Zen-Priester unter Missbrauchsverdacht

Moderator: void

412 Beiträge
@Keks:

Also ich finde mit so Aussagen muss man ein bisschen vorsichtig sein. Es gibt ja Leute die zum Schluss kommen, es passiert eh alles abhängig bedingt, das stimmt; implizieren mitunter aber auch es passiert eh alles "ohne Selbst" von Gesetz wegen determiniert gegenseitig abhängig bedingt. Manche kommen dann fürderhin zu dem Schluss: lass man laufen. Das ist aber nicht Lehre. Die Lehre spricht von Wille ( cetana) »Den Willen, ihr Mönche, nenne ich die Tat", ( 'Ich-will-' oder 'Ich-will-nicht'-Geist ) So kann man nicht sagen, dass das Denken, Worte und Taten ( bzw. die Art des Denkens, der Worte und Handlungen/- heilsam, unheilsam oder neutral) - als Reaktion auf innere und äußere Einflüsse, dem Gesetz wegen denn zwingend determiniert abspulen. Sobald (rechtes) Gewahrsein ins Spiel kommt, ist dem eben nicht mehr so. Ansonsten ja, Gestaltungen suchen sich ihre Bahn, Ausformung. Es ist halt ein großer Unterschied der Ansicht zu sein: da ist kein Selbst, kein Ich ( "kein Täter") rsp.: tatsächlich keine Selbstbezogenheit vorhanden, keine Persönlichkeitsansicht, kein Eigen-Wille, kein Eigen-Bewusstsein, - keine Gier, kein Hass, keine Verblendung. Wenn einer meint, er wäre "achtsam" ( wach) genug, der braucht bloß Gestaltungen und (re)Aktionen anzusehen. Das hat ja der Kasan "getan". Er sah, dass "sein Geist" noch von Begehren und Abneigung ( Unterscheidung) gefesselt, geblendet, war. Das sind 'weise' Leute, wie der Kasan, sie checken die Prinzipien und sind allenthalben "fortgeschritten", so bemerken sie, wo es noch "Arbeit" bedarf; insofern hinkt es diese Geschichte als "Negativbeispiel" anzubringen. "Kritiker" denken halt so. Ein Problem mitunter ist sicher auch so was wie ein kritische Beäugen, - so will ich es mal nennen.
keks hat geschrieben:
Eigentlich müssten sich Richter und Anwälte das genauer anschauen.

Das werden sie bestimmt tun und vielleicht ist der Vorsitzende Richter eine Frau.
Durch einen Gefängnisaufenthalt kann keine Änderung eintreten.

Wiedergeburt im Daseinsbereich Hölle. Kinderschänder haben es ja im Gefängnis nicht leicht. Die sind da an unterster Position. So fällt einer - durch seine Taten - aus dem Götterhimmel direkt in die Hölle. Noch zu lebzeiten.
Morpho hat geschrieben:
den Ansatz von Christoph finde ich deswegen vom Grundsatz her unsinnig; ich bin nie davon ausgegangen, dass Zen Lehrer ( "Meister") moralisch "höherwertig" wären;

Dann hast Du wohl was mit Klaus Zernickow gemeinsam! Er schreibt, dass „Zen-Meister keine Heiligen oder Moralapostel sind […] schließlich wissen sie um die Dinge: die Sicht auf Moral und Rechtschaffenheit kann immer nur relativ sein“. Und somit bestätigst Du übrigens gerade meinen Grundsatz: diese Haltung haben die Täter ja benutzt, um ihren Taten zu verharmlosen.

Morpho hat geschrieben:
Was ist denn eine Dharmaübertragung ?
(Ich denk da immer an Huineng)
Von einer Institution, einem Tempel, einer Organisation, kann keine kommen, dann ist das ein institutioneller Ritus. Ein Meister wird nicht gemacht. Er 'ist' oder ist 'es' nicht.

Eine andere Frage: was hältst Du denn davon:

https://www.benediktushof-holzkirchen.d ... china.html

Tychiades hat geschrieben:
Z.B. ist ein Dokusan nichts anderes als ein Setting und wenn man dann privat miteinander zusammen kommt, dann sieht man einen, oft auch neurotischen Menschen, was man nicht glauben will. Schärfung des Urteilsvermögens hilft also nur dann, wenn man möglichst viele unterschiedliche Situationen miteinander verbringt.

