Zitate aus dem Theravada

Moderator: Jojo

Hallo,
neben den Zitaten Buddhas gibt es auch viele Aussprüche/Zitate späterer Theravadins. Diesen soll hier Raum gegeben werden.
Ich fange mal an mit Ajahn Chah:
Mit den Sankharas ist es das gleiche. Wir sagen, sie stören uns. Wenn wir in Meditation sitzen und ein Geräusch hören, denken wir zum Beispiel: "Oh, dieses Geräusch stört mich." Wenn wir die Auffassung haben, dass es uns stört, leiden wir dementsprechend unter dem Geräusch. Bei genauerer Betrachtung dieser Angelegenheit zeigt sich aber, dass wir es sind, die zu dem Geräusch gehen und es stören! Das Geräusch ist einfach nur ein Geräusch. Wenn das so verstanden wird, gibt es dazu weiter nichts hinzuzufügen. Wir lassen es so sein, wie es ist. Das Geräusch ist ein Phänomen und wir selbst sind ein anderes. Anzunehmen, dass das Geräusch zu uns kommt, um uns zu stören, ist Verblendung oder falsches Verständnis der Wirklichkeit. Wenn wir einmal diese Realität klar erkennen, haben wir Ruhe und sind nicht mehr störbar. Das Geräusch ist einfach ein Geräusch, warum sollten wir daran festhalten und uns darüber ärgern? Wir müssen verstehen, dass eigentlich wir es sind, die uns bewegt haben und das Geräusch gestört haben. So sieht das wahre Verständnis der Wirklichkeit aus. Sehen wir beide Seiten, haben wir Frieden. Wenn wir nur die eine Seite sehen, entsteht Leiden. Beide Seiten zu sehen, bedeutet dem Weg der Mitte zu folgen. Das ist das richtige Verhalten. Wir müssen nur unser falsches Verständnis entwirren.

Die Sankharas sind unbeständig und vergänglich, aber wir möchten sie festhalten und mit uns herumtragen. Wir möchten, dass sie eine bleibende Substanz haben, dass sie wahrhaftig sind. Wir suchen Wahrheit in Dingen, die nicht wirklich sind. Immer wenn jemand die Dinge missversteht und an den Sankharas als sein Eigentum festhält, entsteht Leiden. Buddha hielt uns an, darüber nachzudenken.

Dhamma zu praktizieren, hängt nicht davon ab, Mönch oder Laie zu sein, sondern vom Verständnis der wahren Natur der Dinge. Wenn wir das richtige Verständnis haben, finden wir Frieden. Ob jemand ordiniert wurde oder nicht, macht da keinen Unterschied. Jeder Mensch hat die Möglichkeit, das Dhamma zu betrachten und zu ergründen. Wir alle betrachten und ergründen dieselbe Sache. Finden wir Frieden, ist es der gleiche Frieden. Alle, die das Dhamma praktizieren, wenden die gleiche Methode an und gehen den gleichen Weg, den wir alle zu gehen haben.

Buddha machte keinen Unterschied zwischen Mönchen und Laien. Er lehrte das Dhamma zu praktizieren, indem wir die Wahrheit der Sankharas erkennen. Wenn wir die Wahrheit erkennen, hört das Festhalten auf, und es gibt kein "Werden" und keine "Geburt" mehr. Warum gibt es keine "Geburt" mehr? Die klare vollkommene Einsicht in die wahre Natur der Sankharas schafft Frieden, und es ist nicht mehr möglich, durch Begehren und Festhalten in die Dinge verwickelt zu werden. Zu haben oder nicht zu haben ist das gleiche. Gewinn und Verlust sind ein und dasselbe. Buddha ermahnte uns, das zu erkennen. Wirklicher Frieden ist Freiheit von Glückseligkeit und Unglücklichsein, von Zufriedenheit und Sorgen.

Wir müssen einsehen, dass es keinen Grund gibt, geboren zu werden. Wie ist das zu verstehen? Geboren in Zufriedenheit bedeutet: Wir bekommen etwas, das wir mögen und worüber wir uns freuen. Wenn wir nicht an diesem Gefühl der Freude festhalten und uns damit identifizieren, erfolgt keine "Geburt"; Wenn festgehalten wird, nennen wir das Geburt. Wenn wir also etwas bekommen, werden wir nicht (in die Freude darüber) geboren. Wenn wir es verlieren, werden wir auch nicht (in die Trauer darum) geboren. So sieht die Freiheit von Geburt und Tod aus. Geburt und Tod sind im Festhalten und Hängen an den Sankharas begründet.

Buddha sagte dazu: Es gibt kein Werden mehr für mich, das heilige Leben ist zu seinem Abschluss gekommen, das ist die letzte Geburt. Er hatte die Freiheit von Geburt und Tod erkannt, und genau das ist es, worauf er fortwährend hindeutete. Die richtige Praxis besteht darin, den "Weg der Mitte" einzuhalten. Anders kann das Leiden nicht überwunden werden.

Aus: Der Weg der Mitte
... eine gute Idee!
8)
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"Das ist sehr wichtig: Versuche in deiner Praxis nicht, irgendwo hinzukommen. Gerade das Verlangen, frei oder erleuchtet zu werden, verhindert deine Freiheit. Du kannst dich so viel bemühen, wie du willst, und Tag und Nacht leidenschaftlich üben – doch solange es im Geist noch Verlangen ist, etwas erreichen zu wollen, wirst du keinen Frieden finden. Die Energie des Verlangens wird die Ursache des Zweifels und der Unruhe sein. Es ist dann wohl gleichgültig, wie lange und intensiv du auch deine Übung praktizierst – denn die Weisheit wird niemals aus einem Verlangen entstehen. Laß also einfach los! Beobachte achtsam deinen Geist und Körper; aber versuche nicht, etwas erreichen zu wollen – nicht einmal die Erleuchtung!"

Ajahn Chah - ein Lehrgespräch

* * *

"Ihr müßt euch selbst erforschen. Erkennt, wer ihr seid. Lernt euren Körper und Geist kennen, indem ihr einfach beobachtet. Kennt euere Grenzen beim Sitzen, Schlafen und Essen. Wendet Weisheit an. Die Übung besteht darin, nicht zu versuchen, irgend etwas erreichen zu wollen. Seid euch nur dessen bewußt, was ist. Unsere ganze Meditation ist nur ein unmittelbares Anschauen des Geistes. Ihr werdet das Leiden erkennen, seine Ursache und das Ende. Aber ihr müßt Geduld haben – viel Geduld und Ausdauer. Nach und nach werdet ihr lernen. Buddha lehrte seine Schüler, mindestens fünf Jahre bei einem Lehrer zu bleiben. Ihr müßt den Wert des Gebens, der Geduld und Hingabe lernen.

Übe nicht zu streng. Verliert euch nicht in Äußerlichkeiten. Andere zu beobachten ist schlechte Übung. Seid ganz einfach natürlich und seht euch dabei zu. Unsere Mönchdisziplin und die klösterlichen Regeln sind sehr wichtig. Sie schaffen eine einfache und harmonische Umgebung. Nutzt sie gut. Aber denkt daran, der Kern der Mönchdisziplin ist die Betrachtung der eigenen Absicht, das Untersuchen des eigenen Geistes. Seid weise. Unterscheidet nicht. Regt ihr euch etwa über einen kleinen Baum im Wald auf, weil er nicht so groß und gerade gewachsen ist wie einige der anderen Bäume? Das wäre ja albern. Beurteilt deshalb andere Menschen nicht. Es herrscht eben eine große Vielfalt. Kein Grund, sich die Last aufzubinden, alle ändern zu wollen.

Also, seid geduldig. Übt euch in Sittlichkeit. Lebt einfach und natürlich. Beobachtet euren Geist. Das ist unsere Übungsweise. Sie wird euch zu Selbstlosigkeit führen, zu Frieden."


Ajahn Chah
Tatsache ist: ohne Nibbana kann der Buddhismus an sich nicht bestehen. Wenn wir uns nicht für Nibbana interessieren, dann interessieren wir uns auch nicht für Buddhismus. Das wiederum heißt, wenn uns im Buddhismus nichts interessiert, dann erhalten wir auch keine wohltuenden Resultate vom Buddhismus. Ich glaube, dass die Zeit für uns gekommen ist, Nibbana Beachtung zu schenken, und das Beste daraus zu machen. Dann könnt Ihr die Übung an die Bedeutung von Nibbana als der höchsten, veredelndsten Tugend oder als das höchste Ziel lebender Wesen anpassen und wir können uns in unserem täglichen Leben die ganze Zeit mit Nibbana befassen.

Nibbana hat mit dem Tod überhaupt nichts zu tun. Das Wort Nibbana heißt kühl. Auch wenn es von den Laien zu Hause benutzt wird, bedeutete es kühl. Nachdem es ein Ausdruck in der Dhamma-Sprache der buddhistischen Religion wurde, blieb die Bedeutung gleich, bezog sich jetzt aber auf die Kühle, die man durch das Erlöschen der Herzenstrübungen erfährt. In der Sprache der Laien jedoch behält es die Bedeutung der Kühle als Resultat des Erlöschens eines gewöhnlichen Feuers bei.

