Buddhas im Bodhicharyavatara

Moderator: kilaya

Im Bodhicharyavatara kommen Manjushri, Vajrasattva, Avalokiteshvara und Samathabadra vor.( Und andere Buddhas)
Ich dachte dies sein alles Yidams, die nur im Vajrayana vorkommen. Sie müssten doch in den Mahayana-Grundlagenschriften eine andere Bedeutung haben als im Tantra? Ist Vajrasattva im gesamten Mahayana der Buddha der Reinigung? Welche Bedeutung hat Samathabadra dort, ich habe ihn irgendwie nur mit Dzogchen-Belehrungen verbunden. Ohne Erklärung von Dharmadathu ist mir nicht so klar, was er bedeutet.
So wie es aussieht denke ich jetzt dass die Yidams auch in den Mahayana-Sutren vorkommen.

Sie werden im Bodhicharyavatara alle eigentlich nur angerufen, also stehen alle irgendwie für "rettender Buddha"-viel Unterscheidung kann zumindest ich da nicht drin finden. Stammen diese ausführlichen Unterscheidungen dann aus dem Vajrayana? Oder aus den Mahayana-Sutren?

Versteht da jemand mehr von als ich? Bitte erklären!
Namaste!

Hallo Turmalin,

ich praktiziere keinen tibetischen Buddhismus, kann Deine Frage aber beantworten.

Avalokiteshvara, Manjushri und Samantabhadra gehören im allgemeinen Mahayana zu den Vier Großen Bodhisattvas (neben Ksirtigarbha). Ab und an wird auch von Acht Großen Bodhisattvas gesprochen (also die vier genannten zzgl. vier weiterer).

In China sind den Vier Großen Bodhisattvas die Vier Heiligen Berge des Buddhismus zugeordnet, wobei der von Avalokiteshvara eigentlich eher eine Insel ist (Putai Shan, auf Sanskrit Potala-Berg).

Soweit ich weiß steht in der Nyingmapa-Schule Samantabhadra auch noch für einen Adi-Buddha, hier für den höchsten Dharmakaya-Buddha. Und auch von Avalokiteshvara gibt es eine "Buddha-Version".

Vajrasattva wird im japanischen Vajrayana (Shingon Shû) als derjenige angesehen, der die Haupt-Lehren der Schule vom Dharmakaya Mahavairocana übermittelt bekam und diese dann an Nagarjuna weitergab. Bei den Haupttexten der Shingon Shû handelt es sich um Sutren des Mahayana.

Es ist also so, dass alle genannten Bodhisattvas aus den Mahayana-Sutras stammen; die genannten werden also auch im allgemeinen Mahayana-Buddhismus angerufen und verehrt, auch wenn die Form wohl eine andere ist als die im tibetischen Buddhismus übermittelte Yidam-Praxis.

< gasshô >

Benkei

Namu-Amida-Butsu
Benkei hat geschrieben:
Namaste!

Hallo Turmalin,

ich praktiziere keinen tibetischen Buddhismus, kann Deine Frage aber beantworten.

Avalokiteshvara, Manjushri und Samantabhadra gehören im allgemeinen Mahayana zu den Vier Großen Bodhisattvas (neben Ksirtigarbha). Ab und an wird auch von Acht Großen Bodhisattvas gesprochen (also die vier genannten zzgl. vier weiterer).

In China sind den Vier Großen Bodhisattvas die Vier Heiligen Berge des Buddhismus zugeordnet, wobei der von Avalokiteshvara eigentlich eher eine Insel ist (Putai Shan, auf Sanskrit Potala-Berg).

Soweit ich weiß steht in der Nyingmapa-Schule Samantabhadra auch noch für einen Adi-Buddha, hier für den höchsten Dharmakaya-Buddha. Und auch von Avalokiteshvara gibt es eine "Buddha-Version".

Vajrasattva wird im japanischen Vajrayana (Shingon Shû) als derjenige angesehen, der die Haupt-Lehren der Schule vom Dharmakaya Mahavairocana übermittelt bekam und diese dann an Nagarjuna weitergab. Bei den Haupttexten der Shingon Shû handelt es sich um Sutren des Mahayana.

