Kunst

Moderator: void

Hallo Zusammen,

Ich dachte mir, da ich Freie Kunst studiere und sicherlich es hier genügend Leute gibt die selber gerne mal in Museen gehen oder selbst kreativ tätig sind, das es mal Zeit wird, einen Thread über Bildende Kunst hier zu öffnen, zumindest konnte ich noch keinen finden.
Und, dachte mir, das ihr mal so postet was ihr so an Bildender Kunst mögt. Es darf gerne auch was zeitgenössisches sein. Ich fang mal mit Bruce Nauman an, auch wenn nicht mehr ganz zeitgenössisch. Er ist ein Video und Performance Künstler dessen Arbeiten ich schon sehr lange liebe, es hat irgendwie so etwas nüchternes und gleichzeitig verstörendes das ich jedes mal das Gefühl habe, das es das "Mensch-sein" an sich sehr treffend und radikal beschreibt oder umschreibt, fast schon wissenschaftlich. Seinen Einfluss sieht er unter anderem bei Samuel Beckett, wie man in diesen Videos auch bemerken kann, wenn man die Theater Sachen von Beckett kennt, die natürlich auch alle sehr empfehlenswert sind. Ich denke gerade diese Arbeit könnte auch aus der buddhistischer Perspektive interessant sein. Eigentlich müsste man es gleichzeitig auf 2 Monitoren anschauen, aber da die Möglichkeit nicht besteht sind hier eben die zwei Videos separat.

Die Arbeit heißt: "Good Boy, Bad Boy" von 1985.

1.
https://vimeopro.com/user3539702/ubuweb/video/121826038

2.
https://vimeopro.com/user3539702/ubuweb/video/121826424


Auschnitt der Videoinstallation:




Bin gespannt ob sich hier noch mehr Kunstinteressierte tummeln ^^



_()_
Ich war 18 Jahre alt und mit einer Freundin in London.
Wir gingen in die Modern Tate.
So ziemlich am Anfang kam ich in diesen Raum. Ich war völlig hin und weg. Habe mich hingesetzt und war ganz allein. So wie auf dem Foto. Ich wollte diesen Raum nie mehr verlassen. Es existierten nur noch die Farbe, die Strukturen. Ansonsten völlige Stille. Innen und außen. Nie konnte ich dies vergessen, der Eindruck ist so klar, als wäre es gerade erst geschehen.

https://c1.staticflickr.com/7/6043/6224 ... 1444df.jpg

Damals habe ich mir den Namen nicht gemerkt, weil er irgendwie völlig unwichtig erschien. Erst Jahrzehnte später erfuhr ich, wer der Maler war. Es ist Mark Rothko.
Neben Jackson Pollock, einer meiner Lieblingsmaler des 20. Jahrhunderts.
die Sachen von Harald Naegeli oder auch von Keith Haring....vor der "Vermarktung"....
Einmal bin ich in eine Ausstellung mitgegangen, da war irgendein ein kleines Video auf die Rückseite der Sitzfläche eines umgekippten Sessels projeziert. Als ich mich auf die Couch einer gewöhnlichen Sitzgarnitur setzte, hat mich jemand entrüstet aufgefordert, mich sofort von diesem Kunstwerk herunterzubegeben.
Ein gefeierter Kunstprofessor überschüttet Leinwände mit Blut geschlachteter Schweine, vor der Kunsthochschule sind unförmige Riesenköpfe aus Pappmaché montiert, in einer Ausstellung im Park zwei lange Metallstangen zwischen denen ein zweifarbiges Tuch gespannt ist, in einer Kunsthalle keulenartige Gebilde neben wirr gespannten Schnüren, in Konzerten quälende Disharmonien, im Theater ungustiöse Adaptierungen alter Werke... verkaufte Beleidigungen des menschlichen Geschmacks, von Leuten die es durch Beziehungen oder Glück an die Front moderner Kunst geschafft haben.
Ich äußere mich in solchen Fällen gerne wie das Kind im Märchen "Des Kaisers neue Kleider". Einige stimmen zu, andere lächeln milde herab auf jemanden, der nichts von Kunst versteht.
mukti:
"JA" :!:
mukti hat geschrieben:
verkaufte Beleidigungen des menschlichen Geschmacks, von Leuten die es durch Beziehungen oder Glück an die Front moderner Kunst geschafft haben.