Im Palikanon wurde Nibbana niemals mit der Bedeutung von Tod angewandt. Wenn über Tod gesprochen wird, findet man entweder das Wort "Marana" oder "Parinibbana."


Aus: Nibbana für Jedermann von Buddhadasa Bhikkhu
" DIE WILLENSWENDUNG

Das Bewußtsein des Menschen kann die Tendenz zu einer immer umfassenderen Differenzierung haben, was gleichbedeutend ist mit einer Steigerung sowohl der Erlebnis-Intensität, wie des Horizontes, oder besser gesagt: der Einsicht in die Wirklichkeit.

Wohlgemerkt, es kann sie haben, aber es muß sie nicht haben, ansonst diese Tendenz bei jedem Menschen zu finden wäre, was ja nicht der Fall ist. Sie kann schwach sein, temporär, wenig ausgeprägt, oder sie kann sehr stark sein, so stark, daß sie im einzelnen Falle alles durchdringt, alles Tun, Reden und Denken.

In einem solchen Falle kann diese Differenzierung einmal ein Stadium von geradezu revolutionärer Wirkung in Hinsicht auf die bisher gepflogenen Denk- und Lebensgewohnheiten erreichen. Wenn die Einsicht in die Wirklichkeit zu einer anschaulichen im Sinne SCHOPENHAUER’s wird, d. h. zu einer absoluten, zu einer völlig durchdringenden, so muß und wird als unmittelbare Folge daraus eine Willenswendung resultieren, die dem bisherigen Wollen und Denken des betreffenden Menschen geradezu entgegengesetzt ist. Bisher war es ein Begehren nach immer neuen Erkenntnissen, nach immer neuen Erlebnissen und immer wieder neuen Empfindungen, Wahrnehmungen und Gestaltungen, mit den sich daraus gezwungenermaßen ergebenden Anhaftungen, und nun auf einmal steht der Begriff der Loslösung von all dem in dem Vordergrund, das Nicht-mehr-begehren, das Nicht-mehr-anhaften.

Diese Transformation des bisherigen Willens zum Leben in einen solchen zur Abwendung vom Leben, diese Richtungsänderung und völlige Umkehrung der Tendenzen im Tun, Reden und Denken, ist das Resultat der völligen Einsicht in die Leidhaftigkeit des Daseins. Nur für den, der diese Einsicht gewonnen hat, hat der Begriff Erlösung im religiösen Sinne überhaupt Inhalt und Bedeutung, denn eine Erlösung vom Glück, von der Leidfreiheit, vom gewollten Dasein und Werden, kann von niemandem gewünscht und ersehnt werden. Wir suchen ja das Glück, die Leidensaufhebung, wir suchen sie immer und zu jeder Zeit, und in uns lebt die Hoffnung, sie trotz allen gegenteiligen Erfahrungen irgendeinmal doch noch zu finden."


Max Ladner - "Wirklichkeit und Erlösung"
"Es ist Cetana (Denken), das ich Kamma nenne", sagt der Buddha selber.
Im Bewusstsein erlebt der Einzelne durch Inschau, Intuition an sich selber, dass die Kraft, auf Grund deren er da ist, kein "An sich Beständiges", keine "Seele" ist, sondern ein in jedem Moment aus seinen Vorbedingungen, entsprechend seinen Vorbedingungen, neu Aufspringendes. Er erlebt an sich selber, an seinen Gefühlen, am Gewissen, dass diese Kraft in jedem Daseinsmoment einen neuen biologischen Wert darstellt; dass dieser Wert wechselt mit dem was er tut, was er redet, was er denkt. Er erlebt es an sich selber, dass er, eben weil Denken Energie selber ist, imstande ist, sich selber von innen heraus in jedem Moment eine Richtungsänderung zu erteilen. Es ist das große Erlebnis des denkenden Menschen, wenn er merkt: "Wo ich das Schlechte tun wollte, da kann ich das Gute wählen; und ich kann das, weil Denken Kraft selber ist."
Aus der Einsicht: "Ich bin ganz und gar Form einer rein individuellen Energie, meines "Kamma", ergibt sich als gedankliche Notwendigkeit die für den Westländer so unerhörte Folgerung der "Wiedergeburt nach den Taten."
Energie kann nie entstanden sein, wo sie da ist, da muss sie von Anfangslosigkeit her da sein. Damit, dass sie da ist, ist notwendig gegeben, dass sie nie nicht da gewesen ist.
Mein Kamma, die Kraft, auf Grund deren ich jetzt "Ich" sage, ist von jeher tätig gewesen, nicht als freie Kraft - das wäre Glaubenssache - sondern stets in Abhängigkeit von seinem Material, wie jede physische Energie nur da ist in Abhängigkeit von dem Material, in welchem sie sich darstellt. Die Wirklichkeit zeigt nie und nimmer Kraft für sich oder Stoff für sich, sondern nur die Einheit beider: Prozesse. Der reinste Typus, des wirklichen Prozesses ist der Verbrennungsprozess. Die Tatsache: "Ich bin da" heißt: Es brennt von Anfangslosigkeit her. Zerfällt eine Daseinsform im Sterben, so fasst das Kamma der selben an der Stätte, in dem Mutterleib unmittelbar neu Fuß, auf dessen Zeugungsmaterial es spezifisch, einzigartig abgestimmt ist und entzündet hier einen neuen Ich-Prozess, welcher sich entsprechend dem Zeugungsmaterial gestalten wird, das ihm sozusagen als Brennstoff dient. Die mütterliche Ei- und die väterliche Samenzelle bilden nur die Möglichkeit für das neue Lebewesen, welche sich erst im Hinzutritt, im Einschlag der Energie verwirklicht, zur Wirklichkeit aufblüht.
Je nach dem biologischen Wert, den mein Kamma im Sterbemoment darstellt, wird die neue Stätte beschaffen sein, auf die es biologisch abgestimmt ist. Anders ausgedrückt: je nachdem mein Charakter beschaffen ist, wird meine nächste Existenz beschaffen sein. Denn mein Charakter ist mein Kamma. Und Kamma, die Ich-Energie, fasst im Sterbemoment da, auf dem Zeugungsmaterial, wo es fassen kann, weil es, infolge spezifischer, einzigartiger Abgestimmtheit etc. und gerade da, fassen muss, Wiedergeburt nach den Taten!
............................."
(„Die Bedeutung des Buddhismus für unsere Zeit“ von Dr. Paul Dahlke
http://www.satinanda.de/thema-04/bedeutung-zeit.htm )
Dukkha entsteht also abhängig davon, dass man abhängiges Entstehen nicht sieht. Dies ist Unwissenheit. „Nicht-Wissen von Dukkha, Nicht-Wissen vom Entstehen von Dukkha, Nicht-Wissen vom Aufhören von Dukkha, Nicht-Wissen vom Pfad, der zum Aufhören von Dukkha führt – dies wird Unwissenheit genannt." – M9: I,54 usw." „Mittels Unwissenheit ist Bedingungen; mittels Bedingungen ..." kann man also verstehen als „mittels Unwissenheit ist abhängiges Entstehen". Und das Gegenstück dazu ist natürlich „mit dem Aufhören von Unwissenheit ist das Aufhören von Bedingungen; mit dem Aufhören von Bedingungen ....., das man auch verstehen kann als „mit dem Aufhören von Unwissenheit ist das Aufhören von abhängigem Entstehen". Dies zeigt dem Weltling, wie er sein Dilemma lösen kann.

Sein Dilemma ist, dass er abhängiges Entstehen nicht wahrnehmen kann, er kann Vergänglichkeit nicht wahrnehmen, er kann Dukkha nicht wahrnehmen, er kann Nicht-Selbst nicht wahrnehmen. Und zwar kann er sie nicht im wesentlichen Sinne wahrnehmen, weil er nicht sieht, wie er aufhören kann, „dies, mein Selbst" wahrzunehmen. Wenn er das als Buddhist ernsthaft versucht, stellt er fest, dass er erfolglos ist, wenn er dabei „Hals über Kopf" vorgeht („Dies ist Nicht-Selbst; jenes ist Nicht-Selbst; und das und das und das ..."). Das einzige, was ihm dabei bestenfalls gelingt, ist, die Identifikation von „dies, mein Selbst" zu „etwas anderes, mein Selbst" zu verlagern (und wahrscheinlich bei seinen Bemühungen eine immer tiefere Frustration und Vergeblichkeit zu entdecken).

Dies ist das identische Dilemma, das sich ihm stellt, wenn er versucht, „alles loszulassen": Egal, wie ernsthaft seine Entschlossenheit, egal wie intensiv sein Bemühen, er stellt fest, dass Entschlossenheit und Bemühen nicht ausreichen. Sie werden sofort, immer und überall von Anhaftung unterhöhlt. Ein Dilemma dieser Art zu lösen, erfordert offensichtlich mehr als den schlichten Wunsch, dies zu tun. Denn solch schlichtes und geradliniges Bemühen, ob nun Vergänglichkeit wahrzunehmen oder alles Anhaften loszulassen, wird ihn einfach nur zu der Wahrnehmung zurückbringen, dass er es nicht kann.

