Figuren stehen auf Hindu Göttern

Moderator: kilaya

Hallo,

ich war gestern auf der Buddha Ausstellung in Völklingen und sah zwei Figuren, ich weiß den Namen aber leider nicht, man durfte auch keine Photos machen - die standen auf den Hindu Göttern. Eine Figur nur auf Ganesha, die andere gleich auf dem ganzen Götterpantheon mit Shiva, Indra und Brahma.

Ich verstehe aber nicht die Symbolik dahinter. Wer weiß mehr?
IkkyuSan hat geschrieben:
Hallo,

ich war gestern auf der Buddha Ausstellung in Völklingen und sah zwei Figuren, ich weiß den Namen aber leider nicht, man durfte auch keine Photos machen - die standen auf den Hindu Göttern. Eine Figur nur auf Ganesha, die andere gleich auf dem ganzen Götterpantheon mit Shiva, Indra und Brahma.

Ich verstehe aber nicht die Symbolik dahinter. Wer weiß mehr?


Ich war auch in Völklingen und habe mir den Katalog von der Ausstellung gekauft, den ich allerdings ausgeliehen habe. Vielleicht gibt es dort eine Erklärung. Ich weiß aber nicht, wann ich ihn wieder bekomme.

Ganz allgemein ist es häufig so, dass hinduistische Figuren zusammen mit buddhistischen Figuren zu sehen sind. Wenn ich mich recht erinnere war das in Thailand in einigen Tempeln auch so und zeigt einfach, wie sehr sich Hinduismus und Buddhismus in seiner Anfangszeit gegenseitig beeinflusst haben.
Hallo,

nein im Katalog steht nichts, dort hab ich nach der Ausstellung auch nachgeschaut. Es wird lediglich erwähnt, WER die Personen unter den Füßen sind. Aber nicht warum und weshalb.


Wenn ich mich recht erinnere war das in Thailand in einigen Tempeln auch so und zeigt einfach, wie sehr sich Hinduismus und Buddhismus in seiner Anfangszeit gegenseitig beeinflusst haben.


Ja der gegenseitige Einfluss ist ja bekannt, vor allem im Tantra. Nur, die Figuren waren ja nicht nebeneinander oder so. Dämonen sind ja auch meist unter den Füßen. Für mich sieht das eher nach "Kampf" aus oder nach "Überwunden". Vielleicht soll es ja zeigen, dass man die "Götterwelt" überwunden hat und kein Gott mehr sein möchte. Aber das ist nur Spekulation, ich weiß es nicht.
Du warst schneller, als ich, Kilaya, ich musste erst ein wenig suchen. :)
Die Existenz manch buddhistischer Gottheiten resultiert aus ihrem hinduistischen Gegenbild, das sie zu überwinden haben, wie Yamantaka den Yama, Vighnantaka den Ganesha ….

Die Überwinderfunktion wird noch deutlicher, wenn der buddhistische Gott auf den korrespondierenden hinduistischen Gott tritt, so Kurukulla als buddhistische Liebesgöttin auf Kama, Jambhala auf Kuvera.

Diese Götter stammen wahrscheinlich alle aus der Zeit feindseligen Verhältnisses zwischen den Religionen. In einer anderen Phase werden hinduistische Götter in das Pantheon übernommen und treten vor allem in den Mandalas auf, wie z.B. bei Bhutadamara, Kalacakra, Yogambara u.a.

Dieser zweite Typ ist leicht als „buddhisierte“ Götter zu erkennen, da sie das Bild des entsprechenden Tathagatas im Kopfschmuck tragen (Mallmann op.cit.S. 395 bzw. S. 49), oder sie haben 5 oder 6 Mudras (ein bestimmter Knochenschmuck; Bhattacharyya S. 1298), oder ihr Name beginnt mit Vajra- (Bhattacharyya S. 1298)
Quelle: Götter und Mythen des indischen Subkontinents, H. Bechert, Indologe u. Buddhologe
IkkyuSan hat geschrieben:
nein im Katalog steht nichts, dort hab ich nach der Ausstellung auch nachgeschaut. Es wird lediglich erwähnt, WER die Personen unter den Füßen sind. Aber nicht warum und weshalb.

