Buddha-Natur im Theravada

Moderator: void

Soweit ich es verstanden habe, setzt Mahayana eine "Buddha-Natur" jedem Menschen (Oder wohl auch jedem Lebewesen) voraus, also die Fähigkeit zu Erwachen. Wie sieht es im Theravada aus? Gibt es bezüglich "Buddha-Natur" auch Pali Texte?




LG
bezüglich der Buddha-Natur gibt es im Mahayana in den verschiedenen Sutra und Schulen auch unterschiedliche Ansichten. Häufig werden die Begriffe buddha-dhātu, tathāgata-dhātu und tathāgata-garbha hierfür als identische Begriffe verwendet, sie sind es aber nicht ganz.
http://www.spiritwiki.de/Tathagatagarbha
https://www.buddhismuskunde.uni-hamburg ... ermann.pdf
https://www.tibet.de/fileadmin/pdf/tibu ... anatur.pdf
http://lirs.ru/lib/Tathagatagarbhasutra ... n,2002.pdf
https://www.buddhismuskunde.uni-hamburg ... hausen.pdf


Einige Gelehrte sehen in dem Begriff "pabhassara-citta", der in Anguttara-nikaya 1,49 und 1,50 auftaucht Ähnlichkeiten zum Begriff "prakrtivisuddhi-citta", der in den Tathagatagarbha-Texten auftaucht.
https://suttacentral.net/pi/an1.41-50#50
http://www.budsas.org/ebud/ebdha191.htm
https://discourse.suttacentral.net/t/lo ... ion/4975/4
Ich bin auf einen Text von Vimalo Kulbarz gestoßen wo er folgendes erwähnt:
( den Text stelle ich in den Link Bereich ein)
Solche Begriffe wie die Buddhanatur, die Nicht-Zweiheit, der Urgrund des Geistes (pabhassara citta), der unberührt von Gut und Böse ist, die geschickte Anwendung von angemessenen Mitteln (upaya-kosalla) wurden von Buddha im Pali-Kanon erwähnt...


Den Begriff hatten wir letztens:
(Allgemeines zum Buddhismus, Diskussionen und Dispute, Seite 2)
Sudhana:
Aber ich vermute, Du meinst im Palikanon. Da würde ich nun an A.I.10 denken. Wobei ich nicht so recht weiss, warum Nyanatiloka/Nyanaponika da pabhassara mit "lauter" übersetzen - immerhin weisen sie selbst in der Anmerkung darauf hin, dass pabhassara "leuchtend" heisst. Ist sicher der klassischen Theravada-Kommentarliteratur geschuldet, die das wohl als Gegenstück zu Befleckungen (upakilesa), die wörtliche Bedeutung ignorierend, interpretierte. Wobei es mE eigentlich näher läge, hier einen Bezug zur adjektivischen Bedeutung von citta (leuchten, glänzen) zu sehen.
Andererseits lösen sie sich vom Kommentar wenigstens so weit, dass sie 'citta' als Substantiv mit 'Bewusstsein' übersetzen (wobei im Text allerdings kein viññāṇaṃ steht, sondern eben citta)

Raphy:
Im Zusammenhang mit citta habe ich auch manchmal das Wort Herz-Geist gehört.


(Tatsächlich ist `Herzgeist` ein Synonym für `bussho`- buddhanatur oder auch tathāgatagarbha)

Er taucht auch hier auf:

Luminous mind (also, "brightly shining mind," "brightly shining citta") (Sanskrit prakṛti-prabhāsvara-citta,[1] Pali pabhassara citta) is a term attributed to the Buddha in the Nikayas. The mind (Citta) is said to be "luminous" whether or not it is tainted by mental defilements.[2]
The statement is given no direct doctrinal explanation in the Pali discourses, but later Buddhist schools explained it using various concepts developed by them.[3] The Theravada school identifies the "luminous mind" with the bhavanga, a concept first proposed in the Theravada Abhidhamma.[4]

Weiter heisst es ebd:
The Theravadin Angutta Nikaya Atthakatha identifies the luminous mind as the bhavanga, the "ground of becoming" or "latent dynamic continuum", which is the most fundamental level of mental functioning in the Theravada Abhidhammic scheme.[
11
https://en.wikipedia.org/wiki/Luminous_mind

Viele Grüße, M.
Vielen Dank euch beiden für die Links, ich habe wohl erstmal was zum lesen da.
Ich fände es auch interessant, woher das Interesse rührt.

Wie die Vorposter ja schon aufgezeigt haben scheiden sich da doch die Konzepte der Schulen sehr voneinander.
So wie ich das verstanden bzw. erfahren habe scheint im Pali Kanon selbst die Buddha Natur eine untergeordnete Rolle zu spielen, als in anderen Schulen. Sie ist kein Hauptthema, während Mahayana oder besonders Vajrayana sich geradezu auf diesen Aspekt fokussieren.
Das liegt vielleicht schlicht an der Methodik des Erreichens des "Erwachens".
Ayudha hat geschrieben:
Das liegt vielleicht schlicht an der Methodik des Erreichens des "Erwachens".

Während es in der Welt sicher viel Methodik gibt die gerade das blockiert.
Stawrogin hat geschrieben:
Soweit ich es verstanden habe, setzt Mahayana eine "Buddha-Natur" jedem Menschen (Oder wohl auch jedem Lebewesen) voraus, also die Fähigkeit zu Erwachen. Wie sieht es im Theravada aus? Gibt es bezüglich "Buddha-Natur" auch Pali Texte?

