Tango im Altersheim

Moderator: void

249 Beiträge
Gestern war Regen angesagt. Nach der Hitze der letzten Tage sollte ein Wetterumschwung erfolgen. Der Wetterbericht hatte Sturm angekündigt. Als ich zu meiner Mutter radelte, schien noch die Sonne. Leicht bekleidet genoß ich die Wärme des Tages. Und da geschah es. Auf dem Rad überholte mich eine schöne junge Frau, so Mitte Vierzig. Ich schloß daraus haarscharf, dass sie auch ein eBike besaß. Und tatsächlich fuhr sie fast genauso schnell wie ich, etwa 25 kmh. Das ist die Höchstgrenze für eBikes. Eine halbe Stunde veranstalteten wir durch die Stadt ein eBike-Rennen. Sie versuchte mich durch eine Abkürzung auszutricksen. Aber sie hatte wohl die Apeln nicht einberechnet. Nach zehn Minuten tauchte sie plötzlich wieder hinter mir auf. Und überholte mich natürlich. Was ich gerne zuließ. Ich blieb ihr auf den Fersen. Leider musste ich dann ins Altersheim und sie setze alleine ihren Weg fort.

Meine Mutter schlief noch. Also genehmigte ich mir erstmal zwei Stücken Torte. Und plauderte etwas mit der Zimmernachbarin, die auch im Cafe saß. Sie beklagte sich über das Leben. Ich fragte sie wie es ihr gehe. Und sie meinte: "Beschissen." Dabei geht es ihr im Verhältnis zu den meisten anderen Alten noch relativ gut. Sie kann noch gehen, sehen, hören, lesen und ihren Fernseher betätigen. Aber sie ist sehr negativ drauf. Wie die meisten Senioren. Sie sieht alles negativ und zerstört dadurch ihre Lebensfreude.

Ich spürte in die Energie des Altersheimes hinein. Die Hauptschwingung war Gleichmut. Den Senioren war alles egal. Sie lebten einfach nur vor sich hin und warteten auf den Tod. Ihnen fehlte eine positive Aufgabe im Leben. So eine Aufgabe gibt einem die Spiritualität. Ein spiritueller Mensch hat immer etwas zu tun. Er kann seine spirituellen Übungen machen, seinen Mitmenschen etwas Gutes tun und nach Erleuchtung streben. Für ihn ist die Lebenszeit eher knapp. Für die Menschen im Altersheim ist die Zeit ein endloser, langweiliger Strom ohne Sinn.

Spirituell sind die meisten Senioren nicht. Aber viele haben Fähigkeiten, die sie auch im Alter nutzen könnten. Sie könnten ihren Mitalten helfen, musizieren, vorlesen oder andere schöne Dinge machen. Stattdessen werden sie bespaßt und verlieren dadurch ihre Eigeninitiative und ihre Lebensfreude. Selbstmachen macht glücklicher als nur zu konsumieren. Das hat das Altersheim noch nicht begriffen. Das ist eine große Aufgabe für die Zukunft, wenn die Zahl der Alten in Deutschland noch stärker ansteigt.

Immerhin hat die Energie des Gleichmutes auch ihre Vorteile. Die Senioren können dadurch relativ unberührt durch das Leid des Alters gehen. Und mir half die Energie, weil ich heute zum Zahnarzt muss. Er will mir einen Zahn ziehen, was mich etwas beunruhigt. Ich verbinde mich deshalb mit der Egalheitsenergie von gestern und gehe gleichmütig durch die Prozedur.

Und erinnere mich auch an die schönen Seiten des gestrigen Besuches. Nachdem meine Mutter aufgewacht war, schob ich sie in ihrem Rollstuhl in den Park. Da es regnen sollte, ließen wir uns unter einem großen Sonnenschirm nieder. Es begann auch leicht zu regnen. Aber durch meinen Gesang wurde der Regen vertrieben und die Sonne kam wieder hervor. Immer mehr Senioren strömten in den Park, genossen meine Musik und klatschten, wenn die Sonne uns mit ihrem Licht und ihrer Wärme beschenkte. So wurde ich gestern zu einem Sonnenmusiker, der die Sonne an den Himmel und in die Herzen der Menschen zaubern konnte.
Heute scheint die Sonne. Es ist ein schöner Herbsttag. Ich bin glücklich. Es passieren viele schöne Dinge in meinem Leben. Mein Buch über Glücks-Yoga ist im Internet sehr gut angenommen worden. Das ist wichtig für mich, weil es die Grundlage meines zukünftigen Lebens ist. Ich möchte Yoga und Spiritualität verbinden. Ich möchte in den nächsten Jahren Ausbildungen im Glücks-Yoga bei mir anbieten.

