Zeitgenössische Zen-Kunst?

Moderator: void

Auf einer Ausstellungsseite schreiben sie folgendes:

An der Wende ins 3. Jahrtausend lässt sich in den Gesellschaften der westlichen Zivilisation ein verstärktes Interesse an den Ideen und der Geisteshaltung des ZEN-Buddhismus verspüren. In der Vergangenheit hatte sich die Faszination für den Fernen Osten periodisch in der westlichen Kunst niedergeschlagen. Verstärkt am Ende des 19. Jahrhunderts prägte der Japonismus unter formalem Aspekt die französische Kunst der Symbolisten und der Impressionisten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckte Wassily Kandinsky das Intuitive der japanischen Kunst und verarbeitete diese Sichtweise in seiner 1912 erschienenen Schrift „Über das Geistige in der Kunst“. Von ihm geprägte Begriffe wie „Innerer Klang“ oder „Innere Natur“ lassen sich als Teilspekte zen-buddhistischer Meditation und ihrem Ziel (satori) der Selbstwesensschau, jenem „Öffnen des geistigen Auges“ deuten.

Die Schriften und Vorträge über ZEN von Daisetz T. Suzuki (1870 bis 1966), der vor allem in Amerika wirkte, beeinflussen Generationen von amerikanischen und europäischen Künstlern bis heute. Andere Publikationen wie das 1922 erschienene Buch des Sinologen Ernst Grosse „Die Ostasiatische Tuschmalerei“, der 1932 veröffentlichte Reisebericht „Un Barbare en Asie“ von Henri Michaux oder der erstmals 1936 in der Zeitschrift Nippon publizierte Aufsatz „Zen in der Kunst des Bogenschießens“ von Eugen Herrigel übten entscheidenden Einfluss auf Künstler ihrer Zeit aus. Einige zog es direkt nach Japan, um authentisch die Kultur zu erleben und die tradierten Künste zu studieren; so Mark Tobey, Yves Klein, Pierre Alechinsky, Ad Reinhardt oder John Cage. Heute lässt sich unter zeitgenössischen Künstlern ein verstärkter Tend nachweisen, nach Japan zu reisen, um sowohl in ZEN-Klöstern als auch mit japanischen Kollegen Erfahrungen zu sammeln, die die ZEN-Philosophie betreffen.
Die Künstler des 20. Jahrhunderts, die die Autonomie der Kunst als Errungschaft feierten, musste der hohe Abstraktionsgrad der ZEN-Gedanken und die daraus resultierende Ästhetik faszinieren.

Der Begriff der Leere (ku), sichtbar als der leere Grund des Bildes und identisch mit dem leeren Grund des Seins, dem satori, wird zum zentralen Thema, zur Grundhaltung einer Reihe von Künstlern. Der erste ZEN Patriarch Bodhidharma prägte die markanten Worte: „Offne Weite – nichts Heiliges.“ Die ZEN-Lehre entzieht sich jeglicher Orthodoxie, bleibt unabhängig von den Schriften, verweigert sich esoterischen Ritualen und verwirft starre Symbole. Sie prägt Skeptizismus, die Wirklichkeit und ihr Abbild wird in Frage gestellt, es gibt eine Tendenz zum Anikonismus, zur Bilderlosigkeit. Dennoch gibt es Kriterien für eine ZEN geprägte Kunst, deren Verfasser lange ein Außenseitertum pflegten. Angestrebt werden ungekünstelte Einfachheit, Schlichtheit, Sachlichkeit und zugleich zupackende Unmittelbarkeit, schmucklose Erhabenheit, Losgelöstheit, Stille, innere Ruhe und ein tiefes, respektvolles Naturgefühl. Zum Erreichen des Zustandes des Leere spielen aber auch die gezielte Provokation, die Paradoxie und das Fragmentarische eine wichtige Rolle, die eine sprachliche (koan) und visuelle künstlerische Ausdrucksform finden.
Man sieht im Kunstwerk keinen Gegenstand, dem man gegenüber steht, man nähert sich ihm, sucht die Identifikation, um zu einer Vereinigung von Geist zu Geist, zwischen Schöpfer und Betrachter, zu gelangen.


http://www.kunstmuseumbochum.de/ausstel ... che-kunst/
Die Künstler des 20. Jahrhunderts, die die Autonomie der Kunst als Errungschaft feierten, musste der hohe Abstraktionsgrad der ZEN-Gedanken und die daraus resultierende Ästhetik faszinieren.

Der Begriff der Leere (ku), sichtbar als der leere Grund des Bildes und identisch mit dem leeren Grund des Seins, dem satori, wird zum zentralen Thema, zur Grundhaltung einer Reihe von Künstlern. Der erste ZEN Patriarch Bodhidharma prägte die markanten Worte: „Offne Weite – nichts Heiliges.“


Mir kommt es so vor, als sei Zen von der westlichen Kunst ganz schön zweckentfremdet worden.

Das gesamt 20. Jahrhundert war ja von der "Erweiterung des Kunstbegriffs" geprägt. Während Kunst am Anfang des Jahrhunderts noch prototypisch "für das Höhere" und "die Kultur" samz ihren bürgerlichen Werten stand, wurde das im Laufe des Jahrhunderts immer mehr dekonstruiert, so dass die Kunst ihren Sockel gegnüber dem "banalen Alltag" verlor.

In so einem Kontext kann man natürlich zu dem Gefühl kommen, Bodhidharma spricht einem mit seinem „Offene Weite – nichts Heiliges.“ aus der Seele. Die asiatische Kunst konnte helfen, dass man sich von den Fesseln der eigenen Tradition löst. Was aber, wenn man mit der Dekonstruktion fertig ist? Wenn man mit John Cage Stille als Musik begreift und monochrome Bilder aufhängt?

Ich finde es war logisch, dass man aus dieser Schwerelosigkeit zwischen Alten und neuen Werten schliesslich dann dem Gravitationsfeld der kaiptalistischen Moderne erlag. Aus dem "nichts Heiliges.“ heraus integriert man Alltagsgegnstände und kommt dann von diesen zur Trivialkultur - Colaflaschen und Comics um dann bei Warhol bei den Dollarzeichen hängenzubleiben.

Zen war ein kongenialer Stichwortgeber für die Dekonstruktion, der aber dann wieder eine Phase der Konstruktion folgte, der Performance und des Happenings ( Wobei mir Nam June Paiks TV Buddha gefällt)
Mein Eindruck is ähnlich. Das sind für mich ebenfalls solch "säkulare Psalme".

Zum Tv: Das kenn ich vom FB-Zen, Selfies in der Natur beim sitzen. Is keine Ironie.
Wow, interessant wie Void sich auskennt in der "Zeitgenössischen Kunst" Murakami, Cage....Bist du zufällig aus der Branche oder liegt ein Studium hinter dir? :)

Ich habe letztens Franz Klines Bilder im Museum angeschaut, die haben mich teilweise auch an Zen erinnert.

https://www.google.de/search?q=Franz+Kl ... MQ_AUIBigB

Und allgemein, die ganze "New York School" kann gennant werden, Barnett Newman, Rothko usw

Oder Amerikaner die mit dem Licht gearbeitet haben, Dan Flavin, James Turrell. Ahja, Anish Kapoor hat auch einen Haufen Meditativer Skulpturen. Richard Serras Begriffe von Raum könnten Buddhistisch interpretiert werden oder wir könnten gleich zum Tarkovskys "Meditations-Kino" springen, irgendwie lässt sich alles mit Kunst verbinden. :lol:

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