Das halte ich für ganz unmöglich.
Jedenfalls in den Lehrreden des Buddha ist davon nichts zu finden.
accinca hat geschrieben:
Ayudha hat geschrieben:
Das liegt vielleicht schlicht an der Methodik des Erreichens des "Erwachens".

Während es in der Welt sicher viel Methodik gibt die gerade das blockiert.


Also das braucht man denke ich nicht zu diskutieren. :mrgreen:
Ich ziehe Theravada z.b. einfach deswegen vor, weil diese Methode nicht versucht bestimmte kulturelle Aspekte oder Gewohnheiten so zurecht zu biegen, dass man eine Art "bequemere Abkürzung" hat. Sinneszügelung ist schließlich eines der Hauptthemen des Abhidharma. ^^
Hallo Ayudha,

herzlich Willkommeṇ. Wie ich sehe, bist Du erst seit gestern registriert; Deine einführenden Worte in der Memberlist habe ich gelesen.

Du schreibst in Deinem obigen Beitrag:
Ich ziehe Theravada z.b. einfach deswegen vor, weil diese Methode nicht versucht bestimmte kulturelle Aspekte oder Gewohnheiten so zurecht zu biegen, dass man eine Art "bequemere Abkürzung" hat. Sinneszügelung ist schließlich eines der Hauptthemen des Abhidharma.
Du bevorzugst die klaren Lehren des Theravada, einige Mitmenschen sind im Zen/Chan zu Hause, ... ich z.B. traf vor über 30 Jahren einen Tibetischen Mönch und wurde seine Schüleriṇ.

Vielleicht habe ich Dich ja missverstanden, und Du meintest gar nicht, dass die Schulen des Mahayana oder Vajrayana, incḷ der Praktizierenden der Dzogchen-Lehren, oder des Mahamudra versuchen...
"... kulturelle Aspekte oder Gewohnheiten so zurecht zu biegen, dass man eine Art "bequemere Abkürzung" hat."
Schau, in diesem Forum sind diverse Traditionen/Schulen mit ihren in einigen Punkten differierenden Lehrmeinungsinhalten vertreten.

Niemand ist gezwungen, sich mit ihm fremden und nichtssagenden Lehrinhalten auseinander zu setzen, aber ein respektvolles Miteinander sollte möglich seiṇ. Dazu gehört u.a. auch sammā-vācā, die Rechte Rede.

Auf ein gutes Miteinander, ... vielleicht kann ich ja auch von Dir einiges lerneṇ.

LG mkha'
Ayudha hat geschrieben:
accinca hat geschrieben:
Während es in der Welt sicher viel Methodik gibt die gerade das blockiert.

Also das braucht man denke ich nicht zu diskutieren.

Das habe ich jetzt nicht so ganz verstanden.
Ich wollte nur darauf hinweisen, das es viele Dinge in
der Welt gibt die Fortschritt auf den 8-Pfad blockieren.
Dazu gehören natürlich insbesondere falsche Ansicht und falsche Übung.
mkha' hat geschrieben:
Hallo Ayudha,

herzlich Willkommeṇ. Wie ich sehe, bist Du erst seit gestern registriert; Deine einführenden Worte in der Memberlist habe ich gelesen.

Du schreibst in Deinem obigen Beitrag:
Ich ziehe Theravada z.b. einfach deswegen vor, weil diese Methode nicht versucht bestimmte kulturelle Aspekte oder Gewohnheiten so zurecht zu biegen, dass man eine Art "bequemere Abkürzung" hat. Sinneszügelung ist schließlich eines der Hauptthemen des Abhidharma.
Du bevorzugst die klaren Lehren des Theravada, einige Mitmenschen sind im Zen/Chan zu Hause, ... ich z.B. traf vor über 30 Jahren einen Tibetischen Mönch und wurde seine Schüleriṇ.

Vielleicht habe ich Dich ja missverstanden, und Du meintest gar nicht, dass die Schulen des Mahayana oder Vajrayana, incḷ der Praktizierenden der Dzogchen-Lehren, oder des Mahamudra versuchen...
"... kulturelle Aspekte oder Gewohnheiten so zurecht zu biegen, dass man eine Art "bequemere Abkürzung" hat."
Schau, in diesem Forum sind diverse Traditionen/Schulen mit ihren in einigen Punkten differierenden Lehrmeinungsinhalten vertreten.

Niemand ist gezwungen, sich mit ihm fremden und nichtssagenden Lehrinhalten auseinander zu setzen, aber ein respektvolles Miteinander sollte möglich seiṇ. Dazu gehört u.a. auch sammā-vācā, die Rechte Rede.

Auf ein gutes Miteinander, ... vielleicht kann ich ja auch von Dir einiges lerneṇ.

LG mkha'


In der Tat habe ich das wohl ungeschickt ausgedrückt.

Ich betrachte alle Traditionen als gleichwertig, weil ich sie als Synkretismen zwischen der Lehre und der jewiligen Kultur sehe, in welche der Buddhismus eingewandert ist.

Als Kulturwissenschftler mit religionswissenschaftlichen Fokus kann ich aber gerade diese kulturellen Symbole dekonstruieren, oder sie als vorbuddhistisch oder reines Kultrsymbol erkennen.
Daher benötige ich für mich z.b. keinen tibetischen Vajrayana, weil ich Tantrismus oder Lamaismus nicht für notwendige Elemente meiner Praxis benötige. Wie das andere sehen und machen ist ihre Sache.

