"Effektiver Altruismus" - ein "säkulares" Instrument für Bodhisattva-Ideal?

Moderator: void

Tsu Mie hat geschrieben:
Danke Doris, Sherab sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. :wink:

Sherab, die Kritik lautete, dass die Helfer oft nicht gut ausgebildet sind. Du schreibst, dass Du gerade eine Ausbildung absolvierst. Folglich trifft dieser Kritikpunkt nicht auf Dich zu.

Ich möchte Dir für Deine angestrebte Hospizarbeit gerne meine Hochachtung übermitteln und Dir dafür alles Gute wünschen.

Eventuell hilfreiche Links:

http://buddhismus-aktuell.de/meldungen/ ... erben.html

http://www.elysium.digital/


Tsu Mie, den Spruch mit dem Wald und den Bäumen hättest Du Dir sparen können.
Ich bohre trotzdem weiter: Wie kommt man darauf, "dass die Helfer oft nicht gut ausgebildet sind" ? Das ist doch eine bloße Behauptung, die da aufgestellt wird. Versuche ich, ein Gegenbeispiel zu liefern sagst Du, ja in meinem Falle würde das ja nicht stimmen, also alles in Butter.
Entschuldige bitte, das ist für mich keine schlüssige Argumentation.

P.S. Lisa Freund, die Inhaberin der Homepage, die Du gerade zitierst hast, war im Übrigen eine von den vielen Referenten...
Ganz allgemein mache ich die Beobachtung, dass unter "Helfen/Engagement" gerne eine Hierarchie geschaffen wird.
Da gibt es die "richtige Hilfe", worunter das persönliche Zupacken verstanden wird. Die "unedlere Hilfe" ist die Spende. Schnell ist der Spender dann ein "Hipster", der sein Gewissen beruhigen will und der Helfer ein Held.
Das halte ich für eine sehr enge Sichtweise, die zudem noch realitätsfern ist.

Um es mal auf den Punkt zu bringen, drücke ich es überspitzt aus:
Mir ist es lieber, ein Maurer bezahlt für mich die medizinische Behandlung, als dass er selbst mich operiert.
nabnab hat geschrieben:
Form ist Leere, Leere ist Form.

Von der Leere ausgehend scheint es mir egal zu sein, wo ich auf der Ebene der Form spende/helfe...

Irre ich da?



Ja! Denn Leere (Leerheit) ohne Mitgefühl ist eine nihilistische Sichtweise, die der Buddhismus ablehnt. Deshalb gibt es ja die buddhistische Ethik. Sie unterscheidet sich aber von der Ethik wie sie hier verstanden wird.
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
Ganz allgemein mache ich die Beobachtung, dass unter "Helfen/Engagement" gerne eine Hierarchie geschaffen wird.
Da gibt es die "richtige Hilfe", worunter das persönliche Zupacken verstanden wird. Die "unedlere Hilfe" ist die Spende. Schnell ist der Spender dann ein "Hipster", der sein Gewissen beruhigen will und der Helfer ein Held..


Dem effektiven Altriusmus liegt ein sehr emotionslose und moderne Vorstellung von Geben zu Grunde, wo man wirklich gibt ohne, etwas zurückzuwollen. Was ja bestimmt für einige zutrifft, aber villeicht für gar nicht mal so viele.

Die im Menschen verwurzelte Vorstellung von Geben ist eine von Gegenseitigkeit. Derjenige der gibt, verliert zwar etwas, gelichzeitig gewinnt er aber ein gewisses Ansehen bei sich selbst und bei anderen als ein Gebender: Er hat Anspruch auf Dankbarkeit. Er steigt in einer imaginären Hierarchie auf.

Und dazu ist es wichtig, möglichst persönlich zu helfen aber eben auch möglichst solchen Leuten, die die in diesen Bild des "dankbaren Empfängers" passen. Also meine Kinder kamen mal mit so einer Aktion an, wo man rumänische Waisenkinder was zu Weihnachten schenkt. Und ich muss sagen, das so etwas die gewonnene Schenkerfahrung maximiert: Da kann man sich dann vorstellen, wie so ein kleines Wesen das öffnet und sich sehr freut. Und man selber kann sich so an seiner Gutheit freuen. Das geht sogar mir so, obwohl ich theoretisch druchschaue, was das letzenlich für ein Gutmenschen-Schmarrn ist. Schon rumänischen Senioren was zu schenken, wäre nicht in der gleichen Weise befriedigend.

