Was würde Buddha zur AFD sagen ?

Moderator: void

225 Beiträge
void hat geschrieben:
Choenyi hat geschrieben:
Für mich persönlich stellt sich hier die Frage, wie passt die AFD zu Buddhisten, bzw. wirklich wie die Überschrift: Was würde Buddha zur AFD sagen.


Soweit ich es verstehe, gab es im alten Indien ja in gewisser Weise eine ähniche Situation wie bei uns heute. Bei uns ist es ja so, dass sich Europa und die Welt globalisiert und dabei so die alten Strukturen ihre Macht verlieren. Die AfD repräsentiert für mich dabei ganz stark das Festhalten an den traditionellen Machstrukturen, in denen "Deutschland noch toll ist". Man fürchtet den Verlust des Eigenen.

Auch Shakaymuni lebte in einer Zeit, in der die alten Strukturen zerbrachen. Die traditionellen Stammesfürstentümer zerbrachen und es entstanden grössere Königreiche. Und mit dem Aufbrechen der Stammesgebilde mit ihren angestammten Religionen enstand wohl ebenfalls eine grosse Unsicherheit. Shakyamuni entstammte ja gerade so einer durch "Merger and Aquisition" arbeitslos gemachten lokalen Elite- nämlich dem Shakya-Klan. Und es waren ja gerade die damals neu entstehenden Städte ( wie Benares), in denen man auf einmal nicht mehr Stammesmitglied war sondern ein anonymer Untertan eines der neu entstehenden Königreichs, wo Buddha sprach. Und da hatte er ja vor allem deswegen Erfolg, weil seine Lehre sich nicht an Kaste und Stamm festmachte sondern sich unisversell an jeden gleichermaßen richtete.

Und dabei muss er doch auch Reaktionären der alten Ordnung begegnet sein. Solchen die die neu Ordnung ablehnten und in so einer gute alte Zeit der Stammesfürstentümer zurückwollten. Und da müssen es doch wohl gerade Brachmanen gewesen sein, denen der Aufstieg der Händler und Städte ein Gräuel war und die für eine penible Trennung der Menschen in Kasten plädierten.

Ich finde es echt schade, dass ich mich da nicht besser auskenne, aber es muss doch die Situation gegeben haben, dass der Buddha mit erbosten reaktionären Brachmanen zusammentraf, die ihn blöd anmachten, weil er mit Krethi und Plethi druch die Länder zog. Und mit seiner Sangha, wo arm und reich, Brachmane und Handwerker gleichermßen Aufnahme fanden, all die schöne Ordnung ruinierte. Wenn man rausfindet wie Buddha zu Stammesfans und Kastenfans sprach, hätte man doch die Antwort.


https://studybuddhism.com/de/fortgeschr ... des-buddha

Hier ist auch noch etwas zur gesellschaftlichen Ordnung zu Zeiten Buddhas.
Ich denke Buddha hat da einfach einen mittleren Weg gefunden. Er war ja kein Reformer im Sinne von Zerstörer und er hat auch keine absoluten Wahrheitsansprüche gestellt. Es sieht auch so aus, als sei es damals durchaus akzeptiert worden, wenn man sich aus dem System zurückziehen wollte, um sich spirituell weiterzuentwickeln....Das sahen die Upanishaden ja sogar so vor und das war also kulturell abgedeckt. Von dieser Fluchtmöglichkeit, machten dann ja auch viele gebrauch, als es im System vlt. zu unangenehm wurde...deshalb entstanden zu dieser Zeit viele spirituelle Gruppen bzw. Ideen...
Sunu hat geschrieben:
void hat geschrieben:
Choenyi hat geschrieben:
Für mich persönlich stellt sich hier die Frage, wie passt die AFD zu Buddhisten, bzw. wirklich wie die Überschrift: Was würde Buddha zur AFD sagen.


Soweit ich es verstehe, gab es im alten Indien ja in gewisser Weise eine ähniche Situation wie bei uns heute. Bei uns ist es ja so, dass sich Europa und die Welt globalisiert und dabei so die alten Strukturen ihre Macht verlieren. Die AfD repräsentiert für mich dabei ganz stark das Festhalten an den traditionellen Machstrukturen, in denen "Deutschland noch toll ist". Man fürchtet den Verlust des Eigenen.

