Siebenfache Anweisung über die Sechs Ursachen und Ihr Resultat

Moderator: void

Guten Abend gemeinsam,


in letzter Zeit versuche ich mich sehr mit Techniken zum Erzeugen von Mitgefühl auseinanderzusetzen. Eine Technik die der Dalai Lama hervorgehoben hat war die "Siebenfache Anweisung über die Sechs Ursachen und Ihr Resultat". Ich habe über google etwas dazu gefunden, weiß aber nicht, ob dies wirklich der ursprünglichen Empfehlung entspricht.

Hat hier jemand Erfahrung und eine zuverlässige Quelle?

Ich würde mich auch über eure Techniken und Meditationsobjekte freuen.

Vielen Dank und eine gesegnete Adventszeit.

Offenbar gibt es im Mahayana aus tibetischer Sicht zwei Grundlagen für die Geistesschulung zu Mitgefühl, Liebender Güte und Altruismus.

Die eine Methode meint das Gleichsetzen und Austauschen von Selbst und anderen (Menschen oder fühlende Lebewesen), das auf Nargajuna und Santideva zurückgeht.

Die zweite Methode meint, die Beziehung zur eigenen Mutter auf die anderen Menschen zu übertragen. Zu dieser, von Maitreya und Asariga entwickelten Methode gehört auch die „Siebenfache Anweisung“.

Die Siebenfache Anweisung besagt:
• Alle Wesen als seine Mütter zu erkennen.
• Die mütterliche Freundlichkeit aller Wesen zu bedenken.
• Den Wunsch entwickeln, diese Freundlichkeit zu erwidern.
• Eine Haltung entwickeln, wo man sie als besonders nah und kostbar sieht.
• Liebe und Mitgefühl entwickeln, die immer zusammengehören.
• Universelle Verantwortung empfinden.
• Erleuchtungsgeist entsteht.

Persönliche Anmerkungen:

Liebevolle Güte und Mitgefühl werden nicht unterschieden. Sie entstehen gewissermaßen gemeinsam. Ich könnte mir vorstellen, dass es auch von unserem Naturell abhängt, ob die Konzentration auf Liebevolle Güte oder aber Mitgefühl persönlich leichter fällt. Beides sollte aber das jeweils andere mitbringen und in ein Empfinden universeller Verantwortung münden.

Zur Siebenfachen Anweisung könnte nun eine Diskussion starten, ob alle Wesen tatsächlich irgendwann mal unsere Mütter gewesen sind. Säkular betrachtet geht es bei diesem Training jedoch aus meiner Sicht darum, ein ursprünglich angelegtes Empfinden, eine Repräsentanz von Mutter, in sich auszudehnen. Es bildet die Grundlage herzlicher Empfindungen und einer positiven Geisteshaltung.

Die Meditationstechniken des Mahayana meinen keine Liebe und kein Mitgefühl für sich selbst! Sämtliche Bemühungen basieren darauf, Liebe und Mitgefühl für andere zu entwickeln. Ohne diesen Zusammenhang wird Mahayana falsch verstanden oder praktiziert, behaupte ich. Nach dem Vortrag wird dies gleich in der ersten Fragerunde ausführlich behandelt.

Auch die anderen Diskussionsbeiträge sind interessant. Etwa geht es um die Frage wie sich die Eigenschaft des Mitgefühls im realen Leben auswirken soll, welche Sitzhaltung für das Training zu wählen ist etc.

Zuletzt wird die buddhistische Auffassung zur Frage, ob es Menschen gibt, die einfach unheilbar tugendlos veranlagt sind, thematisiert. Zu dieser Frage gibt es im Buddhismus ähnliche Differenzen wie anderswo, kommt mir vor.
Karnataka hat geschrieben:

Die Meditationstechniken des Mahayana meinen keine Liebe und kein Mitgefühl für sich selbst! Sämtliche Bemühungen basieren darauf, Liebe und Mitgefühl für andere zu entwickeln. Ohne diesen Zusammenhang wird Mahayana falsch verstanden oder praktiziert, behaupte ich.


