Missbrauch im Theravada

Moderator: void

Da ja im Buddhaland zur Zeit einiges los ist, wie zum Beispiel der Thread von Sogyal Rinpoche und der Schilderung einer Geschichte einer Userin, der Thread im Zen-Bereich über Genpo Döring und einem neuerem über die "Ohrfeigen im Zen", dachte ich mir, sowas müsste man auch im Theravada Bereich machen. Gibt es Geschichten im Theravada vom Missbrauch einer Lehrer-Schüler Beziehung? Von irgendwelchen Lehrern die sich an Schülern vergriffen, gewalttätig oder die in "Saus und Braus" lebten? Ich kenne da nur am Rande eine Geschichte, von einem berühmten Abt aus Thailand, Ajahn Maha Bua, das dieser anscheinend seine Mönche auf Goldminen zum arbeiten geschickt hat für das materielle Wohl des Klosters, wie gesagt, ich bin mir nicht sicher was die Glaubwürdigkeit dieser Geschichte angeht, ich habe das irgendwo auf dhammawheel.com gelesen. Was gibt es sonst so für bekannte Beispiele? Gibt es überhaupt welche?
Kann es schon geben, es sind da ja auch nicht alles Heilige. Von Ajahn Maha Bua ist mir nur bekannt dass er für die Regierung Geld gesammelt hat in einer Notlage, und sich dann geärgert hat dass sie es nicht so verwendet haben wie er es sich gedacht hatte.
einige Fälle von Missbrauch im Theravada:
A Buddhist Monk and child abuse in London
http://dbsjeyaraj.com/dbsj/archives/6081

Buddhist monk charged with raping girl in 1970s
http://www.bbc.com/news/uk-england-london-14977807

Netherlands: Buddhist monk sex abuse warnings were ignored
http://www.buddhistchannel.tv/index.php ... 40,0,0,1,0

Buddhist sexual abuse reporting center launched
http://www.buddhistchannel.tv/index.php ... 36,0,0,1,0

Dutch Buddhists embroiled in sexual abuse scandal: Nos
http://www.buddhistchannel.tv/index.php ... 22,0,0,1,0
https://engagedbuddhism.net/2016/03/18/ ... -revealed/

Holy sin: child abuse in Cambodia’s Buddhist pagodas
http://sea-globe.com/holy-sin-child-abu ... t-pagodas/

Ex-Buddhist monk charged with fraud, child sex abuse arrives in Thailand
http://www.news4europe.eu/6350_world/46 ... iland.html
Stawrogin hat geschrieben:
...sowas müsste man auch im Theravada Bereich machen. Gibt es Geschichten im Theravada vom Missbrauch einer Lehrer-Schüler Beziehung? Von irgendwelchen Lehrern die sich an Schülern vergriffen, gewalttätig oder die in "Saus und Braus" lebten? ...


Möglicherweise landet das bei mir gerade im falschen Hals, aber da sträuben sich mir alle Nackenhaare. "Müsste" man das im Theravada-Bereich machen? Nicht, dass ich der Meinung wäre, dass das ein Sakrileg darstellen würde, aber rechnen wir jetzt auf? Machen wir ne Strichliste je nach Schule? Erzählen wir uns Schauergeschichten über "irgendwelche" Lehrer, die "anscheinend" irgendwas gemacht haben, die einer erzählt hat, die einer gehört hat? Das geht ja schon in den anderen threads nach hinten los. Brauchen wir das jetzt hier auch?
womöglich ist es ganz heilsam sich ab und zu ganz konkret zu vergegenwärtigen, dass "Buddhismus" und seine Gliederungen auch nur ganz gewöhnliche Religionen sind und seine Anhänger, sich selbst einschliessend, allesamt nur arme Würstchen.
Hier werden Standpunkte vertreten:
Die einen vertreten göttliche Standpunkte, die anderen vertreten samsarische Standpunkte und wiederum andere haben gar keinen Standpunkt; die nehmen sich bei Bedarf irgendeinen einen zu leihen.

