Rezi

Moderator: void

In einer Rezi bei uns heisst es:

Ich bereue das Verlangen nach Sex.

Selbstverständlich. :|

Also keineswegs "erst den Akt".

Ganz versteh ich das aber nicht.

Ja gut, fällt unter Begehren...
Morpho hat geschrieben:
In einer Rezi bei uns heisst es:

Ich bereue das Verlangen nach Sex.

Selbstverständlich. :|

Also keineswegs "erst den Akt".

Ganz versteh ich das aber nicht.

Ja gut, fällt unter Begehren...

Du kannst jegliche Bedürfnisse bereuen: nach gutem Essen und Trinken, nach frischer Luft, nach sauberem Wasser, nach Freundschaft, nach Liebe und natürlich auch nach Sex. Du wirst es bereuen, denn du wirst darunter leiden, wenn du etwas erwartest und es dann nicht bekommst. Vielmehr kannst du dich fragen, was du selber anderen gönnst, anderen zu geben bereit bist...
Ich gönne einem jeden was er/sie zu brauchen glaubt,
hoffe aber, ich hab dich grad falsch verstanden, - wenn nicht:
"das" ? - nee, nun wirklich nicht. Überlassen...? Entschuldige, auf so wat könnten nur Tibeter-Laien kommen. Das ist hier doch der Zen Bereich: also eher mehr behindern als nachkommen.

OT OT
Morpho hat geschrieben:
Entschuldige, auf so wat könnten nur Tibeter-Laien kommen. Das ist hier doch der Zen Bereich:

Mod-Hat on: Andere verächtlich machen ist auch im Zen nicht Teil der Praxis.
Gruß, J.
Is nicht verächtlich.
Zum Verständnis:
Nagarjuna sagt beispielsweise was ganz anderes, deswegen mein spontanes Bedenken auf die Worte von Carneol, und ein Ausdruck wie 'Laienanhänger des Vaijrayana' als wie mir scheint im einen oder anderen Thema notwendige Unterscheidung zum ordinierten Vajrayana, der ist sehr lang und da würde ich mich immer vertippen.
Morpho hat geschrieben:
In einer Rezi bei uns heisst es:

Ich bereue das Verlangen nach Sex.

Selbstverständlich. :|

Also keineswegs "erst den Akt".

Ganz versteh ich das aber nicht.

Ja gut, fällt unter Begehren...


Wie geht denn der ganze Text?
Und bereust du dein Verlangen nach Sex, so du es denn überhaupt hast?
Und was verstehst du an dem Satz nicht?
Sexualität und der Sexualtrieb sind erstmal etwas Natürliches. Reine Evolutionsbiologie. Wur haben nun einmal einen Tierkörper.
Wie wir damit umgehen, ist etwas ganz Anderes. Mein Lehrer meinte dazu: das sind Energien, die einfach entstehen. Aufgrund von Bedingungen. Nichts Persönliches. Sie kommen, haben eine Lebensspanne, vergehen wieder. Das kann beobachtet werden.
Natürlich kann man das Personalisieren: "das ist meine Sexualität, mein Begehren. Ich müsste doch frei davon sein. Tanha bringt doch dukkha usw usf." Dann gerate ich schnell in die Modi: dagegen kämpfen oder unterdrücken. Wohin das führen kann, sieht man bei manchen Priestern. Triebe unterdrücken funktioniert nicht so richtig m. E.
Festus hat geschrieben:

Wie geht denn der ganze Text?
Und bereust du dein Verlangen nach Sex, so du es denn überhaupt hast?
Und was verstehst du an dem Satz nicht?


Der Satz ist aus einem Reuebekenntnis so wie Sangemon, nur detaillierter.
...Heute bereue ich das Ärgerlich werden. Heute bereue ich meine böse Zunge. Heute bereue ich das Verlangen nach Sex...

da steht noch
...Verfehlungen(Sünden)....die ich begangen habe; durch Sehnsüchte, - Körper, Mund, Verstand.

Das 'Sangemon' "personalisiert" übrigens auch, naja so halb- halb.
Morpho hat geschrieben:
Festus hat geschrieben:

Wie geht denn der ganze Text?
Und bereust du dein Verlangen nach Sex, so du es denn überhaupt hast?
Und was verstehst du an dem Satz nicht?


