Wie können religiöse/spirituelle Texte zum Hindernis werden?

Moderator: void

Ich gehe zunächst mal davon aus, dass die diversen, überlieferten Texte (PK, Bibel, Koran, ...) ein wertvoller Schatz für die Menschheit sind. Andererseits scheint es in allen Religionen Gruppierungen zu geben, die sich jenseits von Wort-treue in eine Art Wortverbohrtheit hinein steigern.
Irgendwo ist auch eine Grenze zum Fundamentalismus zu ziehen, den es sicher auch im Buddhismus gibt.

Wie sollte man mit den Texten umgehen und wo sind die Fallen aufgestellt?
Oftmals sind solche Texte als eine Art Poesie zu verstehen: Ohne eine intellektuelle Analyse. Eben so wie sie entstanden sind. Solche Worte stammten nicht von Logikern sondern aus einer kreativen Spontanität und sollten m.E.!!! auch so gelesen werden. Shoshin, offen, unvoreingenommen und nicht analytisch..
Sonst entsteht eben schnell diese Dogmatik, Fundamentalismus
Texte sollten darauf geprüft werden ob sie den allgemeinen Regeln der Ethik entsprechen. Eine Gefahr sehe ich darin wenn der Gemütszustand die Texte so auslegt das sie den ethischen Regeln zugunsten eigener Interessen widersprechen.
LG
Norbert :)
@kal
:like:
Erfahren, was hinter den Worten in den Texten sich befindet.
Ohne Analyse ... und damit Sythese "neuer" Aussagen. So sehe ich dies.

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Holzklotz hat geschrieben:
..., die sich jenseits von Wort-treue in eine Art Wortverbohrtheit hinein steigern.
Irgendwo ist auch eine Grenze zum Fundamentalismus zu ziehen, den es sicher auch im Buddhismus gibt.

Wie sollte man mit den Texten umgehen und wo sind die Fallen aufgestellt?

Wenn ich manche Beiträge im Buddhaland lese, dann sehen manche User etwas als Verbohrheit bei anderen, was ich als Fachkenntnis sehe. Ich finde, dass es schwierig ist, das übers Internet richtig einzustufen, insofern weiss ich nicht, ob das hier im Forum oft bei manchen Adepten ein vermeintliches Textproblem ist oder nicht oft eher ein Verständigungsproblem.

Was nich heissen soll, dass es nich vllt auch Fundis darunter gibt. Aber ich habe hier schon länger keine gesehen. Keine Ahnung obs an mir liegt.
Holzklotz hat geschrieben:
Ich gehe zunächst mal davon aus, dass die diversen, überlieferten Texte (PK, Bibel, Koran, ...) ein wertvoller Schatz für die Menschheit sind. Andererseits scheint es in allen Religionen Gruppierungen zu geben, die sich jenseits von Wort-treue in eine Art Wortverbohrtheit hinein steigern.
Irgendwo ist auch eine Grenze zum Fundamentalismus zu ziehen, den es sicher auch im Buddhismus gibt.

Wie sollte man mit den Texten umgehen und wo sind die Fallen aufgestellt?

Man fragt sich ob man selber mit Sicherheit weiß, ob eine bestimmte Lehrmeinung der Wirklichkeit entspricht oder ob man das nur für wahrscheinlich hält oder glaubt. Wenn man etwas glaubt aber nicht weiß, bleibt die Möglichkeit dass man sich irrt. Also was subjektiv richtig erscheint muss objektiv nicht richtig sein. Mit dieser Einsicht lassen sich andere Ansichten respektieren, denn sie könnten ja stimmen.
@spock und mukti
ich wollte das Thema nur mal ganz emotionslos und sachlich zur Diskussion stellen, ohne auf Mitglieder in diesem Forum hin zu deuten (was ja oft genug geschehen ist). Ihr fangt scheinbar gleich an, einen Grabenkampf hinein zu interpretieren. Sagt doch einfach eure Meinung zum Thema, anstatt die Ebene zu wechseln.
Holzklotz hat geschrieben:
@spock und mukti
ich wollte das Thema nur mal ganz emotionslos und sachlich zur Diskussion stellen, ohne auf Mitglieder in diesem Forum hin zu deuten (was ja oft genug geschehen ist). Ihr fangt scheinbar gleich an, einen Grabenkampf hinein zu interpretieren. Sagt doch einfach eure Meinung zum Thema, anstatt die Ebene zu wechseln.

