"Frühbuddhismus" vs Theravada

Moderator: void

Ich halte mich kurz, da es ja anscheinend eine Zeit vor der Zersplitterung gab, als der Buddha aus Fleisch und Blut noch selber anwesend war, würde ich gerne wissen wo nun die Unterschiede liegen vor der Spaltung und der uns heute bekannten Tradition des Theravada.
Stawrogin hat geschrieben:
Ich halte mich kurz, da es ja anscheinend eine Zeit vor der Zersplitterung gab, als der Buddha aus Fleisch und Blut noch selber anwesend war, würde ich gerne wissen wo nun die Unterschiede liegen vor der Spaltung und der uns heute bekannten Tradition des Theravada.

Ich glaube nicht das da große Unterschiede waren.
Theravada heißt ja die Lehre die die älteren Theras (Lehrer)
lehren. Als Thera muß man mindestens 10 Jahre dabei gewesen sein.
Aber auch zu Buddhas Zeiten waren das schon die Theras welche
die jüngeren bzw. neuen Mönche unterrichteten. Der Buddha hat
diese Arbeit an seine verständigen Mönche delegiert. Manchmal
kann man auch in den Lehrrede lesen wie sich die neuen dann
das gelernte vom Buddha noch einmal bestätigen ließen.
accinca hat geschrieben:
Ich glaube nicht das da große Unterschiede waren.
Theravada heißt ja die Lehre die die älteren Theras (Lehrer)
lehren. Als Thera muß man mindestens 10 Jahre dabei gewesen sein.
Aber auch zu Buddhas Zeiten waren das schon die Theras welche
die jüngeren bzw. neuen Mönche unterrichteten. Der Buddha hat
diese Arbeit an seine verständigen Mönche delegiert. Manchmal
kann man auch in den Lehrrede lesen wie sich die neuen dann
das gelernte vom Buddha noch einmal bestätigen ließen.


Ja, aber Fakt ist, das mit dem Begriff "Frühbuddhismus" ziemlich oft hantiert wird, siehe z.b Bhikkhu Analayos Bücher, zum Beispiel die neueren Bücher von ihm: Mindfully Facing Disease and Death: Compassionate Advice from Early Buddhist Texts oder auch Compassion and Emptiness in Early Buddhist Meditation. Dann gibt es ganze Rubriken in Foren wie dhammawheel.com namens "Early Buddhism" und so weiter, es muss ein Unterschied existieren, der sich vom Theravada abhebt.
Stawrogin hat geschrieben:
accinca hat geschrieben:
Ich glaube nicht das da große Unterschiede waren.
Theravada heißt ja die Lehre die die älteren Theras (Lehrer)
lehren. Als Thera muß man mindestens 10 Jahre dabei gewesen sein.
Aber auch zu Buddhas Zeiten waren das schon die Theras welche
die jüngeren bzw. neuen Mönche unterrichteten. Der Buddha hat
diese Arbeit an seine verständigen Mönche delegiert. Manchmal
kann man auch in den Lehrrede lesen wie sich die neuen dann
das gelernte vom Buddha noch einmal bestätigen ließen.


Ja, aber Fakt ist, das mit dem Begriff "Frühbuddhismus" ziemlich oft hantiert wird, siehe z.b Bhikkhu Analayos Bücher, zum Beispiel die neueren Bücher von ihm: Mindfully Facing Disease and Death: Compassionate Advice from Early Buddhist Texts oder auch Compassion and Emptiness in Early Buddhist Meditation. Dann gibt es ganze Rubriken in Foren wie dhammawheel.com namens "Early Buddhism" und so weiter, es muss ein Unterschied existieren, der sich vom Theravada abhebt.