Also jemand kann doch sehr viel Mühe in etwas stecken, mit dem ich nicht anfangen kann. Bei mir ist das z.B Ballett. Ich verstehe, dass es sehr viel Übung braucht um seinen Körper zu so einen Beweglichkeit zu bringen, aber mit dem Resultat kann ich nichts anfangen. Auch bei vielen Sportarten ist es ja, so dass da Leute jahrzehntelang trainieren um richtig Bälle werfen zu können. Ich verstehe, dass sie da etwas erreichen wollen, das für sie und für andere wichtig ist, aber mit dem ich nichts anfangen kann.

Bei dir ist es aber mit den Künstlern gerade nicht so: Anstatt in ihnen Leute zu sehen, die sehr hart daran arbeiten, etwas zu schaffen, womit du nichts anfangen kannst, bestreitest du das und siehst "Glück" und "Beziehungen" am Werk.

Und du siehst es jetzr auch nicht so wie bei Fussball oder Ballett, dass das derjenige, der das im Detail nachvollzehen und schätzten lernen will bestimmt Sensibilitäten kultivieren muss?

Kunst sollte für dich für jeden Kind spontan vertändlich sein. Und wenn sie das nicht ist, ist der Kaiser eben nackt.

Gehst du an Politik und Wissenschaft ähnlich heran oder beschränkt sich das auf die bildenede Kunst?
void,
du meinst also zb. in Dosen zu scheißen und zudeckeln lassen und pro "Einheit" für 20 Riesen zu verscherbeln bedarf einer "besonderen Leistung"?
naja bei entsprechend hartem Stuhlgang vllt....:p:p:p
man kanns halt versuchen ,Leute mit allem möglichen für dumm zu verkaufen, oder...muss man aber nicht drauf eingehn!
Ich mag Museen!

Regelmäßig besuche ich hier in Hamburg Museen und wenn ich mal auf Urlaub in einer anderen Gegend bin, versuche ich auch dort wenigstens ein Museum zu besuchen. Damit sind viele tolle Erinnerungen verbunden...

Letztes Jahr hatte die Kunsthalle Hamburg nach längerer Renovierung Neueröffnung und der Eintritt war einige Zeit frei

https://goo.gl/photos/AETVtrXggun2yc5v8

Ich bin in der Zeit drei mal hingegangen (der normale Eintrittspreis ist grenzwertig ok [andere Einrichtungen in Europa mit vergleichbarem Angebot sind teurer], aber ich würde nie 3x innerhalb von 2 Wochen hingehen).
Mein intensivster Eindruck davon war der eines (europäischen) buddhistischen Mönchs (etwas surreal in dieser Umgebung in voller orange Robe etc.) der sich interessiert ein Bild angesehen hat.

Ein Mönch der entspannt die Bemühungen anderer betrachtet hat, etwas festzuhalten. Etwas für die Ewigkeit zu dokumentieren, als für sie oder ihre Zeit wert auf eine Leinwand zu bannen...
mukti hat geschrieben:
void hat geschrieben:
Kunst sollte für dich für jeden Kind spontan vertändlich sein. Und wenn sie das nicht ist, ist der Kaiser eben nackt.

Gehst du an Politik und Wissenschaft ähnlich heran oder beschränkt sich das auf die bildenede Kunst?


Ja, so sehe ich das auch. Das ist halt ein Problem einer falschen Wahrnehmung die auf einem Missverständnis beruht. Es wird heute von der Kunst verlangt, das wenn man sie anschaut, sie einem sich in paar Minuten von selbst erklärt, also eine Position aus dem 17/18 Jhr. die heute immer noch lebendig ist. Die Welt wird ja auch immer komplexer und ebenso die Kunst, sie verlangt einfach vom Zuschauer das er sich länger damit auseinandersetzt bzw überhaupt das Auge zu schulen oder sich eben Theoretisch damit zu befassen, was natürlich viele Jahre in Anspruch nehmen kann und hier natürlich jeder selber Abwegen kann ob er darin einen Nutzen sieht. Das was Void sagt, ist eben genau richtig, wieso verlangt denn keiner von irgendwelchen physikalischen Abhandlungen über das Universum, das man sie auf Anhieb verstehen müsste? So extrem ist es natürlich meiner Meinung nicht in der Kunst, aber es gibt eben, genügend Arbeiten, gerade in der "Konzeptuellen" Richtung die ein "Vorwissen" verlangen, eben so wie es in anderen Rubriken selbstverständlich ist. Mukti, wenn du dich mit Hermann Nitschs "Blutorgien" näher beschäftigst und denn Zeitkontext betrachtest, wird es dir vielleicht ja doch gefallen oder vielleicht wird sich ein Sinn entpuppen der dir doch irgendeine Tiefe offenbart? Ich persönlich kann auch nicht so viel mit denn Sachen von Nitsch anfangen, aber ich denke das diese ganze Wiener Schule bis an ein Extrem ihrer Zeit gegangen ist und das ist dann doch irgendwie bewundernswert.

