Gefühle betrachten (Name der Meditation)

Moderator: Jojo

Hallo Forum,

Also, ich habe gemerkt, das ich oft Unruhig bin bzw eine nervösigkeit in mir ist, die ich schon seit dem Kindesalter kenne. Nun, habe ich gemerkt, wenn ich die Gefühle einfach betrachte ohne zu beurteilen und mich in sie vertiefe, das sie nachlassen. Manchmal ist es schwer, gerade bei nervösen, ängstlichen Gefühlen, doch wenn ich sie stur lange genug betrachte, lassen sie nach und lösen sich auf. Auch scheinen mir die Gefühle als Meditationsobjekt, zumindest bei mir, am meisten zu funktionieren wo ich meine Konzentration nicht verliere, da es nicht wirklich schwer ist sich darauf zu fokussieren. Atem ist da deutlich schwieriger. Mich würde interessieren, wie diese Meditationsform im Buddhismus, Theravada bzw im Pali-Kanon heißt.

Vielen Dank
Hund
Hallo Hund,
ich kann Dir das Satipatthana Sutta DN 22 empfehlen bzw. das Buch "Satipatthana - der direkte Weg" von Bhikkhu Analayo.

Seit Jahren meditiere ich über bzw. auf meine Gefühle. Das ist außerordentlich hilf- und erfolgreich.
_()_ Monika
Vielen Dank Monika. Ich habe mal in das Buch reingeschnuppert und es ist wirklich großartig. :upsidedown:
Hund hat geschrieben:
Nun, habe ich gemerkt, wenn ich die Gefühle einfach betrachte ohne zu beurteilen und mich in sie vertiefe, das sie nachlassen. ... Mich würde interessieren, wie diese Meditationsform im Buddhismus, Theravada bzw im Pali-Kanon heißt.

Das ist als Vedanānupassanā Teil von sammāsati (Richtiger Achtsamkeit):

"Bei Bārāṇasī, ihr Bhikkhus, im Hirschpark bei Isipatana setzte der Tathāgata, der Verwirklichte und vollständig Erleuchtete das unübertreffliche Rad des Dhamma in Gang [1], das von keinem Mönch oder Brahmanen oder Gott oder Māra oder Brahmā oder sonst jemandem in der Welt aufgehalten werden kann - und zwar mit dem Verkünden, Lehren, Beschreiben, Verankern, Enthüllen, Darlegen und Darstellen der vier Edlen Wahrheiten. Welcher vier?"

"Das Verkünden, Lehren, Beschreiben, Verankern, Enthüllen, Darlegen und Darstellen der Edlen Wahrheit von Dukkha. Das Verkünden, Lehren, Beschreiben, Verankern, Enthüllen, Darlegen und Darstellen der Edlen Wahrheit vom Ursprung von Dukkha. Das Verkünden, Lehren, Beschreiben, Verankern, Enthüllen, Darlegen und Darstellen der Edlen Wahrheit vom Aufhören von Dukkha. Das Verkünden, Lehren, Beschreiben, Verankern, Enthüllen, Darlegen und Darstellen der Edlen Wahrheit vom Weg, der zum Aufhören von Dukkha führt."

"Und was, Freunde, ist die Edle Wahrheit vom Weg, der zum Aufhören von Dukkha führt? Es ist eben dieser Edle Achtfache Pfad; nämlich Richtige Ansicht, Richtige Absicht, Richtige Rede, Richtiges Handeln, Richtige Lebensweise, Richtige Anstrengung, Richtige Achtsamkeit, Richtige Konzentration."

"Und was, Freunde, ist Richtige Achtsamkeit? Da verweilt ein Bhikkhu, indem er den Körper als einen Körper betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat. Er verweilt, indem er Gefühle als Gefühle betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat. Er verweilt, indem er Geist als Geist betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat. Er verweilt, indem er Geistesobjekte als Geistesobjekte betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat. Dies wird Richtige Achtsamkeit genannt."