Wenn dann keinen signifikanten.
DEN Theravada-Buddhismus gibt es ja so nicht mehr. "Theravada" sieht in jedem Land etwas anders aus und es haben sich viele verschiedene Schulen (Nikayas) gebildet. Er ist durchsetzt mit kulturellen Einflüssen und der dort bei Ankunft des Buddhismus vorherrschenden Religionen. Beispiel ist der Thailändische "Theravada", der sehr große Einflüsse des Chinesischen Mahayanas beinhaltet. Einige Schulen grenzen sich daher ab, indem sie sich nicht nur "Theravada" nennen, sondern den Nachsatz geben wie "ursprünglicher Buddhismus", "Lehre des historischen Buddha", "Frühbuddhismus", "Waldtradition" usw. Der (ursprüngliche) Theravada ist ganz nah am Buddha-Wort, denn es wird seit dem 1. Konzil (unter der Leitung des ehrwürdige Mahākassapa), welches kurz nach dem Ableben des Buddhas statt fand das SELBE tradiert. Bestätigt und bekräftigt wurde dies dann noch einmal auf dem 2. Konzil, wo es dann auch zur Spaltung zwischen Theravada und Mahayana kam. Nachzulesen im Cullavagga.
Stawrogin hat geschrieben:
Ich halte mich kurz, da es ja anscheinend eine Zeit vor der Zersplitterung gab, als der Buddha aus Fleisch und Blut noch selber anwesend war, würde ich gerne wissen wo nun die Unterschiede liegen vor der Spaltung und der uns heute bekannten Tradition des Theravada.


Die Antwort des Theravada ist, es gibt keinen Unterschied. Und das ist im Theravada-Bereich natürlich die richtige Antwort.

Frühbuddhismus ist eine laufende Baustelle, ein Projekt an dem gearbeitet wird. Wenn ich genau schreibe, dann ist Theravada für mich, was Collins Pali Imaginaire nennt. Ungefähr die Weltanschauung der Pali-Literatur. Dies ist eher abstrakt gemeint. Damit gibt es für mich schon DEN Theravada. Der burmesische Buddhismus, thailändische Buddhismus usw. ist jeweils ein gelebter Ausdruck des Theravada. Mehr oder weniger genau und immer vielschichtig.

Was man in den Texten des Frühbuddhismus und des Theravada findet, wird von unterschiedlichen Leuten unterschiedlich interpretiert. Daher ist Theravada nur eine von mehreren Interpretationstraditionen der frühbuddhistischen Texten, was Einfluss auf die Beantwortung nach den Unterschieden hat.

Wenn man sich anschaut, welche Palikanon-Werke nicht zum Frühbuddhismus gehören, kann man einen ersten guten Einblick in die Unterschiede bekommen. Dies sind u.a. Buddhavamsa in dem Buddhas der Vergangenheit aufgelistet werden und wie unser Gotama Buddha in seinen Vorleben diesen Buddhas begegnete. Im Cariyapitaka, ähnlich wie in den Jataka-Kommentaren, werden einige Vorleben des Gotama Buddha beleuchtet und wie er dort die Vollkommenheiten übte. Das Apadana beleuchtet die Vorleben bedeutender Schüler. Der Theravada beleuchtet also in mehreren Werken Gotamas Vorleben und daher die Bodhisatta-Perspektive. Die fehlt nahezu vollständig im Frühbuddhismus. Dies ist ein großer Unterschied zwischen Frühbuddhismus und Theravada.

In der späteren theravadischen Kommentarliteratur hat sich der Begriff dhamma gewandelt, es kam die Anschauung des "momentariness" hinzu und die theravadische Wertung von sati als Geistesfaktor, der nie mit unheilsamen Bewusstsein verbunden ist.

Aber auch Themen, die nicht eindeutig sind. Der Theravada lehrt die sofortige Wiedergeburt ohne irgendeinen Zwischenzustand. Dies ist in den frühbuddhistischen Texten aber nicht so eindeutig. Der Theravada lehrt inaktive Sinnenaktivität in den jhana, dies wird von manchen als falsch für den Frühbuddhismus verstanden, manche halten es für die richtige Interpretation.

Das waren jetzt ein paar Dinge, die mir aus dem Stand einfielen.
Stawrogin hat geschrieben:
Ich halte mich kurz, da es ja anscheinend eine Zeit vor der Zersplitterung gab, als der Buddha aus Fleisch und Blut noch selber anwesend war, würde ich gerne wissen wo nun die Unterschiede liegen vor der Spaltung und der uns heute bekannten Tradition des Theravada.

