Macht langes Sitzen krank?

Moderator: Jojo

Hallo zusammen,

mir stellt sich diese Frage seitdem mir mein Hautarzt gesagt hat, dass die Furunkel, Abszesse und Atherome am "Allerwertesten" vom langen Sitzen auf dem Meditationskissen kommen können. Und tatsächlich musste ich bereits mehrere Wochen pausieren weil er immer daran herumgeschnippelt hat.

Ich finde es äusserst unangenehm, sowohl das Thema selbst, als auch die ärztliche Behandlung dieser Erscheinungen. :P Trotzdem frage ich Euch in die Runde: Habt Ihr auch Erfahrungen mit körperlichen Krankheiten oder Nachteilen durch das lange Sitzen auf dem Kissen? Habe zum Beispiel mal gelesen, dass ein Zen Meister durch das lange Sitzen Hämorrhoiden bekommen hat, wer war das noch?

Vielen Dank an jeden, der mir aus seinem Erfahrungsschatz antwortet!!! :) Ich nehme auch gerne Eure Gesundheitstipps in diesem Zusammenhang an :)
Langes Sitzen kann krank machen. Das ist auch meine Erfahrung. Es mag energetisch günstig sein und die Kundalini-Energie aktivieren. Aber das geschieht nur, wenn man spirituell sehr weit fortgeschritten ist. Für alle anderen Menschen ist das Sitzen im Lotussitz aus meiner Sicht eine sinnlose Übung, die zu vielen körperlichen Problemen führen kann. Die Beine werden schlecht durchblutet. Von einigen Meditierenden wurde berichtet, dass dadurch ihre Beine steif wurden. Ich habe oft von Knieproblemen und Rückenproblemen gehört. Furunkel am Hintern sind mir neu, aber verständlich. Ich meditiere deshalb vorwiegend im Liegen und im Gehen. Das wiederum ist sehr gesund.
Was ist lang? Wenn man täglich 1 Stunde meditiert würde es mich wundern wenn man genau davon medizinische Probleme bekommen würde. Vielleicht spührt man manche beschwerden die man eh schon hat deutlicher, ja....
Wenn man viele Stunden am Tag sitzt mag das anders sein.
@happygolucky
Die Ursache Deine Problems ist ganz bestimmt nicht das Sitzen. Sieht mir eher nach ner Stoffwechselgeschichte aus. Klar werden dann die Symptome durch "Beanspruchung" verschärft. :)
Ein herzliches Danke Euch für die Antworten. Es freut mich, dass Ihr alle soweit gesund seid!

Ich sitze ca. 1 Stunde täglich seit 7 Jahren und mein Stoffwechsel ist ganz ok, als ich schlank und sportlich bin und keine hohen Blutzuckerwerte habe. Es war so eine Idee vom Arzt, dass das Sitzen der Grund sein könnte. Muss eben nicht so sein.

Im Liegen und im Gehen zu meditieren fällt mir schwer. Entweder schlafe ich ohne Körperspannung ein oder ich bin zu abgelenkt durch entgegenkommende SmartphoneZombies. Das ist dann schon die höhere Schule.
happygolucky hat geschrieben:
mir stellt sich diese Frage seitdem mir mein Hautarzt gesagt hat, dass die Furunkel, Abszesse und Atherome am "Allerwertesten" vom langen Sitzen auf dem Meditationskissen kommen können.

Ursache ist sicher nicht das Sitzen, sondern eine entsprechende Veranlagung. Das Sitzen kann allerdings begünstigend wirken, und zwar auf zwei Arten. Zunächst Irritation der Haut durch Scheuern - was allerdings nur auftreten kann, wenn Du sehr unruhig sitzt (was impliziert, dass Du nicht richtig sitzt). Oder aber durch übermäßiges Schwitzen. Das sollte mit einer geeigneten Sitzhilfe (z.B. ein traditionelles Kapok-Zafu) und Unterwäsche (Funktionsfaser-Sportunterwäsche) in den Griff zu bekommen sein.
happygolucky hat geschrieben:
Habe zum Beispiel mal gelesen, dass ein Zen Meister durch das lange Sitzen Hämorrhoiden bekommen hat, wer war das noch?