Der Satz ist aus einem Reuebekenntnis so wie Sangemon, nur detaillierter.
...Heute bereue ich das Ärgerlich werden. Heute bereue ich meine böse Zunge. Heute bereue ich das Verlangen nach Sex...

da steht noch
...Verfehlungen(Sünden)....die ich begangen habe; durch Sehnsüchte, - Körper, Mund, Verstand.

Das 'Sangemon' "personalisiert" übrigens auch, naja so halb- halb.
Wenn Du kein Verlangen nach Sex hattest der in Ausführung zum verletzen der Würde des anderen fühlenden Wesens geführt hätte kann es keine Bedeutung für dich haben, doch in Zukunft weiss Du wann Du so ein Verlangen durch ein Mantra unterbrechen kannst.
Morpho hat geschrieben:
Festus hat geschrieben:

Wie geht denn der ganze Text?
Und bereust du dein Verlangen nach Sex, so du es denn überhaupt hast?
Und was verstehst du an dem Satz nicht?


Der Satz ist aus einem Reuebekenntnis so wie Sangemon, nur detaillierter.
...Heute bereue ich das Ärgerlich werden. Heute bereue ich meine böse Zunge. Heute bereue ich das Verlangen nach Sex...

da steht noch
...Verfehlungen(Sünden)....die ich begangen habe; durch Sehnsüchte, - Körper, Mund, Verstand.

Das 'Sangemon' "personalisiert" übrigens auch, naja so halb- halb.

Reue:
Ich bereue jetzt aus tiefstem Herzen alle Sünden, groß und klein, die ich seit unvorstellbarer Zeit begangen habe; durch Sehnsüchte, von Körper, Mund und Verstand.
Zwölf Zeilen des Reuegesanges und Namen von zwölf Bodhisattvas: Namu tcham tse op tsang bo sung tsang bul
bo gwang wang hwa ryom tso bul...
Heute bereue ich das Töten lebender Wesen.
Heute bereue ich das Stehlen.
Heute bereue ich das Ehebrechen.
Heute bereue ich das Lügen.
Heute bereue ich das Äußern von negativen Bemerkungen.
Heute bereue ich meine böse Zunge.
Heute bereue ich das Verlangen nach Sex.
Heute bereue ich das Ärgerlich-werden.
Heute bereue ich mein dummes Benehmen.
Unser Karma, angehäuft in Millionen von Kalpas verschwindet so durch einen Gedanken; so wie der trockene Busch verbrennt, ohne Spuren zu hinterlassen, wenn er einmal angezündet ist.
Unser Karma hat keine Selbst-Natur, es erscheint nur aus dem Geist. Wenn der Geist verschwindet, wird unser Karma auch verschwinden. Der einzige Weg Reue zu erlangen, heißt Geist und Karma verschwinden zu lassen, um Leerheit zu erlangen.
Reue-Mantra: Om sal ba mot tsa mo tsi sadaya sabaha (dreimal)
Wenn du die frommen Handlungen von Bodhisattva Junje mit einem klaren Geist wiederholst, werden keine Schwierigkeiten erscheinen.
Quelle:http://www.kwanumeurope.org/dlfiles/chants/DE/DE_tran.pdf

Und, bereust du?
Und verstehst du nun den Satz?
Festus hat geschrieben:
Heute bereue ich das Verlangen nach Sex.

Soll aus dem "1000 Augen und Hände Sutra" stammen. Ich versuch mal ans Original zu kommen.
Es ist natürlich immer unbefriedigend, wenn man nicht das bekommt, was man erhofft oder sich einem das aufgedrängt, was man grad nicht will. :kiss:
@ festus.

unverschämt.
(aber ja, ich bereue). :angel: :wink:
denn offensichtlich verlangt mir nur deswegen hin und wieder nach geschlechtsverkehr, da ich einen körper annehmen musste, was heisst ich hing am dasein, das ziemliche gegenteil also von: 'klarheit' bzw "tue nichts böses, tue nur gutes, hänge nicht an leben und tod", und hab in vergangenen leben prächtig rumgevögelt, und nun treten nebst trieb eben noch "geschöpfe des leibes, des mundes und der gesinnung hervor". also ist verlangen (begehren) karmisch erwirkt. Viele Grüsse ! :)
Alles was Spass macht ist entweder unmoralisch oder macht dick, morpho. Und manchmal sogar beides. :clown:

Ich bereue nichts.
Da ist mir das Sangemon schon näher. Das Sangemon ist ein Bekenntnis. Dieses Erkennen und sich Bekennen führt zu einer Reinigung, einer Befreiung. Oder noch genauer, das erkennen und Bekennen an sich ist schon die Reinigung

Begierde, Haß, Verblendung sind die Ursachen meiner fort- und fortwirkenden Taten.
Sie treten hervor als Geschöpfe des Leibes, des Mundes und der Gesinnung.
Tiefe Einsicht durchdringt jetzt mein Wesen.
http://www.zenkreis.de/zen/zen_rezitation.htm


oder hier
Purification
懺悔文 (Sangemon)
This is read three times with the hands in the gassho position.

GA SHAKU SHO ZO SHOAKUGO KAIYU MUSHI TONJINCHI JUSHIN GUI SHI SHOSHO ISSAI GAKON KAI SANGE

All the evil karma ever created by me in the past;
on account of my beginningless attachment, aversion, and ignorance;
arising from my actions, speech and thought;
I now confess openly and fully.
http://zen.rinnou.net/whats_zen/sacred_ ... rification


Ich erkenne meine Handlungen und deren Ursachen und ich stehe dazu.

Reue hat für mich die Mitbedeutung: "Mist, hätte ich das bloß nicht getan."
Aber alles was ich getan habe und tue, macht mich zu dem, was ich bin.
Und ich mag mich genau so, wie ich bin. In jedem Moment.
Moosgarten hat geschrieben:
Festus hat geschrieben:
Heute bereue ich das Verlangen nach Sex.

Soll aus dem "1000 Augen und Hände Sutra" stammen. Ich versuch mal ans Original zu kommen.
Es ist natürlich immer unbefriedigend, wenn man nicht das bekommt, was man erhofft oder sich einem das aufgedrängt, was man grad nicht will. :kiss:


Das Tausend Hände Sutra entstand in der Blütezeit des koreanischen Buddhismus. Erste Fassungen lassen sich bis in das 7. Jahrhundert zurückverfolgen. In den Zen-Klöstern Koreas wird das Sutra heute noch täglich rezitiert und ist ein wichtiger Bestandteil des lebendigen buddhistischen Lebens.

https://hanmaumbooks.org/publications/u ... nde-sutra/

TAUSEND AUGEN UND HÄNDE SUTRA, Seite 48-52
http://www.kwanumzen.de/zc/pix/Deutschl ... rabuch.pdf
Moosgarten hat geschrieben:
Festus hat geschrieben:
Heute bereue ich das Verlangen nach Sex.

Soll aus dem "1000 Augen und Hände Sutra" stammen. Ich versuch mal ans Original zu kommen.

Mir ist bekannt, dass das (unter diesem Titel) ein Standard-Rezitationstext des Jŏgye-Ordens ist. Dass das nun tatsächlich ein Sutra im klassischen Sinn ist, bezweifle ich allerdings; es ist anscheinend eher eine Kompilation von Textbausteinen unterschiedlicher Herkunft - Mantras, Dharanis, Sutrenzitate .... Jemandem aus der Sōtō-Tradition fallen da natürlich unmittelbar als Bestandteile die 'Eröffnungsformel' des Kaikyōge und insbesondere das Sange Mon auf - wobei letzteres dem 34. Kapitel des Kegon Kyō (Avataṃsakasūtra) entnommen ist.

Auffällig ist jedenfalls der erhebliche Unterschied der Versionen des "Thousand Eyes and Hands Sūtra" (Ch'ŏnsu-kyŏng) hier und hier. Ich vermute mal, dass ersteres die 'klassische' Form im Jŏgye-Orden ist, während das zweite eine für die Kwan Um Schule angepasste und sehr stark modifizierte Form ist. Leider gibt der Herausgeber von 'Zen-Liturgy. Korean Sŏn Practice Forms' in seiner Einleitung keine Quelle(n) an und lässt sich stattdessen lang und breit über Probleme der Transliteration aus ... Er ist übrigens Leitfigur eines anderen westlich-modernen Ablegers des koreanischen Sŏn (konkret: Linie Seung Sahn), amalgamiert mit amerikanisch-vietnamesischem Thien: dem Five Mountain Zen Order. Normalerweise schlägt da bei mir der Bullshit-Detektor schon ziemlich heftig aus, die Arbeit macht aber ungeachtet fehlender Quellenangabe einen seriösen Eindruck auf mich.

