Zen-Priester unter Missbrauchsverdacht

Moderator: void

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7 Jahre 9 Monate
ham se Ihm echt einen eingeschenkt...
kann er gut als Retreat nutzen....
Sollte mich wundern, wenn er das durchsteht.
Stellungnahme des Rates der DBU – Zum Missbrauchsfall Genpo Döring
Genpo Döring, der am 11. Juli 2017 wegen Kindesmissbrauchs zu einer Haftstrafe von sieben Jahren und neun Monaten verurteilt wurde, weil ihm nachgewiesen werden konnte, dass er sieben Jungen im Alter von 4 bis 13 Jahren sexuell missbraucht hat, war ein überregional bekannter Vertreter des Buddhismus in Deutschland und hat sich 23 Jahre im Rat der DBU engagiert, 3 Jahre davon als stellvertretender Sprecher. Bei seinem Ausscheiden aus dem Rat hat ihn die Mitgliederversammlung der DBU 2008 daher zum Ehrenrat ernannt. Von 2008 bis Mitte 2016 hat er zudem die DBU als Delegierter bei der World Fellowship of Buddhists, dem Weltverband der Buddhistinnen und Buddhisten, vertreten.

Seine Auszeichnung zum Ehrenrat der DBU hatte der Rat der DBU bereits bei Bekanntwerden der Vorwürfe im Oktober 2016 sofort mit einstimmigem Beschluss bis zu einem Urteil über seine Schuld oder Unschuld im Gerichtsverfahren vorläufig aufgehoben; mit seiner Verurteilung wird dies nun endgültig. Seine Ämter als Vertreter der DBU bei der World Fellowship of Buddhists und als Vizepräsident der World Fellowship of Buddhists hat Genpo Döring selbst bereits im Juli 2016 aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt. Genpo Döring und die Hakuin-Zen-Gemeinschaft sind seit 2010 nicht mehr Mitglied in der DBU.

Es bestürzt uns zutiefst, dass Genpo Döring als exponierter Vertreter der Buddha-Lehre furchtbare Verbrechen an Minderjährigen begangen hat.

Es sind in erster Linie die Opfer, an die wir jetzt denken. Sie haben durch Genpo Dörings Taten entsetzliches Leid erleben müssen, was in ihrem Innern schmerzvolle Wunden hinterlassen hat. Ihnen gilt unser tief empfundenes Mitgefühl. Wir wünschen ihnen von Herzen, dass sie in ihrem Umfeld die liebevolle Unterstützung finden mögen, die es ihnen möglich macht, ihren Schmerz, ihre Ängste und Verzweiflung zu überwinden und innerlich wieder heil zu werden. Wir sind darüber hinaus der betroffenen Familie sehr dankbar, die trotz der Erfahrung großen Leids, welches ihr durch Genpo Döring widerfahren ist, die Kraft fand, Genpo Dörings Taten zur Anzeige und damit zu einem Ende zu bringen.

In unserem Gedenken an die Opfer denken wir auch an alle anderen, die nun in unmittelbarer Weise von Genpo Dörings Handeln betroffen sind, insbesondere auch an Genpo Dörings Familie und die Mitglieder der Hakuin-Zen-Gemeinschaft. Es ist schrecklich, in einem Menschen, den man viele Jahre gut zu kennen glaubt, den man wertschätzt und dem man vertraut, jemanden erkennen zu müssen, der ein Doppelleben geführt hat und Minderjährige, die sich ihm anvertrauten oder ihm anvertraut wurden, Leiden zugefügt hat. Solch ein Vertrauensbruch betrifft mehr als nur das Verhältnis zu einer Person. Dadurch wird auch die Frage aufgeworfen, wem man überhaupt noch vertrauen kann. Auch ihnen wünschen wir von Herzen, dass sie diese Verletzung überwinden können und eine neue Basis für vertrauensvolle Beziehungen finden.
Der Buddha lehrt die beständige Achtsamkeit auf heilsames Handeln

Wie viele andere Menschen, die von Genpo Dörings sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen erfahren haben, fragen wir uns auch, wie so etwas möglich sein konnte. In der Lehre des Buddha hat ethisches Verhalten einen hohen Stellenwert, ist sie doch darauf gerichtet, selbstsüchtiges und schädigendes Verhalten aufzugeben und stattdessen ein heilsames Handeln zum Wohle aller Lebewesen zu entwickeln, so wie dies auch im Buddhistischen Bekenntnis der DBU zum Ausdruck kommt. Es ist für uns daher unfassbar, wie Genpo Döring, der die Buddha-Lehre so viele Jahre studiert und gelehrt hat, ein solches Doppelleben führen konnte.