Samten hat geschrieben:
void,
du meinst also zb. in Dosen zu scheißen und zudeckeln lassen und pro "Einheit" für 20 Riesen zu verscherbeln bedarf einer "besonderen Leistung"?
naja bei entsprechend hartem Stuhlgang vllt....:p:p:p
man kanns halt versuchen ,Leute mit allem möglichen für dumm zu verkaufen, oder...muss man aber nicht drauf eingehn!


Das ist halt der Punkt, denn ich oben erwähnte. Kunst muss ja Garnichts. Der Avantgarde des 20Jhr hat man es zu verdanken das es keine wirkliche "Autorität" mehr in der Kunst gibt. Sie muss weder schön sein, noch ästhetisch, noch tiefgreifend noch sinn machen. Wenn Kunst sich nur auf das Handwerk degradieren ließe, wer welche Pinselführungen hat oder welche Schichten auflegt, würde es ja heißen, das jeder einen "Picasso Geist" durch Jahrzehnte lange Übungen kriegen würde(Jetzt rede ich schon Zen artig :lol: ) da aber das nicht der Fall ist, bleibt in der Kunst natürlich neben dem Handwerk, das wichtigste, eben das geistliche, und das kann sich in allem Offenbaren,auch in der Arbeit von Manzonis "Künstlerscheiße" die ich übrigens als eine sehr radikale Methode empfinde,denn bürgerlichen Geschmack in Frage zu stellen. Und natürlich muss man auch beachten, in welchem Zeitkontext das auch alles ist.

Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:

https://c1.staticflickr.com/7/6043/6224 ... 1444df.jpg

Damals habe ich mir den Namen nicht gemerkt, weil er irgendwie völlig unwichtig erschien. Erst Jahrzehnte später erfuhr ich, wer der Maler war. Es ist Mark Rothko.
Neben Jackson Pollock, einer meiner Lieblingsmaler des 20. Jahrhunderts.


Ja, Rothko und Pollock waren halt so ein wirkliches Phänomen des 20Jhr, Im Museum sagte mal ein Direktor bei einer Führung vor einem Rothko Bild, das alle Maler die nach Rothko geboren wurden zu denn Unglückspilzen zählten, da durch Rothko oder Barnett Newman alles gesagt worden ist was es zu sagen gibt, Ich glaube es waren auch wirklich die Maler, die die Malerei fast an ihr Ende trieben. Das es nicht komplett zutrifft, sieht man ja, aber dennoch, dahinter steckt vieles wahres. Es ging halt wirklich nur noch um Empfindungen von Eindrücken, also alles "erzählerische" wurde kompromisslos vernichtet. Ich liebe auch die ganze New York School, mein absoluter Favorit dieser Gruppe ist Philip Guston. Ich mag auch dieses "Intellektueller-leidender-Nerd-Macho" Artige an ihnen :lol: so ein kompletter gegenpol zu dem späten Warhol und der ganzen "homosexuellen" Pop-Art Szene in New York (Die auch natürlich ziemlich genial war) . Es gibt einen wirklich guten Film über die ganze New York School auf Youtube:


Painters Painting:
void hat geschrieben:
Also jemand kann doch sehr viel Mühe in etwas stecken, mit dem ich nicht anfangen kann. Bei mir ist das z.B Ballett. Ich verstehe, dass es sehr viel Übung braucht um seinen Körper zu so einen Beweglichkeit zu bringen, aber mit dem Resultat kann ich nichts anfangen. Auch bei vielen Sportarten ist es ja, so dass da Leute jahrzehntelang trainieren um richtig Bälle werfen zu können. Ich verstehe, dass sie da etwas erreichen wollen, das für sie und für andere wichtig ist, aber mit dem ich nichts anfangen kann.

