Tango im Altersheim

Moderator: void

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Das Singen im Altersheim war wieder sehr gut. Einige alte Frauen warteten schon auf mich. Nach und nach setzten sich immer mehr Seniorinnen um mich herum. Ich war wieder einmal der Star in der Fußgängerzone des Altersheimes. Dank meiner Routine konnte ich die Senioren schnell in eine gute Laune und ins Glück bringen.

Meiner Mutter geht es zwar immer noch ganz gut. Sie war heute etwas müder als letztes Mal. Sie war sehr konzentriert beim Singen, aber sie konnten nur wenige Lieder mitsingen. Sie verfällt immer mehr in die geistige Trägheit, die durch stundenlanges Vorsichhinsitzen im Altersheim ohne geistige Anregung entsteht. Immerhin erkannte sie mich noch.

Ihre beiden Lieblingslieder erinnerte sie zum Glück. Ich spielte sie immer wieder auf der Ukulele. Zum Glück störte das anderen alten Frauen nicht. Sie kümmerten sich liebevoll um meine Mutter. Meine Mutter war sozusagen das Kind in der Gruppe. Sie war am stärksten dement und körperlich abgebaut. Jede ihrer Regungen wurde sorgenvoll betrachtet und kommentiert. Und wenn meine Mutter ein Lied mitsingen konnte, freuten sich alle.

Die Sonne schien durch die Fenster des kleinen Wintergartens, in dem wir fröhlich sangen. Mir wurde dabei warm, aber meine Mutter war zu leicht bekleidet und fröstelte etwas. So brach ich das Singen etwas früher ab und schob sie in ihr Zimmer, um sie mit einer warmen Decke zuzudecken.

Frau Trotzki erzählte ich von dem spannenden Vortrag, zu dem ich am Freitag fahre. Tara Stella Deetjen kommt nach Hamburg. Sie ist die neue Mutter Theresa. Als Rucksacktouristin kam sie nach Indien. In Benares sah sie die Leprakranken und beschloss ihnen zu helfen. Lepra ist zwar heilbar, aber den Armen in Indien fehlt das Geld für die Medikamente. Also sammelt Tara Stella Deetjen Geld in Deutschland, um damit Meditamente für Leprakranken zu kaufen und sie zu heilen.

Sie hat ein Buch über ihr Leben geschrieben (Unberührbar – Mein Leben unter den Bettlern von Benares). Darin schildert sie die grauenvollen Entbehrungen, die ihr Leben kennzeichnen. Schwierigkeiten ohne Ende, Krankheiten, Ungeziefer und Ärger mit den Behörden. Aber auch die Liebe, die sie von den Bettlern erhält. Sie führt letztlich gleichzeitig ein Leben in der Liebe und in der äußeren Armut.

In Wikipedia steht über sie: "Stella Deetjen machte ihr Abiturin in Bad Homburg. Nach einer Schauspielausbildung machte sie eine mehrmonatige Backpacker-Tour durch Indien Anfang der 1990er Jahre. In der Stadt Benares wurde sie mit Leprakranken konfrontiert und beschloss dort zu bleiben und zu helfen. Sie errichtete im Laufe der Zeit eine Straßenklinik, drei Kinderheime, ein Day-Care-Center sowie 13 non-formale Schulen in den Slums von Benares – zuerst zusammen mit freiwilligen Helfern, später mit Hilfe lokaler indischer Partner-Organisationen. 1996 wurde der gemeinnützige Verein Back to Life gegründet. Als weitere Aktivitäten wurden im nepalesischen Distrikt Mugu mittlerweile vier Geburtshäuser gebaut sowie mehrere Schulen. Auch im nepalesischen Distrikt Chitwan fördert Back to Life mehrere Schulen. In beiden Gebieten gibt es zudem soziale, landwirtschaftliche und medizinische Hilfsprojekte. Nach eigenen Angaben des Vereins erreichen die Programme mittlerweile bis zu 45.000 Menschen in Nepal und Indien, davon ca. 7.700 Schüler."

Anders als Mutter Theresa ist sie nicht Mitglied in der katholischen Kirche. Sie ist spirituell unabhängig. Sie hat nicht wirklich einen spirituellen Weg, obwohl sie Mutter Theresa noch lebend begegnet ist und von ihr gesegnet wurde. Ich wurde auf sie aufmerksam, als im Fernsehen ein Interview mit ihr gesendet wurde. Ich war begeistert von ihr. Ich merkte wie ein Lichtstrahl von ihr auf mich überging. Deshalb muss ich sie natürlich unbedingt treffen, wenn sie nach Hamburg kommt. Frau Trotzki ist auch schon ganz gespannt und wartet auf meinen Bericht.
Als ich ins Altersheim kam, schlief meine Mutter. Also ging ich erstmal ins Cafe, um mit Frau Trotzki zu klönen. Sie wartete schon auf mich. Während wir ein Stück Torte nach dem anderen verspeisten, erzählte ich ihr von meinen Abenteuern in der großen weiten Welt. Ich war ja am Freitag auf der Lesung von Tara Stella Detjen gewesen. Frau Trotzki war beeindruckt, was diese Frau in Indien und Nepal leistet. Sie betreut alleine 45 000 Arme, sammelt Spenden in Deutschland, kauft mit dem Geld Tabletten und heilt damit die Leprakranken. Sie errichtet Schulen für die Bettlerkinder, damit diese eine Zukunft haben. Sie errichtet Geburtshäuser in Nepal und organisiert dafür Hebammen, damit die Frauen nicht mehr so oft bei der Geburt sterben.

Sie gibt ihr Leben für das Glück ihrer Mitmenschen. Welcher Mensch in Deutschland würde das sonst tun? Fast alle leben für ihr Ego und ihren persönlichen Lebensgenuss. Von der Philosophie des Egoismus läßt sich ein altruistisches Leben nicht begründen. Aber aus spiritueller Perspektive ist ihr Leben eine Erfolgsgeschichte. Wer anderen Gutes tut, lebt in der umfassenden Liebe und entwickelt sein inneres Glück. Er erhält ein erfülltes und beglückendes Leben. Er kann auf diesem Weg sogar zur Erleuchtung gelangen, weil er durch die umfassende Liebe sein Ego überwinden. Jedenfalls erhält Stella so ein gutes Karma. Sie wird nach ihrem Tod ins Paradies aufsteigen oder im nächsten Leben viel Glück erfahren.

Das höchste Glück besteht darin, das Ziel der Erleuchtung zu begreifen und den persönlichen Weg dort hin zu kennen. Und die Weisheit und Kraft zu haben, diesen Weg dann auch zu gehen. Wer erleuchtet ist, für den ist überall das Paradies, weil er überall im Frieden, im Glück und in der Liebe lebt. Ich arbeite daran. Aber es ist immer noch nicht leicht für mich, dass Leid meiner Mutter und der anderen alten Menschen im Altersheim zu sehen.

Nach dem Kuchenessen schaute ich nach meiner Mutter. Sie war aufgewacht und von den Altenpflegern in ihren Rollstuhl gehoben worden. Jetzt saß sie an ihrem Tisch und blickte vor sich hin. Genau wie ihre Zimmernachbarin. Kommunikation war zwischen den beiden alten Frauen nicht mehr möglich. Aber durch das Singen konnte ich wieder ihre Lebensfreude erwecken.

Vorher telefonierte ich noch mit meiner Schwester. Sie war etwas bedrückt, weil ihr ehemaliger Vermieter sich umgebracht hatte. Seine Frau hatte ihn verlassen. Ich versprach meiner Schwester für ihn zu beten und ihm ein Lied zu widmen. Also sang mein kleiner Frauenkreis für ihn "Gottes Liebe ist so wunderbar, Gottes Himmel ist so wunderbar, Gottes Hilfe ist so wunderbar." Möge ihm dieses Lied auf seinem Weg durch das Jenseits helfen.

Für meine Mutter sangen wir wieder "Auf auf zum fröhlichen Jagen." Dadurch wurde ihr Gehirn aktiviert, sie konnte viele Lieder mitsingen und ihre Lebensfreude erwachte. Sie fühlte sich sichtlich wohl im Kreise der Singgruppe. Sie lächelte und war für zwei Stunden glücklich. Dann brachte ich sie wieder in ihr Zimmer und radelte zurück in meinen Yogiwald. Heute schien die Sonne und ich war zufrieden mit mir. Im Vergleich zu Stella helfe ich nur wenigen Menschen. Aber kleine Yogis können nur kleine Taten vollbringen. Und das genügt. Jeder tut das was er kann. Das Leben gibt jedem seine speziellen Möglichkeiten für das Glück aller Wesen zu wirken.

Darshan von Mutter Meera in Hamburg in der Johanniskirche. Der Saal war voll. Ich setzte mich auf meinen Platz ganz außen in der dritten Reihe. Ich sah mich als einen Beobachter. Ich beobachtete die Dinge, die geschahen. Zuerst spürte ich die starke Energie im Raum. Sie senkte sich auf mich herab und arbeite die ganzen 1 1/2 Stunden in mir. Die verrücktesten Gedanken zogen durch meinen Kopf. Ich ließ sie alle zu.

Es war sehr ruhig. Alle Menschen saßen in der Meditation. Nur ich nicht. In meinem Kopf tobte das Gedankenkarussel. Warum war ich hier? Was wollte ich von Mutter Meera? Was wollten die anderen Menschen? Ich glaube, dass die andere Menschen vorwiegend Heilung oder ihre Energie etwas aufladen wollten. Ich wollte eigentlich die Erleuchtung, sofort und für immer. Leider war ich nach dem Darshan so unerleuchtet wie vorher.

