Familien

Moderator: void

Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
Und dann, nach alledem was man sich in dieser Familie um die Ohren wirft, antut usw sind alle wieder herzensgut miteinander, stehen für den anderen ein, wenn es eine Krise gibt, halten zusammen wie Pech und Schwefel. Und darauf sind sie stolz!
Und ich merke, wie fassungslos mich das macht, überlege, ob es Neid ist, den ich verspüre, habe wirklich sogar darüber meditiert... aber es ist kein Neid ob dieses Familien-Zusammenhaltes, es ist wirklich nur Fassungslosigkeit über diese "zwieträchtige Harmonie", die ich nur schwer ertragen kann. Und dann, in diesen Momenten, dann sehne ich mich wieder nach meinem sehr sehr bescheidenem Leben, nach meinem Alleinesein im Wald.


Könnte das nicht einfach Liebe sein?


Hallo Doris,

hmmm, wenn das Liebe ist, dann finde ich das gruselig. Ich liebe und werde anders geliebt ....

Es scheint mir eher so, als ob nur sie das Recht haben, sich gegenseitig so zu maltratieren, fast wie ein Besitzrecht. Jeder redet schlecht über den anderen, mehr noch, Demütigungen brauchen Publikum. In meinem Hühnerstall geht es wesentlich friedlicher zu :mrgreen: Und dann machen sie auch gemeinsam Front gegen jeden.
Ich empfinde das ambivalente Verhältnis zueinander verwirrend und es kommt mir unehrlich vor.
Tara4U hat geschrieben:

Hallo Doris,

hmmm, wenn das Liebe ist, dann finde ich das gruselig. Ich liebe und werde anders geliebt ....

Es scheint mir eher so, als ob nur sie das Recht haben, sich gegenseitig so zu maltratieren, fast wie ein Besitzrecht. Jeder redet schlecht über den anderen, mehr noch, Demütigungen brauchen Publikum. In meinem Hühnerstall geht es wesentlich friedlicher zu :mrgreen: Und dann machen sie auch gemeinsam Front gegen jeden.
Ich empfinde das ambivalente Verhältnis zueinander verwirrend und es kommt mir unehrlich vor.


Menschen sind kompliziert.
Konflikte sind sehr mächtig und stiften deshalb große Verwirrung. Manchmal finden die Menschen nicht alleine aus den Konflikten heraus. Das bedeutet aber nicht, dass sie sich nicht lieben würden.
In dieser Familie gibt es offenbar eine Menge Verletzungen, die immer noch virulent sind und sich deshalb bei jeder Gelegenheit zu Wort melden. Oftmals werden Konflikte regelrecht ritualartig zelebriert.

Ich habe das schon oft mitbekommen, wie sich im Laufe der Jahre diese Dinge auflösen können. Meist geschieht das, wenn die Leute älter werden und gerade diejenige, mit denen die Konflikte am größten waren, wegsterben. Selbst geht es mir ja auch so, dass ich erlebe, wie versöhnlich der Tod ist, und wie er einen dazu bringen kann, von den eigenen Befindlichkeiten loszulassen und die Dinge aus einer anderen, gerechteren Warte zu betrachten. Da offenbart sich bei einigen erst, wieviel Liebe und Zuneigung auch in einer konfliktreichen Beziehung stecken kann.

Statt eine Harmonie zu erwarten, die verlogen wäre, weil sie den Voraussetzungen nicht entspricht, kann man so ein Geschehen mit offenem Herzen beobachten, ausgehend von der Annahme, dass es sich um leidende Wesen handelt, die in ihrem Leiden gerade gefangen sind. Und wenn es zu anstrengend ist, dann kann man sich auch rar machen.

Liebe Grüße
Doris
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
Tara4U hat geschrieben:

Hallo Doris,

hmmm, wenn das Liebe ist, dann finde ich das gruselig. Ich liebe und werde anders geliebt ....

