Tantrischer Theravada?

Moderator: void

Der Tantrismus wird eher im Mahayana und insbesondere im Vajrayana verortet. Um so erstaunter, aber auch erfreuter war ich unlängst, zu erfahren, daß es den tantrischen Weg auch im Theravada gibt:

https://en.wikipedia.org/wiki/Tantric_Theravada

http://santidhammo.blogspot.de/2011/11/ ... antra.html

Bis auf diese beiden englischsprachigen Links ist aber nichts bzw. kaum etwas zu finden.

Wer weiß mehr und kann mir weiterhelfen, z.B. mit guten Literaturtips etc.?
Kann nichts dazu beitragen im Moment, aber vielen Dank für diese hochinteressante Info! :like:
Ich habe mich vor einiger Zeit damit befasst, insbesondere in der Ausprägung der burmesischen Weikza. Aber auch mit boran kammatthana und yogavacara.

Als Einstieg in die Weikza-Thematik empfehle ich Champions of the Buddha und da gerade auch Steven Collins' Beitrag What Kind of Buddhism is that? und auch The Immortals: Faces of the Incredible in Buddhist Burma.

Für die beiden Meditationsthemen sind es Woodwards Übersetzung Manual of a Mystic und Crosbys Traditional Theravada Meditation and its Modern-Era Suppression.

Dann zeigt sich auch, dass dies nicht zu verwechseln ist mit lamaistischen oder ostasiatischen Tantra.
Klassse, direkt so viele tolle Empfehlungen!

Vielen lieben Dank, pamokkha und verrückter-narr!

Bevor ich mich durch diese umfangreichen Hinweise gearbeitet habe, vorab die Frage, wie Ihr denn dazu steht: Paßt der Tantrismus ins Theravada oder verfälscht er die Lehre?
Fragender hat geschrieben:
Paßt der Tantrismus ins Theravada oder verfälscht er die Lehre?

Was stellst du dir denn unter "Tantra" im Theravada vor?

Eine ganz grobe Beschreibung der weikza ist, dass sie ihr jetziges Leben, in diesem Körper oder einer anderen Form, so weit ausdehnen, bis sich die Relikte des Gotama Buddha am Schlusspunkt der gegenwärtigen buddhistischen Religion (sasana) vereinigen und daraufhin der Metteyya Buddha erscheint.

Sie tun dies, weil sie Erleuchtung hier und jetzt für sich ausschließen und nicht sicherstellen können, ob sie beim Erscheinen von Metteyya auch gerade "ein passendes Leben" haben werden. Es könnte ihnen ergehen wie Buddhas Lehrer, die in einer der höchsten (Jhana-)Himmel waren oder sie ggf. gerade als Tier oder Höllenwesen wiedergeboren sind.

Dies mag auf den ersten Blick ziemlich absurd klingen, ist aber tatsächlich, wiederum vereinfacht gesprochen, in Übereinstimmung mit der theravadischen Orthodoxie. Die Verlängerung des Lebens auf ein Äon (kappa) mittels der Kultivierung der 4 iddhipada ist in DN16 kanonisch bezeugt, das Kommen von Metteyya Buddha in DN26 und im Buddhavamsa. Die Erzählung vom Vereinen der Gotama-Relike zum Ende des sasana findet sich u.a. im Sammohavinodani, dem Vibhanga-atthakatha.

Es könnte aber einen Logikfehler geben. Die Religion geht erst unter, wenn es keine Erinnerung mehr an Buddha und die Lehre gibt. Oder wie Lopez es sagt, eine Google-Suche nach Buddhismus führt zu keinem Ergebnis mehr. Der weikza weiß aber gerade um die Lehre, daher wartet er ja auf den nächsten Buddha, was das Erscheinen vielleicht gerade verhindert. Der Sammohavinodani spricht davon, das außer den Nichtwiederkehrern und den Arahants, meiner Meinung nach müssen hier die reinen Gefilde gemeint sein, die anderen dem Anblick nicht "standhalten" können: "the rest will not of their own nature be able to stand firm". Vielleicht kann der weikza da irgendwie mit inkludiert werden.

Die weikza haben also schon einen gewissen claim auf Orthodoxie. Jedoch bekommen sie mit ihren Praxismethoden, Alchemie, yantra usw., in Schwierigkeiten mit der theravadischen Orthopraxie.

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