Ich weiss ja nicht, in was für einem Katalog Du nachgeschaut hast. In meinem Katalog steht jedenfalls z.B. bei Katalognummer 142 (ein Vajrabhairava aus der Malla-Periode) zu Deiner Frage:
Vajrabhairava hat 16 Füße, die in vier Reihen angeordnet sind und auf eine Sonnenscheibe treten. Die Ebenen darunter werden von unterschiedlichen Wesen bevölkert. Auf dem ersten Plateau sind weltliche Götter aus der Hindu-Mythologie zu erkennen, die in der tantrischen Kommentarliteratur als "überheblich" (tib. dregs-pa) bezeichnet werden. Sie stehen für die konflikt-erzeugenden Geistesfaktoren, die Vajrabhairava überwunden hat.
Autorin ist Elke Hessel.
Bei Katalognummer 162 (ein Acala aus dem 13. Jahrhundert) steht u.a. folgendes:
Als Verteidiger der Lehren des Buddha, die alle Hindernisse und jede Verblendung überwinden, tritt er im Ausfallschritt triumphierend auf die unter ihm liegende Gottheit Vighna (wörtlich "Hindernis"). Vighna ist ein Name für die hinduistische Gottheit Ganesha. Ganesha hilft nicht nur bei der Überwindung aller Hindernisse, sondern ist gleichzeitig auch der Herr aller Hindernisse.
Autorin ist Amy Heller.

Aufgrund Deiner dürftigen Beschreibung kann ich natürlich nur vermuten, ob das die von Dir gemeinten Figuren sind. In Frage kämen z.B. auch die Exponate 168 (ebenfalls ein Vajrabhairava), 195 (Cakrasamvara und Vajravarahi, "... Demonstration der Kontrolle über die eigenen Geistesgifte Gier und Hass, die in Form der zwei Hindu-Gottheiten [Bhairava und Kalaratri] wiedergegeben sind"), 200 (Hevajra und Nairatmya, "... Brahma, Vishnu, Shiva und Indra ... symbolisieren Shri Hevajras eigene Geistesgifte .."), 227 (Mahakala, wie Acala auf einem Ganesha stehend) ...

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Hallo,

dann mal danke für die Antworten! Jetzt wird es klarer.

Und ja, da hab ich wirklich nicht richtig geschaut, habs auch nur überflogen. Die Erklärung ist zwar knapp, aber man kann sich was darunter vorstellen.

Mit "überheblich" weiß ich nicht Recht was anzufangen. Von Brahma ist bekannt, dass er als überheblich gilt, wegen seines Wissens und der "Welterschaffung". Von Shiva und Ganesha ist mir dahingehend nichts bekannt.

Also gibt es auch unter den Göttern Krieg?
Soweit ich die Symbolik verstanden habe*, geht es um "weltliche Götter", denen anzuhängen auf Dauer des Daseinskreislaufes nicht hilfreich ist. Die buddhistischen "Gottheiten" zertreten Oberflächlichkeiten und Verblendungen, symbolisiert durch die hinduistische Götter. Es heißt auch, letztere seien selbst noch verblendet, zB weil sie sich für unsterblich halten - dabei leben sie nur irrsinnig lange, fallen letztendlich aber auch im Daseinskreislauf wieder runter. Eine Inkarnation im Götterbereich ist daher buddhistisch gesehen überhaupt nicht erstrebenswert, sondern eher eine Höchstform der Verblendung. Insbesondere kritisiert wird die Arroganz der Götter.

*So erinnere ich, es gehört zu haben, aber mein Wissen mag beschränkt sein.
IkkyuSan hat geschrieben:
Hallo,

dann mal danke für die Antworten! Jetzt wird es klarer.

