Loslassen im Alltag

Moderator: Jojo

Monday hat geschrieben:
Aber an positiven anzuhaften - das geht?


Das Festhalten an positiven Gefühlen ist natürlich auch eine Form von Gier! :)
Monday hat geschrieben:
Sherab Yönten hat geschrieben:
Nicht mehr anzuhaften an negative Emotionen wie Gier, Hass u.s.w. gehört zu den wichtigsten praktischen Übungen im Buddhismus.

Aber an positiven anzuhaften - das geht?

Das "anhaften" steht für "für-wahr-Halten" oder "als inhärent existent wahrnehmen". Grundsätzlich geht nur "alles oder nichts", d.h. eine Differenzierung nach "jenes möchte ich für wahr halten aber dieses nicht" ist unmöglich. Warum? Weil der mentale Faktor, der dem "für-wahr-Halten" bzw "anhaften" enspricht entweder aktiv oder inaktiv ist. Ist er aber aktiv, ist eine solche willentliche Differenzierung nicht möglich.
Stero hat geschrieben:
Das "anhaften" steht für "für-wahr-Halten" oder "als inhärent existent wahrnehmen". Grundsätzlich geht nur "alles oder nichts", d.h. eine Differenzierung nach "jenes möchte ich für wahr halten aber dieses nicht" ist unmöglich. Warum? Weil der mentale Faktor, der dem "für-wahr-Halten" bzw "anhaften" enspricht entweder aktiv oder inaktiv ist. Ist er aber aktiv, ist eine solche willentliche Differenzierung nicht möglich.


Das ist glatter Unsinn.
Die funktionellen Geistfaktoren (ein/aus) sind zu unterscheiden von den Geistfaktoren, die mentale Eigenschaften und deren Werte dokumentieren.
Die mentalen Eigenschaften sind abhängig von:
Karma > heilsam oder unheilsam...
den Objekten...
den äußeren Gegebenheiten...
was dann zu dem zentralen Ausdruck > angenehmer, unangenehmer oder indifferenter Gefühle führt.

Das Begehren/Anhaften richtet sich nicht nach den Objekten direkt, sondern an die Gefühle, die die Objekte hervorbringen und die können schwächer oder stärker ausgeprägt sein, dementsprechend verhält sich auch das Begehren/Anhaften.
hedin02 hat geschrieben:
Das ist glatter Unsinn.

Das fällt unter "Meinungsfreiheit". ;)
Stero hat geschrieben:
Das fällt unter "Meinungsfreiheit".


Verstehe schon, nur im seichten Wasser fischen……….
….wenn man nicht schwimmen kann. 8)
Stero hat geschrieben:
Das "anhaften" steht für "für-wahr-Halten" oder "als inhärent existent wahrnehmen".

Logisch betrachtet ist der zitierte Satz eine Aussage mit drei Operanden: "anhaften", "für-wahr-Halten" und "als inhärent existent wahrnehmen". Völlig nebulös ist allerdings, was die Junktoren in diesem Satz besagen sollen. Welche Beziehung zwischen "anhaften" einerseits und "für-wahr-Halten" oder "als inhärent existent wahrnehmen" andererseits soll "steht für" ausdrücken? Eine Subjunktion, eine Bisubjunktion oder eine Konjunktion? Wobei da zunächst zu klären wäre, für was wiederum das "oder" stehen soll. Anders gefragt: "steht" "anhaften" für entweder "für-wahr-Halten" oder für "als inhärent existent wahrnehmen" - oder soll das "oder" in "für-wahr-Halten" oder "als inhärent existent wahrnehmen" eine Tautologie ausdrücken? "Steht" "anhaften" also nach Deiner Auffassung für (mindestens zwei) verschiedene Sachverhalte - i.e. "für-wahr-Halten" und "als inhärent existent wahrnehmen" oder ist "für-wahr-Halten" und "als inhärent existent wahrnehmen" nach Deiner Auffassung identisch bzw. das Eine notwendig durch das Andere bedingt? Wenn ja - was inkludiert was? Das "als inhärent existent wahrnehmen" das "für-wahr-Halten" (was immerhin etwas mehr Sinn ergibt als umgekehrt)? Wobei natürlich interessant wäre zu wissen, ob das "für-wahr-Halten" hier ein 'falsch' implizieren soll - also irrtümliches "für-wahr-Halten" gemeint ist - oder lediglich eine spekulative Aussage ohne hinreichenden Grund. Dass hier psychologische, epistomologische und ontologische Kategorien bunt durcheinandergewürfelt werden, trägt zur Klarheit der Aussage auch nicht gerade bei.

