinte ich "diskursiv", also aktiv beurteilend (sind es Synonyme?).

@Festus: Danke, gerade nach solchen Hinweisen suche ich. Werde versuchen, die Sutta-Stelle zu durchdringen.
Ich fand da folgendes Buch hilfreich:
Ratnaguna, The Art of Reflection.
Nach dem ich mir mehr Zeit für das Durchlesen genommen habe, bedanke ich mich nochmal bei Euch allen.

Mettaa
Hi,
wäre es zuviel, zu schreiben, wer der Übersetzer des Pali-Kanon hier ist, welches Kapitel und Rede. Ich würde das auch mal gerne in meiner Neumannschen Ausgabe finden.
Hi,
wäre es zuviel, zu schreiben, wer der Übersetzer des Pali-Kanon hier ist, welches Kapitel und Rede. Ich würde das auch mal gerne in meiner Neumannschen Ausgabe finden.
kesakambalo hat geschrieben:
Hi,
wäre es zuviel, zu schreiben, wer der Übersetzer des Pali-Kanon hier ist, welches Kapitel und Rede. Ich würde das auch mal gerne in meiner Neumannschen Ausgabe finden.

Das Zitat im Eingangsbeitrag ist aus "Das Wort des Buddha" von Nyanatiloka.
http://www.palikanon.com/buddhbib/01wrt ... uddhas.htm

Das Zitat von Festus ist aus "Geistestraining durch Achtsamkeit" von Nyanaponkika.
http://www.palikanon.com/diverses/satip ... ttana.html

Da sollte sich dann auch finden lassen welche Reden das sind.

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