Viele vertreten den Einstein`schen Standpunkt, wonach es Menschen gibt, die einen Standpunkt vertreten, der dem Radius eines Kreises von gleich Null entspricht. 8)
MarioK hat geschrieben:
Möglicherweise landet das bei mir gerade im falschen Hals, aber da sträuben sich mir alle Nackenhaare. "Müsste" man das im Theravada-Bereich machen? Nicht, dass ich der Meinung wäre, dass das ein Sakrileg darstellen würde, aber rechnen wir jetzt auf? Machen wir ne Strichliste je nach Schule?
Nein, darum geht es gar nicht - jedenfalls nicht nach meinem Verständnis. Es geht darum, ob einzelne buddhistische Traditionen wie z.B. der Theravada gegen Missbrauch immun sind. Da nach meiner Wahrnehmung in Theravadakreisen (das hiesige Theravada-Forum eingeschlossen) selten über so etwas gesprochen wird, kann ein solcher Eindruck entstehen.

Pflichtlektüre zu dem Thema ist Shravasti Dhammikas 'The Broken Buddha' - ins Deutsche übersetzt und der Öffentlichkeit kostenfrei zur Verfügung gestellt von engagierten Theravada-Buddhisten: http://www.buddhistische-gesellschaft-b ... buddha.pdf

Ergänzend zu den Links von Verrückter Narr den Hinweis auf den politischen Missbrauch im Kontext des burmesischen Nationalismus (der zur Zeit ja stark diskutiert wird) und auch des srilankischen Nationalismus. Es ist ein kurioses Faktum, dass im 20. Jahrhundert Buddhisten eine Vorreiterrolle im religiös inspirierten Terorismus gespielt haben. Ich spreche von der Ermordung des srilankischen Premierministers Solomon West Ridgeway Dias Bandaranaike durch den Bhikku Talduwe Somarama Thero am 26.09.1959 - lange, bevor es islamistischen Terror gab. Kopf der hinter dem Attentat stehenden Verschwörung war ein weiterer Bhikku, Mapitigama Buddhrakkita Thera. Letzterer war auch Sekretär der 'Buddhist Front', seine Rolle dort ist vergleichbar mit der von Ashin Wirathu in der burmesischen 969-Organisation. Die selbe Rolle, die letztere bei den Pogromen in Myanmar spielt, spielte die 'Buddhist Front' bereits in den 50er Jahren bei Pogromen gegen srilankische Tamilen.

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Moosgarten hat geschrieben:
womöglich ist es ganz heilsam sich ab und zu ganz konkret zu vergegenwärtigen, dass "Buddhismus" und seine Gliederungen auch nur ganz gewöhnliche Religionen sind und seine Anhänger, sich selbst einschliessend, allesamt nur arme Würstchen.

Wer die Lehre des Buddha nur für eine "ganz gewöhnliche Religionen" hält,
der hat sie allerdings noch nicht verstanden. Das allerdings die Menschen,
sowie alle Wesen insgesamt im Angesicht von Alter, Krankheit und Tod alle
als "arme Würstchen" bezeichnet werden könnten ist ein anderes Thema.
Sudhana hat geschrieben:
Nein, darum geht es gar nicht - jedenfalls nicht nach meinem Verständnis. Es geht darum, ob einzelne buddhistische Traditionen wie z.B. der Theravada gegen Missbrauch immun sind


Nein, ist er sicher nicht... Aber diese Frage sehe ich nicht im Eröffnungsposting... Ich halte eine Aufzählung von Verfehlungen für unheilsam...
MarioK hat geschrieben:
Ich halte eine Aufzählung von Verfehlungen für unheilsam...


Natürlich. Wenn es sich um meine Verfehlungen handelt.
Ansonsten ist dein Statement entsprechend humorvoll zu nehmen.