Wenn es mit der sofortigen Erleuchtung schon nicht klappt, vielleicht klappt es ja langfristig mit dem inneren Glück. Kann Mutter Meera mich langfristig retten? Vielleicht wache ich ja eines Tages auf und bin plötzlich erleuchtet. Oder ich wache auf und bin im Paradies. Falls es nicht das große Paradies ist, vielleicht ein ganz kleines? Ich bin genügsam geworden auf meinem spirituellen Weg.

Oder komme ich wenigstens im nächsten Leben zur Erleuchtung? Oder finde ich wenigstens die passende Frau, möglichst in diesem Leben. Mutter Meera sagt von sich, dass sie Wünsche erfüllt. Sie lehrt es zu beten. Sie meint, dass Gebete immer helfen. Eine große Aussage in der heutigen ungläubigen Zeit. Irgendwie spürte ich eine starke Zweifelsenergie im Raum. Die Menschen kamen mit großen Hoffnungen und auch mit großen Zweifeln.

Mutter Meera vertritt die Einheit aller Religionen. Man kann zu einem spirituellen Vorbild seiner Wahl beten. Mutter Meera hilft immer. Für mich ist diese Aussage insofern wichtig, weil ich ein Anhänger des Amitabha-Buddhismus bin. Wer zu Buddha Amitabha betet (seinen Namen als Mantra denkt), der wird von ihm spirituell geführt und kommt nach dem Tod ins Paradies. Er kommt in einen Bereich, in dem er optimal zur Erleuchtung wachsen kann.

Insofern bin ich bereits im Paradies. Ich habe ein schönes Haus in der Natur, mache jeden Tag meine spirituellen Übungen und genieße ansonsten das Leben. Ich wachse beständig spirituell. Ich merke, wie mich das Leben führt. Alles geschieht im richtigen Moment auf die richtige Weise. Die richtigen Menschen kommen zur richtigen Zeit in mein Leben. Ich habe ausreichend Probleme, an denen ich spirituell wachsen kann. Und es gibt auch viel Positives in meinem Leben.

Ich vergleiche die Aussagen von Mutter Meera mit meinen eigenen Erfahrungen. Es gibt die Erleuchtung. Und die Erleuchtung ist der tiefere Sinn des Lebens, das höchste Glück, die höchste Erfüllung. Der Weg der Erleuchtung ist auch ein großer Weg der inneren und äußeren Heilung. Das durfte ich bereits erfahren. Insofern stimmen die Ziele von Mutter Meera.

Stimmt auch ihr Weg? Genügt es regelmäßig zu ihr zu beten und zeitweilig zu ihrem Darshan zu gehen? Mutter Meera lebt als Erleuchtete in einem Einheitsbewusstsein, besitzt aus meiner Sicht höhere spirituelle Fähigkeiten und kann ihre Anhänger durch die scheinbar zufälligen Ereignisse des Lebens führen. Ich habe auch erfahren, dass ich in einer Notsituation aus einer höheren Dimension Hilfe bekam.

Die Erleuchtung ist eine Ebene über allen Begriffen. Man kann deshalb nach meiner Erfahrung Buddha Amitabha anrufen und bekommt von allen erleuchteten Meistern Hilfe, die energetisch mit Buddha Amitabha verbunden sind. Da Mutter Meera mit mir verbunden ist und ich mit Buddha Amitabha, funktioniert der Amitabha Buddhismus aus meiner Sicht bereits über diesen Weg. Abgesehen davon, dass es auch viele erleuchtete Meister im Amitabha Buddhismus selbst gibt wie Shan Tao, Honen, Shinran, Nagarjuna und Longchenpa.

Diese Überlegungen sind wichtig, weil ich im Moment mein Amitabha Orakel überarbeite. Ich glaube daran, dass jeder Benutzer über eine höhere Dimension mit Buddha Amitabha verbunden ist und direkte Hilfe bekommt. Das kann man beim Orakel natürlich überprüfen. Ist es hilfreich? Passen die Aussagen? Entwickelt sich das eigene Leben als ein Weg ins Licht?

Ob man nach dem Tod ins Paradies kommt, wird man natürlich erst später merken. Ich glaube daran, dass es ein Paradies im Jenseits gibt. Das wurde mir von meinen Meistern gezeigt. Sie zeigten mit auch die Techniken, mit denen man ins Paradies aufsteigen kann. Insofern habe ich keine Zweifel, dass der Amitabhaweg grundsätzlich funktioniert. Wie weit man damit spirituell kommt, hängt auch vom eigenen Bemühen ab. Wer viel spirituell übt, erhält eine große spirituelle Ernte. Das ist das Gesetz des Karmas.

Ich glaube insofern an den Zwei Hände Weg des Dalai Lama. Die eine Hand ist die Hand des Meisters und die andere die Hand des Schülers. Wenn beide kräftig zupacken, können sie das Bewusstsein ins Licht ziehen. Vorsichtshalber kaufte ich mir aber noch in einer Buchhandlung das Buch "Du bist dein Guru (108 Hilfen für ein wunderbares Leben)" von Gabrielle Bernstein, ein aktueller Bestseller auf dem amerikanischen Buchmarkt. Wenn es mit fremden Gurus nicht klappt, dann vielleicht mit dem eigenen inneren Guru. Und dazu gibt es auch noch die passenden Orakelkarten. Der Erleuchtung steht nichts mehr im Wege. Es ist nur noch eine Frage der Zeit.

Ich habe jedenfalls schon den Guru Nils Song geschrieben. Ich bin mein eigener Guru! Letztlich entspricht das Buch von Gabrielle Bernstein auch meiner eigenen Lehre. Im Schwerpunkt sollte man sich darauf konzentrieren sein eigener Guru zu sein, seiner eigenen inneren Weisheit zu folgen und seinem eigenen Verstand vertrauen. Dann verläuft man sich nicht auf dem spirituellen Weg und bei den vielen Gurus, die es heute gibt.

Zum Abschluss des Darshans sah ich noch einmal Mutter Meera an. Und da sprang endlich die Energie über. Ich fühlte mich mit Mutter Meera energetisch verbunden. Ich kehrte zufrieden in meinen Yogiwald zurück, wo inzwischen die Bäume zu blühen angefangen und meine kleine Welt in ein Paradies verwandelt haben.

Gestern war ich wieder bei meiner dementen Mutter im Altersheim. Sie saß am Tisch in ihrem Zimmer und löffelte eine Quarkspeise. Ich berührte sie zärtlich an der Schulter und begrüßte sie. Sie lächelte mich an. Inzwischen fühlt sich alles so selbstverständlich an. Meine Mutter lebt im Altenheim und ich besuche sie regelmäßig. Ich habe mich sogar schon an das Leid im Altersheim und auch an die Demenz meiner Mutter gewöhnt. Sie begreift nicht mehr wirklich was geschieht. Plötzlich bin ich da. Plötzlich bin ich weg. Alles ist gut so wie es ist.

Ich schob sie in ihrem Rollstuhl ins Altersheimcafe und bestellte mir meinen obligatorischen Kuchen. Meiner Mutter hatte ich Rohkost mitgebracht, damit auch mal etwas Gesundes zu essen bekommt. Leckere Apfelsinenstückchen und kleine Apfelstücke aus dem eigenen Garten. Frau Trotzki kam aufgeregt mit ihrem Rollator angerannt. Sie hatte mich entdeckt. "Du bist doch Nils, der berühmte Schriftsteller. Ich lese jeden Tag in deinem Buch. Weißt du noch wie ich heiße?" Natürlich kannte ich noch ihren Namen: "Inge Marie". Sie lächelte glücklich.

Ich berichtete ihr von meinem Darshan bei meiner erleuchteten Meisterin. Es fiel ihr schwer meine spirituelle Welt zu begreifen. Mutter Meera ist ein Avatar, nach der Vorstellung des Yoga eine göttliche Person mit der Fähigkeit der Allgegenwart. Da Frau Trotzki eine Christin ist, erklärte ich es ihr christlich. "Stelle dir vor Jesus kommt nach Hamburg. Du gehst hin und er segnet dich. Er berührt dich und blickt dir in die Augen. Du bist sein Kind. Er wird dich retten und ins Paradies bringen. Du brauchst nur jeden Tag zu beten."

Und dann fiel mir der Satz aus der Bibel ein: "Wo drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen." Also war Mutter Meera spirituell auch unter uns. Sie war im Cafe zwischen Frau Trotzki, meiner Mutter und mir energetisch anwesend. Ihr Segen ging auf uns drei über. Eine schöne Vorstellung. Ich telefonierte mit meiner Schwester, berichtete ihr von meinem Darshan bei Mutter Meera und der Segen ging auch auf sie über.

Und natürlich musste auch mein Fan-Club aus alten Frauen gesegnet werden. Ich schnappte mir meine Ukulele, schob meine Mutter zu unserem Singplatz, Frau Trotzki kam hinterher und ich begann auf der Ukulele zu spielen und laut zu singen. In kurzer Zeit versammelten sich meine alten Freundinnen um mich herum. Wir schmetterten "Mein Hut der hat drei Ecken" und "Froh zu sein bedarf es wenig". Ob der Segen auch bei diesen Liedern auf die Seniorinnen überging? Vorsichtshalber sang ich auch noch "Gottes Liebe ist so wunderbar. Gottes Hilfe ist so wunderbar. Gottes Gnade ist so wunderbar."

