Welt-Bevölkerung

Moderator: kilaya

Turmalin hat geschrieben:
Was die Überbevölkerung betrifft werden viele eher nicht auf den Dalai Lama hören, sondern eben weniger Kinder bekommen, weil sie einer wissenschaftlich gebildeten, vorwiegend atheistischen Gesellschaft angehören.


Festzuhalten ist, dass sich der Dalai Lama sehr entschieden für Familienplanung ausspricht und die Gleichberechtigung der Frauen als entscheidenden Faktor zur Geburtenkontrolle betrachtet. Dabei denkt der Dalai Lama nicht nur wirtschaftlich: Dies ist nicht nur eine wirtschaftliche Frage. Es ist eine Frage der Freiheit und des Rechts der Frauen, selbst zu entscheiden, wie viele Kinder sie haben wollen. Kein Mann hat das Recht, eine Frau dazu zu zwingen, ein Kind zu bekommen, das sie nicht haben will.

Der Dalai Lama schreibt dies im Rahmen von vier Voraussetzungen zur Bekämpfung der Armut:

• Die Regierung eines Landes muss motiviert sein, im Interesse aller Menschen zu handeln, und nicht nur im Interesse einer wirtschaftlichen oder politischen Elite.
• Das Wirtschaftssystem muss nach den Prinzipien einer verantwortlichen freien Marktwirtschaft ausgerichtet werden.
• Gesetzliche Regelungen müssen das Unternehmertum fördern.
Freiwillige Familienplanung muss eingeführt werden, um das Bevölkerungswachstum erfolgreich zu verlangsamen.

Daher befürwortet der Dalai Lama übrigens auch die Empfängnisverhütung.
@ Karnataka:
Nur steht der Dalai Lama eben alleine da unter den Religiösen die etwas zu sagen haben. Der Papst empfahl kürzlich die drei-Kind Familie für Katholiken. Er hat zwar aus der Perspektive gesprochen, dass die zehn-Kind Familie nicht nötig sei, aber es hilft ja trotzdem nicht, wenn er eine Zahl nennt, die die Überbevölkerung immer weiter treiben wird.
Und wie gesagt, auf den Dalai Lama hören nicht so viele. Also haben zu dem Thema eben nicht-religöse Menschen auch viel Gutes bei zu tragen. Ich wollte ja nur das betonen, dass Wissenschaft den Vorteil hat, dass viele dran glauben. Schafft man eine Verbindung zwischen Wissenschaft und Buddhismus, dann ist das bestimmt hilfreich für die Menschheit.
Turmalin hat geschrieben:
@ Karnataka:
Nur steht der Dalai Lama eben alleine da unter den Religiösen die etwas zu sagen haben. Der Papst empfahl kürzlich die drei-Kind Familie für Katholiken. Er hat zwar aus der Perspektive gesprochen, dass die zehn-Kind Familie nicht nötig sei, aber es hilft ja trotzdem nicht, wenn er eine Zahl nennt, die die Überbevölkerung immer weiter treiben wird.
Und wie gesagt, auf den Dalai Lama hören nicht so viele. Also haben zu dem Thema eben nicht-religöse Menschen auch viel Gutes bei zu tragen. Ich wollte ja nur das betonen, dass Wissenschaft den Vorteil hat, dass viele dran glauben. Schafft man eine Verbindung zwischen Wissenschaft und Buddhismus, dann ist das bestimmt hilfreich für die Menschheit.


Da widerspreche ich nicht, im Gegenteil. Doch immerhin schreibt der Papst in Amoris Laetitia:

167. Die kinderreichen Familien sind eine Freude für die Kirche. In ihnen drückt die Liebe ihre großzügige Fruchtbarkeit aus. Das bedeutet nicht, eine heilsame Warnung des heiligen Johannes Paul II. zu vergessen, als er erklärte, dass die verantwortliche Elternschaft » nicht eine Frage von unbegrenzter Zeugung [ist] oder von Unkenntnis dessen, was Kindererziehung bedeutet, sondern vielmehr die Ermächtigung der Ehegatten, unter Berücksichtigung gesellschaftlicher und demographischer Gegebenheiten wie auch ihrer eigenen Situation und rechtmäßigen Wünsche […] von ihrer unveräußerlichen Freiheit weise und verantwortungsbewusst Gebrauch zu machen «.