Es scheint mir eher so, als ob nur sie das Recht haben, sich gegenseitig so zu maltratieren, fast wie ein Besitzrecht. Jeder redet schlecht über den anderen, mehr noch, Demütigungen brauchen Publikum. In meinem Hühnerstall geht es wesentlich friedlicher zu :mrgreen: Und dann machen sie auch gemeinsam Front gegen jeden.
Ich empfinde das ambivalente Verhältnis zueinander verwirrend und es kommt mir unehrlich vor.


Menschen sind kompliziert.
Konflikte sind sehr mächtig und stiften deshalb große Verwirrung. Manchmal finden die Menschen nicht alleine aus den Konflikten heraus. Das bedeutet aber nicht, dass sie sich nicht lieben würden.
In dieser Familie gibt es offenbar eine Menge Verletzungen, die immer noch virulent sind und sich deshalb bei jeder Gelegenheit zu Wort melden. Oftmals werden Konflikte regelrecht ritualartig zelebriert.

Ich habe das schon oft mitbekommen, wie sich im Laufe der Jahre diese Dinge auflösen können. Meist geschieht das, wenn die Leute älter werden und gerade diejenige, mit denen die Konflikte am größten waren, wegsterben. Selbst geht es mir ja auch so, dass ich erlebe, wie versöhnlich der Tod ist, und wie er einen dazu bringen kann, von den eigenen Befindlichkeiten loszulassen und die Dinge aus einer anderen, gerechteren Warte zu betrachten. Da offenbart sich bei einigen erst, wieviel Liebe und Zuneigung auch in einer konfliktreichen Beziehung stecken kann.

Statt eine Harmonie zu erwarten, die verlogen wäre, weil sie den Voraussetzungen nicht entspricht, kann man so ein Geschehen mit offenem Herzen beobachten, ausgehend von der Annahme, dass es sich um leidende Wesen handelt, die in ihrem Leiden gerade gefangen sind. Und wenn es zu anstrengend ist, dann kann man sich auch rar machen.

Liebe Grüße
Doris


Liebe Doris,
ja, der Tod spielt in dieser Familie bereits jetzt eine grosse Rolle, und es sind auch leidende Wesen.
Dennoch ist es nicht einfach jetzt in meinem Fall, sich rar zu machen oder es nur mit offenem Herzen zu beobachten, da ich irgendwie involviert bin. Da ich offen und ehrlich auf die besondere Problematik zu-und eingegangen bin, habe ich meine Abseits-Position verloren und bin in diesem Strudel eingesogen worden, wovon ich mich nun freischwimmen muss. Hab derweil eine Boje erreicht, Land ist noch nicht in Sicht, solange ich vermutlich nicht gelernt habe, eine ausdauernde Schwimmerin zu werden, die den hohen Wellen der wechselnden Emotionen und der individuellen Filme trotzen kann. Mein Versuch, mir Flügel wachsen zu lassen und einfach so davon zu fliegen war nur eine Illusion.
Vielleicht wird mir gerade klar, dass ich mich den Herausforderungen im Leben halt nicht entziehen kann, indem ich mich umdrehe und gehe, sondern lernen muss, ihnen zu begegnen.
Aber die vielen Jahre im Wald mit allen Abenteuern und wundersamen Erlebnissen und Begebenheiten haben mich bestärkt darin, auf meine innere Stimme zu hören und zu wissen, dass ich ihr vertrauen kann, egal was ist, welche Gegenargumente man hört. Was nicht stimmig ist erkenne ich nach wie vor sofort. Nur hat sich in der "Zivilisation" mein Ego zurückgemeldet, und ich muss nun unter erschwerten Bedingungen lernen, einen kleinen Wicht, der nach Jahren nun wieder aufgetaucht ist, in mir zu zähmen...es ist eine Sache, ob man sich die wenigen Menschen aussucht, weil es nur um die eigene Person geht und man das völlige Alleinesein unglaublich geniesst, oder ob man zum Zusammenleben mit Menschen das Ego abfeilen muss, solange, bis man ganz emotionslos die Sachlage analysieren und für sich beurteilen kann.
Was ich sagen will: ich erkenne das grosse Leid in den anderen, erkenne das Leid in mir, welches sie mir zufügen, aber mein Ego, welches nun schwuppdiwupp sich sehr präsent meldet, verhindert es, grossmütig zu sein. Auch, weil Grossmut m.E. hier oft nicht angebracht ist, sondern nur zur Bestärkung der diversen Verhaltensmuster führt, die für die einzelnen selbst nicht sehr konstruktiv sind, sie in ihrem Dasein gefangenhalten, und für mich schmerzhaft sind.
Tara4U hat geschrieben:
Vielleicht wird mir gerade klar, dass ich mich den Herausforderungen im Leben halt nicht entziehen kann, indem ich mich umdrehe und gehe, sondern lernen muss, ihnen zu begegnen.