Aber wir wissen, dass das so nicht ganz stimmt. Denn obwohl es manchmal sehr schwierig ist, ist es uns allen schon einmal gelungen, „kleine" Täuschungen zu beenden (wie etwa „Zigarettenrauchen ist gut für dich" oder „um Juckreiz zu heilen, muss man kratzen"). Und wir wissen auch, dass sich die Buddhalehre als Mittel anbietet, um auch sogar die „größte" oder grundlegendste Täuschung zu beenden, nämlich die des Ich-Dünkels.

Aber wie macht man das dann? Wenn das Vorgehen „Hals über Kopf" ständig versagt, ist wohl eine indirekte Herangehensweise angezeigt. Die Entfaltung jeglicher bestimmten Wahrnehmung von abhängigem Entstehen oder von Vergänglichkeit oder von Dukkha oder von Nicht-Selbst – was dem Weltling innerhalb der oben beschriebenen Grenzen durchaus möglich ist – kann zu einer universalen Wahrnehmung führen.


Aus: VERÄNDERUNG -Erlebte Vergänglichkeit im Lichte der Buddhalehre
von Samanera Bodhesako

Englisches Original online: Change
Die Kārikās
von Dr. H.W. Schumann

Siddhatthas Bodhi war Erweckung
zur Buddhaschaft - und Lehr-Entdeckung.

Was in der Bodhi ihm ward klar,
der Buddha legt's im Dhamma dar.

Der Saṅgha hat es kompiliert,
des Buddha Wort, und uns tradiert.

Das Rad der Lehre rollt seit wahren
zweitausend und fünfhundert Jahren.

*
Erlösung ist des Buddha Thema,
er lehrt sie uns im Viererschema.

Die erste Wahrheit sagt: Das Leiden
kann kein Geborener vermeiden.

Alter, Tod und Wiederwerden
sind jeden Wesens Los auf Erden.

Von all den Toden, die wir litten,
lässt sich ein Knochenberg aufschütten.

Wo die fünf Khandhas sich verbinden,
da glaubt der Mensch ein Ich zu finden.

Das Wörtchen "ich" ist sprachlich praktisch,
jedoch gibt es ein Ich nicht faktisch.

Gäb's eine Seele, die unendlich,
wär ew'ges Leben unabwendlich.

Auch nicht die Wiederdaseinslehre
erzwingt, dass da ein Attan wäre.

Das Wiederwerden setzt durchaus
den Seelenglauben nicht voraus.

hinduistischer Einwand

Der Ātman, der niemals vergeht,
er garantiert Identität.

Wenn's keinen Ātman gäb, wär dann
die Neugeburt der selbe Mann?

Wär die Geborene genau
identisch mit der selben Frau?

Erntet die Karmafrüchte später
ein andrer als der einst'ge Täter?

buddhistische Antwort

Nichts im Saṃsāra ist konstant,
ein ew'ger Attan unbekannt.

Kein Seelenfaden zieht sich über
den Tod zur Neugeburt hinüber.

Die Neugeburt: kein Seelenwand'rer,
jedoch auch nicht ein völlig and'rer.

Mensch, Tiere und die Welt geschehen
im Werden, Tod und Neuentstehen.

Dasein ist Fließen immerfort
zu neuer Form, zu neuem Ort.

Das Leben lebt aus der Dynamik
und folgt Gesetzen der Mechanik.

"Wenn dieses ist, tritt jenes auf"-
das Dasein folgt kausalem Lauf.

Sind die Bedingungen gegeben,
zwanghaft erwächst dann neues Leben.

Bedingt ist im Saṃsāra alles,
und drum auch Objekt des Zerfalles.

Im Kreislauf der Geburt sind Tode
eine zuwidre Episode.

Und von den Freuden zeigt der Lehrer:
Sie wiegen leicht, das Leiden schwerer.

Tilakkhaṇa sind die drei Viren,
die den Saṃsāra definieren.

Nur Leute, deren Einsicht klein,
erhoffen sich ein Wiedersein.

Des Buddhas zweite Wahrheit sagt,
warum ans Leid wir festgehakt.

Drei Kräfte sind's, die uns verführen,
hier im Saṃsāra zu rotieren.

Gier, Hass und Wahn sind die Gewalten
die uns ans Leid gefesselt halten.

Des Kamma Qualität bestimmt
den Kurs den uns're Zukunft nimmt.

Die Kammareifung ist das Band,
macht Täter mit der Frucht verwandt.

Jedoch wächst Kammafrucht mitnichten
aus Taten, sondern Tatabsichten.

Die Tatmotive sind Bestimmer
der Zukunft: Besser oder schlimmer.

Was wir mit guter Absicht wirken,
führt uns zu höheren Bezirken.

Dagegen zieh'n Gier, Hass und Wahn
nach unten auf der Daseinsbahn.

Fünf Gatis bieten sich uns dar,
Geburt als Mensch ist gut - doch rar.

*
Des Buddha Wahrheit Nummer drei
ist Folgerung aus Nummer zwei:

Gier, Hass und Wahn sind zu beenden,
um Wiederdasein abzuwenden.

Wer sich erlösen will braucht Kraft
und Disziplin, damit er's schafft.

Zudem ist auch Geduld vonnöten,
will man die Āsavas ertöten.

Als sicher gilt, dass irgendwann
jedweder Mensch es schaffen kann.

*
Des Buddha vierte Wahrheit dann
gibt uns den Weg zur Freiheit an.

Es ist und bleibt ganz obligat
der edle achtgliedrige Pfad.

Erlösung schafft man nur alleine,
Abkürzungswege gibt es keine.

Dreifach nimmt Zuflucht der Petent,
wenn er zum Dhamma sich bekennt.

Saddhā, so nennt man das Vertrauen,
dass man auf Buddhas Wort kann bauen.

Das Citta gilt's zu kontrollieren,
dass Reize uns nicht irritieren.

Upekkhā ist ein Gegengift,
wenn uns ein schweres Unglück trifft.

Die Lebensführung gilt als gut,
die andren keinen Schaden tut.

Friedfertigkeit beendet Streit
und führt zur Minderung von Leid.

Mit Mettā alle Welt umfassen,
doch sich von ihr nicht binden lassen.

Üb' Achtsamkeit in allen Lagen,
sowohl beim Tun wie beim Ertragen.

Samādhi man soweit nur treibt,
als Achtsamkeit erhalten bleibt.

Ein Arahat ist man geworden,
wenn Gier und Hass und Wahn erstorben.

Ein Heil'ger wird man durch Erklärer,
ein Buddha ist sich selber Lehrer.

Parinibbān' wird festgestellt,
wenn des Erlösten Leib zerfällt.

"....................Kārikās, Merksprüche, haben ihre Eigenart. Sie geben einer Aussage durch Pointierung Durchschlagkraft; zugleich wecken sie, durch die überraschende Zuspitzung, oft Heiterkeit und erinnern an Verse von Wilhelm Busch und Erich Kästner. Vielleicht helfen deutsche Kārikās dem einen oder anderen, den Aufbau und die Inhalte der Buddhalehre klarer zu verstehen."
von Dr. H.W. Schumann

http://www.satinanda.de/thema-01/karikas.htm
* * *
Die äußeren Möglichkeiten und auch die innere Kraft zum Wiederanfangen oder für eine Umkehr und Selbsterneuerung sind nicht unerschöpflich. Nie wissen wir, ob nicht gerade dieser Augenblick oder diese gegenwärtige Situation zum letzten Mal das Tor der Möglichkeit für uns geöffnet hält. Wir wissen nicht, ob die Kraft, die wir jetzt, wenn auch noch so schwach, in unseren Adern spüren, vielleicht die letzte ist, die uns noch über unsere Not hinwegzutragen vermag. Daher ist eben dieser Augenblick so kostbar. Lasset ihn nicht vorübergehen! mahnt der Buddha.

Nyanaponika
Der Weg ist gewiß schwer und weit. Doch kann er zu schwer, zu weit sein für ein solches Ziel: die Leidensbefreiung? Haben wir einmal in den Abgrund des Weltleidens hineingeschaut, mit den furchtbaren Möglichkeiten, die er für jeden von uns enthält, so wissen wir, daß wir im Grunde keine andere Wahl haben, als in diesem Augenblicke mit dem Beschreiten des Pfades zu beginnen. Und im Beginnen schon werden wir erfahren, wie beglückend dieser Weg ist, wie jeder erfolgreiche Schritt Freude und Kraft gibt und dadurch den nächsten erleichtert.

Es ist aber nicht nur ein Weg für Weltabgeschiedene, für Mönche. Auch der in der Welt Lebende vermag ihn in hohem Grade zu verwirklichen. Ja, dieser Weg wird ihn bei geläuterter Sittlichkeit auch zu irdischem Wohl führen. Der Einsichtige freilich wird hierdurch nicht getäuscht werden und sich im weiteren Streben nicht aufhalten lassen. In der dreifachen Schulung in Sittlichkeit, Sammlung und Weisheit gilt es zunächst die größten Schwächen des Geistes zu überwinden, die gröbsten Schlacken zu beseitigen, um dann allmählich zu immer feineren überzugehen. Der Erfolg kann, wenn man der sicheren Führung des Buddha folgt, nicht ausbleiben.


