Yoniso Manasikara

Moderator: void

accinca hat geschrieben:
Wer versteht was "a-yoniso manasikāra" ist, versteht vielleicht besser was yoniso manasikāra ist.
"a-yoniso manasikāra" ist die gewöhnliche geistige Tätigkeit des Geistes wie sie jeder kennt.
Verglichen wird dieser Geist mit einem Kind was einem Gaukler zuschaut.
Es ist den Tricks des Gauklers verfallen und findet sie verblüffend weil es die
betrügerischen Hintergründe und Tricks, die wahren Ursachen der Erscheinungen
nicht erkennen kann. "yoniso manasikāra" ist demnach der Blick hinter die Kulissen
der sich vom oberflächlichen Schein nicht täuschen läßt, der Blick der die wahre
Herkunft der Dinge sieht und versteht und die Tricks als Gaukelei erkennt, sie nicht
mehr für wahr nimmt, sie durchschaut.


Ja, a-yoniso manasikara erzeugt und verstärkt diese Täuschung, die Verblendung:

Was ist nun, Brüder, der Grund, was die Bedingung, daß nicht aufgestiegene Gier zum Aufsteigen kommt und aufgestiegene Gier immer größer und stärker wird? Ein anziehendes Objekt - wäre da zu erwidern. Denn wer über ein anziehendes Objekt unweise nachdenkt, bei dem gelangt die nicht aufgestiegene Gier zum Aufsteigen und die aufgestiegene Gier wird immer größer und stärker.

Was aber, Brüder, ist der Grund, was die Bedingung, daß nicht aufgestiegener Haß zum Aufsteigen kommt und aufgestiegener Haß immer größer und stärker wird? Ein abstoßendes Objekt - wäre da zu erwidern. Denn wer über ein abstoßendes Objekt unweise nachdenkt, bei dem kommt der nicht aufgestiegene Haß zum Aufsteigen und der aufgestiegene Haß wird immer größer und stärker.

Was aber, Brüder, ist der Grund, was die Bedingung, daß die nicht aufgestiegene Verblendung zum Aufsteigen kommt und die aufgestiegene Verblendung immer größer und stärker wird? Unweises Nachdenken - wäre da zu erwidern. Denn wer unweise nachdenkt, bei dem kommt die nicht aufgestiegene Verblendung zum Aufsteigen und die aufgestiegene Verblendung wird immer größer und stärker.


Yoniso manasikara verhindert und beseitigt die Verblendung:

Was aber, Brüder, ist der Grund, was die Bedingung, daß die nicht aufgestiegene Gier nicht aufsteigt und die aufgestiegene Gier schwindet? Ein widerliches Objekt - wäre da zu erwidern. Denn wer über ein widerliches Objekt weise nachdenkt, bei dem kommt die nicht aufgestiegene Gier nicht zum Aufsteigen und die aufgestiegene Gier schwindet.

Was aber, Brüder, ist der Grund, was die Bedingung, daß der nicht aufgestiegene Haß nicht zum Aufsteigen kommt und der aufgestiegene Haß schwindet? Die Güte, die Befreiung des Herzens - wäre da zu erwidern. Denn wer über die Güte, die Befreiung des Herzens, weise nachdenkt, bei dem kommt der nicht aufgestiegene Haß nicht zum Aufsteigen und der aufgestiegene Haß schwindet.

Was aber, Brüder, ist der Grund, was die Bedingung, daß die nicht aufgestiegene Verblendung nicht zum Aufsteigen kommt und die aufgestiegene Verblendung schwindet? Weises Nachdenken - wäre da zu erwidern. Denn wer weise nachdenkt, bei dem kommt die nicht aufgestiegene Verblendung nicht zum Aufsteigen und die aufgestiegene Verblendung schwindet.

http://www.palikanon.com/angutt/a03_067 ... ml#a_iii69


"Weises Nachdenken" - bei dieser Übersetzung könnte man meinen, dass yoniso manasikara eine Vorbereitung oder Vorbedingung für die eigentliche Praxis ist: Zuerst muss man durch Nachdenken theoretisch verstehen was Gier, Hass und Verblendung erzeugt und verstärkt, dann kann man sie mittels sati verhindern und beseitigen. Hier steht aber dass sie durch yoniso manasikara beseitigt werden, also bereits direkt bei seiner Anwendung. Wenn ich nicht irre, fällt damit die Entwicklung von metta ebenfalls unter yoniso manasikara, weil sie eben den Hass beseitigt.
mukti hat geschrieben:
"Weises Nachdenken" - bei dieser Übersetzung könnte man meinen, dass yoniso manasikara eine Vorbereitung oder Vorbedingung für die eigentliche Praxis ist: Zuerst muss man durch Nachdenken theoretisch verstehen was Gier, Hass und Verblendung erzeugt und verstärkt, dann kann man sie mittels sati verhindern und beseitigen. Hier steht aber dass sie durch yoniso manasikara beseitigt werden, also bereits direkt bei seiner Anwendung. Wenn ich nicht irre, fällt damit die Entwicklung von metta ebenfalls unter yoniso manasikara, weil sie eben den Hass beseitigt.

