Dogen Zenji

Moderator: void

Für Dogen-Liebhaber

https://audiothek.philo.at/podcasts/dogen-1-ws2014

Dogens „shobo genzo“ ist eines der Hauptwerke in der Geistesgeschichte des Zen-Buddhismus weltweit. Die Originalsprache Dogens ist einzigartig, vor allem hinsichtlich der Mischstruktur von zwei Sprachen, den damals aktuellen, vom Ursprungsland China übernommenen Zen-Redewendungen und der Literatursprache der japanischen Intellektuellen. Übertragen wurde die originale Geisteshaltung aus dem Kern des Zen-Buddhismus, begleitet von den Prinzipien: 1) Schriften- und Dogmenunabhängigkeit, 2) Öffnung der zur Wahrheit leitenden Erkenntnisquellen in verschiedenen Sphären der Lebenswelt, 3) Unmittelbare Herausforderung zum Aufgreifen des Wesentlichen jeglichen Dinges, 4) Rigoros kritisches und selbst-kritisches Beschauen der eigenen Denk- und Verhaltensweise: „Durchleuchten des Grundes des wahrhaften Selbst“ als „Buddha-Natur“.
Klingt die Serie dieser Denkansätze gleichsam wie ein „Fachjargon“, so muss der Interessierte diese „eiserne Kugel“ „konfrontieren und ihren Inhalt verdauen“ (authentischer Zen-Spruch), bis die Ansätze mit einem weit offenen Tor in verschiedenen Sphären des realen Lebens klar erkannt werden können. Zu begreifen ist einerseits, dass jede Sphäre des Lebens vor unserem leibhaftigen Selbst eine Quelle zum Auskosten und Aufgreifen einer Wahrheit anbietet. Andererseits ist es wichtig zu erkennen, dass unserem leibhaftigen Dasein eine unbegrenzte Dimension innewohnt, um uns selbst mitten im Leben zu manifestieren, wobei die Integration von Leib und Bewusstsein als „Erkenntnis tragendes corpus“ im lebensweltlichen Umfeld von uns und Mitseienden erschlossen wird.
Im Unterschied zur Philosophiegeschichte der okzidentalen Welt zeigte die Philosophie- und Religionsgeschichte des Buddhismus eine eindeutige Nähe der Reflexionen zum Leben. In der Rezeptionsgeschichte des Buddhismus im „Westen“ wurden häufig nur die im Rahmen des Katholizismus integrierbaren Partien der „Mystik“ akzentuiert. Oder man neigte dazu, ausschließlich die „toleranten Aspekte“ des Buddhismus in Bruchteilen zu akzeptieren: als „Religion, ungebunden an einen Schöpfergott bzw. ohne irgendwelche Dogmenansätze“. Bei übermäßiger Akzentuierung der „Leibhaftigkeit des Buddhismus als Religion der Mystik“ vertauschten manche Interpreten die nüchterne Rationalität des Zen-Geistes mit seiner authentisch wortkargen Äußerung, die gleichsam „alogisch und unphilosophisch“ klingt. Bei einer übertönten Relevanz der „Handlungspraxis“ (Terminus: gyō行) vom authentischen Zen-Geist verliert man den Faden zur Reflexion und kann den wesentlichen Kern des Zen-Geistes mit der kritisch reflexiven Wissenschaftlichkeit unserer Zeit nicht mehr vereinbaren. Bei der Überbetonung der „Intuition“ zum Erfassen einer universellen Wahrheit im Zen (u.a. Denkrichtungen Ostasiens) gelangen viele Denker in Analytischer Philosophie und Cognitive Science andererseits von Beginn an zu einer irreführenden Interpretation, z.B. dass die „Intuition“ zugleich einen von bloßen Gefühlen abhängigen Subjektivismus in einer elementaren Stufe bzw. einen Bewusstseinszustand mit fehlender Objektivität an Wissen aufzeige. Missverständnisse grundlegender Art entstanden dadurch, dass die Subjekt-Objekt-Auffassung und -Aufstellung im Zen u.a. Denkrichtungen Ostasiens zur Gänze anders (gegenüber der europäischen Philosophie) konstruiert ist: Eine solche Lücke wird im Zentrum der Thematik aufgenommen und kritisch diskursiv erläutert.

Danke Dir Festus, der zweite Teil ist dort ebenfalls zu finden
Vielen Dank für den Link, äußerst faszinierend!

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