Ich halte es für sehr heilsam, wenn auf dem Marktplatz alles offen gelegt wird, damit wir aufhören uns Illusionen über uns, als Menschen zu machen. Wir haben ja inzwischen dazu die Möglichkeit und man kann es auch erleben auf den Plattformen, auf denen alle so ihre inneren Zustände rauslassen und damit sich äußern. Sehen wir doch der Wahrheit lieber ins Gesicht.
accinca hat geschrieben:
Moosgarten hat geschrieben:
womöglich ist es ganz heilsam sich ab und zu ganz konkret zu vergegenwärtigen, dass "Buddhismus" und seine Gliederungen auch nur ganz gewöhnliche Religionen sind und seine Anhänger, sich selbst einschliessend, allesamt nur arme Würstchen.

Wer die Lehre des Buddha nur für eine "ganz gewöhnliche Religionen" hält,
der hat sie allerdings noch nicht verstanden. Das allerdings die Menschen,
sowie alle Wesen insgesamt im Angesicht von Alter, Krankheit und Tod alle
als "arme Würstchen" bezeichnet werden könnten ist ein anderes Thema.
Ich stimm Dir ja zu doch mache ich da einen Unterschied, wie bei allen Religionen. Die Lehren auf die sich Religionen gründen sind nie die Religion selber.
Die Lehre ist in der Lage die Religion die auf sie gründet zu zerstören gleich wie sie auf der Lehre gründen.
Doch wenn da eine Gemeinschaft ist, von sagen wir hundert Menschen, ein Dorf, die sich als Religion auf eine Lehre gründen und einer dieser Hundert erkennt die Lehre, wie soll er sich verhalten? Schweigt er lügt er gegen über der noch glaubenden Gemeinde, spricht er wird er besondet-s. Richtet er sich in der Gemeinschaft nach der Lehre kommt er in Konflikt mit der Religion und deren Erbauer und Erhalter.
Theravada ist nicht die Lehre, es ist eine Religion die auf der Lehre gründet. Jede Form der Erhaltung von Theravada ist auch ein verdrehen der Lehre. Es ist wichtig das die Lehre verdreht wird denn nur so können irgendwann einzelne die Lehre erkennen. Diese können dann die Lehre nehmen und die Religion reformieren.
Tychiades hat geschrieben:
MarioK hat geschrieben:
Ich halte eine Aufzählung von Verfehlungen für unheilsam...


Natürlich. Wenn es sich um meine Verfehlungen handelt.
Ansonsten ist dein Statement entsprechend humorvoll zu nehmen.

Ich halte es für sehr heilsam, wenn auf dem Marktplatz alles offen gelegt wird, damit wir aufhören uns Illusionen über uns, als Menschen zu machen. Wir haben ja inzwischen dazu die Möglichkeit und man kann es auch erleben auf den Plattformen, auf denen alle so ihre inneren Zustände rauslassen und damit sich äußern. Sehen wir doch der Wahrheit lieber ins Gesicht.
Aus einem Buch über die Tora hab ich etwas wichtiges mitgenommen: Hast Du einen Fehler gemacht dann bekenne ihn vor der Gemeinschaft, das schützt dich nicht vor dem Richter der Gemeinschaft. Beides hinnehmen, die eigene Scham und die Busse durch das Urteil kann dich wirklich ändern.
Wenn gewartet wird bis die Vergehen außerhalb der Gemeinschaft geraten gibt es kein Halten mehr. Was drei wissen wird die ganze Welt wissen.
MarioK hat geschrieben:
.. Ich halte eine Aufzählung von Verfehlungen für unheilsam...


Es kann wohl nicht schaden ein wenig über Verfehlungen innerhalb der buddhistischen Richtung zu wissen, der man sich besonders verbunden fühlt. Das schützt vor Blauäugigkeit, der Illusion von Geborgenheit in einer perfekten Sangha, womöglich einhergehend mit dem Gefühl der Überlegenheit gegenüber anderen Richtungen. Weiters entsteht die Einsicht, dass sich die Zuflucht zu Buddha, Dhamma und Sangha wohl nur auf die im PK erwähnte Qualität beziehen kann: "Die Sangha praktiziert gut".