Auch Shakaymuni lebte in einer Zeit, in der die alten Strukturen zerbrachen. Die traditionellen Stammesfürstentümer zerbrachen und es entstanden grössere Königreiche. Und mit dem Aufbrechen der Stammesgebilde mit ihren angestammten Religionen enstand wohl ebenfalls eine grosse Unsicherheit. Shakyamuni entstammte ja gerade so einer durch "Merger and Aquisition" arbeitslos gemachten lokalen Elite- nämlich dem Shakya-Klan. Und es waren ja gerade die damals neu entstehenden Städte ( wie Benares), in denen man auf einmal nicht mehr Stammesmitglied war sondern ein anonymer Untertan eines der neu entstehenden Königreichs, wo Buddha sprach. Und da hatte er ja vor allem deswegen Erfolg, weil seine Lehre sich nicht an Kaste und Stamm festmachte sondern sich unisversell an jeden gleichermaßen richtete.

Und dabei muss er doch auch Reaktionären der alten Ordnung begegnet sein. Solchen die die neu Ordnung ablehnten und in so einer gute alte Zeit der Stammesfürstentümer zurückwollten. Und da müssen es doch wohl gerade Brachmanen gewesen sein, denen der Aufstieg der Händler und Städte ein Gräuel war und die für eine penible Trennung der Menschen in Kasten plädierten.

Ich finde es echt schade, dass ich mich da nicht besser auskenne, aber es muss doch die Situation gegeben haben, dass der Buddha mit erbosten reaktionären Brachmanen zusammentraf, die ihn blöd anmachten, weil er mit Krethi und Plethi druch die Länder zog. Und mit seiner Sangha, wo arm und reich, Brachmane und Handwerker gleichermßen Aufnahme fanden, all die schöne Ordnung ruinierte. Wenn man rausfindet wie Buddha zu Stammesfans und Kastenfans sprach, hätte man doch die Antwort.


https://studybuddhism.com/de/fortgeschr ... des-buddha

Hier ist auch noch etwas zur gesellschaftlichen Ordnung zu Zeiten Buddhas.
Ich denke Buddha hat da einfach einen mittleren Weg gefunden. Er war ja kein Reformer im Sinne von Zerstörer und er hat auch keine absoluten Wahrheitsansprüche gestellt. Es sieht auch so aus, als sei es damals durchaus akzeptiert worden, wenn man sich aus dem System zurückziehen wollte, um sich spirituell weiterzuentwickeln....Das sahen die Upanishaden ja sogar so vor und das war also kulturell abgedeckt. Von dieser Fluchtmöglichkeit, machten dann ja auch viele gebrauch, als es im System vlt. zu unangenehm wurde...deshalb entstanden zu dieser Zeit viele spirituelle Gruppen bzw. Ideen...


wow.... ebenfalls sehr sehr interessant... :like:

_()_

Vielen Dank...

ch. :star:


In dem von dir verlinkten Text steht:
    Zu Buddhas Zeit begann der Aufstieg der Händlerklasse und das Ansammeln großer Reichtümer, die jetzt in Geld gemessen wurden statt in der Anzahl der Rinder. Die Händler wurden reicher als die Könige, und die Könige wehrten sich mit zusätzlichen autokratischen Maßnahmen, um Kontrolle über den Handel und die Gesellschaft im Allgemeinen auszuüben. In den Königreichen lag also der Schwerpunkt darauf, wirtschaftliche und politische Macht zu erlangen. Durch die Betonung des Geldes und die Verstärkung gewaltsamer Maßnahmen wurden die Königreiche wirtschaftlich, politisch und militärisch erheblich stärker als die Republiken. Als Resultat erfuhren die Menschen immer mehr Einschränkungen ihrer Freiheit und zunehmendes Leiden. Viele Philosophen dieser Zeit Buddha eingeschlossen – strebten nach Befreiung durch spirituelle Mittel.

