Weisheit

Moderator: void

Ich habe mich während des letzten Jahres mit dem Begriff der 'Weisheit' beschäftigt. Ich fürchte, viel weiser bin ich nicht geworden, aber ein paar Fragen sind mir geblieben, und vielleicht ist das Fragen ja derBeginn der Weisheit.

Vielleicht will zu diesen Fragen ja jemand was sagen?

Gibt es so etwas wie Weisheit, die unabhängig von einer Religion/Philosophie ist? (also Weisheit, die nicht 'buddhistische', 'christliche', 'weltliche' Weisheit wäre?

Wäre so eine Weisheit dann 'konfessionellen' Weisheiten vorzuziehen? Wenn ja, warum?Wenn nein, warum nicht?

Gäbe es 'Methoden', sie zu befördern (Meditation, Kontemplation, usw.)?

Wäre sie 'universell' oder gäbe es kulturelle Unterschiede? Welche? Warum?
Is Weisheit überhaupt abhängig-bedingt ?
Hallo Axel,

Axel hat geschrieben:
...Gibt es so etwas wie Weisheit, die unabhängig von einer Religion/Philosophie ist? (also Weisheit, die nicht 'buddhistische', 'christliche', 'weltliche' Weisheit wäre?...

Es gibt nichts, das unabhängig ist. Weisheit ist immer abhängig von etwas, das von jemandem als weise bezeichnet und/oder empfunden wird wird.

Wäre so eine Weisheit dann 'konfessionellen' Weisheiten vorzuziehen? Wenn ja, warum?Wenn nein, warum nicht?
Wäre sie 'universell' oder gäbe es kulturelle Unterschiede? Welche? Warum?

Einem weisen Menschen stellen sich solche Fragen nicht mehr. :D
Alles Spekulationen.
Sie bringen dich kein Stück weiter.

Gäbe es 'Methoden', sie zu befördern (Meditation, Kontemplation, usw.)?

Nein.
Und trotzdem ist es wichtig zu üben.
Axel hat geschrieben:
Gibt es so etwas wie Weisheit, die unabhängig von einer Religion/Philosophie ist? (also Weisheit, die nicht 'buddhistische', 'christliche', 'weltliche' Weisheit wäre?

Wäre so eine Weisheit dann 'konfessionellen' Weisheiten vorzuziehen? Wenn ja, warum?Wenn nein, warum nicht?

Gäbe es 'Methoden', sie zu befördern (Meditation, Kontemplation, usw.)?

Wäre sie 'universell' oder gäbe es kulturelle Unterschiede? Welche? Warum?


Vielleicht kann der folgende Link Dir einige Antworten auf Deine Fragen geben?

https://de.wikipedia.org/wiki/Vipassana ... 3_Sanskrit
Vielleicht bezeichnet Weisheit eine Art Lebenstüchtigkeit. Derjenige, der mit allen möglichen Situationen souverän umgehen kann, gilt als "weise".

Wobei man das dann nochmal aufglieder könnte in äußere Situation und Sachen die mit dem eignen Geist zu tun haben. Weisheit wäre dann, den eigenen Geist zu meistern.

Und wie der so ist, ist ja auch eine Sache der kulturellen Prägung, des Geschlechts u.s.w. Ich schätze für manche traditionellere Frauen ist z.B die Idee sich eine Glatze zu rasieren und Nonne zu werden eine Horrorvorsellung während das für viele Männer vemutlich kein wichtiger Punkt ist. Insofern Weisheit eine Meisterung des Geistes ist, ist sie eine Meisterung dessen konkreter Ausprägung die auch eine kulturelle Ausprägung ist.

Aber vermutlich denke ich da schon zu buddhitisch, wo Meisterung des Geistes ja in so eine Minimierung von Leidenschaften einmündet. Während jetzt vielleicht der alte "weise" Wikinger seine Geist auch sehr dizipliniert hat, aber eben vielleicht dazu, das Mitgefühl gegenüber seinen Opfer abzustellen. So dass er effektiv das tun kann, was er tun muss, also z.B Feinde besiegen.

Die Gemeinsamkeiten der Weisheit liegen darin, fähig zu sein der eigene Natur entgegenzuwirken, während die Unterschiede darin liegen, was da jeweils weggschnitzt wird und was sogar gefödert.

