Shingon

Moderator: kilaya

Hier finden sich einige Infos zum Shingon und Tendai Buddhismus:
http://www.bghh.de/Esoterischer-Buddhismus-Japan.pdf
Thomas23 hat geschrieben:
kilaya hat geschrieben:
Vermutlich muss man doch Tibet und Japan als Äste sehen, die sich beide weiter verzweigen.

Nach aktuellem Informationsstand in diesem Thread zu urteilen scheint das wohl wirklich am Sinnvollsten zu sein.


Das ist das, was ich schon zu Beginn im Gespräch mit Kilaya meinte.
Das hat aber eben nichts mit unserem Dafürhalten oder Kenntnisstand zu tun, sondern ist ganz einfach ein Fakt. Ich betone das so, weil es eben (wie sich hier ja auch zeigt) wohl manchmal nicht so leicht zu akzeptieren ist, da halt für gewöhnlich aber fälschlicherweise Vajrayana nur mit den tibetischen Ausprägungen identifiziert bzw. mit diesen gleichgesetzt wird.
(Und ich erinnere gerne auch noch mal an die eindrucksvollen Anhänger-Zahlen in Japan, eben sogar deutlich mehr als Zen.)
Thomas23 hat geschrieben:
Ich habe gelesen das im esoterischen Buddhismus in China die ursprüngliche Elementelehre durch die daoistische Elementelehre ersetzt wurde.
Ist das auch im Shingon der Fall? Shingon kam ja aus China nach Japan.


Nein, das trifft so nicht zu. Im Shingon dominiert ganz klar die Lehre die indische Elementenlehre, bezeichnet als godai, d.i. die "fünf Großen" (Erde, Wasser, Feuer, Luft, Raum) oder rokudai, die "sechs Großen" (+ Bewusstsein/Geist).
Aber natürlich hat sich Shingon auch in Japan entwickelt und verändert. Die Religionsdichte und -komplexität in Japan ist enorm hoch; neben den diversen buddhistischen Schulrichtungen sind da v.a. eben daoistische und konfuzianische Lehren zu nennen, das Gebilde "Shinto", oder auch Strömungen wie Shugendo und Tachikawa.
Der esoterische Buddhismus hat in Japan lange Zeit eine wichtige politische Rolle gespielt und ist auch in eine intensive Auseinandersetzung mit vielen dieser Strömungen getreten; v.a. dem Shinto.

Die chinesischen fünf Wandlungsphasen sind in Japan aber v.a. als Referenzrahmen der chinesischen Medizin weitverbreitet, welche ja bis ins 18/19. Jh. die dominierende Medizin in Japan war. So kommt es durchaus vor, dass in Texten auf beide Systeme Bezug genommen wird.

"Die sechs Elemente durchdringen sich gegenseitig ungehindert und sind ewig eins.
Sie sind nicht getrennt von den Vier Mandalas.
Durch die Praxis der Kraftübertragung der Drei Geheimnisse verkörpern sie sich unmittelbar.
Das universale Netz ist das, was wir unseren Körper nennen.
Allen Dingen wohnt von Natur aus Bodhisattva-Weisheit inne; diese transzendiert den Geist an sich, die untergeordneten Aspekte des Geistes und die Sinnesobjekte.
Jeder der Fünf Weisheitsaspekte ist mit grenzenloser Weisheit ausgestattet.
Das ist die Kraft des vollkommenen Spiegels, ist wahre erleuchtete Weisheit."
(Kûkai – Sokushin jôbutsu gi)
rgendwie auch spannend, dass es soweit ich weiß bis heute keine Niederlassung in Deutschland gibt; oder überhaupt in Europa?


es gibt einen deutschen, der wohl einige zeit in japan lebte und sich dort u.a. mit ninjutsu und shingon beschäftigte und dies nun hier auf kommerzieller basis zusammen mit einer eigenen reiki-form unterrichtet. persönlich halte ich dies aber nicht für seriös.
http://www.reiki-do-institut.com/ausbil ... reiki.html
http://www.reiki-institut-freiburg.de/s ... reiki.html

es gibt auch die shinnyoen gruppe http://www.shinnyoen.de/, http://www.saisho-goma-berlin.com/de, deren gründer u.a. auch dem shingon zuzuordnen ist. die gruppe ist aber auch umstritten https://de.wikipedia.org/wiki/Shinnyo-En, http://www.ezw-berlin.de/html/15_1493.php