Wie ist es denn möglich, Liebe und Mitgefühl für andere zu entwickeln, ohne Liebe und Mitgefühl für sich selbst zu entwickeln? Wenn zB jemand sich selbst hasst und kein Mitgefühl für sich selbst entwickelt, wie soll er da Liebe und Mitgefühl für andere entwickeln?
Freeman reloaded hat geschrieben:
Wie ist es denn möglich, Liebe und Mitgefühl für andere zu entwickeln, ohne Liebe und Mitgefühl für sich selbst zu entwickeln? Wenn zB jemand sich selbst hasst und kein Mitgefühl für sich selbst entwickelt, wie soll er da Liebe und Mitgefühl für andere entwickeln?


Es ist wichtig für uns, geliebt und anerkannt zu werden. Doch ist ebenso entscheidend, selbst zu lieben und anzuerkennen, das vergessen wir oft. Wir sollten uns also um Zuneigung für andere Menschen bemühen. Umso schöner, wenn Menschen diese Zuneigung dann erwiedern. Dies ist eine Grundlage für einen zufriedenen Geisteszustand, denke ich, der in Richtung umfassenden Mitgefühls weist.
Sicher, das habe ich ja auch garnicht bestritten. Ich fragte nur:

Wie soll ein Mensch Liebe und Mitgefül für andere entwickeln, ohne Liebe und Mitgfühl für sich selbst zu entwickeln?
Hallo Karnataka,

Du schreibst:

Die Meditationstechniken des Mahayana meinen keine Liebe und kein Mitgefühl für sich selbst! Sämtliche Bemühungen basieren darauf, Liebe und Mitgefühl für andere zu entwickeln.


Sag mal, kann es sein, dass Du Dich da verhört hast? Wie sollen wir, ohne unsere eigenen Schwächen zu akzeptieren, unsere Vorzüge zu erkennen, und uns selbst dann so anzunehmen, wie wir nun einmal sind, andere Menschen mit all ihren Vorzügen und vermeintlichen Schwächen annehmen, und ihnen Liebe und Mitgefühl entgegenbringen können?

Wer Mitgefühl entwickeln möchte, muss sich zunächst mit dem eigenen Leiden konfrontieren und diese Situation dann auf andere übertragen.

Der tibetische Meister Je Tsongkhapa beschreibt in einem Text über den „Stufenweg zur Erleuchtung“ (tib. lam rim) eindringlich, dass wir uns immer wieder bemühen müssen, über die Nachteile der Wahren Leiden zu kontemplieren. Tun wir das nicht, wird in uns niemals der tiefe Wunsch nach Befreiung daraus entstehen können. ... Das zu verstehen ist sehr wichtig. Denn wenn wir nicht einmal das Leiden in uns selbst sehen, wie können wir dann das Leiden der anderen Lebewesen wahrnehmen? Und wenn wir nicht für uns selbst Leidfreiheit wünschen, wie können wir dann den Wunsch entwickeln, andere vom Leiden zu befreien? ... Quelle: MITGEFUHL ÜBEN, SICH DEM LEIDEN ÖFFNEN, Geshe Pema Samten


LG mkha´
mkha' hat geschrieben:
Hallo Karnataka,

Du schreibst:

Die Meditationstechniken des Mahayana meinen keine Liebe und kein Mitgefühl für sich selbst! Sämtliche Bemühungen basieren darauf, Liebe und Mitgefühl für andere zu entwickeln.


Sag mal, kann es sein, dass Du Dich da verhört hast? Wie sollen wir, ohne unsere eigenen Schwächen zu akzeptieren, unsere Vorzüge zu erkennen, und uns selbst dann so anzunehmen, wie wir nun einmal sind, andere Menschen mit all ihren Vorzügen und vermeintlichen Schwächen annehmen, und ihnen Liebe und Mitgefühl entgegenbringen können?

Wer Mitgefühl entwickeln möchte, muss sich zunächst mit dem eigenen Leiden konfrontieren und diese Situation dann auf andere übertragen.

