Buddhas Biographie

Moderator: Jojo

Sherab Yönten hat geschrieben:
Allgemein kennt man es so oder so ähnlich: Im Alter von ca. 28 Jahren verließ Siddartha den elterlichen Palast und zum ersten Mal wurde er mit Alter, Krankheit, Tod konfrontiert. Daraufhin verließ er den Palast u.s.w. Wie realistisch ist das? Oder ist dieses Nichtwissen über Alter, Krankheit, Tod eher Teil einer Legende?


Hi Sherry,

also für mich ist diese Geschichte genauso wahr wie die Geschichte von der Geburt Jesu im Stall in Bethlehem und all dem Drumherum und mit den Weisen aus dem Morgenland und den Geschenken usw. Also eine schöne Legende.

Ich muss solche Storys nicht haben.
Sherab Yönten hat geschrieben:
Allgemein kennt man es so oder so ähnlich: Im Alter von ca. 28 Jahren verließ Siddartha den elterlichen Palast und zum ersten Mal wurde er mit Alter, Krankheit, Tod konfrontiert. Daraufhin verließ er den Palast u.s.w. Wie realistisch ist das? Oder ist dieses Nichtwissen über Alter, Krankheit, Tod eher Teil einer Legende?

Es gibt eine interessante Abhandlung über Buddhas Biographie aus der wissenschaftlich-neutralen Sicht des Indologen Hans Wolfgang Schumann in seinem Buch "Buddhismus - Stifter, Schulen und Systeme". Die Gotamas gehörten demnach zur Kaste der Krieger und des Beamtenadels. Für den Fall eines Angriffs wurde im voraus für mehrere Jahre ein Heerführer gewählt um sofort einen Befehlshaber für die Armee zu haben. Es wird vermutet, dass der Vater von Siddhattha einmal als Heerführer gewählt wurde. Daraus hat sich wohl die Legende mit dem Königshaus entwickelt. Auf jeden Fall war Siddattha frei von materiellen Sorgen. Im Pali-Kanon würde es noch eine Stelle geben, in der drin steht, dass Siddhattas Vater gerade vom Feld zurückgekehrt sei, was eine etwas "peinliche" Stelle ist und nicht so gerne gelesen wird.

Es wird vermutet, dass die Geburt eines Sohnes die Bedingung der Eltern waren um ihn in die Hauslosigkeit ziehen zu lassen (sie haben dann einen neuen Statthalter). Zur Zeit von Siddharta gab es sowas wie eine Unabhängigkeitsbewegung vom eher starr empfundenen Brahmanismus und Siddarta wollte da mitmachen, weswegen er das Elternhaus verließ.

Ob er bei einem Ausflug aus dem Elternhaus wirklich zum ersten Mal mit Alter, Krankheit, Tod konfrontiert wurde ist schwer zu sagen. Manchmal gibt es einen wahren Kern, um den später eine Legende gebildet wird. Aber scheinbar muss es für ihn wohl schockierende Erlebnisse gegeben haben. Sonst hätte er die Beendigung des Leidens nicht zu seinem Lebensziel gemacht.
Anandasa hat geschrieben:


Ob er bei einem Ausflug aus dem Elternhaus wirklich zum ersten Mal mit Alter, Krankheit, Tod konfrontiert wurde ist schwer zu sagen. Manchmal gibt es einen wahren Kern, um den später eine Legende gebildet wird. Aber scheinbar muss es für ihn wohl schockierende Erlebnisse gegeben haben. Sonst hätte er die Beendigung des Leidens nicht zu seinem Lebensziel gemacht.


Im Grunde erlebt doch jeder von uns diese Geschichte: Wir leben zwar nicht abgeschottet, wir wissen um Alter, Krankheit, Leid, Tod, aber irgendwie ist alles weit weg von uns und man kann sagen, dass wir uns selber abschotten durch allerlei Ablenkungen, bis es uns unweigerlich mal selbst betrifft. Zu wissen von der eigenen Sterblichkeit und der deiner Lieben ist das Eine - es dann wirklich zu erleben, etwas ganz anderes und ein ähnlicher Schockmoment wie die Erlebnisse des Prinzen auf seinen Ausflügen.
Elke hat geschrieben:
Zu wissen von der eigenen Sterblichkeit und der deiner Lieben ist das Eine - es dann wirklich zu erleben, etwas ganz anderes und ein ähnlicher Schockmoment wie die Erlebnisse des Prinzen auf seinen Ausflügen.