Es gab also einen grossen Umschung in der Art des Wirtschaftens ( hin zu einer Geldökonomie ) Die Erschütterung die die Leute erfuhren, wurde aber nicht als ein Wirtschaftsproblem wahrgenommen. Und auch nicht so sehr als ein Bedrohung ihrer Tradition. Sondern es wurde als ein spirituelles Problem gesehen und auf dieser Ebene wurden dann auch Lösungen gesucht.

Könnte man dann umegkehrt, die AfD auch als etwas sehen, was sich auch auf der spirituellen Ebene ausdrücken könnte? Geht es villeciht von so Gefühlen der Entfremdung und Heimatlosigkeit aus, die früher als religiöse Fragestellungen aufgetaucht wären sich jetzt aber so ins Politische ummünzen?
void hat geschrieben:
... Entfremdung und Heimatlosigkeit aus, ...

Ich glaube, dass der Frust Ursachen hat und es ne handvoll Kandidaten gab (jetzt whrsl nich mehr), die sich fuer Realpolitik interessierten, aber ich glaube der Grossteil (den man virtuell antreffen kann) poebelt einfach gerne und das wars. Da gibt es immer nur Die-vs.-Wir und wenn ich ma was einbringe oder eingebracht hatte von dem ich glaubte, dass es die Ursachen betrifft, dann kommt Schweigen und nix weiter und dann macht der naechste Linksgruenversifftedankemerkelluegenpresseauslaenderthread auf. Man kann sich ja auch selber die oeffentlichen Kommentarspalten ueberall im Netz anschauen, also inzwischen bei vermutlich allen Parteien und sich selber n Bild machen, ob da iwo was konstruktives von den AfD-Anhaengern und Kandidaten bei is. Bei jemand dem es lediglich um seine Heimat in Form von Politik geht, wuerde ich das annehmen.
void hat geschrieben:


In dem von dir verlinkten Text steht:
    Zu Buddhas Zeit begann der Aufstieg der Händlerklasse und das Ansammeln großer Reichtümer, die jetzt in Geld gemessen wurden statt in der Anzahl der Rinder. Die Händler wurden reicher als die Könige, und die Könige wehrten sich mit zusätzlichen autokratischen Maßnahmen, um Kontrolle über den Handel und die Gesellschaft im Allgemeinen auszuüben. In den Königreichen lag also der Schwerpunkt darauf, wirtschaftliche und politische Macht zu erlangen. Durch die Betonung des Geldes und die Verstärkung gewaltsamer Maßnahmen wurden die Königreiche wirtschaftlich, politisch und militärisch erheblich stärker als die Republiken. Als Resultat erfuhren die Menschen immer mehr Einschränkungen ihrer Freiheit und zunehmendes Leiden. Viele Philosophen dieser Zeit Buddha eingeschlossen – strebten nach Befreiung durch spirituelle Mittel.

Es gab also einen grossen Umschung in der Art des Wirtschaftens ( hin zu einer Geldökonomie ) Die Erschütterung die die Leute erfuhren, wurde aber nicht als ein Wirtschaftsproblem wahrgenommen. Und auch nicht so sehr als ein Bedrohung ihrer Tradition. Sondern es wurde als ein spirituelles Problem gesehen und auf dieser Ebene wurden dann auch Lösungen gesucht.

Könnte man dann umegkehrt, die AfD auch als etwas sehen, was sich auch auf der spirituellen Ebene ausdrücken könnte? Geht es villeciht von so Gefühlen der Entfremdung und Heimatlosigkeit aus, die früher als religiöse Fragestellungen aufgetaucht wären sich jetzt aber so ins Politische ummünzen?