Der tibetische Meister Je Tsongkhapa beschreibt in einem Text über den „Stufenweg zur Erleuchtung“ (tib. lam rim) eindringlich, dass wir uns immer wieder bemühen müssen, über die Nachteile der Wahren Leiden zu kontemplieren. Tun wir das nicht, wird in uns niemals der tiefe Wunsch nach Befreiung daraus entstehen können. ... Das zu verstehen ist sehr wichtig. Denn wenn wir nicht einmal das Leiden in uns selbst sehen, wie können wir dann das Leiden der anderen Lebewesen wahrnehmen? Und wenn wir nicht für uns selbst Leidfreiheit wünschen, wie können wir dann den Wunsch entwickeln, andere vom Leiden zu befreien? ... Quelle: MITGEFUHL ÜBEN, SICH DEM LEIDEN ÖFFNEN, Geshe Pema Samten


LG mkha´


Hallo mkha,

Achtsamkeit gegenüber den eigenen Gedanken, Gefühlen, Motivationen, Empfindungen ist die Grundlage für eine gelungene Interaktion mit anderen Menschen. Deine Quelle scheint mir nicht von der Meditation Liebevoller Güte und Mitgefühl zu handeln, sondern von Achtsamkeitsmeditation.

Neben der buddhistischen Achtsamkeitsmeditation kann man auch über Vergänglichkeit, Leiden, Leerheit und Ich-Losigkeit meditieren.

Für die Meditation Liebevoller Güte und Mitgefühl gilt jedoch, dass sie sich auf andere Menschen (Lebewesen) richten soll, nicht auf uns selbst, behaupte ich.

Lieben Gruß.
Nun denn, Karnataka, wenn ich Dich also recht verstehe, soll man lediglich für die anderen Liebe und Mitgefühl entwickeln, nicht aber für sich selbst.

Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung sagen, dass die Menschen, die für sich selbst keine Liebe und kein Mitgefühl entwickeln, auch keine wirkliche Liebe und Mitgefühl für andere entwickeln können. Ich habe in meinem Leben schon sehr viele Menschen kennengelernt. Und jene, die da mit sich selbst keine Liebe und kein Mitgefühl hatten, die hatten auch keine wirkliche Liebe und kein Mitgefühl für andere. Und jene, die keine Liebe und kein Mitgefühl für andere hatten, die hatten auch keine wirkliche Liebe und Mitgefühl mit sich selbst. Ist halt meine persönliche Erfahrung.

Jemand, der also spricht:

Mögen alle Wesen glücklich sein.

Müsste somit nach Deinem Verständnis eigentlich sagen:

Mögen alle Wesen glücklich sein, ausser mir selbst.

Liebe Grüsse
Freeman reloaded hat geschrieben:
Nun denn, Karnataka, wenn ich Dich also recht verstehe, soll man lediglich für die anderen Liebe und Mitgefühl entwickeln, nicht aber für sich selbst.

Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung sagen, dass die Menschen, die für sich selbst keine Liebe und kein Mitgefühl entwickeln, auch keine wirkliche Liebe und Mitgefühl für andere entwickeln können. Ich habe in meinem Leben schon sehr viele Menschen kennengelernt. Und jene, die da mit sich selbst keine Liebe und kein Mitgefühl hatten, die hatten auch keine wirkliche Liebe und kein Mitgefühl für andere. Und jene, die keine Liebe und kein Mitgefühl für andere hatten, die hatten auch keine wirkliche Liebe und Mitgefühl mit sich selbst. Ist halt meine persönliche Erfahrung.

Jemand, der also spricht:

Mögen alle Wesen glücklich sein.

Müsste somit nach Deinem Verständnis eigentlich sagen:

Mögen alle Wesen glücklich sein, ausser mir selbst.

Liebe Grüsse

Einstellung zu anderen Menschen (in) Anfängerbereich

In der Meditation Liebevoller Güte sollten wir versuchen, unser Herz für unsere Mitmenschen zu öffnen. Ich habe den Nutzen, den ein solches Training für uns selbst bringt, in den letzten Wochen sehr ausführlich zu begründen versucht. Du findest meine Beiträge zu gerade unserem Thema, wenn du dem link folgst.

Dass man sich im Meditationsrahmen von Mitgefühl und Liebevoller Güte um ein selbstloses Gefühl des Gernhabens und eine altruistische Einstellung bemühen soll, scheint dem Alltagsverständnis vom eigenen Wohl zu widersprechen.

Um dies sinnvoll zu diskutieren, wäre es daher vorteilhaft, wenn du selbst praktizierst. Wenn du es nämlich schaffst, ein solches Gefühl in dir herzustellen und ein bisschen auszudehnen, dann empfindest du vielleicht eine Wirkung, die dich überzeugt.