Nur folgt auf diesen Schockmoment meistens nicht die tiefe Einsicht:

Da kam mir, ihr Mönche, der Gedanke: 'Was suche ich denn, selber der Geburt, dem Altern, der Krankheit, dem Sterben, dem Schmerze, dem Schmutze unterworfen, was auch der Geburt, dem Altern, der Krankheit, dem Sterben, dem Schmerze, dem Schmutze unterworfen ist? M.26
mukti hat geschrieben:
Elke hat geschrieben:
Zu wissen von der eigenen Sterblichkeit und der deiner Lieben ist das Eine - es dann wirklich zu erleben, etwas ganz anderes und ein ähnlicher Schockmoment wie die Erlebnisse des Prinzen auf seinen Ausflügen.


Nur folgt auf diesen Schockmoment meistens nicht die tiefe Einsicht:

Da kam mir, ihr Mönche, der Gedanke: 'Was suche ich denn, selber der Geburt, dem Altern, der Krankheit, dem Sterben, dem Schmerze, dem Schmutze unterworfen, was auch der Geburt, dem Altern, der Krankheit, dem Sterben, dem Schmerze, dem Schmutze unterworfen ist? M.26


Ja, Elke und Mukti, dieser Schockmoment ist kein Vergleich zu dem theoretischen, "abständischen" Wissen um Alter, Krankheit und Tod. Das geht durch Mark und Bein!
Ich hatte früher des öfteren sehr reale Träume mein eigenen Sterbens und bin manchmal schreiend erwacht. Dann habe ich immer geglaubt, ich sei endlich kuriert und dieses intensive Erleben würde mich für immer verändern. Pustekuchen!

Nach den Erlebnissen mit meinem Mann und meinem eigenen Schlaganfall wurde mir dann die Endlichkeit zwar noch bewusster, aber heute, nachdem es uns wieder gut und sogar besser geht als vor Jahren, muss ich mich täglich daran erinnern, und deshalb dankbar, mitfühlend - vor allem immer achtsam (gemäß Achtsamkeitsmeditation) zu sein!

Ich bin eigentlich erschüttert über die noch nach Jahren bestehende eigene Unfähigkeit, dieses Bewusstsein ständig aufrecht zu erhalten. Wenn also Siddharta aus seinem Erlebnis seine Schlüsse zog und derart konsequent verfolgte, dann steckt m.E. eine unermesslich viel größere Kraft dahinter als bei mir und wahrscheinlich den meisten anderen. Mir fällt dazu Ananda ein, der direkt an seiner Seite lebte. Wieviel Jahre hat dieser Mensch gebraucht, um endlich nach Buddhas Tod zu begreifen, was "endlich" bedeutet.
_()_ Monika
mukti hat geschrieben:
Elke hat geschrieben:
Zu wissen von der eigenen Sterblichkeit und der deiner Lieben ist das Eine - es dann wirklich zu erleben, etwas ganz anderes und ein ähnlicher Schockmoment wie die Erlebnisse des Prinzen auf seinen Ausflügen.


Nur folgt auf diesen Schockmoment meistens nicht die tiefe Einsicht:

Da kam mir, ihr Mönche, der Gedanke: 'Was suche ich denn, selber der Geburt, dem Altern, der Krankheit, dem Sterben, dem Schmerze, dem Schmutze unterworfen, was auch der Geburt, dem Altern, der Krankheit, dem Sterben, dem Schmerze, dem Schmutze unterworfen ist? M.26