yonisomanasikāra ist wie ayonisomanasikāra natürlich relativ.
Aber diejenige yonisomanasikāra, die ausreichend ist z.B. die drei Fesseln
aufzulösen ist natürlich viel qualitativ elementarer. Von den drei Fesseln abgelöst
sein, bedeutet von diesem Anhaften an diese Fesseln für immer frei zu sein.
Einen Rückfall (Fesseln wieder da) kann es da nicht mehr geben, weswegen die
Anzahl der Leben auch begrenzt sind. Der damit erlangte Stromeintritt kann aus
diesen Gründen nicht wieder rückgängig gemacht werden. Dafür genügt es nicht
nur seine Ansichten weise überdacht zu haben. Es ist erforderlich das Entstehen
und Vergehen der Erscheinungen in einem zur Ablösung ausreichenden Maße
("Was es an Körperlichkeit gibt , an Gefühl, Wahrnehmung, Gestaltungen und Bewusstsein, all diese Erscheinungen betrachtet er als vergänglich und leidhaft, als ein Siechtum und ein Geschwür, einen Stachel, ein Übel, eine Qual, als etwas Fremdes und Hinfälliges, als leer und ichlos.")
durchschaut zu haben.
accinca hat geschrieben:
yonisomanasikāra ist wie ayonisomanasikāra natürlich relativ.


Meinst du dass yonisomanasikāra ein Überbegriff ist, der in Bezug zur jeweiligen Übung steht, und mit allen Gliedern und Verästelungen des achtfachen Pfades zusammenhängt?
mukti hat geschrieben:
accinca hat geschrieben:
yonisomanasikāra ist wie ayonisomanasikāra natürlich relativ.


Meinst du dass yonisomanasikāra ein Überbegriff ist, der in Bezug zur jeweiligen Übung steht, und mit allen Gliedern und Verästelungen des achtfachen Pfades zusammenhängt?


Eigentlich ist yonisomanasikāra ein Begriff für eine Übung
die das Entstehen und Vergehen begreift bzw. dazu führt.
Was heißt das aber?
blue_apricot hat geschrieben:
Oder anders gefragt: Was unterscheidet den dhammānusāri und den saddhānusāri vom sotāpannā?

Nichts.

Na gut, im Palikanon steht halt etwas anderes:

"Ihr Bhikkhus, das Dhamma, das auf solche Weise von mir wohl verkündet wurde, ist klar, offen, ersichtlich und frei von Flickwerk. In diesem Dhamma, das auf solche Weise von mir wohl verkündet wurde, das klar, offen, ersichtlich und frei von Flickwerk ist, sind jene Bhikkhus, die drei Fesseln überwunden haben, alle Stromeingetretene ( sotāpannā ), die nicht länger dem Verderben unterworfen sind, die (des Weges) gewiß sind, die dem Erwachen entgegengehen.

"Ihr Bhikkhus, das Dhamma, das auf solche Weise von mir wohl verkündet wurde, ist klar, offen, ersichtlich und frei von Flickwerk. In diesem Dhamma, das auf solche Weise von mir wohl verkündet wurde, das klar, offen, ersichtlich und frei von Flickwerk ist, gehen jene Bhikkhus, die dem Dhamma ergeben sind ( dhammānusārino ), oder die dem Vertrauen ergeben sind ( saddhānusārino )[10], alle der Erleuchtung entgegen."

"Ihr Bhikkhus, das Dhamma, das auf solche Weise von mir wohl verkündet wurde, ist klar, offen, ersichtlich und frei von Flickwerk. In diesem Dhamma, das auf solche Weise von mir wohl verkündet wurde, das klar, offen, ersichtlich und frei von Flickwerk ist, gehen jene, die genug Vertrauen in mich haben, die genug Liebe für mich empfinden, alle der himmlischen Welt entgegen."