Es gibt bei Ideologien, seien sie nun politischer, religiöser oder sonstwelcher Natur, ja immer die Gefahr die jeweilige Gemeinschaft die ihnen anhängt als Ganzes zu schützen und zu verteidigen, wenn man selber dazugehört. Peinlichkeiten sollen dann möglichst verborgen bleiben, besonders vor den Augen der Außenstehenden.
In der Lehre des Buddha geht es nach meiner Ansicht immer nur um die Wahrheit, an der alles zu messen und zu beurteilen ist. So ergibt das Aufdecken von Abweichungen einen Sinn. Überall wo Menschen sich versammeln kommt es zu Misständen, vor denen man sich als Teilnehmer nicht verschließen sollte. Allerdings, wenn man dann darüber bescheid weiß, muss man nicht genüsslich in den Verfehlungen Anderer herumstochern. Einmal aufgedeckt, weiß man Bescheid und ist vor Naivität und Einfalt geschützt. Man kann sich auch besser hüten vor eigenen Verfehlungen, wenn deutlich wird dass selbst altgediente und erfahrene Nachfolger davor nicht gefeit sind.
Ich hab in keiner Weise infrage gestellt, dass es im Theravada keinen Mißbrauch gibt, noch, dass es nicht angebracht sei, dieses zu thematisieren. Ich möchte nur davor warnen, eine beliebige Aufzählung von sicheren und "vermeintlichen" (ich hab mal gelesen, dass...) Mißbrauchsgeschichten folgen zu lassen, die keinen anderen Zweck verfolgt, als eben diese Auflistung (Nr, 1: "Da gabs doch früher einen Mönch, Devadingens, hat der nicht einen Religionsbegründer irgendwie killen wollen?").

P.S. Ich danke fürderhin allen, die mir jovial-gönnerhaft Splitter aus dem Auge ziehen möchten... bitte hinten anstellen oder Nummer ziehen...
Moosgarten, Sudhana oder Accinca haben im Prinzip genau das richtige gesagt, was ich mit diesem Thread bezwecken will. Es geht darum sich ehrlich zu vergegenwärtigen wo und wie leid entstehen kann TROTZ des Versuches der Lehre zu folgen. Und an erster Stelle gehören zur Lehre Menschen die ihr folgen und die versuchen danach zu leben.

War das nicht der Buddha selber der seinen Anhängern empfahl, alles und jeden gründlich zu prüfen bevor man etwas als "Wahr" oder "heilsam" akzeptiert? Genau diesem Vorhaben sollten solche Threads gewidmet sein.
Deine Warnung wurde sicher vernommen.
Aber erwarte nicht, dass nur weil DU vor etwas warnst, die Leute sich danach richten oder gar Deine Meinung teilen. Das teilst doch deren Meinung auch nicht. Darum gibt es dieses Forum, damit viele Meinungen zusammentreffen und einander gegenübergestellt werden. Nennt man auch Demokratie.

Warum keine Auflistung?
Wenn von jeder Gruppe die Verfehlungen aufgezählt werden würden, und wir dann die Listen vergleichen würden, könnte keiner mehr dem Hochmut erliegen, er würde der besseren oder gar einzig guten Gruppen angehören. So was kann einem dem Dünkel nehmen.

Dem Dharma nimmt das nichts weg, nur dem eigenen Hochmut.
So viel Vertrauen in den Dharma könnte schon sein.
Lieber MarioK,

ein wenig lese ich aus deinem Beitrag eine Reaktion auf meine obige Antwort auf deine Vorbehalte bezüglich der Aufzählung heraus, also:

MarioK hat geschrieben:
Ich hab in keiner Weise infrage gestellt, dass es im Theravada keinen Mißbrauch gibt, noch, dass es nicht angebracht sei, dieses zu thematisieren. Ich möchte nur davor warnen, eine beliebige Aufzählung von sicheren und "vermeintlichen" (ich hab mal gelesen, dass...) Mißbrauchsgeschichten folgen zu lassen, die keinen anderen Zweck verfolgt, als eben diese Auflistung (Nr, 1: "Da gabs doch früher einen Mönch, Devadingens, hat der nicht einen Religionsbegründer irgendwie killen wollen?").