Finde ich vollkommen richtig. Ich weiss nicht, wie D. mit seiner Familie war, aber wenn der Lehrer auch privat nichts außer "Zen-Zeug" betreibt, kann man ihn noch schwerer einschätzen.
Tychiades hat geschrieben:
Wiedergeburt im Daseinsbereich Hölle. Kinderschänder haben es ja im Gefängnis nicht leicht. Die sind da an unterster Position.
Ein beruflicher Hintergrund als Polizist setzt noch eins drauf. Eine Herzkrankheit macht den Umgang mit dem ohnehin spärlichem Komfort auch nicht einfacher.
Tychiades hat geschrieben:
So fällt einer - durch seine Taten - aus dem Götterhimmel direkt in die Hölle. Noch zu lebzeiten.
Ja. Um es mal auf einen zynischen Nenner zu bringen: das kommt davon, wenn man bei Hyakujōs Fuchs den Lehrer bescheisst. Und der das durchgehen lässt, ob aus Inkompetenz oder falsch angebrachter Nachsichtigkeit.

()
@ christoph:
Dann hast Du wohl was mit Klaus Zernickow gemeinsam!
Ach. :)

Er schreibt, dass „Zen-Meister keine Heiligen oder Moralapostel sind […] schließlich wissen sie um die Dinge: die Sicht auf Moral und Rechtschaffenheit kann immer nur relativ sein“. Und somit bestätigst Du übrigens gerade meinen Grundsatz: diese Haltung haben die Täter ja benutzt, um ihren Taten zu verharmlosen.


Mir ist öfters mal aufgefallen, dass wenn es um einen Fall Kindesmissbrauch geht, ein Sturm losbricht, von Männern. Das ist seltsam, denn das Thema ist ja leider nie aus der Welt, genauso wenig wie Gewalt in der Familie, sexuelle oder geschlechtsspezifische Gewalt, - aber da tun die ansonsten keinen Mucks. Anderes Thema. :?
Christoph, Beschützer von Frauen der Sangha, naja, ich weiß ja nicht. Die ersten und die allermeisten deiner kritisierten Fälle beziehen sich ja auf sexuelle Beziehungen zw. Lehrern und Schülerinnen. Wenn, dann ist das ein Missbrauch der Funktion, von Autorität und Vertrauen, aber kein sexueller Missbrauch, und wenn es beiderseits gewollt ist, schon gar nicht, und man kann ja nicht sagen: sie wollte nicht. Oder musste sie etwa ? Das ist ja so, als ob einer Schülerin per se Abhängigkeit attestiert wird. Aber womit liese sich eine solche "latente" Abhängigkeit begründen ?
Desweiteren sind das alles keine Vinaya Ordinierten. Wir sprechen also „Dai san fu jain kai“- 'die Sexualität nicht missbrauchen' und nicht davon, keinerlei Geschlechtsverkehr auszuüben. Es stimmt auch, dass Zen Meister keine Heiligen ( darüber sind sie hinaus) und keine Moralapostel zu sein haben. Und tatsächlich ist ja "Rechtschaffenheit" und Moral auch (zeit-raum-)kulturabhängig. Jetzt frag ich mich, was es zu spektakulieren gibt.

https://www.benediktushof-holzkirchen.d ... china.html
Tsja, das ist eine institutionalisierte "Dharmaübertragung";
man möchte einen Ableger im Westen haben. Das ist so wie "mein Name ( Ruf, was ich bewirkte, hinterlasse ) soll fortbestehen", ich "adoptiere" dich. Andere Seite: Adaptieren:
"Frank Elstner adaptierte verschiedene amerikanische Formate fürs deutsche Fernsehen." :moon:
hier ist jetzt schon von 22 Fällen mit Opfern ab vier Jahre die Rede.
Ich glaube nicht, dass wir den Menschen Genpo Döring jemals wahrgenommen haben; er hat sich auch dem 'so Wahrnehmen' entzogen, als menschlicher Schatten einer zutiefst konservativen Formitable.
void hat geschrieben:
hier ist jetzt schon von 22 Fällen mit Opfern ab vier Jahre die Rede.


Grauenvoll.
Wenn ich much jetzt an den User hier erinnere, der pädosexualität verteidigt hat, wird mir immer noch übel.
void hat geschrieben:
hier ist jetzt schon von 22 Fällen mit Opfern ab vier Jahre die Rede.


Mir wird schlecht...

