Vasubandhu im heutigen Zen

Moderator: void

Ich habe heute Inside Vasubandhu's Yogacara fertig gelesen. Vorgestellt werden hier Vasubandhus 30 Verse kommentiert von Ben Connelly, einem US-amerikanischen Soto-Lehrer.

Der Untertitel ist A Practitioner’s Guide und mich interessiert, inwieweit Vasubandhu im heutigen Zen noch eine Rolle spielt. Konkret gefragt, habt ihr euch mit Vasubandhu in eurer Praxis - Theorie und Sitzen - auseinandergesetzt, wurde er in eurer Sangha besprochen usw?
Also ich persönlich habe von ihm im Zen noch nie was gehört.

Ich hab aber jetzt gegoogelt und gesehen, dass es im Soto von Keizan Jōkin das Werk Denkoroku gibt, in dem die ersten 52 Zen-Patriarchen nach Shakyamuni Buddha jeweils mit einem Koan vorgestellt werden. Worunter auch Vasubandhu (Bashubanzu) fällt.
(the story of vasubandhu)

Mich würde auch interessieren ob diese Werk heute noch eine Rolle spielt.
Guten Morgen,

ich muss mich void anschließen: nie gehört.
Klingt aber interessant, ich hab's mal auf meine "to read"-Agenda getan, danke für den Hinweis!

LG
Andreas
Immerhin wurde das Lankavatara-Sutra von Bodhidharma nach China gebracht und das Cittamātra, zu dessen prominenten Vertreter ja Vasubandhu zählt, ist eint der Grundpfeiler des Zen.
Für mich war sowohl das Lanka als auch die 50 Verse der entscheidende Schlüssel im Verstehen von Paticcasamuppada.
Das ist im Zen nicht viel anders als z.B. bei praktizierenden Katholiken. Da stehen auf der Bestsellerliste auch eher Anselm Grün und Hans Küng als Ambrosius von Mailand oder Thomas von Aquin. Etwas anders sieht es bei ordinierten Priestern aus - in Japan ist das ja in der Regel mit einem Studium der Buddhologie verbunden. Da studiert man natürlich die Grundlagentexte, aber in einem akademischen setting. Mein letzter japanischer Dharmavorfahr hat z.B. seinen Bachelor mit einer Arbeit über Dignāga und seinen Master mit einer über das Mahāyānasaṃgraha gemacht, einer umfassenden Darstellung des Yogācāra bestehend aus einem 'Kerntext' Asangas mit Vasubandhus Kommentar.

Im Westen mus man sich da idR als Autodidakt behelfen, dementsprechend ist das Studium eher unsystematisch und auch weitgehend abhängig von dem, was an Übersetzungen vorliegt. Wenn man sich da nun speziell mit Yogācāra beschäftigt, kommt man natürlich an den Triṃśikā (唯識三十頌) nicht vorbei. Für die Chan- / Zen-Tradition ist jedoch vor allem das in China entstandene Amalgam aus Yogācāra und Tathāgatagarbha-Theorie bedeutend - repräsentiert vor allem durch das Laṅkâvatāra-sūtra (入楞伽經), das *Buddhadhātu-śāstra oder Foxing Lun (佛性論) und das *Mahāyānaśraddhôtpāda-śāstra oder Dasheng qixin lun (大乘起信論). Die beiden letztgenannten Texte werden - mit ziemlicher Sicherheit zu Unrecht - in der chinesischen Tradition Vasubandhu und Aśvaghoṣa zugeschrieben; sie sind auch der Grund, warum beide als 'indische Patriarchen' des Chan / Zen gelten. Während für das *Mahāyānaśraddhôtpāda mehrere englische Übersetzungen (beginnend mit D.T. Suzuki, der auch als erster das Laṅkâvatāra übersetzte) vorliegen, existiert für das Foxing Lun "Vasubandhus" (Autor war wohl eher der als Übersetzer geltende Paramārtha) zwar eine hervorragende Studie mit umfangreichen Zitaten (Sallie B. King), aber leider noch keine Gesamtübersetzung. Das Abhidharmakośa (阿毗達磨俱舍論) tut sich außerhalb der akademischen community wohl kaum jemand freiwillig an ...

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Dieses Buch ist entstanden aus einer Zen-Studiengruppe von Tim Burkett, ebenfalls Soto-Lehrer aus Minnesota, zu Yogacara. Im Buch wird noch erwähnt, wie Thich Nhat Hanh als er noch Schüler war die Verse auswendig lernen musste.

Aber ihr scheint meinen Eindruck ja zu bestätigen, dass diese praktische Auseinandersetzung mit Vasubandhu eher ein Sonderfall ist.

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