"Errungen hat es mancher hier, was ewig ist;
Erringen kann es heute noch der Mensch,
Der weise kämpft und kühn beharrt:
Nur wer den Ich-Wahn tilgte, hat gesiegt."


Aus: NYANAPONIKA -Weg zur Leid-Freiheit
"Man muß sich darum bemühen, den Daseinserscheinungen mit wacher Besonnenheit zu begegnen und muß sie als das erkennen, was sie in Wirklichkeit sind - bloße Karma- Folgen, vergängliche Gebilde, Vorgänge oder Zustände des Bewußtseins, Produkte des eigenen früheren Willens. So entlarvt, vermögen sie Gier und Haß nicht zu erwecken. Man verfolgt das Entstehen und Vergehen diese Erscheinungen, ohne sich zu unbedachter Aktivität hinreißen zu lassen, ohne anzuhaften, unverwirrt und geistesklar."

"Der einzige Weg" - Sri Gnanawimala Maha Thero
Wenn wir das Ewige (was für Kierkegaard letztendlich Gott ist – d.h. die Seele, die Teil von Gott ist), als das „Subjekt“ oder „Selbst“ verstehen und „das Werdende“ als die ganz offensichtlich vergänglichen „Objekte“ in der Welt (das ist auch die Bedeutung bei K.), wird die Position deutlich. Was wir das „Selbst“ nennen, ist ein bestimmtes Merkmal allen Erlebens, das ewig zu sein scheint. Es ist ganz offensichtlich, dass alle Menschen die Wirklichkeit und Beständigkeit ihrer Selbste, „Ich“, für absolut selbstverständlich halten; und das Missverhältnis, von dem K. spricht, ist einfach das zwischen meinem „Selbst“ (das ich automatisch für beständig halte) und den nur allzu deutlich unbeständigen „Dingen“ auf der Welt, die „ich“ zu besitzen trachte. Das ewige „Subjekt“ trachtet danach, das zeitliche „Objekt“ zu besitzen, und die Situation ist zugleich komisch und tragisch – komisch, weil etwas Zeitliches nicht ewig besessen werden kann, und tragisch, weil das Ewige sich den vergeblichen Versuch, das Zeitliche ewig zu besitzen, nicht verkneifen kann. Diese Tragi-Komödie ist Leiden (dukkha) im tiefsten Sinne. Und die Befreiung davon ist das, was der Buddha lehrt. Wie? Indem er aufzeigt, dass, im Gegensatz zu unserer natürlichen Annahme (die davon ausgeht, dass das Subjekt „Ich“ weiter existieren würde, selbst wenn es überhaupt keine Objekte gäbe), die Existenz des Subjekts von der Existenz des Objekts abhängt; und da das Objekt offenkundig unbeständig ist, kann das Subjekt nicht weniger unbeständig sein. Und wenn erst einmal gesehen wird, dass das für ewig gehaltene Subjekt nicht weniger zeitlich als das Objekt ist, verschwindet das Missverhältnis zwischen dem Ewigen und dem Zeitlichen (in vier Etappen – sotápatti, sakadágámitá, anágámitá, arahattá); und mit dem Verschwinden des Missverhältnisses verschwinden auch die beiden Kategorien des „Tragischen“ und des „Komischen“. Für den Arahat gibt es weder Lachen noch Weinen; und das ist das Ende des Leidens (außer natürlich körperlichen Schmerz, der erst aufhört, wenn der Körper schließlich zerfällt).

Nanavira Thera (Notizen zu Dhamma, Brief 14)
OM MANI PADME HUM

Erkenne Dich selbst. Diese Worte bedeuten:
In Dir selbst ist ein Juwel,
warum nach aussen suchen? Es ist doch umsonst.
Innerlich ein Lotus blüht.
Innerhalb des Lotus der schönste Juwel.
Das, was jedermann finden und erkennen sollte,
Erleuchtung und Wissen,
kommt alles von deiner Selbsterkenntnis.


Tue alle Deine Arbeit mit einem leeren Geist
und der Leeheit gib all Deinen Lohn.
Iss die Nahrung der Leerheit, so wie es die Heiligen tun.
Und du wirst tot sein für Dein ,Ich, von Anfang an.

Buddhadasa Bhikkhu
Wie Elektrizität aus positiver und negativer Ladung besteht, so ist das menschliche Leben ein System von Anziehung und Abstoßung. – Schalte den Strom ab, wenn du Ruhe wünschst. – Ja, doch wo ist der Schalter?

Man kann der Leute Wesen verläßlicher danach beurteilen, wie sie ihre nächsten Gefährten behandeln, als an den Gefühlen, die sie nach eigener Aussage für die Menschheit im allgemeinen hegen.

Sind nicht diese tropischen Buchwürmer, die sich von Buchdeckel zu Buchdeckel durch die Seiten bohren, weiser als wir? – Geht es ihnen nicht besser als uns, weil sie nur wissen, wie man Bücher frißt, während wir nur wissen, wie man sie liest? Wir lesen und streichen an – sie verdauen innerlich.

Unser physischer Körper lebt unter dem Schutz seiner Haut, und unser geistiger Körper lebt gewissermaßen unter dem Schutz seiner aus festen Begriffen bestehenden Haut. So wie unser materieller Körper mit dem Spaten Erde auflockert, Gemüse züchtet und sich grobstoffliche Speisen kocht, so lockert unser geistiger Körper Ideen auf, züchtet Meinungen und kocht sich selber geistige Speisen aus Definitionen, Absichten und Zielen, die ihn in Gang halten.

-- Es gibt da noch die Toilettenseite dieses Vergleichs.

Interpretierende Gedanken setzen sich auf eine reine sinnliche Wahrnehmung wie ein Schwarm Schmeißfliegen auf eine offene Wunde.

Die Welt als eine Ansammlung von Lügen, die alle gegeneinander kämpfen, um wahr zu werden.

Wieviel besser ist es, unbeachtet zu sein, als von den falschen Leuten bewundert oder geschmäht zu werden.

Die Welt dessen, was vorhanden ist, wird ständig von dem bedrängt, was nicht vorhanden ist – von dem, was nicht ist, aber sein könnte, oder von dem, was nicht sein könnte, aber da sein sollte.
Bleistiftnotiz: Was ist vorhanden? Keine Antwort.


Aus: Nyanamoli - Gedankenboote
Es sollte einen Zeitpunkt geben, wann man aufhört, die Worte anderer nur zu wiederholen und fragwürdige Methoden anzuwenden, ohne die Originallehren des Buddha offen und ehrlich zu untersuchen. Man sollte nicht von Hörensagen, blindem Glauben oder den Worten eines Lehrers abhängen, nur weil er Autorität hat. Im Kalama-Sutta gibt der Buddha einige sehr weise Ratschläge:

• Es ist nicht weise, etwas zu glauben, nur weil es lange und oft wiederholt worden ist.
• Es ist nicht weise, einer Tradition blind zu folgen, nur weil sie schon lange praktiziert worden ist.
• Es ist nicht weise, sich Gerüchte und Klatsch anzuhören und zu verbreiten.
• Es ist nicht weise, etwas als absolute Wahrheit anzusehen, nur weil es mit bestimmten Schriften übereinstimmt (das heißt vor allem mit Kommentaren und Kommentaren von Kommentaren).
• Es ist nicht weise, dumme Vermutungen anzustellen, ohne sie zu überprüfen.
• Es ist nicht weise, übereilt Schlußfolgerungen daraus zu ziehen, was man sieht und hört, ohne weiter nachzuforschen.
• Es ist nicht weise, nur nach Äußerlichkeiten zu urteilen oder zu fest an einer Ansicht oder Idee festzuhalten, nur weil man sich damit wohlfühlt.
• Es ist nicht weise, von etwas nur aus Respekt und Ehrerbietung für seinen Lehrer überzeugt zu sein (ohne seine Lehren ehrlich zu prüfen).

Wir müssen über Meinen, Glauben und dogmatisches Denken hinausgehen. Dann können wir mit Recht etwas abweisen, das, wenn es angenommen, angewendet und vervollkommnet wird, zu mehr Zorn, Krittelei, Eitelkeit, Stolz, Habgier und Verblendung führt. Diese verderblichen Geisteszustände werden universell verurteilt und sind für uns und andere gewiß nicht förderlich. Sie sollten nach Möglichkeit vermieden werden.


Aus: Bhante Vimalaramsi - Das Anapanasati-Sutta
"Geistesforschung ist unmittelbarste Praxis; ihr Ziel ist kein anderes, als das Wirken in den Griff zu bekommen. Versuchen wir zunächst einmal selbst, das Aktionsfeld des Wirkens, unsere Wirklichkeit also, etwas genauer zu bestimmen.

Wie erleben wir Wirken? Auf zweierlei Weise: als Erfahrung und als Verhalten. Erfahrung und Verhalten sind grundlegende Funktionen unseres Daseins. Erfahrung entsteht ohne unser Zutun, sie strömt aus der Umwelt gleichsam in uns hinein, wir erleben sie passiv.