(Übrigens passt ein solches Bemühen auch zur buddhistischen Metaphysik, würde ich meinen. Ich möchte hier jedoch keine Diskussion über Metaphysik führen.)
Ah ok, vielen Dank für Deine, sicherlich gut gemeinten, Ratschläge.
Immerhin stehe ich mit meiner Haltung nicht völlig allein da, es gibt noch andere "Praktizierende ", welche die liebevolle-Güte-Meditation genauso "praktizieren", wie ich. Hier zB das Tibet Haus unter der Schirmherrschaft des Dalai Lama:

" 1.Schritt: Sich selbst lieben"

http://tinyurl.com/hevq9oe

Oder die Pagode Phat Hue (Zen-B uddhistisches Kloster), da wird bereits Kindern die liebende-Güte Meditation zu sich selbst gelehrt:

http://www.phathue.de/buddhismus/praxis ... ur-kinder/

Hier die Metta-Meditation, wie Bhante Vimalaramsi sie lehrt:

" Liebende-Güte- (in Pali: Metta-) Meditation beginnt damit, sich selbst liebende und freundliche Gedanken zu senden. Erinnere dich an eine Zeit, als du glücklich warst. Wenn das Glücksgefühl aufkommt, erscheint es als warmes, strahlendes Gefühl im Zentrum deiner Brust. Dann wünsche dir von Herzen Glück und denke: »Möge ich glücklich sein« … »Möge ich voll Freude sein« … »Möge ich friedlich und ruhig sein« … »Möge ich heiter und freundlich sein« und so weiter..."

http://library.dhammasukha.org/uploads/ ... r-2006.pdf

Usw usw usw.
"Keine Liebe und kein Mitgefühl für sich selbst"...

Soll ich Dir sagen, wonach das riecht? Das riecht nach harten Kirchenbänken, nach muffigen Beichtstühlen und Gebetbüchern und "selbstloser" Selbstzüchtigung.
Absolut genial :like: :like: :like:

Ja, ich befolge Deinen Rat und schenke mir jeden Tag Liebe und Mitgefühl. Ich brauche dazu nicht viel, in der Hauptsache gebe ich mir Liebe durch Lachen und Grinsen und Giggeln, jeden Tag eine gesunde Prise davon (manchmal auch eine Überdosis), indem ich zB solch geniale Essays lese, wie diesen hier von Dir. Und so fühle ich mich dann ganz entspannt und geschmeidig und die Menschen, denen ich begegne, spüren das und lächeln zuverlässig zurück, wenn ich lächle. Liebe und Mitgefühl sind wie ein Licht, das zwar nix kostet, aber unmöglich zu erzwingen ist. Aus einem verzagten Arsch kommt nunmal kein fröhlicher Pfurz. Der Buddha musste zuallererst sich selbst befreien, bevor er anderen helfen konnte, sich selbst zu befreien.

Ich finds übrigens gut, dass heutzutage Kinder nicht mehr so geprügelt werden, wie früher. Man sollte Kinder niemals schlagen oder sonstwie terrorisieren. Wer schlägt, züchtet Hass, züchtet eine Hasss- und Gewaltspirale. Kinder, die geschlagen oder sonstwie terrorisiert werden (auch schwafelnde Pädagogen sind Terroristen), werden es im Leben sehr schwer haben, sich selbst und andere lieben zu können.

Vielen Dank nochmal für Deine humorigen Reply :mrgreen:
Hey, Karnataka, wo ist Dein Essay geblieben?! Warum hast Du ihn gelöscht? Jetzt steht mein Reply nackich da :mrgreen:

Com on, hau Deinen Essay wieder raus, der war einfach zu genial, Du solltest uns Dein Genie hier nicht vorenthalten :!:
Vielleicht hat er ja seinen
Denkfehler selber
ekannt = Erkenntnis :rainbow:
Ich dachte auch mal ich müsste lieber selber leiden für andere .
Aber das ist nur selbst Zerstörung
Und hat nichts mit Ich - los zu tun !

LG :sunny:
citröen hat geschrieben:
Vielleicht hat er ja seinen
Denkfehler selber
ekannt = Erkenntnis :rainbow:
Ich dachte auch mal ich müsste lieber selber leiden für andere .
Aber das ist nur selbst Zerstörung
Und hat nichts mit Ich - los zu tun !