Es ist also so, dass alle genannten Bodhisattvas aus den Mahayana-Sutras stammen; die genannten werden also auch im allgemeinen Mahayana-Buddhismus angerufen und verehrt, auch wenn die Form wohl eine andere ist als die im tibetischen Buddhismus übermittelte Yidam-Praxis.

< gasshô >

Benkei

Namu-Amida-Butsu

vielen Dank. Ich nehme an, dass die Vier Großen Bodhisattvas auch mit unterschiedlichen Qualitäten beschrieben werden?

Ja, ich habe nun den Eindruck, dass die Bedeutung von Samanthabadra in der Nyingma-Schule eine andere ist, als im Allgemeinen Mahayana. Das wundert mich etwas, denn der Vajrayana wird ja nicht als eine andere Schule als der Mahayana angesehen. Sondern Vajrayana ist eine Schule des Mahayana.
Vajrayana ist keine "Schule des Mahayana" sondern bezeichnet eine zusätzliche Ebene an Methoden die auf dem Mahayana basieren. Dass Gottheiten oder Begriffe eine andere Bedeutung haben je nachdem in welchem Kontext sie verwendet werden ist auch nichts ungewöhnliches.
die Bodhisattvas (jap=Bosatsu) haben im japanischen Buddhismus die gleiche pder ähnliche Bedeutung wie im tibetischen Buddhismus, da der japanische Buddhismus sowohl die Texte des Sutra als auch des Tantra beinhaltet. Eine interessante Übersicht nebst Erklärungen findet sich hier:
http://www.onmarkproductions.com/html/bodhisattva.shtm

In der japanischen Sprache heissen die Sutra- als auch die Tantra-Texte kyō (chin. jing), weshalb man anhand des Titels nicht erkennen kann, ob es sich um einen Sutra- oder Tantra-Text handelt.
https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Texte/Sutra

Bei dem erwähnten Mahavairocana-Sutra handelt es sich deshalb nicht um ein Mahayana-Sutra, sondern um ein Vajrayana-Tantra, dass im Sanskrit Mahāvairocana Abhisaṃbodhi Tantra genannt wird.
http://www.spiritwiki.de/Mahavairocana_Sutra

Eine Übersicht der japanischen Textvielfalt findet sich hier
http://buddha-kanon.de/list-of-taisho-tripitaka-titles/

In der Frühphase des Buddhismus wurde Samantabhadra nur als Bodhisattva angesehen und wird in den Texten auch immer so beschrieben. Erst später in der Geschichte wird damit dann ein Adi-Buddha bezeichnet, der aber ikonographisch anders beschrieben und dargestellt wird.
http://www.spiritwiki.de/Samantabhadra

Ähnlich verhält es sich auch mit Maitreya, Manjushri, die ursprünglich auch nur die Stellung eines Bodhisattvas hatten, später dann aber auch eine Funktion als Buddha übernahmen.

Wichtig zu erwähnen ist noch, dass ein Bodhisattva NIE identisch mit einem Buddha und auch dessen Fähigkeiten und Fertigkeiten nicht besitzt. Leider passiert es immer wieder und zunehmend, dass Bodhisattvas einem Buddha gleichgestellt werden.
Ein Bodhisattva befindet sich nur auf der Stufe einer der 10 Bhumis, wobei die 8 großen Mahabodhisattvas (Mañjushri, Avalokiteshvara, Vajrapani, Maitreya, Kshitigarbha oder Akashagarbha, Sarvanivaranavishkambhin und Samantabhadra) oder auch (Padmapani, Vajrapani, Samantabhadra, Maitreya, Ksitigarbha, Sarvaniva Ranaviskambhin, Manjushri und Akashagarbha) nach einer mündlichen Überlieferung NUR die 8. Bhumi erlangt haben, mehr nicht!
https://en.wikipedia.org/wiki/Bh%C5%ABmi_(Buddhism)
kilaya hat geschrieben:
Vajrayana ist keine "Schule des Mahayana" sondern bezeichnet eine zusätzliche Ebene an Methoden die auf dem Mahayana basieren. Dass Gottheiten oder Begriffe eine andere Bedeutung haben je nachdem in welchem Kontext sie verwendet werden ist auch nichts ungewöhnliches.