(Majjhima Nikāya 141: Die Darlegung der Wahrheiten - Saccavibhaṅga Sutta)
"Und wie, ihr Bhikkhus, verweilt ein Bhikkhu, indem er Gefühle als Gefühle betrachtet [13]? Wenn ein Bhikkhu ein angenehmes Gefühl fühlt, versteht er: 'Ich fühle ein angenehmes Gefühl;' wenn er ein schmerzhaftes Gefühl fühlt, versteht er: 'Ich fühle ein schmerzhaftes Gefühl;' wenn er ein weder-schmerzhaftes-noch-angenehmes Gefühl fühlt, versteht er: 'Ich fühle ein weder-schmerzhaftes-noch-angenehmes Gefühl.' Wenn er ein weltliches angenehmes Gefühl fühlt, versteht er: 'Ich fühle ein weltliches angenehmes Gefühl;' wenn er ein überweltliches angenehmes Gefühl fühlt, versteht er: 'Ich fühle ein überweltliches angenehmes Gefühl [14];' wenn er ein weltliches schmerzhaftes Gefühl fühlt, versteht er: 'Ich fühle ein weltliches schmerzhaftes Gefühl;' wenn er ein überweltliches schmerzhaftes Gefühl fühlt, versteht er: 'Ich fühle ein überweltliches schmerzhaftes Gefühl;' wenn er ein weltliches weder-schmerzhaftes-noch-angenehmes Gefühl fühlt, versteht er: 'Ich fühle ein weltliches weder-schmerzhaftes-noch-angenehmes Gefühl;' wenn er ein überweltliches weder-schmerzhaftes-noch-angenehmes Gefühl fühlt, versteht er: 'Ich fühle ein überweltliches weder-schmerzhaftes-noch-angenehmes Gefühl.'"

(Majjhima Nikāya 10: Die Grundlagen der Achtsamkeit - Satipaṭṭhāna Sutta)

Viele Grüße
Elliot
Elliot hat geschrieben:
Hund hat geschrieben:
Nun, habe ich gemerkt, wenn ich die Gefühle einfach betrachte ohne zu beurteilen und mich in sie vertiefe, das sie nachlassen. ... Mich würde interessieren, wie diese Meditationsform im Buddhismus, Theravada bzw im Pali-Kanon heißt.

Das ist als Vedanānupassanā Teil von sammāsati (Richtiger Achtsamkeit):

"Bei Bārāṇasī, ihr Bhikkhus, im Hirschpark bei Isipatana setzte der Tathāgata, der Verwirklichte und vollständig Erleuchtete das unübertreffliche Rad des Dhamma in Gang [1], das von keinem Mönch oder Brahmanen oder Gott oder Māra oder Brahmā oder sonst jemandem in der Welt aufgehalten werden kann - und zwar mit dem Verkünden, Lehren, Beschreiben, Verankern, Enthüllen, Darlegen und Darstellen der vier Edlen Wahrheiten. Welcher vier?"

"Das Verkünden, Lehren, Beschreiben, Verankern, Enthüllen, Darlegen und Darstellen der Edlen Wahrheit von Dukkha. Das Verkünden, Lehren, Beschreiben, Verankern, Enthüllen, Darlegen und Darstellen der Edlen Wahrheit vom Ursprung von Dukkha. Das Verkünden, Lehren, Beschreiben, Verankern, Enthüllen, Darlegen und Darstellen der Edlen Wahrheit vom Aufhören von Dukkha. Das Verkünden, Lehren, Beschreiben, Verankern, Enthüllen, Darlegen und Darstellen der Edlen Wahrheit vom Weg, der zum Aufhören von Dukkha führt."

"Und was, Freunde, ist die Edle Wahrheit vom Weg, der zum Aufhören von Dukkha führt? Es ist eben dieser Edle Achtfache Pfad; nämlich Richtige Ansicht, Richtige Absicht, Richtige Rede, Richtiges Handeln, Richtige Lebensweise, Richtige Anstrengung, Richtige Achtsamkeit, Richtige Konzentration."

"Und was, Freunde, ist Richtige Achtsamkeit? Da verweilt ein Bhikkhu, indem er den Körper als einen Körper betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat. Er verweilt, indem er Gefühle als Gefühle betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat. Er verweilt, indem er Geist als Geist betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat. Er verweilt, indem er Geistesobjekte als Geistesobjekte betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat. Dies wird Richtige Achtsamkeit genannt."