Etwas Segen konnten die alten Frauen gut gebrauchen. Sie litten alle am Leben, am Alter, an vielen Krankheiten und an mangelnder Glücksenergie. Sie konnten gut etwas inneres Glück gebrauchen. Das erzeugte ich jede Woche mit meinen Liedern. Inzwischen lieben sie auch meine Ukulele. Sie klimpert fröhlich vor sich hin und macht sie mit ihren einfachen Melodien glücklich. Und ich merke, wie sich die alten Frauen energetisch mit mir verbinden. Noch einen Tag nach dem Singen spüre ich ihre Energie in meiner Aura. Sie zehren von mir. Ich muss mich durch einen Spaziergang in der freien Natur immer wieder mit Energie aufladen. Und ich hoffe natürlich, dass auch Mutter Meera meine alten Freundinnen sieht und ihnen hilft. Insbesondere beim Tod, der bei allen Frauen vor der Tür steht und nicht mehr lange auf sich warten läßt. Nutzen wir noch schnell die restlichen Erdentage für etwas Glück und etwas Spiritualität. Und steigen dann alle frohgemut ins Paradies auf.

Ich radelte zufrieden wieder nach Haus. Dort hatte sich meine Welt inzwischen in ein Paradies verwandelt. Nach einem Tag voller Sonne ist der Frühling im kalten Norden eingekehrt und hat die Natur in ein Blütenmeer wandelt. An den Wegen wachsen kleine weiße Buschwindröschen. Gelbe Osterglocken stehen vor meinem Haus. Überall blühen wildwachsende Primeln. Und vor allem die vielen Obstbäume in meinem Garten verzaubern meine Welt in ein Blumenland. Möge der Geist des Frühlings mit euch sein.
Ich spielte auf der Ukulele das Lied "Froh zu sein bedarf es wenig". Eine runzelige, fast zahnlose alte Frau sah es als eine Art Lach-Yoga an. Sie begann lauthals zu lachen. Ihre zwei verbliebenen Zähne wippten auf und ab. Mit ihrer guten Laune steckte sie die kleine Runde von alten Frauen mit Lebensfreude an. So geht Glück im Altersheim.

Danach sangen wir laut "Mein Hut der hat drei Ecken." Ich ersetzte dann den Hut durch die Namen der Senioren, also "Ella hat drei Ecken", "Gisela hat drei Ecken", "Elfi hat drei Ecken" und natürlich "Der Nils, der hat drei Ecken". Der Meister durfte ja nicht fehlen. Auch er ist eine eckige Persönlichkeit, aus der Normalität des westdeutschen Konsumkapitalismus gefallen. Ihr kennt seine drei Ecken nicht? Die erste ist die Liebe, die zweite der Frieden und die dritte das innere Glück. Diese drei Dinge brachte er ins Altersheim. Immer wieder, bis alle Alten ins Licht erwachen.

Die innere Reinigung ist ein langer Prozess. Die Volkslied-Mantren drangen in meine Mutter ein und lösten innere Verspannungen. Immer wieder musste sie laut gähnen. Das geschieht oft bei der inneren Entspannung. Ich sang die Lieder immer wieder, bis alle Alten in eine Art Trance fielen. Sie wollten nicht mehr aufhören zu singen. Aber irgendwann ist immer Schluss. Mit dem Leben und mit dem Singen.

Elfi bestand darauf noch einmal den Schneewalzer zu hören. Also sang ich für sie ihr Lieblingslied. Dann stand sie auf und ging. Frau Trotzki war leider krank, so dass sie nicht mitsingen konnte. Mit ihr hätten wir "Froh zu sein" als Kanon singen können. Das liebt sie. Für meine Mutter gab es immer wieder "Auf, auf zum fröhlichen Jagen" und "Die Gedanken sind frei". Und natürlich die Hamburger Nationalhymne "An de Eck steiht en Jung mit nem Tüddelband". Das ist auch ein Lied, mit dem ich immer wieder das Altersheim rocke.

Alle Lieder lehren letztlich den Weg des positiven Denkens. Auch mit wenig äußeren Dingen kann man froh sein, wenn die innere Einstellung stimmt. Es genügen eine kleine Gruppe alter Leute, eine Ukulele und Meister Om Om. Wer das Lied "Die Gedanken sind frei" kennt, kann damit auf immer den Sorgen entsagen. Und wenn man einmal hinfällt, dann steht ein Hamburger Jung auf und geht einfach weiter. Der fröhliche Jäger hat seine Berufung gefunden, wie der fröhliche Yogi. Dann bringen der Beruf und das Leben Spaß.

Mehr ist nicht zu berichten. Ansonsten war alles wie immer. Ich aß meine zwei Stücken Kuchen. Diesmal gab es leckeren Pflaumenkuchen mit Sahne und Zitronenquarktorte. Meine Mutter bekam ihre Apfelsinenstückchen und ich telefonierte mit meiner Schwester. Sie will mich Mitte Mai zu meinem Geburtstag besuchen.

Chaos im Altersheim. Hamburg im Regen. Zum Glück hatte ich meine neuen Outdoor-Sachen angezogen. So wurde ich beim Radfahren kaum nass. Frau Trotzki war heute leider immer noch krank. Sie liegt im Krankenhaus. Wünschen wir ihr gute Besserung. Meine Mutter schlief, also ging ich erstmal ins Cafe. Ich aß meinen Kuchen, heute gab es Mandarinentorte, und trank eine Tasse heißen Kaffee. Das tat gut. Langsam kam ich zur Ruhe. Ich saß einfach nur da. Meine Energie entfaltete sich und ich war wieder im inneren Glück. Ich beschloss den restlichen Tag als glücklicher Buddha zu verbringen.

Leider hatte das Leben es anders geplant. Meine Energie wurde gebraucht, um die alten Frauen glücklich zu machen. Als ich nach meiner Mutter sah, ob sie schon aufgewacht war, war sie verschwunden. Ihr Bett war leer. Wo war sie wohl hingebracht worden? Eine alte Frau gab mir den entscheidenden Tipp. Meine Mutter sei wohl in der Bibliothek. Das ist vermutlich ein Abstellraum für alte Frauen, die gerade nicht gebraucht werden.

In der Bibliothek am anderen Ende des Altersheimes saßen drei Frauen. Eine konnte lesen und wartete auf die Bibliothekarin, die in einer halben Stunde kommen sollte. Die anderen beiden Frauen konnten nicht lesen und waren dort einfach nur hingeschoben worden. Bei näherem Hinsehen erkannte ich eine von ihnen als meine Mutter. Sie ist jetzt wirklich alt geworden und kaum wiederzuerkennen. Sie sieht aus wie 180, obwohl sie erst 93 ist. Sie reagierte auch nicht, als ich sie ansprach. Sie war im Abgestelltenmodus in der Warteschleife.

Ich beschäftigte mich mit der anderen alten Frau, die ich nach einiger Zeit zum Reden brachte. Sie erzählte mir, dass sie seit drei Monaten im Altenheim ist. Sie sei 90 Jahre alt. Ihr Mann sei vor drei Monaten gestorben. Sie waren 60 Jahre verheiratet. Ich fragte sie, ob sie nicht traurig sei. Sie meinte, dass sie sehr trauerte und nachts mit ihm redet. Sie hatte gehofft vor ihrem Mann zu sterben. Aber es sollte nicht so sein. Jetzt saß sie allein im Altersheim, kannte keinen Menschen und redete auch kaum.

Von Beruf war sie Kindergärtnerin gewesen. Sie hatte drei Kinder. Und sie liebte Norddeutsche Lieder. Als sie meine Ukulele sah, fing sie gleich an zu singen. Zum Glück kenne ich einige plattdeutsche Lieder. Das machte sie glücklich. Es war wohl der Grund, weshalb das Leben (oder nennen wir es Gott oder meine Meister) mich heute in die Bibliothek geführt hatte. Ich glaube, dass in meinem Leben nichts zufällg geschieht. Heute konnte ich eine arme alte Frau aufmuntern, die diese Aufmunterung dringend brauchte.

Nach einer halben Stunde kam tatsächlich die Bibliothekarin. Sie suchte für die dritte Frau ein Buch aus und unterhielt sich dann mit mir. Ich erklärte ihr, dass ich ein berühmter deutscher Schrifsteller bin. Dabei muss ich zwar immer über mich und mein merkwürdiges Schicksal lachen, aber irgendwie finde ich mich doch großartig. Zur Erleuchtung ist es noch ein weiter Weg.

Gemeinsam suchten wir mich im Internet. Die Bibliothekarin hatte gerade ein Smartphone von ihren Kindern geschenkt bekommen und liebte es damit zu spielen. Damit sie nichts eintippen musste, gab es eine Sprachfunktion. Sie sprach den Namen "Nils Horn" hinein. Und oh Wunder. Das Smartphone antwortete "berühmter Schriftsteller" (ein kleiner Scherz am Rande) und wies sie auf viele meiner Bücher hin. Und bei Amazon konnte sie sogar ein Video von mir anhören, wo ich irgendetwas über die Liebe und die Weltrettung sagte. Sie war begeistert. Zwar mehr von ihrem Smartphone als von mir, aber immerhin begeistert.

Ich schob meine Mutter zu unserem Singplatz. Und da drängte sich heute eine Menschenmasse um mich. Es war kaum noch ein Stuhl zu bekommen. Langsam spricht es sich herum, dass es jeden Mittwoch tolle Musik von einem tollen jungen Mann gibt. Ich rockte die alten Frauen auch gleich mit "Mein Hut, der hat drei Ecken" und "Froh zu sein bedarf es wenig."

Da bald Ostern ist, hatte ich einen Schokoladen-Osterhasen mit einem großen H auf der Brust mitbracht. Passend dazu habe ich das Lied vom Hoppelhasen Hans gedichtet. Ich sang es sofort mit meinem Senioren-Fanclub. Einige Frauen behaupteten zwar, dass sie das Lied nicht kennen. Aber es ist so einfach, dass es alle sofort mitsingen konnten. Es wurde eine schöne Osterfeier. Draußen regnete es und drinnen sang der Osterhase Nils mit vielen etwas ergrauten Häschen. Aber das Alter spielt keine Rolle. Hauptsache alle sind glücklich. Das ist meine Lebensphilosophie.
Du machst es gut und richtig so, dass du deine Mutter so oft wie möglich im Heim besuchst und zugleich auch den anderen Freude und Abwechslung bereitest.