Da gebe ich dir insofern recht als die Gefahr besteht bei einem so heiklen Thema über das Ziel hinauszuschießen und die Gerüchteküche brodeln zu lassen.

MarioK hat geschrieben:
P.S. Ich danke fürderhin allen, die mir jovial-gönnerhaft Splitter aus dem Auge ziehen möchten... bitte hinten anstellen oder Nummer ziehen...


Nun ich habe jedenfalls von dem Splitter in meinem eigenen Auge geschrieben, jedenfalls war es so gemeint. Aber abgesehen davon haben auch andere ein Recht darauf, die ganze Wahrheit zu wissen denke ich.

Erlaube mir dazu ein kleines Beispiel:
Der Bhante in unserem Theravadazentrum lädt öfter Mönche aus Sri Lanka ein. Während eines öffentlichen Vortrags hat er mal erwähnt, dass gerade ein Mönch im Zentrum wohnt der Alkohol trinkt, was er sich auch nach wiederholter Beanstandung nicht nehmen ließe. Ein anderes Mal hat er gesagt dass es in Sri Lanka viele Mönche gäbe, die Tabak rauchen.
Diese Offenheit hat mich positiv berührt und ich war dafür dankbar. Da weiß man doch woran man ist und dass man nicht von vornherein jedem Robenträger sozusagen rückhaltlos zu Füßen fallen sollte. Es ist klar dass es Menschen sind wie alle Anderen, nur dass sie sich mit mehr oder weniger Erfolg zu einem spirituellen Übungsweg entschlossen haben. Meine Neigung zu naiver Vertrauensseligkeit ist einer gesunden Skepsis und realistischen Einschätzung gewichen.
mukti hat geschrieben:
Es ist klar dass es Menschen sind wie alle Anderen, nur dass sie sich mit mehr oder weniger Erfolg zu einem spirituellen Übungsweg entschlossen haben. Meine Neigung zu naiver Vertrauensseligkeit ist einer gesunden Skepsis und realistischen Einschätzung gewichen.


Ne, ich hatte Deine Reaktion nicht gemeint :wink:

Bezugnehmend zum Zitat oben: Das ist zu begrüßen und sicherlich immer die richtige Einstellung. Meine Vorbehalte sind eben die, dass eine Auflistung zu einer Horror-Show verkommt und - wie Du richtig vermutest - eine Gerüchteküche entsteht. Übrigens: Hat jemand schon die Luxus-Mönche erwähnt, die mit einem Luxusjet unterwegs waren?

Ich möchte Dein Beispiel aber auch gerne hernehmen, um etwas Konstruktives (für mich) daraus zu ziehen und stelle hiermit eine Frage an alle Dreiviertel- bis Komplett-Erleuchteten: Während ein Mönch, der Alkohol trinkt für mich kein adäquater spiritueller Gesprächspartner wäre, hätte ich mit einem Raucher keine Probleme. Ich selbst bin Nichtraucher. Wo klemmt es mit meinem Dhammaverständnis und woran hafte ich an?
Bild

Vielleicht erschütternd für viele: Luang Pho Waen, ein Großer der Waldtradition, auch ein großer Raucher....
mukti hat geschrieben:
Lieber MarioK,

ein wenig lese ich aus deinem Beitrag eine Reaktion auf meine obige Antwort auf deine Vorbehalte bezüglich der Aufzählung heraus,


Hatten wir schon Eitelkeit auf der Liste?