Lieber Holzklotz, mir ist völlig unklar wie du darauf kommst dass ich da einen Grabenkampf hinein interpretieren oder auf irgendein Mitglied dieses Forums hätte hindeuten wollen. Diese Absichten hatte ich nicht und wüsste nicht wie man das aus meinen Worten herauslesen könnte. Es ist eine sachliche Antwort auf deine Frage wie man mit diesen Texten umgehen sollte, so wie ich das sehe und selber zu praktizieren versuche bitteschön.
jianwang hat geschrieben:
Erfahren, was hinter den Worten in den Texten sich befindet.


Ich kann da da nur ein unbeschriebenes, weißes, leeres Blatt entdecken.
Schön, wenn Druckerschwärze abblätteet

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Holzklotz hat geschrieben:
Wie sollte man mit den Texten umgehen und wo sind die Fallen aufgestellt?


Mir hilft zunächst einmal die Vorstellung, dass Texte Signale sind, denen ich als Leser/Hörer eine Bedeutung zusetze; ein anderer Leser/Hörer vielleicht eine ganz andere.

Bedeutung wäre demnach kein inhärentes Merkmal von Texten, sondern würde quasi von außen in sie "hineininterpretiert".
Holzklotz hat geschrieben:
@spock und mukti
ich wollte das Thema nur mal ganz emotionslos und sachlich zur Diskussion stellen, ohne auf Mitglieder in diesem Forum hin zu deuten (was ja oft genug geschehen ist). Ihr fangt scheinbar gleich an, einen Grabenkampf hinein zu interpretieren. Sagt doch einfach eure Meinung zum Thema, anstatt die Ebene zu wechseln.

Das war nicht als Grabenkampf gemeint, sondern dass ich das bis jetzt so nur virtuell gesehen habe und sonst nirgends. Darum hab ich ne Vermutung aufgestellt, dass es vllt virtuell häufiger so wirkt, weil man da die andere Person nicht sieht und imho die Wahrscheinlichkeit für Missverständnisse höher is. Damit meine ich nicht dich, sondern das Internet allgemein, weil ich real wie gesagt noch keine Textfundis getroffen habe. Was nicht heissen muss, dass es sie nicht geben kann, vllt habe ich sie einfach nicht getroffen.
Zur Zeiten des Erwachten wurden die Lehrreden wortwörtlich auswendig gelernt damit sie jederzeit wiederholt durch weises ergründen erschlossen werden konnten.
Durch die Lehrnachfolge verändert sich das nach und nach das Gemüt welches die Texte, je nach Fortrschritt, in einem anderen Licht erscheinen lassen. Es geht Zug um Zug - Texte die anfangs Unklarheiten aufwiesen werden immer mehr durchschaut und die Wahrheit darin erfahren.
Geduld und Vertrauen sind dabei gute Wegbegleiter...

:) N.
Hallo Holzkohle, dazu gibt es einige Beispiele im Forum. Siehe den Fall Choenly.
Wenn die Texte über die Natur / Wesen gestellt werden sehe ich ein Problem. Wenn sie, anstatt den Menschen zu helfen das Gegenteil erzielen. Bei Fanatismus werden sie zum Problem etc. Beim anhaften werden sie zum Problem ;)
Es gibt unzählige Beispiele.
Holzklotz hat geschrieben:
Wie sollte man mit den Texten umgehen und wo sind die Fallen aufgestellt?
Eine sehr interessante Frage!
Nun, meiner Meinung nach ist die Tatsache, dass es sich an sich um einen Text mit Worten und Begrifflichkeiten handelt, welche sehr subjektiven Deutungen/Interpretationen unterliegen, das Problem. Obendrauf als deutliche Erschwerung kommt dann noch zusätzlich die Sprachhürde der Übersetzung in die eigene Muttersprache.

Das alles sollte doch für einen gewissen Abstand sorgen, ist meine Überzeugung. Gerade im Hinblick auf absolute Wahrheiten und Fundamentalismus.