LG :sunny:
Das ist einfach zu lösen aber schwer durchzuführen. Weder zuneigen noch nicht zuneigen. Beim dieses üben erscheint Mitgefühl und dann ist da was "drunter" bedingungslose Liebe. Da gibt es dann weder das Zuneigung noch Mitgefühl. Das wirklich umarmen des Lebens.
Vielleicht war es doch nur ein gegenseitiges Missverstehen, oder ein Aneinander-vorbei-reden, ...

Dazu fällt mir etwas Grundsätzliches ein: Einer meiner Lehrer betonte, dass es wichtig sei, dass ein jeder die Lehrmeinungen und Lehrmeinungsverkünder anderer Schulen respektiere. Im alten Tibet z.B. sandten die Äbte der Klöster ihre "Adepten" zum Erlernen spezieller Lehren in Klöster anderer Schulen/Linien. ... Er legte mir ans Herz, stets Folgendes zu beachten: "Beim Hausbau beginnt niemand mit dem Dach. Buddha drehte das Rad der Lehre dreimal, damit jede Lehre, vom Theravada bis zum Dzogchen, wohlverstanden und mit altruistisch liebendem Mitgefühl verbunden Früchte trägt." So wird das gegenseitige Verstehen gestärkt, Fehlinterpretationen vermieden, und das Weiterleben des Dharma gefördert.
Ellviral hat geschrieben:
citröen hat geschrieben:
Vielleicht hat er ja seinen
Denkfehler selber
ekannt = Erkenntnis :rainbow:
Ich dachte auch mal ich müsste lieber selber leiden für andere .
Aber das ist nur selbst Zerstörung
Und hat nichts mit Ich - los zu tun !

LG :sunny:
Das ist einfach zu lösen aber schwer durchzuführen. Weder zuneigen noch nicht zuneigen. Beim dieses üben erscheint Mitgefühl und dann ist da was "drunter" bedingungslose Liebe. Da gibt es dann weder das Zuneigung noch Mitgefühl. Das wirklich umarmen des Lebens.



:hug:
Freeman reloaded hat geschrieben:
Jemand, der also spricht:

Mögen alle Wesen glücklich sein.

Müsste somit nach Deinem Verständnis eigentlich sagen:

Mögen alle Wesen glücklich sein, ausser mir selbst.

Liebe Grüsse


Im Bezug auf andere Leute muss man zwischen dem unterscheiden, was der andere zu brauchen meint, und was ihm wirklich abgeht. Also z.B dass man seinem Kind mehr hilft, wenn man es ihn den Arm hilft, statt dass man ihm die Süssigkeiten kauft, nach denen es jammert.

Im Bezug auf einen selbst ist das viel schwieriger. Auch wenn man denkt "Mitgefühl" zu üben kann man am Ende bei einem "Selbstmitleid" landen, bei dem man sich selber und die unerwünschten Wünsche bejammert. "Selbstmitleid" ist sozusagen Mitgefühl fürs Ego, und es ist das was vermeiden werden soll.

Während der Wusch man möge selber glücklich sein, sinnvoll und wichtig ist. Das ast du vollkommen recht.
Wenn man das "sich selber lieben" so auffasst dass man sich mitsamt etwaiger unheilsamer Eigenschaften liebt, dann wird da nicht viel weitergehen. Ich fasse es so auf, dass man sich selber Heilsames wünscht, wie auch allen anderen. Und dass man Zuversicht hat dass das Potential zur Erleuchtung in einem ist.
mukti hat geschrieben:
Wenn man das "sich selber lieben" so auffasst dass man sich mitsamt etwaiger unheilsamer Eigenschaften liebt, dann wird da nicht viel weitergehen. Ich fasse es so auf, dass man sich selber Heilsames wünscht, wie auch allen anderen. Und dass man Zuversicht hat dass das Potential zur Erleuchtung in einem ist.



Wie wäre es mit "Selbstmitgefühl" ?
Mein Lehrer, ein Tibetischer Mönch, erklärte es vom Mahayana-Standpunkt aus, wie folgt: nicht ablehnen, nicht begehren. Das, was ist, so, wie es ist, annehmen, und nach bestem Wissen und Können das uns Bestmögliche daraus machen.