(Majjhima Nikāya 141: Die Darlegung der Wahrheiten - Saccavibhaṅga Sutta)
"Und wie, ihr Bhikkhus, verweilt ein Bhikkhu, indem er Gefühle als Gefühle betrachtet [13]? Wenn ein Bhikkhu ein angenehmes Gefühl fühlt, versteht er: 'Ich fühle ein angenehmes Gefühl;' wenn er ein schmerzhaftes Gefühl fühlt, versteht er: 'Ich fühle ein schmerzhaftes Gefühl;' wenn er ein weder-schmerzhaftes-noch-angenehmes Gefühl fühlt, versteht er: 'Ich fühle ein weder-schmerzhaftes-noch-angenehmes Gefühl.' Wenn er ein weltliches angenehmes Gefühl fühlt, versteht er: 'Ich fühle ein weltliches angenehmes Gefühl;' wenn er ein überweltliches angenehmes Gefühl fühlt, versteht er: 'Ich fühle ein überweltliches angenehmes Gefühl [14];' wenn er ein weltliches schmerzhaftes Gefühl fühlt, versteht er: 'Ich fühle ein weltliches schmerzhaftes Gefühl;' wenn er ein überweltliches schmerzhaftes Gefühl fühlt, versteht er: 'Ich fühle ein überweltliches schmerzhaftes Gefühl;' wenn er ein weltliches weder-schmerzhaftes-noch-angenehmes Gefühl fühlt, versteht er: 'Ich fühle ein weltliches weder-schmerzhaftes-noch-angenehmes Gefühl;' wenn er ein überweltliches weder-schmerzhaftes-noch-angenehmes Gefühl fühlt, versteht er: 'Ich fühle ein überweltliches weder-schmerzhaftes-noch-angenehmes Gefühl.'"

(Majjhima Nikāya 10: Die Grundlagen der Achtsamkeit - Satipaṭṭhāna Sutta)

Viele Grüße
Elliot


Danke dir! :)
Monikadie4. hat geschrieben:
Hallo Hund,
ich kann Dir das Satipatthana Sutta DN 22 empfehlen bzw. das Buch "Satipatthana - der direkte Weg" von Bhikkhu Analayo.

Seit Jahren meditiere ich über bzw. auf meine Gefühle. Das ist außerordentlich hilf- und erfolgreich.
_()_ Monika


Danke für die Buchempfehlung.
Das Buch finde ich hilfreich: So einen ausführlichen Kommentar zum Thema kannte ich noch nicht.

Eine Frage zu Deiner Praxis:

Wie gehst Du genau vor, wenn Du die Wahrnehmung auf Deine Gefühle richtest?

Ist das bei Dir eine eher formelle Meditation (z.B. als zeitlich begrenzte Sitzmeditation) oder eher informell (z.B. im Laufe des Tages immer wieder Gefühle betrachten, wenn es sich ergibt)?

Betrachtest Du jeweils das stärkste Gefühl, das sich gerade einstellt?
Oder nimmst Du Dir bewusst vor, ein bestimmtes Gefühl zu betrachten?

(Das waren jetzt 4 Fragen ... :) )
Frieden-und-Freude hat geschrieben:
Wie gehst Du genau vor, wenn Du die Wahrnehmung auf Deine Gefühle richtest?


Ist das bei Dir eine eher formelle Meditation (z.B. als zeitlich begrenzte Sitzmeditation) oder eher informell (z.B. im Laufe des Tages immer wieder Gefühle betrachten, wenn es sich ergibt)?


Hallo Frieden-und-Freude,
formell meditiere ich überhaupt nicht mehr, aber ich ziehe mich mehrmals am Tage zurück und horche in mich hinein, achte auf meine Selbstgespräche und unterbinde sie, wenn nötig.
Es ist für mich zu einer Gewohnheit geworden, sozusagen einen mehr oder weniger großen Puffer zwischen den Ereignissen und Menschen aufrecht zu erhalten. Das heißt, ich kann zwar in vertrautem Umgang spontan und offen bleiben, aber da ist eine winzige Sekunde, die mich daran hindert, aufsteigende negative Gefühle, manchmal sogar auch positive Gefühle einfach rauszulassen. Ich lausche sozusagen auf das Wie und nicht auf das Was. Ich be-ob-achte, was da abläuft, wie das auf mich wirkt, wie ich möglicherweise durch mein Verhalten wirke.