Die Theravada-Schule ging aus dem Sthavira-Zweig hervor:


Bild

(http://www.faszination-asien.de/Buddhismus/buddhismusrichtungen.htm)


Für fast jede Lehrrede aus dem Palikanon gibt es auch eine passende Lehrrede aus den Agamas der Dharmagupta-Schule und der Sarvastivada-Schule, aber die Sortierung der Lehrreden ist eine andere. Beispiel Majjhima Nikāya: https://suttacentral.net/mn

Es gibt aber auch Lehrreden im Palikanon, für die es keine Entsprechung in den Agamas gibt, und umgekehrt. Das kann daher kommen, dass es eine Lehrrede schon vor der Aufsplitterung gab, sie aber in einem Zweig später verworfen wurde oder verloren gegangen ist, oder aber dass es eine Lehrrede vor der Aufsplitterung noch nicht gab, sondern sie in einem Zweig später hinzuerfunden wurde.

Viele Grüße
Elliot
Elliot hat geschrieben:
Für fast jede Lehrrede aus dem Palikanon gibt es auch eine passende Lehrrede aus den Agamas der Dharmagupta-Schule und der Sarvastivada-Schule, aber die Sortierung der Lehrreden ist eine andere. Beispiel Majjhima Nikāya: https://suttacentral.net/mn

Es gibt aber auch Lehrreden im Palikanon, für die es keine Entsprechung in den Agamas gibt, und umgekehrt. Das kann daher kommen, dass es eine Lehrrede schon vor der Aufsplitterung gab, sie aber in einem Zweig später verworfen wurde oder verloren gegangen ist, oder aber dass es eine Lehrrede vor der Aufsplitterung noch nicht gab, sondern sie in einem Zweig später hinzuerfunden wurde.
Viele Grüße Elliot

Und wenn schon. Vielleicht glauben ja die Mahayana sowas.
Es ist bekannt, das es in anderen Schulen Suttas gibt die
bei den Theravadas nicht anerkannt sind und als "maniluliert" gelten.
Vielen Dank für die Antworten. Das Bild wird immer klarer. :)
pamokkha hat geschrieben:
Wenn man sich anschaut, welche Palikanon-Werke nicht zum Frühbuddhismus gehören, kann man einen ersten guten Einblick in die Unterschiede bekommen.


Hättest du einen Link wo deutlich gezeigt wird welche Palikanon-Werke insgesamt als nicht zum Frühbuddhismus gehörend dargestellt sind?
Und gefällt dir das Bild, welches sich abzeichnet, Stawrogin?
pamokkha hat geschrieben:
Und gefällt dir das Bild, welches sich abzeichnet, Stawrogin?


Ich denke, gefallen wäre nicht das richtige Wort, es sind vielmehr aufkeimende Erkenntnisse von einem begehbaren Weg. Wie hat es sich denn bei dir gestaltet, also bist du dir mittlerweile sicher über deinen Weg?
Hoffe ja wirklich deine Informationsquelle ist nicht allein dieses Forum.
Morpho hat geschrieben:
Hoffe ja wirklich deine Informationsquelle ist nicht allein dieses Forum.


Keine Sorge
Halt dich von den Hartlinern fern (in Sutta, Vinaya, Vipassana)
Die zeichnen kein reales Bild des lebendig-praktizierten Buddha-Dharma.
Die Gesinnung ist das entscheidende(siehe Kernholz) auch für das (innere) Verständnis:
Entsagende Gesinnung, haßlose Gesinnung und friedfertige Gesinnung -
Unabhängig (!) davon mit Wem oder Was man es zu tun hat( das ist Karma).
«Mich selbst werde ich schützen, so sind die Grundlagen der Achtsamkeit zu üben.
Den Anderen werde ich schützen, so sind die Grundlagen der Achtsamkeit zu üben.
Sich selbst schützend, schützt man den Anderen; den Anderen schützend, schützt man sich selbst.
Und wie, o Mönche, schützt man, indem man sich selber schützt, den Anderen?
Durch regelmäßige Übung, durch Geistes-Entfaltung, durch ihre häufige Betätigung.
Und wie, o Mönche, schützt man sich selber, indem man den anderen schützt?
Durch Geduld, Gewaltlosigkeit, Güte und Mitleid.»

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