Das heißt hier speziell, wir nehmen uns an, mit allen vermeintlichen Vorzügen und Nachteilen, um, (ohne zu klagen und das, was ist abzulehnen; ohne Änderung dessen, was ist, zu begehren), aus dem, was wir vorzuweisen haben, nach den Vorgaben, die der Buddha lehrte, das Beste zu machen.

Im Vajrayana (und weiteren Lehren) ist das nochmal anders, ... Wichtig zu verinnerlichen: die Lehrmeinungen stimmen in den Wesentlichen Aussagen (Vier Wahrheiten, Achtfacher Pfad, etc.) überein, Abweichendes ist (zumindest m.E. hauptsächlich) der Verwendung der Kommentarliteratur, so wie den historischen, geographischen und kulturellen Besonderheiten geschuldet.
Sherab Yönten hat geschrieben:
mukti hat geschrieben:
Wenn man das "sich selber lieben" so auffasst dass man sich mitsamt etwaiger unheilsamer Eigenschaften liebt, dann wird da nicht viel weitergehen. Ich fasse es so auf, dass man sich selber Heilsames wünscht, wie auch allen anderen. Und dass man Zuversicht hat dass das Potential zur Erleuchtung in einem ist.



Wie wäre es mit "Selbstmitgefühl" ?


Klingt gut, mit "Mitgefühl" verbindet man im buddhistischen Kontext auch was anderes als mit dem recht weitgesteckten Begriff "Liebe". Z.B. "Eigenliebe" bezeichnet eher Egoismus.
Freeman reloaded hat geschrieben:
"Keine Liebe und kein Mitgefühl für sich selbst"...

Soll ich Dir sagen, wonach das riecht? Das riecht nach harten Kirchenbänken, nach muffigen Beichtstühlen und Gebetbüchern und "selbstloser" Selbstzüchtigung.


Ich relativere meine Ansicht. Natürlich ist gar nichts dagegen einzuwenden, sich selbst Liebe und Mitgefühl zu schenken! Mein Bedenken ist bloß, dass es dann auch beim Selbst-Mitgefühl bleibt, statt als Selbst-Mitgefühl nur Ausgangspunkt zu sein. Dann aber bleibt ebenso die Bemühung und Erfahrung aus, auf die es eigentlich ankommt, denke ich.

Denn sich vom Eigeninteresse ein wenig abzuwenden, ist ja nicht ganz leicht. Ein vollkommen uneigennütziges Gernhaben für andere Menschen zu empfinden, eine Stimmung der Verbundenheit und altruistische Motivation herzustellen, sehe ich durchaus als Herausforderung, besonders auch für mich.

Das Argument „Zuerst müssen wir uns doch selbst lieben“ sollte also nicht bloß den Unwillen verdecken, sich tatsächlich um eine Stimmung der Sympathie für andere zu bemühen, denke ich.

Ich habe im Vorfeld immer wieder den Nutzen thematisiert, den ein Überwinden der eigenen Egozentrik in der Meditation nach meiner Ansicht bringt, und auf diese Beiträge extra hingewiesen. Der Ausschnitt, den du zitierst, lautet als ganzer Satz, dass die Meditation des Mitgefühls kein Mitgefühl für sich selbst meint. Das intendiert keineswegs, es an Selbst-Fürsorge fehlen zu lassen.

Du schreibst jedoch, dass es nach Selbstzüchtigung riecht. Warum ist es gleich Selbstzüchtigung, wenn man sich einmal am Tag bemüht, mal nicht in erster Linie an sich selbst zu denken? Liebevolle Güte und Mitgefühl für andere – siehst du das als Bedrohung oder Qual?

Das Empfinden Liebevoller Güte für andere scheint mir dagegen eine Wohltat für uns selbst. Wir selbst sind die ersten Nutznießer davon, so schreibt der DL und begründet dies ausführlich. Dagegen sind die Pflege des geliebten Selbstbilds oder aber die ständige Bekümmerung um sich selbst keineswegs nur positiv zu sehen.
"Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" scheint mir da ein passender Ausspruch zu sein. Man kann andere nur lieben wenn man sich selbst liebt, und nur sich selbst lieben wenn man andere liebt. Wie soll man sich auch selber lieben wenn man ein rücksichtsloser Egoist ist der nur an sich selber denkt. Das ist Verblendung, weil jeder Teil eines Ganzen ist. Teil einer Familie, einer Gemeinschaft, eines Volkes, der Menschheit, aller Lebewesen, des Alls. Nur von anderen Wesen und der Umwelt etwas zu seiner eigenen Freude herauszuziehen, führt zu innerer Isolation, Verhärtung und Frustration. Sich selbst etwas zurücknehmen und an andere denken wirkt lösend und reinigend, eine Befreiung aus dem Ego-Käfig. Ein spiritueller Lehrer hat mir mal erzählt dass er sich einen Zettel über den Tisch gehängt hat mit den Worten: "Nicht ich, sondern du". Ich fand diese Haltung damals sehr hilfreich, heute würde ich eher sagen: "Du ebenso wie ich." Auf jeden Fall sollte man ein mitfühlendes Herz entwickeln und bewahren, und da sehe ich unter anderen im Dalai Lama ein großes Vorbild.