Verhalten dagegen kehrt die Wirkensrichtung um; hier sind wir selbst Aktionsquelle und wirken auf die Umwelt ein.

Die Frage ist nur: Welcher Zusammenhang besteht zwischen unserer Erfahrung und unserem Verhalten? Erschöpft sich in diesen beiden Funktionen unsere Wirklichkeit? Kritische Beobachtung lehrt: Zwischen Erfahrung und Verhalten vermittelt ein prüfendes und wertendes Element, welches wir mit Erkennen bezeichnen wollen. Je nach Erkenntnisvermögen werden gleiche Eindrücke unterschiedlich gedeutet und geben zu abweichendem Verhalten Anlaß Erkenntnis prägt die Erfahrung und läßt eine bestimmte Situation in diesem oder jenem Licht erscheinen.

Und wie wir die Welt sehen, so reagieren wir auf sie. Dieses "Wie" ist von ausschlaggebender Bedeutung. Es entscheidet darüber, ob wir die Welt als harmonisch geordnetes Ganzes schauen und im Einklang mit ihr leben können, oder ob wir in ein wirres Chaos blicken und entsprechend schwachsinnig reagieren.

Wir können dies leicht durch Beobachtung an uns selbst feststellen, weil unser Erkenntnisvermögen Schwankungen unterworfen ist. Es gibt Momente geistiger Klarheit, in welcher wir viele Faktoren unserer Wirklichkeit zu einer geordneten Übersicht verbinden können; dann sind wir von Freude durchdrungen und unser Handeln ist von spontaner Sicherheit und Gutheil.

Dann wieder trüben Gier, Haß, Unruhe, Schlaffheit oder Zweifel unseren Blick, wir sehen die Dinge verzerrt, fühlen uns unsicher und elend und machen alles falsch. Verstehen oder Mißverstehen entscheiden mehr über unser Daseinsbefinden als die Dinge und Vorgänge, mit denen wir gerade konfrontiert sind.

Mangelndes Erkenntnisvermögen nennt der Buddha Unwissenheit (avijja). Unwissenheit stört unsere Erfahrung, und gestörte Erfahrung bewirkt gestörtes Verhalten. Gestörtes Verhalten aber macht die Situation noch komplizierter, schafft neue Verwicklungen, neue Verwirrungen, neue Unsicherheit..."


Sri Gnanawimala Maha Thero
"In der Flüchtigkeit der Atemzüge erfassen wir die Vergänglichkeit des Körpers; in der Abhängigkeit des Atems von bestimmten Körperorganen und andererseits der Abhängigkeit des lebenden Körpers von der Atmung erfassen wir die mannigfache Bedingtheit des Körpers; im schweren Atem oder der Atmungs-Störung erfassen wir die Leidhaftigkeit des Körpers; im Atem als einer Manifestation des Wind- oder Bewegungselementes erfassen wir die unpersönliche Natur des Körpers."
Nyanaponika
Der Buddha lobte nicht jene, die anderen glauben. Wer sich auf die Worte eines andern abstützt und dabei hochgemut oder depressiv wird, erfährt vom Buddha kein Lob. Wenn man versteht, was jemand sagt, sollte man loslassen, denn an den Worten eines andern sollte man nicht anhaften. Selbst wenn die Worte korrekt sind, denn sie sind nur korrekt für jene Person. Wenn wir sie nicht verinnerlichen und sie so in unseren eigenen Herzen zu etwas Korrektem machen, werden sie nie wirklich korrekt für uns und die Zweifel enden nie. „Ist das korrekt? Hat dieser Lehrer recht? Hat jener Lehrer unrecht?“ Das heißt, wir haben nicht geübt, die wahre Bedeutung zu erkennen; deshalb werden wir nicht vom Buddha gelobt.

Meine Belehrungen handeln immer von jenem Aspekt des Dhamma, der zur Innenschau auffordert, damit sich eigenes Wissen und eigenes Erkennen ergibt. Sagt jemand „richtig“ oder „falsch“, glaube ihm nicht. Das sind nur Worte, die von jemand anders gesprochen werden. Was immer Du an Belehrungen hörst, verinnerliche sie und übe dich darin, die ihnen innewohnende Wahrheit hier und jetzt zu erkennen.

Die gleiche Praxis ist nicht die gleiche für verschiedene Individuen aufgrund der unterschiedlich ausgebildeten Weisheit. Wir gehen zu Meditationsmeistern und versuchen ihren Ansatz zu verstehen. Wir betrachten ihre Methode und ihr Verhalten, doch wir sehen dabei nur das Äußere. Was wir von ihrer Praxis sehen können, ist nur der äußere Aspekt. Wenn wir die Sache so angehen, werden die Zweifel immer bestehen bleiben. „Wieso lehrt dieser Meister auf diese Weise? Weshalb verwendet jener Meister eine andere Methode? Weshalb lehrt der eine Meister viel, der andere wenig, ein anderer wiederum überhaupt nichts?“ So etwas kann dich wirklich durcheinander bringen.

Den rechten Weg zu finden hängt nicht von solchen Dingen ab. Es liegt an jedem Einzelnen dem korrekten Weg zu folgen. Andere können uns als Vorbild dienen, doch wir müssen tiefer in uns schauen, wenn wir die Zweifel ausrotten möchten. Deshalb lehrte der Buddha dem Ordensälteren, den gegenwärtigen Moment zu kontemplieren, ohne dabei seinen Geist in die Vergangenheit oder Zukunft abschweifen zu lassen.

Also bewachte er in allen Situationen seinen Geist. Welche Bedingungen sich auch immer einstellten, es spielte keine Rolle – er sah, dass sie unverlässlich und vergänglich waren. Nur das lehrte ihn der Buddha, und indem er sich darin übte, war er fähig, den Dhamma zu verwirklichen – zu erkennen, dass die Wahrheit in ihm selbst ist.


Aus: Ajahn Chah - Ein verwirrter Mönch begegnet dem Buddha
Der Geist öffnet sich, wenn er die zwölf Glieder des Bedingten Entstehens direkt erkennt, und wird leidenschaftslos und frei. Das ist heute genauso richtig wie vor 2500 Jahren. Jede Lehre, die die Erkenntnis des Bedingten Entstehens nicht als abschließendes Ziel hervorhebt, lehrt nicht den richtigen Weg. Man hört heute oft, dass das Verständnis von Unbeständigkeit, Leiden und Nicht-Ich Nibbana sei. Man muss jedoch beachten, dass das Verständnis dieser Daseinsmerkmale es einem nicht direkt erlaubt, das überweltliche Nibbana zu erkennen, obwohl sie den Weg zu Nibbana vorbereiten und es sehr wichtig ist, sie zu verstehen.
Der Meditierende kann ein oder alle drei Daseinsmerkmale, also Unbeständigkeit, Leid und Nicht-Ich, verstehen, ohne direkt Bedingtes Entstehen zu erkennen. Wenn er aber Bedingtes Entstehen direkt erkennt, wird er immer alle drei Daseinsmerkmale verstehen. Gemäß dem ersten Sutta des Mahavagga im Vinaya funktioniert es nur so.


Das Anapanasati-Sutta - Ein praktischer Wegweiser zur Achtsamkeit auf die Atmung und Ruhiger Weisheits-Meditation
Eine Person mit Weisheit sollte nicht wünschen, daß Vergangenes wiederkehrt, sie sollte sich nicht um Dinge sorgen, die noch nicht gegenwärtig sind. Eine Person mit Weisheit sieht in die Erscheinungen, die gegenwärtig sind, hinein. Sie sollte unablässig in dieser Sichtweise voranschreiten, sie sollte keine Zeit verlieren. Eine Person, die das Dhamma als ihr Werkzeug hat, besitzt die nötige Umsicht, um sich gänzlich von den Befleckungen loszulösen. Sie wird nicht untätig sein, sondern sich mit Eifer und Sorgfalt bemühen, Tag und Nacht.

Ajahn Man Bhuridatto - Ratschläge für den Fortschritt im Dhamma
Geben (dana) ist einer der wesentlichen grundlegenden Schritte der buddhistischen Praxis. Für sich praktiziert ist er die Basis von Verdienst oder heilsamer Handlung (kamma). In Verbindung mit ethischem Verhalten, Konzentration und Einsicht, führt er letztendlich zur Befreiung von samsara, der Kreislauf des sich immer erneuernden Daseins. Sogar jene, die auf dem Pfad zur Freiheit bereits wohl verankert sind, praktizieren das Geben weiterhin, weil es zu guter Gesundheit, Schönheit und Glück in ihren noch verbleibenden Leben beiträgt. Bodhisattas (Wesen, auf dem Weg zur Buddhaschaft) vervollständigen dana parami oder die Vervollkommnung des Gebens bis zum höchsten Grad, indem sie frohen Herzens ihre Glieder und sogar ihr Leben geben, um anderen Wesen zu helfen.