Hat sich die DBU eigentlich schon dazu geäussert?
Waldler hat geschrieben:
void hat geschrieben:
hier ist jetzt schon von 22 Fällen mit Opfern ab vier Jahre die Rede.


Mir wird schlecht...

Hat sich die DBU eigentlich schon dazu geäussert?


So lange jemand nicht verurteilt ist, gilt ja die Unschuldsvermutung. Und daran ändert es ja nichts, wenn der Staatsanwalt sagt, Vorwürfe seien teilweise eingeräumt worden. Das kann ja alles möglich bedeuten.

Von daher ist es verständlich, dass sich die DBU vorerst bedeckt hält.

In ihrer Zeitschrift Buddhismus aktuell hat die DBU ersteinmal nur über den Vorfall sachlich informiert und eine Diskussion angestossen.
Waldler hat geschrieben:
void hat geschrieben:
hier ist jetzt schon von 22 Fällen mit Opfern ab vier Jahre die Rede.


Mir wird schlecht...


Wenn man schwache Nerven hat, sollte man Menschen nicht zu nahe kommen. Der Abgrund, in den man dann blicken darf, macht schwindelig.
Tychiades hat geschrieben:
Wenn man schwache Nerven hat, sollte man Menschen nicht zu nahe kommen. Der Abgrund, in den man dann blicken darf, macht schwindelig.


Wenn man pädophil ist, dann wird man ja sehr darunter leider, dass in einem Triebe sind, die beständig in einer Richtung zerren, von der man weiss, dass sie falsch und schädlich ist. Von daher ist ja verständlich, wenn man sich für Spiritualität interessiert. Diese erschient ja wie ein Versprechen, inneren Frieden zu erlangen und Begierde zum Erliegen zu bringen. Von daher dürfte man doch erwarten, dass man, wenn man einen guten Lehrer hat und sich hineinkniet nach über 30 Jahre schaffen kann, da auch solche tiefen Prägungen zu überwinden.

Natürlich kann man man jetzt sagen, dass jemand, bei dem jetzt solche Sachen ans Licht kommen, dann da wohl irgendwie falsch praktiziert haben muss. Ist es einfach so, dass da "Zen nicht funktioniert hat"? Oder liegt in der Idee eines "funktionierenden Zen" das man wie eine Autowaschanlage benutzten kann, und hinten weiss rauskommt, nicht schon ein grauenhaftes Missverständnis?

Mir ist so letztens gekommen, dass Praxis viel sowas ist, was "demütigt" und demütig macht, also statt Abgründe zu überbrücken runterführt, wo man dann überhaupt nicht mehr tiefer fallen kann.

Aber auf der anderen Seite, wird man doch eher nur solche spirituellen Autorritäten akzeptieren wollen, die weiss aus der Waschanlage kommen und keine Abgründe mehr haben. Mich beunruhigt auch, dass der Tempel in Dinkelscherben da seinen Gründer so kommentarlos von der Seite gelöscht hat. So als möchte man den Abgrund schliessen und wieder hin zum abgrundlosen Zen kommen.

Ich habe das Gefühl, ich verstehe da was Grundlegendes nicht.
Zumindest sollte man nicht zum Täter werden.

Übrigens ist pädophilie ein verharmlosender Ausdruck.

Ob er darunter gelitten hat und was er unternommen hat - wir wissen es nicht.
Lucy hat geschrieben:
Übrigens ist pädophilie ein verharmlosender Ausdruck..


"Pädophil" ist für mich jemand der sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlt. Ich denke, die meisten Leute die so verlangt sind, tun nie jemand etwas an, und verdienen Respekt dafür, ihre Neigung zu unterdrücken. Sexuelle Missbrauch von Kindern ist dagegen eine wirklich schlimme Sache, die die Opfer oftmals für ihr ganzes Leben seelisch zerstört. Von daher trenne ich da sehr und benutzte nie das eine Wort, wenn ich das andere meine. Weil das Verharmlosung wäre, wie du richtig sagst.
Lucy hat geschrieben:
Übrigens ist pädophilie ein verharmlosender Ausdruck.

Nein. Es handelt sich um einen medizinischen Fachbegriff. Im internationalen, von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebenen und fortgeführten Diagnose­klassifikationssystem ICD-10 ist es unter Kapitel V (F00 - F99) 'Psychische und Verhaltensstörungen', Bereich 'Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen' (F60 - F69), Unterbereich 'Störungen der Sexualpräferenz' oder Paraphilie (F65), Typ 'Pädophilie' (F65.4) definiert. So jedenfalls in der 'German Modification' (ICD-10-GM). In der englischsprachigen Standardversion lautet die Bezeichnung 'paedophilia'.

()
Ich glaube, ich ziehe mich mal aus diesem Thread zurück. Ich habe das Gefühl, hier versucht man, mehr Verständnis für den/die Täter zu haben oder sich zurecht zu legen, als sich mal Gedanken über die Opfer zu machen. Natürlich gilt die Unschuldvermutung. Aber dieser Mann hat bereits einiges zugegeben, und sicherlich nicht, dass er mit den Kindern Mensch-ärgere-Dich-nicht gespielt hat.
Tychiades hat geschrieben:
Waldler hat geschrieben:
void hat geschrieben:
hier ist jetzt schon von 22 Fällen mit Opfern ab vier Jahre die Rede.


Mir wird schlecht...


Wenn man schwache Nerven hat, sollte man Menschen nicht zu nahe kommen. Der Abgrund, in den man dann blicken darf, macht schwindelig.


Ich glaube nicht, dass ich schwache Nerven habe. Ich habe mit den OPFERN solcher Täter einige Jahre lang gearbeitet, glaub mir, da muss man Nerven aus Stahl haben. Aber dennoch wird mir immer noch schlecht, wenn ich so etwas lese/höre.

W.
Ein letztes:

Liebe Lucy,

unter Menschen, die mit diesen Menschen zu tun haben, spricht man auch fast immer von "pädosexuell". Ich persönlich finde das Wort "pädophil", was ja "kindelliebend" heisst, auch einen geradezu zynischen Begriff.

W.
Waldler:
sich mal Gedanken über die Opfer zu machen

Sich "mal Gedanken um die Opfer zu machen", hilft den Opfern ja nun auch nicht. Nur Zuwendung, Aufmerksamkeit und viel Güte hilft den Opfern. Wie du darauf kommst, dass "eher Verständnis" für den Täter geäußert wird, ist mir unverständlich. Weder Verurteilung, noch Zynismus ist heilsam.
Sorry, muss mich kurz fassen, mein Pad spinnt.

Die Endung - philie teilen sich Liebhaber von Briefmarken mit Leuten, die gerne Sex mit Kindern (oder Tieren) hätten.
Ich erlaube mir, das verharmlosend und unangemessen zu finden.
Das dsm oder icd sind ja wohl auch veränderbar.
Ebenso ist Missbrauch ein unpassendes Wort, da es keinen Gebrauch in dem Bereich gibt. @void.

Nur mal zum drüber nachdenken. Sprache ist wichtig.
Morpho,

natürlich darf es nicht bei den Gedanken stehen bleiben. Das ergibt sich aus allem, was ich hier in diesem Thread geschrieben habe.

Aber eines wird mir klar: Ich sollte bei Theman, die mich selbst tief verletzen oder bedrücken oder bewegen, besser den Mund halten. Es bringt mir nichts ausser Wut und Zorn, und Euch bringt es letztendlich auch nichts ausser Ärger über mich.

W.
Es wird jetzt vermutlich auch sowieso ein großer Rumor entstehen. Sollen wir uns anschließen ? Praxishalber: nein.
Die Zen Praxis könnte von vielen pauschal herabgesetzt werden und "Trittbrettfahrer" werden sowieso erscheinen.

Aber eines wird mir klar: Ich sollte bei Theman, die mich selbst tief verletzen oder bedrücken oder bewegen, besser den Mund halten. Es bringt mir nichts ausser Wut und Zorn, und Euch bringt es letztendlich auch nichts ausser Ärger über mich.



Ich hab keinen Ärger auf Dich, selbst wenn ich mich ärgern würde, würde ich versuchen, dem "Ärger nicht freien Lauf zu lassen" ( das ist ein Gelübde ). Was du aber ausdrückst ist eine Gelegenheit zur Praxis: verletzt, bedrückt, bewegt, wütend... - 'so' wahrnehmen, nicht folgen, nicht zurückweisen.
void hat geschrieben:
Wenn man pädophil ist, dann wird man ja sehr darunter leider, dass in einem Triebe sind, die beständig in einer Richtung zerren, von der man weiss, dass sie falsch und schädlich ist.
Nun ja - es gibt Pädophile, die das nicht wissen oder wissen wollen und hier lediglich ein kulturelles Tabu sehen. Es wurde ja in den letzten Jahren gerne als Munition für Schlammschlachten verwendet, dass solche Leute in der Gründungsphase der Grünen versucht hatten, analog zu Homosexualität eine Entkriminalisierung von Pädosexualität (praktizierter Pädophilie) in ein politisches Programm einzubringen. 'Leiden' tun solche Leute dann darunter, dass das Ausleben ihrer sexuellen Präferenzen gesellschaftlich geächtet und mit Strafen sanktioniert ist.
void hat geschrieben:
Von daher ist ja verständlich, wenn man sich für Spiritualität interessiert. Diese erschient ja wie ein Versprechen, inneren Frieden zu erlangen und Begierde zum Erliegen zu bringen.
Das wäre ein Ansatz. Auf einen anderen möglichen Ansatz hatte ich gestern angespielt - eine existentielle Antwort zu finden auf die Frage: "Ein Mensch von großer Verwirklichung, fällt der noch der Kausalität anheim oder nicht?" Folgt man der Antwort des alten Hyakujō ("Er fällt nicht der Kausalität anheim!"), scheint dies einen Ausweg aus einem solchen Dilemma aufzuzeigen.

Möglicherweise ist das, was G.D. zur Last gelegt wird, seine existentielle Antwort auf dieses Kōan. Das wäre dann ein Verständnis, auf das Christophers Verdikt von der Amoralität des Zen durchaus zuträfe. Andererseits sagt der Hyakujō der Gegenwart "Er unterschlägt die Kausalität nicht!" - und bei diesem Wendewort wird große Erleuchtung erfahren und man kann den Leib des wilden Fuchses abstreifen. Zwar ist auch dieses Wendewort - so Huangbo - "falsch". Man sollte schon zur Vermeidung extremer Sichten beide Wendeworte mit "einem Auge" sehen. Es scheint, dass diese Einäugigkeit D.G. nicht gelungen ist. Das, was ihm winkt, ist sicher kein "vergnügliches Leben als Fuchs" und das, was hinter ihm liegt, war zumindest für die Beute des Fuchses nicht "vergnüglich".

()
Waldler hat geschrieben:
Tychiades hat geschrieben:
Waldler hat geschrieben:

Mir wird schlecht...


Wenn man schwache Nerven hat, sollte man Menschen nicht zu nahe kommen. Der Abgrund, in den man dann blicken darf, macht schwindelig.


Ich glaube nicht, dass ich schwache Nerven habe. Ich habe mit den OPFERN solcher Täter einige Jahre lang gearbeitet, glaub mir, da muss man Nerven aus Stahl haben. Aber dennoch wird mir immer noch schlecht, wenn ich so etwas lese/höre.

W.


Also - das ist bloßes Gerede, wenn du schreibst: "Mir wird schlecht"?

Ich glaube dir nicht.
Einfach, weil man keine Nerven aus Stahl haben kann - aber man muss viel emotional und einfühlend in sich bearbeiten. Und daher gibt es da auch, wenn's gut läuft, professionelle Hilfe für die Profeesionellen.
In welcher Einrichtung hast du denn, wie lange gearbeitet? War's ein Praktikum? Oder bei einer autonomen Opferhilfe, oder bei "Zartbitter"?
Manche haben da eine Blauäugigkeit, die ist für die Opfer auch fatal. Es ist Opfern nicht geholfen, wenn sie lebenslang als Opfer sich verstehen "dürfen". Sie müssen in einen Prozess der Vergebung hinein geführt werden, die auch dem Täter hilft, die Schwere seiner Schuld zu fühlen.
Man kann einem Opfer nicht helfen, wenn es den Täter nicht verstehen darf, sondern ihn ablehen muss. Damit lehnt es natürlich die Tat ab, aber auch sich selbst, weil es sich um eine sehr enge wechselseitige Bedingtheit handelt.
Dann glaubst Du mir eben nicht, Tychiades. Ich wäre aber mit dem Vorwurf der Lüge vorsichtig. Das ist unrechte Rede.

Ich habe 5 Jahre lang in einer öffentlichen Beratungsstelle gearbeitet, und zwei weitere Jahre in der Beratungspraxis einer Männergruppe. Wo das war, möchte ich nicht sagen. Ich muss mich ja hier weder identifizieren lassen noch irgendjemanden beweisen, was ich beruflich getan habe.

Glaub es mir oder lasse es sein.

Man kann einem Opfer nicht helfen, wenn es den Täter nicht verstehen darf, sondern ihn ablehen muss.


Das ist richtig. Worauf es mir ankommt: In diesem Thread bemühen sich viele um Verständnis und Erklärungen für die Tat des Täters. Kaum jemand aber erwähnt das oder die Opfer. Zumindest so kommt das bei mir rüber. Und ein Opfer kann nicht verzeihen lernen, wenn es das Gefühl hat, das Interesse liegt bedeuten näher am Täter als an ihm. Ein Opfer kann nur aus seiner Opferrolle, wenn die Tat des Täter als TAT deutlich benannt und verurteilt wird.

W.
Waldler hat geschrieben:
...Aber eines wird mir klar: Ich sollte bei Theman, die mich selbst tief verletzen oder bedrücken oder bewegen, besser den Mund halten. Es bringt mir nichts ausser Wut und Zorn, und Euch bringt es letztendlich auch nichts ausser Ärger über mich.

W.


Das hilft dir nicht weiter, Waldler. So wie du lernen musst, dein "verletzt sein" auszuhalten, so müssen auch wir lernen, dein "verletzt sein" auszuhalten.
Sich zurück zu ziehen kann für den Moment Erleichterung bringen und sinnvoll sein. Es kann und darf aber nicht das Ende sein. Wut und Zorn haben ihre Berechtigung. Aber es bedarf auch des Mitgefühls; Mitgefühl mit dir, mit den Opfern und auch mit den Tätern.
Und wenn du bei dem was du schreibst bei dir bleibst und nicht in "Du-Botschaften" verfällst, ist doch alles in Ordnung. "Ich fühle mich verletzt, mir tut es weh, mich macht es zornig, wenn ich dass und dass lese."
Nicht "Du verletzt mich,...Du machst....." Hier ist der Streit vorprogrammiert.
Du hast ein Recht auf dein Fühlen und du hast ein Recht, es auszusprechen, es zu zeigen.
Du solltest nur nicht andere dafür verantwortlich machen. Dann wird es kompliziert. :)
Dein Fühlen ist ein sehr komplexer Prozess, an dem auch du einen Anteil hast. Finde und nutze ihn. Dann bist du frei. Jedenfalls in diesem Bereich. :moon: :sunny: :rainbow:
Tychiades hat geschrieben:
Manche haben da eine Blauäugigkeit, die ist für die Opfer auch fatal.
Das habe ich, während dieser Ereignisse in Worms lebend, aus ziemlicher Nähe einmal exemplarisch mitbekommen. Wobei speziell die Rolle von 'Wildwasser' in dem verlinkten Artikel noch sehr beschönigt ist. Glücklicherweise hat man gerade aus den Wormser Prozessen gelernt, behutsamer und mit weniger emotionalem Engagement und dafür mehr Professionalität mit solchen Tatvorwürfen umzugehen. Es ist zu hoffen, dass dies in Augsburg bei den Ermittlungen so gelaufen ist.

()
void hat geschrieben:
Tychiades hat geschrieben:
Wenn man schwache Nerven hat, sollte man Menschen nicht zu nahe kommen. Der Abgrund, in den man dann blicken darf, macht schwindelig.


Wenn man pädophil ist, dann wird man ja sehr darunter leider, dass in einem Triebe sind, die beständig in einer Richtung zerren, von der man weiss, dass sie falsch und schädlich ist. Von daher ist ja verständlich, wenn man sich für Spiritualität interessiert. Diese erschient ja wie ein Versprechen, inneren Frieden zu erlangen und Begierde zum Erliegen zu bringen. Von daher dürfte man doch erwarten, dass man, wenn man einen guten Lehrer hat und sich hineinkniet nach über 30 Jahre schaffen kann, da auch solche tiefen Prägungen zu überwinden.


Tja - es ist gut möglich, dass in dem katholischen Milieu von Altötting jede Menge pädophile Erfahrungen zu machen waren und dass man dann sich auf die Seite der Opfer stellte, um als Polizist im Namen des Gesetzes handeln zu dürfen. Dann passte das aber irgendwie nicht und man wählte was kulturell sehr fremdes und das sehe ich schon als einen weiteren Akt der Verdrängung auch an. Durch das Internet ließen sich solche Neigungen unbemerkt aber erfahren und das wiederum führt zu weiterer Gier. Das ist m.E. ein schönes Lehrstück von Verblendung, Gier und Avesion. Aber - ich vermute mal, er hatte keine Hilfe, war letztlich allein mit seinem Leben und wenn man es nicht in den Griff kriegt und zurück fährt, dann kommt irgendwann doch aus dem vergangenen Leben die Rechnung. Das ist Karma.
Natürlich kann man man jetzt sagen, dass jemand, bei dem jetzt solche Sachen ans Licht kommen, dann da wohl irgendwie falsch praktiziert haben muss. Ist es einfach so, dass da "Zen nicht funktioniert hat"? Oder liegt in der Idee eines "funktionierenden Zen" das man wie eine Autowaschanlage benutzten kann, und hinten weiss rauskommt, nicht schon ein grauenhaftes Missverständnis?

Zen ist zu nichts nütze. Es funktioniert nicht, wenn man es für irgendwas gebauchen will. Z.B. um seine Gier - Begierde - zu bewältigen und seine Wut und Rechthaberei. Das Schlimmste was so jemandem passiert ist, wenn er auch noch der Vorsteher wird und Meister. Dann ist er wirklich ohne Hilfe, sofern er nicht erkennt, dass Meister sein, die Arschkarte ist.
Die Zen-Übung ist eine Zeit, in der man klären kann, was für ein Trottel man ist. Man kann aber auch die Zeit durchdösen. Und sich für einen riesigen goldenen Buddha halten. Das ist ja das Oberübel mancher Rinzai-Zen-Traditionen - sie meinen, man sei Buddha - klar ist man Buddha - eben ein pädophiler Buddha. Kanshiketsu.

Mir ist so letztens gekommen, dass Praxis viel sowas ist, was "demütigt" und demütig macht, also statt Abgründe zu überbrücken runterführt, wo man dann überhaupt nicht mehr tiefer fallen kann.

Das muss aber einer wollen. Wenn er nicht sehen will, dann sieht er nicht.

Aber auf der anderen Seite, wird man doch eher nur solche spirituellen Autorritäten akzeptieren wollen, die weiss aus der Waschanlage kommen und keine Abgründe mehr haben.

Solche Autoritäten gibt es nicht. Und ich kann nur jedem raten, mit der Suche nach einer Autorität Schluss zu machen. Einen Freund zu suchen, das ist vernünftig. Einen, der einem raten kann, was man bei solcherart Neigungen machen soll.
Mich beunruhigt auch, dass der Tempel in Dinkelscherben da seinen Gründer so kommentarlos von der Seite gelöscht hat. So als möchte man den Abgrund schliessen und wieder hin zum abgrundlosen Zen kommen.

Wer weiß, wie lange es den Tempel noch gibt.
Ich habe das Gefühl, ich verstehe da was Grundlegendes nicht.

Ja - wahrscheinlich ist dir die Wurzel des ganzen Übels nicht wirklich klar. Verblendung - nicht sehen wollen, dass man eine arme Socke ist und Hilfe braucht.
Waldler hat geschrieben:
Das ist richtig. Worauf es mir ankommt: In diesem Thread bemühen sich viele um Verständnis und Erklärungen für die Tat des Täters. Kaum jemand aber erwähnt das oder die Opfer. Zumindest so kommt das bei mir rüber.

Wir wissen über die Opfer auch so gut wie nichts.

Und ein Opfer kann nicht verzeihen lernen, wenn es das Gefühl hat, das Interesse liegt bedeuten näher am Täter als an ihm. Ein Opfer kann nur aus seiner Opferrolle, wenn die Tat des Täter als TAT deutlich benannt und verurteilt wird.


Da gibt es aber keinen Zusammenhang. Der Prozess ist ja bereits die Benennung der Tat und da hat ja auch einer Anzeige erstattet. Wir wissen aber nicht, wer und warum. Kinder werden überwiegend in allen Gesellschaften instrumentalisiert - und sind so fast immer Opfer. Erst mit der Rechtsmündigkeit kommt man aus dieser Rolle heraus.
Vergebung hat mit Interesse nichts zu tun. Vergebung ist eine Lösung für eine massive Verstrickung und deshalb arbeitet man in der Traumatherapie auch mit Methoden des Löschens von Erinnerung, in dem man schnell die "Festplatte" überschreibt. Damit hat man eine Emotion von der Handlung entkoppelt, was sehr wichtig ist, um gesund zu bleiben.
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