Grundsätzlich: wenn es nicht ohnehin schon deutlich wäre, sollte zumindest die oben schon erwähnte Sange-Mon-Formel verdeutlichen, dass 'Reue' (懺悔, etwa 'Bekennen[und]Bereuen') sich selbstverständlich auf Aktivitäten, also [mit Körper, Sprache und Geist] vollzogene Handlungen, bezieht und nicht auf 'Verlangen'. Wobei man sicher andererseits auch der Auffassung sein kann, dass zumindest das Hegen und Nähren eines Verlangens als unheilsame geistige Handlung aufgefasst werden kann / sollte.

Merkwürdig ist jedenfalls der Kontext im Kwan Um Rezitationsbuch - ein zwölfzeiliger "Repentance Chant", wobei sich die ersten neun Zeilen teilweise mit den 10 großen Bodhisattva-Gelübden decken, wobei es ab dem 4. ziemlich ... originell wird. Man vergleiche dagegen die offensichtliche Vorlage, das 'Repenting from the Ten Evil Actions' in 'Zen-Liturgy. Korean Sŏn Practice Forms' (das folgt dort auf das "Thousand Eyes and Hands Sūtra"). Das passt dann schon eher.

Auf wen auch immer das 'Bereuen des Verlangen nach Sex' (auf Seung Sahn? Anlass dazu hätte er ja gehabt ... SCNR :) ) oder das 'Vergessen' von "holding and stinginess" und "slandering the three jewels" zurückgeht - es ist offensichtlich nicht traditionell, sondern etwas Selbstgestricktes. Ob die Wolle da wärmt oder kratzt, ist eine andere Frage.

()
La La La

Kommt besagte Zeile in anderen koreanischen Versionen nicht vor und wenn doch in welcher Form, wäre die einzige Frage, die sich mir da erstemal stellen würde, wenn ich nach der Authentizität fragen täte.
Morpho hat geschrieben:
Kommt besagte Zeile in anderen koreanischen Versionen nicht vor und wenn doch in welcher Form, wäre die einzige Frage, die sich mir da erstemal stellen würde, wenn ich nach der Authentizität fragen täte.

Ich weiss zwar nicht, was das bringen soll und auch nicht, was Du so unter "authentisch" verstehst - aber mach ruhig, hindert Dich niemand daran.

()
@ festus
Das Verlangen nach Sex entsteht im Kopf, nicht zwischen den Beinen, so einfach ist das.
Insofern geht es darum, zu bekennen und zu bereuen, jedenfalls seh ich das so, entsprechende Gedanken gepflegt zu haben, mithin entsprechendes Verlangen genährt.
Iwo ist das immer dasselbe. Ich stell spontan ne Aussage und ne Frage in den Raum, was kommt? Mag ich, mag ich nicht, in allen möglichen, doch vorhersehbaren Varianten, anstatt dass mal einer einfach sagt, ich interpretiere jene Zeile so und so; nein, es muss die Tradition, hier in Form eines Sutra, einer Haltung, einer Einstellung, in Abrede gestellt werden. Ich bin nicht auf Diskurs aus.
@sudhana:
ich hab keine zeit und seh vorallem derzeit keinen anlass die versionen zu vergleichen.
du behauptest "modifiziert" und "zusammengestrickt", dann beleg das doch auch gleich in bezug auf die "12 zeilen"; was soll ich denn sonst denken?
wenn ich ne behauptung in den raum stelle, bin ich auch bereit die/mich zu (er)klären, ich mach keine andeutungen, keine mit bestimmten begriffe wo übertreibung erzeugen;
dann hab ich keine so grosse veranlassung unwahrhaftigkeit bezeugen zu müssen; ich finde auch einfach, offenheit und ehrlichkeit in der rede hat mit vertrauenswürdigkeit zu tun.
wozu stört man vertrauen ? ich weiss es nicht. um distanz zu schaffen, unterschiedlichkeiten zu pflegen,- was ? ich versteh's wirklich nicht.
Morpho hat geschrieben:
@sudhana:
ich hab keine zeit und seh vorallem derzeit keinen anlass die versionen zu vergleichen.