Nur ermahne ich stets dann, wenn jemand reinem Exotismus verfällt und bestimmte Kerninhalte der Lehre zugunsten von anderen Praktiken, die ausschließlich in der eigenen Traditon wichtig sind höher wertet, als die Kerninhalte des Sutra Pitaka oder des Abhidharma Pitaka. Nicht, weil ich Theravada für "den besseren Buddhismus" halte, sondern, weil ich es dnn wirklich schade finde, dass andere sich beim befolgen des Dharmapatha an Dingen aufhalten, die sie stillstehen lassen.
Ein Beispiel:
In der vielerseits bekannten Karma Kagyü wird nach der Meditation Mahakala angerufen/dessen Schutz bzw. Götter spielen im tibetischen Buddhismus ohnehin eine Rolle. (siehe Lhamo/Lhama)
Da habe ich dann doch versucht zu besprechen, dass dieses Mahakala ein reines vorbuddhistisches fast vedisches Element ist, dass später "buddhistisiert" wurde und daher an sich eigentlich für die buddhistische Praxis nur ein künstliches Symbol ist, ohne tieferen Sinn. Außer eben jenen, den man sebst darauf projiziert. Wenn ich dann an die 5 Skandhas denke steht da über meinem Kopf ein großes Fragezeichen "Wozu ist das gut? Brauch man das?"

Ansonsten ist mein Motto Inklusion statt Exklusion
accinca hat geschrieben:
Ayudha hat geschrieben:
accinca hat geschrieben:
Während es in der Welt sicher viel Methodik gibt die gerade das blockiert.

Also das braucht man denke ich nicht zu diskutieren.

Das habe ich jetzt nicht so ganz verstanden.
Ich wollte nur darauf hinweisen, das es viele Dinge in
der Welt gibt die Fortschritt auf den 8-Pfad blockieren.
Dazu gehören natürlich insbesondere falsche Ansicht und falsche Übung.


Genau so hab ichs auch verstanden und sehe ich genauso. :)
Guten Abend Ayudha,

herzlichen Dank für die freundlichen klärenden Worte.

Ich werde meine Anmerkungen, die lediglich meine Sichtweise darstellen, kurz fassen. Ich bin ausdrücklich nicht der Meinung, sie seien allgemeingültig.

1.)
Nur ermahne ich stets dann, wenn ...
Niemand kann das Denken der Mitmenschen verändern; allenfalls ist es möglich, mit einem Menschen mit offenem Geist und wachem Verstand ins Gespräch zu kommeṇ, ohne zu erwarten, dass das Gegenüber sich der eigenen Meinung anschließṭ.

2.)
... jemand reinem Exotismus verfällt und bestimmte Kerninhalte der Lehre zugunsten von anderen Praktiken, die ausschließlich in der eigenen Traditon wichtig sind höher wertet, als die Kerninhalte des Sutra Pitaka oder des Abhidharma Pitaka. Nicht, weil ich Theravada für "den besseren Buddhismus" halte, sondern, weil ich es dnn wirklich schade finde, dass andere sich beim befolgen des Dharmapatha an Dingen aufhalten, die sie stillstehen lassen.
a.) Ich verstehe recht gut, was Du meinst, (denn u.a. studierte ich bei einem Lehrer, der mir zwecks stabiler Grundlage das Studium des PK ans Herz legte), daher möchte ich nur eines anmerken: was immer Du von außen siehst, wird Dir ohne Studium der Tibetisch Buddhistischen Philosophie den (tieferen) Sinn ihr entsprechender Lehren und Praktiken nicht erschließeṇ.

b.) Was das Werten, Bewerten eigener und Lehrinhalte anderer Schulen, sowie das Ablehnen und Begehren dergleichen betrifft, schließe ich mich den Worten Dzigar Kongtrul Rinpoches an:
"Sektierertum beginnt mit dem eigenen Ego und dem Greifen nach einem Ego. Selbst im Fall der eigenen Linie, deren Belehrungen und Praktiken du achtest und wertschätzt, fehlt dann das tiefere Verständnis darüber, was sie eigentlich repräsentiert und wie sie wirkt - nämlich als Medizin, um vom Ego geheilt zu werden."

LG mkha'

Doch nun zurück zum Thema "Buddha-Natur im Theravada"
Stawrogin hat geschrieben:
Soweit ich es verstanden habe, setzt Mahayana eine "Buddha-Natur" jedem Menschen (Oder wohl auch jedem Lebewesen) voraus, also die Fähigkeit zu Erwachen. Wie sieht es im Theravada aus? Gibt es bezüglich "Buddha-Natur" auch Pali Texte?

LG


Die Fähigkeit zum Erwachen gibt es schon im Theravada, aber unter "Buddhanatur" wird im Mahayana noch was anderes verstanden, das gibt es im Theravada so nicht.
mukti hat geschrieben:
Die Fähigkeit zum Erwachen gibt es schon im Theravada, aber unter "Buddhanatur" wird im Mahayana noch was anderes verstanden, das gibt es im Theravada so nicht.


Was genau wird anders verstanden?
Stawrogin hat geschrieben:
mukti hat geschrieben:
Die Fähigkeit zum Erwachen gibt es schon im Theravada, aber unter "Buddhanatur" wird im Mahayana noch was anderes verstanden, das gibt es im Theravada so nicht.


Was genau wird anders verstanden?