Mich würde auch die Frage interessieren, in welchem Ausmaß bedarf es überhaupt des Textstudiums?
Viele Texte sind doch nur beschreibende Erfahrungen von kognitiven Erlebnissen. Sie ersetzen aber niemals die geistige Selbsterfahrung als solche.
Was also könnte es für berechtigte Motive geben, die über das intellektuelle Verstehen der Lehre an sich hinausgehen?
Ich sehe da zunächst einmal zwei Aspekte – nämlich Erfahrungsaustausch und Motivationsgrundlagen für den Adepten.
Edit: auf die genannten Aspekte bezogen, sehe ich keine wirkliche Falle.
mukti hat geschrieben:
Holzklotz hat geschrieben:
@spock und mukti
ich wollte das Thema nur mal ganz emotionslos und sachlich zur Diskussion stellen, ohne auf Mitglieder in diesem Forum hin zu deuten (was ja oft genug geschehen ist). Ihr fangt scheinbar gleich an, einen Grabenkampf hinein zu interpretieren. Sagt doch einfach eure Meinung zum Thema, anstatt die Ebene zu wechseln.

Lieber Holzklotz, mir ist völlig unklar wie du darauf kommst dass ich da einen Grabenkampf hinein interpretieren oder auf irgendein Mitglied dieses Forums hätte hindeuten wollen. Diese Absichten hatte ich nicht und wüsste nicht wie man das aus meinen Worten herauslesen könnte. Es ist eine sachliche Antwort auf deine Frage wie man mit diesen Texten umgehen sollte, so wie ich das sehe und selber zu praktizieren versuche bitteschön.

ja, tut mir leid mukti, ich glaub da hab ich zu viel hinein interpretiert. Vielleicht weils gleich unter einem Post stand, der auf die User im Buddhaland bezogen war.

Ich persönlich denke, dass religiöse Texte weniger mit dem Verstand gelesen werden sollten, sondern man sollte sie tiefer einsickern lassen und schauen, auf was sie in einem selbst hin deuten. Wie kal auch beschrieben hat finde ich es sinnvoll, eher den Geist nachzuempfinden, in dem die Texte verfasst wurden.
Es ist natürlich nichts dagegen zu sagen, wenn sich jemand intensiv mit den Schriften befasst, aber wenn sich intellektuelle und intuitive Ebene dabei nicht durchdringen ist die Gefahr da, dass Ansichten verfestigt werden, die dem eigenen Erkennen mehr im Weg stehen als ihm zu nützen.
Holzklotz hat geschrieben:
Es ist natürlich nichts dagegen zu sagen, wenn sich jemand intensiv mit den Schriften befasst, aber wenn sich intellektuelle und intuitive Ebene dabei nicht durchdringen ist die Gefahr da, dass Ansichten verfestigt werden, die dem eigenen Erkennen mehr im Weg stehen als ihm zu nützen.
Würde ich ein wenig anders fassen. Dharma-Texte haben die Funktion eines Gegengifts. Das heisst, sie dienen der Zerstörung von Ansichten. Wenn man sie als Quelle zur Erzeugung und Verfestigung von Ansichten missbraucht, dann läuft etwas schief. Dann sind sie zum Hindernis geworden.

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Sudhana hat geschrieben:
Wenn man sie als Quelle zur Erzeugung und Verfestigung von Ansichten missbraucht, dann läuft etwas schief. Dann sind sie zum Hindernis geworden.

Ich hab die bud. Texte da immer in so ner Sonderstellung gesehen, darum meine Frage: kommt dieses Problem häufiger vor?
Spock hat geschrieben:
Sudhana hat geschrieben:
Wenn man sie als Quelle zur Erzeugung und Verfestigung von Ansichten missbraucht, dann läuft etwas schief. Dann sind sie zum Hindernis geworden.

Ich hab die bud. Texte da immer in so ner Sonderstellung gesehen, darum meine Frage: kommt dieses Problem häufiger vor?
Ja. Das ist der durch die Begrenztheit von Wort und Schrift begrenzte Weg, das Śrāvakayāna. Anuttarā-samyak-saṃbodhi bzw. (Pāli) sammāsaṃbodhi ist per definitionem nicht begrenzt.

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Holzklotz hat geschrieben:
ja, tut mir leid mukti,...
No problem.