Vielleicht ist Weisheit also nichts was man haben kann, sondern mehr so Fähigkeiten: "Die Welt meistern" und "Sich selbst meistern". Wo man dann bei dem zweiten Fragen muss, zu was man sich so meistert.
Weisheit steht m.E. in erster Linie im Zusammenhang mit Verblendung und drückt sich in Wissen, eingehender Ergründung, in der unterscheidenden Wahrnehmung, der Gelehrsamkeit, dem beurteilenden Überdenken und dem prüfenden Befassen aus; je nach Grad der Vereblendung in Mehr oder Weniger.

Demzufolge wäre Weisheit ein Sammelbegriff von speziellen Fähigkeiten des Bewusstseins. Sozusagen ein universelles Gut, das nicht als heilsam oder unheilsam eingeteilt werden kann und das auch nicht an Religionen oder sonstiger Weltanschauungen gebunden ist.
Weisheit (engl. wisdom, altgr. σοφία, lat. sapientia, hebr. hokhmah) bezeichnet vorrangig ein tiefgehendes Verständnis von Zusammenhängen in Natur, Leben und Gesellschaft sowie die Fähigkeit, bei Problemen und Herausforderungen die jeweils schlüssigste und sinnvollste Handlungsweise zu identifizieren.

Es gibt mehrere Definitionen und Konzepte von Weisheit, ... Weitgehende Übereinstimmung herrscht in der Ansicht, dass Weisheit von geistiger Beweglichkeit und Unabhängigkeit zeugt: Sie befähigt ihren Träger, systematisch Dinge

zu denken („eine weise Erkenntnis“, „ein weiser Entschluss“, „ein weises Urteil“),
zu sagen („ein weises Wort“, „ein weiser Rat“) oder
zu tun („ein weises Verhalten“),

die sich in der gegebenen Situation als nachhaltig sinnvoll erweisen. Dies geschieht häufig unter Vermeidung störender Einflüsse, wie beispielsweise dem eigenen Gefühlszustand oder gesellschaftlichem Gruppenzwang.

https://de.wikipedia.org/wiki/Weisheit


- > systematisch; ein Ziel ereichend aka nachhaltig; Vermeidung störender Einflüsse: Emotionslos, unabhängig vom Kollektiv, d.h. unabhängig von Konventionen
451 hat geschrieben:
"Wahrlich, keiner ist weise, der nicht das Dunkel kennt" (Hermann Hesse)

Eigenes Erleben/Erkennen ist das notwendige Substrat, um Weisheit entstehen lassen zu können.


Genau so sehe ich das auch. Ohne entsprechende Erfahrung wird niemand weise werden können. Allerdings denke ich auch, dass dazu noch gewisse Erbanlagen (Karma) und entsprechende Intelligenz gehören, um das Erfahrene richtig einordnen und ggf. notwendige Änderungen vornehmen zu können. Das heißt eben auch ein Bedürfnis nach geistiger Aufklärung, z.B. durch Literatur, der Wunsch u.a. durch Beobachten und Lauschen zu lernen, altes Wissen nicht "in den Wind zu schlagen".
_()_ Monika
Axel hat geschrieben:
Gibt es so etwas wie Weisheit, die unabhängig von einer Religion/Philosophie ist? (also Weisheit, die nicht 'buddhistische', 'christliche', 'weltliche' Weisheit wäre?

Wäre so eine Weisheit dann 'konfessionellen' Weisheiten vorzuziehen? Wenn ja, warum?Wenn nein, warum nicht?

Gäbe es 'Methoden', sie zu befördern (Meditation, Kontemplation, usw.)?

Wäre sie 'universell' oder gäbe es kulturelle Unterschiede? Welche? Warum?

Diese Weisheit gibt es. Es ist die Erleuchtung. Weise ist es erleuchtet zu leben. Und falls man nicht erleuchtet sein sollte, danach zu streben und alles dafür Notwendige zu tun. Methoden gibt es viele. Zentral sind nach Buddha die Gedankenarbeit (richtiges Denken) und die Meditation. Ich praktiziere den Weg der Ruhe (in der Ruhe leben), den Weg der Liebe (als Bodhisattva leben) und den Kundalini-Yoga (mit spirituellen Techniken die Erleuchtungsenergie erwecken).