Erlaube mir dazu ein kleines Beispiel:
Der Bhante in unserem Theravadazentrum lädt öfter Mönche aus Sri Lanka ein. Während eines öffentlichen Vortrags hat er mal erwähnt, dass gerade ein Mönch im Zentrum wohnt der Alkohol trinkt, was er sich auch nach wiederholter Beanstandung nicht nehmen ließe. Ein anderes Mal hat er gesagt dass es in Sri Lanka viele Mönche gäbe, die Tabak rauchen.
Diese Offenheit hat mich positiv berührt und ich war dafür dankbar. Da weiß man doch woran man ist und dass man nicht von vornherein jedem Robenträger sozusagen rückhaltlos zu Füßen fallen sollte. Es ist klar dass es Menschen sind wie alle Anderen, nur dass sie sich mit mehr oder weniger Erfolg zu einem spirituellen Übungsweg entschlossen haben. Meine Neigung zu naiver Vertrauensseligkeit ist einer gesunden Skepsis und realistischen Einschätzung gewichen.


Ich hatte schon immer diese Skepsis und "realistische" Einschätzung. Ich mag weder solche Geschichten, was sollen die mir sagen? - dass es sowas wie kognitive Dissonanz auch bei denen gibt? und ich habe mit solchen Leuten keinen Kontakt.
Gegen ein Glas Wein gibt es nichts einzuwänden, aber wenn es heißt da trinkt einer - dann sollte man einen großen Bogen herum machen. Seine Unterweisungen können ja nicht auf eigener Erfahrung beruhen.Vielleicht nur die, dass er den Kampf aufgeben hat und sich statt der Übung sich dem Alkohol hingibt.
Ich habe für mich aus der sexuelle Missbrauchs Debatte folgendes behalten: Ein bestimmtes Mass an Missbrauch von Macht wird es immer geben, weil einfach ein bestimmter Anteil der Menschen so drauf ist.

Religiöse Institutionen sind aber insoweit involviert als sie einerseits "Soziales Kapital" vergeben, das eben als Macht benutzt werden kann. Zweitens wichtig sind die "Check and Balances". Also ob da jemand, der sich was rausnehmen will, gehindert wird.

Inwieweit unterscheidet sich da die Situation im Theravada. In Theravada Ländern werden Mönche sehr geehrt, sie haben also viel Autorität und "soziales Kapital". ( was man auch nicht ändern will, da der Respekt vor Mönchen als sehr wichtig erachtet wird)

So nach meinem Vorurteil ist man im Theravada mehr "buchgläubig" als "personengläubig". Wenn alle sich an die Betriebanleitung halten, statt freestyle rumzuwursteln, sind sicher Kreativität und Innovation eingebremst aber vielleicht auch Risiken, oder? Von daher fehlen da vielleicht die Chrismatiker die Crazy Wisdom heraus Missbrauch legitimieren. (Ist das so, oder gibt es auch im Theravada-Ländern schrille Gestalten die sich als "mehr als normale Menschen" sehen?)

Und übrig bleiben die anderen,unscheibareren die einfach ihre Machtposition ausnutzten und das Mönchen entgegengebrachte Vertrauen verspielen.
void hat geschrieben:
Ich habe für mich aus der sexuelle Missbrauchs Debatte folgendes behalten: Ein bestimmtes Mass an Missbrauch von Macht wird es immer geben, weil einfach ein bestimmter Anteil der Menschen so drauf ist.


Da stimme ich dir zu, wenn es die allgemeine Ebene ist. Auf der konkreten, persönlichen Ebene, also bei mir, gibt es keinen Mißbrauch. Wenn man nicht an der Teilhabe an diesem symbolischen Kapital interessiert ist, dann findet so was auch bei einem selbst nicht statt. Man gehört dann nicht dazu, zum erlauchten kleinen Kreis, der Insider oder so, aber das muss ich auch nicht fürs Zazen. Zazen lässt sich nicht missbrauchen. Missbrauch ist nur dort möglich, wo Macht ist, die gebraucht wird, um etwas zu erreichen. Bereits hier im Forum beginnt es, auf so kleiner Ebene.
MarioK hat geschrieben:
Ich hab in keiner Weise infrage gestellt, dass es im Theravada keinen Mißbrauch gibt
Na, da kommt doch die Wahrheit zum Vorschwein ... :D
Sudhana hat geschrieben:
Es geht darum, ob einzelne buddhistische Traditionen wie z.B. der Theravada gegen Missbrauch immun sind.