Das hat vor allem etwas mit Sitzen bei Kälte zu tun - japanische Zendos werden in der Regel auch im Winter nicht geheizt. Medizinisch streng genommen handelt es sich bei diesem Problem allerdings nicht wirklich um 'echte' Hämorrhoiden sondern um Analvenenthrombosen.

()
Ich habe von Krampfadern gehört bei Leuten, die bei diesen 10-Tages-Meditationen zu spät aufgegeben haben und solche Sitzungs-Marathons in dieser Länge nicht gewohnt waren. Ich sitze zur Arbeit und zurück 1,5 h im Zug und an der Arbeit 8+ h am Tag und kriege davon höchstens Rückenweh. Wenn man auf einem Stuhl sitzend meditiert, sollte man also am Tag viele Stunden meditieren können. Aber dagegen gibt es wohl eine Abneigung, weil man dabei nicht auf dem Boden sitzt und dann ist es nicht so richtig authentisch ...
happygolucky hat geschrieben:
Ein herzliches Danke Euch für die Antworten. Es freut mich, dass Ihr alle soweit gesund seid!
Ich sitze ca. 1 Stunde täglich seit 7 Jahren und mein Stoffwechsel ist ganz ok, als ich schlank und sportlich bin und keine hohen Blutzuckerwerte habe.


Es ist doch ne bestimmte Irritation der Haut - also iwas mit den Talgdrüsen - ggf Überproduktion + Kanalverstopfung + Entzündung. Ich bemerke sowas in unauffälliger Form auch bei mir, wenn sich schlagartig die Ernährungsweise von europäisch auf asiatisch (vv) ändert. Nach kurzer Zeit hat sich das dann aber wieder eingependelt.
Ich bin seit meinem ersten Retreat mit zwei gleichaltrigen Damen befreundet.
Wir waren alle jahrelang in retreats.

Die Frauen sind immer noch gesund.
Ich hatte einen bandscheibenvorfall , und habe ein kaputtes Knie.

Wir durften damals keine kissen oder dicke Matten verwenden, und mussten auch ein paar monate auf dem Boden schlafen.

Vermutlich bin ich auch zu schwer.
Die Damen sind sicher 40 kg leichter als ich.
Danke für Eure Antworten!
Einiges davon war sehr anregend. Ruhiges Sitzen gelingt mir tatsächlich nur in der Meditation, sonst ruckel ich immer auf allen Stühlen herum und versuche möglichst schnell wieder aufzustehen. Mein Zafu hat eine Baumwollhülle, das Futter fühlt sich eher an wie Katzenstreu :) Da schau ich mal nach einem neuen. Unterwäsche ist auch ein Thema. Kratzige Spitzenhöschen fliegen jetzt aus dem Kleiderschrank.
Die Ernährung musste ich wegen einer Allergie tatsächlich vor ein paar Monaten umstellen. Statt Ausschlag am Hals habe ich jetzt Pickel am A… Aber wie Ihr schon beschrieben habt, gibt es schlimmeres. :eek:
Herzliche Grüße von happygolucky :kiss:
Martin (Dhammavaro ) hat geschrieben:
Ich hatte einen bandscheibenvorfall , und habe ein kaputtes Knie.

Wir durften damals keine kissen oder dicke Matten verwenden, und mussten auch ein paar monate auf dem Boden schlafen.



Sowas befremdet mich. Im Buddhismus werden Achtsamkeit und Mitgefühl so hoch gehalten, da wird aufgepasst, dass auch ja kein Käferchen zertreten wird; es geht um Gewaltlosigkeit auf allen Ebenen - aber den eigenen Körper darf man malträtieren und ruinieren?
Elke hat geschrieben:

Sowas befremdet mich. Im Buddhismus werden Achtsamkeit und Mitgefühl so hoch gehalten, da wird aufgepasst, dass auch ja kein Käferchen zertreten wird; es geht um Gewaltlosigkeit auf allen Ebenen - aber den eigenen Körper darf man malträtieren und ruinieren?


Damals war der Körper für mich nur mittel zum Zweck.
Ich hatte dann die gleiche Einsicht wie Du, und das war der Schlüssel zum Erfolg.
Bin mir nicht sicher ob ich ohne malträtieren auch erfolgreich gewesen wäre.

Ich rate den Leuten heute zum Mittelweg.
Aber (meine Beobachtung) wir gehen im Westen selten an unsere Grenzen.
Oft reichen 5 Minuten mehr mit dem vermeintlich unerträglichen schmerz...und etwas wunderbares passiert.