Und wenn dann so ein effizienter Altruist daherkommt, dann sagt der wahrscheinlich, dass es am besten wäre, einen hässlichen Betondeich für Bangladesh zu beteiligen oder twas ähnlich unromatischen.
Tsu Mie:
Wem 20€ spenden? Es gibt in 'Deinem buddhistischen Zentrum' den Aufruf zu Renovierungszwecken Geld zu sammeln. Gleichzeitig hast Du die Information, dass mit den 20€ irgendwo auf der Welt eine konkrete Anzahl Menschenleben (Impfstoffe) gerettet werden könnte.
Wer bekommt die 20€?

Mein bisheriger Eindruck ist, dass es da durchaus Menschen geben würde, die die 20€ für die Renovierung geben würden. Sie würden dafür sicherlich kreative Rechtfertigungen finden...nur um sich selbst darüber zu täuschen, dass es ihnen in Wirklichkeit um das Wohlgefallen des Lehrers geht.


Diesen Eindruck erwecken UserInnen bei dir - obwohl keiner deine Frage beantwortet hat - oder Leute die du von vor Ort kennst ? Tatsächlich gibt es Leute, die Geldmittel oder ehrenamtliche Arbeitskraft in "Dharma-Zentren" stecken. Du findest also, solche Handlungen sind verfehlt?
Das ist natürlich legitim, aber erstmal nur ne Meinung.( das mit dem: zum Wohlgefallen des Lehrers ist Spekulation, zumal Dana ja oft "anonym" gehalten wird ) Das mit dem Singer ist auch noch nicht "vom Tisch": du postest ein Zitat, wo so ein "Effektiver Altruist" aussagt, er würde auch morden und foltern (lassen), wenn s denn dem "Glück" anderer nützt. Die anderen Protagonisten des EA habe ich mir deswegen gar nicht mehr angeschaut.
Tsu Mie hat geschrieben:
Sherab Yönten hat geschrieben:
Ich bohre trotzdem weiter: Wie kommt man darauf, "dass die Helfer oft nicht gut ausgebildet sind" ? Das ist doch eine bloße Behauptung, die da aufgestellt wird.

Wie wäre es mit selbst nachlesen? :?



Nicht wirklich! Kein Interesse,
void hat geschrieben:
Dem effektiven Altriusmus liegt ein sehr emotionslose und moderne Vorstellung von Geben zu Grunde, wo man wirklich gibt ohne, etwas zurückzuwollen. Was ja bestimmt für einige zutrifft, aber villeicht für gar nicht mal so viele.

Die im Menschen verwurzelte Vorstellung von Geben ist eine von Gegenseitigkeit. Derjenige der gibt, verliert zwar etwas, gelichzeitig gewinnt er aber ein gewisses Ansehen bei sich selbst und bei anderen als ein Gebender: Er hat Anspruch auf Dankbarkeit. Er steigt in einer imaginären Hierarchie auf.

Und dazu ist es wichtig, möglichst persönlich zu helfen aber eben auch möglichst solchen Leuten, die die in diesen Bild des "dankbaren Empfängers" passen. Also meine Kinder kamen mal mit so einer Aktion an, wo man rumänische Waisenkinder was zu Weihnachten schenkt. Und ich muss sagen, das so etwas die gewonnene Schenkerfahrung maximiert: Da kann man sich dann vorstellen, wie so ein kleines Wesen das öffnet und sich sehr freut. Und man selber kann sich so an seiner Gutheit freuen. Das geht sogar mir so, obwohl ich theoretisch druchschaue, was das letzenlich für ein Gutmenschen-Schmarrn ist. Schon rumänischen Senioren was zu schenken, wäre nicht in der gleichen Weise befriedigend.


Es gibt kein emotionsloses Geben. Ich bekomme immer was zurück.
Ich denke es geht beim EA eher darum, dass meine persönliche Befriedigung nicht so sehr im Vordergrund steht. Wenn ich einem Bettler was gebe, dann geschieht das aus einem Impuls. Die Befriedigung findet gleich statt. Fraglich ist, ob diese Impulsivität nachhaltig ist und etwas verändert.

Ich finde es trotzdem wichtig, den Waisenkindern was zu Weihnachten zu schenken, weil es eine Beziehung zwischen Geber und Nehmer schafft. Beziehung heilt. Die positive Erfahrung für beide Seiten halte ich für enorm wichtig, sie öffnet Herzen und Türen.