Ich weiß es nicht genau, das wäre eine Frage für das Tibetische Forum, vielleicht auch das Zen-Forum was sie unter "Buddhanatur" verstehen.
Wer ist Buddha? ... Du, nur Du.
Und da die Dir immanente Buddha-Natur ist, übst Du das "Es ist"

Lass nicht die Blume des Dharma sich drehen, drehe sie selbst.

Die Buddha-Natur ist nicht erreichbar, nicht erschaffbar, sie ist einfach.

Die erste Metapher war für mich der Baum, dessen Innerstes immer schon vorhanden ist, doch durch die Schlinggewächse des sezierenden Verstandes ist dieser Stamm nicht sichtbar. Mühe Dich nicht, einen Stamm zu erschaffen.

_()_

Ich weis nicht, wie ein Theravadin dies sieht, doch das Geschriebene ist meine Sicht.
jianwang hat geschrieben:
Wer ist Buddha? ... Du, nur Du.
Und da die Dir immanente Buddha-Natur ist, übst Du das "Es ist"
Lass nicht die Blume des Dharma sich drehen, drehe sie selbst.
Die Buddha-Natur ist nicht erreichbar, nicht erschaffbar, sie ist einfach.

Kannst du das nicht den Tibeter erzählen oder
den Zeugen Jehovas oder was weiß ich?
Vielleicht glauben die das ja.
@accina ... wo steht was von glauben?

_()_

Ich finde Dich lustig in Deinem Versuch, über Nicht-Erfahrenes doch noch was zu sagen. Weiter so.
Zum Thema Buddha-Natur: unterschiedliche Sichtweisen und Entstehungsgeschichte

(Falls Euch, liebe Theravadin, das zu viel "Geschreibsel" über Nicht-Theravada-Themen ist: kann ich auch nachvollziehen - lasst es dann bitte von den Moderatoren löscheṇ. LG mkha' :) )

Beiträge zum Thema:

1. Theravada
Freiheit von der Buddhanatur, Thanissaro Bhikkhu
http://zugangzureinsicht.org/html/lib/a ... ature.html

2. Tibetischer Buddhismus
Buddha-Natur und der Geist des Klaren Lichts, Dr. Alexander Berzin https://studybuddhism.com/de/fortgeschr ... ren-lichts

3. Wie die Lehre von der Buddhanatur entstand, Prof. Dr. Michael Zimmermann

Die Lehre von der Buddhanatur wurde erstmals im dritten Jh. unserer Zeitrechnung niedergelegt: im Tathågatagarbha-Sutra, einer Lehrrede aus dem frühen Mahayana. Prof. Dr. Zimmermann skizziert die Entstehungsgeschichte der Lehre der Buddhanatur.

Das Tathagatagarbha-Sutra, in dem die Lehre von der Buddhanatur erstmals explizit formuliert ist, wurde ungefähr im dritten Jh. n. Chr. schriftlich niedergelegt. Wie kam es zur Formulierung dieser Lehre?

Es ist kaum vorstellbar, dass neue philosophische bzw. spirituelle Lehren ohne Vorgeschichte aus dem luftleeren Raum geboren werden. Vielmehr stellt eine neue Denkrichtung eine Entwicklung dar, die gewisse Mankos auszugleichen bzw. offen gebliebene Fragen zu beantworten versucht. Auch sozio-materielle Umstände können eine Rolle spielen. Für das alte Indien ist es aufgrund der sehr dürftigen und unsicheren Informationslage allerdings schwierig, solche historischen Entwicklungen aufzuzeigen. Aus diesem Grund stütze ich mich im Folgenden auf literaturgeschichtliche Fakten.

Um die Zeitenwende tritt eine neue Denkweise literarisch in Erscheinung: der Buddhismus des sog. Großen Fahrzeugs (Mahayana). Darin war die Buddhaschaft nicht mehr eine dem historischen Buddha Gautama und seinen wenigen Vorgängern vorbehaltene Errungenschaft. Von nun ab sollte sie allen Lebewesen offenstehen – ein riesiger Schritt, wenn man bedenkt, dass das vollkommene Erwachen bisher als ein Ereignis angesehen worden war, das nur einmal in Jahrmillionen stattfinden konnte. Das bisherige Heilsziel bestand allein in dem Erlangen der höchsten Heiligkeitsstufe (Arhatschaft), und dies war wohl eher spirituell elitären Spezialisten vorbehalten.

Wichtig in der frühen Entwicklung des Großen Fahrzeugs ist das Lotossutra (Saddharmapundarïka-Sutra). Eine weitere Gruppe noch früherer Texte dieses Fahrzeugs bilden die Lehrreden von der Vollkommenheit der Weisheit (Prajñaparamita).

LOTOSSUTRA: DIE LEHRE VON DER BUDDHANATUR BAHNT SICH AN

Markant im Lotossutra ist die Vehemenz, mit der betont wird, dass es zum Erlösungsziel der Buddhaschaft letztendlich keine Alternative gibt. Das bisherige Heilsziel der Arhatschaft wird auf eine untergeordnete Stufe verwiesen. In dem Gleichnis von einer Karawane, die eine Wildnis durchwandert, wird dieses Heilsziel des konservativen Buddhismus sogar mit einer Stadt inmitten einer Wildnis verglichen, die ein Karawanenführer mit Hilfe eines Zaubertrugs erschaffen hat. Damit will er die von ihm geführten und zum Aufgeben erschöpften Lebewesen vom Umkehren abhalten. Der Karawanenführer steht in dem Gleichnis für den Buddha.