Holzklotz hat geschrieben:
Ich persönlich denke, dass religiöse Texte weniger mit dem Verstand gelesen werden sollten, sondern man sollte sie tiefer einsickern lassen und schauen, auf was sie in einem selbst hin deuten. Wie kal auch beschrieben hat finde ich es sinnvoll, eher den Geist nachzuempfinden, in dem die Texte verfasst wurden.
Es ist natürlich nichts dagegen zu sagen, wenn sich jemand intensiv mit den Schriften befasst, aber wenn sich intellektuelle und intuitive Ebene dabei nicht durchdringen ist die Gefahr da, dass Ansichten verfestigt werden, die dem eigenen Erkennen mehr im Weg stehen als ihm zu nützen.

Ich glaube nicht dass die Wirklichkeit mit dem Verstand vollkommen erkannt werden kann, sondern durch unmittelbare Anschauung. Religion beruht ja auf der Annahme, dass ihr Gründer vollkommen erwacht war. Das Analysieren und Prüfen der überlieferten Texte auf ihre logische Nachvollziehbarkeit kann also nur begrenzte Ergebnisse erbringen.

Man kann an das was der Verstand nicht erfassen kann glauben, oder es auf meditativem Weg zu erschauen versuchen. Mit dem Wort Intuition bin ich vorsichtig, weil es in Psychologie und Philosophie verschiedene Bedeutungen hat.
Die Gefahr eine Ansicht für die Wirklichkeit zu halten sehe ich auch. Das muss sich erst durch unmittelbares Erkennen erweisen.
Spock hat geschrieben:
Sudhana hat geschrieben:
Wenn man sie als Quelle zur Erzeugung und Verfestigung von Ansichten missbraucht, dann läuft etwas schief. Dann sind sie zum Hindernis geworden.

Ich hab die bud. Texte da immer in so ner Sonderstellung gesehen, darum meine Frage: kommt dieses Problem häufiger vor?

Warum sollten buddhistische Texte da eine Sonderstellung haben?

Sudhana hat geschrieben:
Würde ich ein wenig anders fassen. Dharma-Texte haben die Funktion eines Gegengifts. Das heisst, sie dienen der Zerstörung von Ansichten. Wenn man sie als Quelle zur Erzeugung und Verfestigung von Ansichten missbraucht, dann läuft etwas schief. Dann sind sie zum Hindernis geworden.

ja, Deine Definition hört sich in der Tat besser an.
Irgendwo führt aber wohl alles was man liest zunächst mal zu einer Ansicht, es sei denn, man nimmt die Texte nicht als Wahrheit (Nur weil sie in einem Buch stehen, dessen Urheber man bedingungslos vertraut), sondern als Möglichkeit. Diese Möglichkeit sollte dann durch eigene Erfahrung bestätigt oder widerlegt werden. So dient der Text ja quasi als Angebot, auf welche Aspekte man seine Aufmerksamkeit lenken kann, um nicht völlig allein dazustehen. Eigentlich doch eine gute Sache.
mukti hat geschrieben:
Ich glaube nicht dass die Wirklichkeit mit dem Verstand vollkommen erkannt werden kann, sondern durch unmittelbare Anschauung. Religion beruht ja auf der Annahme, dass ihr Gründer vollkommen erwacht war. Das Analysieren und Prüfen der überlieferten Texte auf ihre logische Nachvollziehbarkeit kann also nur begrenzte Ergebnisse erbringen.

Man kann an das was der Verstand nicht erfassen kann glauben, oder es auf meditativem Weg zu erschauen versuchen. Mit dem Wort Intuition bin ich vorsichtig, weil es in Psychologie und Philosophie verschiedene Bedeutungen hat.
Die Gefahr eine Ansicht für die Wirklichkeit zu halten sehe ich auch. Das muss sich erst durch unmittelbares Erkennen erweisen.

Ich meinte nicht so sehr die logische Nachvollziehbarkeit, sondern das Feilen an Konzepten. Das kann man ja mit jeder Lehre machen. Selbst wenn es in einem Text heißt "alles ist leer" hat der Mensch trotz offensichtlicher Paradoxie auch kein Problem damit aus diesem Satz ein Konzept zu machen.
Vielleicht könnte man statt "Intuition" tatsächlich besser sowas wie "Realisierung" sagen, also dass es durch Meditation o.Ä. zu einer ganz selbstverständlichen Lebensanschauung oder -art wird, die eben vom Leben gelehrt wurde.
Das Leben ist ja ohnehin der Lehrer, auf den es mMn ankommt. Die Texte helfen vielleicht, den allgegenwärtigen Lehrer weniger oft falsch zu verstehen, eben weil Möglichkeiten angeboten werden, die uns im Ernstfall alternative Interpretationsmöglichkeiten bieten und wir nicht immer bloß auf unsere persönliche Lieblingsart darauf antworten.
Holzklotz hat geschrieben:
Warum sollten buddhistische Texte da eine Sonderstellung haben?