Allerdings muss man schon suchen, um auch nur eine Andeutung zur Demografie zu finden! Ich möchte mit diesem Zitat die Haltung der Katholischen Kirche sicher nicht schönreden!

Der Dalai Lama spricht sich, wie gezeigt, ausschließlich für freiwillige Familienplanung aus. Dies ist einer der wenigen Punkte, wo ich mir etwas unsicher bin. Von Indien ist beispielsweise zu hören, dass für eine Anstellung im öffentlichen Dienst von den Menschen erwartet wird, nur wenige Kinder zu haben. Find ich gut!
Karnataka hat geschrieben:
Von Indien ist beispielsweise zu hören, dass für eine Anstellung im öffentlichen Dienst von den Menschen erwartet wird, nur wenige Kinder zu haben. Find ich gut!


Wahrscheinlich am besten Jungs und keine Mädchen :eek:
Sherab Yönten hat geschrieben:
Karnataka hat geschrieben:
Von Indien ist beispielsweise zu hören, dass für eine Anstellung im öffentlichen Dienst von den Menschen erwartet wird, nur wenige Kinder zu haben. Find ich gut!


Wahrscheinlich am besten Jungs und keine Mädchen :eek:


Ein berechtigter Einwand. Genau da liegt der Haken, wenn einer patriarchalen Gesellschaft Geburtenregelung aufgezwungen wird. Ergebnis ist, dass so lange abgetrieben wird, bis ein Junge da ist. Denn ein Ultraschallgerät findet sich selbst in der ärmlichsten Siedlung.
Karnataka hat geschrieben:

Ein berechtigter Einwand. Genau da liegt der Haken, wenn einer patriarchalen Gesellschaft Geburtenregelung aufgezwungen wird. Ergebnis ist, dass so lange abgetrieben wird, bis ein Junge da ist. Denn ein Ultraschallgerät findet sich selbst in der ärmlichsten Siedlung.

Vielleicht dringt aber mal durch, was in China grade los ist. Sehr viele junge Männer sind einsam, oder kaufen sich eine Braut im ärmeren Ausland. Auch dafür braucht man Geld. Vielleicht sind ja manche froh um eine Tochter, denn ihr wird dieses Schicksal erspart. Das Angebot bestimmt ja die Nachfrage. Frauen in China und den Ländern wo die Frauen gekauft werden sind jetzt sehr wertvoll. Die Indische Regierung könnte ja auch traurige Geschichten verbreiten über einsame chinesische Männer als Warnung.Ich glaub in China ist es jetzt einfach verboten, dass Frauenärzte den Eltern das Geschlecht mitteilen. Falls nicht, könnte es Indien halt so machen.
Turmalin hat geschrieben:
Das Angebot bestimmt ja die Nachfrage


Das ist leider nur bedingt richtig. Denn die Eltern der Tochter müssen in diesen Ländern häufig eine sehr hohe Aussteuer bezahlen, wenn sie sie verheiraten wollen. Das sind sozio-kulturelle Traditionen, die sehr festgefahren sind und mit ein Grund, warum viele Eltern keine Töchter haben wollen.
Turmalin hat geschrieben:
Karnataka hat geschrieben:

Ein berechtigter Einwand. Genau da liegt der Haken, wenn einer patriarchalen Gesellschaft Geburtenregelung aufgezwungen wird. Ergebnis ist, dass so lange abgetrieben wird, bis ein Junge da ist. Denn ein Ultraschallgerät findet sich selbst in der ärmlichsten Siedlung.