Die Vorstellung, dass alle Lebewesen ausnahmslos nach der Buddhaschaft streben sollten, ist im Sutra in der Erzählung von dem Bodhisattva „Niemals-Verachtet”(Sadaparibhuta) auf den Punkt gebracht. „Niemals-Verachtet“ macht es sich zur Aufgabe, allen dem Buddhismus zugeneigten Menschen, ob Mönchen, Nonnen, Laienanhängern und -anhängerinnen, zu verkünden, dass sie früher oder später Buddhas würden.

Für einige Zuhörer muss dies wie eine Provokation gewirkt haben, denn wie der Text sagt, musste der Bodhisattva dafür verbale Gegenreaktionen und sogar Schläge über sich ergehen lassen, die er geduldig ertrug.

Das Sutra an sich wirkt ganz und gar nicht wie eine philosophisch spekulative Abhandlung. Ganz im Gegenteil! Konkret und lebendig scheint es den Geist der einfachen, philosophisch nicht gebildeten Menschen zu atmen. Dies gilt auch für die Stellung der Leerheit, die in anderen Lehrreden des frühen Mahayana eine solch überragende Position einnimmt. In vielen die Leerheit betreffenden Passagen drängt sich der Eindruck auf, dass es sich dabei nur um phraseologische Wendungen handelt oder die betreffende Stelle gar erst später in den Text eingefügt wurde.

Die Buddhanatur kommt in dem gesamten Werk nicht vor; nichts weist darauf hin, dass eine solche Lehre zur Entstehungszeit des Lotossutras schon existiert hätte. Was jedoch für unsere Vorbetrachtungen Relevanz hat, ist folgendes Gleichnis im Lotossutra: Dort geht es um ein kostbares Juwel, das einst, ohne das Wissen des Trägers, von einem reichen Freund, bei dem er zu einem Gastmahl geladen ist, in den Saum seines Gewandes eingenäht wurde. Der Gast geht dann auf eine lange Reise, fällt in Armut und muss in erbärmlichen Umständen sein Dasein fristen. Er ahnt nichts von dem Juwel in seinem Gewand. Erst als er nach vielen Jahren der Not wieder den Wohltäter von damals trifft, macht ihn dieser auf das eingenähte Juwel aufmerksam.

Der reiche Freund entspricht dem Buddha, der in uns allen einst den Wunsch nach Allwissenheit geweckt hat. So wie der Reisende jedoch dessen nicht mehr gewahr ist, können auch die Lebewesen sich nicht an dieses Gelöbnis erinnern und geben sich mit minderwertigen spirituellen Zielen zufrieden. Erst der Buddha erinnert sie wieder an das Ziel der Buddhaschaft als ihre eigentliche Bestimmung. Ich halte dieses Gleichnis des Lotossutras für ein bedeutsames Moment im Herausbilden der Idee von der Buddhanatur.

TATHÅGATAGARBHA: EINEN BUDDHA IN SICH HABEND

Es gibt nicht eine einzige, homogene Lehre von der Buddhanatur. Philosophiegeschichte besteht in dem Versuch, Lehren in bestimmten Stadien ihrer Entwicklung zu beschreiben. Diese Stadien dokumentieren, wie sich bestimmte Positionen herausbilden, neue Elemente eingefügt und ursprünglich vertretene Thesen modifiziert werden. Auch eine ideengeschichtliche Analyse im Falle der Buddhanatur-Lehre sieht sich einer solchen Aufgabe gegenüber. Zum einen ist es wohl nicht nur ein einziger Strang, der in die Ausformung dieser Lehre mit einfloss, zum anderen hat sie in den Jahrhunderten ihrer Entwicklung in Indien, Tibet und Ostasien zum Teil ein recht neues Gepräge erfahren. Ich möchte mich hier auf das früheste hervorgetretene Stadium beschränken.

Kehren wir also in das Indien des ungefähr dritten Jhs n. Chr. zurück, in dem das Sutra anzusiedeln ist, das zum ersten Mal den Begriff tathagata-garbha verwendet, und von ihm ausgehend mit neun Gleichnissen postuliert, dass alle Lebewesen die Buddhanatur hätten.

Das Tathågatagarbha-Sutra hat folgenden Handlungsverlauf: Der Buddha selbst hatte, umgeben von tausenden Anhängern, mit seinen übernatürlichen Kräften Lotosblumen am Himmel erscheinen lassen. In der jeweiligen Mitte dieser prachtvoll erblühten Blumen sitzen Buddhas, regungslos und strahlend, allseits sichtbar. Plötzlich, wiederum durch die übernatürlichen Kräfte des Buddhas, verwelken die Lotosblumen, nehmen abstoßende Farben an und beginnen übel zu riechen. Nur die Buddhas in ihren Mitten bleiben völlig unberührt von den äußeren Geschehnissen, jetzt allerdings verhüllt von den hässlichen Blättern der Lotosblumen. An dieser Stelle setzt der Buddha mit der Darlegung seiner Lehre an, um der irritierten Zuhörerschaft Aufschluss zu geben.