Weiterhin wären noch zumindest zwei Fragen semantischer Natur zu klären. Zunächst: wie ist "wahr" in diesem Kontext zu verstehen? Einen (unvollständigen) Überblick über mögliche Definitionen des Begriffs "wahr" findet man beispielsweise hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit# ... 9Cberblick . Grundsätzlich ist es natürlich zumindest problematisch, Gefühlen wie Gier und Hass (denn um das Anhaften an diesen Gefühlen ging es ja) einen Aussagewert "wahr" bzw. "falsch" zuzuweisen. Gefühle sind nun einmal Gefühle und keine Aussagen. Das Thema "falsche" und "wahre" Gefühle sollte man besser den Autoren und Konsumenten schnulziger Liebesromane überlassen. Die zweite Frage wäre, was genau unter "inhärent existent" verstanden werden soll und was dieses "inhärent existent" von einem bloßen "existent" unterscheidet - welche Beziehung also zwischen "inhärent existent" und "existent" vorgestellt ist. Anders ausgedrückt: welcher Inhärenzbegriff wird hier verwendet? Ein westlicher, z.B. der Kants? Oder doch das samavāya der Prasangika-Madhyamika (das wiederum von der Vaiśeṣika-Philosophie übernommen wurde)? Da man bei Vielen hier eine Vertrautheit mit dem Begriff 'Inhärenz' bzw. seiner Begriffsgeschichte nicht voraussetzen kann, wäre eine Begriffsklärung hilfreich - sofern tatsächlich eine Intention, verstanden zu werden vorliegt, die wiederum voraussetzt, dass es da wirklich etwas zu verstehen gibt (an beidem hege ich nicht nur gelinde Zweifel). Und eine Intention, zu verstehen, was Du da schreibst. Nicht, dass ich Letzteres für sinnvoll hielte - der absehbare Ertrag scheint mir der Mühe nicht wert.

()
@ Sudhana
Danke für den sachlichen und konstruktiven Text. Ganz wichtig erscheint mir die Auseinandersetzung mit dem Ego bzw. der Ich-zentrierten Wahrnehmung. Selbstreflexion ist hier das Stichwort. Hätte der ein- oder andere die Bereitschaft dazu, gäbe es hier nicht so viele destruktive Beiträge...
Sonnige Grüße
Stero hat geschrieben:
hedin02 hat geschrieben:
Das ist glatter Unsinn.

Das fällt unter "Meinungsfreiheit". ;)


Fürwahr, fürwahr!!
Hallo,
dies ist auch einer meiner Lieblingsthemen.
Während der Vertiefung ist die Gefühlsbeobachtung bei der Einsicht zu finden. Früher habe ich die aufgetretenen Gefühle und Gedanken gesammelt und aufgelöst. Da wurde mir empfohlen, damit aufzuhören. Die andere Methode ist, einfach die Gedanken und Gefühle zu beobachten wie sie entstehen, bestehen und vergehen. Es kann eine Weile dauern bis sie von selbst kommen. Auf keinen Fall forcieren.
Ich möchte mir auch der Körperbewegungen bewusst sein,das ist für mich aber nicht so leicht.
Was Gedanken und Gefühle im Alltag angeht, ist es relativ einfach sie wahrzunehmen und sie in heilsam, unheilsam oder weder noch heilsam noch unheilsam, einzuordnen.

sakko
Als Theravada Buddhist habe ich eine Meinung zu diesem Thema. Es ist sehr wichtig, von Augenblick zu Augenblick Bewusstsein zu praktizieren, so dass wir die Entstehung unserer destruktiven Emotionen nicht verpassen. Wenn wir nicht wissen, wird die Emotion steigen, bevor wir die Chance haben, es zu lassen. So ist Bewusstsein ein zwingender Teil des Prozesses des Loslassens.
Mohan Gnanathilake hat geschrieben:
Als Theravada Buddhist habe ich eine Meinung zu diesem Thema. Es ist sehr wichtig, von Augenblick zu Augenblick Bewusstsein zu praktizieren, so dass wir die Entstehung unserer destruktiven Emotionen nicht verpassen. Wenn wir nicht wissen, wird die Emotion steigen, bevor wir die Chance haben, es zu lassen. So ist Bewusstsein ein zwingender Teil des Prozesses des Loslassens.


Kannst du das näher erklären welche Art Bewusstsein da zu praktizieren ist und wie? Was muss man wissen um die Emotion nicht zu ergreifen?
mukti hat geschrieben:
Mohan Gnanathilake hat geschrieben:
Als Theravada Buddhist habe ich eine Meinung zu diesem Thema. Es ist sehr wichtig, von Augenblick zu Augenblick Bewusstsein zu praktizieren, so dass wir die Entstehung unserer destruktiven Emotionen nicht verpassen. Wenn wir nicht wissen, wird die Emotion steigen, bevor wir die Chance haben, es zu lassen. So ist Bewusstsein ein zwingender Teil des Prozesses des Loslassens.


Kannst du das näher erklären welche Art Bewusstsein da zu praktizieren ist und wie? Was muss man wissen um die Emotion nicht zu ergreifen?


Vielleicht möchtest du viel Spaß haben. Wie würdest du diesen Wunsch ohne Abneigung beiseite legen? Erkenne einfach den Wunsch, ohne es zu beurteilen. Du kannst darüber nachdenken, es loszuwerden, weil du dich schuldig fühlst, dass du ein solches dummes Verlangen hast, aber du legst es einfach beiseite. Dann, wenn du es siehst, wie es ist, erkennst du, dass es nur Wunsch ist. Du bist nicht mehr daran befestigt.
Mohan Gnanathilake hat geschrieben:
mukti hat geschrieben:
Kannst du das näher erklären welche Art Bewusstsein da zu praktizieren ist und wie? Was muss man wissen um die Emotion nicht zu ergreifen?