....Damals gab es ja keine Möglichkeit unmittelbar auf den Regierer Einfluss zu nehmen... Heute schon und so spiegelt sich in der Politik natürlich irgendwo wieder, was die Menschen bewegt.... Gerade bei den populistischen Parteien wird das erstmal schnell deutlich....Tatsächlich betont die AFD ja auch ihre Forderung nach einem Europa mit einem " christlichen Wertesystem"....und steht dem Islam extrem kritisch gegenüber.... Da werden aktuelle Stimmungen der Bevölkerung aufgegriffen.... Also es wird die momentane emotionale Lage genutzt und forciert, tiefergehend beschäftigt man sich dann aber gar nicht mehr damit...d.h. man fragt gar nicht nach möglichen Ursachen für diese Stimmungen um nach Lösungen zu suchen....sondern man konzentriert sich nur auf die emotionalisierte Oberfläche und bietet bestenfalls oberflächliche Lösungen an.
Religiöse Fragestellungen werden dann ebenso oberflächlich aufgegriffen....aber tiefergehend ist da nix weiter zu erwarten. Das Ganze spiegelt meiner Meinung nach aber auch wieder, wie es um die Spiritualität in Teilen der Bevölkerung bestellt ist...Man geht vlt. in die Kirche...lauscht dem Prediger und schnüffelt etwas Weihrauch....Aber tatsächlich ein "Heiliger" werden, will eigentlich keiner....im Gegenteil, wer sich bemüht es besser zu machen, wird noch als "Gutmensch" verschrieen.
Sunu hat geschrieben:
Religiöse Fragestellungen werden dann ebenso oberflächlich aufgegriffen....aber tiefergehend ist da nix weiter zu erwarten. Das Ganze spiegelt meiner Meinung nach aber auch wieder, wie es um die Spiritualität in Teilen der Bevölkerung bestellt ist...Man geht vlt. in die Kirche...lauscht dem Prediger und schnüffelt etwas Weihrauch....Aber tatsächlich ein "Heiliger" werden, will eigentlich keiner....im Gegenteil, wer sich bemüht es besser zu machen, wird noch als "Gutmensch" verschrieen.


Ich weiss nicht.... Gibt es nicht in der AfD eine ganz starke evangelikale Bewegung? Ich stelle mir vor, dass so Fundamentalisten eher häufiger in der Kirche sind. Und Björn Höcke und sein Freund Götz Kubitschek sind ja jetzt natürlich völkische Extremisten, aber vielleicht sind sie ja in dem was sie so tun und glauben ( auch wenn es menschenfeindlich ist) aufrichtig. Also wirklich so, dass sie in ihrer Nation was Erhabenes sehen, dem gegenüber sie von Ehrfurcht erfüllt dienen wollen und dabei auch sich selber opfern würden (und natürlich erst recht andere) Ich denke vielleicht ist da dann doch so eine ehrliche, tiefe Sehnsucht dabei, die nahe am Religiösen ist.
void hat geschrieben:
Sunu hat geschrieben:
Religiöse Fragestellungen werden dann ebenso oberflächlich aufgegriffen....aber tiefergehend ist da nix weiter zu erwarten. Das Ganze spiegelt meiner Meinung nach aber auch wieder, wie es um die Spiritualität in Teilen der Bevölkerung bestellt ist...Man geht vlt. in die Kirche...lauscht dem Prediger und schnüffelt etwas Weihrauch....Aber tatsächlich ein "Heiliger" werden, will eigentlich keiner....im Gegenteil, wer sich bemüht es besser zu machen, wird noch als "Gutmensch" verschrieen.


Ich weiss nicht.... Gibt es nicht in der AfD eine ganz starke evangelikale Bewegung? Ich stelle mir vor, dass so Fundamentalisten eher häufiger in der Kirche sind. Und Björn Höcke und sein Freund Götz Kubitschek sind ja jetzt natürlich völkische Extremisten, aber vielleicht sind sie ja in dem was sie so tun und glauben ( auch wenn es menschenfeindlich ist) aufrichtig. Also wirklich so, dass sie in ihrer Nation was Erhabenes sehen, dem gegenüber sie von Ehrfurcht erfüllt dienen wollen und dabei auch sich selber opfern würden (und natürlich erst recht andere) Ich denke vielleicht ist da dann doch so eine ehrliche, tiefe Sehnsucht dabei, die nahe am Religiösen ist.