Der gesunde Menschenverstand kann einen solchen Eindruck doch eigentlich nicht entstehen lassen.

Sudhana hat geschrieben:
... den Hinweis auf den politischen Missbrauch im Kontext des burmesischen Nationalismus (der zur Zeit ja stark diskutiert wird) und auch des srilankischen Nationalismus.


Ich hatte vor einiger Zeit hier im Forum folgendes geschrieben:

pamokkha hat geschrieben:
Die Theravada-Tradition ist leider einmal völlig fehlgegangen und hat es umgedreht und damit pervertiert. In einem der sri-lankischen Vamsa-Werke, also "Geschichtsbücher", wird übermittelt, wie einem König nach einer Schlacht Zweifel überkamen und er sich vor den karmischen Konsequenzen fürchtete. Dann kamen 8 Heilige angeflogen und beruhigten ihn indem sie sagten: er habe kaum negatives Karma angehäuft. Eigentlich hat er nur 1,5 Menschen getötet. Der 1 hatte Zuflucht genommen, der Halbe hatte von sich aus die Tugend eingehalten und die anderen waren eigentlich wie Tiere. Hier wird also der Mensch erst durch sein Buddhistsein zum Menschen.

Meiner Auffassung nach widerspricht dies klar der theravadischen Orthodoxie und ist wohl ein Produkt der Vermengung von Buddhismus und Sinhala-Nationalismus, wie er seit dem Anfang besteht.


Mir ist nicht bekannt, ob so eine Erklärung in den gegenwärtigen Konflikten in Sri Lanka verwendet wird. Es ist aber zumindest ein Einfallstor für Missbrauch.
void hat geschrieben:
In Theravada Ländern werden Mönche sehr geehrt, sie haben also viel Autorität und "soziales Kapital".


Und ein sehr enges Korsett, in dem sie sich zu bewegen haben. Der Theravada-Laie in Asien, Vorsicht Verallgemeinerung, sieht im Mönch zuvorderst das Feld für seinen Verdienst. Und er weiß auch, ein Mönch, der den Vinaya einhält wirft in dieser Hinsicht eine bessere Rendite ab als ein Schludrian. Daher fordern Laien dies manchmal schon von den Mönchen ein. Die Laien wissen, wie ein Mönch sich zu benehmen hat, bevor sie ihn mit viel sozialem Kapital ausstatten. Andernfalls ist er überwiegend nur ein Niedrig-Renditeträger.
pamokkha hat geschrieben:
void hat geschrieben:
In Theravada Ländern werden Mönche sehr geehrt, sie haben also viel Autorität und "soziales Kapital".


Und ein sehr enges Korsett, in dem sie sich zu bewegen haben. Der Theravada-Laie in Asien, Vorsicht Verallgemeinerung, sieht im Mönch zuvorderst das Feld für seinen Verdienst. Und er weiß auch, ein Mönch, der den Vinaya einhält wirft in dieser Hinsicht eine bessere Rendite ab als ein Schludrian. Daher fordern Laien dies manchmal schon von den Mönchen ein. Die Laien wissen, wie ein Mönch sich zu benehmen hat, bevor sie ihn mit viel sozialem Kapital ausstatten. Andernfalls ist er überwiegend nur ein Niedrig-Renditeträger.