Aus dem Sutra:
„Wie wenn da zum Beispiel irgendeine mit dem göttlichen Auge versehene Person diese hässlichen und stinkenden Lotusblumen ... betrachtete und wüsste, dass in ihrer Mitte, im Kelch der Lotusblumen, ein Tathagata (ein Buddha) mit übereinandergeschlagenen Beinen säße, und daraufhin die Gestalt dieses Tathagatas zu erblicken wünschte; und [diese Person] dann die hässlichen, stinkenden und verachtenswerten Blütenblätter der Lotosblumen aufbrechen und beseitigen würde, um [dadurch] die Gestalt des Tathågata in rechter Weise zu reinigen. Genauso sieht auch der Tathagata mit [seinem] Buddha-Auge, wie alle Lebewesen einen Tathagata in sich haben (tathagata-garbha) und verkündet daraufhin die Lehre, um die Hüllen der Lebewesen, [nämlich] Befleckungen [wie] Begehren, Abneigung, Fehlorientiertheit, Verlangen und Unwissenheit, aufzubrechen ... Angesichts [dieses Sachverhalts und,] da [die Lebewesen] von verachtenswerten Hüllen der Befleckungen bedeckt werden, verkündet der Tathagata, Heilige und Vollkommen Erwachte, um [diese] Hüllen der Befleckungen zu zerstören und [dadurch] auch das [in allen Lebewesen ruhende] Wissen eines Erwachten gänzlich zu reinigen, den Bodhisattvas die Lehre [vom Tathagata in allen Lebewesen] und lässt [sie] Vertrauen ... [in diese Lehre] haben.”

Der Terminus tathagata-garbha fungiert auf dieser ersten Stufe der Lehre von der Buddhanatur als ein Adjektiv im Sinne von „einen-tathagata-(buddha-)-in-sich-habend”. Eine weitere Bedeutung von garbha kann auch die von „Embryo” oder „Keim” sein, wie wir noch sehen werden.

Inhaltlich sind in dem Zitat alle wesentlichen Punkte der Lehre enthalten: Alle Lebewesen tragen einen Buddha in sich, erkennen es jedoch nicht. Unmittelbar ist dieser Buddha ja auch nicht zu sehen, denn er ist eingehüllt von den Befleckungen emotionaler und intellektueller Natur der Lebewesen. Deshalb erscheint der Buddha, der mit seinem Allwissen über die wahren Verhältnisse im Bilde ist, und belehrt die Lebewesen über ihre Buddhanatur. Erst wenn die Lebewesen Vertrauen in ihn und seine Lehre gefunden haben, beginnen sie entsprechend zu leben und erlangen schließlich das volle Erwachen. Wenn sie auf diese Weise selbst zu einem Buddha geworden sind, vollführen sie selbst die Taten eines Buddha.

Es ist zweifelsohne das Ziel des Tathagatagarbha-Sutras, diese Grundlehre in möglichst einfacher und eindringlicher Terminologie bekannt zu machen. Dazu greift es auf neun Gleichnisse zurück, wie die Buddha-Statue in einem verwelkten Lotos oder der Goldklumpen im Schmutz. Die Gleichnisse des Tathagatagarbha-Sutras scheinen jeweils unterschiedliche Elemente zu betonen: zum einen das Verstecktsein der Buddhaschaft in den Lebewesen, das Unwissen darüber und das irrtümliche Gefühl, dem Treiben des Samsara schutzlos ausgesetzt zu sein, sowie das überraschende Zu-Tage-Treten der Buddhanatur; zum anderen die Wesensgleichheit zwischen den Lebewesen und den Buddhas, das Angewiesensein auf einen die versteckte Natur erkennenden, übermächtigen „Helfer” und schließlich die direkte Aufforderung des Buddhas, nach Vervollkommnung zu streben.

WEITERENTWICKLUNG DER BUDDHANATUR-LEHRE

Das Lotossutra kann als Vorstufe der Buddhanatur-Lehre angesehen werden. Die Parallelen zwischen dem Gleichnis von dem in einen Mantel eingenähten Juwel und den Beispielen für die Buddhanatur springen förmlich ins Auge: In beiden Fällen sind sich die Träger nicht bewusst, dass sie ein so kostbares Juwel mit sich führen. Bei beiden ist diese Kostbarkeit versteckt und kann nur durch einen übermächtigen Helfer zum Vorschein gebracht werden. Ist das Juwel erst einmal freigelegt, können Schwierigkeiten überwunden werden.

Der Unterschied zwischen beiden ist ebenso deutlich: Im Tathagatagarbha-Sutra wird dieses wertvolle Element als die Buddhanatur der Lebewesen bestimmt. Beim Lotossutras liegt eine solche Deutung zwar in der Luft, aber dort heißt es nur, dass alle Lebewesen den Wunsch nach Buddhaschaft hätten. Begründungen werden nicht angeführt. Die Zeit war offensichtlich noch nicht reif für eine Deutung des Juwels im Sinne der Buddhanatur.

Das Tathagatagarbha-Sutra scheint phraseologische Wendungen vom Lotossutra übernommen zu haben; überhaupt zeigen beide Texte einen ähnlichen Duktus, die gleiche detaillierte Bildhaftigkeit, eine Vorliebe für gleichnishafte Erzählungen und beide betonen die immense Bedeutung eines väterlich-übermächtigen Buddha, der mit seinen Belehrungen in das Weltgeschehen eingreift, um allen Lebewesen zu helfen.

Ich halte es für gut möglich, dass es das primäre Ziel der Autoren des Tathagatagarbha-Sutras war, die axiomatische Behauptung des Lotossutras sowie die dem gesamten Mahayana zugrundeliegende Idee einer „Buddhaschaft für alle” auf eine philosophische Basis zu stellen. Freilich ist die Begründung, nämlich dass alle Lebewesen die Buddhanatur hätten, letztlich auch nur eine weitere dem Buddha in den Mund gelegte axiomatische Behauptung, deren Gültigkeit nicht einmal von anderen Schulen des Mahayana ernst genommen worden zu sein scheint.