Ich habe das zu selten gemacht. Immer war etwas grad wichtiger: Mein Befinden oder das meines Partners, wichtige Termine, Stress und Personalmangel am Arbeitsplatz. Zwischen meiner bayerischen Haustür und der Haustür meines Elternhauses in Tirol liegen 130 km und das Heim, in dem meine Mutter die letzten zweieinhalb Jahre ihres Lebens nach einem schweren Sturz verbracht hat, nicht mal einen Kilometer von eben diesem Elternhaus entfernt. 130 km - das ist eine Entfernung, zu der manche täglich in die Arbeit pendeln. Und für meine Eltern war nie etwas anderes wichtiger, als wir Kinder; alles wurde für uns hintenan gestellt, wenn wir sie brauchten.

Vor 13 Tagen ist meine Mutter gestorben. Es ist immer ein schmerzhafter Einschnitt im Leben, wenn ein Elternteil stirbt, egal wie alt die Eltern sind oder wie alt man selber schon ist. Mit der Trauer an sich könnte ich jedoch umgehen und fertig werden, denn meine Mutter hat ein hohes Alter von fast 90 Jahren erreicht, sie hatte ein erfülltes Leben und stets Menschen um sich, die sie geliebt haben, auch in ihren letzten Augenblicken. Womit ich jedoch nicht fertig werde ist, dass ich aus meiner Sicht bzw. nach meinen Bedürfnissen mich nicht mehr richtig von ihr verabschieden konnte. Durch eine Verkettung unglückseliger Umstände und Kommunikationsproblemen innerhalb der Familie bin ich zu spät verständigt worden bzw. erst, als sie gestorben war.

Es hatte sich freilich in den letzten Wochen abgezeichnet, dass ihr Leben zu Ende ging. Sie schlief sehr viel und wollte kaum noch essen und trinken. Anfang März hatte ich sie noch besucht und da hatte sie einen sehr klaren, wachen Tag, erinnerte sich an Vieles, zeigte ihre mütterliche Fürsorge und bat mich, wieder zu kommen. Das war nicht bei jedem Besuch der Fall, denn nach dem Tod meines Vaters vor fünf Jahren hatte sie sich zunehmend in eine Traumwelt geflüchtet und wurde allmählich dement, in ihrem Fall die sogenannte "Parkinson-Demenz".

Drei Tage vor ihrem Tod war ich Ende März erneut bei ihr. Da schlief sie fast nur oder sah mich nur an. Sprechen konnte sie da nicht mehr. Sie atmete aber noch ruhig und an manchen Tagen aß sie auch noch. Als ich ging, sagte ich noch „Bis zum nächsten Mal“ zu ihr, nicht ahnend, dass bei diesem "nächsten Mal" ich sie in einer Urne sehen würde. Sie sah mich nur ausdruckslos an. Im Nachhinein denke ich, sie hat noch auf ein Wort von mir gewartet...Von der Familie habe ich später erfahren, dass sie noch alles mitgekriegt haben muss, denn wenn man sie bat, die Hand zu drücken, tat sie es, auch noch in der Stunde ihres Todes.

Meine Familie hatte ich gebeten, mich sofort zu verständigen, wenn es schlechter werden sollte und auch an meinem Arbeitsplatz schon alles geregelt, damit ich schnell von dort weg konnte. Stattdessen erhielt ich drei Tage später die Todesnachricht...

Für mich war es ein Schock, dass ausgerechnet ich als ihre einzige Tochter und als ihre Jüngste ihr in ihren schwersten und letzten Stunden nicht beistehen konnte und an ihrem Sterbebett gefehlt habe. Meine Familie versucht mich dergestalt zu trösten, dass meine Mutter auf diesen letzten Besuch von mir, drei Tage vor ihrem Tod, gewartet hätte, denn danach sei es ja erst wirklich rapide bergab gegangen, weil sie eben dann „loslassen“ habe können, aber wer weiß das schon?

Meinem Vater konnte ich diesen letzten Liebesdienst erweisen; ich war bei ihm, konnte ihm meine Liebe und Dankbarkeit zeigen. Sein letztes Wort war an mich gerichtet, ich erlebte seinen letzten bewussten Augenblick und schloss ihm die Augen. Das alles gab mir Kraft und Halt bei der Trauerbewältigung. So „gelungen“ dieser Abschied von meinem Vater war, so „misslungen“ erscheint mir der von meiner Mutter und ich kann nun nicht loslassen.

Besonders schmerzt es mich, dass ich am Nachmittag ihres Todestages an all die Gerichte denken musste, die sie für uns gekocht hat und den Impuls verspürte, daheim anzurufen und nachzufragen, wie es ihr denn heute ginge. Ich bin diesem Impuls nicht gefolgt; hätte ich es getan, hätte ich es noch „geschafft“...Stattdessen bin ich am Abend, zum Zeitpunkt ihrer letzten Augenblicke, am PC gesessen und habe mir eine politische Satiresendung angesehen und habe darüber gelacht, während meine Mutter 130 km entfernt ihren letzten Atemzug machte und womöglich vergeblich noch mal auf mich gewartet hat.

Ich kann all das nicht mehr rückgängig machen, aber falls jemand das liest, der seine alten Eltern vielleicht schon länger nicht mehr besucht hat oder noch Unerledigtes in sich spürt, dann sollte er die erstbeste Gelegenheit ergreifen, denn schnell ist es zu spät.

Dir und deiner Mutter alles Gute, Nils!
Elke hat geschrieben:
Womit ich jedoch nicht fertig werde ist, dass ich aus meiner Sicht bzw. nach meinen Bedürfnissen mich nicht mehr richtig von ihr verabschieden konnte. Durch eine Verkettung unglückseliger Umstände und Kommunikationsproblemen innerhalb der Familie bin ich zu spät verständigt worden bzw. erst, als sie gestorben war.

Tatsächlich sterben viele Menschen allein. Auch Menschen, die viele Kinder hatten und viele Freunde hatten. Meine Frau war deswegen einmal geschockt, weil ihr geliebter Großvater ganz alleine gestorben sei. Ich sagte ihr, dass meine Mutter alleine gestorben sei, obwohl sie mehrere Kinder hatte. Bei meinem Vater war es auch so.

Das Denken, dass nur alleinstehende Menschen alleine sterben und andere im Kreis ihrer Familie ist so ein Wunschtraum, um für sich die Dinge leichter zu machen. In Wirklichkeit sterben die meisten Menschen alleine. Ich habe bei Besuchen bei meinem Vater immer lange noch gewunken. Er hat auch noch lange gewunken. Beide haben wir gewusst, dass man nie weiß, wann es der letzte Besuch war. Deswegen haben wir immer lange gewunken. Dass du nicht hast da sein können, ist eher der Normalfall. Du hast dir da nichts vorzuwerfen und du bist deswegen nicht von der Welt getrennt. Das geht vielen anderen Menschen auch so.

Ich mag sehr das Youtube-Video Die letzte Prüfung über den Tod aus buddhistischer Sicht. Vielleicht ist es für die nächsten Wochen nicht die richtige Lektüre. Wenn sich die Dinge etwas gesetzt haben, könnte es aber hilfreich sein um besser loslassen zu können.
Liebe Elke,

ich habe Deinen Text gelesen, und er berührt mich sehr. So ging es mir mit meinem Vater. Er starb allein im Krankenhaus, weil NIEMAND mit seinem Tod gerechnet hatte. Meine Mutter starb in meiner Gegenwart (sie lebte bei meiner Frau und mir), ich konnte sie halten, streicheln. Das tat ihr gut. Und mir auch. Aber dass Vater so allein war, schmerzt noch heute, nach 30 Jahren.

Lieber Nils,

ich finde es wunderbar, wie lieb Du mit Deiner Mutter und ihren Freunden im Altersheim umgehst und welche Freude Du ihnen machst. Auch Deine Berichte schätze ich sehr, danke dafür.

Viele Grüsse

Der Waldler
Aprilwetter. Mal schien die Sonne und mal regnete es. Es war ziemlich kalt, als ich zum Altenheim radelte. Meine Mutter saß in ihrem Zimmer am Tisch und löffelte ihre Quarkspeise. Ich berührte sie sanft an der Schulter und begrüßte sie mit den Worten: "Hallo, ich bin da." Das wunderte sie nicht. Ich tauche plötzlich in ihrer dementen Welt auf und bin genauso plötzlich wieder verschwunden. Wie der Osterhase.

Am Wochenende war Ostern. Ich hatte meiner Mutter einen großen Schokoladen-Osterhasen mit einem H auf der Brust mitgebracht. Das H stand für Ella Horn. Irgendwie war der Osterhase heruntergefallen, zerbrochen und anschließend in der Sonne geschmolzen. Ein gutes Symbol für den Zustand meiner Mutter.

Ich wickelte meine Mutter in eine warme Decke und schob sie ins Altersheim-Cafe. Frau Trotzki war leider nicht da. Sie lag nach Auskunft der Kuchenfrau noch immer mit einer Nierenbeckenentzündung im Krankenhaus. Das ist bestimmt sehr schmerzhaft. Hoffentlich erholt sie sich wieder davon.

Sanft tippte jemand auf meinen Rücken. Hinter mit saß eine Seniorin aus meiner Musikgruppe. Sie freute sich auf das Singen. Wir blieben heute zu dritt. Eine kleine Sing-Gruppe. Meiner Mutter fielen nur wenige Lieder ein. Möglicherweise baut sie doch langsam immer mehr geistig ab.