Auch mein Weltretterbuch ist sehr erfolgreich. Durch den derzeitigen Wahlkampf ist das allgemeine Interesse daran erheblich gewachsen. Die Menschen wollen sich informieren, was die wirklichen Probleme auf der Welt sind. Die wirklichen Probleme sind Hunger, Armut und kapitalistische Globalisierung. Die wirklichen Probleme sind das innere Unglück vieler Menschen in Deutschland. Es fehlt an Liebe, innerem Frieden und Glück. Diese Themen kommen im Wahlkampf nicht vor. Es geht nur um Geld für irgendwelche Interessengruppen. Es geht nicht um eine grundlegende positive Neuordnung der Welt. Ich bin deshalb sehr glücklich, dass ich mit meinem Buch ein Zeichen setzen kann.

Letztlich gehören mein Weltretterbuch und mein Glücksbuch zusammen. Beim Weltretterbuch geht es um die Rettung der Welt. Wir sollten nicht vergessen, dass etwa eine Milliarde Menschen am verhungern sind. Die Klimakatastrophen nehmen zu, wie wir gerade an dem Sturm in Amerika oder den großen Überschwemmungen in Indien sehen können. Der UNO Generalsekretär warnt vor einem neuen Weltkrieg, weil einige Staaten der Welt unverantwortlich mit ihren Atomwaffen spielen beziehungsweise damit drohen.

Das Glücksbuch zeigt den Weg auch in diesen unruhigen Zeiten zu innerem Frieden und Glück zu finden. Zum Glück ist das Glück zu 90 % vom Inneren eines Menschen abhängig. Wir können also viel dafür tun, wenn wir innerlich glücklich sein wollen. Yoga bietet viele hilfreiche Übungen. Ein Erleuchteter kann auch in einer leidvollen Welt glücklich sein. Und er kann als Bodhisattva (Karma-Yogi) leben und den leidenden Menschen helfen. Und den Weg zu einer Welt der Liebe, des Friedens und des allgemeinen Glücks zeigen.

Gerade beschäftige ich mich mit der Partei "Menschliche Welt", die zu den Bundestagswahlen antritt. Sie engagiert sich für fast alle Positionen, die ich in meinem Weltretterbuch aufgezählt habe. Insbesondere verbindet sie den Weg des äußeren Glücks mit dem Weg des inneren Glücks. Wir können also jetzt sogar eine glückliche Welt wählen. Damit wirklich eine glückliche Welt entsteht, müssen aber noch viel mehr Menschen die Notwendigkeit des Engagements für positive Werte begreifen. Das wird noch einige Zeit dauern. Aber die Krisen auf der Welt werden dramatisch zunehmen. Und dann werden auch immer mehr Menschen aufwachen. Das ist meine Hoffnung.

Was kann ich konkret tun, um andere Menschen glücklich zu machen? Neben meinem Angebot von kostenlosen Ausbildungen und meinen vielen kostenlosen Büchern im Internet singe ich jede Woche mit den Menschen im Altersheim meiner Mutter. Das Singen war auch gestern wieder sehr schön. Zuerst war ich mit meiner Mutter auf dem Singplatz alleine. Das war für mich in Ordnung. Es genügt, wenn ich durch die Lieder meine Mutter und mich glücklich mache. Das ist schon schwer genug, weil die Demenz meiner Mutter zunimmt. Sie sitzt die meiste Zeit einfach nur teilnahmslos da. Ich spielte ihr viele Lieder vor. Sie hörte zu, aber reagierte kaum.

Dann kamen die anderen Alten hinzu. Der Singplatz füllte sich und plötzlich war eine gute Stimmung da. Die alle Senioren glücklich machte und auch meine Mutter ergriff. Sie bemerkte, dass sie sich nun in einer Glückswelt mit glücklichen Menschen befand. Sie konnte zwar nicht mehr mitsingen, aber sie konnte ihre Lieblingsliedzeilen ergänzen. "Der Wiederhopf, der schenkt der Braut einen ... Blumentopf". "Die Gänse und die Anten, dass waren die .... Musikanten." Dieses Spiel brachte ihr Spaß. Ein Lächeln zog in ihr Gesicht. Das wiederum machte mich glücklich. Ich muss nicht alle Menschen sofort zur Erleuchtung führen. Es genügt, wenn ich einem Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Die Weltrettung erfolgt in kleinen Schritten.