Erleuchtung ist unabhängig von einer bestimmten Religion und gleichzeitig das Zentrum aller Religionen. Die Erleuchtung ist allen religiösen Dogmen vorzuziehen. Erleuchtung bedeutet im Frieden, in der Liebe und im Glück zu leben. Warum sollte man es vorziehen im Unglück, im Hass und im ständigen Krieg zu leben. Das tun nur Dumme. Leider sind die meisten Menschen ziemlich dumm, insbesondere die Politiker. Der Weise folgt Vorbildern wie Buddha, Laotse, Epikur, Jesus und Patanjali.
Weisheit ist das kokettieren mit der eigenen Vergänglichkeit.
void hat geschrieben:
Vielleicht bezeichnet Weisheit eine Art Lebenstüchtigkeit. Derjenige, der mit allen möglichen Situationen souverän umgehen kann, gilt als "weise".

...

Die Gemeinsamkeiten der Weisheit liegen darin, fähig zu sein der eigene Natur entgegenzuwirken, während die Unterschiede darin liegen, was da jeweils weggschnitzt wird und was sogar gefödert.

Vielleicht ist Weisheit also nichts was man haben kann, sondern mehr so Fähigkeiten: "Die Welt meistern" und "Sich selbst meistern". Wo man dann bei dem zweiten Fragen muss, zu was man sich so meistert.

Weisheit auf Basis gewonnener Erfahrung und Einsicht in gewisse Zusammenhänge führt wohl zu einer Art Lebenstüchtigkeit - einer größeren Lebensfreude - aber sicherlich in Einklang mit der eigenen Natur und unter Berücksichtigung derselben. :)
Stero hat geschrieben:
Weisheit (engl. wisdom, altgr. σοφία, lat. sapientia, hebr. hokhmah) bezeichnet vorrangig ein tiefgehendes Verständnis von Zusammenhängen in Natur, Leben und Gesellschaft sowie die Fähigkeit, bei Problemen und Herausforderungen die jeweils schlüssigste und sinnvollste Handlungsweise zu identifizieren.

Es gibt mehrere Definitionen und Konzepte von Weisheit, ... Weitgehende Übereinstimmung herrscht in der Ansicht, dass Weisheit von geistiger Beweglichkeit und Unabhängigkeit zeugt: Sie befähigt ihren Träger, systematisch Dinge

zu denken („eine weise Erkenntnis“, „ein weiser Entschluss“, „ein weises Urteil“),
zu sagen („ein weises Wort“, „ein weiser Rat“) oder
zu tun („ein weises Verhalten“),

die sich in der gegebenen Situation als nachhaltig sinnvoll erweisen. Dies geschieht häufig unter Vermeidung störender Einflüsse, wie beispielsweise dem eigenen Gefühlszustand oder gesellschaftlichem Gruppenzwang.

https://de.wikipedia.org/wiki/Weisheit


- > systematisch; ein Ziel ereichend aka nachhaltig; Vermeidung störender Einflüsse: Emotionslos, unabhängig vom Kollektiv, d.h. unabhängig von Konventionen

Gute Idee, Stero, über die Wiki-Definition zu gehen.

Ich hab' da für mich ein paar andere Aspekte betont und blau markiert. :) :upsidedown: :rainbow:
Monikadie4. hat geschrieben:
451 hat geschrieben:
"Wahrlich, keiner ist weise, der nicht das Dunkel kennt" (Hermann Hesse)

Eigenes Erleben/Erkennen ist das notwendige Substrat, um Weisheit entstehen lassen zu können.


Genau so sehe ich das auch. Ohne entsprechende Erfahrung wird niemand weise werden können. Allerdings denke ich auch, dass dazu noch gewisse Erbanlagen (Karma) und entsprechende Intelligenz gehören, um das Erfahrene richtig einordnen und ggf. notwendige Änderungen vornehmen zu können. Das heißt eben auch ein Bedürfnis nach geistiger Aufklärung, z.B. durch Literatur, der Wunsch u.a. durch Beobachten und Lauschen zu lernen, altes Wissen nicht "in den Wind zu schlagen".
_()_ Monika

Ja, genau, das sehe ich auch so. :) :like:

Und notwendige Änderungen macht man dann nicht gegen die eigene Natur, sondern dies geschieht unter Berücksichtigung der gewonnenen Erkenntnisse fast wie von selbst in Einklang mit der eigenen Natur.

Ja man fragt sich sogar, wie verblendet man doch gewesen ist, das (nun) Offensichtliche nicht zu sehen und infolge dessen sich selber (und anderen) Leid geschaffen zu haben.