Ich versuchte sie zum Mitsingen zu motivieren, aber mit geringem Erfolg. Ich gab dieses Ziel auf und begnügte mich damit, dass sie interessiert zuhört. Trotzdem fuhr ich etwas bedrückt wieder nach Hause. Ich überlegte, wie ich wieder in eine positive Stimmung kommen konnte. Positive Gefühle entstehen durch positive Gedanken. Was gab es Positives in meinem Leben?

Positiv war, dass mein Buddha-Orakel überraschend ein großer Erfolg auf dem Buchmarkt geworden ist. Es ist bei Amazon von Rang 9500 auf 109 gestiegen. Ein für mich letztlich unerklärliches Phänomen.

Ich hatte das Buch gründlich überarbeitet. Statt etwas platter Witze (der Titel lautet "Der heitere Weg zur Erleuchtung) hatte ich viele kleine Geschichten in das Orakel eingearbeitet. Jetzt ist es zwar nicht mehr so witzig, dafür aber sehr lehrreich und erheblich seriöser. Man lernt auf eine leichte Weise die Welt des Buddhismus kennen und erhält jeden Tag eine positive Inspiration. Vielleicht hatte das die Leser überzeugt.

Insbesondere hatte ich mit vielen Bildern und Geschichten den Amitabha-Buddhismus in das Orakel eingearbeitet. Der Buddha Amitabha liegt mir besonders am Herzen, weil er ein Bindeglied zwischen den Religionen darstellt. Er ist der Buddha des Lichts und der Liebe, vergleichbar mit Jesus und mit Krishna.

Ich persönlich glaube an die Einheit der Religionen und an die Erleuchtung als das Zentrum. Gleichzeitig vertrete ich den undogmatischen spirituellen Weg. Jeder kann das Orakel auf seine Weise verstehen. Es gibt nur zwei Dogmen, die Wahrheit und die Liebe. Was das jeweils bedeutet, darf jeder für sich selbst entscheiden.

Wobei wir wieder bei meiner Mutter wären. Ich übte heute schon mal den Namen "Amitabha" als Sterbemantra, unterlegt mit der Melodie von "Mein Hut der hat drei Ecken". Bald gibt es das auch als Musikvideo. So kann jeder fröhlich sterben.

Den alten Frauen gefiel das Mantra. Wir sangen zuerst zur Ukulele "Mein Hut, der hat drei Ecken", behielten die Melodie bei und ersetzten den Text durch das Wort "Amitabha".
So entstand im Altersheim gute Laune. Und ich dachte auf dem Nachhauseweg einige Male das Mantra "Amitabha"und brachte mich so ins Glück.
Skandal im Altersheim. Das Cafe war geschlossen. Es gab heute keinen Kuchen. Dabei hatte ich mich schon so auf meine zwei Stücken Torte gefreut. Erdbeertorte mit Schlagsahne, wahlweise auch Marzinpantorte oder Mandarienquarktorte. Zum Glück hatte ich in weiser Voraussicht zuhause schon einige Kekse und ein Schokoladentörtchen gegessen. So traf mich der Schock nicht ganz unvorbereitet.

Ansonsten war ich heute gespannt, wie es meiner Mutter gehen würde. Letzten Mittwoch war sie krank und schlief den ganzen Tag. Ich konnte nicht mit ihr sprechen. Ich kam umsonst den weiten Weg ins Altersheim. Aber immerhin gab es letztes Mal Kuchen. Und ich hatte den Besuch genutzt auch ohne meine Mutter mit den alten Damen zu singen.

Heute saß meine Mutter wie gewohnt in ihrem Zimmer am Tisch und trank ihren Kaffee. Sie war wieder gesund und geistig ansprechbar. Sie konnte sogar wieder mit meiner Schwester telefonieren. Im Leben meiner Schwester auf dem Bauernhof ist immer etwas los. Im Moment hat sie zu wenig Heu für ihre Ziegen, weil ein Heulieferant ausgefallen ist. So musste sie viele Ziegen schlachten. Das ist traurig für die Ziegen, aber letztlich glücklich für meine Schwester. Sie hat weniger zu tun und kommt etwas mehr zur Ruhe.

Ich drehte mit meiner Mutter im Rollstuhl zwei Runden im Park, damit sie etwas frische Luft bekam. Sie kommt ja sonst nie raus. Eigentlich wollte ich nur eine Runde im Park gehen. Aber meiner Mutter gefiel es so gut, dass sie noch auf einer zweiten Runde bestand. Dann ging es schnell zum Singplatz, wo mein Fanclub aus alten Frauen bereits ungeduldig wartete.

Ich zog meine Ukulele aus dem Rucksack, stimmte sie kurz und schon sangen wir: "Mein Hut der hat drei Ecken." Nacheinander kamen die einzelnen Seniorinnen mit ihren Namen dran. Zum Schluß überlegten wir, wo die drei Ecken sind. "Die erste ist die Liebe, die zweite ist das Glück, die dritte ist der Frieden, das ein starkes Stück."

Jedenfalls war es heute wieder ein gelungener Tag, trotz geschlossenem Kaffee. Den entgangenen Süßigkeitenkonsum holte ich aber zuhause nach, wo ich immer einen großen Vorrat an Kuchen, Keksen und Schokolade gelagert habe. Zum Glück werde ich nicht dick, sonst müsste ich doch etwas weniger essen. Aber der liebe Gott hat mich mit Schlankheit gesegnet.
Ein perfekter Tag. Ich wachte auf. Die Sonne schien. Schnell aufgestanden, Katzenwäsche und Frühsport. Dann schnell die Welt im Internet gerettet und auf zu meiner Mutter. Die schlief, also konnte ich mich erstmal in Ruhe von der langen Fahrradfahrt bei einer Tasse Kaffee und zwei Stücken Torte im Altersheim-Cafe erholen.

Frau Trotzki liegt immer noch im Krankenhaus. Man weiß nicht, ob sie jetzt stirbt oder eines Tages wieder auftaucht. Mir fehlte also eine nette Unterhaltung am Tisch. Da kam sofort Ersatz in Form von Ursula, 93. Ursula ist zwar schon ziemlich alt, aber geistig noch relativ fit. Man kann sich gut mit ihr unterhalten. Sie war Lehrerin. Ansonsten hat sie vergessen, was sie in ihrem Leben gemacht hat. Aber das macht nichts. So kann ich von meinem Leben erzählen.

Mein ganzer Werdegang. Rechtsanwalt, Psychotherapeut, dann viele Jahre Yogalehrer, berühmter Schriftsteller (ein Scherz) und jetzt Heiliger (auch ein Scherz). An letzterem arbeite ich noch. Aber ich folge meinem buddhistischen Vorbild Longchenpa, einem Heiligen aus dem 12. Jahrhundert. Er beschrieb sein perfektes Leben mit den Worten: "Erst als Yogi schnell zur Erleuchtung, dann als spiritueller Meister seine Mitmenschen glücklich machen, und zum Schluss ins Paradies aufsteigen."

Bei mir geht es nicht so schnell mit der Erleuchtung. Es gibt viel zu reinigen. Also bewältige ich alle drei Etappen auf einmal. Ich lebe als Yoga, bin gleichzeitig ein großer Guru (ein Scherz) und verwirkliche das Paradiesbewusstsein, Tatsächlich entwickeln sich in mir in letzter Zeit immer mehr Phasen der Glückseligkeit. Ich lebe im ruhigen Sein, Einheitsbewusstsein und innerem Glück. Die Glücksenergie fließt spontan, unerwartet, aber doch relativ regelmäßig.

Obwohl ich in einer Leidwelt lebe - vielen meiner Freundinnen geht es schlecht und im Altersheim tobt die Hölle - entfaltet sich durch das innere Glück eine Paradiessicht der Welt. Ich nehme meine Welt als Paradies wahr. Auch das Leid kann ich irgendwie positiv sehen, zumindest als Weg des spirituellen Wachstums und der Zerstörung der Illusion des dauerhaften Glücks im äußeren Leben.

Als ich meinen Kaffee ausgetrunke habe, schaue ich nach meiner Mutter. Sie ist inzwischen aufgewacht, sitzt in ihrem Rollstuhl am Tisch und trinkt aus ihrer Schnabeltasse. Perfekt. Ich begrüße sie und schiebe sie in ihrem Rollstuhl zu unserem Singplatz. Dort wartet schon meine Fan-Gemeinde auf mich. Nils, der Held. Perfekt. Ich zücke meine Ukulele und bringe die alten Damen mit meinem Gesang zum Entzücken.

Da ich nächste Woche Geburtstag habe, üben wir schon mal mein Geburtstagslied. "Lasst uns heute feiern, von Hamburg bis nach Bayern. Lasst uns heute singen, dass die Herzen klingen. Holladriho." Die Stimmung steigt bis zum Siedepunkt, als wir gemeinsam gröhlen "Froh zu sein bedarf es wenig". Natürlich darf auch "Mein Hut, der hat drei Ecken" fehlen. Nacheinander besingen wir die Teilnehmer der Runde: "Nils, der hat drei Ecken. Ella (meine Mutter), Ursula (meine neue alte Freundin), Helga (die Akkordionspielerin), Gisela und die Namenlose." Die Namenlose hat ihren Namen vergessen. Also singen wir "Die Namenlose hat drei Ecken". Das singt sie fröhlich mit.

Und Gisela lacht wieder so laut und herzhaft. Sie ist etwas dement und etwas verrückt. Sie weiß nicht warum sie im Altersheim ist, aber sie lacht gerne ohne Grund. Obwohl sie bei mir schon einen Grund hat. Ich bin auch etwas verrückt, getreu dem Motto eines berühmten holländischen Philosophen: "Etwas verrückt lebt es sich besser."