Und dann kam überraschenderweise eine neue Familie an. Sohn und Tochter brachten ihre Mutter ins Altersheim. Die Mutter saß in einem Rollstuhl, aber sie war geistig noch wach. Sie hörte die Musik und wollte sofort mitsingen. Und erklärte mir, dass ihr Sohn sogar in einer Musikband ist und ihre Tochter Guitarre spielt. Der Sohn behauptete zwar, dass er nicht singen könnte und die Tochter war zu schüchtern um selbst zu spielen. Aber die ganze Familie hatte viel Freude an dem Musikfestival im Altersheim.

Die Stimmung erreichte ihren Höhepunkt, als wir alle zusammen das Hamburger Lied "An de Eck steiht en Jung mit nem Tüddelband" gröhlten. Dieses Lied kannten sie alle und fühlten sich dadurch großartig, weil sie in Hamburg lebten. Und natürlich gibt es nichts Großartigeres. So war es gestern ein großartiger Tag mit großartigen Menschen. Und ich war zufrieden mit meinem Weg der Verbreitung von Glück auf der Welt.
Die Trauerfeier. Ein großes schwarzes Gebäude auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg. Es sah aus wie eine Verbrennungshalle. Meine Mutter war schon zu Asche verbrannt und wohnte jetzt in ihrer schönen grünen Urne mit dem Goldrand. Sie hatte gesiegt. Sie hatte es hinter sich. Sie war stark durch die schwere Zeit der Demenz, des Altersheimes, des ewigen Sitzens im Rollstuhl ohne Ansprache, des Sterbens, des Todes und der Auferstehung gegangen. Als Orakelkarte zog ich für sie einen Siegerkranz.

Wir gingen durch die große Tür in die Trauerhalle. Dort stand die Urne meiner Mutter auf einem Podest. Hinter der Urne ein großes Bild von meiner Mutter auf einer Staffelei. Um sie herum karg dekoriert einige trockene Zweige. Auf dem Fußboden viele brennende Teelichter. Rosenblätter um sie herum verstreut. Und vor der Urne ein großer Blumenkranz. Er gab dem Ganzen eine feierliche Note. Zufällig hatten ihn zwei Verwandte gekauft und vor meine Mutter gelegt. Er war eigentlich für das Grab und die Beerdigung geplant. Aber es gab keine Beerdigung. Meine Mutter wollte ein anonymes Begräbnis und das fand irgendwann später und irgendwo auf dem Friedhof statt.

Die Trauerfeier war jetzt. Fünfzehn Angehörige, Verwandete, Freunde und Nachbarn waren gekommen. Der Beerdigungsunternehmer stand in Schwarz gekleidet an der Eingangstür, schüttelte mir die Hand und sprach mir sein Beidleid aus. Nach und nach stömten die Menschen in den Saal und ließen sich auf den Stühlen vor der Urne nieder.

Meine Schwester ging zum Rednerpult neben der Urne und las einen Bericht über das Leben unserer Mutter vor. Sie war schwer traurig. Dunkle Ringe unter den Augen. Tränen im Gesicht. Am Anfang sprach sie sehr leise. Ich bewunderte sie, dass sie es trotz ihrer großen Trauer schaffte hinter dem Rednerpult zu stehen und der versammelten Menge ihren Text vorzulesen. Sie war keine Rednerin.

Ganz anders ich dagegen. Als meine Schwester fertig war, stand ich spontan auf, ging zum Rednerpult und erzählte den Menschen eine Viertelstunde vom Leben meiner Mutter im Altersheim und von den Abenteuern beim Sterben. Das wollten sie hören. Deshalb waren sie gekommen. Gespannt hörten sie mir zu. Ich berichtete den Menschen vom Singen im Altersheim und vom friedlichen Sterben meiner Mutter. Sie waren berührt, dass ich mich von meiner Mutter mit einem Gesang verabschiedet habe und wir beide dabei in eine so starke Glücksenergie gekommen sind.

Nach meiner Erzählung spielte ich zwei christliche Lieder auf dem Harmonium: "Gott hält die ganze Welt in seiner Hand" und "We shall overcome". Diese Lieder halfen den Menschen ihre Trauer zu leben, denn zum Trauern waren sie gekommen. Mein Sohn sang zur Guitarre "Knocking on Heavens Dor." Ich wusste gar nicht, dass er so gut singen und Guitarre spielen kann. Danach kamen fröhlich Wanderlieder dran und zum Abschluß spielte ich auf dem Harmonium "Kein schönrer Land in dieser Zeit". Dieses Lied hatten wir immer im Altersheim gesungen. Es berührte auch jetzt die Menschen, insbesondere mit der letzten Strophe "in Gott wir leben, zu Gott (zur Sonne, zum Licht) wir streben."

