Gier

Moderator: void

Hallo liebe Leut,wollte mal fragen wie ihr zur Gier steht.In den vier edlen Wahrheiten ist sie als leidverursachend und negativ dargestellt.
Ich kann nachvollziehen daß Gier nach materiellem oder Körpern nicht gut ist,aber wie steht es mit der Gier nach Wissen?
Hat nicht die Gier der Menschen nach neuem Wissen die Menschheit vorangebracht?
Was sagte der Buddha dazu?
LG Kaffee
Gier nach XYZ (nach Belieben ausfüllen) definiert ein Ziel innerhalb der relativen Welt.

Gier ist wie alle anderen Triebe nicht pe se schlecht; die Unterteilung in "Gut und Böse" ist nur eine von Menschen gemachte Definition und damit relativ (vom jeweiligen Standpunkt aus).

Alle unsere Triebe und Emotionen wie Gier, Neid, Hass, Liebe, Begehren, usw. sind nichts weiter als die verblendeten Versionen der natürlichen Energien unseres Geistes. Diese Energien sind nicht leidvoll, sondern es ist unsere Verblendung, die sie für uns und alle anderen leidvoll macht.

Merke: wir basteln uns selbst under Samsara oder Nirvana!
Chrisly hat geschrieben:
...der natürlichen Energien unseres Geistes. Diese Energien sind nicht leidvoll, sondern es ist unsere Verblendung, die sie für uns und alle anderen leidvoll macht. Merke: wir basteln uns selbst under Samsara oder Nirvana!

So "bastelt" sich mancher selber was zurecht wie du.
Darin stimme ich dir zu. Hat zwar mit nibbana nichts zu
tun, aber mit Samsaro dafür um so mehr.
Von mir aus, wenn du meinst beurteilen zu können, was ich da geschrieben habe.
Kaffee48 hat geschrieben:
Hallo liebe Leut,wollte mal fragen wie ihr zur Gier steht.In den vier edlen Wahrheiten ist sie als leidverursachend und negativ dargestellt.
Ich kann nachvollziehen daß Gier nach materiellem oder Körpern nicht gut ist,aber wie steht es mit der Gier nach Wissen?
Hat nicht die Gier der Menschen nach neuem Wissen die Menschheit vorangebracht?
Was sagte der Buddha dazu?

Wird immer wieder behauptet und in gewisser weise
mag es ja auch stimmen mit der vorangebrachten Menschheit.
Andererseits kann sie sich jetzt ja auch selber vernichten
was früher nicht ging weil sie noch nicht "vorangebracht" worden war.
Aber was die Menschheit macht ist schließlich ihre Sache und
nicht die des Buddha.
Was jetzt das Begehren in der Lehre des Buddha anbelangt
ist das natürlich relativ zu verstehen. Ich jedes Begehren
ist in gleicher Weise Leidhaft. Es gibt ja auch die Gier
danach andere zu schaden und zu töten. Wird auch Haß genannt.
Die ist natürlich am heilsamsten weil sie zum größten Leid taugt.
Chrisly hat geschrieben:
Von mir aus, wenn du meinst beurteilen zu können, was ich da geschrieben habe.

Ja, so ungewöhnlich und neu ist das ja auch alles nicht gewesen.
Moderation:
Achtung an accinca UND Chrisly: fangt gar nicht erst an mit herabsetzenden Beiträgen, egal ob gegen die Person oder die Schule der anderen Person. Bleibt bei sachlichen Argumenten und macht deutlich, dass jeder nur die Sichtweise der eigenen Schule vertritt und keine allgemeingültige Wahrheit. Wer keine Lust hat, sich mit anderen Schulen konstruktiv auseinanderzusetzen kann sich in die jeweiligen Themenbereiche zurückziehen wo man mehr "unter sich" ist.
Chrisly hat geschrieben:
Alle unsere Triebe und Emotionen wie Gier, Neid, Hass, Liebe, Begehren, usw. sind nichts weiter als die verblendeten Versionen der natürlichen Energien unseres Geistes. Diese Energien sind nicht leidvoll, sondern es ist unsere Verblendung, die sie für uns und alle anderen leidvoll macht.

Das haben wir gerade im geschlossenen tibetischen Forum genauer diskutiert. Man kann das leicht aus dem Blickwinkel des Tantra (Transformation) oder Dzogchen (direkte Wahrnehmung als Methode) sagen, aber nur schwer aus dem Blickwinkel anderer Lehrmeinungen und Schulen nachvollziehen. Mit ein wenig Mühe lässt es sich erklären, aber es muss auch die Bereitschaft da sein, sich dem Gedanken zu öffnen.

Auch für Thema "Nirvana und Samsara sind eins" gilt das Gleiche. Die Aussagen sind nur im Kontext zu verstehen - und man muss es verstehen wollen.
@Chrisly

Nicht Alles, was Du schreibst ist imho So, wie Andere es erfahren haben.
Du solltest aber imho dazu schreiben, auf welcher Schulgrundlage es basiert und das es "nur" Deine Meinung ist :wink:

@Kaffee48
Ich selbst sehe Gier als einen der Hauptgründe für das Anhaften. Selbst das an Wissen oder sogar an der Lehre. Eine "gewisse Zeit" mag es Dich voranbringen, dieses Wissen. Doch ab einem Moment hemmt es däDich mehr als es hilft.

_()_

PS: Ich rede nicht vom Wissen in der Wissenschaft und Technik.
@all

Bitte verzeiht, wenn ich euch im Unklaren gelassen habe!
Alles was ich hier äußere hat natürlich seinen Ursprung im eigenen Erleben. Ich praktiziere Nichtmeditation. Deshalb habe ich bereits vor langer Zeit alle theoretischen Lehrmeinungen und Konstrukte schlichtweg vergessen, weil ich die für meine Praxis nicht brauche.

Zwar war ich in den letzten dreißig Jahren auch Schüler von Lamas anderer Schulen und hatte in diesem Kontext z.B. auch ZEN oder tibetisches Tantrayoga praktiziert, aber das war für mich nicht das richtige.

Ich bin seit 10 Jahren gesegnet, denn mein Lehrer ist ein authentischer Dzogchen Lehrer der selbst bei vielen größtenteils sehr bedeutsamen tibetischen Meistern gelernt hat.

Da sich die Anschauung des Dzogchen durchaus radikal von der Lehrmeinung anderer Schulen unterscheiden kann, könnten meine Kommentare eventuell für den ein oder anderen hier eine Provokation sein.

Daher nochmals meine Bitte, meine Anmerkungen stets unter dem Aspekt des Dzogchen zu sehen - entweder man ist erleuchtet, oder eben nicht.
So weit so gut und danke für die Aufklärung :)
Chrisly hat geschrieben:
Daher nochmals meine Bitte, meine Anmerkungen stets unter dem Aspekt des Dzogchen zu sehen - entweder man ist erleuchtet, oder eben nicht.

Hier aber eine Nachfrage: ich verstehe den Teil hinter dem Gedankenstrich in dem Zusammenhang nicht. Es erscheint mir keinen sinnhaften Zusammenhang für die Aussage zu geben, die ja für sich gesehen eine Nullaussage ist.
jianwang hat geschrieben:
@Kaffee48
Ich selbst sehe Gier als einen der Hauptgründe für das Anhaften. Selbst das an Wissen oder sogar an der Lehre. Eine "gewisse Zeit" mag es Dich voranbringen, dieses Wissen. Doch ab einem Moment hemmt es däDich mehr als es hilft.

_()_

PS: Ich rede nicht vom Wissen in der Wissenschaft und Technik.


Das wissen über die Lehre bringt einen schon weiter,die Umsetzung folgt ja dann in der Meditation und dann im Alltag.
Ich selbst finde Gier nach wissenschaftlicher Erkenntnis oder technischer Errungenschaft gar nicht schlecht.
Sonst würden wir immer noch wie zu Zeiten Buddhas leben,ohne medizinischen Fortschritt usw.
Gier im negativem sinne heißt ja anderen zu schädigen,wenn jedoch Gier zum Nutzen aller hilft,dann ist es doch gut.
Das Anhaften ander Gier nach Wissen bedeutet ja auch einen offenen Geist zu haben,und das wollte Buddha auf jeden Fall.
kilaya hat geschrieben:
So weit so gut und danke für die Aufklärung :)
Chrisly hat geschrieben:
Daher nochmals meine Bitte, meine Anmerkungen stets unter dem Aspekt des Dzogchen zu sehen - entweder man ist erleuchtet, oder eben nicht.

Hier aber eine Nachfrage: ich verstehe den Teil hinter dem Gedankenstrich in dem Zusammenhang nicht. Es erscheint mir keinen sinnhaften Zusammenhang für die Aussage zu geben, die ja für sich gesehen eine Nullaussage ist.


Das ist bei Dzogchen durchaus üblich - es werden keine Aussagen á la "Dies ist dies" oder "Das ist Das" gemacht. Ein Beispiel aus'm Zen: Versuch dochmal einen Koan rational aufzudröseln... Wird schwierig, oder?

Nachtrag: Im Dzogchen wird nur die zwischen dem Buddhageist und dem Geist fühlender Wesen unterschieden. Beide sind im Grunde Eins, jedoch sind fühlende Wesen verblendet und damit ist ihre Sicht der Welt unabhängig vom Objekt der Betrachtung - schlichtweg falsch. Das war jetzt auch wieder so'n Dzogchen-Ding. :upsidedown:
Soweit so gut, ich kenne Dzogchen, das brauchst Du mir nicht zu erklären :) Das würde hier auch OT, das Thema des Threads ist ja "Gier". Ich habe nur nicht verstanden, warum Du diese Aussage "-
entweder man ist erleuchtet oder man ist es nicht" an den letzten Satz angehängt hast. Das erscheint mir zusammenhanglos. (Wenn wir mehr OT Beiträge brauchen, um das zu klären, trennen wir das hier heraus...)
Zum Thema: Per Definition impliziert der Terminus "Gier" bereits das gesteigerte Verlangen nach einem Objekt. Dabei kann Gier fühlende Wesen auch dazu bringen Handlungen durchzuführen, die das fühlende Wesen im eigenen etisch/moralischen Verständnis für negativ und unheilsam beurteilt.
Gemäß dieser Definition verursacht Gier Leid. Man könnte die Ursache von Gier im Wesentlichen so einteilen:
    Karmische Konstellation
    Gruppenzwang
    Selbstinduzierte Strategien
Darunter fällt dann auch z.B. Gier nach Drogen infolge von Abhängigkeit, oder Gier nach Geltung infolge von Störung der Persönlichkeit, etc.

Im Gegensatz zur vorangegangenen Definition wäre "Neugier" zu nennen. Neugier zeichnet sich dadurch aus, dass es sich hierbei um ein angeborenes Verhaltensmuster handelt. Natürlich könnte man auch hier überspitzt Karma als Ursache angeben, doch dieses bezieht sich dann als evolutionäre Triebfeder auf das gesamte Spektrum aller fühlenden Wesen.

Übrigens haben sowohl Gier als auch Neugier ihre neuronale Quelle im Mesolimbischen System, genauer im Belohnungszentrum.
@chrisly,danke für die erklärenden worte.
Kaffee48 hat geschrieben:
Hallo liebe Leut,wollte mal fragen wie ihr zur Gier steht.In den vier edlen Wahrheiten ist sie als leidverursachend und negativ dargestellt.
Ich kann nachvollziehen daß Gier nach materiellem oder Körpern nicht gut ist,aber wie steht es mit der Gier nach Wissen?
Hat nicht die Gier der Menschen nach neuem Wissen die Menschheit vorangebracht?
Was sagte der Buddha dazu?
LG Kaffee



Hi,

ich denke es war die NEU-Gier, die die Menschheit voran gebracht hat, also mal genau hinsehen, was da passiert und es verstehen/anwenden wollen.
Bei der Gier nach Wissen sollte vielleicht die Motivation hinterfragt werden: will ich es ausschliesslich für mich erfahren, oder meine ich mich mit dem erworbenem Wissen über andere stellen zu wollen? In die Machtposition des Belehrenden zu gelangen?
Ganz frei nach Bacon:"Wissen ist Macht"
Was der Buddha dazu sagte, weiss ich leider nicht....
Tara4U hat geschrieben:


Hi,

ich denke es war die NEU-Gier, die die Menschheit voran gebracht hat, also mal genau hinsehen, was da passiert und es verstehen/anwenden wollen.
Bei der Gier nach Wissen sollte vielleicht die Motivation hinterfragt werden: will ich es ausschliesslich für mich erfahren, oder meine ich mich mit dem erworbenem Wissen über andere stellen zu wollen? In die Machtposition des Belehrenden zu gelangen?
Ganz frei nach Bacon:"Wissen ist Macht"
Was der Buddha dazu sagte, weiss ich leider nicht....


Tja aber Neugier ist halt auch ne Gier,die wenn sie nicht befriedigt wird zu Leid führt,was die buddhistische Lehre betrifft.
Naja ,wenn man nach der Motivation geht kann man auch einen Mord als gut darstellen,wenn er der Allgemeinheit dient.Es bleibt also schwierig,das wußte Buddha auf jeden Fall.
Ich sage da nur:Logik ist aller Weisheits Anfang,aber nicht deren Ende.
Kaffee48 hat geschrieben:
Ich kann nachvollziehen daß Gier nach materiellem oder Körpern nicht gut ist,aber wie steht es mit der Gier nach Wissen?
Hat nicht die Gier der Menschen nach neuem Wissen die Menschheit vorangebracht?
Was sagte der Buddha dazu?
LG Kaffee

Das scheint mir auf diese Frage eine passende Antwort des Buddha zu sein:

"Ihr Bhikkhus, es gibt diese zwei Arten der Suche: die edle Suche und die unedle Suche. Und was ist die unedle Suche? Da ist jemand selbst der Geburt unterworfen und sucht, was ebenfalls der Geburt unterworfen ist; er ist selbst dem Altern unterworfen und sucht, was ebenfalls dem Altern unterworfen ist; er ist selbst der Krankheit unterworfen und sucht, was ebenfalls der Krankheit unterworfen ist; er ist selbst dem Tode unterworfen und sucht, was ebenfalls dem Tode unterworfen ist; er ist selbst dem Kummer unterworfen und sucht, was ebenfalls dem Kummer unterworfen ist; er ist selbst der Befleckung unterworfen und sucht, was ebenfalls der Befleckung unterworfen ist."
...
"Und was ist die edle Suche? Da ist jemand selbst der Geburt unterworfen, und weil er die Gefahr in dem, was der Geburt unterworfen ist, erkannt hat, sucht er die ungeborene höchste Sicherheit vor dem Gefesseltsein, Nibbāna; jemand ist selbst dem Altern unterworfen, und weil er die Gefahr in dem, was dem Altern unterworfen ist, erkannt hat, sucht er die nicht alternde höchste Sicherheit vor dem Gefesseltsein, Nibbāna; jemand ist selbst der Krankheit unterworfen, und weil er die Gefahr in dem, was der Krankheit unterworfen ist, erkannt hat, sucht er die nicht krankende höchste Sicherheit vor dem Gefesseltsein, Nibbāna; jemand ist selbst dem Tode unterworfen, und weil er die Gefahr in dem, was dem Tode unterworfen ist, erkannt hat, sucht er die todlose höchste Sicherheit vor dem Gefesseltsein, Nibbāna; jemand ist selbst dem Kummer unterworfen, und weil er die Gefahr in dem, was dem Kummer unterworfen ist, erkannt hat, sucht er die kummerfreie höchste Sicherheit vor dem Gefesseltsein, Nibbāna; jemand ist selbst der Befleckung unterworfen, und weil er die Gefahr in dem, was der Befleckung unterworfen ist, erkannt hat, sucht er die unbefleckte höchste Sicherheit vor dem Gefesseltsein, Nibbāna. Dies ist die edle Suche."
http://www.palikanon.com/majjhima/zumwinkel/m026z.html
Ich denke, dass die Gier einen natürlichen Ursprung hat. Es ist ein natürlicher Antrieb, so dass Lebewesen z.B. von selbst aus nach Nahrung suchen. Die Lebewesen müssen wegen der "einverpflanzten" Gier nicht ständig dazu angehalten werden sonst wären sie auf die Dauer nicht lebensfähig.

Aus vielerleit Gründen können sich Mangelgefühle verschiedener Art einstellen. Kinder werden von ihren Eltern mit wenig Zuwendung bedacht, so dass sie in Jugend und später ein Mangelgefühl haben nicht beachtenswert zu sein. Oder wegen Schüchternheit bleiben Menschen von Kindheit an ausgesondert und spüren irgendwann ein Verlangen den empfundenen Mangel auszugleichen. Es gibt eine UNmenge solche psychischen Auslöser. Dann kann die natürliche Gier aus dem Ruder laufen und wild laufen. Ich bin keine Psychologe, Neurologe oder Biologe, aber das scheint mir so zu sein. Aus der natürlichen Gier, die dem Überlebenstrieb dient, entwickelt sich daraufhin eine krankhafte Gier.

Bei der krankhaften Gier scheint es mir oft darum zu gehen eine empfundene innere Leere aufzufüllen. Manche Schüler oder Studenten bemühen sich wie verrückt um gute Noten und gute Abschlüsse, weil ihre Eltern ihnen immer vermitelt haben sonst nicht liebenswert zu sein. Es kann sein, dass jemand sein ganzes Leben damit verbringt nach Medikamenten zu forschen und mit den Forschungsergebnissen tatsächlich großen Nutzen für viele kranke Menschen erreichen kann. Ist das ständige Forschen aus Antrieb eine innere Leere zu füllen? Dann erzeugt es für den betreffenden Menschen auf die Dauer stetig zunehmende geistige Leiden. Ist es aus aber z.B. echten Interesse an der Naturwissenschaft, erzeugt es keine bis geringe Leiden. Natürlich gibt es kein völlig unvoreingenommenes Forschen auf hohem Niveau. Die Zeit für Mediation o.ä. um den Geist gesund zu halten wäre zu groß um genügend Zeit übrig zu haben für Forschung auf hohem Niveau.

So verdankt die Menschheit wohl wielen Entdeckungen in den Naturwissenschaften und anderen Gebieten, weil verschiedene Menschen alle ihre Energie hineinsetzen und dabei ihre Achtsamkeit über ihren Geist zu sehr verlieren. Es liegt an einem jeden selbst seine Gedanken ständig zu beobachten und unheilsame Gedanken zu erkennen und entgegenzuwirken.

Ein Punkt ist auch wie "lobha" ins Deutsche übersetzt wird. In älteren Büchern wie "Buddha - die Lehren" von Karl Seidenstücker wird es mit Durst übersetzt. Ich habe so eine Ahnung, dass es beginnt ins unheilsame umzuschlagen, wenn Wünsche nicht mehr allgemein sind bezogen auf sich und andere, sondern es beginnt um konkrete Dinge zu gehen. Dann hat der Geist die nicht-natürliche unheilsame Ausprägung aufgenommen um kommt in eine Auseinandersetzung diesen abwehren zu müssen. Wünsche allgemeiner und altruistischer Natur halten den Geist "kühl" und das Herz freundlich. Dazu ist auch eine Erkenntnis notwendig, dass die Dinge tatsächlich leer sind und es gar keinen Mangel gibt. Das Denken, dass es einen Mangel oder Leere gibt, entsteht erst aus Unkenntnis, dass das Ergreifen von Dingen den Geist vergiftet. Okay, alles schwer auszudrücken. Aber ich habe so die Ahnung, dass in dieser Richtung etwas vergraben liegt ;-).
Kaffee48 hat geschrieben:
Hallo liebe Leut,wollte mal fragen wie ihr zur Gier steht.In den vier edlen Wahrheiten ist sie als leidverursachend und negativ dargestellt.
Ich kann nachvollziehen daß Gier nach materiellem oder Körpern nicht gut ist,aber wie steht es mit der Gier nach Wissen?
Hat nicht die Gier der Menschen nach neuem Wissen die Menschheit vorangebracht?
Was sagte der Buddha dazu?
LG Kaffee


Also Buddha ging von der Fragestellung aus, wie man unabhängig von äußeren Umständen glücklich sein kann. Und wenn man so von den inneren Gründen ausgeht gibt es ja zwei Gründe für "unglücklich sein". Entweder man ist nicht glücklich, weil etwas da ist, das nicht ertragen kann, oder weil man etwas will was nicht da ist. Letzteres nennt Buddha lobha, was meistens mit Gier übersetzt wird, aber eigentlich jede Art von Habenwollen bezeichnet. Auch ganz normale Formen, die nicht übersteigert sind.

Buddha geht also einfach nur von diesem Aspekt aus, dass es was ist, was einen daran hindert mit der Situation glücklich zu sein. Das bedeutet nicht, dass wenn man andere Zielstellung hat, unter dieser nicht ganz anders sein kann. Wenn man z.B an einer gerechten, friedlichen Welt interessiert ist, wird man jeden Impuls diese zu verbessern als "gut" ansehen. Auch wenn das bedeutet, dass dann der einzelne natürlich unter diesem Mangel leidet.

Wenn es einem wichtig ist, die Welt zu verändern, dann kann man alle Lehren, wo es darum geht, sich selber so zu verändern, dass man mit jeder Situation glücklich ist, als sehr negativ sehen. So wie Marx Religion als "Opium des Volkes" sah, dass die Leute zu glücklichen Sklaven macht.
Gier könnte ich so "Übertragen": Mit wollender Absicht das Unzureichende überwinden wollen.
Im Unterschied zu Dukkha der Daseinsmerkmale würde ich dann statt Unzureichend, Unfreiheit einsetzen.
Lobha = Mit verlangendem Wollen das schwer zu ertragende ändern.
Dukkha- Unfreiheit- Kein Ding ist vollkommen, weil jedes abhängig ist.
Gier ist immer verbunden mit "Haben wollen", mit einem "Greifen". Die größte Form der Gier manifestiert sich in der (falschen) Vorstellung eines Egos.
Kaffee48 hat geschrieben:
Hallo liebe Leut,wollte mal fragen wie ihr zur Gier steht.In den vier edlen Wahrheiten ist sie als leidverursachend und negativ dargestellt.
Ich kann nachvollziehen daß Gier nach materiellem oder Körpern nicht gut ist,aber wie steht es mit der Gier nach Wissen?
Hat nicht die Gier der Menschen nach neuem Wissen die Menschheit vorangebracht?
Was sagte der Buddha dazu?
LG Kaffee


Zur Frage nach der Gier nach Wissen macht es vielleicht Sinn, den Blickwinkel zu verändern..
5. Und wieder kam dem Erhabenen der Gedanke: "Wem könnte ich wohl zuerst die Lehre verkündigen? Wer wird diese Lehre schnell verstehen?" Da dachte der Erhabene: "Da sind jene fünf Mönche, die mir in vielem behilflich waren, die mich unterstützten, als ich mich dem Ringen nach Vollkommenheit hingegeben hatte. Wie wenn ich nun diesen fünf Mönchen zuerst meine Lehre verkündigen würde?"

6. Und weiter dachte der Erhabene: "Wo halten sich wohl jetzt die fünf Mönche auf?" Da sah der Erhabene mit seinem göttlichen, reinen, übermenschlichen Auge, daß die fünf Mönche bei Benares verweilten, in dem Isipatana-Tierpark. Und nachdem der Erhabene, solange es ihm beliebte, in Uruvela geblieben war, wandelte er gen Benares.
Die Predigt von Benares http://www.palikanon.com/vinaya/mahavagga/maha-vagga.html#6

Wenn so ziemlich das erste, das der frisch erleuchtete Buddha unternimmt, eine Wanderung ist um seine ehemaligen Weggefährten zu unterweisen, dann kann es aus seiner Sicht nur wünschenswert sein, wenn diese sich neu-gierig gegenüber seinen neuen Erkenntnissen zeigen :wink:

Rechte Anschauung steht im achtfachen Pfad gezielt an erster Stelle. Man muß eine Lehre zuerst einmal wahrgenommen haben um damit etwas anfangen zu können. Dazu gehört eine gewisse Neugierde.
Neugier ist die Gier nach neuem und wenn
es der letzte Mist wäre Hauptsache neu.
Klingt so als würdest du wissen wovon du sprichst. :upsidedown: :wink:
@Chrisly

Also neugierig würde ich die 5 nicht unbedingt bezeichnen. Denn der Buddha musste sie schon ganz schön "überreden", wenn es so stimmt.
Und von anderen Reisen haben ihn ja "wunderbare Götterstimmen" abgehalten.
Wäre interessant zu wissen, wenn seine "Lehrer falscher Lehre" noch gelebt hätten, nur mal so, was wäre geschehen?

_()_
jianwang hat geschrieben:
@Chrisly

Also neugierig würde ich die 5 nicht unbedingt bezeichnen. Denn der Buddha musste sie schon ganz schön "überreden", wenn es so stimmt.
Und von anderen Reisen haben ihn ja "wunderbare Götterstimmen" abgehalten.
Wäre interessant zu wissen, wenn seine "Lehrer falscher Lehre" noch gelebt hätten, nur mal so, was wäre geschehen?

_()_


Öhm... ich nehme an, dass dein Kommentar nicht an mich gerichtet ist. Du hattest bestimmt "fotost" im Sinn :)
jianwang hat geschrieben:
Also neugierig würde ich die 5 nicht unbedingt bezeichnen. Denn der Buddha musste sie schon ganz schön "überreden", wenn es so stimmt.


Nun, am Ende haben sie zum Glück wohl doch etwas Neugierde besessen und sich wenigstens die neuen Ideen angehört.. 8)

Ganz grundsätzlich finde ich im Zusammenhang mit 'Gier' den Begriff (oder Gedanken hinter dem Begriff) Homöostase interessant.

Wenn ein gesunder Körper ein Ungleichgewicht erfährt, zu wenig Essen, Trinken, Schlaf etc. empfindet der Mensch Störung und den Wunsch, diese Störung zu beheben. Auch der erleuchtete Mensch dürfte die Störung merken, leidet aber nicht doppelt darunter.
Dann Nahrung zu sich zu nehmen ist keine Gier, es dient der Aufrechterhaltung des Systems. etc.
@Chrisly
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