Das führt ebenso fast wie von selbst dazu, dass man am Karma arbeitet - nicht aus theoretischen Überlegungen heraus, sondern aus Mitgefühl mit anderen und sich selbst, weil man nun besser weiß wie es sein sollte und danach handelt.

Schöne Grüße :rainbow: :rose: :om:
Carneol hat geschrieben:
Ja man fragt sich sogar, wie verblendet man doch gewesen ist, das (nun) Offensichtliche nicht zu sehen und infolge dessen sich selber (und anderen) Leid geschaffen zu haben.


Ja, mich schüttels manchmal, wenn ich 30, 40 Jahre zurückschaue, und wenn ich sehe, dass diese begrenzte Sicht sich ewig bei den jüngeren wiederholt. Allerdings hat sich auch mein Mit-Gefühl gerade durch die eigenen überwundenen Schwächen entwickelt. Ich sehe, dass es gar nicht anders möglich ist als immer wieder dieselben Fehler zu machen, um zu reifen. Der/die eine mehr, der/die andere weniger.
Und wenn ich mir die vielen Meinungen älterer Menschen anhöre, dann ist auch klar, dass Weisheit keine Altersfrage ist, wenn nicht - wie u.a. von Stero zitiert -

vorrangig ein tiefgehendes Verständnis von Zusammenhängen in Natur, Leben und Gesellschaft


vorhanden ist.

_()_ Monika
Monikadie4. hat geschrieben:
Und wenn ich mir die vielen Meinungen älterer Menschen anhöre, dann ist auch klar, dass Weisheit keine Altersfrage ist

Was ist mit Demenz?
Wo ist da die Weisheit? ist sie verloren gegangen oder ist sie vielleicht noch da, weil nur die Logistik beschädigt ist, das Gehirn aber noch funktioniert.
hedin02 hat geschrieben:
Monikadie4. hat geschrieben:
Und wenn ich mir die vielen Meinungen älterer Menschen anhöre, dann ist auch klar, dass Weisheit keine Altersfrage ist

Was ist mit Demenz?
Wo ist da die Weisheit? ist sie verloren gegangen oder ist sie vielleicht noch da, weil nur die Logistik beschädigt ist, das Gehirn aber noch funktioniert.


Warum fragst Du? Ich schreibe ja grade, dass das Alter kein Beweis für Weisheit ist. Und Demenz ist eine Krankheit, die natürlich auch die Zellen abtötet, die für Weisheit zuständig sind. So jedenfalls sehe ich das.
_()_
Monikadie4. hat geschrieben:
Warum fragst Du? Ich schreibe ja grade, dass das Alter kein Beweis für Weisheit ist. Und Demenz ist eine Krankheit, die natürlich auch die Zellen abtötet, die für Weisheit zuständig sind. So jedenfalls sehe ich das.


Ich fürchte Weisheit ist ein so schwammiger Begriff, das man da schwer vernünftig drüber reden kann.

Wie gesagt bedeutet für mich ein wichtiger Teil von Weisheit die "Meisterung des eigenene Geistes", was ja auch wieder sehr schwammig ist. Ich denke das da wirklich viel an
Metakognition darunter fällt, aber eben nicht nur Metakgnition als Nachdenken über die eignen Gedanken sondern eben auch als Auseinandersetzung mit den eignen Gefühlen und Stimmungen. Und die Meiseterung der eignen Gefühle und Stimmungen ist ja etwas, was ganz eng mit unserer Persönlichkeit ( Persönlichkeit ist ja das Muster unserer Verhaltensmuster) zu tun hat. So als gibt es ein oberes und ein unteres Stockwerk der Weisheit.

Gerade bei Leuten die dement werden, merkt man ja was passiert wenn die Mechanismen der kognitiven Kontrolle wegfallen (und damit die oberen Stockwerke des Weisheit) Man wird wieder ganz verletzlich und bei manchen treten dann ja wieder die grossen Themen der Kindheit hervor - so wärmten meiner Oma und meine Grosstante ab so 85 ihre Vorkriegstreitereien auf. Viel an Kontrollierdem drumherum fällt weg.

Es ist ja eine traumatische Erfahrungen, sich selbst und die Welt schrittweise zu verlieren und da kann man ja ganz je nach Persönlichkeit anders reagieren. Mit tiefer Depression und Entschüschung, mit Paranoia und Verfolgungswahn, mit Anhänglichkeit und ich habe das Gefühl, da gibt es auch eine "weise Variante", in der man trotz dem Verlust der Welt Offneheit, Lächeln und Freundlichkeit bewahrt.