(MN 22)


Viele Grüße
Elliot
Bud Spencer hat geschrieben:
"Klassischer Stromeintritt" im PK aus M 56.18 :
Dann gab der Erhabene dem Haushälter Upāli fortschreitende Unterweisung, das heißt, einen Vortrag über Großzügigkeit, einen Vortrag über Sittlichkeit, einen Vortrag über die himmlischen Welten; er erklärte die Gefahr, Erniedrigung und Befleckung in den Sinnesvergnügen und den Segen der Entsagung. Als er erkannte, daß der Geist des Haushälters Upāli bereit, aufnahmefähig, frei von Hindernissen, freudig und zuversichtlich war, erläuterte er ihm die Lehre, die die Besonderheit der Buddhas ist: Dukkha, sein Ursprung, sein Aufhören und der Pfad. Gerade so wie ein sauberes Tuch, bei dem alle Markierungen entfernt wurden, Färbemittel gleichmäßig aufnehmen würde, so erschien auch im Haushälter Upāli, während er dort saß, die fleckenlose, reine Schau des Dhamma: "Alles, was dem Ursprung unterworfen ist, ist dem Aufhören unterworfen." Da sah der Haushälter Upāli das Dhamma, erlangte das Dhamma, erkannte das Dhamma, drang in das Dhamma ein; er ließ den Zweifel hinter sich, er wurde frei von Verwirrung, er erlangte Selbstvertrauen und wurde in der Lehre des Lehrers von anderen unabhängig. Dann sagte er zum Erhabenen: "Jetzt, ehrwürdiger Herr, müssen wir gehen. Wir sind beschäftigt und haben viel zu tun."

Dies könnte auch die Erkenntnis eines dhammanussari beschreiben, nicht unbedingt die Erkenntnis eines Sotapanna.

Viele Grüße
Elliot
mukti hat geschrieben:
Da geht es aber nicht um die Praxis, sondern um das Resultat: Er versteht (pajānāti), deshalb ist er ein Weiser.

Richtig. Insofern ist eine Sotapanna, der "nur" Yoniso Manasikara anwendet, auch kein Weiser.

mukti hat geschrieben:
Das relevante Wort das sich auf die Praxis bezieht, mit der das Verstehen erlangt wird, ist hier wohl dhammesu dhammānupassī viharati. Laut Palireader: dhamma - anupassī. Anupassī : observer; one who contemplates. Observe - beobachten, betrachten. Und contemplate bedeutet betrachten, erwägen, nachsinnen, meditieren, kontemplieren. Demnach ist da kein wesentlicher Unterschied zu "weises erwägen". Und yathābhūtaṃ pajānāti bedeutet einfach "in Wirklichkeit verstehen, sehen wie es wirklich ist", als Resultat von dhammānupassī.

Das sehe ich anders:

‘Puna caparaṃ, bhikkhave, bhikkhu dhammesu dhammānupassī viharati catūsu ariyasaccesu. Kathañca pana, bhikkhave, bhikkhu dhammesu dhammānupassī viharati catūsu ariyasaccesu? Idha, bhikkhave, bhikkhu ‘idaṃ dukkha’nti yathābhūtaṃ pajānāti, ‘ayaṃ dukkhasamudayo’ti yathābhūtaṃ pajānāti, ‘ayaṃ dukkhanirodho’ti yathābhūtaṃ pajānāti, ‘ayaṃ dukkhanirodhagāminī paṭipadā’ti yathābhūtaṃ pajānāti.

(MN 10)

Viharati ist nicht betrachten, erwägen, nachsinnen, meditieren, kontemplieren, sondern verweilen:

Doch drei erhabene, vornehme Ruhelager gibt es, Brahmane, die ich jetzt ganz nach Wunsch erhalte, ohne Mühe, ohne Schwierigkeit. Welche drei? Das himmlisch-erhabene, vornehme Ruhelager, das göttlich-erhabene, vornehme Ruhelager und das heilig-erhabene, vornehme Ruhelager ( Dibbaṃ uccāsayanamahāsayanaṃ, brahmaṃ uccāsayanamahāsayanaṃ, ariyaṃ uccāsayanamahāsayanaṃ ). Diese drei erhabenen, vornehmen Ruhelager erlange ich jetzt ganz nach Wunsch, ohne Mühe, ohne Schwierigkeit.« -

»Was aber, Herr Gotama, ist dieses himmlisch-erhabene, vornehme Ruhelager, das der Herr Gotama jetzt ganz nach Wunsch erlangt, ohne Mühe, ohne Schwierigkeit?« -