Vielleicht dringt aber mal durch, was in China grade los ist. Sehr viele junge Männer sind einsam, oder kaufen sich eine Braut im ärmeren Ausland. Auch dafür braucht man Geld. Vielleicht sind ja manche froh um eine Tochter, denn ihr wird dieses Schicksal erspart. Das Angebot bestimmt ja die Nachfrage. Frauen in China und den Ländern wo die Frauen gekauft werden sind jetzt sehr wertvoll. Die Indische Regierung könnte ja auch traurige Geschichten verbreiten über einsame chinesische Männer als Warnung.Ich glaub in China ist es jetzt einfach verboten, dass Frauenärzte den Eltern das Geschlecht mitteilen. Falls nicht, könnte es Indien halt so machen.


In manchen Regionen Chinas und Indiens kommen heute 130 und mehr Buben auf nur mehr 100 Mädchen. Nach meiner Info hat die KPChina bereits vor Jahren Paaren am Land, deren erstes Kind ein Mädchen ist, eine weitere Geburt gestattet (heute sind generell zwei Kinder zugelassen). Auch war die Verwendung von Ultraschall "immer schon" untersagt. Theoretisch.

Ein zynischer Gedanke: Tatsächlich hängt das Bevölkerungswachstum nicht an der Zahl der Kinder, sondern allein an der Zahl der Mädchen. Vielleicht wurde daher dem massenhaften Abtreiben weiblicher Föten relativ zugesehen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass der chinesitsche Staat, wenn er etwas durchsetzen will, dies nicht durchsetzen kann. Ich glaube, das Problem war ihnen nicht so bewusst. Die Männer sind ja jetzt erst erwachsen. Früher war man mehr damit beschäftigt, dass Abtreibungen stattfinden, das wollte man ja.
Ich denke einfach es wär möglich gegen die Mädchenabtreibungen vor zu gehen.Allerdings Abreibungen wird es viele geben wenn die Leute hohe Strafen zahlen müssen für ein Kind "zuviel". Also ist das von dem her auch kritisch.
Turmalin hat geschrieben:
Ich kann mir nicht vorstellen, dass der chinesitsche Staat, wenn er etwas durchsetzen will, dies nicht durchsetzen kann. Ich glaube, das Problem war ihnen nicht so bewusst. Die Männer sind ja jetzt erst erwachsen. Früher war man mehr damit beschäftigt, dass Abtreibungen stattfinden, das wollte man ja.
Ich denke einfach es wär möglich gegen die Mädchenabtreibungen vor zu gehen.Allerdings Abreibungen wird es viele geben wenn die Leute hohe Strafen zahlen müssen für ein Kind "zuviel". Also ist das von dem her auch kritisch.


Die für mich entscheidende Besorgnis betrifft aber nicht Asien, sondern Afrika. Entwicklungsexperten geben gut gemeinte Ratschläge. Ich bin kein Experte, doch meine ich, dass die Sahelzone ohne drastische Maßnahmen in eine noch viel größere Katastrophe gelangen wird. Brechen Kriege aus, kann dies zu katastrophalen Hungersnöten führen. Nur in dieser Hinsicht empfinde ich Respekt für den chinesischen Weg.
Mögen alle Wesen so schnell wie möglich von ihrem Leid befreit werden.
Vielleicht dringt aber mal durch, was in China grade los ist. Sehr viele junge Männer sind einsam, oder kaufen sich eine Braut im ärmeren Ausland. Auch dafür braucht man Geld. Vielleicht sind ja manche froh um eine Tochter, denn ihr wird dieses Schicksal erspart. Das Angebot bestimmt ja die Nachfrage. Frauen in China und den Ländern wo die Frauen gekauft werden sind jetzt sehr wertvoll.