Hallo mukti, vielleicht keine "tiefe" Einsicht. Aber es gibt auch Geschichten, dass viele dieser Menschen, die einen solchen Moment erlebten, das Leben bewusster (achtsamer) leben, sich nicht mehr auf kleingeistige Streitereien einlassen u.s.w. Manche nehmen sogar Zuflucht zu den drei Juwelen. Das ist immerhin schon mal ein erster Schritt in die richtige Richtung.
Hi Sherab Yönten,

ich denke auf diese Punkte kommt an - dass Siddharta diese Einsicht hatte und als Buddha gelehrt hat, weil er gesehen hat dass es Menschen gibt die das verstehen können. Die genaueren Details der Biographie sind unwichtig. Auch dass er vorher nicht lehren wollte ist nachvollziehbar, wenn man bedenkt wie wenige Menschen sich überhaupt näher mit Leid und Vergänglichkeit auseinandersetzen. Z.B. die Generation die den 2. Weltkrieg mit seinen unvorstellbaren Gräueln erlebt hat. Man war allgemein nur bemüht alles zu verdrängen und zu vergessen und ein besseres Leben aufzubauen.

In den Puranas gibt es diese Aussage: "Das Seltsamste das mir auf der Welt untergekommen ist, ist dass alle sehen wie Verwandte, Freunde und alle Wesen um sie herum sterben, aber jeder im Grunde denkt, ich werde ich nicht sterben."
Eigentlich ist es mehr ein Gefühl als ein Gedanke - toll, ich bin da. Bis man halt doch "dran glauben" muss und erlebt wie bedeutungslos dieses Dasein ist.
eine weitere Quelle für Buddhas Biographie ist das Buddhavamsa im Palikanon
http://www.palikanon.com/namen/b/buddhavamsa.htm

Vom Buddhavamsa findet auch nur eine englische Überstzung mit dem Titel: The Great Chronicles of Buddha von Mingun Sayadaw
http://www.dhammatalks.net/Books14/
Monikadie4. hat geschrieben:
...
Mir fällt dazu Ananda ein, der direkt an seiner Seite lebte. Wieviel Jahre hat dieser Mensch gebraucht, um endlich nach Buddhas Tod zu begreifen, was "endlich" bedeutet.


Wenn ich es richtig erinnere war Ananda ungefähr im gleichen Alter wie Buddha oder vielleicht sogar älter.
Vermutlich war ihm vollkommen klar was seine eigene Endlichkeit bedeutet hat.

Es war ihm auch klar, daß das Leben noch lange weitergeht. Würmer, Götter, Steuerinspektoren und Mitglieder deutscher Internetforen inklusive :mrgreen:

Ohne ihn würden wir weniger von dem wissen was Buddha gelehrt hat...
verrückter-narr hat geschrieben:
eine weitere Quelle für Buddhas Biographie ist das Buddhavamsa im Palikanon
http://www.palikanon.com/namen/b/buddhavamsa.htm

Vom Buddhavamsa findet auch nur eine englische Überstzung mit dem Titel: The Great Chronicles of Buddha von Mingun Sayadaw
http://www.dhammatalks.net/Books14/


Mingun Sayadaws Great Chronicles ist keine Übersetzung des kanonischen Buddhavamsa. Buddhavamsa ist ein dünnes Heft und Minguns Werk umfasst 6 große Bände. Buddhavamsa ist auch eher zu verstehen als Chroniken der Buddhas der Vergangenheit. Unser Gotama Buddha spielt auch eine Rolle und findet Erwähnung, wer er war zurzeit des jeweiligen Buddhas.
fotost hat geschrieben:
Monikadie4. hat geschrieben:
...
Mir fällt dazu Ananda ein, der direkt an seiner Seite lebte. Wieviel Jahre hat dieser Mensch gebraucht, um endlich nach Buddhas Tod zu begreifen, was "endlich" bedeutet.


Wenn ich es richtig erinnere war Ananda ungefähr im gleichen Alter wie Buddha oder vielleicht sogar älter.
Vermutlich war ihm vollkommen klar was seine eigene Endlichkeit bedeutet hat.