Nur hat sich in der "Zivilisation" mein Ego zurückgemeldet, und ich muss nun unter erschwerten Bedingungen lernen, einen kleinen Wicht, der nach Jahren nun wieder aufgetaucht ist, in mir zu zähmen...

...es ist eine Sache, ob man sich die wenigen Menschen aussucht, weil es nur um die eigene Person geht und man das völlige Alleinesein unglaublich geniesst, oder ob man zum Zusammenleben mit Menschen das Ego abfeilen muss, solange, bis man ganz emotionslos die Sachlage analysieren und für sich beurteilen kann.


Hallo Tara4U,
gerade heute habe ich wieder mal darüber reflektiert, was es eigentlich bedeutet, inmitten des an einem "zerrenden Trubels" den achtfachen Pfad einzuhalten. Und ich bin wieder mal zu dem Ergebnis gekommen, dass es eine viel größere Leistung ist, sein Ego zu sehen und ihm keine Macht zu geben, als in einem "Waldkloster" fernab aller Versuchungen und Angriffe inmitten Gleichgesinnter oder alleine vom Ego nichts zu spüren. Ich will damit nicht sagen, dass es einfach ist, alleine im Wald zu leben. Ich kann das (bis jetzt) nicht, ich habe Angst vor Getier und dergleichen. :doubt:

Deshalb glaube ich auch, dass sich so mancher Mönch und manche Nonne nicht klar darüber sind, wie schnell sich das Ego zurückmeldet, sobald es in der "Zivilisation wieder gereizt" wird.

Für mich ist es die Herausforderung, mich mit all dem, was hier und jetzt geschieht, zu konfrontieren und hinzuschauen. Dadurch habe ich schon ganz viel von meinem Selbstbild und meiner Illusion über mich abgebaut. Und es gibt immer was zu tun.
Viel Kraft für Dich und Lucy
Monika
Liebe Tara,

was Du gerade geschrieben hast, finde ich herzerwärmend.
Da ist sehr viel Zartheit drin.
:rose:

Liebe Grüße
Doris
Monikadie4. hat geschrieben:
Viel Kraft für Dich und Lucy
Monika


Danke, du liebe! zu meinem großen Glück gibt es dharmafreunde, mit denen ich mich geschwisterlich verbunden fühle.

:vajra:




Sie sind sehr geduldig mit mir, denn was das überhaupt ist habe ich nicht gekannt.
Deshalb glaube ich auch, dass sich so mancher Mönch und manche Nonne nicht klar darüber sind, wie schnell sich das Ego zurückmeldet, sobald es in der "Zivilisation wieder gereizt" wird.


Hallo Monika,

ja, das hatte ich auch immer geglaubt, nun bin ich mir aber ziemlich sicher :)
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
Liebe Tara,

was Du gerade geschrieben hast, finde ich herzerwärmend.
Da ist sehr viel Zartheit drin.
:rose:

Liebe Grüße
Doris

:) Danke

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