Als ich nach zwei Stunden meine Energie verausgabt habe und völlig erschöpft bin, schiebe ich meine Mutter zurück in ihr Zimmer zu ihrer Schnabeltasse und radele nach Hause. Dabei denke ich über den Sinn des Lebens nach. Im Altersheim geht es eigentlich immer nur um Leben und Tod. Jeder möchte das Leben noch etwas genießen. Gleichzeitig wird ständig gelitten und gestorben. Beides macht das Leben auf der Erde aus. Aber ich kenne noch eine dritte Ebene, das Leben in der inneren Glückseligkeit. Das ist das wahre Leben. Also visualisiere ich mich als Buddha, lasse die Leidenergien des Altersheimes hinter mit und erhebe mich wieder in die Dimension des Lichts. Und kaufe im Supermarkt viele schöne Dinge für meine Geburtstagsparty ein. Mein Schwester kommt mit ihrem Sohn aus dem Schwarzwald angereist.
@Elke, während meines Praktikums in einem Hospiz gab es einige Menschen, die ganz alleine gestorben sind.Die Ehefrau eines Patienten schaffte es psychisch nicht, ihren sterbenden Mann zu begleiten. Während er starb habe ich eine stille Meditation bei ihm am Krankenbett gemacht. Er starb ruhig und friedlich, soweit man das als Außenstehender beurteilen kann. Ich war stiller Zuhörer des Trauer Gespräches, als seine Frau am Tag nach dem Tod das Hospiz besuchte. Ihr wurde berichtet, dass ihr Mann ruhig und friedlich gestorben war und das obwohl sie nicht in seiner Nähe war.

@Nils, es gab auch wenige fittere ältere Menschen in dem Hospiz, die das Bett verlassen konnten. Sei es nun, um zu rauchen oder um diverse Angebote des Hospizes (Musik, Kunst, Hund, Spazieren gehen) wahrzunehmen. Ich durfte als Praktikant mit der Muskiktherapeutin, die Gitarre spielte, mitsingen. Sie hatte eine sehr gute Stimme und als ehemaliger Chorsänger fiel es mir leicht, mich daran festzuhalten. So sangen wir dann gemeinsam Lieder wie den "Hamburger Veermaster" oder "In der Lüneburger Heide". Es hat den Gästen und mir sichtlich Freude gemacht. Unglaublich, welche Energie Musik und Singen hervorbringen kann!!!
Heute habe ich im Altersheim mit meinen alten Freundinnen meinen Geburtstag gefeiert. Gestern bin ich 65 Jahre alt geworden. Ich habe damit die Grenze von der Jugend zum Alter überschritten. Vorgestern war ich noch ein junger Hüpfer und heute bin ich ein alter Sack. Vorgestern fröhlich durch die Welt hüpfen und das Leben genießen. Sex, Drugs and Rock'n Roll. Heute gemütlich von Sofa aus die Welt beobachten und wehmütig an die vergangene Jugend denken. Kein Sex, keine Drogen und keinen Rock'n Roll mehr. Meine Droge war allerdings Zeit meines Leben der Kuchen, also Zucker und Fett. Das passt zu mir als yogischer Vata Typ. Und Kuchen gibt es im Altersheim-Cafe auch bis zur Sättigung. Kuchen ist der Sex des Alters. Habe ich irgendwo gehört.

Und Rock'n Rock ist auch noch da in Form von spirituellen Liedern und Kinderliedern. Im Alter wird man wieder zu einem Kind. Insofern passt das. Und mit meiner Ukulele rocke ich damit das Altersheim. Gestern Abend habe ich aber mit meiner Schwester eine Stunde Bhajans zum Harmonium gesungen. Bhajans sind die indischen Gesänges des Gotteslobes. Man wiederholt immer wieder die Namen Gottes und gelangt dadurch in die Energie Gottes. Die indischen Götter sind für mich Symbole für verschiedene Erleuchtungspersönlichkeiten. Man kann es deshalb so ausdrücken, dass man die verschiedenen Eigenschaften eines Erleuchteten besingt und dadurch die Erleuchtungsenergie aktiviert.

Wer erleuchtet ist, hat ein glückliches Alter. Er geht im Zustand des inneren Glücks, des Friedens und der umfassenden Liebe durch die oft schwierige Zeit. Das Alter macht ihm deshalb nichts aus. Es ist umgekehrt die Zeit des höchsten Glücks und Lebensgenusses. Wen man als spiritueller Mensch lebt. Die Glücksforschung hat sogar festgestellt, dass alte Menschen allgemein oft glücklicher sind als junge Menschen, weil der Stress des Lebens wegfällt und man die Dinge gelassener sehen kann. Wenn man gesund ist.

Ich frage die Alten im Altersheim, was ich jetzt als alter Sack im Alter zu beachten habe. Übereinstimmend rufen sie, dass die Gesundheit das wichtigste Gut ist. Man sollte deshalb jeden Tag spazieren gehen. Das tue ich. Insofern bin ich mit Gesundheit gesegnet. Und was ist noch wichtig im Alter? Dass man Freunde hat. Ich habe viele Freundinnen. Sie rufen den ganzen Tag von morgens bis abends an. An Unterhaltung und spannenden Geschichten besteht in meinem Leben kein Mangel.

Zum spirituellen Weg raten die Alten nicht. Das haben sie noch nicht begriffen, obwohl es ein christliches Altersheim ist. Aber da übernimmt der Pfarrer die Spiritualität und die Alten sind nur die Konsumenten. Sie haben nicht gelernt selbständig ihre spirituelle Energie zu erwecken und sich so jeden Tag ins Glück zu bringen.

Das praktizieren sie nur mit mir, wenn wir gemeinsam Lieder singen. Heute waren wieder alle da und wir schmetterten natürlich erstmal aus voller Kehle "Happy birthday, Nils". Wir sangen das so lange, bis sie alle das Gefühl hatten, dass sie selbst Geburtstag haben. Dann gab es wieder die Vorstellungsrunde mit "Mein Hut, der hat drei Ecken." Wir fügten dann statt Hut die Namen der Beteiligten ein. Wir sind Alte mit Ecken und Kannte. Uns macht man nichts vor. Und wir sind immer gut drauf. Gisela lachte wieder laut und die Namenlose hatte immer noch ihren Namen vergessen. Wir gröhlten also wieder "Die Namenlose hat drei Ecken".

Die Stimmung stieg schnell bis zur Extase. Das lag auch daran, dass ich heute das erste Mal meine neue Ukulele mitgebracht habe. Die klaren Töne sind ein Genuss für die Ohren. Der Nachteil besteht darin, dass man jeden falschen Ton hört. Was die Alten auch gnadenlos bemerkten. Dann wiederholte ich das Lied so lange, bis alle mit den Tönen zufrieden waren. Es ist gut ein unperfekter Musiker zu sein. Da kommt immer wieder Freude auf.

Meine Mutter baut geistig immer mehr ab. Sie konnte kaum noch mitsingen. Sie hört interessiert zu und oft ist sie auch geistig abwesend. Sie befindet sich jetzt in einem Dauerzustand des Gleichmuts und der Meditation. Sie meditiert beständig, hält so ihren Geist in der Ruhe und nimmt das Leid ihres Lebens kaum wahr. Der Nachteil besteht darin, dass sie auch die Freude des Lebens kaum noch registriert. Und vor allem meditiert sie falsch. Sie macht den Fehler der meisten Yogis. Sie erweckt nicht durch die Meditation ihre Kundalini-Energie. Dann könnte sie im Zustand des Glücks durch das Alter gehen. Dann würde sie im Licht leben und nicht in der Dunkelheit.

Leider konnte ich ihr den Weg der Kundalini-Meditation nicht begreiflich machen. An einem bestimmten Punkt blockiert sie den Meditationsprozess. Ihre Psyche weigert sich, weil sie in Bereiche gehen muss, wo sie nicht hingehen will. Also blieb mir nicht anderes übrig, als ihr ihren Weg zu lassen und einmal in der Woche beim gemeinsamen Singen etwas ihre Energie in Gang zu bringen. Vielleicht kommt sie so eines Tages von alleine zu einem spirituellen Durchbruch und die Energie beginnt zu fließen. Dann wird aus der ruhigen Meditation ein sehr dynamischer Prozess, wie es bei mir der Fall ist. Es gibt oft Zustände der Glückseligkeit, aber es tauchen auch immer wieder Schatten aus der Vergangenheit auf, die gelöst und durchlebt werden wollen.

Mein Schwester und ihr einer Sohn waren heute auch im Altersheim. Sie reisten von dort aus zurück in den Schwarzwald. Ich brachte sie mit meiner Mutter im Rollstuhl zur Bushaltestelle. Da ich meine Ukulele dabei hatte, sangen wir zum Abschied einige Lieder. An der Bushaltestelle warteten viele Menschen auf den Bus. Sie hörten alle interessiert zu. So wurde es ein spontaner Flashmob mit Mutter, Schwester, Sohn und Neffe. Ein kleiner Junge war begeistert und fragte, ob ich auch "Gottesliebe ist so wunderbar" spielen könnte. Er hatte wohl eine christliche Mutter. Zum Glück ist das eines meiner christlichen Lieblingslieder, weil es so schön einfach ist und man sich damit schnell in Extase singen kann. Und so gab es zum Abschluss heute an der Bushaltestelle spirituellen Rock vom Feinsten.
Frau Trotzki ist tot. Sie war meine Hauptfreundin im Altersheim. Über ein Jahr habe ich jeden Mittwoch mit ihr geredet, gelacht und gesungen. Sie war sehr intelligent und geistig wach. Man konnte sich über alles mit ihr unterhalten. Jetzt ist sie tot. Sie ist 86 Jahre alt geworden. Sie war bis zum Schluss noch sehr lebendig und lebensfroh. Dann ging alles sehr schnell. Sie erkältete sich durch eine kleine Unachtsamkeit, kam ins Krankenhaus, lag dort fünf Wochen und starb.