»Bei welchem Dorfe oder welcher Stadt ich da verweile, in eben jenem Dorfe oder jener Stadt gehe ich des Morgens, nachdem ich mich angekleidet habe, mit Gewand und Almosenschale versehen, um Almosenspeise. Am Nachmittage, nach Rückkehr vom Almosengang, begebe ich mich in den Wald. Was sich dort gerade an Gräsern oder Laub vorfindet, das trage ich an einen Platz zusammen und setze mich nieder. Und mit untergeschlagenen Beinen, den Körper gerade aufgerichtet und die Achtsamkeit vor mir gegenwärtig haltend, gewinne ich, ganz abgeschieden von den Sinnendingen, abgeschieden von unheilsamen Geisteszuständen, die mit Gedankenfassen und Überlegen verbundene, in der Abgeschiedenheit geborene, von Verzückung und Glücksgefühl erfüllte erste Vertiefung und verweile ( viharāmi ) in ihr. Nach Stillung von Gedankenfassen und Überlegen gewinne ich den inneren Frieden, die Einheit des Geistes, die von Gedankenfassen und Überlegen freie, in der Sammlung geborene, von Verzückung und Glücksgefühl erfüllte zweite Vertiefung und verweile ( viharāmi ) in ihr. Und nach Loslösung von der Verzückung weile ich gleichmütig, achtsam, klar bewußt, und ein Glücksgefühl empfinde ich in meinem Inneren, von dem die Edlen künden: »Der Gleichmütige, Achtsame weilt beglückt«; und so gewinne ich die dritte Vertiefung und verweile 8 viharāmi ) in ihr. Nach dem Schwinden von Wohlgefühl und Schmerz und dem schon früheren Aufhören von Frohsinn und Trübsinn gewinne ich die leidlos-freudlose, in der völligen Reinheit von Gleichmut und Achtsamkeit bestehende vierte Vertiefung und verweile ( viharāmi ) in ihr.

Wandle ich nun, Brahmane in solcher Verfassung auf und ab, so gilt das zu dieser Zeit als mein himmlisches Wandeln. Stehe ich in solcher Verfassung, so gilt das zu dieser Zeit als meine himmlische Stellung. Sitze ich in solcher Verfassung, so gilt das zu dieser Zeit als mein himmlischer Sitz. Pflege ich in solcher Verfassung der Ruhe, so gilt das zu dieser Zeit als mein himmlisch-erhabenes, vornehmes Ruhelager. Das aber, Brahmane, ist jenes himmlisch-erhabene, vornehme Ruhelager, das ich jetzt ganz nach Wunsch erlange, ohne Mühe, ohne Schwierigkeit.« -

»Wunderbar, Herr Gotama, erstaunlich, Herr Gotama! Welch anderer wohl außer dem Herrn Gotama könnte solch himmlisch-erhabenes, vornehmes Ruhelager ganz nach Wunsch erlangen, ohne Mühe, ohne Schwierigkeit! Was aber, Herr Gotama, ist jenes göttlich-erhabene, vornehme Ruhelager, das der Herr Gotama ganz nach Wunsch erlangt, ohne Mühe, ohne Schwierigkeit?« -

»Bei welchem Dorfe oder welcher Stadt ich da verweile, in eben jenem Dorfe oder jener Stadt gehe ich des Morgens, nachdem ich mich angekleidet habe, mit Gewand und Almosenschale versehen, um Almosenspeise. Am Nachmittage, vom Almosengange zurückgekehrt, begebe ich mich in den Wald. Was sich dort gerade an Gräsern oder Laub vorfindet, das trage ich an einen Platz zusammen und setze mich nieder. Und mit untergeschlagenen Beinen, den Körper gerade aufgerichtet, die Achtsamkeit vor mir gegenwärtig haltend, durchdringe ich mit einem von Güte - von Mitleid - von Mitfreude - von Gleichmut erfüllten Geiste die eine Himmelsrichtung, ebenso die zweite, dritte und vierte. So durchdringe ich oben, unten quer inmitten, allerwärts, in allem mich wiedererkennend, (*2) die ganze Welt mit einem von Güte, Mitleid, Mitfreude oder Gleichmut erfüllten Geiste, einem weiten, umfassenden, unermeßlichen, von Haß und Übelwollen befreiten (*3).