Wird es schwierig, weil ich mich "verlaufen" habe oder nicht offen genug war/bin, dann öffne ich mich sofort und reflektiere über mögliche Ursachen. Die Korrektur führt dann meist zu sofortiger Entspannung.


Betrachtest Du jeweils das stärkste Gefühl, das sich gerade einstellt?
Oder nimmst Du Dir bewusst vor, ein bestimmtes Gefühl zu betrachten?


Es gibt Themen in meinem Leben, die immer wieder auftauchen, z.B. "Mutterrolle". An denen arbeite ich.
Dies ist verständlicherweise ein sehr verletzlicher Bereich, betrifft das Selbstbild und die Wahrnehmung durch andere bzw. meine eigene Motivation. Das immer wieder zu erforschen, zu durchschauen und möglicherweise von Illusionen zu befreien, ist für mich sehr spannend und letztlich entspannend.

_()_ Monika
Vielen Dank für Deine Antwort, liebe Monika!

Was bei mir lange ein Problem bei informellen Achtsamkeits-Meditationen war (und teilweise immer noch ist):

Mir ist oft nicht klar, worauf genau die Achtsamkeit zu richten ist.

Es gibt ja oft mehrere Gefühle zugleich, ebenso wie es mehrere Körperempfindungen gleichzeitig gibt. :-)

Wenn ich Dich richtig verstehe, betrachtest Du das Gefühl, das mit einem Thema zusammenhängt, das Dir besonders wichtig ist ("Mutterrolle").


Soweit ich weiß, empfiehlt Ayya Khema bei der Betrachtung der Gefühle insbesondere die 5 Hindernisse zu beobachten, in erster Linie Begehren und Aversion. (Denn auf das ist alles andere zurückzuführen.)
Frieden-und-Freude hat geschrieben:
Mir ist oft nicht klar, worauf genau die Achtsamkeit zu richten ist.

Es gibt ja oft mehrere Gefühle zugleich, ebenso wie es mehrere Körperempfindungen gleichzeitig gibt. :-)


Guten Morgen Frieden-und-Freude,
wenn dem so ist, dann halte ich inne, warte ab, schaue, was mich da umtreibt. Das ist sicher alles eine Frage der Übung, der Geduld mit sich selbst. Aber ich habe auch vielleicht nicht mehr so viele verwirrende Gefühle, habe Vieles erlebt, bin 68 und nicht mehr 40. Wenn ich daran denke, was mich früher so alles beschäftigt hat, dann frage ich mich, wieso ich überhaupt heil über die Straße gekommen bin bei dem Gefühlschaos.

Wenn ich Dich richtig verstehe, betrachtest Du das Gefühl, das mit einem Thema zusammenhängt, das Dir besonders wichtig ist ("Mutterrolle").


Mutterrolle war nur ein Beispiel, weil ich eine starke Mutter-Tochter-Beziehung habe und von meiner Tochter sehr gefordert werde, denn sie ist Schmerztherapeutin und hat Einsicht in Hintergründe für körperliche Auswirkungen. Daher muss sie sich auch intensiv mit psychischen Ursachen beschäftigen, auch ihren eigenen. Was sich wiederum auf mich auswirkt. Dem weiche ich nicht aus, sondern stelle mich. Das ist manchmal schmerzhaft gewesen.

Soweit ich weiß, empfiehlt Ayya Khema bei der Betrachtung der Gefühle insbesondere die 5 Hindernisse zu beobachten, in erster Linie Begehren und Aversion. (Denn auf das ist alles andere zurückzuführen.)


Ja natürlich ist darauf alles, aber auch wirklich alles zurückzuführen. Aber zunächst beginnt es ja mit einem Gefühl oder mit unheilsamen Gedanken. Deshalb richte ich meine Achtsamkeit darauf und hinterfrage, was die Ursache ist. Aber alles betrachtend und nicht bewertend. Ich sage nicht: "Aha" z.B. Neid oder Verachtung ..., sondern ich suche weiter, warum, woher - Ursache z.B. längere Zeit lasche Praxis, keine Disziplin, Überforderung durch Umgebung etc. - und dann: da ist Neid, ja. Oder da ist Verachtung. Und dann ziehe ich mich weiter zurück, um wieder ins Lot zu kommen.