Ich finde, wir haben alle Grund uns an unserer Gutheit zu freuen. Wir sind alle im Grunde gut. Das zu spüren und zu erleben ist eine unentbehrliche Erfahrung. Wer sich gut fühlt, tut eher Gutes. Wenn man dann noch den Verstand einschalten kann und sich auch ein Stück weit von dem tollen Gefühl distanzieren kann, dann ist alles bestens, finde ich.
Der Titel

ein "säkulares" Instrument für Bodhisattva-Ideal?
hätte mich auch stutzig machen sollen.
"Helfer sein", ist nicht gleichbedeutend mit "Hilfe leisten können".

Es gibt Hilfen, die können die meisten leisten, weil sie zu den üblichen Alltagsfähigkeiten gehören. (Obwohl auch die allmählich bei vielen verloren gehen, z.B. im Haushalt helfen :mrgreen: ) Aber in der Regel kann jeder Nachbar für den alten Nachbarn einkaufen gehen, ein wenig aufräumen usw. Das sind unverzichtbare Tätigkeiten und Hilfen.
Anders sieht es aus, wenn der Nachbar gepflegt werden soll. Da ist es wichtig, was von der Pflege zu verstehen. Damit es gescheit gemacht wird, ist darüberhinaus mehr Wissen erforderlich. Das kann man sich aneignen. Das sollte man sich auch zeigen lassen. Sonst können fatale Fehler geschehen.

Fast jeder kann einem blinden Menschen über die Straße helfen, aber die wenigsten könne sich in das Leben eines Blinden hineinversetzen und wissen, was sonst noch getan werden muss und auf welche Weise. Auch das kann man erlernen.


Ich würde früher ansetzen wollen, nämlich bei der grundsätzlichen Frage: Was bin ich überhaupt bereit (ab) zu geben? An dieser Stelle sei noch einmal die freiwillige Selbstverpflichtung der "Effektiven Altruisten" erwähnt: 10-40% seines Einkommens zu spenden - lebenslang

das ist gut.

was diese orga https://ea-stiftung.org/teamaber zum Beispiel betrifft, da kommen ja die Lohngelder der Mitarbeiter von denen dann großzügig gespendet wird- von spendern.
der effektive Altruist vernachlässigt also das eigene glück natürlich auch nicht gerade
und dann hat man da einen Berater wie Metzinger der Aufsätze zum russischen, rumänischen, japanischen ego-tunnel schreibt; ich warte auf deinen zum buddhistischen ego-tunnel :upsidedown:
:rofl:
https://ea-foundation.org/blog/our-plans-for-2017/

Aus dem Transparenzbericht werde ich nicht schlau. Das meiste an Spenden scheint bislang in Sensibilisierung der Politik, Konferenzen, Erforschung, Organisationsaufbau , dergleichen gesteckt worden zu sein.

https://ea-foundation.org/transparency/#Activities_in_2016
naja, kann sich ja jeder selber ein bild machen.
oder mich bitte aufklären: wieviel Prozent ging an: Impfung, Medizin, Schutz, Nahrung, Bildung Umweltschutz...
Sherab Yönten hat geschrieben:

Denn Leere (Leerheit) ohne Mitgefühl ist eine nihilistische Sichtweise, die der Buddhismus ablehnt.


Ich dachte immer, Leere (Leerheit) stünde jenseits jeglicher Begrifflichkeit, Form würde in ihr "aufgehen". Wenn das tatsächlich so ist, kann es doch nicht so wesentlich sein, wem (welcher Form) ich spende/helfe!

Mit anderen Worten: "Effektivität" ist m. E. ein Begriff aus der Formenwelt, den es in der Leerheit nicht gibt.
nabnab hat geschrieben:
Sherab Yönten hat geschrieben:

Denn Leere (Leerheit) ohne Mitgefühl ist eine nihilistische Sichtweise, die der Buddhismus ablehnt.


Ich dachte immer, Leere (Leerheit) stünde jenseits jeglicher Begrifflichkeit, Form würde in ihr "aufgehen". Wenn das tatsächlich so ist, kann es doch nicht so wesentlich sein, wem (welcher Form) ich spende/helfe!

Mit anderen Worten: "Effektivität" ist m. E. ein Begriff aus der Formenwelt, den es in der Leerheit nicht gibt.


Doch. Es ist dann wesentlich, wenn jemand behauptet die Spende A sei "effektiver" wie die Spende B.
Allerdings: Die höchste Ebene des Mitgefühls (aus der Leerheitsperspektive) besteht darin, wenn man Mitgefühl für die Wesen empfindet, weil sie noch nicht Leerheit erkannt haben. Daher ist auch das Geben von Dharma die höchste Form von Geben.
Sherab Yönten hat geschrieben:

Doch. Es ist dann wesentlich, wenn jemand behauptet die Spende A sei "effektiver" wie die Spende B.