Wandle ich nun, Brahmane, in solcher Verfassung, so gilt das zu dieser Zeit als mein göttliches Wandeln. Stehe ich in solcher Verfassung, so gilt das zu dieser Zeit als meine göttliche Stellung. Sitze ich in solcher Verfassung, so gilt das zu dieser Zeit als mein göttlicher Sitz. Pflege ich in solcher Verfassung der Ruhe, so gilt das zu dieser Zeit als mein göttlich-erhabenes, vornehmes Ruhelager. Das aber, Brahmane, ist jenes göttlich-erhabene, vornehme Ruhelager, das ich jetzt ganz nach Wunsch erlange, ohne Mühe, ohne Schwierigkeit.« -

»Wunderbar, Herr Gotama, erstaunlich, Herr Gotama! Welch anderer wohl außer dem Herrn Gotama könnte solch göttlich-erhabenes, vornehmes Ruhelager ganz nach Wunsch erlangen, ohne Mühe, ohne Schwierigkeit! Was aber, Herr Gotama, ist jenes heilig-erhabene, vornehme Ruhelager, das der Herr Gotama jetzt ganz nach Wunsch erlangt, ohne Mühe, ohne Schwierigkeit?« -

»Bei welchem Dorfe oder welcher Stadt ich da verweile, in eben jenem Dorfe oder jener Stadt gehe ich des Morgens, nachdem ich mich angekleidet habe, mit Gewand und Almosenschale versehen, um Almosenspeise. Am Nachmittage, vom Almosengange zurückgekehrt, begebe ich mich in den Wald. Was sich dort gerade an Gräsern oder Laub vorfindet, das trage ich an einen Platz zusammen und setze mich nieder. Und mit untergeschlagenen Beinen, den Körper gerade aufgerichtet, die Achtsamkeit vor mir gegenwärtig haltend, weiß ich also: 'Erloschen ist in mir die Gier, erloschen der Haß, erloschen die Verblendung, entwurzelt, gleich einer Fächerpalme dem Boden entrissen, vernichtet und keinem Neuentstehen mehr unterworfen.'

Wandle ich nun in solcher Verfassung auf und ab, so gilt das zu dieser Zeit als mein heiliges Wandeln. Stehe ich in solcher Verfassung, so gilt das zu dieser Zeit als meine heilige Stellung. Sitze ich in solcher Verfassung, so gilt das zu dieser Zeit als mein heiliger Sitz. Pflege ich in solcher Verfassung der Ruhe, so gilt das zu dieser Zeit als mein heilig-erhabenes, vornehmes Ruhelager. Das aber, Brahmane, ist jenes heilig-erhabene, vornehme Ruhelager, das ich jetzt ganz nach Wunsch erlange, ohne Mühe, ohne Schwierigkeit.« -

(A.III.64 Die drei erhabenen Ruhelager - 3. Venāgapura Sutta)

Dreierlei Verweilungszustände (vihāra):

der Himmlische (dibba-vihāra)
der Göttliche (brahma vihāra)
der Edle Verweilungszustand (ariya-vihāra)

(DN 33)

Und zur besonderen Bedeutung von yathābhūtaṃ siehe (leider nur auf englisch):

Now, even “right wisdom” would be an empty phrase if we do not know how we should see them in our meditation. Well, we don’t have to look far, everything is right in front of us, explained in this little paragraph. However, and that is the special point of this posting, the simple non-literal translation of “yathabhuta” with “as it really is” does not help in the context of meditation. It is not completely wrong either, but if we go word for word and consider some other facts, the meaning behind yathabhuta is even more powerful. The problem here is, that the listener at Buddha’s time was very well aware of the literal meaning of those terms. He was able to grasp from this and the context the “instruction” part. He may have even applied the instruction at the same time of hearing the discourse spoken. No wonder then, that many suttas tell us about attainments of Nibbana while listening to such words.

(https://theravadin.wordpress.com/2008/0 ... athabhuta/)

Viele Grüße
Elliot
accinca hat geschrieben:
Eigentlich ist yonisomanasikāra ein Begriff für eine Übung
die das Entstehen und Vergehen begreift bzw. dazu führt.
Was heißt das aber?


Das lässt sich wohl durch Üben in sati allmählich ganz herausfinden.
Elliot hat geschrieben:
mukti hat geschrieben:
Da geht es aber nicht um die Praxis, sondern um das Resultat: Er versteht (pajānāti), deshalb ist er ein Weiser.

Richtig. Insofern ist eine Sotapanna, der "nur" Yoniso Manasikara anwendet, auch kein Weiser.


Für mich schon, aber kommt drauf an was man unter Weisheit versteht.

Elliot hat geschrieben:
Viharati ist nicht betrachten, erwägen, nachsinnen, meditieren, kontemplieren, sondern verweilen:
........