Diese Dinge sind auch im Christentum durch die Jahrhunderte mehr oder weniger lebendig geblieben. Man muss nicht alles völlig ablehnen weil es da auch viel Unheilsames gegeben hat. Ich denke vielmehr dass sich diese Weisheiten und Tugenden des Herzens, wie sie sich neben all den Untaten im Christentum auch sehr entwickelt haben, recht gut mit dem Buddha Dhamma vertragen.
Man nehme nur das Gleichnis von der Säge in Majjhima Nikāya 21:

Selbst wenn, meine Bhikkhus, Räuber und Mörder mit scharfer Säge euch ein Glied nach dem andern abtrennten und ihr darüber in eurem Gemüte ergrimmtet, würdet ihr nicht meine Weisung erfüllen. Auch in diesem Falle müßt ihr euch so üben: <Nichts Unrechtes wollen wir denken, kein böses Wort soll uns entfahren, freundlich und mitleidig wollen wir bleiben, gütig gesinnt, ohne heimlichen Haß, und diesen Menschen wollen wir mit gütiger Gesinnung durchdringen, und von ihm ausgehend wollen wir die ganze Welt mit gütiger Gesinnung durchdringen, mit alles umfassender, großer, grenzenlos friedlicher und freundlicher Gesinnung.> So sollt ihr euch üben.
Karnataka hat geschrieben:
Mein Bedenken ist bloß, dass es dann auch beim Selbst-Mitgefühl bleibt, statt als Selbst-Mitgefühl nur Ausgangspunkt zu sein.


"Selbst-Mitgefühl" ist nur der Beginn eines Prozesses. Man kann es vergleichen mit den Sicherheitsinstruktionen im Flugzeug:

"Sollte es zu einem Druckabfall in der Kabine kommen, öffnet sich eine Deckenklappe über Ihnen und Sauerstoffmasken kommen zum Vorschein.In diesem Fall ziehen Sie eine Maske schnell zu sich heran und platzieren diese fest auf Mund und Nase. Danach helfen Sie Kindern und hilfsbedürftigen Personen."

Erst selbst die Sauerstoffmaske aufsetzen (Selbst-Mitgefühl), um dann anderen effektiv helfen zu können (Mitgefühl für andere). Selbst Mitgefühl zur Befriedigung des Egos ist kein Mitgefühl.
mukti hat geschrieben:
Man nehme nur das Gleichnis von der Säge in Majjhima Nikāya 21:

Selbst wenn, meine Bhikkhus, Räuber und Mörder mit scharfer Säge euch ein Glied nach dem andern abtrennten und ihr darüber in eurem Gemüte ergrimmtet, würdet ihr nicht meine Weisung erfüllen. Auch in diesem Falle müßt ihr euch so üben: <Nichts Unrechtes wollen wir denken, kein böses Wort soll uns entfahren, freundlich und mitleidig wollen wir bleiben, gütig gesinnt, ohne heimlichen Haß, und diesen Menschen wollen wir mit gütiger Gesinnung durchdringen, und von ihm ausgehend wollen wir die ganze Welt mit gütiger Gesinnung durchdringen, mit alles umfassender, großer, grenzenlos friedlicher und freundlicher Gesinnung.> So sollt ihr euch üben.

Tut nichts zur Sache, ich erzähle nur zwecks Plaudern.