der nächst gelegene shingon tempel bzw. gruppe befindet sich in
frankreich http://www.komyo-in.net/
kroatien http://mandala.hr/
grossbritanien http://www.lightshiptherapies.net/BC/index.html, https://www.facebook.com/GloucesterBudd ... re?fref=ts, http://www.dharmawheel.net/viewtopic.php?t=4203
der deutsche theravada-mönch Bhikkhu Philipp Thitadhammo aus freising http://www.bodhi-vihara.org/ war früher wohl auch shingon mönch, wandte sich dann aber dem theravada zu.
Seite 40 http://www.bghh.de/BM_01_2013_Inhalt.pdf
Das Folgejahr verbrachte er an der Taisho Universität in Tokyo, wo er Vorlesungen zur Buddhismuskunde mit dem Schwerpunkt auf Mahāyāna und Vajrayāna besuchte. Im Anschluss erhielt er die japanischen Mönchsweihen, den Ordinationsnamen Seiho und absolvierte eine einjährige Vajrayāna Ausbildung im Shingon Buddhismus auf dem Koya Berg sowie in Tokushima auf der Insel Shikoku. Diese schloss er mit der Weihe zum Ācārya ab.
Da sein Interesse sich immer mehr dem Ursprungsland der japanisch buddhistischen Tradition zugewendet hatte, wechselt e er nach seiner Rückkehr nach Deutschland das Hauptfach auf Sinologie. Es folgten zwei Aufenthalte in Taiwan, wo er in Klostergemeinschaften mitlebte und die Erlaubnis erhielt, nach dem Studium dort in die Hauslosigkeit zu gehen. Mit einer Magisterarbeit über das Thema „Chan Meister im gegenwärtigen Taiwan: ein Vergleich der Meister Baiyun (Qianfoshan) und Shengyan (Fagushan) bezüglich ihres Chan Verständnisses“ beendete er seine akademischen Lehrjahre.
Namaste!

Hatte diesen interessanten Tread letztes Jahr übersehen, weil ich unterwegs war (auch in so manchem Kloster/Tempel der Shingon Shû :) ).

Deshalb erst jetzt ein kurzer "Einwurf":

Neben den bereits erwähnten Unterschieden zum tibetischen Vajrayana sind weitere Unterschiede, dass das Zölibat in der heutigen Shingon Shû als "Pflichtprogramm" kaum mehr eine Rolle spielt, ebensowenig wie das Vinaya. Die verschiedenen Schulen der Shingon Shû haben eigene "Zehn Regeln" (Jukai), die auf den Gründer (bzw. Übermittler) der Lehre, Kôbô Daishi Kûkai, zurückgehen.

Besonders für den Shingon-Laien ist dann auch die Verehrung und Hinwendung an den Daishi von essentieller Bedeutung. Er wird hier ähnlich angerufen wie Amida Buddha im japanischen Jôdomon (Amitabha-Buddhismus/"Tor des Reinen Landes"). Kûkai soll in seinem Mausoleum auf dem Kôya-san noch immer in "Ewiger Meditation" zum Wohl der Wesen wirken und er gilt für manchen als Nirmanakaya zwischen Shakyamuni und Maitreya (vergleichbar wohl mit Padmasambhava).

Ein sehr interessanter Aspekt ist auch die mittlerweile in Japan verbotene Selbstmumifizierung, das Sokushinbutsu ("Buddha werden im gegenwärtigen Leib"). Diese Praxis war zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert vor allem in Nordjapan um die Provinz Yamagata verbreitet, auch wenn sie im Geheimen ausgeübt wurde. Dort kann man noch immer einige der sogenannten "Körperikonen" bestaunen.

Neben dem "separierten" Shingon-Buddhismus gibt es in vielen Schulen auch Orden von Yamabushi (Bergasketen), welche eine synkretistische Form aus Shingon-Buddhismus und Shintoismus mit taoistischen Einschlägen und fordernden Übungen (Wasserfallbad, Laufaskese, Hängen von der Klippe,etc.) praktizieren.

Und natürlich sind im Shingon-Buddhismus auch Pilgerschaften beliebt - besonders die 88 Tempel der Insel Shikoku.

< gasshô >

Benkei

Namu-Daishi-Henjo-Kongô

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