Vor Jahren hatte ich eine "innere" Erfahrung, die mir die Augen öffnete über den Zusammenhang eines Gefühls, Lokalisation im Körper und dem Mittel, es aufzulösen. Seither schaue ich ggf. konzentriert dorthin, und wie mit einem Laser brennt der psychische Schmerz aus - einfach durch das feste Fokussieren. Im übrigen gelingt es mir zum Teil auch mit körperlichen Schmerzen auf diese Weise. Auf jeden Fall werden Schmerzen erträglicher durch die Aufmerksamkeit als durch Widerstand.
_()_ Monika
In der Meditation teilt man Gefühle in angenehme, neutrale und unangenehme Gefühle ein. Häufig beobachte ich aber eine Mischung aus allen drei Gefühlen in meinem Geist. Es gibt Gefühle, die sind (gerade in der Meditation!) sehr angenehm (Vorsicht: Anhaftung!), dann zwickt etwas an meinem Körper, dies fühlt sich unangenehm an, die meisten Gefühle sind für mich aber neutral, weder angenehm, noch unangenehm.
Monikadie4. hat geschrieben:
Aber zunächst beginnt es ja mit einem Gefühl oder mit unheilsamen Gedanken. Deshalb richte ich meine Achtsamkeit darauf und hinterfrage, was die Ursache ist. Aber alles betrachtend und nicht bewertend. Ich sage nicht: "Aha" z.B. Neid oder Verachtung ..., sondern ich suche weiter, warum, woher - Ursache z.B. längere Zeit lasche Praxis, keine Disziplin, Überforderung durch Umgebung etc. - und dann: da ist Neid, ja. Oder da ist Verachtung. Und dann ziehe ich mich weiter zurück, um wieder ins Lot zu kommen.

Vor Jahren hatte ich eine "innere" Erfahrung, die mir die Augen öffnete über den Zusammenhang eines Gefühls, Lokalisation im Körper und dem Mittel, es aufzulösen. Seither schaue ich ggf. konzentriert dorthin, und wie mit einem Laser brennt der psychische Schmerz aus - einfach durch das feste Fokussieren. Im übrigen gelingt es mir zum Teil auch mit körperlichen Schmerzen auf diese Weise. Auf jeden Fall werden Schmerzen erträglicher durch die Aufmerksamkeit als durch Widerstand.
_()_ Monika


Vielen Dank, liebe Monika, dass Du Deine Erfahrungen so ausführlich beschreibst.

Anscheinend machst Du Verschiedenes zugleich bzw. direkt nacheinander, auf eine intuitive Art und Weise.

So von außen ist das natürlich nicht leicht nachzuvollziehen.

Soweit ich es verstanden habe, achtest Du vor allem auf unheilsame Gefühle und Gedanken (Begehren/Aversion ...) und forschst direkt anschließend nach der Ursache.

Andererseits scheinst Du manchmal auch beim Betrachten zu bleiben und das ungute Gefühl damit aufzulösen.

Falls Du magst, könntest Du bei Gelegenheit vielleicht etwas genauer beschreiben, was innerlich passiert bei Dir. So ohne konkretes Beispiel verstehe ich es nicht wirklich.



Sherab Yönten hat geschrieben:
In der Meditation teilt man Gefühle in angenehme, neutrale und unangenehme Gefühle ein. Häufig beobachte ich aber eine Mischung aus allen drei Gefühlen in meinem Geist. Es gibt Gefühle, die sind (gerade in der Meditation!) sehr angenehm (Vorsicht: Anhaftung!), dann zwickt etwas an meinem Körper, dies fühlt sich unangenehm an, die meisten Gefühle sind für mich aber neutral, weder angenehm, noch unangenehm.


Das ist genau das Problem, das ich beim informellen Betrachten der Gefühle habe: Es ist häufig eine Mischung da. Und mir ist nicht klar, was genau zu tun ist.

Man kann ja nicht "einfach so" beobachten, weil die Wahrnehmung immer selektiv ist. Wir nehmen das wahr, worauf wir die Wahrnehmung lenken. Und alles andere wird dann nicht wahrgenommen.

