Intensive Praxis als letzter Weg?

Moderator: void

Hallo liebe Forengemeinde,

seit ich mich entsinnen kann, führe ich ein unglückliches Leben. Es ist geprägt von nicht-genügen, Verwirrung, Isolation, Bemühen, und fehlender Fähigkeit zur Orientierung. Seit 7 Jahren bin ich schwer depressiv. Ich bin nun 23 Jahre alt, stehe kurz vorm zweiten Ausbildungsabbruch, ein Studium habe ich ebenfalls schon auf dem Gewissen. Ich wohne noch bei meinen Eltern.

Ich kam letztlich zu dem Glauben, dass es für mich kein echtes Glück in dieser Welt, oder dieser Gesellschaft, gibt. Ich habe viel versucht, um einen gewissen grad an Zufriedenheit herzustellen - vergebens. Ich fasste den Entschluss zu sterben.

Jedoch kam mir noch ein letzter Gedanke, eine letzte Option. Ich bin vertraut mit Achtsamkeit und Meditation (Vergegenwärtigung des Atems). Beide konnten in den letzten Jahren viel für mich tuen. Durch fehlende Disziplin schaffte ich es jedoch nicht, so intensiv zu praktizieren, wie ich es gerne würde. Immer wieder verliere ich mich in mir selbst.

Meine Frage an euch ist nun die folgende: Glaubt ihr, dass es ein zufriedenstellendes Lebenskonzept ergeben kann, sich mit aller Kraft und Energie die man hat, auf Meditation und Achtsamkeit zu konzentrieren? Sich loszusagen von allen Zielen, weitestgehend allen Menschen, einer Familienplanung, der Arbeitswelt (soweit möglich, und wenn dann mit hohem Maß Achtsamkeit ausführbar), allem Luxus, allem Materiellen, ja einfach allem, was unsere Gesellschaft für uns vorbestimmt? Seine Tage mit der Verrichtung der anfallenden Pflichten zu verbringen, sofern staatliche Unterstützung nicht möglich ist demnach auch Arbeit, ansonsten ein Fokus auf Meditation, Yoga/Sport um Gesund zu bleiben, vllt. etwas Engagement im Ehrenamt, um etwas zurück geben zu können (vllt Hunde aus dem Tierheim spazieren führen, oder Kinderbetreuung im Kindergarten, oder etwas mit Pflanzen..), und natürlich Achtsamkeit in allem, was man tut?
Möglicherweise ist nach einer gewissen Festigung darin auch ein Leben im Kloster möglich?

Ich hoffe, ihr nehmt meine Frage ernst. Für viele muss das völlig durchgeknallt klingen. Für mich auch irgendwie. Aber ich bin einfach nur verzweifelt..


Liebe,
der Mogwai-Tree
Lieber Mogwai-Tree,

Deine Lage ist mir nicht unbekannt und aus dem Stand heraus würde ich erst einmal einen kompletten Wechsel des Blickwinkels empfehlen. Andere Kultur, anderer Lebensstil, andere Denkweise. Ich bin damals nach Asien, habe meditiert, bin ins Kloster gegangen und habe mich intensiv mit der ursprünglichen Buddhalehre beschäftigt. Wenn Du sowieso Buddhismus affin bist hilft Dir das vielleicht auch. Versuch macht kluch.
Liebe/r mogwai tree,


meinen Respekt für deine Anstrengungen!
Das einzige, was ich dir sagen kann ist, dass ich den Versuch lebenskonzepte zu entwerfen ein wenig heruntergefahren habe.
Das Leben lebt sich Tag für Tag.

Geh behutsam mit dir um, tu, was dir möglich ist und erwarte lieber nicht, dich selbst nicht auch woanders anzutreffen.
Und geh behutsam mit dir um.


Es ist ein großes Glück, dass du in so jungen Jahren auf den Dharma getroffen bist
:vajra:

Hast du die Möglichkeit, dich mit anderen praktizierenden auszutauschen?
Ich fasste den Entschluss zu sterben.
Jedoch kam mir noch ein letzter Gedanke, eine letzte Option.


Und wenn dir jetzt hier jemand sagt, dass diese Option in der Form nicht sinnvoll ist, dann nimmt er dir die letzte Option und du bringst dich um?

Also wenn ich konkret an Selbstmord denken würde, würde ich mich irgendwo einweisen, weil Psychologen und Psychiater ja Spezialisten für sowas sind, während man ja ein Internetforum und die Leute dort damit überfordert, einen Option aufzuzeigen, deren Alternative der Tod ist.

Während man über dies Frage reden, wie Spiritualität bei Depression postiv beitragen kann ist es etwas anderes, Leute dazu aufzufordern eine "letzten Option" vor dem Sterben aufzuzeigen. So etwas überfordert jeden.

Von daher schliesse ich diesen Thread erstmal und bespreche mich mit den anderen Moderatoren.
Es gab ja schon ein paar gute Hinweise aus dem Forum. Die Bedenken von void teile ich allerdings bei näherer Betrachtung. Aber ohne mich davon unter Druck gesetzt zu fühlen, bin ich der Meinung, dass Du da in eine richtige Richtung denkst, in der Meditation und einem meditativen Leben eine mögliche Lösung für Dich zu suchen. Wie das genau ausgestaltet sein könnte, das kannst Du selbst am besten entscheiden, das hat ja was damit zu tun, was Dir dann tatsächlich gut tut. Und man kann diesen Lebensentwurf ja auch in Teilen wieder verändern, wenn im Einzelnen was nicht passt.

Ich würde - ich glaube das meinst Du aber auch eh nicht - auf keinen Fall die psychologische / psychiatrische Betreuung und die spirituelle Praxis als entweder-oder ansehen. Selbst wenn ein Psychiater sowas nicht mitmacht, gestaltet man den anderen, spirituellen Teil des Lebens eben eigenständig. Noch besser aber, man fände einen Therapeuten, der Spiritualität als Ressource mit integriert. Da gibt es z.B. den ganzen transpersonalen Bereich oder noch besser die Psychosynthese.

Aus eigener Erfahrung mit Depressionen kann ich Dir sagen, dass es kein Dauerzustand sein muss. Ich habe sie komplett überwunden seit mehr als 10 Jahren und inzwischen haut mich nichts mehr um... Dabei hat die Meditation eine maßgebliche Rolle gespielt. Die Ursachen für Depressionen sind vergänglich, egal wie weit die "westliche Medizin" das bisher auch so sieht.

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