Genau dagegen habe ich mich ja ausgesprochen! ;-)
nabnab hat geschrieben:
Sherab Yönten hat geschrieben:

Doch. Es ist dann wesentlich, wenn jemand behauptet die Spende A sei "effektiver" wie die Spende B.


Genau dagegen habe ich mich ja ausgesprochen! ;-)


:like:
Ich verstehe nicht, wie man bei diesem Thema auf "Leerheit" usw. kommen kann.

Da bin ich viel einfacher gestrickt:
Wenn ich sehe, dass jemand Hilfe benötigt, dann frage ich mich:
Was ist zu tun?
Kann ich das leisten?
Soll ich jemanden Kompetenten holen?
Wäre meine Hilfe sinnvoll und nachhaltig?

An Buddhismus denke ich dabei gar nicht.
Sherab Yönten hat geschrieben:
Axel hat geschrieben:
Es gibt keinen Unterschied zwischen 'den Geist verändern' und 'die Welt verändern'. Wer das eine tut, tut automatisch auch das andere.


Geist verändern ist für mich schon etwas anderes wie die Welt "verbessern" wollen. Mit der Veränderung des Geistes in Richtung Geistesruhe/ Einsicht (Nirvana) kann der Praktizierende eine veränderte Weltsicht erreichen, während die Wesen im Samsara weiterhin leiden. Durch Ethik kann positives Karma erzeugt werden, aber das Karma nicht zum erloschen gebracht werden.

Void (den ich mit meiner Aussage zitiere) und ich haben nichts davon geschrieben, die Welt zu 'verbessern'. Der Satz war nicht: Es gibt keinen Unterschied zwischen 'den Geist verändern' und 'die Welt verbessern'.

Im Übrigen teile ich Deine dualistische Weltsicht nicht, die 'Geist' und 'Welt', Nirvana und Samsara voneinander trennt. Beide sind Teil des gleichen Prozesses, und natürlich ändert sich 'Welt' (zum Besseren oder Schlechteren), wenn sich 'Geist' ändert.
Axel hat geschrieben:
Sherab Yönten hat geschrieben:
Axel hat geschrieben:
Es gibt keinen Unterschied zwischen 'den Geist verändern' und 'die Welt verändern'. Wer das eine tut, tut automatisch auch das andere.


Geist verändern ist für mich schon etwas anderes wie die Welt "verbessern" wollen. Mit der Veränderung des Geistes in Richtung Geistesruhe/ Einsicht (Nirvana) kann der Praktizierende eine veränderte Weltsicht erreichen, während die Wesen im Samsara weiterhin leiden. Durch Ethik kann positives Karma erzeugt werden, aber das Karma nicht zum erloschen gebracht werden.

Void (den ich mit meiner Aussage zitiere) und ich haben nichts davon geschrieben, die Welt zu 'verbessern'. Der Satz war nicht: Es gibt keinen Unterschied zwischen 'den Geist verändern' und 'die Welt verbessern'.

Im Übrigen teile ich Deine dualistische Weltsicht nicht, die 'Geist' und 'Welt', Nirvana und Samsara voneinander trennt. Beide sind Teil des gleichen Prozesses, und natürlich ändert sich 'Welt' (zum Besseren oder Schlechteren), wenn sich 'Geist' ändert.


Auf der relativen Ebene gibt es immer eine "dualistische Sicht".
Wenn Du aus der absoluten Sichtweise (Aufhebung der dualistischen Ebene) heraus argumentierst, gibt es kein besser und kein schlechter und demnach auch keine Veränderungen.
Allerdings stimme ich mit Dir überein, wenn Du den Prozess meinst: Wenn Du Schritt für Schritt durch Geistestraining die relative Ebene "verlässt" und die absolute Ebene "kultivierst".

Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
Ich verstehe nicht, wie man bei diesem Thema auf "Leerheit" usw. kommen kann.

Da bin ich viel einfacher gestrickt:
Wenn ich sehe, dass jemand Hilfe benötigt, dann frage ich mich:
Was ist zu tun?
Kann ich das leisten?
Soll ich jemanden Kompetenten holen?
Wäre meine Hilfe sinnvoll und nachhaltig?