ich habe mir etwas ungefähres gedacht, als ich den Post schon drin hatte und ich dachte, gleich kommst du und korrigierst das. Es war komisch wie als wenn ich das gleiche so nebulös dachte. :upsidedown:
verrückter-narr hat geschrieben:

In der Frühphase des Buddhismus wurde Samantabhadra nur als Bodhisattva angesehen und wird in den Texten auch immer so beschrieben. Erst später in der Geschichte wird damit dann ein Adi-Buddha bezeichnet, der aber ikonographisch anders beschrieben und dargestellt wird.
http://www.spiritwiki.de/Samantabhadra

Ähnlich verhält es sich auch mit Maitreya, Manjushri, die ursprünglich auch nur die Stellung eines Bodhisattvas hatten, später dann aber auch eine Funktion als Buddha übernahmen.

Wichtig zu erwähnen ist noch, dass ein Bodhisattva NIE identisch mit einem Buddha und auch dessen Fähigkeiten und Fertigkeiten nicht besitzt. Leider passiert es immer wieder und zunehmend, dass Bodhisattvas einem Buddha gleichgestellt werden.
Ein Bodhisattva befindet sich nur auf der Stufe einer der 10 Bhumis, wobei die 8 großen Mahabodhisattvas (Mañjushri, Avalokiteshvara, Vajrapani, Maitreya, Kshitigarbha oder Akashagarbha, Sarvanivaranavishkambhin und Samantabhadra) oder auch (Padmapani, Vajrapani, Samantabhadra, Maitreya, Ksitigarbha, Sarvaniva Ranaviskambhin, Manjushri und Akashagarbha) nach einer mündlichen Überlieferung NUR die 8. Bhumi erlangt haben, mehr nicht!
https://en.wikipedia.org/wiki/Bh%C5%ABmi_(Buddhism)

danke
yidam heißt nur "gottheit". und darunter werden entweder bodhisattvas oder buddhas verstanden im buddhismus.

mahayana ist die vorstellung, dass es transzendentale wesen gibt, eben buddhas und bodhisattvas, mit denen man als normal sterblicher arbeiten kann um schneller zu erwachen, wenn man das bodhisattva gelübde ablegt.

mantras rezitieren ist bspw. keine rein tantrische praxis aus dem vajrayana.
die oben genannten bodhisattvas brauchen in der regel keine tantrische einweihung um mit ihnen zu arbeiten. das bekannteste beispiel ist: om mani padme hum. das kann jeder einfach so praktizieren.

das spezielle am vajrayana ist die verbindung zwischen methode und weisheit. das ist verbunden mit einweihungen und geheimen unterweisungen in energetische und rituelle praktiken und weisheitsmeditationen, die ohne einweihung nicht möglich sind.
Yidam heist "Geist-Band" und kann eigentlich jeden Aspekt meinen, mit dem man in der Meditation verschmilzt und in dessen Form man sich dann verwandelt. Man kann z.B. Tara-Praxis machen, ohne Einweihung, aber Tara als Yidam zu nehmen würde eine Einweihung voraussetzen. Ein Schützer kann ein Yidam sind, ein Buddha kann ein Yidam sein. Die besonderen tantrischen Gottheiten werden manchmal als "Yidam" bezeichnet, weil sie speziell für diesen Zweck existieren um spezielle Störungen umzuwandeln. Aber eigentlich ist es keine eigene Klasse von Wesen sondern sowas wie "er ist mein Freund". Ein "Freund" sagt nichts darüber aus, welche Art von Wesen sich dahinter verbirgt, es sagt etwas über die Beziehung aus die man zu diesem Wesen hat.

Vajrayana wird ganz besonders definiert über den Aspekt der Identifikation mit dem Ziel. Das Bild ist das des Diamanten, der bereits in dem Gestein vorhanden ist, aus dem er nur freigelegt werden muss. So wie die Buddhanatur in jedem Wesen vorhanden ist und freigelegt werden kann. Das Bild geht noch weiter: ist der Diamant einmal geschliffen und poliert, nimmt er die Farbe seines Untergrunds an, ohne verändert zu werden, spiegelt sich darin die Umgebung, ohne dass ihn das verändert. Die Buddhanatur ist klar, unzerstörbar (weil leer) und alles spiegelt sich darin, ohne dass sie davon berührt oder verändert wird.
kilaya hat geschrieben:
Yidam heist "Geist-Band" und kann eigentlich jeden Aspekt meinen, mit dem man in der Meditation verschmilzt und in dessen Form man sich dann verwandelt.

Ach so jetzt wird mir das klar, worüber ich gestolpert bin. "Geist-Band" könnte man auch sagen, wenn jemand Guru-Yoga auf Jesus praktiziert. ( Habe schon mal so ein Bild gesehen, wo aus Jesus Herz und Stirn Licht kam, daran anschließend könnte man ein allgemein gehaltenes Guru-Yoga erklären. Für die Person wäre Jesus dann der Yidam). Würde dann jemand, der so praktiziert, das an eine dritte Person weitergeben, und diese dritte Person würde dann später auf die Bibel stossen, dann wär es ungefähr vergleichbar, wie der Ablauf bei mir war.
Ich merke immer wieder dass mein Studium des Buddhismus von hinten aufgezäumt ist: Essenz-Mahamudra, Tantra, Sutra (Grundlagen des Mahayana). Daher dachte ich: Avalokiteshvara ist ein Yidam des tantrischen Buddhismus.
Hier sind wohl die Yidams aufgezählt die es nicht als Bodhisattvas im allgemeinen Mahayana gibt. Mir war nur nicht klar, dass es eine Bedeutung hat, welche dort nicht genannt werden.

https://en.wikipedia.org/wiki/Yidam
raterz hat geschrieben:
yidam heißt nur "gottheit". und darunter werden entweder bodhisattvas oder buddhas verstanden im buddhismus.

mahayana ist die vorstellung, dass es transzendentale wesen gibt, .

ich weiß nicht ob diese Begriffe so günstig sind. "Manifestationen der Buddhanatur" finde ich schon mal günstiger, steht auch in dem Wikipedia-Artikel den ich verlinkt habe.
Und "Geist-Band" ist auch ein hilfreicher Begriff. Wenn du es formulierst kommt bei mir tentenziell eher rüber: Ein von mir getrenntes Wesen. Als hätten sie einen inhärent existierenden Wesenskern, getrennt von meinem Wesenskern. So Atman-mässig. Jesus-Vorstellungs-Style. Eben so, wie es uns vorgeworfen wird, dass wir äußere Götter hätten. Da sagen dann die Jugendlichen: Nee, also daran glaub ich aber nicht. Ich meditier nur und bin nur halb Buddhist.
Ein Yidam wird es erst dann, wenn man mit dem Aspekt verschmilzt - sich selbst in der Form meditiert. Dabei wird gerade die falsche Vorstellung von dem Aspekt als getrenntes Wesen aufgelöst.

"Jesus" wäre im Beispiel kein Yidam, weil man ja Licht aufnähme, das von ihm ausgeht. Das wäre eher vergleichbar mit einer Praxis im "Äußeren Tantra".

Dass bestimmte Formen als "Yidam" bezeichnet werden hat wohl damit zu tun, dass diese ausdrücklich für den Zweck der Identifikation existieren. Eine Meditation auf eine solche Form wo diese aussen bleibt gibt es eher nicht.
kilaya hat geschrieben:
"Jesus" wäre im Beispiel kein Yidam, weil man ja Licht aufnähme, das von ihm ausgeht. Das wäre eher vergleichbar mit einer Praxis im "Äußeren Tantra".


ich hatte mir vorgestellt, dass man von dem Lichter-Bild ausgehend demjenigen ein volles Guru-Yoga mit der Verschmelzung mit dem Wesen am Ende nahebringt.(Hatte das grade wegen jemandem überlegt der überraschend schnell eingesehen hat, dass seine Benutzung des Wortes "Gott" nicht passt zu seiner eigenen Erfahrung, dass alles eine Illusion sei. Denn Gott heißt Schöpfergott und wie kann etwas geschaffen sein, was gar keine inhärente Existenz hat? Nun ja der Mensch nimmt sehr schnell auf, er wusste von sich aus, dass die Tatsache, dass man die Illusion für wirklich hält, die Ursache des Leidens ist. Aber ob ich jetzt grad kurz mal Avalokiteshvara statt Jesus nahebringen kann, weiß ich nicht. Das ist nicht so leicht zu begründen, wie dass das mit dem Schöpfergott nicht passt...ich will ja auch nicht missionieren und er mag nun mal Jesus)

Allerdings war es nicht das, worauf ich hinaus wollte. Sondern auf den Punkt, dass die Bodhisattvas der Mahayana-Schriften eben im Vajrayana als Yidam genommen werden. Das Geist-Band wird in der Saddhana erzeugt.
Ich kenne kein normales Guru Yoga bei dem man sich selbst in der Form des Guru vorstellt. Zumindest ist das nicht die Regel, es gibt sicherlich spezielle Sachen wo man z.B. Guru Rinpoche als Guru hat und ihn dann auch als Yidam nehmen kann.

Allerdings war es nicht das, worauf ich hinaus wollte. Sondern auf den Punkt, dass die Bodhisattvas der Mahayana-Schriften eben im Vajrayana als Yidam genommen werden. Das Geist-Band wird in der Saddhana erzeugt.

Alle Formen können als Yidam genommen werden, was ist daran so besonders? Ich würde es so formulieren: Die Bodhisattvas des Mahayana sind auch Bodhisattvas des Vajrayana, der ja auch Mahayana ist. Und im Vajrayana kommt die Möglichkeit dazu einen Bodhisattva als Yidam zu meditieren. Sie können als Yidam genommen werden, wenn das die eigene Praxis optimal unterstützt.
kilaya hat geschrieben:
Ich kenne kein normales Guru Yoga bei dem man sich selbst in der Form des Guru vorstellt.

Man verschmelzt mit dem Geist des Guru in der letzten Phase. O.k. das ist ein Unterschied. Aber wenn Yidam Geist-Band heisst, dann ist das auch in Yidam. Passt doch, die Strahlen bilden das Geist-Band und dann verschmilzt man mit dem Geist des Guru. Also braucht es wohl noch mehr Definitionen von Yidam.
Du kannst den Begriff nicht einfach wörtlich nehmen und dann von dem ausgehen, was Du Dir darunter vorstellst. "Geist-Band" ist einfach die wörtliche Übersetzung! Yi = Geist / Dam = Band Die Schützer heissen z.B. "Damtsigpas" wenn sie an einen Eid gebunden sind. Mit "Band" ist also nicht eine fiktive Lichtschnur gemeint ;) Es geht wirklich um das, was raterz mal so nett mit "Selbstvergöttlichung" umschrieben hat. Sonst wäre das, was man locker ohne Einweihung praktizieren kann: man stellt sich Tara aussen vor und sie strahlt Licht auf einen aus - ja auch Yidam-Praxis - ist es aber eben gerade nicht. Wenn die Form sich in Licht auflöst und mit einem verschmilzt, und man dann im leeren Raum verweilt, das ist auch keine Yidampraxis. Das ist die Rücknahme der Projektion der Gottheit nach Aussen, die Auflösung. Yidampraxis wird es erst dann, wenn man sich selbst in der Form vorstellt, wenn man selbst zu der Gottheit wird. Deswegen ist es auch selten, dass Yidampraxis auf Schützer gegeben wird. Normalerweise bleiben die Schützer aussen um einen herum - von da können sie auch schneller aktiv werden. Wird man aber selbst zu einem Schützer, muss man sich auch an die starken Energieströme gewöhnen, die damit verbunden sind usw. Das kann nicht jeder und das ist bei starken inneren Störungen sogar potentiell gefährlich.
kilaya hat geschrieben:
Du kannst den Begriff nicht einfach wörtlich nehmen und dann von dem ausgehen, was Du Dir darunter vorstellst. "Geist-Band" ist einfach die wörtliche Übersetzung! Yi = Geist / Dam = Band Die Schützer heissen z.B. "Damtsigpas" wenn sie an einen Eid gebunden sind.


Das ist mir so nicht geläufig.

Meines Wissens nach wird damtsigpa oder samayasattva als die Gottheit bezeichnet, die entweder als Front- oder Selbstvisualisation praktiziert wird. Ich als visualisierte Gottheit (=damtsigpa) lade die Yeshepas oder Jnanasattvas ein, die Weisheitswesen (also das, was ich in diesem Zusammenhang eher als "Yidam" bezeichnen würde).

Warum die Selbstvisualisation "damtsigpa" genannt wird, erklärt Tenga Rinpoche so:

In the word damtsigpa/samayasattva, 'damtsig'/'samaya' is a changeless commitment. When one imagines oneself as Chenrezig, one does not change back into an ordinary being, or into another deity. It is a changeless commitment. The '-pa' (short for 'sempa') or '-sattva' is a hero, or someone with courage. This means that sometimes during meditation the deity can become unclear, but one has great courage and the strength to prevent that from happening, to remain clear. Thus all the faults in the development and completion stages of visualisation are unable to defeat one. That is why it is termed '-sempa' or 'brave one', 'hero'. Through meditating on the damtsigpa, clinging to the 5 skandhas is purified, and the result of this purification is the attainment of the sambhogakaya state in the bardo.



Mit "Band" ist also nicht eine fiktive Lichtschnur gemeint ;) Es geht wirklich um das, was raterz mal so nett mit "Selbstvergöttlichung" umschrieben hat. Sonst wäre das, was man locker ohne Einweihung praktizieren kann: man stellt sich Tara aussen vor und sie strahlt Licht auf einen aus - ja auch Yidam-Praxis - ist es aber eben gerade nicht. Wenn die Form sich in Licht auflöst und mit einem verschmilzt, und man dann im leeren Raum verweilt, das ist auch keine Yidampraxis. Das ist die Rücknahme der Projektion der Gottheit nach Aussen, die Auflösung. Yidampraxis wird es erst dann, wenn man sich selbst in der Form vorstellt, wenn man selbst zu der Gottheit wird. Deswegen ist es auch selten, dass Yidampraxis auf Schützer gegeben wird. Normalerweise bleiben die Schützer aussen um einen herum - von da können sie auch schneller aktiv werden. Wird man aber selbst zu einem Schützer, muss man sich auch an die starken Energieströme gewöhnen, die damit verbunden sind usw. Das kann nicht jeder und das ist bei starken inneren Störungen sogar potentiell gefährlich.


Ich weiß nicht, ob ich dich richtig verstehe, aber ich kenne es so, dass zornvolle Manifestationen durchaus auch als Einweihungen und als Yidam-Praxis gegeben werden. Keinem Riesen-Publikum und mit bestimmten Voraussetzungen, aber ja, gegeben werden sie.
svea hat geschrieben:
Das ist mir so nicht geläufig.

Meines Wissens nach wird damtsigpa oder samayasattva als die Gottheit bezeichnet, die entweder als Front- oder Selbstvisualisation praktiziert wird.

Du hast recht - danke für die Korrektur :) Ich hoffe ich finde wieder, womit ich das verwechselt habe. "Dam" für "Band" ist aber so oder so die passende Silbe...

Edit: Habe es gefunden. Dam Chen sind die eidgebundenen Schützer.

svea hat geschrieben:
Ich weiß nicht, ob ich dich richtig verstehe, aber ich kenne es so, dass zornvolle Manifestationen durchaus auch als Einweihungen und als Yidam-Praxis gegeben werden. Keinem Riesen-Publikum und mit bestimmten Voraussetzungen, aber ja, gegeben werden sie.

Klar gibt es das, deswegen schrieb ich ja auch "selten" ;) Segenseinweihungen sind nicht mal selten, aber Schützer als Yidam - wegen der nötigen Voraussetzungen - das ist eben eher selten dass man das bekommt. Zumal ja mit einer solchen Praxiseinweihung auch normalerweise eine Praxisverpflichung einher geht.
kilaya hat geschrieben:
svea hat geschrieben:
Ich weiß nicht, ob ich dich richtig verstehe, aber ich kenne es so, dass zornvolle Manifestationen durchaus auch als Einweihungen und als Yidam-Praxis gegeben werden. Keinem Riesen-Publikum und mit bestimmten Voraussetzungen, aber ja, gegeben werden sie.


Klar gibt es das, deswegen schrieb ich ja auch "selten" ;) Segenseinweihungen sind nicht mal selten, aber Schützer als Yidam - wegen der nötigen Voraussetzungen - das ist eben eher selten dass man das bekommt. Zumal ja mit einer solchen Praxiseinweihung auch normalerweise eine Praxisverpflichung einher geht.


Ja, spannend, zornvolle Yidams als Segenseinweihung kenne ich jetzt zum Beispiel gar nicht, nur die "volle", die in jedem Fall mit einem Samaya verbunden ist.

Was die Voraussetzungen betrifft, kenne ich eigentlich nur Zuflucht, (manchmal) abgeschlossenes Ngöndro und als wichtigste eigentlich mehrjährige Vajrayana-Praxis. Das ist ja jetzt nichts sooo Besonderes.

Aber vielleicht ist das auch wieder abhängig vom Lehrer oder Schule. Die einen legen mehr Wert auf zornvolle Praxis, die anderen weniger. Die Welt ist bunt. :upsidedown:
Meine Frage ist beantwortet, vielen Dank allen! Ich verkneife mir, hier mit zu schreiben, denn das ist jetzt in Richtung Tantra abgedriftet. Und ich lese grade das Bodhicharayavatara. Bzw habe gelesen. Nur das 9. Kapitel über Leerheit, da reicht lesen nicht. Ich finde das sehr schwer. Die Argumente gegen andere Schulen sind nicht einfach, denn da muss man ja auch erst mal verstehen, was diese Schulen besagen. Einiges kenne ich schon aus den Debatten hier, wie etwa; Entkräftigung des buddhistischen Idealismus. Da hatten wir schon mal etwas mit dem Thema: Alles entsteht im eigenen Geist.
Und dann wird auch gegen Hinduistische Schulen diskutiert.

Naja, jedenfalls will ich für mich an diesem Ende weiter machen.
Aber lasst euch nicht stören, diskutiert ruhig weiter über Tantra, vielleicht mache ich einen neuen Thread auf zum 9.Kapitel.
Turmalin hat geschrieben:
kilaya hat geschrieben:
"Jesus" wäre im Beispiel kein Yidam, weil man ja Licht aufnähme, das von ihm ausgeht. Das wäre eher vergleichbar mit einer Praxis im "Äußeren Tantra".


ich hatte mir vorgestellt, dass man von dem Lichter-Bild ausgehend demjenigen ein volles Guru-Yoga mit der Verschmelzung mit dem Wesen am Ende nahebringt.
Ich schreib das nur als ich. Das hab ich auch mal gedacht und bin damit in eine für mich vollkommen unangemessene Euphorie gekommen die mich von meinem so sein im Leben abgrenzte. Doch was ich erst vor kurzem erfahren habe ist das es ein Verschmelzen gibt. Doch das ist ganz anders als jede meiner Vorstellungen. Es ist auch kein verschmelzen sondern ein vollkommenes Trennen, der Vorstellungen, von der Quelle die nicht benannt werden kann. Diese Auftrennung in Mein Selbst und Selbst hat dann eine Verschmelzung ausgelöst die jede Vorstellung vernichtet(Edit: Erkennbar macht). Ich bin Sein. Alles andere ist Ich bin dies Sein. Die fast dauerhafte Befreiung wird erreicht in der Übung des Erkennen meiner Vorstellungen, nicht um sie zu vernichten sondern um sie als Selbst anzuwenden.
PS Ich weiß nicht wie das in der tibetischen Terminologie reinpasst.
Ich glaube wir müssen das gar nicht in eine tibetische Terminologie bringen - es entspricht sinngemäß jedenfalls dem was der Vajrayana lehrt.
kilaya hat geschrieben:
Ich glaube wir müssen das gar nicht in eine tibetische Terminologie bringen - es entspricht sinngemäß jedenfalls dem was der Vajrayana lehrt.
Danke :like:
Bodhicharyavatara

Als ich gelesen habe "Grundlagenwerk des Mayayana" hab ich erstmal gegoogelt. Dann hab ich auch verstanden warum ich antworten konnte ohne den Begriff wirklich verstanden zu haben. Schwieriges Ding von Shantideva.
Ellviral hat geschrieben:
Schwieriges Ding von Shantideva.

Es ist einfach das Weisheits-Kapitel sehr schwierig. Die Stanzen zur Leerheit.

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