Aber wie die Persönlichkeit ist, kommt mir wie ein Ergebnis des unteren Stockwerks der Weisheit vor: Vilelicht ist es so, dass wenn man sich (in einer Herzenschulung) sein leben lang daran geübt hat offen un freundlich zu sein, das Muster auch den Verlust des Denkens überdauert.

Oder ist das kompletter Unsinn und es kommt lediglich darauf an, welche Teile des Gehirns wann aufhören und nichts kann einen vor dem Verlust auch des Naturells und der Persönlichkeit bewahren?

Vielicht kann das ja jemand beantworten, der Erfahrung mit dementen Menschen hat.
451 hat geschrieben:
Demenz bedeutet "der Geist geht verloren" und ist als medizinischer Oberbegriff zu verstehen. Mehr nicht.

Meine Frage bezieht sich auf die buddh. Sichtweise, nach der Körper und Geist eine Einheit bilden. Die Frage kann deshalb nicht damit beantwortet werden, dass bei Demenz der Geist verloren geht, denn in dem Fall würde nach buddh. Sicht der augenblickliche Tod des erkrankten eintreten. Da aber der an Demenz erkrankte noch Jahre lang am Leben bleiben kann und sich immer wieder mal an Dinge erinnert, die ihm ansonsten bereits entfallen zu sein schienen, stellt sich die Frage, sind bei einer an Demenz erkrankten Person die gesamten Attribute, die die Weisheit ausmachen noch vorhanden, oder davon nur mehr Fragmente, die dann bei bestimmten Situationen von Fall zu Fall abgerufen werden können. Oder ist das Problem nur eine Frage der Logistik u.z. in der Form, dass die noch vollständig vorhandenen Informationen einfach wegen Transportproblemen nicht mehr abgerufen werden können.

451 hat geschrieben:
Wenn du Weisheit als beurteilendes Resultat von eigenem Erfahrungswissen verstehst, dann behältst du deine Weisheit so lange, wie du die dafür notwendigen kognitiven Leistungen erbringen kannst.

Das wäre dann so, als wenn du sagen würdest:"Wenn du über die Straße gehst, dann kommst du auf der anderen Straßenseite an". :upsidedown:
Monikadie4. hat geschrieben:
Warum fragst Du? Ich schreibe ja grade, dass das Alter kein Beweis für Weisheit ist. Und Demenz ist eine Krankheit, die natürlich auch die Zellen abtötet, die für Weisheit zuständig sind. So jedenfalls sehe ich das.
_()_

Ich wollte dich nicht kritisieren.
Ich habe deshalb aus deinem Beitrag zitiert, weil er mir als guter Einstieg in die Problematik mit Demenz erschien
hedin02 hat geschrieben:
451 hat geschrieben:
Demenz bedeutet "der Geist geht verloren" und ist als medizinischer Oberbegriff zu verstehen. Mehr nicht.

Meine Frage bezieht sich auf die buddh. Sichtweise, nach der Körper und Geist eine Einheit bilden. Die Frage kann deshalb nicht damit beantwortet werden, dass bei Demenz der Geist verloren geht, denn in dem Fall würde nach buddh. Sicht der augenblickliche Tod des erkrankten eintreten. Da aber der an Demenz erkrankte noch Jahre lang am Leben bleiben kann und sich immer wieder mal an Dinge erinnert, die ihm ansonsten bereits entfallen zu sein schienen, stellt sich die Frage, sind bei einer an Demenz erkrankten Person die gesamten Attribute, die die Weisheit ausmachen noch vorhanden, oder davon nur mehr Fragmente, die dann bei bestimmten Situationen von Fall zu Fall abgerufen werden können. Oder ist das Problem nur eine Frage der Logistik u.z. in der Form, dass die noch vollständig vorhandenen Informationen einfach wegen Transportproblemen nicht mehr abgerufen werden können.

451 hat geschrieben:
Wenn du Weisheit als beurteilendes Resultat von eigenem Erfahrungswissen verstehst, dann behältst du deine Weisheit so lange, wie du die dafür notwendigen kognitiven Leistungen erbringen kannst.