Ich geh da von mir aus. Ich kannte davor nix spirituelles und wenn ich etwas gelesen habe oder ein Problem hatte und mich darüber informieren wollte, dann war das eher so n Infos reinschaufeln und danach wusste ich iwas. Also ungefähr so: wenn ich was nich verstanden habe, dann ist es vllt noch nicht kompliziert genug.

Sutten lesen war für mich nich so, also zB. M1 im PK. Das is eher gegenteilig zu meiner vorherigen Art zu lesen, dh. tendenziell die Dinge eher komplizierter zu machen und einfach nur reinzuschaufeln. Das heisst mein Bezug zum Text is n anderer seitdem. Kontemplieren und meditieren kannte ich davor auch nicht. Und die PK-Texte finde ich literarisch auch nich sooo supertoll, so dass ich das jetzt einfach so des Lesens wegen lesen würde, ohne praktischen Nutzen. Ich fand das eher nervig und dachte, dass das versartige wahrscheinlich Absicht is und auch n Unterschied zu "normalen Texten". Manchma bin ich auch dabei eingeschlafen. Es gibt noch mehr Dinge, inwiefern die Texte für mich anders sind. Ich weiss nicht ob das aber nich vllt schon ausreicht.
Holzklotz hat geschrieben:
Ich meinte nicht so sehr die logische Nachvollziehbarkeit, sondern das Feilen an Konzepten. Das kann man ja mit jeder Lehre machen. Selbst wenn es in einem Text heißt "alles ist leer" hat der Mensch trotz offensichtlicher Paradoxie auch kein Problem damit aus diesem Satz ein Konzept zu machen.
Vielleicht könnte man statt "Intuition" tatsächlich besser sowas wie "Realisierung" sagen, also dass es durch Meditation o.Ä. zu einer ganz selbstverständlichen Lebensanschauung oder -art wird, die eben vom Leben gelehrt wurde.
Das Leben ist ja ohnehin der Lehrer, auf den es mMn ankommt. Die Texte helfen vielleicht, den allgegenwärtigen Lehrer weniger oft falsch zu verstehen, eben weil Möglichkeiten angeboten werden, die uns im Ernstfall alternative Interpretationsmöglichkeiten bieten und wir nicht immer bloß auf unsere persönliche Lieblingsart darauf antworten.

"Alles ist leer", darunter kann man sich was vorstellen. Etwa die Bedeutung dass es keine inhärente, aus sich selbst bestehende Existenz gibt, sondern dass sich alles durch abhängige Entstehung in stetigem Wandel befindet. Das ist zunächst ein Konzept, eine Theorie unter Anderen. Man kann auch so einen Satz in verschiedene Zusammenhänge stellen, ihn als Paradoxon stehen lassen oder allerhand Schlüsse ziehen, man kann ihn gegen andere Aussagen verteidigen und einen Konzepte-Kampf führen. Aber damit ist nicht die Wirklichkeit erkannt die er ausdrückt und aus der er stammt. Wir haben nicht so tief in das Dasein geblickt und sehen nur die Oberfäche. Ich bezweifle dass sich das ändern wird wenn man sich nicht der mitgelieferten Praxis unterzieht.
Was meinst du jetzt mit Praxis?
Das alljähliche Gackern beim Aufstehen von einem viereckigen Kissen?
Noch ein ergänzender Aspekt bezüglich des Verständnis von Sutren (diese sind ja Hilfsmittel soweit ich das sehe)
Sie zu lesen und ihre mentale Umsetzung in die Praxis scheint relevant zu sein.
Aus dem Huineng Sutra: Der Fall wo ein Schüler einen Lehrer fragt, warum er das Lotus Sutra nicht verstehe.

„Was soll mit dem Sutra verkehrt sein? Wie kann es deine Aufmerksamkeit behindern? Es ist nur, dass Irreführung und Erleuchtung persönlich sind. Verlust und Gewinn sind von einem selbst abhängig. Wenn du es hersagst und auch mental dementsprechend handelst, dann liest du das Sutra.
Wenn du es hersagst aber nicht mental praktizierst, dann wirst du gelesen vom Sutra.