Susan Elbaum Jootla
Es gibt da eine Geschichte in den Schriften, wo die Menschen den Buddha über nibbana befragen. Als er sich weigerte, sich darüber auszulassen, begannen sie zu vermuten, daß er es selbst wohl nicht kannte. Wie aber konnte der Buddha es nicht wissen? Der springende Punkt dabei ist, daß so eine Sache von jedem Individuum selbst realisiert werden muß.

Wenn ihr mich auf diese Weise sprechen hört und mir einfach nur glaubt, dann ist das nicht so gut. Es ist noch nicht wirklich echt und authentisch. Diejenigen, die einfach anderen Leuten glauben, wurden vom Buddha als töricht bezeichnet. Er sagte nämlich, man solle den Dingen zunächst zuhören und sie dann kontemplieren, sodaß man dann die darin enthaltene Wahrheit erfahren könne. Man solle in der Lage sein, zuzuhören, ohne daß man sich dem Gesagten verweigert. Seid also empfänglich für die Worte, nicht nur um ihnen lediglich zu glauben, sondern auch um deren Bedeutung zu ergründen. Es handelt sich dabei weder um ein Glauben noch um dessen Gegenteil. Legt diese beiden Gegensätze für eine Weile beiseite und kontempliert stattdessen nach besten Kräften.

Es gibt also diese zwei Extreme. Wir tendieren jeweils nach der einen oder der anderen Seite, aber wir bleiben nicht gern in der Mitte. Die Mitte ist der einsame Weg. Gibt es Anziehung, dann gehen wir in in deren Richtung. Wenn Ablehnung vorhanden ist, so gehen wir jenen Weg. Sie beide abzulegen, fühlt sich einsam an. Wir weigern uns, dorthin zu gehen. Der Buddha lehrte, daß keines der beiden Extreme der Weg eines ruhevollen und gelassenen Menschen ist. Wir müssen unbedingt frei von Genußsucht und Schmerz sein, denn keines von beiden bedeutet den Weg des Friedens. Sind wir einmal von diesen Dingen befreit, dann können wir wirklich friedvoll sein. Indem man nämlich denkt: "Ich bin so glücklich" - das ist es noch nicht. Das ist nur das Glück, das in der Zukunft zu Leiden wird. Dies sind die Dinge, denen wir uns äußerst gewahr sein müssen, und während wir den Pfad entlanggehen, sehen wir die beiden Extreme und gehen weiter. Wir bleiben in der Mitte, ohne diese zu begehren, denn wir wollen Frieden, nicht nur Vergnügen oder Schmerz. Das ist der korrekte Pfad.

Die Dhamma-Praxis führt uns an den Punkt des Loslassens. Aber um loszulassen, müssen wir eine Erkenntnis der Phänomene besitzen, die der Wahrheit entspricht. Sobald echtes Wissen entsteht, wird auch Ausdauer in der Dhamma-Praxis vorhanden sein. Es gibt dann ein enthusiastisches, beständiges Bemühen, und das bezeichnet man als Praxis.


Aus: Jenseits von Ursache und Wirkung - Ajahn Chah
"Was auch immer der von falschen Ansichten erfüllte Mensch, seinen Ansichten folgend, in Werken, Worten und Taten verübt oder beginnt, und was auch immer er an Willen, an Sehnsucht, an Verlangen und Strebungen besitzt, so führt dies alles zu Unerwünschtem, Unliebsamem, Unerfreulichem, zu Unheil und zu Leiden."
(A I 28 /A i 32)

"Ansichten kommen in vielerlei Formen: Meinungen, Ideen, Vorstellungen, Überzeugungen, Theorien, Ideologien, Glaubensinhalte. Einige solcher Ansichten mögen Produkte bewußter und reiflicher Überlegung sein, andere beziehen ihre Kraft aus unbewußten und unreflektierten Anteilen unserer Psyche. Woher sie auch kommen mögen: es handelt sich bei ihren Inhalten immer um etwas, von dessen Richtigkeit wir - dumpf oder klar - überzeugt sind und dessen Kenntnis und Bekräftigung uns Identifikation bietet. Den weitaus größten Teil unserer Ansichten eignen wir uns unbewußt und durch simple Übernahme an. Ihr größter Verbündeter ist nicht der Eigensinn, sondern die bejahte Unwissenheit, nicht Querulantentum, sondern der Unwille zur Selbstprüfung, nicht Verschwörungstheorien, sondern die Weigerung, überlieferte Glaubensinhalte ergründend in Frage zu stellen.

Und so bleibt mir, um von vermeintlich 'richtiger Ansicht' zur Tugend Rechter Anschauung zu kommen, nur der umsichtige und prüfende Gang durch das Gelände meiner Ansichten und meines Vorverständnisses, der sich orientierende Blick und meine Fähigkeit, abwechselnd den Weg und das Ziel ins Auge zu fassen. Wenn all dies mehr als bloße Selbstreflexion sein will, muß es sich auf Sammlung und meditative Innenschau stützen. Doch auch eine solche meditative Herzensergründung bedarf der nachträglichen Reflexion, um die aus der Tiefe geschöpften Erkenntnisse in die Ebene der Anschauung zurückzuführen. - Wie anderswo auch, empfiehlt es sich, daß selbst vertrauenerweckende Tritte erst vorsichtig belastet werden sollten. Halten sie dabei nicht stand, gehen wir zurück auf die letzte sichere Stelle und scheuen uns nicht zu üben, was uns die Schriften mit "Berichtigung der eigenen Anschauung" (ditthujukamma) ans Herz legen. Trägt jedoch der Grund unter unseren Füßen nach eingehender Prüfung, gilt es keinen Augenblick länger zu zögern, sondern beherzt voranzusteigen."


Ajahn Akincano / Frühjahr 2004
Frage: Habe ich dich sagen hören, daß du Angst vor sehr fleißigen Schülern hast?

Antwort: Ja, das ist richtig. Ich habe Angst vor ihnen. Ich habe Angst, daß sie zu ernsthaft sind. Sie strengen sich zu sehr an, aber ohne Weisheit. Sie treiben sich selbst in unnötiges Leiden hinein. Einige von euch sind fest entschlossen, erleuchtet zu werden. Ihr beißt die Zähne zusammen und kämpft ohne Unterlaß. Das ist eine übermäßige Anstrengung. Die Menschen sind alle gleich, sie kennen nicht die Natur der Dinge. Alle Gestaltungen, Geist und Körper, sind unbeständig. Beobachtet einfach und klammert euch an nichts fest.

Manche halten sich für sehr weise. Sie kritisieren, beobachten, verurteilen. Das ist in Ordnung. Laßt ihnen ihre Meinungen. Doch solche Werturteile sind gefährlich. Es geht uns wie auf einer Straße mit einer sehr scharfen Kurve. Wenn wir denken, die anderen sind schlechter, besser oder uns ebenbürtig, fliegen wir aus der Kurve. Wenn wir unterscheiden, werden wir nur leiden.

Ein Gespräch mit Ajahn Chah
Pack das Problem an der richtigen Stelle an

Jegliches Dhamma, egal wie gut du es studiert und verstanden hast, ist nutzlos, wenn es nicht das richtige ist, um den Befleckungen oder dem Begehren bei deren Entstehen entgegenzuwirken. Wenn man das falsche Dhamma für eine bestimmte Art von Befleckung oder Begehren anwendet, ist es so, als ob man die falsche Arznei bei einer Krankheit anwendet. Du wirst dann vielleicht fragen, ob es richtig ist, über das Dhamma zu theoretisieren. Die Antwort ist "Ja", aber wenn der Zeitpunkt kommt, dieses in die Praxis umzusetzen, brauchst du das richtige Dhamma, nicht irgendein Dhamma, um deine Probleme zu lösen. Wenn die Befleckungen und Begehren einen bestimmten Trick anwenden, um deinen Geist zu verderben, du aber das falsche Dhamma anwendest, um jenem Trick entgegenzuwirken, gibt es keine Möglichkeit, wie es dein Problem lösen könnte. Schließlich beschwerst du dich vielleicht, dass die Dhamma-Praxis nutzlos sei. Das ähnelt einer Person ohne Erfahrung, die ein verschwommenes Röntgenbild anschaut. Sie kann nicht erkennen, wo sich die erkrankte Stelle befindet, und kann also die Krankheitsursache nicht beheben, weder durch Operation noch durch Medikation. Das einzige, was sie tun kann, ist, den Patienten mit allgemeinen Stärkungsmitteln zu behandeln, während die Krankheit andauert.

Jene, die Dhamma ohne Weisheit praktizieren, können nicht klar erkennen, auf welche Weise Befleckung und Begehren den Geist angreifen. Die meisten Meditierenden sind eher Experten in der Theorie als in der Praxis. Wenn sie in ihrer Praxis tatsächlichen Begehren und Befleckungen begegnen, können sie diesen kein bisschen entgegenwirken, weil ihre Weisheit nicht scharf genug ist, um ihre Probleme zu lösen. Sie sind unentschlossen darüber, wie sie ihre Probleme angreifen sollen, und so praktizieren sie schließlich wechselhaft, wie unbeholfene Tölpel, den Befleckungen und Begehren zum Spott.