Wir erinnern uns daran, dass der Buddha die Verstrickung der Wesen in die drei Geistesgifte, Gier, Hass, und Verblendung als Ursache für das Leiden in der Welt erkannt hat. Genpo Dörings Beispiel führt uns einprägsam vor Augen, dass wir als Menschen sowohl das Potential für unfassbare Verbrechen wie auch das Potential zur vollkommenen Überwindung all dieser unheilsamen Tendenzen und der Verwirklichung des vollkommenen Erwachens in uns tragen.

Der Buddha hat mit seiner Lehre den Weg dazu aufgezeigt, wie wir Befreiung vom Leiden finden und das Erwachen verwirklichen können. Ethisches Verhalten und Achtsamkeit sind die grundlegenden Voraussetzungen für weitere Fortschritte auf diesem Weg. Auf einer praktischen Ebene hat der Buddha daher immer wieder darauf hingewiesen, dass wir mit unablässiger Achtsamkeit unsere Sinneswahrnehmungen und Aktivitäten in Körper, Rede und Geist wahrnehmen und prüfen müssen, damit wir unsere unheilsamen Verstrickungen in die Geistesgifte überwinden und heilsame Gewohnheiten und Qualitäten entwickeln können. Die Lebensumstände ändern sich ständig und jeder Augenblick birgt das Potential für unser heilsames oder unheilsames Handeln, deshalb ist die Entwicklung einer beständigen Achtsamkeit so wichtig. Es ist diese beständige und minutiöse Achtsamkeit auf die heilsame Qualität aller ihrer Handlungen, die wir bei herausragenden buddhistischen Lehrerinnen und Lehrern sehen können und die sie wahrhaftig zu Vorbildern macht.

Wir rufen daher alle Mitglieder der buddhistischen Gemeinschaft dazu auf, solch guten Beispielen zu folgen und ethisches Verhalten vereint mit beständiger Achtsamkeit zur Grundlage ihrer Praxis und ihres Lebens zu machen. Es ist unser tiefer Wunsch, dass wir durch unser individuelles und gemeinschaftliches Handeln ein inspirierendes Beispiel geben für die Kraft des Achtfachen Pfades, den uns der Buddha gelehrt hat, um uns vom Unheilsamen zu befreien und das Heilsame zu entwickeln – zum Nutzen für uns selbst und alle Wesen.
Wir ernten die Früchte unseres Handelns

Der Buddha lehrt uns auch, dass wir die Früchte der Handlungen, die wir säen, ernten werden. Unser Mitgefühl gilt daher auch Genpo Döring selbst. Durch sein missbrauchendes Handeln hat er Furchtbares angerichtet, im Leben der Opfer, aber auch für sich selbst. Sein Fehlverhalten wird auf ihn zurückwirken, nicht nur in Form seiner langen Haftstrafe, sondern auch weit darüber hinaus.

Wir sind deshalb froh darüber, dass er den sexuellen Missbrauch eingestanden hat und bereut. Nur durch Wahrhaftigkeit und tief empfundene Reue hat er die Möglichkeit, sich zu ändern, wieder eine positive Richtung einzuschlagen und vielleicht auch noch Positives zum Leben der Opfer beizutragen. Seine erste Entschuldigung bei den Opfern im Rahmen des Gerichtsverfahrens ist dazu ein erster wichtiger Schritt. Wir hoffen und wünschen, dass er diesen Weg mit Entschlossenheit fortsetzen kann.