Eigentlich sollte man, wenn man buddhistisch argumentiert, bei jeder tieferen Diskussion letztendlich auf Leerheit kommen. Leerheit ist untrennbar mit Mitgefühl. Da ist nichts kompliziertes dabei.
Sherab Yönten hat geschrieben:
Axel hat geschrieben:
Sherab Yönten hat geschrieben:

Geist verändern ist für mich schon etwas anderes wie die Welt "verbessern" wollen. Mit der Veränderung des Geistes in Richtung Geistesruhe/ Einsicht (Nirvana) kann der Praktizierende eine veränderte Weltsicht erreichen, während die Wesen im Samsara weiterhin leiden. Durch Ethik kann positives Karma erzeugt werden, aber das Karma nicht zum erloschen gebracht werden.

Void (den ich mit meiner Aussage zitiere) und ich haben nichts davon geschrieben, die Welt zu 'verbessern'. Der Satz war nicht: Es gibt keinen Unterschied zwischen 'den Geist verändern' und 'die Welt verbessern'.

Im Übrigen teile ich Deine dualistische Weltsicht nicht, die 'Geist' und 'Welt', Nirvana und Samsara voneinander trennt. Beide sind Teil des gleichen Prozesses, und natürlich ändert sich 'Welt' (zum Besseren oder Schlechteren), wenn sich 'Geist' ändert.


Auf der relativen Ebene gibt es immer eine "dualistische Sicht".
Wenn Du aus der absoluten Sichtweise (Aufhebung der dualistischen Ebene) heraus argumentierst, gibt es kein besser und kein schlechter und demnach auch keine Veränderungen.
Allerdings stimme ich mit Dir überein, wenn Du den Prozess meinst: Wenn Du Schritt für Schritt durch Geistestraining die relative Ebene "verlässt" und die absolute Ebene "kultivierst".

Das Beispiel 'Geist verändern'/'Welt verändern' hat imho nichts mit mit dem Konstrukt 'absolute/relative Wahrheit' zu tun (beim Beispiel Nirvana/Samsara könnte man darüber reden...): 'Geist' ist Teil von 'Welt', und wenn sich 'Geist' verändert, verändert sich 'Welt'. Das ist nichts anderes, als wenn ich mir ein Bein abhacke: 'Welt ohne Bein' ist eine veränderte Welt im Vergleich zu 'Welt mit Bein'... :)
Axel hat geschrieben:
Das Beispiel 'Geist verändern'/'Welt verändern' hat imho nichts mit mit dem Konstrukt 'absolute/relative Wahrheit' zu tun (beim Beispiel Nirvana/Samsara könnte man darüber reden...): 'Geist' ist Teil von 'Welt', und wenn sich 'Geist' verändert, verändert sich 'Welt'. Das ist nichts anderes, als wenn ich mir ein Bein abhacke: 'Welt ohne Bein' ist eine veränderte Welt im Vergleich zu 'Welt mit Bein'


Hallo Axel,

nur noch eine letzte Bemerkung von mir: Das "Konstrukt" 'absolute/relative Wahrheit' ist gar nicht so verschieden wie das Konzept "Nirvana/Samsara" (ich sage nicht, dass beides identisch ist).
Zu Deinem Beispiel mit dem Bein: Gab es nicht eine Geschichte wo der Buddha einen Körperteil aus Mitgefühl opferte, weil ein Raubtier Hunger hatte?
Für einen Buddha, der Nirvana erreicht und Leerheit realisiert hat, macht es keinen großen Unterschied ob er in einer Welt mit Bein oder in einer Welt ohne Bein lebt. Er haftet nicht mehr an einer bestimmten Vorstellung eines perfekten Körpers oder an einer bestimmten Vorstellung von Welt.
Eigentlich sollte man, wenn man buddhistisch argumentiert, bei jeder tieferen Diskussion letztendlich auf Leerheit kommen. Leerheit ist untrennbar mit Mitgefühl. Da ist nichts kompliziertes dabei.



Wer sagt das?

Dass es kompliziert wird, kann man doch anhand der Beiträge gut erkennen: Kopfkino.
Tsu Mie hat geschrieben:
Dass das Wort "effektiv" dann doch wieder so trennende Wirkung erzeugt, kann ich bisher noch nicht hinreichend begreifen. Ich wäre dankbar, wenn mir da jemand Erklärungsansätze liefern könnte.