Bei dir ist es aber mit den Künstlern gerade nicht so: Anstatt in ihnen Leute zu sehen, die sehr hart daran arbeiten, etwas zu schaffen, womit du nichts anfangen kannst, bestreitest du das und siehst "Glück" und "Beziehungen" am Werk.

Und du siehst es jetzr auch nicht so wie bei Fussball oder Ballett, dass das derjenige, der das im Detail nachvollzehen und schätzten lernen will bestimmt Sensibilitäten kultivieren muss?


Ich habe Beispiele erwähnt wo eben nicht sehr viel Mühe und Übung dahintersteckt. Einen Stoffstreifen auf Stangen montieren, unförmige Gebilde zusammenkleistern, wahllos irgendetwas mit einer Filmkamera aufnehmen und es auf einen umgekippten Sessel projezieren usw., die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Ich kenne Künstler die hart arbeiten aber von keiner Galerie oder Konzertveranstaltung und keinem Verlag angenommen werden, weil sie keinen bekannten Namen haben. Sie beklagen dass bekannt zu werden oft wenig mit Leistung zu tun hat.

Zugegeben, auch talentierte Künstler die durch viel Fleiß was zustande bringen werden bekannt. Z.B. Hundertwasser, der die Gelegenheit eines Fernsehauftrittes nutzte um seine Hose runterzuziehen und den nackten Hintern in die Kamera zu halten - schon war er in aller Munde. Was zur Frage des guten Geschmacks führt. Ich habe nicht vor über Geschmack zu streiten, ich sage nur meine Meinung: Leinwände mit Blut überschütten, nackt und grau bemalt schreiend auf der Bühne herumhopsen, Gebäude mit Stoff umhüllen, durchgängige Disharmonie, zusammengeschweißte Eisenrohre sind Beispiele die bei mir keinen Kunstgenuss hervorrufen. Auch wenn mal viel Mühe drinsteckt, bin ich der Meinung, dass Arbeit und Mühe alleine noch kein Kunstwerk ausmachen, aber schon eine Bedingung dazu sind. Z.B. bin ich kein Opernfan, möchte aber nicht behaupten dass Opern prinzipiell keine Kunst wären.

void hat geschrieben:
Kunst sollte für dich für jeden Kind spontan vertändlich sein. Und wenn sie das nicht ist, ist der Kaiser eben nackt.

Gehst du an Politik und Wissenschaft ähnlich heran oder beschränkt sich das auf die bildenede Kunst?


Wenn ich z.B. Kunstbegeisterte sehe die über ein Bild mit ein paar verkritzelten Wellenlinien fachsimpeln, würde ich gerne fragen, ob sie noch nie einen Rembrandt gesehen haben?

Das beschränkt sich auf Kunst, Politik und Wissenschaft sind ganz andere Domänen.
sind Beispiele die bei mir keinen Kunstgenuss hervorrufen

Wer macht schon Kunst, damit sie jemand genießen kann?

Wenn ich z.B. Kunstbegeisterte sehe die über ein Bild mit ein paar verkritzelten Wellenlinien fachsimpeln, würde ich gerne fragen, ob sie noch nie einen Rembrandt gesehen haben?

Rembrandt ist toll, wunderbar, fantastisch, ein großer Künstler.
Er hat Kunst gemacht, wie es seiner Zeit und dem damaligen Denken und Diskurs angemessen war. Weil er so großartig war, hat sein Werk auch heute noch Bestand.
Die Künstler des 20. und den 21. Jahrhunderts leben aber mit einem anderen Kunstverständnis. Der Diskurs ist ein andere. Es gibt neue Fragen, die sich die Künstler früherer Epochen so nicht stellten.
Kunst dient nicht Unterhaltung und dem Vergnügen. Sie geht darüber hinaus. Auch wenn es Pop gibt und Kunst auch unterhaltsam sein kann und Vergnügen bereiten. Heute bereitet ein Van Gogh den meisten Leuten Vergnügen, damals hat die Mehrheit seine Werke in derselben Weise beurteilt wie Du soeben die Werke mancher Zeitgenossen.

Wenn man sich mit zeitgenössischer Kunst beschäftigen will, dann sollten man die Fragen beachten, die sich die Künstler stellen. Man sollte auch wissen, dass es nicht darum geht sich sich Teile ins Wohnzimmer zu stellen. Man geht besser zu IKEA, wenn man was Liebliches will.
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
sind Beispiele die bei mir keinen Kunstgenuss hervorrufen

Wer macht schon Kunst, damit sie jemand genießen kann?