Ich erfuhr von ihrem Tod im Altersheim-Cafe. Ich musste vor Schreck erstmal zwei große Stücken Torte essen. Dann ging es mir schon wieder etwas besser. Meine Tischnachbarin hatte auch von ihrem Tod gehört und sprach mir ihr Beileid aus. Sie meinte, dass alle im Altersheim sie vermissen.

Ich unterhielt mich mit ihr über den Tod. Die Frau war mittleren Alters und besuchte gerade ihre alte Mutter im Altersheim. Sie erzählte mir, dass sie auch schon den Tod kennengelernt hatte. Ihr Mann sei vor vielen Jahren gestorben. Dass sei für sie eine schwere Zeit gewesen. Jetzt müsste sie alleine durch das Alter gehen, was sie nicht schön fände. Zum Glück hatte sie zwei Töchter und vier Enkelkinder. Das wäre die Freude ihres Alters.

Ich fragte sie, ob sie an ein Leben nach dem Tod glaubt. Sie meinte, dass sie eine Christin sei. Man hätte ihr beigebracht, dass die Seele nach dem Tod in den Himmel kommt. Aber sicher wüsste sie es nicht. Allerdings hatte sie das Gefühl, dass ihr Mann sie nach seinem Tod vom Jenseits aus unterstützt und ihr Kraft gegeben hätte.

Ich überlegte, wie ich die Dinge sehe. Ich kenne meine früheren Leben und auch ein früheres Leben nach dem Tod. Sie tauchten plötzlich im Laufe meines spirituellen Reinigungsweges auf. Das geht vielen fortgeschrittenen Yogis so. Man erkennt dann auch, dass es sich unzweifelhaft um frühere Leben handelt. Man sieht sie so genau, dass ein Irrtum ausgeschlossen ist. In der Wissenschaft ist es umstritten, ob es frühere Leben gibt. Aber es gibt viele Indizien aus der Quantenphysik und der Nahtodforschung, die dafür sprechen.

Interessant ist, dass ich mich auch an ein Leben nach dem Tod erinnere. Ich konnte als Seele frei durch das Universum fließen. Aber ich war noch nicht in einem Paradiesbereich. Obwohl ich mein letztes Leben als christlicher Mönch verbracht habe. Daraus schließe ich, dass auch Christen nur ausnahmsweise ins Paradies kommen. Das Paradies ist ein Energiebereich der Erleuchtung. Man muss spirituell weit genug entwickelt sein, um dort sein zu können.

Frau Trotzki war eine Christin. Sie ist jede Woche zum Gottesdienst gegangen. Andererseits glaube ich nicht, dass sie kurz vor der Erleuchtung stand. Sie hat noch einen weiten spirituellen Weg vor sich. Da sie einen erleuchteten Meister hat, nämlich Jesus Christus, wird sie auf diesem Weg geführt. Ich glaube, dass sie sich im Jenseits oder in zukünftigen Leben auf der Erde spirituell entwickeln kann. Ihre Seele wird entscheiden, was für sie das Beste ist. Für mich war offensichtlich ein weiteres Leben auf der Erde für meine spirituelle Entwicklung richtig.

Meine Singgruppe war wieder vollzählig versammelt. Wir sangen für Frau Trotzki das Lied "Gottes Liebe ist so wunderbar". Das war unser Abschied und unser Gebet für sie. Ich war etwas traurig. Doch plötzlich tauchten zwei junge Frauen mit ihren Babies auf. Sie wollten eine alte Frau aus meiner Singgruppe besuchen, die sie bei ihren Spaziergängen kennengelernt hatten. Sie stellten sich zur Gruppe, holten ihre Baby aus den Kinderwagen und begannen fröhlich mitzusingen. Das eine Baby klatschte dabei begeistert in die Hände.

Die alten Frauen waren entzückt. Es war eine gute Idee von den jungen Frauen, mit ihren Babies die alten Menschen im Altersheim zu erfreuen. Für mich zeigte es den ständigen Wandel des Lebens. Ein Mensch stirbt, ein neuer wird geboren.

Ich fuhr heute sehr nachdenklich nach Hause. Mir war wieder einmal die Endlichkeit des Lebens deutlich geworden. Ich habe gerade das Rentenalter erreicht und vielleicht noch zwanzig bis dreißig Jahre zu leben. Mir erscheint es wichtig, die Zeit des Lebens gut zu nutzen. Man sollte alles tun, was man tun möchte. Und vor allem spirituell leben, damit man eines Tages ins Licht kommt.

In meiner Yogihütte meditierte ich erstmal eine Runde und erweckte wieder mein inneres Glück. Dadurch konnte ich den Tod gelassen betrachten. Ich bin gespannt, ob es diesmal mit dem Aufstieg ins Paradies klappt. Jedenfalls habe ich ein gutes Mantra, dass mir dabei helfen wird.

Meine Mutter baut übrigens immer mehr ab. Sie saß heute teilnahmslos in ihrem Rollstuhl und reagiert auch nicht auf meinen Besuch. Erst nach einer Stunde Gesang wachte sie langsam aus ihrer Lethargie auf und sang sogar ein Lied mit. Die Stimmung in der Gruppe war aber auch so gut, dass sie selbst Tote aufgeweckt hätte. Nach zwei Stunden Singen hatte ich den Tod von Frau Trotzki überwunden. Man sollte bei jeder Beerdigung fröhlich singen und am besten mich als Musiker einladen. Ein Scherz. Dann kommt bestimmt kein Toter mehr zur Erde zurück.
Heute im Altersheim. Meiner Mutter geht es gut. Sie ist wieder etwas wacher. Sie konnte viele Lieder mitsingen. Es finden sich immer mehr Menschen zum Singen ein. Ein großer Kreis von alten Frauen und sogar einem Mann sitzen eng gescharrt um Meister Om Om herum. Der Meister schlägt in die Saiten und beginnt zu singen "Mein Hut der hat drei Ecken." Der Frauenchor antwortet und schon ist die Stimmung am Kochen. Da wacht sogar die alte Mutter des Meisters auf und singt laut mit. Das erste Mal. Alle Frauen freuen sich, wenn ihr Name in dem Lied genannt wird. Jede einzelne wird gesehen und besungen. Und geliebt. Bei "Froh zu sein bedarf es wenig. Und wer froh ist, ist ein König" dröhnt das ganze Altersheim. Die zahnlose Alte lacht wieder so laut und etwas verrückt. Diesmal wird sie von einer sehr alten und kranken Frau auf einem Liegegestell unterstützt. Diese kann zwar nicht mehr sprechen und klar denken. Aber singen und lachen kann sie noch. Sehr berührend, wie die schiefe Musik von Meister Om Om alte Frauen glücklich machen kann. Jetzt muss es nur noch bei jungen Frauen gelingen. Dafür muss der Meister aber noch viel üben. Oder sehr überzeugend argumentieren.

Nach dem Singen fiel es den Seniorinnen schwer den Meister gehen zu lassen. Er hatte sie so glücklich gemacht und sie wollten dieses Glück bewahren. Aber Meister Om Om meinte locker: "Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei." Er merkte jedoch, wie es auch ihm schwerfiel aus der glücklichen Situation herauszugehen und in seine einsame Yogihütte zu fahren. In den letzten Tagen gab es viel Freude und Geselligkeit in seinem Leben. Erst das Pfingstretreat mit vielen guten Gesprächen, Spaziergängen, Gesang und Meditation. Und heute den glücklichen Nachmittag im Altersheim. Jetzt musste der Meister umschalten von glücklicher Geselligkeit auf glückliches Alleinesein. Er spürte Anhaftung an die Liebe seiner Mitmenschen. Welcher Gedanke konnte ihm helfen loszulassen und bei sich anzukommen?

Zuerst versuchte er es mit dem Begriff "Genügsamkeit". Sein großes Vorbild Epikur lehrte die Genügsamkeit in allen äußeren Dingen. Der Mensch sollte sich in seinem inneren Glück, in der Ruhe und im positiven Denken zentrieren. Dann würde täglich ein kleines Stück Käse ausreichen um mit dem Leben zufrieden zu sein. Der Meister hatte einige Tage glückliche Geselligkeit genossen. Der Begriff "Genügsamkeit" half ihm damit zufrieden zu sein.

Er sinnierte weiter und dachte an das Leben insgesamt. Jedes Leben geht irgendwann zu ende. Es genügt, wenn man einige gute Tage gehabt hat. Die gab es viele in seinem Leben. Trotzdem spürte er, dass er unersättlich war und immer mehr gute Tage wollte. Er wollte eigentlich gar nicht sterben, sondern ewig glücklich leben. Obwohl jedes Leben gute und schlechte Zeiten kennt und letztlich zeitlich begrenzt ist. Wer im inneren Frieden leben will, der muss mit dem Leben fließen. Er muss die Dinge so annehmen wie sie kommen. Er muss selbst den Tod annehmen, wenn dessen Zeit gekommen ist. Da half ihm nicht mehr der Begriff "Genügsamkeit", sondern der Begriff "Demut".