Das Besondere dieser frühen Phase der Buddhanatur-Lehre liegt in dem Faktum, dass das Allwissen eines Buddhas sowie sämtliche Buddha-Eigenschaften schon von Anfang an in allen Lebewesen, und dazu rechnet das Sutra auch explizit alle Tiere, als vorhanden gedacht ist.

Von ihrem Wesen her besteht zwischen dem Lebewesen und einem Buddha nicht der geringste Unterschied. Allerdings ist diese buddhagleiche Natur der Lebewesen von äußerlichen Befleckungen bedeckt und kann, so lange sie nicht davon gereinigt worden ist, auch nicht wirksam werden. In anderen Worten, wir haben es mit einem sehr bildhaft und substanziell gedachten Verhältnis von Latenz und Aktualität zu tun, wobei das, was später seine Funktion erfüllen wird, so präsentiert wird, als sei es von Anfang an schon in vollkommener Ausformung vorhanden.

Das Verwirklichen der Buddhaschaft erfolgt auch nicht dadurch, dass zusätzliche buddhakonstituierende Eigenschaften erzeugt werden oder der Bewusstseinsstrom auf eine höhere Ebene gebracht wird, wie von anderen Schulrichtungen des Großen Fahrzeugs vertreten. Dementsprechend kann es auch keine essenzielle Verschiedenheit zwischen dem unerwachten Zustand eines gewöhnlichen Lebewesens und dem eines voll erwachten Buddhas geben.

Strenggenommen ist damit auch nicht mehr im Rahmen eines Verhältnisses von Ursache-Wirkung zu denken, da die Buddhanatur vor und nach dem Erwachen wesenhaft keine Veränderung erfährt. Man könnte die zugrunde liegende Anschauung eher als eine Art von Manifestationstheorie beschreiben, bei der das Verhältnis von Latenz und Wirksamkeit im Vordergrund steht.

DER BUDDHA-KEIM IN JEDEM WESEN

Freilich war es nicht die Absicht des Sutras, den Unterschied zwischen Buddhas und gewöhnlichen Lebewesen zu verwischen oder gar spirituelles Training überflüssig zu machen. Der Schwerpunkt dieser ersten Phase der Buddha-Natur-Lehre liegt zweifelsohne auf der Botschaft, dass alle Lebewesen eine buddhagleiche Natur haben, so dass wenig Raum für die Darstellung der Notwendigkeit von Übung an sich verwendet wurde. Dass die Beseitigung von Befleckungen bei den Lebewesen in den Befreiungsprozess mit aufgenommen wird, zeigt, dass doch eine Grenze zwischen gewöhnlichen Lebewesen und Buddhas gezogen wird. Diese betrifft aber nicht das wahre Wesen aller Beteiligten, denn die Befleckungen haften der Buddhanatur, so wie die dreckigen Lumpen die wertvolle Buddhastatue verhüllten, nur vorübergehend an.

Auf das Tathagatagarbha-Sutra folgten bald andere Lehrtexte und systematisierende Werke, welche die Lehre der Buddhanatur von anderen Blickwinkeln beleuchteten und schließlich den Begriff tathagata-garbha nicht mehr als ein Adjektiv im Sinne von „einen Tathagata beinhaltend”, sondern als eine in den Lebewesen weilende Entität, nämlich den Buddha-Keim oder Buddha-Embryo, verstanden. Im Vergleich zu der frühesten Erscheinungsform der Lehre, wo die Lebewesen kompromisslos mit einem ausgereiften, erwachten Buddha versehen vorgestellt worden waren, deutet diese Entwicklung bereits eine Abschwächung an. Eine solche Deutung öffnete naturgemäß Interpretationsmodellen die Tür, die das in den Lebewesen vorhandene Buddha-Element nur als eine Ursache fassen, durch die das Erwachen ermöglicht wird.

Gleichzeitig kam es ausgehend von weiteren Sutras der Buddhanatur-Lehre zu einer sehr positiven Bestimmung des Höchsten Seins. Der tathagata-garbha wurde nach dieser Deutung mit dem Höchsten Sein in seiner äußerlich verunreinigten Form gleichgesetzt. Alle Lebewesen waren demnach von diesem Absoluten Wesen durchdrungen.

Die klassische Buddhanatur-Lehre scheut sich auch nicht, dieses Höchste Sein (tathata, buddhadhatu, dharmakaya) mit vier positiven Begriffen zu charakterisieren: „beständig”, „freudvoll”, „Selbst” und „rein”. Für die sonst so einflussreiche Lehre von der Leerheit (sunyata) blieb bei dieser positiv-angereicherten Bestimmung des Höchsten Wesens verständlicherweise kaum mehr Raum.

Während die Leerheit im Lotossutra und dem Tathagatagarbha-Sutra überhaupt keine Rolle spielt, wurde im klassischen System der Buddhanatur-Lehre immerhin versucht, sie miteinzubauen. Allerdings wies man ihr dabei eine klar untergeordnete Position zu, indem man hervorhob, dass das mit allen positiven Eigenschaften versehene Höchste Sein vollkommen leer (sunya) von Verunreinigungen sei.
Danke, wenn ich dies zwar kannte, doch solchen "Textanalysen" eher kritisch gegenüber stehe.