Metta !
happygolucky hat geschrieben:
Statt Ausschlag am Hals habe ich jetzt Pickel am A…

:lol:
Martin (Dhammavaro ) hat geschrieben:
Damals war der Körper für mich nur mittel zum Zweck.
Ich hatte dann die gleiche Einsicht wie Du, und das war der Schlüssel zum Erfolg.
Bin mir nicht sicher ob ich ohne malträtieren auch erfolgreich gewesen wäre.

Ich rate den Leuten heute zum Mittelweg.
Aber (meine Beobachtung) wir gehen im Westen selten an unsere Grenzen.
Oft reichen 5 Minuten mehr mit dem vermeintlich unerträglichen schmerz...und etwas wunderbares passiert.

Ja, exakt diese komische Abfolge hatte ich auch.
Erstmal den Körper im Sitzen völlig missachtet, dann plötzlich verstanden, wie gewalttätig diese Selbstmissachtung ist. Und dann irgendwann bewusst die Grenzen ausgeforscht, und dann Neues entdeckt.
Ja, durch das Extremüben kann man zum Durchbruch kommen. Ich habe viele Jahre auch zuerst sehr extrem praktiziert. Dann gab es einen Durchbruch. Und jetzt gehe ich einen sanften Mittelweg. Das genügt jetzt. Entwicklung geschieht von alleine.
Ja, ich denke es ist auch für den Körper nicht gut.
Und wie Buddha das schon erkannte, muss man auch auf sein Körper acht geben.
Denn nur in einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist.

Dennoch ist es natürlich so, dass man etwas natürlich antrainieren kann.
So kann man lernen länger still zu sitzen,...immer mehr.

Aber alles hat sein Extrem. Daher muss man auf sein Gefühl hören, so meine Ansicht. :)

PS. Ich selbst unterscheide zwischen aushalten und wahre Unterdrückung.
Das ist oft schwer zu unterscheiden, weil wir oft aushalten mit Unterdrückung verwechseln.
Wahre Unterdrückung ist für mich jedoch der Punkt der Buddha unter extremer Gegensatz verstanden hat.
Für mein persönliches Verständnis, war es also so, dass Buddha damals erkannte, dass man aushalten darf, aber sobald das Gefühl wahrer Unterdrückung in einem entsteht, ist ein gegensätzliches Extrem erreicht und dann sollte man loslassen (die Saite loslassen und nicht mehr nachspannen).
In diesem Falle, loslassen vom aushaltendem Meditieren.

Den Buddha sagte: "Der Weg der Erleuchtung lieg zwischen allen gegensätzlichen Extremen. Wenn du eine Saite zu sehr spannst (also aushälst), wird Sie zereissen (du erschaffst dann eine Unterdrückung).
Lässt du jedoch die Saite zu schlaff (pausierst du zu lange und erreichst dadurch auch ein Extrem der Nachlässigkeit), kannst du nicht auf Ihr spielen (kannst du dich nicht von der Identifikation von Samsara lösen).

Das scheint für mich das richtige Verständnis des mittleren Weges zu sein, von dem Buddha sprach.

Wenn du die Saite zu lange schlaff lässt (um diesen Punkt nochmals genauer zu untersuchen), so entsteht das Extrem des verkehrten loslassens durch pausieren, und die Gefahr der Ich-Anhaftung mehrt sich wieder, durch die zulange Konditionierung zur Welt der Formen.

Anderst gesagt: Der Verstand schafft es dann immer mehr dich doch wieder an dein Ego zu binden, durch Ich-Verführungen zur Welt der Formen und denken und fühlen dazu.
MittlererWeg hat geschrieben:
Denn nur in einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist.


Natürlich hängen geistige und körperliche Leistungsfähigkeit oft zusammen. Aber unterstellt dieser Spruch nicht den Körperbehinderten (sagen wir Stephen Hawking ) auch mit ihrem Geist sei etwas nicht in Ordnung?
void hat geschrieben:
MittlererWeg hat geschrieben:
Denn nur in einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist.