Bestimmt...aber meiner Meinung nach besteht ja gerade darin die Oberflächlichkeit...Man betet ein Werkzeug an und bringt ihm vlt. sogar Opfer dar....Aber man nutzt es nicht vor lauter Ehrfurcht. So mag man vlt. höchst religiös sein...aber die spirituelle Schraube bleibt trotzdem locker.
Spiritualität bedeutet für mich das wahrzunehmen was verbindet....auch wenn es uns bedingt durch unsere Sinne, oberflächlich als getrennt seiend erscheint.
mukti hat geschrieben:
In Österreich wird am 15. Oktober die Bundesregierung gewählt, man rechnet mit einer Regierungsbeteiligung der Rechtspopulisten. Jaja, hoch die heiligen Fahnen für Volk und Vaterland, ach du meine Güte, geht das schon wieder los.


Ja, es ist längst losgegangen, dass nationale Interessen zum bestimmenden politischen Faktor wurden. In Ö, den USA und überall. Es ist ein Dilemma. Natürlich ist der Andrang Flüchtender auch Zukunftsthema, vermutlich ebenso die stagnierende Wirtschaft, die Feindschaft zum Islam und seine Radikalisierung, die Finanzierbarkeit des Sozialsystems.

Innerhalb des politischen Kräftespiels entsteht damit der Eindruck eines Rückzugsgefechts für eine Partei der „Menschlichkeit“. Mutlosigkeit, Furcht, Schweigen gegenüber dem Rechtspopulismus.

Die Grünen wurden in der Ö Wahl vernichtet. Sie kommen nicht mal mehr ins Parlament. Ich bin mit ihrer Entstehung aufgewachsen und hab sie 30 Jahre lang gewählt, so wie es auch ältere Menschen gibt, die ihr Leben lang SPÖ wählen, egal wie was wann. Für mich eine gesellschaftliche Entfremdung, dass „wir Grünen“ nicht mehr mitentscheiden dürfen.

Das bedeutet nicht, dass ich die Sorgen und den Ärger der Bevölkerung nicht verstehen würde: Asyl, Zuwanderung, „Islamisierung“, Sozialleistungen für Migranten – diese Themen bewegen die Menschen. Überall gibt es berechtigte Sorgen und geschürte Ressentiments.
Ich lese zwar täglich den Standard, aber mir ist nicht klar geworden, was mit den Grünen in Ösiland genau passiert ist. Hast Du da einen guten, sachliche Analyse für mich irgendwo in den Tiefen des Netzes?
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
Ich lese zwar täglich den Standard, aber mir ist nicht klar geworden, was mit den Grünen in Ösiland genau passiert ist. Hast Du da einen guten, sachliche Analyse für mich irgendwo in den Tiefen des Netzes?

Nein, noch nicht. Aber du kennst natürlich die Abspaltung durch die Liste Pilz. Besonders gingen die Stimmen jedoch zur SPÖ.

Die Wahlwerbung der Grünen z.B.: „Ich bin ein Mann. Ich wähle eine Frau. Das ist grün.“ So spricht man Deppen an, wenn du mich fragst.

Beispielhaft sei auch die ehemalige Fraktionsvorsitzende genannt, die im wichtigen TV-Sommergespräch 2016 zum Integrationsthema sinngemäß antwortete: „Ich kenne eine Kinderärztin in Aleppo. Wären Sie eine Kinderärztin in Aleppo, würden Sie dann nicht auch flüchten?“

Sie konnte in keiner Weise signalisieren, die Sorgen eines großen Teils der Bevölkerung zu verstehen. Statt mit dem moralischen Dilemma ehrlich umzugehen, statt die Akzeptanz der Bevölkerung zu berücksichtigen und berechtigte Sorgen von geschürten Ressentiments zu unterscheiden, wurde gegen politische Feinde gewettert.
Die Grünen haben sich mit internen Streitigkeiten sehr geschadet und wichtige Leute wie Peter Pilz nicht hochkommen lassen. Der hat seine eigene Partei gegründet und hat es ins Parlament geschafft. Dort will er weiter den Aufdecker und Kontrolleur machen, und ich finde das gut.