Da ließen sich viele aufzählen, die mittels Kunst das Schöne, Beglückende oder Erhebende ausdrücken wollen.

Über Kunst gibt es viele unterschiedliche Meinungen, auch von den Künstlern selber. Letztlich ist entscheidend was ein Kunstwerk im Geist bewirkt, in dem des Künstlers und dem des Betrachters. Wobei es auf die Beschaffenheit der Gefühls- und Gedankenwelt ankommt. So kann sich die Sinnhaftigkeit von Kunst z.B. an solchen Fragen entscheiden ob sie erhebend, sublimierend oder befreiend wirkt, tiefere Welterkenntnisse anregt oder Gleichmut, Liebe, Bewunderung, Staunen, ethisches Empfinden hervorruft. Dabei ist es unwesentlich, aus welcher Zeit und Kultur sie stammt.
ein "Hoch" auf die "Kunstfälscher" die diesen üblen Markt etwas aufmischen.. :like:
Da ließen sich viele aufzählen, die mittels Kunst das Schöne, Beglückende oder Erhebende ausdrücken wollen.

Das sind halt nur ein paar Fragestellungen in der Kunst. Es gibt noch mehr.
Z.B. kann man sich mit Krieg, Gewalt, Tod, Krankheit beschäftigen. Mit der Angst vor dem Tod, mit Politik …

Und was bitte ist "schön"? Was ist "beglückend"? Was ist "erhaben"?
Ich finde ein Werk, das Wahrhaftigkeit ausdrückt schön, z.B. die Selbstporträts von Francis Bacon, weil sie den Schmerz ausdrücken können.
Mich beglückt Picassos "Guernica", weil es den Schrecken des Krieges auf den Punkt bringt.
Ich finde Giacomettis Skulpturen erhaben, weil sie lebendig erscheinen und in ihrer Zerbrechlichkeit voller Würde sind.

Ich habe extra "erzählende" Werke ausgesucht …
mukti hat geschrieben:
Leinwände mit Blut überschütten, nackt und grau bemalt schreiend auf der Bühne herumhopsen, Gebäude mit Stoff umhüllen, durchgängige Disharmonie, zusammengeschweißte Eisenrohre sind Beispiele die bei mir keinen Kunstgenuss hervorrufen. Auch wenn mal viel Mühe drinsteckt, bin ich der Meinung, dass Arbeit und Mühe alleine noch kein Kunstwerk ausmachen, aber schon eine Bedingung dazu sind. Z.B. bin ich kein Opernfan, möchte aber nicht behaupten dass Opern prinzipiell keine Kunst wären.


Aber die traditionellen Aufgaben von Kunst bestand ja auch nicht immer darin, wohlige Gefühle zu generieren. So war z.B lange Zeit die christlche Kunst vorherrschend, in der es darum ging Vergänglichkeit und Sündhaftigkeit der Welt zu zeigen. Bilder wie die von Hieronymus Bosch zeigten die Hölle und ermahnten dazu, sich eben nicht irgendwelchen Vergnügen und Lastern hinzugeben.

Und auch im Theater in der klassischen Tragödie ist das Grundthema das des Menschen, der sich durch seine Hochmut in Leid verstrickt. Es ging darum, den Menschen von dieser Hochmut wegzuführen, und ihn zu "Schrecken" und "Mitgefühl" ( und amit zur Entsagung von Hochmut) zu führen. Auch da ging es also darum, den Menschen zu verstören und ihn eben nicht einzulullen. (während die Oper dem gegenüber lange Zeit als seichte Unterhaltung galt, weil sie keinen transformatorischen Anspruch hatte)

Wenn Otto Dix auf seinen Bildern die hässliche Gestalten der deutschen Nachkriegszeit - die krieggeilen Militärs, die gierigen Kriegewinnler und ihre eitlen Schlampen darstellt, dann ist das etwas, wo man einen direkten Bezug sowohl zur klassischen Tragödie als auch zu dem was Bosch machte, herstellen lässt. Natürlich ist das nicht schön, aber wie soll den Kunst die Wirklichkeit vor Augen führen und dabei schön bleiben?

Und selbst die Sache mit dem Schweineblut knüpft ja an Älteres an: Einerseits an die christliche Kunst, wo Jesu ja seine Wundmale als etwas präsentiert, druch das man hindurchgehen muss, um erlöst zu werden - ein Leiden dem man sich stellen muss.