Eine wichtige Unterscheidung hast Du nicht erwähnt: die angenehmen, neutralen und unangenehmen Gefühle werden zusätzlich unterteilt in "weltlich" und "außerweltlich".

Bei einer meditativen Vertiefung gibt es sehr angenehme Gefühle, doch das sind eben die "außerweltlichen". Das sind keine sinnlichen Anhaftungen, also droht da keine Gefahr. Stattdessen ist es ein wichtiges Mittel, um Freude zu entwickeln.

Andererseits gebe ich Dir natürlich teilweise recht: Wer darauf mit starkem Begehren reagiert ("Ich muss unbedingt diese Glückseligkeit wiederholen"), der handelt unzweckmäßig.
Eine Gefahr sehe ich aber auch dann nicht, denn mit dieser Form von Anhaftung erreicht man gar keine Vertiefung mehr, man wird also sofort aufmerksam auf den Irrtum. :-)
Frieden-und-Freude hat geschrieben:
Es ist häufig eine Mischung da. Und mir ist nicht klar, was genau zu tun ist.


Einfach diese "Mischung" achtsam beobachten, kommen und gehen lassen....
Auch sie kann sich im Laufe der Meditation verändern :)
Frieden-und-Freude hat geschrieben:
Falls Du magst, könntest Du bei Gelegenheit vielleicht etwas genauer beschreiben, was innerlich passiert bei Dir. So ohne konkretes Beispiel verstehe ich es nicht wirklich.


Moin,
es ist nicht möglich, innere Erfahrungen wirklich in Worte zu fassen. Das ist so, als wollte ich Dir erklären, wie sich meine Liebe anfühlt. Das musst Du schon selbst erleben, denn ich kann diese Einsicht, die ich hatte, noch nicht einmal wiederholen, ich kann sie nur erinnern und deshalb immer wieder umsetzen.
_()_ Monika
Sherab Yönten hat geschrieben:
Frieden-und-Freude hat geschrieben:
Es ist häufig eine Mischung da. Und mir ist nicht klar, was genau zu tun ist.


Einfach diese "Mischung" achtsam beobachten, kommen und gehen lassen....



Prüfe mal, ob Du wirklich eine "Mischung" unterschiedlicher Gefühle gleichzeitig beobachten kannst.
Ich kann das nicht.
Meine Aufmerksamkeit kann sich nur nacheinander auf verschiedene Objekte richten.

Was zurück führt zu der Frage, wie die Betrachtung der Gefühle von dem Buddha eigentlich gemeint war.

Hab mir inzwischen die Vorträge von Bhikku Analayo dazu angehört. (Sehr hilfreich, finde ich.)

http://dharmaseed.org/teacher/439/

Quintessenz: Es geht letzten Endes nicht darum, irgendwelche beliebigen Gefühle zu betrachten, sondern darum, unheilsame Gefühle und Geisteszustände (die "Hindernisse") zu identifizieren und sie durch heilsame zu ersetzen. Mit dem Ziel, Gleichmut zu erreichen.

Ayya Khema hat das - ohne diesen Aufwand an Gelehrsamkeit - auch ganz klar formuliert.
Wenn Du Dich nicht identifizierst, dann ist auch eine Mischung von Gefühlen beobachtbar.
Du schreibst von Aufmerksamkeit, das, was Du aber beschreibst, ist Konzentration. Konzentration ist ein Fokus, Achtsamkeit ist Weite.
Und ob nun so oder anders, es gibt viele Herangehensweisen.
_()_
Der Körper zwickt und scheinbar gleichzeitig ist da ein angenehmes Gefühl, ein angenehmer Gedanke. Es mag sein, dass das Körperzwicken zunächst als (unangenehmer) Gedanke im Gehirn wahrgenommen wird und anschließend kommt der angenehme Gedanke u.s.w., aber das passiert so schnell, dass ich nicht in der Lage bin, meine Achtsamkeit zunächst auf das eine und dann auf das andere Objekt zu fokussieren. Man sollte aus Achtsamkeitstraining auch keinen Leistungssport machen, sondern, wie Monika richtig schreibt :like: , die Phänomene mit einem offenen Geist einfach wahrnehmen, so wie sie Dir erscheinen.
Monikadie4. hat geschrieben:
Wenn Du Dich nicht identifizierst, dann ist auch eine Mischung von Gefühlen beobachtbar.
Du schreibst von Aufmerksamkeit, das, was Du aber beschreibst, ist Konzentration. Konzentration ist ein Fokus, Achtsamkeit ist Weite.