http://www.buddhismus-deutschland.de/st ... o-doering/
http://www.buddhismus-deutschland.de/me ... o-doering/
Ich sehe leider nur Worte. Mein Wunsch/Hoffnung ist gewesen, dass die "buddhistische Gemeinschaft" (die DBU dafür stellvertretend) ein Projekt ins Leben ruft, um den Opfern weitere Hilfe und Unterstützung bei der Bewältigung zu ermöglichen.
Im Rahmen diesr Stellungnahme hätte man dieses Projekt vorstellen können und um die dafür notwendige Finanzierung werben können.
Politiker ... buddhistisch verbrämt ... Ursachen ... welche Ursachen ?
Baika hat geschrieben:
Ich sehe leider nur Worte. Mein Wunsch/Hoffnung ist gewesen, dass die "buddhistische Gemeinschaft" (die DBU dafür stellvertretend) ein Projekt ins Leben ruft, um den Opfern weitere Hilfe und Unterstützung bei der Bewältigung zu ermöglichen.
Im Rahmen diesr Stellungnahme hätte man dieses Projekt vorstellen können und um die dafür notwendige Finanzierung werben können.


So was ist nötig:

https://www.spiritrock.org/teacher-code-of-ethics-2016

Teacher Code of Ethics
The Spirit Rock teachers recognize that the foundation of spiritual life rests upon our mindful and caring relationship to the life around us. We acknowledge that without the support of monastic vows and Asian customs, we have a need for clear Western guidelines. In keeping with this understanding, and for the long-term benefit of ourselves and the community at large, we, as lay teachers, agree to uphold the five lay training precepts. Furthermore, we have specifically expanded the scope of these five precepts to make them explicitly appropriate to our role as teachers of the Dharma in our specific cultural setting. The Spirit Rock teachers have thus agreed to the following guidelines:

1) We undertake the precept of refraining from killing.
In undertaking this precept we acknowledge the interconnection of all beings and our respect for all life. We agree to refine our understanding of not killing and nonharming in all our actions. We seek to understand the implication of this precept in such difficult areas as abortion, euthanasia, and the killing of pets. While some of us recommend vegetarianism, and others do not, we all commit ourselves to fulfilling this precept in the spirit of reverence for life.

2) We undertake the precept of refraining from stealing.
We agree to not take that which does not belong to us and to respect the property of others. We agree to bring consciousness to the use of all of the earth's resources in a respectful and ecological way. We agree to be honest in our dealing with money and not to misappropriate money committed to Dharma projects. We agree to offer teachings without favoritism in regard to student's financial circumstances.

3) We undertake the precept of refraining from false speech.
We agree to speak that which is true and useful and to refrain from gossip in our community. We agree to hold in confidence what is explicitly told to us in confidence. We agree to cultivate conscious and clear communication, and to cultivate the quality of loving-kindness and honesty as the basis of our speech.

4) We undertake the precept of refraining from sexual misconduct.
We agree to avoid creating harm through sexuality and to avoid sexual exploitation or relationships of a sexual manner that are outside of the bounds of the relationship commitments we have made to another or that involve another who has made vows to another. Teachers with vows of celibacy will live according to their vows. Teachers in committed relationships will honor their vows and refrain from adultery. All teachers agree not to use their teaching role to exploit their authority and position in order to assume a sexual relationship with a student.

Because several single teachers in our community have developed partnerships and marriages with former students, we acknowledge that such a healthy relationship can be possible, but that great care and sensitivity are needed. We agree that in this case the following guidelines are crucial.

a) A sexual relationship is never appropriate between teachers and students.
b) During retreats or formal teaching, any intimation of future student-teacher romantic or sexual relationship is inappropriate.
c) If interest in a genuine and committed relationship develops over time between a single teacher and a student, the student-teacher relationship must clearly and consciously have ended before any further development toward a romantic relationship. Such a relationship must be approached with restraint and sensitivity - in no case should it occur immediately after retreat. A minimum time period of three months or longer from the last formal teaching between them, and a clear understanding from both parties that the student-teacher relationship has ended must be coupled with a conscious commitment to enter into a relationship that brings no harm to either party.