Als ich im Sommer eine Woche am Dachstein wanderte, war ich von der Schönheit der Natur in manchen Momenten tief ergriffen. Dabei spielte vermutlich auch eine Rolle, dass die Tour körperlich sehr anstrengend war. Die erste Tagesetappe war jedoch falsch bemessen und wurde so zur echten Tortur, bis ich schlussendlich völlig erledigt die Hütte zur Übernachtung erblickte. Zwar erblickten wir sie, doch trennte uns ein weiterer tiefer Abgrund und neuerlicher steiler Anstieg von ihr.

Bei diesem letzten Aufstieg begleitete mich ein intensives Gefühl. Es war jedoch nicht die Liebe, die mich die allerletzten Kräfte mobilisieren ließ. Im Gegenteil war ich zutiefst erfüllt von Hass. :evil: Schlussendlich am Ziel war ich dann nur mehr fassungslos.

So gesehen hat also selbst der Hass sein Gutes!
Karnataka hat geschrieben:
Als ich im Sommer eine Woche am Dachstein wanderte, war ich von der Schönheit der Natur in manchen Momenten tief ergriffen. Dabei spielte vermutlich auch eine Rolle, dass die Tour körperlich sehr anstrengend war. Die erste Tagesetappe war jedoch falsch bemessen und wurde so zur echten Tortur, bis ich schlussendlich völlig erledigt die Hütte zur Übernachtung erblickte. Zwar erblickten wir sie, doch trennte uns ein weiterer tiefer Abgrund und neuerlicher steiler Anstieg von ihr.

Bei diesem letzten Aufstieg begleitete mich ein intensives Gefühl. Es war jedoch nicht die Liebe, die mich die allerletzten Kräfte mobilisieren ließ. Im Gegenteil war ich zutiefst erfüllt von Hass. :evil: Schlussendlich am Ziel war ich dann nur mehr fassungslos.

So gesehen hat also selbst der Hass sein Gutes!


Manchmal erlebe ich dass ein starkes Unmutsgefühl eine nötige Energie liefern kann. Das richtet sich dann kaum gegen andere, es ist eher so ein allgemeines Gefühl von Hass bzw. Grimm auf alles oder das Leben. Ich versuche das dann möglichst bewusst einzusetzen und wenn das Ziel erreicht ist, gleich fallenzulassen, und nicht zu denken - toll, Hass ist sehr hilfreich. Vielleicht erlebe ich das so aus Mangel an anderen Möglichkeiten Energie zu mobilisieren - obwohl es die auch geben würde.
Freeman reloaded hat geschrieben:
Immerhin stehe ich mit meiner Haltung nicht völlig allein da, es gibt noch andere "Praktizierende ", welche die liebevolle-Güte-Meditation genauso "praktizieren", wie ich. Hier zB das Tibet Haus unter der Schirmherrschaft des Dalai Lama:

" 1.Schritt: Sich selbst lieben"

http://tinyurl.com/hevq9oe

Allerbesten Dank für diesen Link - ganz besonders schön und treffend geschrieben, worum es eigentlich geht... :) :rainbow:

Freeman reloaded hat geschrieben:
Oder die Pagode Phat Hue (Zen-B uddhistisches Kloster), da wird bereits Kindern die liebende-Güte Meditation zu sich selbst gelehrt:

http://www.phathue.de/buddhismus/praxis ... ur-kinder/

Wenn die Kinder mal Interesse dafür haben... aber die zeigen oft ganz natürliche liebende Güte... :)

Freeman reloaded hat geschrieben:
Hier die Metta-Meditation, wie Bhante Vimalaramsi sie lehrt:

" Liebende-Güte- (in Pali: Metta-) Meditation beginnt damit, sich selbst liebende und freundliche Gedanken zu senden. Erinnere dich an eine Zeit, als du glücklich warst. Wenn das Glücksgefühl aufkommt, erscheint es als warmes, strahlendes Gefühl im Zentrum deiner Brust. Dann wünsche dir von Herzen Glück und denke: »Möge ich glücklich sein« … »Möge ich voll Freude sein« … »Möge ich friedlich und ruhig sein« … »Möge ich heiter und freundlich sein« und so weiter..."

http://library.dhammasukha.org/uploads/ ... r-2006.pdf

Usw usw usw.


Vielen Dank auch dafür. :) :like:

... und lies mal Seite 18 "sich nicht an Ansichten klammert" - fällt mir auch nicht immer leicht, v.a. in Bezug auf Andere... :wink:

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