Bei der Konzentration richte ich die Aufmerksamkeit beständig auf dasselbe Meditationsobjekt.
Bei der Achtsamkeit kann ich die Aufmerksamkeit nacheinander auf verschiedene Objekte richten. Das kann man als "Weite" bezeichnen.
Und dennoch bleibt meine Aufmerksamkeit bei der Achtsamkeit gerichtet.

(Es ist ähnlich wie bei der angeblichen "Multitasking-Fähigkeit", die ja auch nur dadurch zustande kommt, dass jemand seine Aufmerksamkeit jeweils rasch abwechselnd auf verschiedene Tätigkeiten richtet.)

Prüf doch mal, ob es bei Dir wirklich anders ist.
D.h. ob Du tatsächlich auf verschiedene Dinge zugleich achtsam bist. Oder nur rasch hintereinander Deine Aufmerksamkeit verschiedenen Dingen zuwendest.
Frieden-und-Freude hat geschrieben:
Prüf doch mal, ob es bei Dir wirklich anders ist.
D.h. ob Du tatsächlich auf verschiedene Dinge zugleich achtsam bist. Oder nur rasch hintereinander Deine Aufmerksamkeit verschiedenen Dingen zuwendest.


Warum sollte ich das prüfen? Mir fehlt ja nix.
_()_
Monikadie4. hat geschrieben:
Wenn Du Dich nicht identifizierst, dann ist auch eine Mischung von Gefühlen beobachtbar.
Du schreibst von Aufmerksamkeit, das, was Du aber beschreibst, ist Konzentration. Konzentration ist ein Fokus, Achtsamkeit ist Weite.
...
_()_


ja, stimmt, und da kommt es zu einer geeinigten achtsamkeit und betrachtung und die aufmerksamkeit wechselt nicht wie beim multitasking.
Hi Morpho,
wichtig erscheint mir hier auch der Unterschied zum Multitasking, denn ich bleibe dabei still und schaue, beim Multitasking bin ich in Bewegung/Handlung.
_()_
Morpho hat geschrieben:
Monikadie4. hat geschrieben:
Wenn Du Dich nicht identifizierst, dann ist auch eine Mischung von Gefühlen beobachtbar.
Du schreibst von Aufmerksamkeit, das, was Du aber beschreibst, ist Konzentration. Konzentration ist ein Fokus, Achtsamkeit ist Weite.
...
_()_


ja, stimmt, und da kommt es zu einer geeinigten achtsamkeit und betrachtung und die aufmerksamkeit wechselt nicht wie beim multitasking.


Monikadie4. hat geschrieben:
Hi Morpho,
wichtig erscheint mir hier auch der Unterschied zum Multitasking, denn ich bleibe dabei still und schaue, beim Multitasking bin ich in Bewegung/Handlung.
_()_


Ich selbst kenne die Praxis der Achtsamkeit aus der Tradition von Thich Nhat Hanh. So wie es dort auf Retreats und Achtsamkeitstagen gelehrt wird. Da ging es hauptsächlich darum, Achtsamkeit in den normalen Alltag zu bringen. Und das hat natürlich gerade auch mit Bewegung/Handlung zu tun.

Essen kochen, Essen, Tee trinken, Abwasch machen, Spazieren gehen etc. etc.

Die Aufmerksamkeit wird jeweils auf das gelenkt, was wir gerade TUN.
Zwischenzeitlich ertönt eine Glocke und Du wirst einen Moment still, hältst inne und erneuerst Deine Konzentration. Dann geht es weiter mit der Achtsamkeitspraxis.

Insofern verstehe ich auch nicht, inwieweit Konzentration und Achtsamkeit gegensätzlich sein sollen. Das eine unterstützt das andere.

"Multi-tasking" habe ich nur erwähnt als Beispiel dafür, dass Menschen GLAUBEN, die Aufmerksamkeit auf verschiedene Dinge gleichzeitig lenken zu können. In der Regel scheint das aber eine Täuschung zu sein: Die Aufmerksamkeit wechselt einfach schnell hin und her und erzeugt die Illusion der Gleichzeitigkeit.