leider werden die Bräute in China nicht häufig gekauft, sondern häufig schon als junges Mädchen oder gar als Säugling von deren Eltern geraubt. Dies kommt aber nicht nur in China vor, sondern leider auch in einigen anderen Ländern und Kulturen.
China:
http://www.spiegel.de/panorama/gesellsc ... 95858.html
http://www.daserste.de/information/poli ... l-100.html
http://www.derwesten.de/panorama/das-ge ... 47527.html
http://www.nzz.ch/articleevrnp-1.106367

andere Länder:
http://www.berliner-zeitung.de/wenn-arm ... e-16294410
http://www.daserste.de/unterhaltung/fil ... d-100.html
http://www.zeit.de/2015/37/kinderhandel ... fuehrungen
http://www.abendblatt.de/politik/europa ... ahlen.html
Überlegungen zu Religion und Demografie:

Aus meiner Sicht sind Religionen nicht für die historisch hohen Geburtenraten verantwortlich, sondern diese resultieren aus Bedürfnissen der Landwirtschaft (Arbeitskräfte, Schutz), die dann als religiöse Moralen Niederschlag fanden, inklusive Patriarchat, Tabuisierung weiblicher Sexualität, Ächtung von Homosexualität und allem, was Schwangerschaften verhindert.

Der demografische Wandel in Japan scheint mir der industrialisierten Welt, der Geburtsrückgang im buddhistischen Südostasien typisch den Schwellenländern zu entsprechen. Das historische Tibet scheint mir ein Spezialfall, wo die Landwirtschaft nie große Überschüsse erzeugen konnte. Dort aber, wo nur Gartenbewirtschaftung möglich ist, besteht in keiner Gesellschaft das Bedürfnis nach vielen Kindern, sind beispielsweise auch Matriarchate möglich, werden Unverheiratete toleriert oder viel gesellschaftliches Klosterleben. Im Extremfall sind einzelne Gesellschaften im Hochland von Tibet sogar bemüht, die Geburtenrate möglichst niedrig zu halten, was dort die Polyandrie, die Vielmännerei zur Folge hat.

Was hat Demografie also mit Religion zu tun? Gesellschaftliche Moralen müssen irgendwie festgeschrieben werden. Zu diesem Zweck gibt es uralte Texte, wo alles und nichts drinsteht, kommt mir vor. Wenn solche religiöse Textstellen nicht mehr passen, werden sie einfach zugunsten anderer wieder vergessen, kommt mir vor.

Die Ursache für Kinderreichtum ist nicht in den Religionen zu suchen. Gibt es überhaupt einen Grund zur Kritik an den Religionen? Schichten, die traditionell kinderreiche Landwirtschaft betreiben und dann sehr plötzlich in die industrialisierte Welt gelangen, können ihr Familienbild nicht von heute auf morgen anpassen. Vermutlich sind es auch religiöse Vorstellungen, die dies behindern, verzögern.

Richtig schlimm wird die Sache, wenn Gesellschaften extreme Kinderüberschüsse erzeugen. 5 Söhne können nicht die gleiche Landwirtschaft erben, was leicht einzusehen ist. Bevölkerungen wie die Syrische haben sich in hundert Jahren mehr als verzwanzigfacht, was zu Millionen junger Männer ohne Perspektive führt. Darf eine "friedliche" Religion einer solchen Entwicklung zusehen?

Vielleicht wird der Einfluss der Religion aber auch überschätzt. Führt der Staat zwangsweise Geburtenkontrolle in bäuerlich-patriarchale Gesellschaften ein, gibt es Millionen weibliche Föten, die abgetrieben werden. Darin unterscheidet sich die hinduistisch-bäuerliche Gesellschaft kaum von der weniger religiösen chinesischen, kommt mir vor.

Ein anderer Vorwurf könnte lauten, dass Religionen versuchen, eine universalistische Moral zu geben. So möchte die katholische Kirche ein Familienbild als gottgewollt vertreten, das für Afrika genauso wie für Europa passen soll. Sieht man allerdings genauer auf das päpstliche Schreiben zur Familiensynode, scheint mir, dass dieser Vorwurf nur zum Teil stimmt und den lokalen Kirchen durchaus Flexibilität zugestanden wird.

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