Das wäre dann so, als wenn du sagen würdest:"Wenn du über die Straße gehst, dann kommst du auf der anderen Straßenseite an". :upsidedown:
Die erschreckende Idee die mir dazu kommt ist: Was ist wenn der Erkrankte die Transportwege zu den sich äußernden Organen verloren hat? Wenn der "Geist" vollkommen da ist sich aber nur Bruchstückhaft äußern kann? Dann wäre Demenz ein fortschreitendes im eigenen Körper "eingeschlossen" sein,(englisch: locked in)Log-in.
Ellviral hat geschrieben:
Die erschreckende Idee die mir dazu kommt ist: Was ist wenn der Erkrankte die Transportwege zu den sich äußernden Organen verloren hat? Wenn der "Geist" vollkommen da ist sich aber nur Bruchstückhaft äußern kann? Dann wäre Demenz ein fortschreitendes im eigenen Körper "eingeschlossen" sein,(englisch: locked in)Log-in.


Ja, das wäre der/ein weiterführender Gedanke.
Axel hat geschrieben:
Gibt es so etwas wie Weisheit, die unabhängig von einer Religion/Philosophie ist? (also Weisheit, die nicht 'buddhistische', 'christliche', 'weltliche' Weisheit wäre?


Von dem mal abgesehen, dass das für Weisheit wohl unbedeutend ist, das Konzept findet sich auch in der chinesischen Kultur, wobei eben das, was man unter Weisheit versteht auch kulturell bedingt ist.

Axel hat geschrieben:
Wäre so eine Weisheit dann 'konfessionellen' Weisheiten vorzuziehen? Wenn ja, warum?Wenn nein, warum nicht?

Gäbe es 'Methoden', sie zu befördern (Meditation, Kontemplation, usw.)?

Wäre sie 'universell' oder gäbe es kulturelle Unterschiede? Welche? Warum?


Antworten für deine Fragen finden sich evtl. in dem Buch von Francois Jullien, Der Weise hängt an keiner Idee.
https://www.perlentaucher.de/buch/franc ... -idee.html
Hallo Axel,

zielen Deine Fragen auf das, was hierzulande "Philosophia perennis" genannt wird?

Zur Geschichte dieser Idee:

https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophia_perennis
Hallo zusammen,

vielen Dank für Eure Anmerkungen. Ich werde versuchen, das mal einigermaßen ‚abzuarbeiten‘:

451 hat geschrieben:
"Wahrlich, keiner ist weise, der nicht das Dunkel kennt" (Hermann Hesse)

Eigenes Erleben/Erkennen ist das notwendige Substrat, um Weisheit entstehen lassen zu können.


Ja, sicher, notwendig, aber nicht hinreichend. Gerade das Überprüfen des eigenen Erlebens und Erkennens scheint mir wichtig zu sein.


Festus hat geschrieben:
Axel hat geschrieben:
...Gibt es so etwas wie Weisheit, die unabhängig von einer Religion/Philosophie ist? (also Weisheit, die nicht 'buddhistische', 'christliche', 'weltliche' Weisheit wäre?...

Es gibt nichts, das unabhängig ist. Weisheit ist immer abhängig von etwas, das von jemandem als weise bezeichnet und/oder empfunden wird wird.


Natürlich ist Weisheit nicht 'unabhängig', das war aber auch nicht meine Frage. Die war, ob und inwieweit sie unabhängig von einer bestimmten Religion/Philosophie ist. Anders gefragt: Wenn ein Christ, ein Buddhist, ein 'säkularer' Philosoph z.B. Friedfertigkeit für einen Ausdruck von Weisheit halten – tun sie das mit unterschiedlichen Begründungen? Ich weiß nicht genau, ob ich mich da verständlich ausdrücke...

Festus hat geschrieben:
Axel"Wäre so eine Weisheit dann 'konfessionellen' Weisheiten vorzuziehen? Wenn ja, warum?Wenn nein, warum nicht?
Wäre sie 'universell' oder gäbe es kulturelle Unterschiede? Welche? Warum?

Einem weisen Menschen stellen sich solche Fragen nicht mehr. :D
Alles Spekulationen.
Sie bringen dich kein Stück weiter.[/quote]

Ich würde ja sagen, Weisheit wäre sehr vorsichtig mit der Behauptung, Fragen wären ein für allemal beantwortet...