Der Mensch muss demütig gegenüber dem Schicksal, dem Leben und letztlich Gott sein. Das Leben ist mächtiger als der Mensch. Der Mensch ist nur ein Staubkorn im Weltall, dass jederzeit verwehen kann. Wie das Schicksal es will. Der Mensch findet letztlich nur Frieden, wenn er sich vollständig dem Leben, dem Schicksal oder nennen wir es Gott unterordnet. Er muss seinen Eigenwillen loslassen. Der Mensch kann zwar versuchen, sein Leben so weit wie möglich positiv zu gestalten. Aber seiner Gestaltungsmöglichkeit sind Grenzen gesetzt. Der Tod ist so eine Grenze. Die meisten Alten im Altersheim können das gut akzeptieren. Meister Om Om muss das noch üben. Heute übt er es demütig zu sein. Und kann sich so über das freuen, was es Schönes in seinem Leben gibt. Und was gibt es Schönes? Letztlich den Weg des inneren Glücks und der umfassenden Liebe.
Es gibt nichts Neues von meiner Mutter zu berichten. Ich fahre zu ihr hin, sie sitzt im Rollstuhl, ich esse Kuchen, wir drehen eine Runde mit dem Rollstuhl im Park und wir singen mit den anderen Alten. Meine Mutter lebt in einem Zustand von Gleichmut. Ich merke, wie mich dieser Gleichmut auch etwas erfasst. Ich nehme die Dinge wie sie kommen. Ich gewöhne mich an den ewig gleichen Ablauf der Besuche. Allerdings passiert immer auch irgendwie etwas Neues.

Die Zimmernachbarin ist gestorben. Sie hat sechs Monate schwer gelitten. Sie war depressiv, weil sie aus ihrer gewohnten Umgebung mit vielen Freunden in die Einsamkeit des Altersheimzimmers von ihrer Familie abgeschoben worden ist. Sie war Katholikin, aber ihr Glaube gab ihr kaum Halt. Dann wurde sie krank, kam für zwei Monate ins Krankenhaus und starb jetzt am Sonntag. Ich überlege, was mit ihr wohl nach dem Tod geschieht. Wenn es kein Leben nach dem Tod gibt, ist einfach alles zu ende. Sie hatte kein schönes Ende, aber jetzt ist es zu ende. Wenn es ein Leben nach dem Tod gibt, wird es spannend. Grundsätzlich ist aus meiner Sicht der Bewusstseinszustand vor dem Tod gleich dem Bewusstseinszustand nach dem Tod. Ein Erleuchteter geht glücklich, friedlich und erleuchtet durch den Tod. Er kommt nach dem Tod ins Licht, ins Parinirvana, ins Paradies. Er verschmilzt mit Gott. Er lebt in einem erleuchteten Energiefeld weiter. So habe ich es in meinen Visionen erfahren und von meinen Meistern gelernt.

Die alte Frau ist depressiv gestorben und würde danach in ein Energiefeld der Depression gelangen. Das kann man als Hölle bezeichnen. Der Hölle kann man entgehen, wenn man die Techniken kennt, durch die man beim Sterben ins Licht kommen kann. Ich kenne diese Techniken. Meine Meister haben mich trainiert diese Techniken in Leidsituationen anzuwenden.

Bei den Techniken handelt es sich im Wesentlichen um das positive Denken, die Meditation und Mantras, mit denen man die Kundalini-Energie aktiviert. Im Yoga wird gelehrt, dass man beim Sterben sich mit seinem spirituellen Vorbild verbinden soll. Man denkt seinen Namen als Mantra, das innere Glück erwacht und die Seele verlässt durch das Scheitelchakra mit der Kundalini-Kraft den Körper. Das ist der direkte Weg ins Yogi-Paradies, genannt Shivaloka, Siddhaloka oder Sathyaloka (Ort der höchsten Wahrheit). Mir gelang es einmal in einer Meditation dort hin zu gelangen. Ich weiß also, dass dieser Ort existiert. Ich hoffe mit der Hilfe meiner Meister bei meinem Tod wieder dort hin zu gelangen.

Die alte Frau kannte diese Techniken nicht. Sie hat sie auch nicht während ihres Lebens und insbesondere kurz vor ihrem Tod geübt. Das sollte man aus der Sicht des Yoga tun. Die alte Frau war aber eine Christin. Nun kann man aus evangelikaler oder evangelischer Sicht sagen, dass nur evangelische Christen in den Himmel und Katholiken in die Hölle kommen. Genauso wie man aus katholischer Sicht meinen kann, dass nur Katholiken in den Himmel und Muslime und Juden in die Hölle kommen kann. Ich vertrete die Einheit aller Religionen. Alle Religionen können Wege ins Licht sein, wenn man sie ernsthaft praktiziert.

Ein Mensch, der ernsthaft seine Religion praktiziert, egal ob er Hindu, Moslem oder Christ ist, wird bei seinem Tod beten und sich auf Gott, das Paradies oder sein erleuchtetes Vorbild konzentrieren. Er verbindet sich mit seinem erleuchteten Vorbild. Dann wird er entweder durch die eigene Kraft oder durch die Hilfe seiner Meister ins Licht aufsteigen. Selbst wenn er beim Sterben depressiv war, kann er mit seinen spirituellen Techniken ins Licht gelangen.

Da die alte Frau ihren Glauben nicht mehr wirklich praktiziert hat, ist zweifelhaft ob sie ins Licht gelangt ist. Was wir aber tun können ist für sie zu beten. Auch Gebete anderer Menschen können eine Seele nach dem Tod ins Licht bringen. Beten wir also für diese alte Frau. Buddhisten können für diese Frau Mantras denken oder eine Sterbepraxis machen (z.B. aus dem tibetischen Totenbuch vorlesen). Mir gefällt auch die Idee für Verstorbene zu singen.
Meine Toten singen immer mit mir egal wie sie gestorben sind und ich bin mir sicher das sie sich sicher und geborgen fühlen in meinen Erinnerungen.
Sommer im Altersheim. Die Alten sitzen überall verteilt entweder in der Sonne oder im Schatten. Ich suche sie dort auf, wo sie sind. Das ist heute meine Strategie. Sie kennen mich schon. Wo ich erscheine, heißt es: "Der Musiker kommt." Das empfinde ich als eine Ehre. Im Kirchenchor durfte ich als Kind nicht Weihnachten mitsingen, damit ich das schöne Weihnachtsfest nicht zerstöre. In der Schule bekam ich eine gute Note als Belohnung dafür, dass ich nicht im Chor mitsinge. Aber im Altersheim werde ich geliebt. Hier zählen nicht die guten Töne, sondern das gute Herz. Ich bin ein Yogi. Ich verbreite durch meine Musik gute Energie. Ich baue die Alten energetisch auf. Das spüren sie. In der Schule zählte die äußere Form. Hier zählt die innere Essenz.

Bei meinem erlaubten Singplatz im Gang sitzen heute keine Leute. Die Tür ist wegen der Hitze weit auf und es herrscht Durchzug. Vor der Zugluft flüchten die Senioren. Sie sitzen auf dem Platz vor dem Vogelkäfig. Hier darf ich eigentlich nicht singen. Aber als 68iger habe ich gelernt: "Legal, illegal, scheißegal." Man muss etwas riskieren, wenn man die Welt retten will. Wenn man die Menschen glücklich machen will. Eine alte Frau bittet mich mit ihnen zu singen. Nach und nach kommen immer mehr Seniorinnen hinzu. Und dann beginnt eine alte Frau zu meiner Musik zu tanzen.

Die Alten sind begeistert. Jetzt gibt es etwas für die Augen und die Ohren. Musik und Tanz zusammen. Eine zweite Frau tanzt mit. Die Stimmung erreicht ihren Höhepunkt. Meine Mutter wacht aus ihrem dementen Gleichmut auf und beginnt zu lächeln. Die Alten sind glücklich. Und dann erscheint die böse Oberschwester. Sie rauscht durch die Gruppe hindurch. Ich spiele scheinbar fröhlich weiter, obwohl mich ihr Anblick erheblich stresst. Wird sie mich jetzt vertreiben? Sie sagt nichts. Vielleicht bemerkt sie das Glück der Seniorinnen und will es nicht zerstören. Vielleicht traut sie sich nicht sich mit mir direkt anzulegen, weil ich alle ihre Aktionen als Schriftsteller in die Öffentlichkeit bringe.

Mehrmals rauscht sie durch die Gruppe. Im Gefolge ihre Unterschwester, die auch so tut als bemerke sie mich nicht. Wir singen fröhlich weiter. Doch dann kommt eine andere Angestellte des Altersheimes und bittet mich mit dem Singen aufzuhören. Die Oberschwester hat sich vermutlich bei ihr über mich beschwert. Und sie ist eine Powerfrau, die gerne für Ordnung sorgt. Und Singen im Altersheim an diesem Platz ist nicht in Ordnung. Ich räume friedlich den Platz und schiebe meine Mutter in ihrem Rollstuhl in den Park. Ich bin zufrieden. Ich habe die Alten fast eine Stunde glücklich gemacht. Das genügt.

Im Park treffe ich auf eine große Gruppe von Senioren, die im Schatten auf den Bänken sitzen. Ich frage, ob ich für sie singen soll. Sie stimmen erfreut zu. Und so singen der Musiker und seine alte Mutter hier weiter. Nach jedem Lied frage ich, ob sie noch mehr Musik wollen. Man soll seine Fans ja auch nicht überfordern. Nach einigen Lieder ziehe ich weiter. Ich entdecke meine beiden treuesten Fans etwas abseits auf einer Bank. Und singe mit ihnen noch einige weitere Lieder. Bis ich eine gewisse Erschöpfung bei mir bemerke. Ich werde beim Singen unkonzentriert und die falschen Töne nehmen überproportional zu. Da weiß ich, dass es Zeit ist das Musizieren zu beenden und nach Hause zu fahren.
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