Nein, dhammānupassī ist das. Ja, viharati bedeutet verweilen, hier wohl im Sinne von dabeibleiben, beharren. Bei der Betrachtung der Geistobjekte, wie z.B. den vier edlen Wahrheiten, verweilen - in diesem Zusammenhang steht es ja in M.10

Elliot hat geschrieben:
Und zur besonderen Bedeutung von yathābhūtaṃ siehe (leider nur auf englisch):

Now, even “right wisdom” would be an empty phrase if we do not know how we should see them in our meditation. Well, we don’t have to look far, everything is right in front of us, explained in this little paragraph. However, and that is the special point of this posting, the simple non-literal translation of “yathabhuta” with “as it really is” does not help in the context of meditation. It is not completely wrong either, but if we go word for word and consider some other facts, the meaning behind yathabhuta is even more powerful. The problem here is, that the listener at Buddha’s time was very well aware of the literal meaning of those terms. He was able to grasp from this and the context the “instruction” part. He may have even applied the instruction at the same time of hearing the discourse spoken. No wonder then, that many suttas tell us about attainments of Nibbana while listening to such words.

(https://theravadin.wordpress.com/2008/0 ... athabhuta/)



Gut, der Begriff ist nicht die Sache selbst, insofern lässt sich die Bedeutung von "yathābhūtaṃ" nur ganz erfassen wenn man erreicht hat, was es bezeichnet. So ist es dann ja auch mit "yoniso manasikara", durch Nachdenken und Überlegen kommt man nicht so richtig hin.
Elliot:
Na gut, im Palikanon steht halt etwas anderes:


Das steht aber immer" in diesem Dhamma".
Möglicherweise bedeutet es was Dhamma,-und Vertrauensergeben betrifft, die drei Fesseln sind noch nicht ganz aufgehoben,
aber sie stehen "im Erwachensprozess". Wenn du es besser weißt, warum fragst du mich dann ?
Der Kommentar hierzu ist sehr gut, hab ich jetzt erst gelesen. Der "Unterschied" ist minimal.


Markant bei den Stromeingetretenen ist die Tatsache, daß sie durch das erste Erblicken der Wahrheit über jeden Zweifel erhaben sind. Die beiden spirituellen Fähigkeiten, die den Zweifel vernichten, bedingen sich zwar gegenseitig, sind aber doch unterscheidbar: Weisheit (paṭṭā) und Vertrauen (saddhā). Dementsprechend gibt es zwei Arten von Individuen, die im Begriff sind, in den Strom des Dhamma einzutreten und die drei niederen Fesseln zu vernichten: der Dhamma-ergebene, bei dem Weisheit die führende spirituelle Fähigkeit ist, und der Vertrauensergebene, bei dem das Vertrauen im Vordergrund steht.

HH: Der Unterschied zwischen Stromeingetretenen einerseits und Dhamma-/ Vertrauensergebenen andererseits – letztere sind noch nicht “zielbewusst” [niyato, hier mit “(des Weges) gewiß sein” übersetzt]. Anders gesagt: der Stromeingetretene weiß, dass er einer ist, der Ergebene (= Stromeintretender, Anusāri) weiß es (noch) nicht mit Sicherheit.


Die Auffassung von Weisheit oder Wissen nach westlicher Art unterscheidet sich sehr vom Verständnis des Ostens. Für den Osten ist Weisheit Klarheit und Intuition der Wirklichkeit oder Wahrheit durch körperlich-geistige Erfahrung.
mukti hat geschrieben:
accinca hat geschrieben:
Eigentlich ist yonisomanasikāra ein Begriff für eine Übung
die das Entstehen und Vergehen begreift bzw. dazu führt.
Was heißt das aber?


Das lässt sich wohl durch Üben in sati allmählich ganz herausfinden.


Im Abhidhamma ist manasikāra ein Geistesfaktor in allem Bewusstsein, zum Unterschied vom Denken:

(a) 5 primäre (sabbacitta) (in allem Bewusstsein):
1. Bewusstseinseindruck (phassa)
2. Wille (cetanā)
3. (geist.) Lebensfähigkeit (jīvita)
4. Sammlung (samādhi)
5. Aufmerken (manasikāra)

(b) 6 sekundäre (pakinnakā) (nicht in allem Bewusstsein)
1. Gedankenfassung (vitakka)
2. Diskursives Denken (vicāra)
3. Entschluss (adhimokkha)
4. Tatkraft (viriya)
5. Interesse (Verzückung) (pīti)
6. Absicht (chanda)

http://www.palikanon.com/tables/tabelle2.htm


Demnach wäre yoniso manasikāra eine bestimmte Art des Aufmerkens, wohl das Wahrnehmen eines Objektes als etwas entstandenes, zeitweiliges, vergehendes. Die Vergänglichkeit aller Dinge im Bewusstsein behalten, ist dann eine Übung des yoniso manasikāra.