Mitgefühl ist ja ein Hineinversetzen und und in dem gefühlsmäßigen Sich-Einlassen tritt anderes zurück. Während das Nachdenken über Wirkungen etwa von einem rationalen Zurücktreten aus der Situation hat. Wo man nicht mit dem Herz sondern mit dem Hirn entscheidet.

Beides kann sich ergänzen: Mitgefühl liefert eine Motivation aber dann ist ein Nachdenken sinnvoll, um das in die richtige Bahnen zu lenken und die Wirkung nicht versanden zu lassen.
void hat geschrieben:
Mitgefühl ist ja ein Hineinversetzen und und in dem gefühlsmäßigen Sich-Einlassen tritt anderes zurück. Während das Nachdenken über Wirkungen etwa von einem rationalen Zurücktreten aus der Situation hat. Wo man nicht mit dem Herz sondern mit dem Hirn entscheidet.

Beides kann sich ergänzen: Mitgefühl liefert eine Motivation aber dann ist ein Nachdenken sinnvoll, um das in die richtige Bahnen zu lenken und die Wirkung nicht versanden zu lassen.


Bin Deiner Meinung.

Ich mache oft genug die Beobachtung, auch an mir, dass die emotionale Bewegtheit am Schicksal Anderer, erst mal eine Sache ist, die mich persönlich betrifft. Wenn ich nicht in der Lage bin zurückzutreten, dann kann es zu Aktionismus führen. Der dient einzig alleine dazu, mein Unbehagen zu beseitigen. Ob das dem Anderen nutzt, ist dabei egal.
Das nenne ich "Ungeduld des Herzens", nach dem Roman von Stefan Zweig.

Wenn es mir um den Anderen geht, dann spielt meine Emotion keine Rolle mehr. Sie ist lediglich der neongelbe Marker, der mich auf die Not des Anderen hingewiesen hat.

Mitgefühl braucht Distanz und Verstand.
Tsu Mie:
Mitgefühl! Genau dieser Aspekt sollte 'den Buddhisten' -meiner Meinung nach- zum Altruismus hinführen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die wohl wenig Diskussionsstoff beinhaltet.


Findest du, dass "Buddhisten" zu wenig mitfühlend sind; - oder "der Buddhismus" ? - zu wenig "in der Welt sozial engagiert"? Buddhistische Ethik zielt ja erstmal auf "Selbsterlösung"; der Schwerpunkt liegt daher bei den eigenen Verhaltensweisen-förderlich/heilsam/hinderlich/unheilsam); in der Praxis (dana-sila-bhavana ),-wenn du so willst.
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
Eigentlich sollte man, wenn man buddhistisch argumentiert, bei jeder tieferen Diskussion letztendlich auf Leerheit kommen. Leerheit ist untrennbar mit Mitgefühl. Da ist nichts kompliziertes dabei.



Wer sagt das?

Dass es kompliziert wird, kann man doch anhand der Beiträge gut erkennen: Kopfkino.


Doris, jetzt hätte ich Deine Antwort beinahe übersehen, da Du mich nicht direkt zitiert hast.
Wer das sagt? Erwartest Du, dass ich jetzt eine Quelle raussuche? So wie die, die ständig den Palikanon zitieren? Sorry, damit kann ich nicht dienen. Für mich ist aber buddhistische Weisheit (also: Leerheit) letztendlich das, worauf es ankommt. Und Mitgefühl bezieht sich zwar auch auf Ethik (relatives Bodhicita), aber das größte Mitgefühl, dass wir entwickeln können bezieht sich auf die Unwissenheit der Wesen, weil sie Leerheit nicht erkennen (absolutes Bodhicita).

Wenn verschiedene Meinungen vertreten werden, finde ich das nicht kompliziert. Es zeigt vielmehr, dass wir wohl auf verschiedenen Ebenen diskutieren und dadurch manchmal aneinander vorbei reden.
Ich meinte das ganz allgemein, lieber Sherab.
Es betrifft alle und jeden. Das ist wohl eine der Grundaussagen im Dharma.

Momentan bin ich nicht imstande in Worte auszudrücken, was ich genau meine. Ich finde auch keine passende Metapher dafür. Deshalb kann ich nicht weiter darauf eingehen. Aber bitte, fühle Dich nicht angegriffen, denn das war überhaupt nicht intendiert. :rose:
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
Aber bitte, fühle Dich nicht angegriffen, denn das war überhaupt nicht intendiert


Habe ich meinen Beitrag so geschrieben, dass Du daraus gelesen hast, ich könnte mich angegriffen fühlen? :eek:

Nein , Doris, alles gut :) :rose:

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