[quote="void hat geschrieben:
(...)Aber vermutlich denke ich da schon zu buddhitisch, wo Meisterung des Geistes ja in so eine Minimierung von Leidenschaften einmündet. Während jetzt vielleicht der alte "weise" Wikinger seine Geist auch sehr dizipliniert hat, aber eben vielleicht dazu, das Mitgefühl gegenüber seinen Opfer abzustellen. So dass er effektiv das tun kann, was er tun muss, also z.B Feinde besiegen.

Die Gemeinsamkeiten der Weisheit liegen darin, fähig zu sein der eigene Natur entgegenzuwirken, während die Unterschiede darin liegen, was da jeweils weggschnitzt wird und was sogar gefödert.

Vielleicht ist Weisheit also nichts was man haben kann, sondern mehr so Fähigkeiten: "Die Welt meistern" und "Sich selbst meistern". Wo man dann bei dem zweiten Fragen muss, zu was man sich so meistert.

Na ja, wir brauchen gar nicht den Wikinger zu nehmen: Für den (buddhistischen) Samurai stellt sich das Problem wahrscheinlich ähnlich… :D

Ich finde den Ansatz 'sich selbst meistern'/'die Welt meistern' interessant. Wobei aber nicht nur bei Ersterem Fragen bleiben (also 'zu was sich meistern'); auch das 'Meistern der Welt' hat ja so seine Fallen. Da haben wir zwischen Wu Wei und 'Macht Euch die Erde untertan' ja auch eine Menge Spielraum.

Und was ist diese 'eigene Natur', von der wegzuschnitzen wäre? Ist die biologisch?


hedin02 hat geschrieben:
(...)Demzufolge wäre Weisheit ein Sammelbegriff von speziellen Fähigkeiten des Bewusstseins. Sozusagen ein universelles Gut, das nicht als heilsam oder unheilsam eingeteilt werden kann und das auch nicht an Religionen oder sonstiger Weltanschauungen gebunden ist.

Ich weiß nicht, ob ich richtig verstehe, warum das nicht in heilsam/unheilsam eingeteilt werden kann. Vielleicht magst Du das ja noch etwas näher erläutern?


void hat geschrieben:
(...)Es ist ja eine traumatische Erfahrungen, sich selbst und die Welt schrittweise zu verlieren und da kann man ja ganz je nach Persönlichkeit anders reagieren. Mit tiefer Depression und Entschüschung, mit Paranoia und Verfolgungswahn, mit Anhänglichkeit und ich habe das Gefühl, da gibt es auch eine "weise Variante", in der man trotz dem Verlust der Welt Offneheit, Lächeln und Freundlichkeit bewahrt.

Aber wie die Persönlichkeit ist, kommt mir wie ein Ergebnis des unteren Stockwerks der Weisheit vor: Vilelicht ist es so, dass wenn man sich (in einer Herzenschulung) sein leben lang daran geübt hat offen un freundlich zu sein, das Muster auch den Verlust des Denkens überdauert.

Ich arbeite ja in diesem Bereich und ja, ich glaube, Du hast recht: Ohne es beweisen zu können, habe ich oft den Eindruck, dass bestimmte Charaktereigenschaften wie lebenslang gelebte Freundlichkeit, Güte usw. (aber auch das Gegenteil, also ein streitsüchtiger, egoistischer Charakter) bis fast zum Schluss bleiben. Und selbst ganz am Ende: Manche scheinen leichter loslassen und gehen zu können als andere.


Tychiades hat geschrieben:
Antworten für deine Fragen finden sich evtl. in dem Buch von Francois Jullien, Der Weise hängt an keiner Idee.
https://www.perlentaucher.de/buch/franc ... -idee.html

Danke, dass Du mich an das Buch erinnerst! Ich habe das seit mindestens zwei Jahren rumliegen und sollte es wohl endlich mal lesen. (Alleine schon ein Blick ins Inhaltsverzeichnis – 'Die Weisheit geht in der Fragmentierung der Blickpunkte verloren' – scheint mir auf etwas Wichtiges zu verweisen.) Irgendwie mag ich meinen Sammeltrieb, was Bücher angeht, nicht sonderlich und halte ihn für nicht so 'weise', aber manchmal scheint es sich zu lohnen… :D


kanshiketsu hat geschrieben:
Hallo Axel,

zielen Deine Fragen auf das, was hierzulande "Philosophia perennis" genannt wird?