Es werden aber offensichtlich immer wieder mal Korruptionvorwürfe laut in Klöstern, z.T. geht es da um Millionensummen.
Öffentlich bekommt der Laie das vielleicht auch erstmal gar nicht so mit. im Gegenteil, da wo viel Geld ist, muss auch viel Wahrheit liegen, schließlich wird da ja viel gespendet, also kann kein "Schludrian" am Werk sein...So mag dann gedacht werden. Wenn die Korruptionsvorwürfe ans Tageslicht geraten, sind natürlich viele Entsetzt aber was dann....? Es ist anscheinend auch gar nicht so einfach Mönche in Thailand strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen, weil sie angeblich strafrechtliche immunität genießen.... Ich weiß nicht ob das so stimmt? habe es aber schon öfter gelesen.

https://www.handelsblatt.com/panorama/a ... 53012.html
Ellviral hat geschrieben:
accinca hat geschrieben:
Moosgarten hat geschrieben:
womöglich ist es ganz heilsam sich ab und zu ganz konkret zu vergegenwärtigen, dass "Buddhismus" und seine Gliederungen auch nur ganz gewöhnliche Religionen sind und seine Anhänger, sich selbst einschliessend, allesamt nur arme Würstchen.

Wer die Lehre des Buddha nur für eine "ganz gewöhnliche Religionen" hält,
der hat sie allerdings noch nicht verstanden. Das allerdings die Menschen,
sowie alle Wesen insgesamt im Angesicht von Alter, Krankheit und Tod alle
als "arme Würstchen" bezeichnet werden könnten ist ein anderes Thema.
Ich stimm Dir ja zu doch mache ich da einen Unterschied, wie bei allen Religionen. Die Lehren auf die sich Religionen gründen sind nie die Religion selber.

Das sieht man schon daran, dass selbst "Buddhisten" so etwas wie eine reine ursprüngliche Lehre reklamieren, obgleich gerade sie wissen sollten, dass das was sie darunter verstehen, nur etwas durch paticcasamuppada Gefiltertes ist.
Hier uneinsichtig zu sein, halte ich für einen schweren Fall ganz gewöhnlicher religiöser Hybris.
Und natürlich ist Religion auch immer ein sozial-kulturelles Phänomen, wie man das trennen will bleibt mir auch unverständlich.
Sunu hat geschrieben:
Es werden aber offensichtlich immer wieder mal Korruptionvorwürfe laut in Klöstern


Ja, gerade die Dhammakaya-Bewegung ist immer mal wieder bzw. fast ständig deswegen in den Nachrichten. Und wegen anderen Dingen.
Also, ich suche da nicht. Menschen sind zuallererst einmal Menschen und sie unterliegen den grundsätzlichen menschlichen Problemen.

Aber, wenn ich suchen würde würde ich ganz einfach die englischsprachigen Foren von Expats in Thailand betrachten. Danach die Foren von Teutschen, die in Thailand leben und sich auch nach xx Jahren nicht um eine Integration scheren 8)

Die sind bestimmt gute Quellen für Anfangsverdächtigungen. Ich bin ganz sicher, daß es in zweite Welt Ländern recht viele Probleme mit der Ausnutzung von 'Religion' gibt.

Wenn es mit den eigenen Problemen hilft :mrgreen:
fotost hat geschrieben:
Also, ich suche da nicht. Menschen sind zuallererst einmal Menschen und sie unterliegen den grundsätzlichen menschlichen Problemen.

Ja genau, und Freude am Fehlersuchen ist auch so eine menschliche Schwäche. "Die schlechte Nachricht ist die Bessere" - von der tagtäglichen medialen Überschwemmung mit Scheußlichkeiten aller Art bis zum Tratsch und Klatsch im Bekanntenkreis. Die Grenzen zwischen nüchterner Information und Schadenfreude verschwimmen schnell, so dass es sogar manchmal erscheint jemand ginge in einem Garten mit schönen Blumen und sähe nur den Fliegenschiß auf mancher Blüte. Eine selbsterhebende Variante der Schadenfreude hat Wilhelm Busch ja so ausgedrückt: "Ach da bin ich wirklich froh, denn Gottseidank, ich bin nicht so" :angel:

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