Na das kann ja heiter werden. Die FPÖ ist von einem ehemaligen SS-Führer für die Nazis gegründet worden und ist bis zu Jörg Haider unter 5% geblieben. Der hat dann einen Schwenk vom Deutschnationalismus zum Österreichnationalismus gemacht und die Partei ist aufgestiegen bis zur Regierungsbeteiligung. Dort hatten sie soviel Skandale, Korruption usw., dass sie wieder abgestürzt sind. Mal sehen ob sie sich wieder im Chaos auflösen.

Die ÖVP hat erfolgreich den Kurz zum Politstar aufgebaut und Positionen der FPÖ übernommen. Daher sagt Strache, die Mehrheit hat unser Programm gewählt. Nach seinem Demokratieverständnis zählt nur die Mehrheit, Minderheiten werden nicht unterstützt und nöglichst ausgeschaltet.
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
Ich lese zwar täglich den Standard, aber mir ist nicht klar geworden, was mit den Grünen in Ösiland genau passiert ist. Hast Du da einen guten, sachliche Analyse für mich irgendwo in den Tiefen des Netzes?


Hätte ich auch gerne. Ich habe es für mich selber so zusammengereimt: Während es in Deutschland "die Linke" gibt, gibt es in Österreich links nur die Kommunisten von der KPÖ die ziemlich retro sind, weswegen die österreichischen Grünen traditionell ein Stück weiter links waren als die deutschen Grünen. Während der Grabenkampf zwischen Fundis und Realos in der BRD spätestens mit Joschka Fischer zu Gunsten der Realos entschieden wurde, blieben die österreichischen Grünen so eine Sammelbewegung mit unterschiedlichen Strömungen. Aber nachdem der (Ex-)Grüne Alexander van der Bellen mit 50,3 % der Stimmen zum Bundespräsidenten wurde, bekamen viele Grüne auf einmal feuchte Träume, wie toll man werden könnte, wenn man seriöser ist.

Laut Alexander Van der Bellen haben die Grünen sehr Jahrzehnten ihre Strukturen nicht reformiert, weswegen sich öfter mal Entscheidungen ergeben, die keiner so wollte. Weil Struktur fehlt, egeben sich leicht Eigendynamiken, die keiner wollte.

In einem dieser Machtkämpfe ( wo es um grüne Studenvertretungen ging) warfen die Grünen ihre eigene Jugendorganisation raus, die daraufhin zu den Kommunisten ging. Allein das ist schon bizarr. Ich kann mich nicht erinnern, schon mal gehört zu haben, dass eine Partei ihre iegne Jugend rauswirft. Zudem musste die Parteichefin der Grünen aus Gesundheitsgründen zurücktreteten, was zu noch mehr Chaos führte.

Auch auf Grund igendeiner unerklärlichen Eigendynamik, wurde das grüne Urgestein Peter Pilz (so ein Trittin mit der Eitelkeit eines Varoufakis) nicht als Kandidat aufgestellt. Es kann sein, dass die Linken in der Partei ihn nicht mochten, weil er in einer seiner Schriften so eine "Wir können nicht alle aufnehmen" Haltung geäußert hatte. Oder vielleicht war er den Realos mit seinem Gerede von "Altparteien" zu populistisch? Oder man wollte ihm nur einen Denkzettel vepassen? Auf jeden fall bekam er seinen Listenplatz nicht und gründete beleidigt eine eigene "Liste Pilz", worauf hin sich das Ergebnis der Grünen auf diese beiden Parteien verteilte.
Danke void.
Das klingt plausibel.
Zeit zum Nachdenken für alle.
void hat geschrieben:
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
Ich lese zwar täglich den Standard, aber mir ist nicht klar geworden, was mit den Grünen in Ösiland genau passiert ist. Hast Du da einen guten, sachliche Analyse für mich irgendwo in den Tiefen des Netzes?