Und auf einer weiteren Ebene bezieht sich Hermann Nitsch ja auf das Taurobolium bei dem ein Initiant in den antiken Kybele-Kult in einer Grube sass, über der ein Stier geschlachtet wird, dessen Blut sich über ihn ergiesst:

    Durch die tausend Ritzen des Holzes rinnt der blutige Tau in die Grube. Der Geweihte bietet sein Haupt all den blutigen Tropfen dar, er setzt seine Kleider und seinen ganzen Körper aus, die sie besudeln. Er beugt sich rücklings, damit sie seine Wangen, seine Ohren, seine Lippen, seine Nase treffen; er benetzt seine Augen mit dem Nass, ja er schont nicht einmal seinen Gaumen, sondern fängt das schwarze Blut mit der Zunge auf und trinkt es gierig

Natürlich ist das eine ziemlich bizarre Geschichte. Aber soweit ich es verstanden habe, war der Sinn dieses Rituals eine Art Brechung des gewöhnlichen Egos, wo man mit Sterblichkeit, Tod und Leben auf eine der unmittelbarsten Weisen konfrontiert wurde. Über dieses Thema - die Aufhebeung des normalen Ichs in Rausch und Ritual - hat Nitsch viel nachgedacht.

Natürlich kann man das alles als zutiefst pervers ablehnen, was man aber nicht sollte ist, zu leugnen wieviel da an Hintergrund da ist und das da jemand einfach Blu an eine Leinwand macht. Und der zweite Punkt ist das man es nicht so sehen sollte, dass da eine zunächst normale, schön Kunst auf einmal in Hässlichkeit entartete. Der rituelle und kultische Aspekt in der Kunst ist ja mindestens genuso alt wie die Tendenz schöne Dinge zu machen.
Natürlich kann man das alles als zutiefst pervers ablehnen, was man aber nicht sollte ist, zu leugnen wieviel da an Hintergrund da ist und das da jemand einfach Blu an eine Leinwand macht. Und der zweite Punkt ist das man es nicht so sehen sollte, dass da eine zunächst normale, schön Kunst auf einmal in Hässlichkeit entartete. Der rituelle und kultische Aspekt in der Kunst ist ja mindestens genuso alt wie die Tendenz schöne Dinge zu machen.


Danke für Deinen Post!

Ich möchte noch hinzufügen, wie abgrundtief hässlich, abstoßend ich die Ästhetik des Faschismus und des Nationalsozialismus finde, die nur das "Schöne und Erhabene" verkörpern wollten. Oder die offizielle Kunst der Mao-Ära, des Stalinismus, in Nord-Korea …
Kunst hat nicht nur einen einzigen Zweck - sie kann Schönheit vermitteln oder Wahrheit, Ausdruck individuellen Erlebens sein oder Symbol für ein Kollektiv, bloße Unterhaltung bieten oder Einsichten vernitteln, der Erbauung dienen oder dem Fatalismus, usw.
Was Kunst ist und was nicht entscheidet jeder für sich selber, eine Diskussion darüber kann nur ein Meinungaustausch sein und nicht zur Aufstellung allgemeingültiger Maßstäbe führen. Was meine Wenigkeit zu diesem Thema geäußert hat mag genügen, ich bin kein ausgeprägter Kunstliebhaber oder Kunstkenner, es hat keine Priorität für mich.
Ich versuche, mich über Kunst, mit der ich nichts anfangen kann, nicht auszulassen. Ich habe keine "Angst vor Rot Gelb Blau" https://de.wikipedia.org/wiki/Who’s_Afraid_of_Red,_Yellow_and_Blue , aber es sagt mir auch nichts. Ein bisschen neidisch bin ich, dass sowas für 2 Millionen DM über den Ladentisch ging, aber wenn ich sowas malen würde und es würde mir jemand für solch einen Preis abkaufen würde, könnte ich auch nicht Nein sagen, sondern würde glauben, ich hätte etwas Großartiges geschaffen.
Vielleicht ist es das ja auch, oder auch nicht. Habe keine Ahnung. Ich würde es nicht kaufen.