Vielleicht möchtest du viel Spaß haben. Wie würdest du diesen Wunsch ohne Abneigung beiseite legen? Erkenne einfach den Wunsch, ohne es zu beurteilen. Du kannst darüber nachdenken, es loszuwerden, weil du dich schuldig fühlst, dass du ein solches dummes Verlangen hast, aber du legst es einfach beiseite. Dann, wenn du es siehst, wie es ist, erkennst du, dass es nur Wunsch ist. Du bist nicht mehr daran befestigt.


Der Wunsch wird als dumm erkannt, wenn man weiß dass seine Erfüllung nur zeitweiliges Glück ist auf das wiederum Leid folgt. Dieses Wissen reicht aber meistens nicht aus um den starken Trieb des Verlangens beiseitezulegen. Der Wunsch ist stärker, er treibt die Welt an und hält die Wesen im Samsara. Der Wunsch nach Befreiung muss größer werden als alle anderen Wünsche, das braucht wohl eine sehr lange Zeit der Entwicklung von Weisheit, Millionen von Leben und Leiden.
Moin,
keine Ahnung, ob es Millionen Leben braucht, um diese Weisheit zu entwickeln. Kann ja sein. Aber diese Aussage ist wenig hilfreich, könnte doch jemand glauben, er/sie schaffe es nicht, weil er/sie noch nicht genug Leben durchlaufen hat.

Aber vielleicht ist ein Funke davon in jedem von uns enthalten. Dann braucht es entsprechende Erfahrungen, entsprechende Umweltbedingungen, Freunde, um den Wunsch zu haben, diese Weisheit zu entwickeln.

Mit Beginn dieses "Bewusstwerdens/-seins" habe ich bereits Entspannung im Brustraum empfunden, so dass ich diese sofort als Antwort erlebte. Dann habe ich mich darin geübt, zuerst oft vergessen, aber bei jeder lehrreichen Erfahrung sofort wieder aktiviert. Ich hatte sogar das Empfinden, dass die "Läuterung" in Schwung kommt, sobald dieses Bewusstsein sich manifestiert - das heißt, ich fühlte mich geführt und gedrängt.
Im Laufe der Zeit wächst die Kraft, unheilsamen Wünschen zu widerstehen. Und diese Energie ist spürbar. Sie trägt. Und sie ist sofort - sozusagen auf Knopfdruck - verfügbar. Das behaupte ich.
_()_ Monika
mukti hat geschrieben:
Mohan Gnanathilake hat geschrieben:
mukti hat geschrieben:
Kannst du das näher erklären welche Art Bewusstsein da zu praktizieren ist und wie? Was muss man wissen um die Emotion nicht zu ergreifen?


Vielleicht möchtest du viel Spaß haben. Wie würdest du diesen Wunsch ohne Abneigung beiseite legen? Erkenne einfach den Wunsch, ohne es zu beurteilen. Du kannst darüber nachdenken, es loszuwerden, weil du dich schuldig fühlst, dass du ein solches dummes Verlangen hast, aber du legst es einfach beiseite. Dann, wenn du es siehst, wie es ist, erkennst du, dass es nur Wunsch ist. Du bist nicht mehr daran befestigt.


Der Wunsch wird als dumm erkannt, wenn man weiß dass seine Erfüllung nur zeitweiliges Glück ist auf das wiederum Leid folgt. Dieses Wissen reicht aber meistens nicht aus um den starken Trieb des Verlangens beiseitezulegen. Der Wunsch ist stärker, er treibt die Welt an und hält die Wesen im Samsara. Der Wunsch nach Befreiung muss größer werden als alle anderen Wünsche, das braucht wohl eine sehr lange Zeit der Entwicklung von Weisheit, Millionen von Leben und Leiden.


Laut des Theravada Buddhismus gibt es einen großen unterschied zwischen dem Wunsch nach Befreiung und unseren anderen Wünschen im Alltag. Hier habe ich nur unsere anderen Wünsche im Alltag gemeint.
Mohan Gnanathilake hat geschrieben:
Laut des Theravada Buddhismus gibt es einen großen unterschied zwischen dem Wunsch nach Befreiung und unseren anderen Wünschen im Alltag. Hier habe ich nur unsere anderen Wünsche im Alltag gemeint.


Ja schon klar, mir scheint nur das mit dem Beiseitelegen ist nicht so einfach.

Wer ist online?

Insgesamt sind 4 Besucher online. Im Detail: 2 sichtbare Mitglieder (oder Bots), 0 unsichtbare Mitglieder und 2 Gäste
Der Besucherrekord liegt bei 214 Besuchern, die am 27.02.2017 23:21 gleichzeitig online waren.

Mitglieder in diesem Forum: Ellviral und 2 Gäste