Mythen

Moderator: void

Mythen gehören abgeschafft.

Gehören Mythen abgeschafft?


Dann auch gleich noch Märchen und Sagen? Warum?

Transportiert sich das, was uns ausmacht besser in einer rationalen Sprache, durchdefiniert und wissenschaftlich haltbar (haha).

Also Philosophen sind alle erleuchtet, während Märchenerzählerinnen und alte Weise total im dunklen tappen?

Wer klärt mich mal auf, ich verstehe das nicht :(
Es kommt wohl darauf welcher Art die Mythen sind. Bei einigen Mythen ist es besser wenn ihnen niemand mehr anhängt, z.B. dass Götter durch Menschen- oder Tieropfer gnädig gestimmt werden können.
Ich habe nichts gegen Mythen. Für mich sind Mythen genau wie weite Bereiche der Religionen Ausdruck menschlicher Neugier und menschlichen Wissensdrangs. Mythen boten Erklärungen für ansonsten mit den damaligen Mitteln nicht zu verstehende Fragen an.

Oft waren diese Erklärungen voll menschlicher Weisheit und in poetischer Sprache verfaßt, so daß es auch heute noch Freude machen kann sie zu lesen. Einige Teile des PK etwa sind für mich nur als Mythos zu verstehen, ich möchte sie trotzdem nicht missen.

Das einzige echte Problem mit Mythen, das ich habe besteht darin Kindern derartige Mythen als Realität anzubieten auf dem gleichen Level wie Naturwissenschaft.

Vielleicht könnte man diese Frage leichter mit Beispielen durchexerzieren. Lucy, hattest Du etwas bestimmtes im Hinterkopf bei dem Thema?
Mein erster Gedanke is: Die kulturellen Funktion der Mythen is Totalität und in der Religion ist es etwas jenseits. Da wird das Sein oder zB. historische Fakten als ¨Natur¨ bezeichnet und somit blind gemacht für die realen Bedingungen und/oder dient der Identitätstiftung (manchmal auch ganzer sogeglaubter ¨Völker¨). Mythen, Mythomotorik (usw.) und Aufklärung sind für mich unvereinbar. Aufgrund der Historie würde ich Aufklärung vorziehen.

Vorweg: ich habe nichts gegen Narrationen oder Geschichten, aber die kämen auch ohne ¨(Be)Gründungsmythos¨ aus die meistens für-wahr gehalten wurden.
Bei Märchen und Legenden weis man, das sie ( aus welchem Grund auch immer ) erfunden sind.
Kinder können da sehr gut differenzieren.
Mythen gehören in den Bereich " da hat mal wer erzählt " und sollten imho nicht weiterverbreitet werden.

fotost - ein Beispiel? Das Gasflaschen zur Rakete werden, wenn beim Herunterfallen das Ventil abbricht. Habe als Jugendlicher selbst so was gesehen... ausser lautes Zischen und "Drehen" war da nix.
Mythen, Sagen und Märchen sollte man m.E. nicht abschaffen.
Sie tragen als Metapher zu einem gewissen Teil zur Prägung des menschlichen Individuums und der jeweiligen Gesellschaftsordnung bei; ja sogar zur Bildung eines epochalen Zeitgeistes im positiven, aber leider auch im negativen Sinne sind sie teilweise Wegbereiter, bzw. werden als solche benutzt.
Hier besteht die Gefahr, dass sich die Mythen, Sagen und Märchen, die ja eigentlich realitätsunabhängige Lebensweisheiten (Richtlinien) sein sollten, zu den, den Alltag bestimmenden „Realitäten“ entwickeln.
So grotesk es klingen mag: das menschliche Individuum existiert nicht nur innerhalb konventioneller Illusionen, sondern hat zudem noch das Bedürfnis (Begehren), der ohnehin schon illusionären „Realität“ mit Metaphern aller Art, noch eins drauf zu setzen.
Dagegen kommt auch der Philosoph nicht an.
Eigentlich müsste man nicht von ¨Mythos¨ reden (imho), sondern von ¨Mythologisierung¨ und das is (auch) aktuell weiter verbreitet als man glaubt.

»Unser Wahlspruch muß also sein: Reform des Bewußtseins nicht durch Dogmen, sondern durch Analysierung des mystischen, sich selbst unklaren Bewußtseins, trete es nun religiös oder politisch auf. Es wird sich dann zeigen, daß die Welt längst den Traum von einer Sache besitzt, von der sie nur das Bewußtsein besitzen muß, um sie wirklich zu besitzen. Es wird sich zeigen, daß es sich nicht um einen großen Gedankenstrich zwischen Vergangenheit und Zukunft handelt, sondern um die Vollziehung der Gedanken der Vergangenheit. Es wird sich endlich zeigen, daß die Menschheit keine neue Arbeit beginnt, sondern mit Bewußtsein ihre alte Arbeit zustande bringt.« (MEB 1, S. 346).

https://kulturkritik.net/begriffe/index ... ogisierung

(sry, staubt n bisschen, is aber schön erklärt)
Gestern las ich ertsmals das Wort Mystosoph (jemand sprach vom kürzlich verstorbenen Helmuth Hecker als einen Mystosophen).
Das Wort finde ich klasse.
Ich finde nämlich den Zen im Ausdruck recht "mystosophisch"(Achtung: nicht mysteriosophisch, den Begriff gibts auch ).
Morpho hat geschrieben:
Gestern las ich ertsmals das Wort Mystosoph (jemand sprach vom kürzlich verstorbenen Helmuth Hecker als einen Mystosophen).
Das Wort finde ich klasse.

Das Wort kannte ich auch noch nicht. :)
Morpho hat geschrieben:
Gestern las ich ertsmals das Wort Mystosoph (jemand sprach vom kürzlich verstorbenen Helmuth Hecker als einen Mystosophen).
Das Wort finde ich klasse.

Nur mal so als Hinweis: 'mythisch' und 'mystisch' sind zwei verschiedene Paar Stiefel.

()
Sudhana hat geschrieben:
Nur mal so als Hinweis: 'mythisch' und 'mystisch' sind zwei verschiedene Paar Stiefel.

()

Wo is der genaue Unterschied?
Mythisch wirds an dem Punkt wo "Zweige wachsen und Flocken in allen Augen hinterlassen".
Ein mystischer Ausdruck dagegen beschränkt sich auf ein "Anordnen von Blättern und Blüten"(und ein fliessendes Bild entsteht).
Und dann haben wir noch mysteriös.
Manche Zennis zum Beispiel verspielen sich in mysteriösen Andeutungen; hat was von Mythos erzeugen; 'echt' mystosophisch kann nur einer der das analytisch-dualistische Denken durchbricht.
Morpho hat geschrieben:
Gestern las ich ertsmals das Wort Mystosoph (jemand sprach vom kürzlich verstorbenen Helmuth Hecker als einen Mystosophen).
Das Wort finde ich klasse.
Ich finde nämlich den Zen im Ausdruck recht "mystosophisch"(Achtung: nicht mysteriosophisch, den Begriff gibts auch ).


Da Hellmut Hecker Jurist war, war er allenfalls ein Mystosophist.
Dort wo - dir jedenfalls - Zen mystosophisch vorkommt, lass dir gesagt sein, dass das dann auch kein Zen ist. Das ist einfach nur Geschwätz. Zen hat nichts mit Eingeweihten zu tun - evtl mit Eingeweide, die ja bekanntlich im Hara sich befinden. Und im Hara sitzt auch die Weisheit, das große Erbarmen.
Erinnert mich an Sawaki sein Satz zum Hara. Oder auch an den: "sich mit den Ellenbogen vorranarbeiten." (siehe: An Dich)
Ach ja...
"Der Kreis birgt die Helle, und sein Geist triumphiert im Wunder"(Wanshi)
is nicht "mystosophisch"? Was n dann ? :? :)
Morpho hat geschrieben:
Ach ja...
"Der Kreis birgt die Helle, und sein Geist triumphiert im Wunder"(Wanshi)
is nicht "mystosophisch"? Was n dann ? :? :)


Das ist ein Faktum. Du kannst das dann gern noch mit Eigenschaften und Eigenarten behängen, das aber ist nur dein Geist, dem das gefällt.
Das ist auch sehr schön - sind alles Fakten. Nix von heilig oder mystisch oder wie auch immer.

Träume der Illusionen, Blumen der Fantasie -
Siebenundsechzig Jahre.
Ein weißer Vogel verschwindet im Nebel,
Die Wasser des Herbstes verschmelzen mit dem Himmel.
Ach ein Faktum ? - kein Mythos ?
Interessant.

Ps: Is 'gegen' 'heilig oder mystisch' nich recht dualitär ?
Erzeugt das ?
Morpho hat geschrieben:
Ach ein Faktum ? - kein Mythos ?
Interessant.

Ps: Is 'gegen' 'heilig oder mystisch' nich recht dualitär ?
Erzeugt das ?


Wenn du aus einem Fakt einen Mythos machst, dann erzeugt dein Geist das - er macht da seine Urteile und Bewertungen. Und schon gierst du danach oder lehnst es ab.
Wenn das da ein Fakt ist,
dann ist heilig und mystisch oder mystosophisch auch Fakt. Da brauch ich nicht weiter denken: dafür-dagegen.

Du kannst immer und jedem sagen: Die Vögel scheissen dem Buddha auf den Kopf.

So funktioniert das aber nicht.
Morpho hat geschrieben:
Wenn das da ein Fakt ist,
dann ist heilig und mystisch oder mystosophisch auch Fakt. Da brauch ich nicht weiter denken: dafür-dagegen.

Klar doch. Es ist nur eine andere Ebene, denn das bezieht sich auf ein anderes Faktum. Du kommst da nicht raus, wenn du es versuchst in Worten zu fassen. Denken geht außerdem viel zu langsam - das dafür-dagegen ist bereits vor dem Denken und nichts anderes als eine Tat.

Du kannst immer und jedem sagen: Die Vögel scheissen dem Buddha auf den Kopf.

So funktioniert das aber nicht.


Vielleicht so:Der Buddha scheisst den Vögeln auf den Kopf. :)
Ich denke noch...

Ehrlich gesagt, ich hab die Unterscheidung zwischen mythisch und mystisch nicht verstanden. Is mystisch iwas mit Erfahrung und/oder absolute Wirklichkeit und Mythen immer etwas oder jemand anderes betreffend? Oder kann man das so nich sagen?
Spock hat geschrieben:
Ich denke noch...

Ehrlich gesagt, ich hab die Unterscheidung zwischen mythisch und mystisch nicht verstanden. Is mystisch iwas mit Erfahrung und/oder absolute Wirklichkeit und Mythen immer etwas oder jemand anderes betreffend? Oder kann man das so nich sagen?


Mystisch kommt von den Mysterien, einem Kult, der die Teilnehmer einweiht in die Geheimnisse des Kultes. Es ist eine Erfahrung, weil sie die Teilnahme am Ritus beinhaltet.
Der Gebrauch des Wortes heute, verweist auf den Unterschied von esoterisch/exoterisch bzw. auf Menschen, die Geheimnisse erfahren haben - z.B. Gotteserfahrung. Oder auf die Offenbarung, z.B. ist die Offenbarung des Johannes eine mystische Erzählung.

Mythisch bezieht sich auf die Mythen, Erzählungen über z.B. die Entstehung des Kosmos, also z.B. die Genesis des Alten Testaments. Aber auch die Götter der Griechen und deren Mythologien.

https://www.brgdomath.com/philosophie/a ... zum-logos/
Ein Mythos (von altgriechisch μῦθος) ist ein 'Text' (im weitesten Sinne), der eine symbolische Deutung verlangt, mystisch (von μυστικός mystikós 'geheimnisvoll', zu μύειν 'Mund oder Augen schließen', 'verbergen') ein innerer Zustand.

Alle anderen hier vorgestellten Worte sind reine 'Privatsprache', mit der Bedeutung, die ihnen der Schöpfer gibt.

'Mystische Erzählungen' gibt es imho nicht, nur Erzählungen, die mystische Erfahrungen zu schildern versuchen.
Spock hat geschrieben:
Ehrlich gesagt, ich hab die Unterscheidung zwischen mythisch und mystisch nicht verstanden.
In aller Kürze: mythisch ist das Adjektiv des Begriffs Mythos, mystisch das Adjektiv zu Mystik.

()
Wobei mystisch nicht immer falsch sein muss, man erinnere sich an Meister Eckhart, einen christlichen Mystiker.

_()_
jianwang hat geschrieben:
Wobei mystisch nicht immer falsch sein muss, man erinnere sich an Meister Eckhart, einen christlichen Mystiker.

Ein 'innerer Zustand' kann nie 'falsch' sein, aber er kann 'angemessen' oder 'unangemessen' sein.
Ich danke euch.

Ich hab grade eine pdf gefunden "Mystik und Moderne". Es gibt sogar Bio- und Cybermystik. :)
Axel hat geschrieben:
Ein 'innerer Zustand' kann nie 'falsch' sein, aber er kann 'angemessen' oder 'unangemessen' sein.

Wenn ich einer Tages solche Sätze mal verstehen werde,
dann sage ich bescheid. :)
accinca hat geschrieben:
Wenn ich einer Tages solche Sätze mal verstehen werde,
dann sage ich bescheid. :)

Es ist Dir wichtig, dass Du diese Aussage veröffentlicht hast. Ich habe sie zur Kenntnis genommen.
Tychiades:
"Klar doch. Es ist nur eine andere Ebene, denn das bezieht sich auf ein anderes Faktum..."

Mysteriös. Gf. an anderer Stelle aufklären?! :wink:


"Vielleicht so:Der Buddha scheisst den Vögeln auf den Kopf". :)

Und wozu soll das jetzt noch mal gut sein ? :upsidedown:

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