Videokunst hab ich noch nicht viel gesehen. Einmal bei der Expo in Hannover war eine lange waagerechte Rolltreppe auf dem Weg von A nach B mit Bildschirmen bestückt. Man fuhr (unweigerlich) unter einem Bildschirm nach dem anderen durch: Eine Nachrichtensprecherin verlas philosphische Gedanken über die Zeit, die Vergänglichkeit etc pp. Dabei alterte sie von Bildschirm zu Bildschirm, schrumpelte vor sich hin, was unerwartet war. Ein sehr cooles Kunstwerk, fand ich.

Ansonsten mag ich, glaub ich gerne Kitsch - also, ich vermute Kunstprofessoren würden es als das einordnen: z.B. Viele Bilder auf facbook von Steven Ellcock - oder was Marketta Morris an Bildern reinstellt in die FB-Gruppe "Chogyam Trungpa Rinpoche - A Tribute". Ich versuch mal gleich, drei Beispiele hier herüberzubeamen - aber mein IPad hakt heute ziemlich.
Auffallend finde ich, dass Kunst und der Kunstmarkt gerne in einen Topf geworfen werden.

Rembrandt hat sicher als renommierter Künstler seiner Zeit eine Menge Kohle verdient. Es handelte sich ja um Auftragswerke. Warum beklagt sich niemand darüber?

Muss ein "wahrer Künstler" eine arme Sau sein?
Ist Geld denn ein Gradmesser für Kunst: viel Geld = Schrott ; wenig Geld = Kunstwerk

Fällt denn keinem der Widerspruch auf? Ein Rembrandt darf viel kosten, ein Nitsch nichts?
Also, Quelle Facebook, siehe mein Posting oben. Sowas berührt mich, besonders in Verbindung mit den Textbeiträgen, wo es um Dharma und die Suche nach der richtigen Lebenseinstellung geht:

Bild

Bild

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Es wurde leider kein Künstler namentlich erwähnt.
Ansonsten mag ich, glaub ich gerne Kitsch -

Ich habe auch für so manchen Kitsch ein Faible.
Ich gucke immer noch die Sisi-Filme gerne an :D
Nur bei Musik, gerate ich schnell an meine Grenzen …
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
Ansonsten mag ich, glaub ich gerne Kitsch -

Ich habe auch für so manchen Kitsch ein Faible.
Ich gucke immer noch die Sisi-Filme gerne an :D
Nur bei Musik, gerate ich schnell an meine Grenzen …

Wobei ich das, was ich mag, selber nicht für Kitsch halte. Aber ich höre diese Meinung von anderen: zu bunt, zu hell, zu ruhig, ohne Blut... Hahaha.
nen hässlich gemalten Totenkopp für 99 Mio. zu verhökern is auch ne "Kunst", wo wo er doch mal für 17500 US$ gekauft wurde...:)
Kunst und Kunstmarkt lässt sich halt nicht trennen, sieht man schön an der "Art Basel " zB...der Geldadel versenkt seine Kohle in "Kunst", egal wie scheusslich...hauptsache teuer.:p:p:p

da sind mir die "Sachen", die Banksy macht, einfach lieber zb.
oder auch der "alte Elsässer"(komm grad nicht auf seinen Namen)
ja doch, Tomi Ungerer..:))
der is'n Gesamtkunstwerk...in meinen Augen


der Isenheimer Altar...ein Hammerteil....

In Freiburg Brg. hab ich an der Dreisam beim Schwabentor mal wunderschöne Graffiti "entdeckt"

Andy Goldsworthy is auch son "Kandidat", der mir sehr zusagt...
Ich liebe zum Beispiel die Arbeiten dieser zwei Künstler

https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Fis ... avid_Weiss

Der Lauf der Dinge:
Plötzlich diese Übersicht, die Wurstserie, usw.

Meist freu ich mich dann darüber was sich die Menschen für Gedanken über das Leben machen. Die beiden haben Humor, Selbstironie und Transzendenz
Peter Lenk vom Bodensee
der alte Schelm wird heut' siebzig..... 40 Jahre Zoff und Zwinkern...;)

http://www.peter-lenk.de/
happygolucky hat geschrieben:
Ich liebe zum Beispiel die Arbeiten dieser zwei Künstler

https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Fis ... avid_Weiss

Der Lauf der Dinge:
Plötzlich diese Übersicht, die Wurstserie, usw.

Meist freu ich mich dann darüber was sich die Menschen für Gedanken über das Leben machen. Die beiden haben Humor, Selbstironie und Transzendenz


wia seid dr schwiizer:
das isch no uhuure guat... :like: :like: :like:
oder auch:sauglatt..

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