Wenn man Dhamma praktiziert, muß man ständige Achtsamkeit und Weisheit anwenden, und der Befleckung und dem Begehren immer einen Schritt voraus sein. Egal wie subtil Befleckung und Begehren sind, Weisheit kann ihnen den Weg versperren. Daher ist Weisheit das hauptsächliche Werkzeug des Dhamma-Schülers. Achtsamkeit (sati) und klares Verstehen (sampajañña) und Weisheit (pañña) sind Grundsätze, die jeder in der Theorie studieren kann, aber ob sie in der Praxis wirklich im Geiste vorkommen, ist etwas, das jeder von uns in seinem oder ihrem Geist beobachten sollte. Wie es auf Páli heißt:

Natthi pañña samá ábhá.

"Es gibt kein Licht so hell wie die Weisheit."

Wir kennen die wesentlichen Grundsätze der Praxis, und wir alle haben ein wenig gewöhnliche Weisheit, mit der wir anfangen können. Wir müssen diese Weisheit anwenden, um diese Art der "hellen" Weisheit, die nur bei wenigen Leuten vorkommt, aufzubauen. Jeder, der diese Weisheit oder Helligkeit erlangt, kennt die Wahrheit auf der Stelle, und jeglicher Zweifel wird aus dem Geist, der die Dinge kennt und deutlich erkennt, gebannt. Wenn Achtsamkeit, klares Verstehen und Weisheit zu einem gekommen sind, gibt es keinen Irrtum mehr, und die Praxis verläuft nicht mehr aufs Geratewohl.

Das ist so, als ob man immer seine eigene Taschenlampe dabei hat, egal wohin man geht. Man kann klar erkennen, welche Seitenstraße nach links führt, welche nach rechts führt, welcher Straße man folgen sollte, welcher nicht, und was auf all den Hinweisschildern steht. Wenn das der Fall ist, wie kann man sich da noch verirren? Auf gleiche Weise muß die Praxis glatt verlaufen, wenn unser Geist Achtsamkeit, Weisheit und klares Verstehen hat, ohne Hemmnisse, die das Erreichen unseres gesteckten Zieles verhindern.


Aus: Ajahn Thuhn Khippapanno - Eintritt in den Strom des Dhamma
Warum sollte man Wissensklarheit praktizieren? Mir fallen sofort drei gute Gründe ein, und es gibt zweifellos darüber hinaus noch andere.

Erstens, jemand, der sich ständig gewahr ist, was er tut, wird es leichter finden, sein sìla einzuhalten. Wenn ein Mann, der hinter der Frau seines Nachbarn her ist, weiß, „ich bin hinter der Frau meines Nachbarn her”, wird er die Tatsache, dass er drauf und dran ist, die dritte Tugendregel zu brechen, nicht vor sich verbergen können und sich früher wieder auf die richtige Bahn bringen als der Mann, der hinter der Frau seines Nachbarn her ist, ohne zu betrachten, was er gerade tut. Kurz gesagt, Wissensklarheit führt zu einer selbstkritischen Haltung und somit zur Selbstverbesserung.

Zweitens, Wissensklarheit hat eine kühlende Wirkung und ist das genaue Gegenteil der Leidenschaften (entweder Gier oder Hass), die erhitzend wirken (dies steht nicht im Zusammenhang mit den mysteriösen Eigenschaften, die im orientalischen Essen stecken, dem Essen im Westen aber fehlen). Das bedeutet, jemand, der ständig Wissensklarheit praktiziert, hat eine machtvolle Kontrolle über seine Leidenschaften, so dass sie immer seltener entstehen.

Drittens, die Praxis von Wissensklarheit ist eine absolut notwendige Voraussetzung, um die Essenz der Buddhalehre zu verstehen. Der Grund dafür ist, dass es im Dhamma nicht um irgendeine Einzelerfahrung (Bewusstsein, Gefühl usw.) als solcher geht, sondern um Erleben (Bewusstsein, Gefühl usw.) im Allgemeinen. Wir brauchen den Buddha nicht, damit er uns sagt, wie wir irgendeinem bestimmten Erlebnis entkommen (sei es ein schlichter Kopfschmerz oder unheilbarer Krebs), aber wir brauchen den Buddha, damit er uns sagt, wie wir jeglichem Erleben entkommen. Im Normalzustand, wenn wir in unser Tun versunken sind (das heißt, im Nicht-Gewahrsein), geht es uns nur um dieses oder jenes bestimmte Erlebnis, diesen oder jenen Zustand, diese oder jene Angelegenheit („sie liebt mich; sie liebt mich nicht …”) und in keiner Weise um Erleben im Allgemeinen („Was ist die Natur der Emotion Liebe?”). Aber wenn wir uns gewahr werden, was wir tun (oder fühlen usw.), liegt der Fall anders. Obwohl wir weiterhin tun (oder fühlen), sind wir auch dabei, jenes Tun oder Fühlen mit einem gewissen Grad innerer Loslösung zu betrachten, und zu jener Zeit rückt die allgemeine Natur von „Tun” und „Fühlen” ins Blickfeld (das bestimmte Tun und Fühlen, das zufällig anwesend ist, erscheint als Beispiel für „Tun“ und „Fühlen“ im Allgemeinen); und genau dann, wenn diese allgemeine Natur der Dinge ins Blickfeld rückt, sind wir in der Lage, unter der Führung des Buddha, die universalen Merkmale von anicca, dukkha und anattá zu begreifen. Aber hier geraten wir in tiefes Wasser, und ich will ein Thema, das schon nicht sehr einfach ist, nicht noch zusätzlich schwierig gestalten.


Nanavira Thera - Brief vom 27.März 1962
Warum widmet also Albert Schweitzer sein Leben der Sorge für und Heilung von Leprakranken in Afrika? Weil, sagt Albert Einstein, er das Bedürfnis danach empfindet, weil er damit sein Verlangen befriedigt. Und was sagt der Buddha? „Ihr Bhikkhus, sowohl früher wie auch jetzt ist das, was ich verkünde, Dukkha und das Aufhören von Dukkha.” (M.22: I,140). Einstein hat in gewissem Umfang verstanden, dass Leid die Grundtatsache ist und die Grundlage für jedes Handeln. Der Buddha hat dies vollkommen verstanden; denn er kennt auch den Weg des Entkommens, was bei Einstein nicht der Fall ist. Wenn sich zum Beispiel die Frage stellt, „Was sollte ich tun?”, dann besteht keine Wahl zwischen selbstsüchtig sein und selbstlos sein. Die Wahl besteht zwischen Selbstsüchtigsein auf Schweitzers Weise – durch selbstlose Hingabe an das Wohl anderer – und Selbstsüchtigsein auf des Buddhas Weise –

Das eigne Heil gib nimmer preis / Für andrer Wohl, sei’s noch so groß.
Hast du dein eignes Heil erkannt, / So gib dem eignen Heil dich hin.

(Dhammapada 166, Übersetzung: Ehrw. Ñánatiloka)


Wie sollen wir uns zwischen diesen beiden Weisen des Selbstsüchtigseins entscheiden? Die Antwort lautet: „Entscheide dich für den Weg des Selbstsüchtigseins, der zum Ende des Selbstsüchtigseins führt. Und das ist der Weg des Buddha, nicht der von Schweitzer.” Es gibt viele ersthafte Buddhisten in Ceylon, bei denen die oben zitierten Buddhaworte Empörung hervorrufen; aber natürlich werden sie so etwas nicht zugeben, nicht einmal sich selbst gegenüber; entweder überspringen sie jenen Vers, wenn sie den Dhammapada lesen, oder sie fügen eine Fußnote an, die erklärt, dass der Buddha eigentlich etwas ganz anderes meinte. Hier ist die tatsächliche Fußnote, verfasst von einem sehr bekannten Ceylon Thera: „Man darf diese Verse nicht so missverstehen, dass sie etwa bedeuten, man solle keine selbstlose Arbeit für andere tun. Selbstloses Dienen wird vom Buddha hoch gepriesen.” Aber das ist in sich ein völliges Missverstehen der Buddhalehre. Immer wieder zeigt der Buddha auf, dass sich nur jene, die sich erfolgreich ihrem eigenen Wohlergehen gewidmet haben und dieses in Sicherheit gebracht haben (indem sie sotápatti erreichten), in der Lage sind, anderen zu helfen – wenn einer selbst im Treibsand versinkt, kann er anderen nicht heraushelfen, und wenn er ihnen helfen will, muss er erst einmal selbst da herauskommen (und wenn ihm das gelingt, stellt er vielleicht fest, dass die Aufgabe, anderen zu helfen, nicht ganz so einfach ist, wie er sich das früher vielleicht vorgestellt hat). Die Idee von „Absoluter Selbstlosigkeit” ist weniger einfach, als es die Leute gerne hätten: sie bezieht sich, wenn sie richtig verstanden wird (aber niemand unterhalb des sotápanna versteht sie richtig), auf den Buddha und die anderen arahats (was nicht heißen soll, dass sie sich unbedingt „selbstlosem Dienen” hingeben), aber auf sonst niemand.