Natürlich hängen geistige und körperliche Leistungsfähigkeit oft zusammen. Aber unterstellt dieser Spruch nicht den Körperbehinderten (sagen wir Stephen Hawking ) auch mit ihrem Geist sei etwas nicht in Ordnung?
Danke für den Hinweis das alte Sprüche nicht immer wahr sind. Es könnte ja auch sein das ein Körper der mir krank erscheint nur Schäden hat die nicht krank sind sondern nur "Arm ab", dann ist der Spruch wieder richtig. Der Körper ist ja gesund bis auf diesen Schaden. Krankt sein heißt im Siechtum sein, dem Tod dahin siechen.
void hat geschrieben:
MittlererWeg hat geschrieben:
Denn nur in einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist.


Natürlich hängen geistige und körperliche Leistungsfähigkeit oft zusammen. Aber unterstellt dieser Spruch nicht den Körperbehinderten (sagen wir Stephen Hawking ) auch mit ihrem Geist sei etwas nicht in Ordnung?


Es gibt einen Unterschied zwischen sich selbst krank machen und bereits krank sein oder krank gemacht werden, durch gewisse Lebensumstände oder andere Menschen.

Ich denke das muss man genauer differenzierend betrachten.
MittlererWeg hat geschrieben:
MittlererWeg hat geschrieben:
Denn nur in einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist.


Ich denke das muss man genauer differenzierend betrachten.


Wie kann man denn solche pauschalen Aussagen machen und dies mit der Forderung nach differenzierter Betrachtung verbinden?

Alter und Krankheit sind doch natürliche Eigenschaften der Welt, und selbst der gesündeste Geist kann einen nicht davor bewahren. Selbst Shakyamuni Buddha litt ja im Alter unter Rückenschmerzen. Deswegen zu sagen, dass er keinen gesunden Geist gehabt hätte, wäre doch verfehlt.
Es geht darum, dass ein gekränkter Körper dich geistig beeinflussen kann.
So muss aber jedoch wiederum auch ein bereits kranker Körper (der von Geburt an mitgegeben wurde - Wie zb. eine Behinderung) nicht direkt eine Hinderung sein, für dass sich befreien aus der Anhaftung des Egos.

Es kommt halt von Fall zu Fall an. Das meinte ich damit.

Einer der sich selbst den Körper zerstört, wird warscheinlich mehr Mühe habe sich von der Anhaftung des Egos zu lösen, weil er selbst diese Anhaftung, durch selbstzerstörung seines Körpers, sogar noch gefördert hat.
Wärend ein anderer, der bereits seit Geburt an eine körperliche Behinderung mit sich trägt, sich daran gewöhnt ist und sein Ego daher nicht dagegen Kämpft.
Jojo hat geschrieben:
Martin (Dhammavaro ) hat geschrieben:
Damals war der Körper für mich nur mittel zum Zweck.
Ich hatte dann die gleiche Einsicht wie Du, und das war der Schlüssel zum Erfolg.
Bin mir nicht sicher ob ich ohne malträtieren auch erfolgreich gewesen wäre.

Ich rate den Leuten heute zum Mittelweg.
Aber (meine Beobachtung) wir gehen im Westen selten an unsere Grenzen.
Oft reichen 5 Minuten mehr mit dem vermeintlich unerträglichen schmerz...und etwas wunderbares passiert.

Ja, exakt diese komische Abfolge hatte ich auch.
Erstmal den Körper im Sitzen völlig missachtet, dann plötzlich verstanden, wie gewalttätig diese Selbstmissachtung ist. Und dann irgendwann bewusst die Grenzen ausgeforscht, und dann Neues entdeckt.


Ich muss gestehen, in der Hinsicht bin ich ein bequemes Stück. :silent: Auch beim Sport hört der Spaß für mich dann auf, wenn es anfängt, weh zu tun. Liegt vielleicht auch daran, dass ich einen körperlich anstrengenden Beruf habe und außerhalb daher gern den Weg des geringsten Widerstandes gehe.

Allerdings empfinde ich aber auch eine gewisse Verantwortung, das meine zu tun, möglichst lange fit und gesund zu bleiben und das nicht nur aus Eigeninteresse. Wenn man mal erlebt hat, dass ein Familienmitglied krank wird und drauf angewiesen ist, dass man selbst dann für den anderen da ist und das tut, was der andere nicht mehr tun kann, entwickelt man schon eine gewisse Ehrfurcht und ein Verantwortungsgefühl für die eigene Gesundheit.

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