5) We undertake the precept of refraining from intoxicants that cause heedlessness or loss of awareness.
It is clear that substance abuse is the cause of tremendous suffering. We agree that there should be no use of intoxicants during retreats or while on retreat premises. We agree not to abuse or misuse intoxicants at any time. We agree that if any teacher has a drug or alcohol addiction problem, it should be immediately addressed by the community.


Sorry, ist leider auf Englisch. Es gibt es auch auf Deutsch, aber nur im Buch. Ich bin zu faul das zu übersetzen und/oder reinzutippen. Vllt hat ja jemand ein E-Book oder PDF, aus dem er das reinpassten kann.
Das sind die 5 Laiengelübde. Man nimmt sie bei der Zuflucht. Man konvertiert dadurch zum.Buddhismus. Wer sich nicht für sie interessiert, kann sich vielleicht Zenbuddh. oder Buddhist nennen, formal ist er aber keiner.
Das Problem mit Nicht-Konvertierten ist vielfach, dass sie diese Gelübde nicht kennen oder sie bei ihnen keine besondere Berücksichtigung erfahren. Gerade im Dialog,im Austausch, geschweige bei einer Diskussion, wird das dann zum Problem, denn während sich der Konvertierte (hoffentlich) eben darum.bemüht zum Beispiel unwahre Rede zu unterlassen, nicht zu hintertragen, nicht unangemessen und insbesondere nur auf Basis eigenen Erlebens oder Wissens ( "Ich weiss." oder "Ich habe gesehen") zu sprechen oder zu kritisieren, und zwar vom Groben bis schliesslich ins Feinste, ist das bei einem Nichtbuddhisten oder Unbuddhisten, gar Antibuddhisten nicht gleichermassen erwartbar. Und schon hat man meist keine 'Augenhöhe' mehr.
Diesen Beitrag könnte man z.Zt. vermutlich in einigen threads erstellen (oder einen neuen thread eröffnen), aber ich will's mal hier posten, weil der aktuelle Anlass für mich die Stellungnahme der DBU war.

Wieder einmal - ausgelöst von den Affären um die Herren D. und L. - wird von der DBU gefordert, eine Art 'Ethik-Richtlinie' herauszugeben, die sämtliche Mitgliedsgemeinschaften unterzeichnen sollen und die somit so eine Art 'Prüfsiegel' der Unterzeichnenden sind. Für die Einhaltung und eventuelle Sanktionen ist dann die DBU verantwortlich.

Eher wird die Hölle zufrieren, als dass es diese Richtlinien in absehbarer Zeit geben wird.

Warum?

1. Die meisten Mitgliedsgemeinschaften (und ich meine damit nicht nur die 'üblichen Verdächtigen'!) sind entweder selbst betroffen, wissen, dass sie in der Zukunft selbst betroffen sein können oder haben genug eigene Leichen im Keller.

2. Als Vergleich wird oft der Umgang in den christlichen Kirchen mit Missbrauchsfällen herangezogen. Das ist irreführend. Es gibt weltweit kein Organ, der für die Christen sprechen könnte, selbst nicht der sogenannte 'Weltkirchenrat'. Auch da ist man extrem vorsichtig, Verlautbarungen herauszubringen, die größere Kirchen veranlassen könnten, sich zurückzuziehen (die Katholiken gehören im eh nicht an).

Genauso werden sich 'Buddhisten' (wo die Unterschiede eigentlich sogar - trotz gegenteiliger Rhetorik - größer sind) nie (na ja, jedenfalls nicht in absehbarer Zeit...) auf eine gemeinsame Ethik einigen können. Dazu werden Texte, die als 'gemeinsam' gelten, zu unterschiedlich ausgelegt.

3. Auf zwei Punkte können sich die Mitgliedsgemeinschaften einigen, wenn es um Zuständigkeit der DBU geht: 'Public Relations' (also Außenwerbung für die Vorzüge des 'Buddhismus') und Lobby-Arbeit für den Versuch, ähnliche staatliche Rechte zu bekommen, wie andere 'staatlich anerkannte' Religionsgemeinschaften - eine Art 'aus kontrolliertem Pfanni-Anbau' des deutschen Buddhismus. Manchmal sage ich mir (zumindest was den zweiten Punkt angeht): Gott bewahre uns vor einem Erfolg! Acht Jahre Lektüre im Butterland und zwanzig Jahre Beobachtung der DBU lassen mich nicht annehmen, man würde da - was z.B. das Arbeitsrecht angeht - nicht genauso heuchlerisch (aber gerne!) Ausnahmeregelungen in Anspruch nehmen.
:like:
Axel:
Acht Jahre Lektüre im Butterland

Und inwiefern hast du auch Realitätsbezug ?

Die obige Richtlinie stellt Regeln auf die für die Lehrer der dortigen Sangha gilt.
Halten sich die Lehrer nicht dran, dann müssen die gehen. Die DBU kann aber natürlich nichts (gleichartiges ) verordnen. Sie könnte aber den Mitgliedsgemeinschaften einen Vorschlag machen.

1. Die meisten Mitgliedsgemeinschaften (und ich meine damit nicht nur die 'üblichen Verdächtigen'!) sind entweder selbst betroffen, wissen, dass sie in der Zukunft selbst betroffen sein können oder haben genug eigene Leichen im Keller.


Deine Behauptung, Meinung.
Ein Kritikforum würde sich derzeit genauso lesen, deswegen bin ich im Moment dagegen.

Dazu werden Texte, die als 'gemeinsam' gelten, zu unterschiedlich ausgelegt.
Genauso werden sich 'Buddhisten' (wo die Unterschiede eigentlich sogar - trotz gegenteiliger Rhetorik - größer sind) nie (na ja, jedenfalls nicht in absehbarer Zeit...) auf eine gemeinsame Ethik einigen können. Dazu werden Texte, die als 'gemeinsam' gelten, zu unterschiedlich ausgelegt.
Sehe ich anders- oder, inwiefern werden welche 'gemeinsamen' Texte zu unterschiedlich ausgelegt ?
Axel hat geschrieben:
Wieder einmal - ausgelöst von den Affären um die Herren D. und L. - wird von der DBU gefordert, eine Art 'Ethik-Richtlinie' herauszugeben, die sämtliche Mitgliedsgemeinschaften unterzeichnen sollen und die somit so eine Art 'Prüfsiegel' der Unterzeichnenden sind. Für die Einhaltung und eventuelle Sanktionen ist dann die DBU verantwortlich.
Der letzte 'Anlass' war 2011 - als man mit viel Glück gerade noch daran vorbei geschrammt war, die Pagode Phat Hue mit ihrem Chef Mai Hue Giang Tran (aka Thich Thien Son) in die DBU aufzunehmen. Da war der Skandal gerade noch rechtzeitig gekommen. Da gab es dann einiges an Aktionismus - der sich aber ausbremsen ließ. In der 2011 begonnenen dreijährigen Ratsperiode trat der erste Vorstand (Sprecher und stellvertretende Sprecherin) aus Gesundheitsgründen nach einigen Monaten zurück und aus dem Rat aus (wodurch die beiden heutigen Vorstandsmitglieder nachrückten). Der nachgewählte Vorstand (beide in der AG Ethik aktiv) wurde gezielt von den üblichen Verdächtigen demontiert und trat mangels Rückendeckung nach knapp 1,5 Jahren zurück. Damit war auch das Ethikprojekt gestorben. Der dritte Vorstand dieser Ratsperiode ist noch heute im Amt. Anscheinend macht der es richtig.

Übrigens ging es bei dem Projekt nicht nur um eine Charta, sondern ganz wesentlich auch um einen Ethikrat, besetzt mit Fachleuten (Psychologen, Juristen ...), die als Anlaufstelle und - falls von beiden Seiten so gewünscht - als Mediationsstelle dienen sollte. Ansonsten als 'fact finding commission', die Rat und Mitgliederversammlung Handlungsempfehlungen gibt. Das sollte nun auch nicht immer gleich der große Hammer mit dem Ausschluss sein, sondern eine Palette von Maßnahmen (ich sage jetzt mal, von einer bloßen, nicht-öffentlichen Empfehlung über eine öffentliche Rüge bis hin zum Ausschluss) - natürlich eskalierbar, wenn die 'sanfteren' Maßnahmen keine Wirkung zeigen. Das hätte funktionieren können, wenn es die Mehrzahl denn wirklich gewollt hätte und dafür im Zweifelsfall auch einen Konflikt - z.B. mit dem Diamantweg e.V. in Kauf genommen hätte. Für letzteres ist allerdings das 'Harmoniebedürfnis' in der DBU denn doch zu groß.
Axel hat geschrieben:
Eher wird die Hölle zufrieren, als dass es diese Richtlinien in absehbarer Zeit geben wird.
Ja. Das Projekt war im Frühjahr 2013 mausetot. Weil zumindest ein Teil der Leute, die da Arbeit hineingesteckt hatten, genau zu dieser Einsicht gekommen waren.
Axel hat geschrieben:
Warum?

1. Die meisten Mitgliedsgemeinschaften (und ich meine damit nicht nur die 'üblichen Verdächtigen'!) sind entweder selbst betroffen, wissen, dass sie in der Zukunft selbst betroffen sein können oder haben genug eigene Leichen im Keller.
Das ("die meisten") halte ich für übertrieben. Die größten kommt schon eher hin. Und - einige der kleineren Gemeinschaften schicken Delegierte, die für ihren Job nicht taugen. Zu naiv, zu harmoniebedürftig, mit zu unklaren Vorstellungen, wofür ein buddhistischer Dachverband eigentlich da sein soll - und wozu er da sein kann. Zu diesem Mangel an verbandspolitischer Vision kommt dann womöglich noch Bequemlichkeit - da beschäftigt man sich mit der Tagesordnung erst auf der Fahrt zur Mitgliederversammlung und hat nicht wirklich eine Ahnung, worum es überhaupt geht. Da orientiert man sich dann gerne an den Vertretern der 'Großen'.
Axel hat geschrieben:
2. Als Vergleich wird oft der Umgang in den christlichen Kirchen mit Missbrauchsfällen herangezogen. Das ist irreführend.
Das ist vor allem insofern irreführend, als die DBU nicht - wie die Kirchen - Arbeitgeber des 'spirituellen Personals' ist. Das einzige wirkliche Druckmittel, das sie in der Hand hat, ist der Ausschluss. Dieses Druckmittel hat jedoch nur einen Wert, wenn die DBU in der Öffentlichkeit auch als eine ethisch-moralische Instanz wahrgenommen wird - ein Ausschluss also in der Öffentlichkeit nicht einfach als Vereinsgezänk wahrgenommen wird, sondern als als ein ernstzunehmendes Urteil über die moralische Integrität einer Gemeinschaft bzw. ihres/r Lehrer. Genau diesen Wert verspielt die DBU seit Jahren. Genauer gesagt: seit Frühjahr 2000, als man es versäumt hat, sich vom Diamantweg e.V. zu trennen. Auch da war es die Mitgliederversammlung, die gekniffen und ihren eigenen Vorstand, insbesondere die stellvertretende Sprecherin Regine Leisner desavouiert hat.
Axel hat geschrieben:
Genauso werden sich 'Buddhisten' (wo die Unterschiede eigentlich sogar - trotz gegenteiliger Rhetorik - größer sind) nie (na ja, jedenfalls nicht in absehbarer Zeit...) auf eine gemeinsame Ethik einigen können. Dazu werden Texte, die als 'gemeinsam' gelten, zu unterschiedlich ausgelegt.
Das halte ich für unzutreffend. In der oben erwähnten 'AG Ethik' haben praktizierende Theravadin, Mahayanin, Zen-Leute, 'Tibeter' ... problemlos zusammengearbeitet und hatten keinerlei Probleme, sich "auf eine gemeinsame Ethik" zu einigen. An unterschiedlichen Traditionen lässt sich die Problematik mE nicht festmachen. An unterschiedlichen Menschen schon ...
Axel hat geschrieben:
3. Auf zwei Punkte können sich die Mitgliedsgemeinschaften einigen, wenn es um Zuständigkeit der DBU geht: 'Public Relations' (also Außenwerbung für die Vorzüge des 'Buddhismus') und Lobby-Arbeit für den Versuch, ähnliche staatliche Rechte zu bekommen, wie andere 'staatlich anerkannte' Religionsgemeinschaften - eine Art 'aus kontrolliertem Pfanni-Anbau' des deutschen Buddhismus.
Beim ersten Punkt stimme ich Dir zu. Dieser Grundkonsens lässt sich offensichtlich nicht erweitern - weil einige Mitgliedsgemeinschaften (nicht zuletzt der Diamantweg e.V. - aber beileibe nicht alle) dies nicht wollen. Bei der "Lobby-Arbeit" geht es schon um einiges mehr. Z.B. - was absolut Sinn macht - um die Qualifikation von Lehrern, die im Ethik- oder Religionsunterricht den Buddhismus darstellen und um die Erstellung brauchbarer Unterrichtsmaterialien. Das sollte man wirklich nicht christlichen Theologen überlassen. Was die Körperschaftsfrage angeht, so ist es eine ganz besondere Ironie, dass ausgerechnet der Einzige, der in der Mitgliederversammlung gegen die Antragstellung auf Verleihung des KÖR-Status gestimmt hatte, einige Jahre später als Vorstandsmitglied diese Anträge unterschrieb. Nicht, weil er seine Meinung geändert hatte, sondern weil es sein Job war, Beschlüsse der Mitgliederversammlung auszuführen. Dann durch einen neuen Beschluss der Mitgliederversammlung auf Betreiben des Diamantweg e.V. gezwungen werden sollte, den Antrag zurückzuziehen, worauf er zurücktrat - und den Beschluss der Mitgliederversammlung als rechtswidrig kippte. Wie sich ca. ein viertel Jahr später zeigte, waren die vorgebrachten Bedenken des Diamantweg e.V., es seien noch einzelne Punkte vor der Antragstellung zu klären gewesen, sämtlich gegenstandslos. So wartet der Antrag immer noch auf seine Erledigung ...
Axel hat geschrieben:
Manchmal sage ich mir (zumindest was den zweiten Punkt angeht): Gott bewahre uns vor einem Erfolg!
Dein Wort in Gottes :) Ohr.

()
Sudhana hat geschrieben:
Das ("die meisten") halte ich für übertrieben.

Die 'meisten' bezog sich auf 'wissen, dass sie in der Zukunft selbst betroffen sein können' - war also schlampig von mir formuliert. Bei dieser Aussage bleibe ich allerdings: Ich weiß nicht, wie oft man sich irgendwo fragt, ob nicht irgendwann über die eigenen 'Oberen' was rauskommt.

Sudhana hat geschrieben:
Das halte ich für unzutreffend. In der oben erwähnten 'AG Ethik' haben praktizierende Theravadin, Mahayanin, Zen-Leute, 'Tibeter' ... problemlos zusammengearbeitet und hatten keinerlei Probleme, sich "auf eine gemeinsame Ethik" zu einigen. An unterschiedlichen Traditionen lässt sich die Problematik mE nicht festmachen. An unterschiedlichen Menschen schon ...

Wieder schlampig von mir formuliert. Selbstverständlich können sich einzelne Buddhisten aller Schulen auf sowas einigen. Schwierig wird es, wenn sie nicht als Einzelpersonen handeln, sondern als 'Funktionäre' einer bestimmten Tradition.

Sudhana hat geschrieben:
Bei der "Lobby-Arbeit" geht es schon um einiges mehr. Z.B. - was absolut Sinn macht - um die Qualifikation von Lehrern, die im Ethik- oder Religionsunterricht den Buddhismus darstellen und um die Erstellung brauchbarer Unterrichtsmaterialien. Das sollte man wirklich nicht christlichen Theologen überlassen.

Das Problem ist beim Islam ähnlich und - wie sich gezeigt hat - nicht unbedingt dadurch zu lösen, dass man religiösen Dachverbänden zu viel Einfluss gibt.
Selbstverständlich können sich einzelne Buddhisten aller Schulen auf sowas einigen. Schwierig wird es, wenn sie nicht als Einzelpersonen handeln, sondern als 'Funktionäre' einer bestimmten Tradition.

Funktionäre der Tradition ? Sprechen wir vom selben wenn wir Tradition sagen ? Mir riecht das nämlich nach Ideologie, so wie Islamismus ja ne Ideologie ist. Ist Buddhismus für dich auch nur ne Ideologie ? Warum frage ich eigentlich :mrgreen: Manche können sich vielleicht schlicht nichts anderes vorstellen als ein politisches Motiv wenn da jemand für eine Tradition auf,-oder eintritt.
Axel:
Dazu werden Texte, die als 'gemeinsam' gelten, zu unterschiedlich ausgelegt.
Genauso werden sich 'Buddhisten' (wo die Unterschiede eigentlich sogar - trotz gegenteiliger Rhetorik - größer sind) nie (na ja, jedenfalls nicht in absehbarer Zeit...) auf eine gemeinsame Ethik einigen können. Dazu werden Texte, die als 'gemeinsam' gelten, zu unterschiedlich ausgelegt.


Noch wat, gewisse Kenntnisse vorausgesetzt, sieht man, dass, was Sila oder/und Vinaya betrifft- und was sollte sonst als Basic einer Erarbeitung einer Ethikrichtlinie hergenommen werden ?- überhaupt kein Handlungsspielraum für einen Dissens besteht bzw. bestehen dürfte - 'an sich'; Von 'unterschiedlicher Auslegung' (der Traditionen) kann gar keine Rede sein, es sei denn "jemand" an diesem "Tisch" erschlägt sich mit Blindheit. Sieht so aus, als wäre das bisher der Fall gewesen. Lange kommen die aber nicht mehr damit durch.
Sudhana hat geschrieben:
Übrigens ging es bei dem Projekt nicht nur um eine Charta, sondern ganz wesentlich auch um einen Ethikrat, besetzt mit Fachleuten (Psychologen, Juristen ...), die als Anlaufstelle und - falls von beiden Seiten so gewünscht - als Mediationsstelle dienen sollte. Ansonsten als 'fact finding commission', die Rat und Mitgliederversammlung Handlungsempfehlungen gibt
Danke an Sudhana für diesen Blick „hinter die Kulissen“ bei der DBU. Ich bin ein sehr einfach gestrickter Mensch, der, wenn es um Ideale geht, in ein absolutes Schwarz/Weiß-Denken verfällt. Denn, wenn es um die Verwirklichung von Idealen geht, da ist aus meiner Sicht kein Millimeter Platz für irgendwelche Konsensgedanken.
Der von Dir skizzierte Ethikrat, da gibt es für mich nur eins: Sofort machen!
Wie ich nun erfahren habe, ist die DBU in dieser Sache weit davon entfernt - vielleicht sogar weiter denn je?
Deshalb erscheint mir persönlich, der Zeitpunkt einer Zäsur angebracht und ich frage mich, ob da ein Austritt meinerseits, das „richtige“ Signal zum „richtigen“ Zeitpunkt sein könnte?

Mich würde interessieren, wie andere Mitglieder und Nichtmitglieder das sehen? Ob das noch in diesen Thread passt, weiß ich nicht. Vielleicht möchten sich manche auch nicht öffentlich äußern, dann bitte gerne per PN an mich. Mir geht es nur darum, meine Entscheidungsfindung abschließen zu können.
Meinerseits halte ich es nicht für förderlich auszutreten, obwohl ich vor jeder Mitgliederversammlung darüber nachdenke, diese Forderung zu stellen. Die gewissen Fraktionen, die immer noch den Lehrern einen Türspalt offen lassen will, nicht allein für sexuelle Kontaktanbahnung während Retreat oder Unterweisungen, hat sich nicht grundlos herausbilden können. Schuld ist auch, dass sich andere 'Fraktionen' von Anfang an gar nicht, andere nur mangelhaft beteiligt haben. Und es besteht ja nun eine sg. Dachorganisation und der Begriff und der Verein wird nicht aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden solange er nicht aufgelöst wird.
Scheint im Moment keinen Vorstand mehr zu geben.
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