Okay, also stellt sich Dir die Frage nach "Authentizität" ja anscheinend doch nicht. Jedenfalls nicht in Bezug auf das Rezitationsbüchlein, das ihr benutzt. Warum fragst Du dann überhaupt nach "Ich bereue das Verlangen nach Sex"? Zumindest dafür hast Du offensichtlich genug Zeit.

Wieauchimmer - das Reuebekenntnis in 'Zen Liturgy. Korean Sŏn Practice Forms' listet 10 schlechte Handlungen, die in diesem Ritus bereut werden. Sicher nicht zufällig sind die genau auf die 10 großen Gelübde des Brahmajala Sutra (kor. Pŏmmang kyŏng, jap. Bonmō kyō) bezogen, also die ostasiatische Tradition der Bodhisattvaordination. Im Rezitationsbuch der Kwan Um Schule finden sich an der Stelle seltsamerweise nur 9 Übertretungen, die sich nur teilweise mit den Bodhisattvagelübden decken und ansonsten wohl ausschließlich authentische Kwan-Um-Tradition sind. Wenn Du also Probleme mit 'Verlangen nach Sex' hast, wirst Du wohl oder übel einen Lehrer speziell dieser Tradition darüber befragen müssen, was man sich dort dabei so denkt. Anderswo - auch im koreanischen Sŏn - hält man es offensichtlich für hinreichend, sexuelles Fehlverhalten zu bereuen (allerdings nicht nur wie bei Kwan Um auf Ehebruch beschränkt) und verkneift es sich, darüber hinaus auch schon sexuelles Verlangen zu bereuen. Vielleicht ist das ja statt vom Brahmajala Sutra von Matthäus 5:27, 28 inspiriert ...

()
Das ist mir persönlich zu kompliziert. Da bleibe ich lieber bei "da ist Begehren. So fühlt es sich an.". Und wenn ich diesem Begehren nachgebe: "das ist die Wirkung". Und wenn ich ihm nicht nachgebe: "das ist die Wirkung". Dann weiß ich, was los ist und kann entscheiden: Upadana oder Loslassen. Yoniso manasikara - weises Abwägen.
Morpho hat geschrieben:
@ festus
Das Verlangen nach Sex entsteht im Kopf, nicht zwischen den Beinen, so einfach ist das.
Insofern geht es darum, zu bekennen und zu bereuen, jedenfalls seh ich das so, entsprechende Gedanken gepflegt zu haben, mithin entsprechendes Verlangen genährt...


Wenn das für dich so ist, dann ist das für dich so.
Sicher entsteht das Verlangen nach Sex im Kopf. Nur ist das nichts, das ich bereue.
Wenn das für dich anders ist, nur zu. :mrgreen:
Ist es nicht wirklich besser, das Verlangen und seine Wirkungen zu beobachten, statt eine "Ich bereue"-Formel zu rezitieren?

Können Rezitationen auch eine Form von Anhaftung sein?
(Stichwort: silabbatupadana)
Morpho hat geschrieben:
In einer Rezi bei uns heisst es:

Ich bereue das Verlangen nach Sex.

Selbstverständlich. :|

Also keineswegs "erst den Akt".

Ganz versteh ich das aber nicht.

Ja gut, fällt unter Begehren...


Ich glaube, spätestens wenn der Nachwuchs die Pupertät erreicht, wird der Moment kommen, in dem sich das Verständnis spontan einstellt. :mrgreen:
Frieden-und-Freude hat geschrieben:
Ist es nicht wirklich besser, das Verlangen und seine Wirkungen zu beobachten, statt eine "Ich bereue"-Formel zu rezitieren?

Können Rezitationen auch eine Form von Anhaftung sein?
(Stichwort: silabbatupadana)
Eines der Hindernisse die Buddha gelehrt hat: Anhaften an Riten und Ritualen.
Morpho hat geschrieben:
@ festus
.......Iwo ist das immer dasselbe. Ich stell spontan ne Aussage und ne Frage in den Raum, was kommt? Mag ich, mag ich nicht, in allen möglichen, doch vorhersehbaren Varianten, anstatt dass mal einer einfach sagt, ich interpretiere jene Zeile so und so; nein, es muss die Tradition, hier in Form eines Sutra, einer Haltung, einer Einstellung, in Abrede gestellt werden. Ich bin nicht auf Diskurs aus.


Du stellst eine Frage und bekommst eine Antwort. Du stellst eine Aussage in den Raum und andere reagieren. Mehr passiert nicht.
Alles im grünen Bereich.

Wenn du keine Reaktionen willst, solltest du einfach nicht schreiben. Wenn du nur bestimmte Reaktionen willst, sag einfach wie du sie dir vorstellst. Vielleicht klappt es ja.

Und mit dem Rest musst du leben. Jeder reagiert genau so, wie er im Moment reagieren kann. Und einige können nur intellektuell reagieren, andere reagieren eher gefühlsmäßig, aus dem Bauch heraus. In diesem Spannungsfeld bewegen sich alle Reaktionen.

Auch du reagierst so.

Die wenigsten bleiben bei sich mit ihren Antworten.
Varadinno hat geschrieben:
Das ist mir persönlich zu kompliziert. Da bleibe ich lieber bei "da ist Begehren. So fühlt es sich an.". Und wenn ich diesem Begehren nachgebe: "das ist die Wirkung". Und wenn ich ihm nicht nachgebe: "das ist die Wirkung". Dann weiß ich, was los ist und kann entscheiden: Upadana oder Loslassen. Yoniso manasikara - weises Abwägen.
Die Rezitation dieser Reueformel ist sehr viel unkomplizierter als z.B. die in Deiner Tradition übliche des Patimokkha. Die Funktion ist dieselbe - es geht um eine (Neu-)Verankerung und (Wieder-)Ausrichtung der Praxis. Ohne die Auswirkungen eines bestimmten Tuns achtsam beobachtet zu haben (das, was Du beschreibst), wäre es ziemlich sinnfrei, Gelübde abzulegen, sich eben dieses Tuns zu enthalten. Bei der Rezitation der Reueformel ruft man sich dann sein vergangenes Verhalten ins Bewusstsein, überprüft dessen Übereinstimmung mit den Gelübden und richtet sein Bewusstsein neu auf die Einhaltung der Gelübde aus. Wie schon geschrieben - absolut vergleichbar mit der patimokkha-Zeremonie an uposatha, nur, dass es sich um andere Gelübde handelt.

Dazu eine Anmerkung: es ist natürlich allenfalls (falls überhaupt) von sekundärem Interesse, was an einem solchen Ritus nun "authentisch" ist. Von Interesse ist vielmehr seine Funktion - also, wozu er gedacht ist - und ob er dieser Funktion gerecht wird.

Im Kontext der Ausgangsfrage wäre nun von Interesse, ob die Praxisgemeinschaft, in der eine solche Reueformel rezitiert wird, den in ihr Übenden tatsächlich auferlegt (oder meinetwegen ihnen auch nur empfiehlt), das Empfinden von sexuellem Verlangen als Versagen gegenüber einer Selbstverpflichtung / einem Gelübde zu bereuen.

Wenn das nicht so ist, dann ist der Ritus in dieser Form nicht funktional, dann ist das leerer Ritualismus ohne Bedeutung. Das ist die Fessel śīlavrata-paramārśa, auf die schon @Frieden_und_Freude und @Ellviral hingewiesen haben. Wenn dem aber so ist, dann stellt sich die Frage, ob eine solche Funktion - also Menschen dazu zu bringen, ihr sexuelles Verlangen zu bereuen - sinnvoll bzw. heilsam ist.

Ich persönlich hielte das in einem solchen Fall in etwa so sinnvoll, wie das Empfinden von Hunger zu bereuen. Sexuelles Verlangen ist eine normale Körperfunktion, die bei einem geistig und körperlich gesunden Menschen endokrinologisch gesteuert unvermeidlich auftritt. So etwas zu bereuen ist nicht nur Quatsch - das ist , wie man heute aus langer Erfahrung mit religiös motivierter sexueller Verklemmtheit weiss, psychisch ungesund. Eine andere Frage ist, wie man mit sexuellem Verlangen umgeht. Ein Buddhist beantwortet diese Frage grundsätzlich mit der Art seiner Selbstverpflichtung - den Gelübden, die er bei seiner Initiation hinsichtlich seines Verhaltens ablegt bzw. empfängt. Als Laie wird er sich zumindest auferlegen, sexuellem Verlangen nicht auf unheilsame Weise nachzugehen. Als Vinaya-Ordinierter legt er sich auf, dieses Verlangen zu sublimieren oder zu unterdrücken - wobei sich letzteres häufig pathologisch, also durchaus nicht heilsam auswirkt. 'Bereuen' ist da jedenfalls in keinerlei Hinsicht hilfreich.

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Sudhana hat geschrieben:

Im Kontext der Ausgangsfrage wäre nun von Interesse, ob die Praxisgemeinschaft, in der eine solche Reueformel rezitiert wird, den in ihr Übenden tatsächlich auferlegt (oder meinetwegen ihnen auch nur empfiehlt), das Empfinden von sexuellem Verlangen als Versagen gegenüber einer Selbstverpflichtung / einem Gelübde zu bereuen.

Wenn das nicht so ist, dann ist der Ritus in dieser Form nicht funktional, dann ist das leerer Ritualismus ohne Bedeutung. Das ist die Fessel śīlavrata-paramārśa, auf die schon @Frieden_und_Freude und @Ellviral hingewiesen haben. Wenn dem aber so ist, dann stellt sich die Frage, ob eine solche Funktion - also Menschen dazu zu bringen, ihr sexuelles Verlangen zu bereuen - sinnvoll bzw. heilsam ist.

Ich persönlich hielte das in einem solchen Fall in etwa so sinnvoll, wie das Empfinden von Hunger zu bereuen. Sexuelles Verlangen ist eine normale Körperfunktion, die bei einem geistig und körperlich gesunden Menschen endokrinologisch gesteuert unvermeidlich auftritt. So etwas zu bereuen ist nicht nur Quatsch - das ist , wie man heute aus langer Erfahrung mit religiös motivierter sexueller Verklemmtheit weiss, psychisch ungesund. Eine andere Frage ist, wie man mit sexuellem Verlangen umgeht. Ein Buddhist beantwortet diese Frage grundsätzlich mit der Art seiner Selbstverpflichtung - den Gelübden, die er bei seiner Initiation hinsichtlich seines Verhaltens ablegt bzw. empfängt. Als Laie wird er sich zumindest auferlegen, sexuellem Verlangen nicht auf unheilsame Weise nachzugehen. Als Vinaya-Ordinierter legt er sich auf, dieses Verlangen zu sublimieren oder zu unterdrücken - wobei sich letzteres häufig pathologisch, also durchaus nicht heilsam auswirkt. 'Bereuen' ist da jedenfalls in keinerlei Hinsicht hilfreich.

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Sehr klar auf den Punkt gebracht!
Da kann ich nur zustimmen.

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Sudhana hat geschrieben:

Wieauchimmer - das Reuebekenntnis in 'Zen Liturgy. Korean Sŏn Practice Forms' listet 10 schlechte Handlungen, die in diesem Ritus bereut werden. Sicher nicht zufällig sind die genau auf die 10 großen Gelübde des Brahmajala Sutra (kor. Pŏmmang kyŏng, jap. Bonmō kyō) bezogen, also die ostasiatische Tradition der Bodhisattvaordination. Im Rezitationsbuch der Kwan Um Schule finden sich an der Stelle seltsamerweise nur 9 Übertretungen, die sich nur teilweise mit den Bodhisattvagelübden decken und ansonsten wohl ausschließlich authentische Kwan-Um-Tradition sind.


Ich kann dich nur nochmal auffordern, deine 'spitzen' Bemerkungen mit entspr. Zitaten zu unterlegen, so dass der geneigte Leser selbst vergleichen kann, die Gefahr einer blossen An,- und Aufnahme ohne Prüfung reduziert wird. Ich finde es äusserst bedauerlich, wenn um Gelübde und Sila ein Rabatz gemacht wird.

Du weisst doch auch genau, dass es unterschiedliche Formulierungen im "Spannungsfeld" 'offen und geschlossen', Vinaya und Brahmajala gibt; es wäre dir 'an sich' möglich dies zu berücksichtigten.


Ansonsten mag ich mich hier auch nicht weiter beschäftigen; Reizen, Anzüglichkeit, Antipathien, ad personam Thesen ... alles entgegen den Sila; das muss einfach nicht. Cu

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