_()_
mukti hat geschrieben:
Stawrogin hat geschrieben:
mukti hat geschrieben:
Die Fähigkeit zum Erwachen gibt es schon im Theravada, aber unter "Buddhanatur" wird im Mahayana noch was anderes verstanden, das gibt es im Theravada so nicht.


Was genau wird anders verstanden?


Ich weiß es nicht genau, das wäre eine Frage für das Tibetische Forum, vielleicht auch das Zen-Forum was sie unter "Buddhanatur" verstehen.


Auch wenn ich aus dem Zen komme, muss ich sagen, dass es mit der "Buddha Natur" stellenweise zu weit geht. Ehrlich gesagt, nach 15 Jahren Buddhismus, wäre es "besser" gelaufen, wenn ich nie von "Buddha Natur" gehört hätte.

Denn es geht nicht so sehr um die "Fähigkeit zum Erwachen", sondern dass dieses Erwachen schon vollkommen da ist, man es nur "freilegen" muss. Dies kann aber seltsame Früchte tragen. So könnte man das Koan Mu, indem der Hund die Buddha Natur besitzt, eben vollkommen falsch auslegen im Sinne von: "Schau mal, ein Hund hat ja schon alles erreicht, warum nach was streben...bin ich nicht besser und schlauer als ein Hund?" Doch eigentlich bedeutet "Mu" soviel wie nichts, und ist eben kein Hinweis darauf, dass ein Hund schon das Ziel erreicht hätte.

Zu Priester Jōshū kam ein Mönch und fragte ihn: "Hat ein Hund Buddhanatur oder nicht?" Jōshū antwortete: "Mu"


Doch oftmals wird aus Zen Kreisen gesagt, dass jeder schon die Buddha Natur hätte. Wenn es sich auf ein "Potential" bezieht ist dies auch richtig, dies wäre der Schwenk zu Theravada. Wenn es aber als "schon bestehend" gedeutet wird, wird es problematisch, zumindest mal für Anfänger, die gerade erst in die Praxis einsteigen. "Wozu dann Übung? Wozu Silas? Buddha Natur ist jetzt und hier!"

Dies ist verlockend für den Geist - aber eine Falle.

Dabei wird "Zen" so als das "lockere" und "witzige" angesehen und es hat auch diese Außenwirkung. Doch es fußt eben auf Siddhartas Lehrreden, auch wenn man sagt, dass dieses "verkopfte", eine andere Richtung ist. Es gehört dazu, quasi als Ausgleich.
Hallo jianwang,

ich habe die Berichte (ohne zu bewerten) lediglich zu Info-Zwecken eingestellt. Ich habe ein wenig in meinem Infomaterial gewühlt und dachte, die Diplomarbeit Zimmermanns zum Thema eigne sich gut, um den Verlauf des Wandels eines Teils der Lehrmeinungen anhand der Sutren aufzuzeigen.

LG mkha'
mkha' hat geschrieben:
(Falls Euch, liebe Theravadin, das zu viel "Geschreibsel" über Nicht-Theravada-Themen ist: kann ich auch nachvollziehen - lasst es dann bitte von den Moderatoren löscheṇ. LG mkha' :) )

In der Tat ist das hier off topic aber ich erwarte das
nicht von der Moderation sondern von den Mahayanisten
das sie sowas da diskutieren wo es topic ist.
Hallo IkkyuSan,

Vieles kann seltsame Blüten (Ansichten, Meinungen, Überzeugungen, etc.)tragen, daher erklärte mein Lehrer immer wieder, wie wichtig ihm die Fähigkeit des korrekten Verständnisses grundlegender Lehren (und des im Auge behalten derselben) sei. "Mit der achtsamen Ausübung eben dieser Lehren sind viele Menschen bereits überfordert," sagte eṛ.

LG mkha'
mkha' hat geschrieben:

1. Theravada
Freiheit von der Buddhanatur, Thanissaro Bhikkhu
http://zugangzureinsicht.org/html/lib/a ... ature.html


Das ist ja jetzt mal eine Stellungnahme des Theravada zum Begriff Buddhanatur. Von Befürwortern dieses Mahayana Begriffes und seiner Entwicklung haben wir hier auch einiges gelesen und eine Menge Links bekommen, so dass jeder seine Schlussfolgerungen ziehen kann. Damit dürfte die Eingangsfrage ja nun beantwortet sein. Falls noch Bedarf an kontroversieller Diskussion besteht bitte nicht hier im Theravada-Forum austragen, sonst muss ich den Thread schließen.
Sorry accina und Mukti,

hatte schon ein ungutes Gefühl beim Einstellen. Wollte eigentlich nur die Ausgangsfrage beantworteṇ (Siehe Nr 1 meines Beitrags), dachte mir dann, dass es vielleicht auch für Euch interessant sein könnte ... :roll: ... Ok - kommt nicht wieder vor, werde demnächst einfach einen Verweis zu einem dazu eröffneten Thema im entsprechenden Bereich macheṇ.

Alles wieder ok?

LG mkha'
Schon gut mkha', ich will nur nicht dass es hier zu Streitigkeiten kommt wie schon öfter bei diesem Thema.
Danke Mukti, :kiss:

es ist mir daran gelegen, weiterhin Gast bei Euch sein zu dürfen.

LG mkha'
Super, Vielen Dank auch allen, besonderst an Mkha für die Links! :)

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