Und ja, da hab ich wirklich nicht richtig geschaut, habs auch nur überflogen. Die Erklärung ist zwar knapp, aber man kann sich was darunter vorstellen.

Mit "überheblich" weiß ich nicht Recht was anzufangen. Von Brahma ist bekannt, dass er als überheblich gilt, wegen seines Wissens und der "Welterschaffung". Von Shiva und Ganesha ist mir dahingehend nichts bekannt.

Also gibt es auch unter den Göttern Krieg?

Ja, die "Götter" leben genauso wie wir Menschen auch nicht friedlich zusammen. Es gibt aber auch in diesem Daseinsbereich, dem "devaloka", noch verschiedene Unterscheidungen. So leben z.B. im "Cātummahārājikā", http://www.palikanon.com/namen/c/caatum ... ajikaa.htm dem niedrigsten Götterbereich die "Nāgā" http://www.palikanon.com/namen/n/nagaa.htm die mit dem "Garuda" http://www.palikanon.com/english/pali_n ... arudaa.htm verfeindet sind.
Nur in den höheren "devaloka" wie z.B. in den Reinen Gefilden "suddhāvāsā" und der gestaltlosen Brahmawelt "arūpabrahmaloka" gibt es unter den Wesen keinen Streit und Krieg mehr.
Eine Übersicht der verschiedenen Daseinsbereiche findet sich hier:
http://www.satinanda.de/thema-01/kosmologie.html
Ja, die "Götter" leben genauso wie wir Menschen auch nicht friedlich zusammen


Das ist interessant, ich werde deine Links mal durchlesen, danke!

Es heißt auch, letztere seien selbst noch verblendet, zB weil sie sich für unsterblich halten - dabei leben sie nur irrsinnig lange, fallen letztendlich aber auch im Daseinskreislauf wieder runter. Eine Inkarnation im Götterbereich ist daher buddhistisch gesehen überhaupt nicht erstrebenswert, sondern eher eine Höchstform der Verblendung. Insbesondere kritisiert wird die Arroganz der Götter.


Auch eine sehr interessante Sichtweise. Obwohl ich einen "Fall" nicht unbedingt voraussetzen würde. Oder gibt es da eine Zwangsläufigkeit nach den Sutren/Lehren? (also dass man fallen MUSS, früher oder später).
IkkyuSan hat geschrieben:
Losang Lamo hat geschrieben:
Es heißt auch, letztere seien selbst noch verblendet, zB weil sie sich für unsterblich halten - dabei leben sie nur irrsinnig lange, fallen letztendlich aber auch im Daseinskreislauf wieder runter. Eine Inkarnation im Götterbereich ist daher buddhistisch gesehen überhaupt nicht erstrebenswert, sondern eher eine Höchstform der Verblendung. Insbesondere kritisiert wird die Arroganz der Götter.


Auch eine sehr interessante Sichtweise. Obwohl ich einen "Fall" nicht unbedingt voraussetzen würde. Oder gibt es da eine Zwangsläufigkeit nach den Sutren/Lehren? (also dass man fallen MUSS, früher oder später).

Im Lamrim (Tsongkhapa, erste Kapitel) werden die Bereiche des Daseinskreislaufs so beschrieben.

Im Götterbereich wird gutes Karma nur aufgebraucht, genossen, abgelebt. Irgendwann, in ferner Zeit, kommt der Zeitpunkt, wo es verbraucht ist. Bis dahin ist es den Göttern nicht bewusst, aber wenn der Zeitpunkt des Niedergangs naht, verstehen sie es und erleben es bei vollem Bewusstsein. Der Moment dieser Erkenntnis wird als sehr grausam beschrieben. Und ja, es soll eine Zwangsläufigkeit sein, genauso wie 1+1=2 ist.
Ok, danke dir für die Erhellung! Dann werd ich doch kein Gott mehr :? :mrgreen:

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