Es war ihm auch klar, daß das Leben noch lange weitergeht. Würmer, Götter, Steuerinspektoren und Mitglieder deutscher Internetforen inklusive :mrgreen:



Hallo Fotost,
und wenn ich es richtig erinnere, erlangte Ananda erst nach Buddhas Tod Befreiung.
Das ist ja gerade das, was ich meine, theoretisch zu wissen, dass es Leiden gibt und mein Leben endet oder womöglich noch weitere Inkarnationen bevorstehen, ist eben noch nicht vergleichbar mit der Tiefe des Wissens, das zur Befreiung führt. Auch wenn es Ananda vollkommen klar war, was seine eigene Endlichkeit bedeutete.
Mir ist das auch vollkommen klar, aber die "erleuchtenden" Erfahrungen haben eben noch nicht dazu geführt, dass mich die markerschütternden Einblicke ein für allemal neu ausgerichtet hätten. Darüber wundere ich mich immer wieder.
Ich halte mich für unbelehrbar.

Ohne ihn würden wir weniger von dem wissen was Buddha gelehrt hat...


Ja, sicher, aber das kann auch jemand weitergeben, der (noch) nicht erleuchtet ist. Wo fängt es also an?
_()_ Monika
pamokkha hat geschrieben:
verrückter-narr hat geschrieben:
eine weitere Quelle für Buddhas Biographie ist das Buddhavamsa im Palikanon
http://www.palikanon.com/namen/b/buddhavamsa.htm

Vom Buddhavamsa findet auch nur eine englische Überstzung mit dem Titel: The Great Chronicles of Buddha von Mingun Sayadaw
http://www.dhammatalks.net/Books14/


Mingun Sayadaws Great Chronicles ist keine Übersetzung des kanonischen Buddhavamsa. Buddhavamsa ist ein dünnes Heft und Minguns Werk umfasst 6 große Bände. Buddhavamsa ist auch eher zu verstehen als Chroniken der Buddhas der Vergangenheit. Unser Gotama Buddha spielt auch eine Rolle und findet Erwähnung, wer er war zurzeit des jeweiligen Buddhas.

Buddhavamsa ist in dem genannten Werk in Volume 1, Part 2 enthalten
Monikadie4. hat geschrieben:
Hallo Fotost,
und wenn ich es richtig erinnere, erlangte Ananda erst nach Buddhas Tod Befreiung.
Das ist ja gerade das, was ich meine, theoretisch zu wissen, dass es Leiden gibt und mein Leben endet oder womöglich noch weitere Inkarnationen bevorstehen, ist eben noch nicht vergleichbar mit der Tiefe des Wissens, das zur Befreiung führt. Auch wenn es Ananda vollkommen klar war, was seine eigene Endlichkeit bedeutete.
Mir ist das auch vollkommen klar, aber die "erleuchtenden" Erfahrungen haben eben noch nicht dazu geführt, dass mich die markerschütternden Einblicke ein für allemal neu ausgerichtet hätten. Darüber wundere ich mich immer wieder.
Ich halte mich für unbelehrbar.
...

Hallo Monika,

und wenn das Forum nur den einen Zweck hat, daß man (daß ich) gelegentlich mal nachliest wäre es hilfreich

Also, der Erzählung nach, Ananda war exakt so alt wie Buddha, erreichte den Stromeintritt vor und die Heiligkeit nach dem Tod Buddhas

http://www.palikanon.com/namen/aa/aananda.htm
hat doch schon wieder was gebracht :mrgreen:

Unbelehrbar? Komisches Wort. Das könnte bei einigen bedeuten, daß sie in zentralen Bereichen nichts mehr lernen können, weil sie alles wichtige bereits gelernt haben :like:
fotost hat geschrieben:
und wenn das Forum nur den einen Zweck hat, daß man (daß ich) gelegentlich mal nachliest wäre es hilfreich

Also, der Erzählung nach, Ananda war exakt so alt wie Buddha, erreichte den Stromeintritt vor und die Heiligkeit nach dem Tod Buddhas

http://www.palikanon.com/namen/aa/aananda.htm
hat doch schon wieder was gebracht :mrgreen:

Unbelehrbar? Komisches Wort. Das könnte bei einigen bedeuten, daß sie in zentralen Bereichen nichts mehr lernen können, weil sie alles wichtige bereits gelernt haben :like:


Moin Fotost, :D
Interessant, vielen Dank für Deine Mühe und Aufklärung. :D
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