Ohne diese Übung bleibt eine falsche Wahrnehmung, die zu dukkha führt:

Zwei Bedingungen gibt es, ihr Mönche, für die Entstehung der Gier. Welche zwei?

Ein anziehendes Objekt und
unweises Nachdenken.

Zwei Bedingungen gibt es, ihr Mönche, für die Entstehung des Hasses. Welche zwei?

Ein abstoßendes Objekt und
unweises Nachdenken.

A.II.124-125


Weiß jetzt nicht ob das schon angeführt wurde, aber eine wahre Fundgrube zum Thema wäre S.46.51. Nahrung -- 1. Āhāra Sutta.

http://palikanon.com/samyutta/sam46.html#s46_51

In Pali: http://palikanon.com/pali/samyutta/sam46.htm (6. Sākacchavaggo 1. Āhārasuttaṃ)
@ mukti:
Demnach wäre yoniso manasikāra eine bestimmte Art des Aufmerkens,


Yo. :)

Es mag schon eine gewisse Weisheit darin liegen, die Haltung der Praxis zu verstehen und anzuwenden, nach dem man die Lehre vernommen hat.
Dann kommt es zum Aufmerken als intuitiver Reflex.
Nicht folgen, nicht ablehnen. Ich denke, das ist mit dem "Wissen" um Vergänglichkeit der Phänomene ( Shunyata/ anatta ) gemeint.
blue_apricot hat geschrieben:
Der Kommentar hierzu ist sehr gut, hab ich jetzt erst gelesen. Der "Unterschied" ist minimal.

Aber ausschlaggebend: Der Stromeingetretene hat durch gründliches Erwägen ( Yoniso Manasikara ) den Sinn des achtfachen Pfades verstanden ( wenn auch noch nicht vollständig realisiert ) und folgt ihm bewusst nach:

In Sāvatthi.

Da begab sich der Ehrwürdige Sāriputta zum Erhabenen, begrüßte ihn ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend, wandte sich der Erhabene an ihn:

"Glieder zum Stromeintritt, Glieder zum Stromeintritt, so sagt man, Sāriputta. Was aber sind, o Sāriputta, Glieder zum Stromeintritt?"

"Umgang mit rechten Menschen, o Herr, ist ein Glied zum Stromeintritt.
Die rechte Lehre hören, ist ein Glied zum Stromeintritt.
Gründliche Aufmerksamkeit ( yonisomanasikāro ) ist ein Glied zum Stromeintritt.
Der Lehre lehrgemäß nachfolgen, ist ein Glied zum Stromeintritt".

"Gut, Sāriputta, gut, Sāriputta,

Umgang mit rechten Menschen ist ein Glied zum Stromeintritt.
Die rechte Lehre hören, ist ein Glied zum Stromeintritt.
Gründliche Aufmerksamkeit ( yonisomanasikāro ) ist ein Glied zum Stromeintritt.
Der Lehre lehrgemäß nachfolgen, ist ein Glied zum Stromeintritt.
Strom, Strom, Sāriputta, sagt man. Was ist das aber, Sāriputta: der Strom?"

"Eben dieser edle achtfältige Pfad, o Herr, ist der Strom, nämlich rechte Erkenntnis, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rechter Lebensunterhalt, rechte Anstrengung, rechte Achtsamkeit, rechte Einigung".

"Gut, gut, Sāriputta, eben dieser edle achtfältige Pfad ist der Strom. In den Strom eingetreten, in den Strom eingetreten, Sāriputta, sagt man. Inwiefern aber ist, Sāriputta, einer in den Strom eingetreten?"

"Wer da, o Herr, diesem edlen achtfältigen Pfad nachfolgt, den nennt man in den Strom eingetreten, einen solchen Ehrwürdigen solchen Namens und solcher Sippe".

"Gut, gut, Sāriputta, wer da diesem edlen achtfältigen Pfad nachfolgt, den nennt man in den Strom eingetreten, einen solchen Ehrwürdigen solchen Namens und solcher Sippe".

(S.55.5. Sāriputta II - Dutiya-sāriputta Sutta)

Viele Grüße
Elliot
@ Elliot: Da steht "nur" Gründliche Aufmerksamkeit ( yonisomanasikāro ). Das Erwägen ist sicher eine Folge von. Jedenfalls kommt das so mit der Praxis auf. Da erwägt man schon mal dies und das, einfach so. Ist das `weises Erwägen` ? Keine Ahnung.