Nanavira Thera - NOTIZEN ZU DHAMMA und andere Schriften (Brief vom 6. Juni 1962)
Dr. Jayatilleke, im zweiten Essay, repräsentiert die Logik. Dies wird schon deutlich durch die Art und Weise, wie er die vier Edlen Wahrheiten in Lehrsätze oder faktische Aussagen umwandelt. Dass sie nicht Tatsachen, sondern Dinge (einer besonderen Art) sind, ist aus dem Dhammacakkappavattana Sutta (Vinaya Mahávagga I: Vin,I,10; Sacca Samy.11: V,421-424) ersichtlich, wo dukkha pariññeyya (zu durchschauen) ist, samudaya ist pahátabba (zu überwinden), nirodha ist sacchikátabba (zu verwirklichen) und magga, die vierte Wahrheit, ist bhávetabba (zu entfalten). Eine Tatsache ist jedoch einfach nur eine Tatsache, und man kann damit nichts tun, weil sie als solche keine Signifikanz jenseits von sich selbst hat (sie erschließt keine anderen Tatsachen, die nicht in ihr selbst enthalten sind) – sie ist einfach (und selbst, ob sie ist, ist fragwürdig).

Aber Dinge sind signifikant; das bedeutet, sie sind Imperative, sie verlangen nach Handlung (wie die Flasche in Alice im Wunderland mit der Aufschrift „Trink mich‘). Heidegger und Sartre nach ihm beschreiben die Welt als eine Welt von Aufgaben, die zu erfüllen sind, und sagen, dass ein Mensch in jedem Moment seines Lebens damit beschäftigt ist, Aufgaben zu erfüllen (egal, ob er besonders darauf achtet oder nicht). In diesem Licht besehen sind die vier Edlen Wahrheiten die letztendlichen Aufgaben, die ein Mensch zu erfüllen hat – Leiden befiehlt „Durschaue mich‘, der Ursprung befiehlt „Überwinde mich!”, das Aufhören befiehlt „Verwirkliche mich!”, und der Pfad befiehlt „Entfalte mich!”.

Aber wenn ich Dinge in Fakten umwandle (und die vier Edlen Wahrheiten, die Beschreibungen von Dingen sind, in Lehrsätze), wandle ich mich selbst in Logik um – das soll heißen, ich vernichte meine Situation als existierendes Individuum, das damit beschäftigt ist, Aufgaben in der Welt zu erfüllen, ich höre auf, in concreto (in Kierkegaards Terminologie) zu sein und werde sub specie æterni {H.M Junghans: „in Form von Ewigkeit”; A.M.Weber: „unter ewigem Gesichtspunkt”.}. (Indem ich die vier Edlen Wahrheiten als Lehrsätze auffasse, nicht als Anleitungen, enthebe ich mich selbst automatisch davon, mit ihnen etwas anzufangen.) Die Welt (wenn man sie noch eine Welt nennen kann), wird die Welt eines Logikers – ganz statisch und völlig unbewohnt.


Nanavira Thera - NOTIZEN ZU DHAMMA und andere Schriften (Brief vom 22. März 1963)
Nanavira Thera hat geschrieben:
Der Fehler besteht darin, sich über den Körper an Bewusstsein anzunähern. Aber die rationale Wissenschaft, die im Grunde ein Studium dessen ist, was öffentlich zugänglich ist, nämlich Materie, hat keine Alternative. Die Gesetze der Wissenschaft sind die Gesetze der Materie, und wenn diese Gesetze universal sein sollen, dann muss Bewusstsein (was immer es auch sein mag) notwendigerweise der Materie untergeordnet sein. Was die Wissenschaft dabei übersieht und auch nicht umhin kann, es zu übersehen, ist die Tatsache, dass es, um den Körper zu erkennen, zuerst erforderlich ist, sich des Körpers bewusst zu sein – der Körper ist ein Objekt (unter anderen Objekten) des Bewusstseins, und danach zu trachten, Bewusstsein mittels des Körpers zu untersuchen, statt anders herum, spannt den Karren vor das Pferd. Bewusstsein kommt zuerst, und wenn es erkannt werden soll, muss es direkt studiert werden (das heißt, durch unmittelbare Reflexion).
die unendliche Hierarchie des Bewusstseins, eines auf dem anderen, ist immer da, ob wir uns mit Reflexion beschäftigen oder nicht. Der Beweis dafür ist unser Bewusstsein von Ortsveränderung oder Bewegung, das keine Reflexion erfordert – wir sind uns der Bewegung (eines fallenden Blattes zum Beispiel) unmittelbar bewusst – das aber eine Hierarchie von Bewusstseinen erfordert. Warum? Weil Bewegung in der Zeit stattfindet (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft), und wir uns dennoch der Bewegung des fallenden Blattes als einer gegenwärtigen Bewegung bewusst sind. Das ist vielleicht eine zu kurze Erklärung, aber es ist nicht so sehr wichtig, das zu begreifen. Wenn wir reflektieren wollen (das tun wir oft automatisch, wenn wir schwierigen Situationen gegenüberstehen), dann nutzen wir diese Hierarchie des Bewusstseins, indem wir unsere Aufmerksamkeit von der unmittelbaren Ebene auf die Ebene darüber zurückziehen.

Der Grund, warum man nicht sagen kann, „Bewusstsein ist” oder „Bewusstsein von Bewusstsein“, ist einfach der, dass das einzige Ding (oder die einzigen Dinge), dessen Bewusstsein (viññána) sich bewusst sein kann, Name-und-Materie (námarúpa) ist. Bewusstsein ist die Anwesenheit des Phänomens, dessen, was im Erleben manifest ist (nämlich námarúpa), und wir können nicht im selben Sinne von „Bewusstsein von Bewusstsein“ sprechen, was die „Anwesenheit von Anwesenheit“ wäre; mit anderen Worten, die Natur der Beziehung zwischen Bewusstsein und Name-und-Materie kann nicht die selbe sein, wie die zwischen einem Bewusstsein und dem nächsten (erstere Beziehung ist intern, letztere extern).

Was wir in der prä-reflexiven Hierarchie von Bewusstsein haben, ist wirklich eine Reihe von Schichten, nicht einfach von Bewusstsein von aufsteigender Ordnung, sondern von Bewusstsein mit Name-und-Materie von aufsteigender Ordnung. Auf jeder Ebene besteht Bewusstsein eines Phänomens, und die verschiedenen Ebenen überlagern sich (das soll nicht heißen, dass das Phänomen auf beliebiger Ebene nichts mit der darunter liegenden zu tun hat [wie etwa in einem Stapel Teller]; es hat damit zu tun, aber das braucht uns im Moment nicht zu interessieren). Die Beziehung zwischen zwei angrenzenden Schichten von Bewusstsein ist somit Anlagerung – oder vielmehr Überlagerung, da sie unterschiedlicher Ordnung sind. In der Reflexion werden zwei dieser angrenzenden Schichten kombiniert und wir haben dann komplexes Bewusstsein an der Stelle von einfachem Bewusstsein. Der Effekt davon ist, unterschiedliche Grade von Bewusstsein zu enthüllen – mit anderen Worten, unterschiedliche Grade der Anwesenheit von Name-und-Materie. Dies erlaubt uns nicht zu sagen, „Bewusstsein ist anwesend“ (in dem Fall würden wir Bewusstsein mit Name-und-Materie verwechseln), aber es erlaubt uns zu sagen, „da ist Bewusstsein“. Aufsteigende Ordnung von Reflexion kann verbal folgendermaßen ausgedrückt werden:

Unmittelbares Erleben:„Ein Schmerz“, d.h. „Ein Schmerz (ist)“ oder„(Bewusstsein von) einem Schmerz”.

Reflexion erster Ordnung:„Da ist ein (existierender) Schmerz” oder„Da ist (Bewusstsein von) einem Schmerz”;und diese beiden sind jeweils gleichbedeutend mit „Gewahrsein eines Schmerzes” – aber beachten Sie, dass Gewahrsein (Wissensklarheit, sampajañña) nicht das selbe ist wie Bewusstsein (viññána).

Reflexion zweiter Ordnung: „Da ist Gewahrsein eines Schmerzes“ oder „Gewahrsein von Gewahrsein eines Schmerzes“.

Reflexion dritter Ordnung: „Da ist Gewahrsein von Gewahrsein eines Schmerzes“ oder „Gewahrsein von Gewahrsein von Gewahrsein eines Schmerzes“.

Und so weiter. (In Ihrer Illustration gehen Sie von unmittelbarer Anwesenheit [„Schmerz ist“] zu reflexiver Anwesenheit über [„Da ist Bewusstsein von Schmerz“]. Aber diese beiden gehören nicht zusammen. Wenn Sie als unmittelbar „Schmerz ist“ sagen, müssen Sie als reflexiv sagen „Da ist existierender Schmerz“; und nur wenn Sie als unmittelbar „Bewusstsein von Schmerz“ sagen, können Sie als reflexiv sagen „Da ist Bewusstsein von Schmerz“. So wie Sie es ausgedrückt haben, bekommt es den Anschein, als ob Bewusstsein nur mit der Reflexion ins Spiel kommt.)


Nanavira Thera (Brief 49 vom 25. Januar 1964)

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