Meine Rede gelang gut. Bei meinem Gesang war ich etwas unsicher. Zu oft war ich wegen meiner schiefen Töne kritisiert worden. Dazu rutschte mir das Harmonium ständig vom Schoß, weil der Stuhl so unbequem war. Zweimal verspielte ich mich. Aber egal. Die Leute waren zufrieden. Und unserer Mutter hat ihre Beerdigungsfeier sicherlich gut gefallen. Gerade weil alles etwas chaotisch, aber auch sehr persönlich und authentisch war.

Nach der Trauerfeier gingen wir in das im gleichen Haus gelegene Cafe und unterhielten uns zwei Stunden bei Kaffee und Kuchen. Viele Verwandte hatte ich einige Jahrzehnte nicht gesehen. Es war schön sie wiederzutreffen, obwohl wir uns nicht viel zu sagen hatten. Wir lebten in unterschiedlichen Welten. Spannend war aber die Erfahrung meiner Schwester bei der Trauerfeier. Sie hatte die Anwesenheit eines Geistwesens aus einer höheren Dimension gespürt. Es war wohl unsere Mutter, obwohl es sich für meine Schwester nicht mehr wirklich wie unsere Mutter angefühlt hatte. Unsere Mutter lebt jetzt in einer ganz anderen Welt. Aber sie hat vermutlich ihre Trauerfeier von oben herab beobachtet.

Ich kann dazu nichts sagen. Ich habe nichts gespürt. Ich war weitgehend mit der Organisation und den Menschen beschäftigt. Ich musste ihre Energien verarbeiten, reinigen und heilen. Das begann mit der Trauerfeier und dauerte anschließend noch die halbe Nacht. Bis ich dann zur Ruhe kam und einschlief. Und heute morgen aufwachte und dachte, dass jetzt alles vorbei ist. Das Leben geht weiter. Und irgendwann werden auch wir alle sterben.

Eine kleine Geschichte gibt es aber noch. Am Montag rief mich meine spirituelle Freundin Marita an. Sie ist eine Erwachte, eine Heilerin und hat eine sehr starke spirituelle Energie. Wir sprachen über meine Mutter und sie erzählte mir, dass sie Menschen ins Licht bringen kann. Ich nutzte die Gunst der Stunde und fragte sie, ob sie das auch für meiner Mutter tun kann. Sie versetzte sich in einen meditativen Zustand, visualisierte eine große Lichtsäule in der Mitte des Raumes vom Fußboden bis zu Decke, und rief die Seele meiner Mutter geistig herbei. Meine Mutter kam auch. Marita fragte sie, ob sie bereit sei ins Licht zu gehen. Meine Mutter bejahte das und floss dann stark und aufrecht in die Lichtsäule hinein. So ist meine Mutter ins Licht gelangt und konnte dann bei der Trauerfeier aus dem Licht heraus uns alle beobachten. Sie hat wirklich ein erfolgreiches spirituelles Leben geführt.

Mutter Nils.JPG
eigenes Bild
Mein Beileid. :rose:
:rainbow: Deine Mutter war ein reicher Menscḥ. Sie durfte sich zu einem sehr liebevollen Sohn gratulieren. Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft und alles erdenklich Gute, mkha'
Danke. Dieser Thread endet hier, weil der Tango im Altersheim vorbei ist. Jetzt beginnt eine neue Zeit für mich. Und ich habe keine Ahnung wo sie mich hinführen wird.
Danke für dein persönlichstes Buch!
Alles ist veränderlich, nicht verharrend, wechselnd, entstehend und wieder vergehend.
Kurz: werdend und damit vergänglich


Dir persönlich alles Gute. Vielleicht treibt es Dich ja irgendwann zurück und Du besuchst die Zimmernachbarin oder einige Deiner anderen Bekannten im Heim.

Aber das ist dann tatsächlich eine neue Geschichte :earth:
Mein Beileid und danke auch für's Teilhaben lassen :heart:
249 Beiträge

Wer ist online?

Insgesamt sind 4 Besucher online. Im Detail: 0 sichtbare Mitglieder (oder Bots), 0 unsichtbare Mitglieder und 4 Gäste
Der Besucherrekord liegt bei 214 Besuchern, die am 27.02.2017 23:21 gleichzeitig online waren.

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste