Erfahrungen aus Kursus über Sterben u. Sterbebegleitung aus buddhistischer Sicht

Moderator: kilaya

Hallo Ihr, heute möchte ich mal meine Erfahrungen aus dem Kursus über Sterben und Sterbebegleitung aus buddhistischer Sicht mit Euch teilen. Der größte Teil des folgenden Textes stammt aus einem Brief an eine Freundin, damit ich das alles nicht erneut schreiben muss.

"Also, zum Beispiel sollte die Gruppe sich in zwei Teile teilen und jeder Teil sich in einer Reihe (an der langen Leite des Raums) gegenüber stellen. Die eine Seite sollte die Gruppe der "Noch Lebenden" und die andere die der "Verstorbenen" bilden. Dann wurde angesagt: "Tod ist...", und dann mussten die "Verstorbenen" schlagwortartig, und wie in einer Art Brainstorming, Worte in den Raum setzen. Zum Beispiel: ("Tod ist...") "Befreiung", "dunkel", "bedrückend", "erleichternd" undsoweiter. Dann wurde angesagt: "Leben ist..." und die andere Gruppe musste in ähnlicher Weise Schlagworte in den Raum setzen. Markant war ja dabei die Gegenüberstellung der Begriffe, die sich teilweise nicht widersprachen, sondern sich glichen. Außerdem gab es dazu auch noch die Übung, dass die beiden sich gegenüberstehenden Reihen in langsamen kleinen Schritten aufeinander zugehen sollten. Hier dann aber nicht als ganze Reihe, sondern jeder individuell und nach Gefühl (so dass man zum Schluss natürlich eine ganz bestimmte Person vor sich stehen hatte). Auch sollte zwischendurch gewechselt werden, das heißt die Reihe der Lebenden wurde zu Toten und umgekehrt.

Was mich ungemein gestört hat, das ist, dass immer der oder die eine oder andere dabei geheult hat. Man fühlt sich dann dabei als Therapiewerkzeug missbraucht und benutzt, dieses durch eine Person, die heult, aber die man doch nicht wirklich kennt. Ich finde es nicht richtig, dass jemand seine privaten Gefühle in einer Gruppe von fast fremden Menschen auslebt. Das ist doch so, als ob er auf die Toilette geht und man beobachtet ihn dabei.

Dann sollten wir auch noch "erfühlen", wo die gesummten Vokale im Körper sitzen. Dazu mussten wir "Aaaa", "Eeee", "Iiii", "Oooo" und "Uuuu" laut summen (die Umlaute aber nicht), und währenddessen kreuz und quer durch den ganzen Raum laufen. Dabei kam ich mir ziemlich bekloppt und albern vor, aber ich dachte, ich lasse mir nichts anmerken und mache das einfach mit. Man musste dabei einfach nur aufpassen, dass man nicht mit irgend jemandem zusammenstößt, denn die Gruppe war sehr groß und dadurch der Raum sehr voll, wir waren letztes Mal mehr als 30 Leute.

Ein anderes Mal war es so, dass zwei Personen sich zusammentun sollten, und die eine sollte den Sterbenden und die andere den Betreuer spielen. Auf mich kam da eine gewisse Claudia, die zu dem Zeitpunkt nicht das erste Mal im Kursus war und auch schon praktische Hospizerfahrung gehabt hatte. Zuerst sollte ich die Sterbende spielen. Claudia kam also herein, "stellte sich vor" (so musste man es machen) und machte furchtbar viel mit mir und bettete mich um, was mir alles ein wenig auf die Nerven ging. Sie erzählte zuerst, dass sie aus ihrem Garten kam, und was sie dort alles beobachtet hatte, und dass sie Gummistiefel anziehen musste, weil es zuvor geregnet hatte. Dann fing sie an, an mir herumzufummeln, indem sie mit irgendwelchen Stoffstücken auf meinen Händen undsoweiter herumstrich, und redete dabei sehr viel, versuchte dann auch noch, meinen Mund zu benetzen undsoweiter. Ich hätte viel lieber meine Ruhe gehabt. Aber es ist ja auch schwierig für den "Betreuer", die Zeit auszufüllen, wenn der "Sterbende" dabei nicht reden darf, weil er so tun muss, als ob er nicht mehr reden kann. Dann mussten wir die Rollen wechseln und nun spielte Claudia die Sterbende. Das war der Horror für mich, denn nun wusste ich überhaupt nicht mehr, was ich noch zu ihr sagen sollte, denn Claudia hatte so viel zu mir geredet, dass wir alle Themen schon durch hatten und mir gar nichts mehr einfiel. Also beschloss ich, fast nichts zu reden, höchstens mal: "Jetzt mache ich dies, jetzt mache ich das". Ich war froh, als die Zeit um war, und war schon ganz verspannt. Anschließend sollten wir uns dann setzen und darüber sprechen. Ich erklärte Claudia natürlich, dass ihre vielen Aktionen mich ganz nervös gemacht hatten. Claudia entgegnete zu meinem Erstaunen nicht, dass sie sich über meine Schweigsamkeit gewundert hatte, sondern dass ich sie aus Versehen falsch gebettet hatte und ihr das unangenehm war, und mir das nicht aufgefallen war."

Das Verrückteste aber war folgende Aufgabe:
Wir sollten an eine Person denken, mit der wir uns normalerweise noch einmal aussprechen müssten, was aber aus allen erdenklichen Gründen nicht mehr möglich war. Sei es, dass die Person den Kontakt strikt mit einem abgebrochen hat, dass sie verstorben war, dass sie im Koma lag oder ausgewandert war, ohne die Adresse zu hinterlassen - egal. Dazu sollten wir stichpunktartig die einzelnen Themen auf einem DINA4-Zettel auflisten. Dann sollte jede/r von uns in die freie Natur hinausgehen an einen Ort, wo man von keinem anderen gehört wird, und laut, nach den Posten, wie man sie auf den Zettel geschrieben hatte, die einzelnen Themen in einem fiktiven Gespräch mit der ausgewählten Person durchsprechen, und ihr "sagen", wie es einem damit geht. Das laute Sprechen war wichtig.
Komischerweise hatte ich die Aufgabe aber zuerst gar nicht begriffen. Musste immer wieder die beiden Kursleiter fragen: "Wie war das noch mal - was soll ich machen? Aufschreiben für wen, und wo soll ich dann damit hingehen?" .... usw. Ich hatte ein richtiges Brett vorm Kopf. - So stand ich immer noch mit den beiden Kursleitern im Türrahmen und fragte und diskutierte, während die anderen sich überall herum schon ihre Plätzchen gesucht hatten, um laut ihren Text herunterzubeten. Als ich es endlich begriffen hatte, was ich machen soll, da war in der umgebenden Natur "kein Platz mehr frei", alle hatten sich schon irgendwo platziert. Mist, dachte ich, wo soll ich nun hingehen!? - Da kam mir eine geniale Idee: wie wäre es denn, wenn ich gucken würde, ob im Tempelraum alles frei ist? Dann hätte ich dort freie Bahn! - Gesagt, getan. Der Lakhang war frei! Und ich war sehr wütend. Hatte mir als Gegenüber meine Mutter ausgedacht, weil ich eigentlich noch ein Hühnchen mit ihr zu rupfen hätte, doch andererseits sie mir in ihrer Gebrechlichkeit und Demenz nur noch leid tut. Ich war wütend auf diese komische Übung. So ging ich mit dem Zettel zu Mahakala rechts am Schrein und schimpfte wie ein Rohrspatz. "Findest du nicht auch, dass das hier eine Scheiß-Übung ist... so ein Blödsinn und so ein Schrott!!!" - undsoweiter, beklagte ich mich bei ihm, und zerriss "vor seinen Augen" den Zettel.
Damit war meine Übung beendet.

Viel Spaß beim Nachdenken wünscht Euch Amdap.
Vielen Dank, dass du die Erfahrung so ausführlich geteilt hast.

Verrückt oder seltsam fand ich die beschriebenen Übungen allerdings nicht.

Insbesondere die letzte Übung erscheint mir sehr sinnvoll, um mit Konflikten abzuschließen, die mit einem Menschen direkt nicht mehr abgeschlossen werden können.
Frieden-und-Freude hat geschrieben:
Vielen Dank, dass du die Erfahrung so ausführlich geteilt hast.

Verrückt oder seltsam fand ich die beschriebenen Übungen allerdings nicht.

Insbesondere die letzte Übung erscheint mir sehr sinnvoll, um mit Konflikten abzuschließen, die mit einem Menschen direkt nicht mehr abgeschlossen werden können.
Hundert Briefe an meine Mutter der letzte: Ich liebe Dich. Ich bin nicht sprachlos geblieben doch konnte ich sie dann so sehen wie sie war. Jemand meines Lebens den ich ohne wirkliches Wissen liebte. Meiner Großmutter hab ich alles erzählt und auch geschwiegen was ich ihr immer sagen wollte dieser im Sterben liegende Schweigenden, nein atmende.
Jedenfalls habe ich mich vor vielen Jahren mal für Hospizarbeit interessiert und dachte, das mache ich mal, wenn ich viel Zeit habe, zum Beispiel wenn ich in Rente bin. Aber nun weiß ich, dass so etwas nicht das Richtige für mich ist.
Eine frühere Kollegin, die seit über 10 Jahren in Rente ist, ist in ihrer Freizeit in der Hospizarbeit tätig. Sie war immer sehr laut und aufdringlich, dazu fühlte sie sich bei einfachen Äußerungen, ahnungslos ausgesprochen und allgemein gemeint, sehr angegriffen und "haute zurück", wo es doch gar nichts zu hauen gab. Das kam mir immer etwas grobschlächtig vor. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass sie bei Einsätzen "gut ankommt", und möchte auch selbst nicht von den falschen Leuten betreut werden, wenn ich mal sterbe.
Genauso könnte es anderen gehen, dass ihnen meine Anwesenheit nicht behagt, aber im ungünstigen Fall können sie es nicht mehr aussprechen.
Darüberhinaus haben mir diese psychologischen Übungen in dem Kursus gar nichts gebracht.
Gut, dass ich dort teilgenommen habe, denn nun habe ich Klarheit. Es war lustig, dass ich mich am Mahakala abreagieren konnte.
Allerdings, die Bardo-Belehrungen durch einen Lama, die interessieren mich sehr. Es wurde dort empfohlen, den Kursus damit zu ergänzen.

LG - Amdap.
Ich glaube es ist sehr wichtig, aus was für einer Motivation man das macht.

Es ist ja sehr angenehm, sich gebraucht zu fühlen und als ein guter Mensch der für andere da ist. Von daher besteht die Gefahr, dass man soziale Tätigkeiten mißbraucht, um da diese Art von Selbstbestätigung raus zu ziehen. Und dann eher der eigenen Inszenierung dient statt dem anderen.

Ich weiss aber auch nicht wie man als Kursleitung verhindern kann, daß die Leute zweifelhafte Motivation haben.
Pflegst Du nicht gerade Deine Mutter, Amdap?
@void:
Ja, die Gefahr des Helfersyndroms auszuleben besteht immer, besonders bei Frauen. So besteht auch die Gefahr, dass man Sterbebegleiter wird, weil es einem selbst "gut tut" und der Sterbende dabei leider mehr in das Rahmengeschehen rückt, in die dazu notwendige Kulisse, sozusagen. Als ich noch zur Schule ging, in die Mittelstufe, da wollten viele nach der 10. Klasse in die Fachoberschule für Sozialpädagogik wechseln. Es war aktuell geworden, dass man über seine persönlichen Probleme sprach und diese auch auslebte: "Urschrei-Therapie", Antiautoritäre Erziehung usw. Das fanden viele faszinierend, waren aber noch zu unreif um zu erkennen, dass die Beschäftigung mit Psychologie nichts anderes war als der Spiegel der eigenen persönlichen Probleme. Nebenbei bemerkt, war die Folge dann, dass es schließlich viele arbeitslose Sozialpädagogen gab.

Ich möchte noch hinzufügen, dass ich viele Jahre vorher (es mag jetzt gut 20 Jahre zurückliegen) schon bereits an einem Hospiz-Schnupperkurs teilgenommen hatte. Dieser wurde von meiner damaligen Arbeitsstelle angeboten, kostenlos mit Unterkunft, es waren nach meiner Erinnerung drei Übernachtungen. Naturgemäß nahmen fast nur Pflegekräfte an diesem Kursus teil. Ich selbst bin keine Pflege-Fachkraft, sondern Medizinisch-Technische Assistentin, Fachrichtung Labor, so dass ich mit Patienten überhaupt nicht in Berührung komme, sondern nur mit ihrem Material. Damals jedoch hatten wir etwas Kontakt mit Patienten, indem wir täglich eine kurze Runde über die Stationen drehten, um bei Diabetespatienten zwecks Blutzucker-Tagesprofil Kapillarblut abzunehmen. Bei manchen wohlbekannten Patienten konnte man so über ein paar Jahre ihren langsamen Verfall beobachten.
Nun, ich will aber nicht abschweifen. Jedenfalls berichtete eine Krankenschwester in diesem damaligen Kurs, dass eines Tages ein Patient in einem Einzelzimmer sie barsch hinauswies. Nach einiger Zeit (es mag wohl eine Stunde gewesen sein) kehrte sie zurück und versuchte vorsichtig nach seinem Befinden zu schauen - da war er verstorben. Es war klar, dass er merkte, dass er versterben würde, und er wollte allein sterben. Sowas gibt es auch. Ich kann mir vorstellen, dass es mir ähnlich gehen könnte.
Allerdings habe ich in meinem jüngsten Kurs, aus dem ich die Erfahrungsberichte postete, gehört, dass es in einem richtigen Hospiz zu solchen Fällen eher nicht kommt, denn die meisten gehen ins Hospiz, wenn sie noch einigermaßen klar im Kopf sind und eine langfristige Begleitung wünschen. Das ist natürlich etwas anderes, da lernt man seinen Betreuer längerfristig kennen und wünscht das auch.

@Doris RB:
Du hast ein gutes Gedächtnis! Ja, ich pflege noch meine Mutter, und sie ist jetzt 92 Jahre alt (doch kam sie ja auch in meinem Erfahrungsbericht vor).

LG - Amdap
Amdap hat geschrieben:
...
Darüberhinaus haben mir diese psychologischen Übungen in dem Kursus gar nichts gebracht.
Gut, dass ich dort teilgenommen habe, denn nun habe ich Klarheit.

Dann hat es Dir ja doch was gebracht.
Losang Lamo hat geschrieben:
Amdap hat geschrieben:
...
Darüberhinaus haben mir diese psychologischen Übungen in dem Kursus gar nichts gebracht.
Gut, dass ich dort teilgenommen habe, denn nun habe ich Klarheit.

Dann hat es Dir ja doch was gebracht.


Hihi! - Ja, das stimmt.
In dieser einen Weise schon. Doch das war nicht die ursprüngliche Absicht in dem Kurs.

Amdap
Ich kann mir vorstellen, dass das zuviel sein könnte, die Mama pflegen, mit der auch noch ein Hühnchen zu rupfen wäre, und an einem Sterbegleitungskurs teilzunehmen, wo man dann mit Emotionen konfrontiert wird, mit den eigenen, den der Sterbenden und denen der anderen Teilnehmer. Und mit anderen Dingen bist Du, so weit ich mich entsinne, auch ausgelastet.

Außerdem glaube ich nicht, dass sich jedermann dafür eignet, und schon gar nicht für alle Elemente. Was in meinen Augen völlig in Ordnung ist.
Sterbebegleitung hat viele Aspekte, vielleicht ist die Aufgabe, für die Du Dich am besten eignest eine andere. Vielleicht bist Du am Platz, wo es um Organisation geht oder in der Unterhaltung und Aufmunterung oder im Regeln der letzten Dinge?

Aber wenn ich in Deiner aktuellen Lage wäre, dann könnte ich mir nicht noch ein Ding aufbürden. Ich wäre voll bedient, und würde schauen, dass ich mich erst einmal um mein Wohl kümmern würde.

Das sind so die Gefühle und Gedanken, die bei Deinem Post in mir aufkamen.
Amdap hat geschrieben:
Ja, die Gefahr des Helfersyndroms auszuleben besteht immer, besonders bei Frauen. So besteht auch die Gefahr, dass man Sterbebegleiter wird, weil es einem selbst "gut tut" und der Sterbende dabei leider mehr in das Rahmengeschehen rückt, in die dazu notwendige Kulisse, sozusagen.


Sterben ist ja eh eine schwere Sache. Wenn schon Arbeitsplatzverlust oder Beziehungsabbruch einen so fertig machen und all die Ängste und ungestillten Sehnsüchte hochkochen lassen, ist ja Sterben so der Supergau an Labilität. Von daher bräuchte man da ja jemanden, der besonders stabil ist, weil er das quasi bei sich selber alles geklärt hat.

Aber wer hat das schon? Von daher ist so eine Tätigkeit ja ein schwierigen Balanceakt.
Die Abgrenzung brigt die Gefahr in sich, das man sein Gegenüber kalt behandelt und man ihm nicht gerecht wird. Wenn man sich aber mit seinen ganzen Gefühlen (Zuwendung, Mitgefühl, Fürsorge) involviert, dann kann man ja kaum anders, als auch die eignen Anhaftungen und emotionalen Bedürfnisse mit rein zu bringen.

Vor zwei Wochen habe ich im Radio ein Interview mit jemandem gehört, der seit Jahrzehnten Mobbingsberatungsstelle leitet. Und ich fand es interessant, dass gerade im sozialen Bereich überdurchschnittlich viel Mobbing gibt. Einerseits ist das wohl der Duck auf den Einzelnen sehr hoch aber ich kann mir vorstellen, dass dass auch viel mit der "Schattenseite des Sozialen" zu tun hat, also das man mit der eignen Fürsorge auch ein Stück weit die Bedürfnisse mit rein bringt.

Du schilderst ja diesen Zwiespalt, wo man sich einander gleichzeitig fremd gegenübersteht und es aber von einem erwartet wird, das man sich emotional tief öffnet. Was dann dazu führt, das man vor Fremden heult.
Mich bringt dieses hier Erinnerungen an ein früheres Leben hervor. Ein Leben das die Pflege von nahen Menschen zum Inhalt hatte. Da war mir das garnicht bewusst. Ich wusste nicht was da für Probleme sind. Auch heute bekomme ich ein merkwürdiges Gefühl von Ärgerlich. Fremden helfe ich solange bis Menschen da sind die für den nicht fremde sind.
Ich hab mir in den Jahren viele Gedanken gemacht wie ich das ganze irgendwie organisieren kann, auch für mich, da blieb nur Schule und lernen als wichtig, für fremde Beziehungen war da kein Raum. Da gab es irgendwie kein wirkliches, was ist für mich, das war mein Leben, es gab nichts anderes als mein Leben, wenn ich nach diesem Leben mit ähnlichem meinem Leben konfrontiert war bin ich sofort wieder in dieses geübte hineingefallen.
Wenn es auch heute um das geht was ich für mich haben will, und sei es ein Jodeldiplom, dann wird das sofort aufgegeben wenn ein naher Mensch mich braucht. Bei, erdachtem, Unangenehmen, ekeligem, ist sofort der Spruch aus dem früheren Leben da: Kotzen kannst Du nachher.
Ich kann nicht verstehen wie das ist notwendige Handlungen nicht zu tun weil ich das nicht tun mag. Ich kann nicht verstehen wie Kranke helfende benutzen um ihre Vorstellung befriedigt zu bekommen, oder wie Helfer glauben das sie helfen weil sie da ja was Gutes tun.
Gedanken machen um dieses frühere Leben mache ich mir nur durch zum Beispiel Zen. Zazen mach ich einfach, ist wie helfen, wie dasein für den Nahen. Zen trennt mich davon, macht mir Gedanken um Sinn. Erzeugt Sinn, erzeugt Überzeugung das Richtige zu tun, kann sogar Überzeugungen schaffen das es doch eine Belohnung geben muss, einen Verdienst.
Ich bin auch schon mal auf die Idee gekommen so einen Kurs zu machen, Sterbende an die Schwelle begleiten, doch jetzt weiß ich das es einen Grund hat warum ich das nie gemacht habe. Es ist das ich mir in diesem Bereich keinerlei Zweifel an meinem Handeln einreden lassen darf. Hier geht es ganz und gar um Mich und meinem Leben und da ist wirklich und wahrhaftig genug das an der Schwelle des Todes steht und dem geholfen werden muss den Schritt ins andere Sein von Dingen zu tun. Mein Wunsch Sterbende zu begleiten ist nur eine Flucht die vielleicht Verdienst bringt bei Fremden doch dieser wird zu einem Klotz am Bein, behindern mich beim dasein, in meinem Leben, derer die mir in meinem Leben begegnen die ich nicht aufsuchen muss. Denen ich begegnen will, das behindert meine Sicht auf die die da sind ohne sie suchen zu müssen. Wenn ich das Suchen von Menschen aufgebe die, wie ich glaube, meine Hilfe brauchen erkenne ich das unermessliche Leid dem ich entfliehen will weil es sofort bei mir, mein Leben ist.

Da hab ich was in meinem früheren Leben gelernt ohne wirklich zu wissen: Es ist mein Leben, alles was mir begegnet ist mein Leben, ich brauch nichts Suchen das, mein Leben, ist schon da. Im vergangenen Leben gab es keinen Zweifel nur Das tu ich und weil ich das tue kann ich das andere eben nicht tun, ein leichtes Gefühl des Opfers und "mach schon". Mein Leben hatte keine Zeit für Zweifel, es hatte nur eine Uhr aber Zeit war unwichtig.
Amdap hat geschrieben:
Aber nun weiß ich, dass so etwas nicht das Richtige für mich ist.


Ach, das ist aber schade, dass Du aufgrund dieser kurzen Erfahrungen in einem Kurs solche Rückschlüsse ziehst!
Zur Erinnerung: Seit 01.04.2016 mache ich auch eine Ausbildung zum ehrenamtlichen Hospizbegleiter. Wir haben seitdem viele solcher Übungen gemacht! Besonders wertvoll waren für mich die praktischen Anleitungen zur "basalen Stimulation", aber auch die Besuche im Bestattungsinstitut und in den Hospizen selbst sowie die beiden Praktika, die ich gemacht habe (auch wenn es dabei Haken und Ösen gab). Allerdings ist die Kursleiterin sowohl Psychologin als auch Buddhistin (und arbeitete auch länger ehrenamtlich im Hospiz) und hat den Kurs super geleitet.

Mein persönlicher Eindruck ist, dass es bei Deinem Kurs eher Defizite bei der Kursleitung gibt. Denn diese sollte den Sinn und Zweck der Übungen für jeden Teilnehmer so vermitteln, dass sie/ er die Übung auch versteht und wozu sie gut ist. Vielleicht überlegst Du es Dir ja noch mal...
Sherab Yönten hat geschrieben:
Amdap hat geschrieben:
Aber nun weiß ich, dass so etwas nicht das Richtige für mich ist.


Ach, das ist aber schade, dass Du aufgrund dieser kurzen Erfahrungen in einem Kurs solche Rückschlüsse ziehst!
Zur Erinnerung: Seit 01.04.2016 mache ich auch eine Ausbildung zum ehrenamtlichen Hospizbegleiter. Wir haben seitdem viele solcher Übungen gemacht! Besonders wertvoll waren für mich die praktischen Anleitungen zur "basalen Stimulation", aber auch die Besuche im Bestattungsinstitut und in den Hospizen selbst sowie die beiden Praktika, die ich gemacht habe (auch wenn es dabei Haken und Ösen gab). Allerdings ist die Kursleiterin sowohl Psychologin als auch Buddhistin (und arbeitete auch länger ehrenamtlich im Hospiz) und hat den Kurs super geleitet.

Mein persönlicher Eindruck ist, dass es bei Deinem Kurs eher Defizite bei der Kursleitung gibt. Denn diese sollte den Sinn und Zweck der Übungen für jeden Teilnehmer so vermitteln, dass sie/ er die Übung auch versteht und wozu sie gut ist. Vielleicht überlegst Du es Dir ja noch mal...


Der Kursus selbst war nicht kurz. Er bestand aus vier Teilen, das war jedes Mal ein verlängertes Wochenende. Da habe ich den vorherigen Kurs, gesponsert von meinem Arbeitgeber, der vor gut 20 Jahren stattfand, noch gar nicht mitgezählt.
Ich bin mir nicht sicher, ob man hier wirklich von Defiziten bei den Kursleitern sprechen kann. Es gab ja auch Teile, die ich gut fand. Es wurde über die verschiedenen Stadien des Sterbens gesprochen, wie es aus buddhistischer Sicht vor sich geht. So etwas habe ich in dem früheren Kurz-Kursus in den Neunziger Jahren natürlich nicht erfahren, denn mein damaliger Arbeitgeber war ein katholisches Krankenhaus und es war eine Kurzfassung aus christlicher Sicht, außerdem kamen die teilnehmenden Pflegekräfte sehr viel zu Wort, und ich fand ihre Erfahrungen mit Sterbenden sehr interessant. Es gab nicht allzu viele psychologische Übungen damals, aber es war ja auch nicht genug Zeit dazu vorhanden.
In dem aktuellen vierteiligen Kurs konnten wir kein Bestattungsinstitut besuchen, und Praktika waren nicht die Voraussetzung, sondern wurden nur als hilfreich angesehen. Einige hatten ja auch praktische Erfahrungen in Hospizarbeit.
Die Übung, kreuz und quer durch den Raum zu laufen und Vokale zu summen, kannte ich schon aus einem buddhistischen Kurs, nur sollten wir dort stattdessen Bija-Mantras summen. Im Prinzip aber dasgleiche. Es tut sicher ganz gut, wenn man so viel sitzen muss, dass man mal aufstehen und herumlaufen kann - doch ich fand das in dieser Form blöd und künstlich, zumal für mich da nur im Vordergrund stand, aufzupassen, beim Herumlaufen nicht mit anderen zusammenzustoßen.
Genauso künstlich empfand ich die Übung, die Besuchs-Situation zu simulieren, anschließend mit vertauschten Rollen. Und gleichzeitig anstrengend, siehe ganz oben.
Am besten gefiel mir letztendlich mein Besuch beim Mahakala. Ich mag zornvolle Formen, und da konnte ich endlich meinem "Ärger" über diese Übungen ein wenig Luft machen. Es war toll, in Verbindung mit Mahakala an einem heiligen Ort doch fluchen zu dürfen. Wenn ich auch nach außen hin "artig" wirke, so mag ich es doch, alles, was in eingefahrenen Bahnen läuft, in gewisser Weise zu provozieren und auf den Kopf zu stellen. Somit Verkalktes auf die Probe zu stellen. Das übt immer wieder einen besonderen Reiz auf mich aus.
Ich mag es nicht, etwas Starrem zu folgen und dann zu glauben, es habe etwas gebracht oder es habe sich etwas gelöst. Meistens ist das Einbildung, da es nach meiner Beobachtung nicht wirklich Fuß fasst, wie man langfristig beobachten kann. Psychologischen Übungen zu folgen, betrachte ich als ein Spiel zum Zeitvertreib, wenn man nichts anderes zu tun und Langeweile hat.

Man kann aber den Kursleitern keinen Vorwurf machen. Sie haben sich bestimmt viel Mühe gemacht und haben klassische psychologische Übungen, die vermutlich auch autorisierte Übungen sind, ausgewählt und sie passend gemacht. Das hat sie bestimmt viel Zeit gekostet, das alles auszuarbeiten. Ich mag die beiden auch, jedenfalls so weit ich es nach den bisherigen Kontakten beurteilen kann.
Die Kursleiterin ist Fachkrankenschwester (und Buddhistin tibetischer Richtung) und leitet, zusammen mit einer anderen, ein Hospiz. Der Kursleiter ist ein jahrzehntelang erfahrener Buddhist und Lehrer, der früher zu einem längeren Teil seines buddhistischen Lebens sogar Mönch gewesen, aber jetzt verheiratet ist.

LG - Amdap
Amdap hat geschrieben:
Ich mag es nicht, etwas Starrem zu folgen und dann zu glauben, es habe etwas gebracht oder es habe sich etwas gelöst. Meistens ist das Einbildung, da es nach meiner Beobachtung nicht wirklich Fuß fasst, wie man langfristig beobachten kann. Psychologischen Übungen zu folgen, betrachte ich als ein Spiel zum Zeitvertreib, wenn man nichts anderes zu tun und Langeweile hat.


Man kann sicher über den Sinn und Zweck von manchen Übungen streiten. Ich fand die Wochenenden zur "basalen Stimulation" sehr gut und praxisnah! Ebenso die Übungen zum Thema "Distanz und Nähe". "Wie ich mir meine eigene Trauerfeier vorstellen würde?", war für mich dagegen eine sinnlose Übung. Die Übung "Loslassen" von wichtigen Dingen kannte ich schon, vielleicht fand ich sie deshalb trivial.

Wie würdest Du denn die Anforderungen für eine solche Ausbildung formulieren?

Die Sterbebegleitung erfordert ein hohes Maß an psychologischem Einfühlungsvermögen. Das kann man schon ein wenig trainieren, auch wenn es nur Trockenübungen sind. Der Sprung in das kalte Wasser bleibt dann sowieso nicht aus, wenn die erste konkrete Begleitung ansteht.

P.S. Nach meinem Kenntnisstand ist ein Praktikum von mindestens 16 Wochenstunden Pflicht, um ein anerkanntes Zertifikat als Hospizbegleiter zu bekommen.
Ich mag es nicht, etwas Starrem zu folgen und dann zu glauben, es habe etwas gebracht oder es habe sich etwas gelöst. Meistens ist das Einbildung, da es nach meiner Beobachtung nicht wirklich Fuß fasst, wie man langfristig beobachten kann. Psychologischen Übungen zu folgen, betrachte ich als ein Spiel zum Zeitvertreib, wenn man nichts anderes zu tun und Langeweile hat.

Ich stimme Dir zu, solche Übungen lösen nichts, aber sie können einen Perspektivenwechsel initiieren.
Dabei muss ich an eine Paarübung denken, die ich vor Jahren mal in einem Training machen musste.
Einem Partner wurden die Augen verbunden und er wurde mit dem anderen Partner auf die Straße geschickt. Dieser musste ihn nun eine halbe Stunde lang führen. Dabei sollten immer wieder Stopps eingelegt werden. Das war für mich ein sehr eindrückliches Erlebnis, das viel in Gang gesetzt hat. Da gab es die Erfahrung wie es ist, sich einem fremden Menschen anzuvertrauen und auszuliefern, das Gefühl wie es ist blind durch eine Großstadt zu gehen, die Vielfalt an sensitiven Eindrücken, die da in den Vordergrund treten und das damit verbundene Vertrauen in alle Sinne, auch wenn der Sehsinn ausgeschaltet wird, und und und. Ein Fazit, das ich für mich daraus zog war, dass ich – obwohl ich ein stark visuell geprägter Mensch bin – lieber blind wäre als taub. Ich fand es schlimmer nicht mehr auf einfache Weise mit Menschen kommunizieren zu können. Diesen Punkt finde ich wichtig im Umgang mit Kranken und Sterbenden, die sich manchmal auch nicht mehr äußern können, aber vielleicht gerne wollen würden. Ein Sterbender ist dem Pflegenden ebenfalls völlig ausgeliefert und muss sich ihm wohl oder übel anvertrauen. Daher denke ich mir, dass es nützlich ist, wenn Pflegende zur Übung in die Rolle des anderen schlüpfen müssen. Man sollte das mal am eigenen Leib erleben, wie es ist.
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
Daher denke ich mir, dass es nützlich ist, wenn Pflegende zur Übung in die Rolle des anderen schlüpfen müssen


Stimmt. Das hatten wir bei uns auch gemacht. Das Wochenende hieß "pflegerische Handlungsmöglichkeiten". Es wurde Paarweise geübt. Vom Umlagern bis zur Zahnhygiene und das Geben von bestimmten Aromen. Eine Übung zur Entwicklung von Freigebigkeit, denn der Gebende gibt selbstlos und bekommt nichts zurück.

Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
Einem Partner wurden die Augen verbunden und er wurde mit dem anderen Partner auf die Straße geschickt


Das stell ich mir heftig vor. Da haben meine Frau und ich es vorgezogen in einem Lokal zu speisen, das völlig verdunkelt war. Alleine der Weg dorthin war eine Herausforderung. Man konnte die Hand vor Augen nicht sehen.
Es war zwar "vegetarisches Essen", aber wir sahen auch nicht das, was wir aßen.
Wir waren eine Gruppe aus ca. 12 Personen, die sich nicht kannten. Durch die Dunkelheit wurden wir zur Kommunikation gezwungen.
Eine Blinde kam später dazu und hat uns von ihrem Leben erzählt.
Total spannend, dieser Perspektivwechsel und das Essen fand fast :nospeak: immer das Ziel :)
@S.Y.:
Diese "Handlungsmöglichkeiten" (Aromen) haben wir auch durchgeführt. Außerdem das Benetzen der Mundschleimhaut in der Phase des Gefühls von Austrocknung des Sterbenden. Ferner haben wir erfahren, dass man um Himmels Willen trotz Durstgefühl keine Flüssigkeit mehr einflößen soll, da die Organe nicht mehr arbeiten. Die verabreichte Flüssigkeit würde sonst in Form von Ödemen erscheinen und dem Sterbenden nur noch mehr Qual bereiten. Das fand ich sehr nützlich zu wissen. Es waren wie gesagt allein die psychologischen Übungen, die ich überflüssig fand. Beim langsamen Aufeinander-zugehen habe ich nur darauf geachtet, dass ich nicht zu schnell auf mein Gegenüber zugehe, damit sie keine komischen Gefühle bekommt. Umgekehrt dachte ich: warum geht denn sie so langsam auf mich zu, sie kann doch gerne schneller gehen, dann wären wir damit durch...? Es waren also mehr die äußeren Bedingungen, auf die ich meinte achten zu müssen. Das lag nach meinem Empfinden eben daran, dass ich niemand anderen aus der Gruppe vorher gekannt hatte. Mir geht es oft so, dass ich vor Fremden weniger "Hemmungen" habe als vor Bekannten.
Meine Kursteile waren nicht mit Abschlusszertifikat optioniert. Ich weiß, dass man als Hospizbegleiter eine differenziertere und längere Ausbildung machen muss.

Naja, ich will Euch nicht langweilen.

Ich möchte noch mal die Geschichte hervorheben, die vor gut 20 Jahren eine Krankenschwester berichtete: dass ein Patient sie barsch aus dem Zimmer schickte, und er, bei späterer Kontrolle, dann verstorben war (jedenfalls nach äußeren Anzeichen, wir Buddhisten wissen, dass das dann noch nicht der endgültige Tod ist).
Meiner Meinung nach wollte er bei klarem Bewusstsein gehen und dabei nicht gestört werden. Darüber habe ich oft sinniert und dachte, das könnte mir auch mal so gehen, falls ich dabei noch klar bin. Da würde mich eine Begleitung auch stören. Aber man weiß ja nie, wie es kommt. Der Tod kann langsam, aber auch schnell eintreten (ohne dabei an einen gewaltsamen Unfall zu denken).

@Doris RB und S.Y.:
Ich war schon mal bei "Dialog im Dunkeln" in Hamburg. Mir hat es hervorragend gefallen! Das mag wohl daran liegen, dass ich auch im Alltag überdurchschnittlich viel auf noch andere Sinneseindrücke achte als nur auf den Sehsinn. Auch hier wurde die Gruppe von einer Blinden geführt, die sich vorstellte und aus ihrem Leben erzählte. Sie fragte auch alle Teilnehmer durch und stellte zu meinem Erstaunen fest, dass sie mich als die Älteste in der Gruppe erkannte, sie hat es also nur an meiner Stimme erkannt. Angst, im Dunkeln voranzuschreiten, hatte ich überhaupt nicht (es wurde durch verschiedene Alltagssituationen geführt).

Noch mal etwas ganz anderes:
Es existiert die Überlegung, dass man aufgrund von extremem Pflegekräftemangel Pflegeroboter einsetzt, Vorversuche laufen schon. Ich selbst hätte kein Problem damit, von einem Roboter gewindelt zu werden. Ich finde, solche ekligen Arbeiten kann man gern Maschinen überlassen. Dabei denke ich gern an das Melk-Karussel für Kühe, die während des Melkens sogar massiert werden und Musik hören. So könnte man auch einen Pflegeroboter programmieren (Purcell, Albinoni oder Brahms beim Windeln wäre toll!)

LG - Amdap
Amdap hat geschrieben:
Naja, ich will Euch nicht langweilen.


Das tust Du nicht, im Gegenteil :)

Amdap hat geschrieben:
Meine Kursteile waren nicht mit Abschlusszertifikat optioniert.


Ach so, dann hatte ich Dich im Eingangsthread falsch verstanden.

Amdap hat geschrieben:
Darüber habe ich oft sinniert und dachte, das könnte mir auch mal so gehen, falls ich dabei noch klar bin. Da würde mich eine Begleitung auch stören.


Das Problem sind häufig die Angehörigen. Die wollen bis zum letzten Atemzug dabei bleiben.
Aber natürlich kann man den Wunsch nach Einsamkeit beim Sterbeprozess auch in die Patientenverfügung reinschreiben. Ein Begleiter hätte es dann einfacher, diesen Wunsch durchzusetzen.
Nein, nein, gar nicht langweilig!
Da tauchen viele Fragen, Gedanken, Bilder und Emotionen auf.
Danke dafür!
https://www.youtube.com/watch?v=SeyYI-QJ6hc

Hier ein Vortrag von Sogyal Rinpoche, der den Titel Tod verstehen trägt und sich ab Minute 50 mit Sterbebegleitung befasst. Natürlich stieß ich auf Sogyal aufgrund der "Vorfälle". Sogyals Verhalten soll aber nicht das Thema sein. Ich referiere den Vortrag mal bis Minute 50. Dabei geht es um das tibetisch-buddhistische Verständnis vom Tod und von der himmelsgleichen Natur des Geistes.

Zuerst behandelt Sogyal die Frage, ob es Sinn macht, über den Tod nachzudenken. Er argumentiert, dass eine solche Reflexion helfen kann, das eigene Leben weniger trivial und weniger abgelenkt vom Wesentlichen zu gestalten. Der Tod sei unser größter Lehrer, heißt es, denn in Wahrheit bereichere er unser Leben. Besonders schlägt Sogyal mit Blick auf Milarepa vor, die Ungewissheit des Zeitpunktes unseres Todes zu meditieren. Dass sich der eigene Tod also in jedem Augenblick zutragen kann.

Später zitiert Sogyal Rilke: Unsere tiefsten Ängste sind die Drachen, die unsere tiefsten Schätze bewachen. Im Spiegel des Todes werde die Wahrheit des Lebens sichtbar.

Sogyal gesteht aber zu, dass auch die Vermeidung des Themas Sinn macht, sofern nämlich Gedanken an den eigenen Tod als bloß deprimierend erlebt werden. Dies ändert sich grundlegend, sobald die unendliche Natur des Geistes geschaut wird, heißt es sinngemäß. Ein solches Verständnis lässt dann dem eigenen Tod geistig gegenübertreten, ohne dabei Frustration zu empfinden.

Geburt und Tod folgen permanent aus einer Vielfalt von Umständen, doch besitzen sie gegenüber dem großen Zusammenhang keine wahrhafte Identität. Wenn wir über diese Traum-Qualität nachdenken, so nimmt dies keine Hoffnung, meint der Rinpoche, sondern öffnet für warmen Humor und Mitgefühl. Dies sei wahre Spiritualität.

Damit gelangt Sogyal zur Natur des Geistes. Er bringt das Bild von Wolken und klarem grenzenlosen Himmel, um die grundlegende und todlose Natur des Geistes zu verdeutlichen. Diese soll sich offenbaren, wenn über Vergänglichkeit und Tod meditiert wird und ein „Loslassen“ erfolgt, so meint Sogyal, der wieder auf Milarepa Bezug nimmt. Mit dem Gewahrwerden dieser Präsenz erfolgt ein „Umsturz im Sitz des Bewusstseins".

So führt das konzentrierte Betrachten der Vergänglichkeit, wechselseitigen Abhängigkeit und Leerheit dazu, etwas Neues zu erfahren, etwas Todfreies hinter der Oberfläche des Geistes. Diese Tiefe zu erfahren würde mit Freude erfüllen und die Gewissheit geben: Da ist etwas, das nicht zerstört werden kann. Werden wir dieser ruhigen, himmelsgleichen Essenz gewahr, so schwindet alle Angst vor dem Tod, heißt es, Vertrauen und Zuversicht entstehen.

Dies bezeichnet Sogyal als den Hauptpunkt der Lehren: Leben und Tod sind nur in unserem Geist! Hier gelangt Sogyal zum Prozess des Sterbens, der die Auflösung des gewöhnlichen Geistes bedingt, und wendet sich dem Thema zu, wie ein Sterbender zu begleiten sei.
Liebe Amdap, liebe Mitlesende,

Amdap Du berichtetest:
„Ferner haben wir erfahren, dass man um Himmels Willen trotz Durstgefühl keine Flüssigkeit mehr einflößen soll, da die Organe nicht mehr arbeiten. Die verabreichte Flüssigkeit würde sonst in Form von Ödemen erscheinen und dem Sterbenden nur noch mehr Qual bereiten.“
Dazu möchte ich gerne etwas anmerken:

Ich bin ja nun im Ruhestand, daher ist mir bewusst, nicht mehr auf dem neusten Stand der Dinge zu sein. Weißt Du, was ich hier schreibe, ist eine der Erinnerungeṇ an meine Dienstjahre. Während dieser Zeit stand für die Nonnen und mich unter anderem im Vordergrund, nicht gegen den Willen eines sterbenden Patienten zu handeln. … „Stell Dir vor, Du stirbst, und so ein „Weißkittel“ erzählt Dir, was, medizinisch gesehen, alles gegen die Gabe eines Schluckes Wasser (oder auch einer Zigarette! – Bett wurde auf den Balkon getragen - es gab noch keine Räder unter den Betten) spricht,“ hieß es …

Wichtig war es mir, mit einem lebensbedrohlich erkrankten Patienten, (wenn eben möglich, frühzeitig) ausführlich über die möglichen Folgen seiner Erkrankung zu sprechen, und im Rahmen dessen, auch die Vor- und Nachteile der Flüssigkeitssubstitution bei ungenügender Trinkmenge, oder Unterschreitung der normalen Flüssigkeitszufuhr aufgrund der allgemeinen körperlichen Gegebenheiten, zu informieren. Es ist immer gut, anzuregen, das weitere Procedere schriftlich festzulegen. Das entbindet zudem die (möglicherweise verunsicherten, oder sich überfordert fühlenden) Angehörigen davon, Entscheiden für einen nicht mehr ansprechbaren Angehörigen treffen zu müssen.

Eure Kursleiterin hat durchaus Recht, wenn sie sagt, dass das Zuführen von Flüssigkeit Nachteile haben kann, (mögliches Ansteigen des Hirndrucks, Lungenödem, Aszites, etc.), auch Herzschwäche, eine eingeschränkte Funktion der Nieren, Abdominalversagen, etc. erfordern ein akkurates Volumenmanagement.

Aber, (und es gibt ja immer dieses „Aber“) … zu den negativen Auswirkungen des Flüssigkeitsmangels zählen u.a. starkes Durstempfinden verbunden mit der unangenehmen Xerostomie (Mundtrockenheit), Verwirrtheit (durch Zunehmen der harnpflichtigen Stoffe), Muskelkrämpfe, Schwindel (infolge des Absacken des Blutdrucks), Nierenfunktionsstörungen (bis hin zum Nierenversagen) …

Bereits die Mundtrockenheit, (verursacht unter anderem auch durch Stressempfinden, allgemeine Schwäche, Kachexie, Dysphagie (Schluckstörung), Odynophagie (schmerzhafte Schluckstörung), Medikamentengabe z.B. Analgetica, Neuroleptika, Spasmolytica), ist für einen geschwächten und/oder sterbenden Menschen sehr belastend.

Solange der Patient schlucken kann, ist es zuträglich, zumindest einige Tropfen per Pipette zu reichen, meist ist das bereits hilfreich; (20-25ml/h parenteral, (z.B. intravenös mittels Perfusor), helfen meist recht gut, dem Durstgefühl entgegenzuwirken.)

Stellt der Pflegende zudem die von Deiner Kursleiterin angesprochene Mundpflege sicher, (vorzugsweise in stündlichem Intervall und bei Bedarf, … bitte nichts Glyzerinhaltiges verwenden, da wasserbindend), beruhigt das den Patienten nicht nur, sondern erleichtert ihm auch das Atmen, (oftmals mit offenem Mund trocken rasselnd/keuchend, oder schleimend/brodelnd).

LG mkha‘
mkha' hat geschrieben:
Stellt der Pflegende zudem die von Deiner Kursleiterin angesprochene Mundpflege sicher, (vorzugsweise in stündlichem Intervall und bei Bedarf,


Stündlich? :eek:
Karnataka hat geschrieben:
Hier gelangt Sogyal zum Prozess des Sterbens, der die Auflösung des gewöhnlichen Geistes bedingt, und wendet sich dem Thema zu, wie ein Sterbender zu begleiten sei.


Könntest Du zum Thema Begleitung auch etwas zusammenfassen?
mkha' hat geschrieben:
Solange der Patient schlucken kann, ist es zuträglich, zumindest einige Tropfen per Pipette zu reichen, meist ist das bereits hilfreich; (20-25ml/h parenteral, (z.B. intravenös mittels Perfusor), helfen meist recht gut, dem Durstgefühl entgegenzuwirken.)


LG mkha‘

Ist es nicht so, dass manche sehr beeinträchtigte Menschen in manchen Augenblicken schlucken können, dann aber das Bewusstsein verlieren, auf die Flüssigkeit im Mund vergessen und diese in Folge einatmen?
Guten Morgen, Karnataka,

Du fragst:
Ist es nicht so, dass manche sehr beeinträchtigte Menschen in manchen Augenblicken schlucken können, dann aber das Bewusstsein verlieren, auf die Flüssigkeit im Mund vergessen und diese in Folge einatmen?
Dass sehr schwer Erkrankte das Schlucken vergessen, kann vorkommen, daher ist es angezeigt, den Oberkörper eines Patienten beim Anreichen von Flüssigkeiten (ggf. auch Nahrung) hochzulagern. Ich schrieb ja, dass es je nach körperlicher/geistiger Verfassung des Patienten angezeigt sein kann, Getränke nur Tropfenweise mit einer Pipette zu verabreicheṇ; zudem aber wird die helfende Pflegekraft (idealer Weise) beobachtend an seiner Seite verweilen, bis der Patient den Schluckvorgang beendet. Bemerkt sie, dass der Patient nicht (mehr) schluckt, dreht sie seinen Kopf vorsichtig nach vorn und zur Seite, sodass die Flüssigkeit aus dem Mund herauslaufen kanṇ.

LG mkha'
Guten Morgen, lieber Sherab,
Stündlich? :eek:
Vorschlag: Atme zu Testzwecken bitte eine Stunde mit offenem Mund ein und aus - ohne selbsttätig zu trinken, ohne Dir mit der Zunge die Lippen anzufeuchten ... :wink:

LG mkha'
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
Ich kann mir vorstellen, dass das zuviel sein könnte, die Mama pflegen, mit der auch noch ein Hühnchen zu rupfen wäre, und an einem Sterbegleitungskurs teilzunehmen, wo man dann mit Emotionen konfrontiert wird, mit den eigenen, den der Sterbenden und denen der anderen Teilnehmer. Und mit anderen Dingen bist Du, so weit ich mich entsinne, auch ausgelastet.

Außerdem glaube ich nicht, dass sich jedermann dafür eignet, und schon gar nicht für alle Elemente. Was in meinen Augen völlig in Ordnung ist.
Sterbebegleitung hat viele Aspekte, vielleicht ist die Aufgabe, für die Du Dich am besten eignest eine andere. Vielleicht bist Du am Platz, wo es um Organisation geht oder in der Unterhaltung und Aufmunterung oder im Regeln der letzten Dinge?

Aber wenn ich in Deiner aktuellen Lage wäre, dann könnte ich mir nicht noch ein Ding aufbürden. Ich wäre voll bedient, und würde schauen, dass ich mich erst einmal um mein Wohl kümmern würde.

Das sind so die Gefühle und Gedanken, die bei Deinem Post in mir aufkamen.


Liebe Doris,

ich habe mich noch gar nicht bei Dir bedankt.
Aus Deinen Zeilen spricht ein großes Mitgefühl, die sicher auch aus langer Lebenserfahrung gewachsen ist.

Es ist wirklich so. Jeder hat so seine Stärken und Schwächen, und wenn man seine Stärken kennt, dann sollte man sie pflegen und damit andere begleiten und ihnen Trost sein. Wenn es einem nicht liegt, am Sterbebett zu sitzen und Händchen zu halten, dann kann man zum Beispiel die Angehörigen unterstützen, in normalen praktischen Dingen oder wie auch immer. Dann sind sie entspannter und können ihren Sterbenden besser begleiten, und dann hat die eigene Aufgabe dengleichen Wert.

Es gibt keine unterschiedlichen Wertigkeiten, jede Tat ist gleich wichtig, wenn sie in aufrichtiger Motivation ausgeführt wird. Und die vielen kleinen Teile ergeben ein Ganzes.

Vielen Dank für Deine Worte.

Amdap
Amdap hat geschrieben:
...

Es gibt keine unterschiedlichen Wertigkeiten, jede Tat ist gleich wichtig, wenn sie in aufrichtiger Motivation ausgeführt wird. Und die vielen kleinen Teile ergeben ein Ganzes.


Ay, danke Amdap. Das finde ich jetzt gerade sehr hilfreich, denn es ist ja wirklich so, dass Hilfe nicht nur an einer bestimmten Stelle stattfindet und dass die verschiedenen Aufgaben im Grunde gleichwertig sind.
Losang Lamo hat geschrieben:
Amdap hat geschrieben:
...

Es gibt keine unterschiedlichen Wertigkeiten, jede Tat ist gleich wichtig, wenn sie in aufrichtiger Motivation ausgeführt wird. Und die vielen kleinen Teile ergeben ein Ganzes.


Ay, danke Amdap. Das finde ich jetzt gerade sehr hilfreich, denn es ist ja wirklich so, dass Hilfe nicht nur an einer bestimmten Stelle stattfindet und dass die verschiedenen Aufgaben im Grunde gleichwertig sind.



Hallo LL, was genau meinst Du mit "Aufgaben"?
Hallo Amdap, was meinst Du mit Tat?

Wenn eine Tat/Handlung eine spirituelle Dimension hat (z.B. Motivation u.s.w.) dann ist das für mich etwas anderes wie eine Tat ohne spirituelle Dimension (z.B. Hobby/ Arbeit), also nicht "gleichwertig". Wären alle Taten gleichwertig, dann könnte man sich auch völlig unethisch verhalten, die Meditationspraxis und Leerheit vernachlässigen u.s.w. Es gäbe keinen Unterschied zwischen heilsamen und unheilsamen Handlungen...

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