Eventuell ist es aber auch unwichtig, ob wir etwas tatsächlich gleichzeitig wahrnehmen oder ob uns das nur so erscheint.
Wichtiger wäre natürlich die Frage, ob es für die Praxis der Achtsamkeit überhaupt darum geht, verschiedene Dinge gleichzeitig wahrzunehmen.

Morpho spricht von "geeinigter Achtsamkeit und Betrachtung".

Was ist das denn genau? Ein Beispiel wäre schön. :)


Und (wenn wir anknüpfen an das Thema dieses Threads):
Wie ist die Satipatthana-Praxis eigentlich ursprünglich gemeint?
Hilfreich finde ich dazu die geleitete Meditation (und den Vortrag sowie das Buch) von Bhikkhu Analayo, der das Thema ja sehr gründlich erforscht hat:
http://dharmaseed.org/teacher/439/

Wenn das die Achtsamkeits-Praxis des Buddha ist, unterscheidet sie sich ganz erheblich von dem, was wir üblicherweise unter "Achtsamkeit" verstehen.
Frieden-und-Freude hat geschrieben:
Ich selbst kenne die Praxis der Achtsamkeit aus der Tradition von Thich Nhat Hanh. So wie es dort auf Retreats und Achtsamkeitstagen gelehrt wird. Da ging es hauptsächlich darum, Achtsamkeit in den normalen Alltag zu bringen. Und das hat natürlich gerade auch mit Bewegung/Handlung zu tun.

Essen kochen, Essen, Tee trinken, Abwasch machen, Spazieren gehen etc. etc.


Ja, damit hat meine Praxis begonnen.

Die Aufmerksamkeit wird jeweils auf das gelenkt, was wir gerade TUN.
Zwischenzeitlich ertönt eine Glocke und Du wirst einen Moment still, hältst inne und erneuerst Deine Konzentration. Dann geht es weiter mit der Achtsamkeitspraxis.

Insofern verstehe ich auch nicht, inwieweit Konzentration und Achtsamkeit gegensätzlich sein sollen. Das eine unterstützt das andere.


Sie sind unterschiedlicher Natur, aber natürlich ergänzen sie sich und sind beide gleichwertig wichtig.

Wie ist die Satipatthana-Praxis eigentlich ursprünglich gemeint?
Hilfreich finde ich dazu die geleitete Meditation (und den Vortrag sowie das Buch) von Bhikkhu Analayo, der das Thema ja sehr gründlich erforscht hat:
http://dharmaseed.org/teacher/439/


Ich habe das Buch "Der direkte Weg" vor Jahren gelesen. Deine Frage, wie die Praxis ursprünglich gemeint ist, verstehe ich nicht. Für mich hat sich eben herauskristallisiert, meinen eigenen Weg zu finden.

Wenn das die Achtsamkeits-Praxis des Buddha ist, unterscheidet sie sich ganz erheblich von dem, was wir üblicherweise unter "Achtsamkeit" verstehen.


Mag sein, für mich nicht.
_()_ Monika
Monikadie4. hat geschrieben:

Ich habe das Buch "Der direkte Weg" vor Jahren gelesen. Deine Frage, wie die Praxis ursprünglich gemeint ist, verstehe ich nicht. Für mich hat sich eben herauskristallisiert, meinen eigenen Weg zu finden.

Wenn das die Achtsamkeits-Praxis des Buddha ist, unterscheidet sie sich ganz erheblich von dem, was wir üblicherweise unter "Achtsamkeit" verstehen.


Mag sein, für mich nicht.
_()_ Monika


Ja ... :)
... hab noch einmal gelesen, wie Du Deine Praxis beschreibst.
Danach erscheint mir Deine Praxis jetzt ähnlich wie das, was Bhikkhu Analayo beschreibt, bezogen auf Gefühle und Geisteszustände.

Davon abgesehen ist natürlich nichts daran auszusetzen, einen eigenen Weg zu finden. (Und auch wer sich an bestehenden "Methoden" orientiert, muss ja alles ohnehin für sich individuell nutzbar und passend machen.)

_()_

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