„Höre meinen Vers:
Wenn der Geist getäuscht ist, dann liest das Lotus Sutra den Geist. Wenn der Geist erleuchtet ist, dann liest der Geist das Sutra.
Wenn du die Schrift für lange Zeit hersagst ohne sie zu verstehen, wirst du zum Feind ihrer Bedeutung. Gedanke ohne Gedanke ist korrekt. Gedanke mit Gedanke wird falsch ….“““

What is wrong with the sutra? How can it obstruct your mindfulness? It is just that delusion and enlightenment are in the individual; loss and gain depend on oneself. If you recite it and also act on it mentally , then you are reading the sutra; If you recite it but don‘t practice on it mentally , then you are being read by the sutra.
„Listen to my verse :
When the mind is deluded, the Lotus of truth reads it. When the mind is enlightened, it reads the Lotus of truth. If you recite the scripture a long time without understanding,
you become an enemy to its meaning. Thought without thought is correct; (was ja sehr sehr subtil geschieht, oft merkt man das selber nicht:) Thought with thought becomes false.
When with and without are both out of question. You always ride the white-ox drawn vehicle.

Auf jeden Fall haben so Sutren eine Menge hilfreicher Tipps meine ich, die ich anwenden kann oder auch sein lassen kann.
Spacy hat geschrieben:
Was meinst du jetzt mit Praxis?

Den achtfachen Pfad.
Spock hat geschrieben:
Holzklotz hat geschrieben:
Warum sollten buddhistische Texte da eine Sonderstellung haben?

Ich geh da von mir aus. Ich kannte davor nix spirituelles und wenn ich etwas gelesen habe oder ein Problem hatte und mich darüber informieren wollte, dann war das eher so n Infos reinschaufeln und danach wusste ich iwas. Also ungefähr so: wenn ich was nich verstanden habe, dann ist es vllt noch nicht kompliziert genug.

Sutten lesen war für mich nich so, also zB. M1 im PK. Das is eher gegenteilig zu meiner vorherigen Art zu lesen, dh. tendenziell die Dinge eher komplizierter zu machen und einfach nur reinzuschaufeln. Das heisst mein Bezug zum Text is n anderer seitdem. Kontemplieren und meditieren kannte ich davor auch nicht. Und die PK-Texte finde ich literarisch auch nich sooo supertoll, so dass ich das jetzt einfach so des Lesens wegen lesen würde, ohne praktischen Nutzen. Ich fand das eher nervig und dachte, dass das versartige wahrscheinlich Absicht is und auch n Unterschied zu "normalen Texten". Manchma bin ich auch dabei eingeschlafen. Es gibt noch mehr Dinge, inwiefern die Texte für mich anders sind. Ich weiss nicht ob das aber nich vllt schon ausreicht.

Also ich empfinde es so, dass man nach dem Lesen eines spirituellen Textes, der wirklich in die Tiefe führt weniger weiß als vorher. Vielleicht ist das auch ein wichtiger Punkt, dass man zulässt, dass einem diese Texte Wissen nehmen (davon befreien?), anstatt Baumaterial für ein Phantasie-Gebäude zu sein. Ist ja vmtl. auch so eine Art Prozess, wie wir die Texte lesen und uns darauf einlassen.
Bei mir ist das so das ich nach dem Lesen gleich empfinde. Ich weiß aus Übung das ich ein neuer geworden bin und habe geübt den Alten nicht mehr Raum zu geben als vielleicht eine Erinnerung. Das Neue an, in mir ist verwirrend und störend, na und es muss so sein es ist neu, ungewohnt und damit lästig. Ich gebe mich nicht der Trägheit hin das Alte mehr zu lieben.
Ellviral hat geschrieben:
Bei mir ist das so das ich nach dem Lesen gleich empfinde. Ich weiß aus Übung das ich ein neuer geworden bin und habe geübt den Alten nicht mehr Raum zu geben als vielleicht eine Erinnerung. Das Neue an, in mir ist verwirrend und störend, na und es muss so sein es ist neu, ungewohnt und damit lästig. Ich gebe mich nicht der Trägheit hin das Alte mehr zu lieben.

Warum bist Du "ein Neuer" geworden?
Ist man nicht einfach weniger geworden und damit näher an der "Wahrheit"?

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