Ja, zumindest auch.
Noch eine Ergänzung:

MN 43 beginnt mit Weisheit pañña und Buddha meint dazu, dass Weisheit Verstehen ist. Natürlich auf die vier edlen Wahrheiten bezogen. Aber das lässt sich sicher auch verallgemeinern.
http://www.palikanon.com/majjhima/zumwinkel/m043z.html

http://www.palikanon.com/wtb/panna.html
Tychiades hat geschrieben:
Noch eine Ergänzung:

MN 43 beginnt mit Weisheit pañña und Buddha meint dazu, dass Weisheit Verstehen ist. Natürlich auf die vier edlen Wahrheiten bezogen. Aber das lässt sich sicher auch verallgemeinern.
http://www.palikanon.com/majjhima/zumwinkel/m043z.html

http://www.palikanon.com/wtb/panna.html

Ich denke, da nähern wir uns dem Kern meiner Frage: Ob und wie das verallgemeinert werden kann. Und auf was sich diese Verallgemeinerung bzw. die Möglichkeit dazu zurückführen/begründen lässt.
Axel hat geschrieben:
Tychiades hat geschrieben:
Noch eine Ergänzung:

MN 43 beginnt mit Weisheit pañña und Buddha meint dazu, dass Weisheit Verstehen ist. Natürlich auf die vier edlen Wahrheiten bezogen. Aber das lässt sich sicher auch verallgemeinern.
http://www.palikanon.com/majjhima/zumwinkel/m043z.html

http://www.palikanon.com/wtb/panna.html

Ich denke, da nähern wir uns dem Kern meiner Frage: Ob und wie das verallgemeinert werden kann. Und auf was sich diese Verallgemeinerung bzw. die Möglichkeit dazu zurückführen/begründen lässt.


Ich denke, es liegt im Verstehen. Weise ist jemand, der aus einem äußeren und inneren Verstehen heraus urteilt und handelt. Und deshalb - weil er versteht, hängt er es nicht an die große Glocke.
Axel hat geschrieben:
hedin02 hat geschrieben:
(...)Demzufolge wäre Weisheit ein Sammelbegriff von speziellen Fähigkeiten des Bewusstseins. Sozusagen ein universelles Gut, das nicht als heilsam oder unheilsam eingeteilt werden kann und das auch nicht an Religionen oder sonstiger Weltanschauungen gebunden ist.

Ich weiß nicht, ob ich richtig verstehe, warum das nicht in heilsam/unheilsam eingeteilt werden kann. Vielleicht magst Du das ja noch etwas näher erläutern?


Wenn man, wie ich , davon ausgeht, dass Weisheit durch eingehendes Ergründen, unterscheidende Wahrnehmung, Gelehrsamkeit, beurteilendem Überdenken und prüfenden Befassen zustande kommt, dann ergibt sich die Logik, dass jedes Individuum einen gewissen Grad an dieser Weisheit besitzt.
Die Weisheit ist m.E. nicht an heilsamen oder unheilsamen Ergebnissen zu messen, sondern sie stellt lediglich den geistigen Zustand (Intellekt) eines Individuums dar.
Dabei ist es durchaus so, dass je mehr Weisheit ein Individuum besitzt, umso klarer und zielgerichteter seine Entscheidungen sind; in welcher Richtung dann diese Entscheidungen getroffen werden (heilsam oder unheilsam) hängt noch von einer Reihe anderer (z.B. Karma/Situation) Parameter ab.
Hallo,
es gibt eine Definition von Weisheit im buddhistischen Sinn:
1.Im Erlösten ist die Erlösung
2,Versiegt ist die Geburt
3.Vollendet das Asketentum
4. Gewirkt das Werk
5. Nicht mehr ist diese Welt,evtl.dazu: Geöffnet sind zur Ewigkeit die Tore!

Versteht er da

kesakambalo
kesakambalo hat geschrieben:
Hallo,
es gibt eine Definition von Weisheit im buddhistischen Sinn:
1.Im Erlösten ist die Erlösung
2,Versiegt ist die Geburt
3.Vollendet das Asketentum
4. Gewirkt das Werk
5. Nicht mehr ist diese Welt,evtl.dazu: Geöffnet sind zur Ewigkeit die Tore!
Versteht er da kesakambalo


Das ist m.E. eine Beschreibung, wie und durch welche Bedingungen es zum Eintritt ins Nirwana kommen könnte. Zu diesem Zeitpunkt besteht zwar Weisheit im Übermaß, die ist aber wegen der versiegenden Geburt, für das Samsara, d.h. für den wieder Erscheinenden nicht mehr relevant.

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