Der Stromeingetretene hat durch gründliches Erwägen ( Yoniso Manasikara ) den Sinn des achtfachen Pfades verstanden ( wenn auch noch nicht vollständig realisiert ) und folgt ihm bewusst nach:

Naja, das ist eine Interpretation, in der Sutta steht es nicht.

Im Kommentar:
Dementsprechend gibt es zwei Arten von Individuen, die im Begriff sind, in den Strom des Dhamma einzutreten und die drei niederen Fesseln zu vernichten: der Dhamma-ergebene, bei dem Weisheit die führende spirituelle Fähigkeit ist, und der Vertrauensergebene, bei dem das Vertrauen im Vordergrund steht.
ergo: Sotapanna. Fertisch.

Hier hast du wieder Weisheits,- und Gemütserlöster. Ist nur ne Frage der Veranlagung. Mit Methode hat das nix zu tun.
@Blue-Apricot
Hier hast du wieder Weisheits,- und Gemütserlöster. Ist nur ne Frage der Veranlagung. Mit Methode hat das nix zu tun.


Sehe ich auch so. :D
_()_
Da hier schon teils arg spekulativ geantwortet wurde, will ich mich dem gerne anschließen.
Hier also meine Lieblings-Zitate bzgl. "yoniso manasikara", bei denen das Wort zwar nicht vorkommt,
aber meine Intuition flüstert: Post it, post it....


"Nun, Ānanda, wie kommt die höchste Entfaltung der Sinne in der Disziplin des Edlen zustande? Ānanda, wenn da ein Bhikkhu mit dem Auge eine Form sieht, entsteht in ihm Erfreuliches, es entsteht Unerfreuliches, es entsteht Erfreuliches-und-Unerfreuliches. Er versteht: 'Es ist in mir Erfreuliches entstanden, es ist in mir Unerfreuliches entstanden, es ist in mir Erfreuliches-und-Unerfreuliches entstanden. Aber jenes ist gestaltet, grob, bedingt entstanden; dies hier ist friedvoll, dies ist erhaben, nämlich Gleichmut.' Das entstandene Erfreuliche, das entstandene Unerfreuliche und das entstandene Erfreuliche-und-Unerfreuliche hören in ihm auf, und Gleichmut ist in ihm gegenwärtig" M 152.4


"Wenn nun also andere einen Bhikkhu (der das so der Wirklichkeit entsprechend sieht) beleidigen, verunglimpfen, schelten und belästigen, versteht er folgendermaßen: 'Dieses schmerzhafte Gefühl, das aus Hörkontakt geboren ist, ist in mir entstanden. Jenes ist bedingt, nicht unbedingt. Wodurch bedingt? Bedingt durch Kontakt.' Dann sieht er, daß Kontakt vergänglich ist, daß Gefühl vergänglich ist, daß Wahrnehmung vergänglich ist, daß Gestaltungen vergänglich sind, und daß Bewußtsein vergänglich ist. Und sein Geist, der in diesem Element eine Stütze findet, dringt vorwärts und erwirbt Zuversicht, Beständigkeit und Entschlossenheit." M 28.8


Sieh nicht auf die "Dinge", sondern auf die Bedingungen, auf die , Grenzen, Übergänge. M 153



P.S.: Ein Zitat ist natürlich frei erfunden. :)
Hier möchte ich ein paar Zeilen schreiben.

Passende Aufmerksamkeit„Yoniso Manasikāra“ ist ein geistiger Faktor, der bei der Geburt der Weisheit hilft. Passende Aufmerksamkeit„Yoniso Manasikāra“ geht direkt vor Weisheit.
Mohan Gnanathilake hat geschrieben:
Passende Aufmerksamkeit„Yoniso Manasikāra“ ist ein geistiger Faktor, der bei der Geburt der Weisheit hilft. Passende Aufmerksamkeit„Yoniso Manasikāra“ geht direkt vor Weisheit.

Und wo kommt dann die "passende Aufmerksamkeit" her?
accinca hat geschrieben:

Und wo kommt dann die "passende Aufmerksamkeit" her?


Mit einer starken Entschlossenheit schauen wir über uns, um unsere logischen Gedanken und Handlungen fest zu halten.
Mohan Gnanathilake hat geschrieben:
Mit einer starken Entschlossenheit schauen wir über uns, um unsere logischen Gedanken und Handlungen fest zu halten.

Ja, "wir" schaffen das schon!

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