Hätte ich auch gerne. Ich habe es für mich selber so zusammengereimt: Während es in Deutschland "die Linke" gibt, gibt es in Österreich links nur die Kommunisten von der KPÖ die ziemlich retro sind, weswegen die österreichischen Grünen traditionell ein Stück weiter links waren als die deutschen Grünen. Während der Grabenkampf zwischen Fundis und Realos in der BRD spätestens mit Joschka Fischer zu Gunsten der Realos entschieden wurde, blieben die österreichischen Grünen so eine Sammelbewegung mit unterschiedlichen Strömungen. Aber nachdem der (Ex-)Grüne Alexander van der Bellen mit 50,3 % der Stimmen zum Bundespräsidenten wurde, bekamen viele Grüne auf einmal feuchte Träume, wie toll man werden könnte, wenn man seriöser ist.

Laut Alexander Van der Bellen haben die Grünen sehr Jahrzehnten ihre Strukturen nicht reformiert, weswegen sich öfter mal Entscheidungen ergeben, die keiner so wollte. Weil Struktur fehlt, egeben sich leicht Eigendynamiken, die keiner wollte.

In einem dieser Machtkämpfe ( wo es um grüne Studenvertretungen ging) warfen die Grünen ihre eigene Jugendorganisation raus, die daraufhin zu den Kommunisten ging. Allein das ist schon bizarr. Ich kann mich nicht erinnern, schon mal gehört zu haben, dass eine Partei ihre iegne Jugend rauswirft. Zudem musste die Parteichefin der Grünen aus Gesundheitsgründen zurücktreteten, was zu noch mehr Chaos führte.

Auch auf Grund igendeiner unerklärlichen Eigendynamik, wurde das grüne Urgestein Peter Pilz (so ein Trittin mit der Eitelkeit eines Varoufakis) nicht als Kandidat aufgestellt. Es kann sein, dass die Linken in der Partei ihn nicht mochten, weil er in einer seiner Schriften so eine "Wir können nicht alle aufnehmen" Haltung geäußert hatte. Oder vielleicht war er den Realos mit seinem Gerede von "Altparteien" zu populistisch? Oder man wollte ihm nur einen Denkzettel vepassen? Auf jeden fall bekam er seinen Listenplatz nicht und gründete beleidigt eine eigene "Liste Pilz", worauf hin sich das Ergebnis der Grünen auf diese beiden Parteien verteilte.


Sehe ich auch so. Hinzu kommt laut Wahlanalyse, dass noch nie so viele Österreicher "taktisch" gewählt haben, als bei dieser Wahl. Viele Grün-Wähler haben dieses Mal die SPÖ gewählt, um "Schwarz-Blau" zu verhindern.
Hier der Abschiedsbrief von Peter Pilz an die Grünen. Er zeigt, wie entscheidend die Themen Flüchtlinge und politischer Islam waren. Die Grünen wollten bei dieser Haltung nicht mitgehen.
http://derstandard.at/2000061832703/Peter-Pilz-Zum-Abschied-ein-lautes-Servus

Ähnlich erginge es auch einer SPÖ, würde sie nun eine Koalition mit den Freiheitlichen eingehen, so meint etwa Wiens Bürgermeister Häupl. Es käme zur Spaltung.

Auch dass Sebastian Kurz zum Polit-Star wurde, hat aus meiner Sicht sehr viel mit diesen Themen zu tun. Kurz hat ja als Außenminister „die Balkan-Route geschlossen“. Später wäre dieser Bonus bei der Bevölkerung vielleicht futsch und vergessen gewesen und vielleicht hätte dann stattdessen die SPÖ aufgrund von Wirtschaftswachstum und sinkender Arbeitslosigkeit profitiert, wer weiß?

Daher hat die ÖVP mit diesem Bonus, endlich mal „den Freiheitlichen was voraus zu haben“, Neuwahlen erzwungen und stellt jetzt den Kanzler.
225 Beiträge

Wer ist online?

Insgesamt sind 3 Besucher online. Im Detail: 0 sichtbare Mitglieder (oder Bots), 0 unsichtbare Mitglieder und 3 Gäste
Der Besucherrekord liegt bei 214 Besuchern, die am 27.02.2017 23:21 gleichzeitig online waren.

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste