Keine Lebewesen töten. Nur wie?

Moderator: void

Hi Zusammen,

Ich hätte da eine Frage und zwar ist es ja im Buddhistischen Verständnis keine Lebewesen zu töten. Das zu schaffen ist ja in der Modernen Welt in der wir leben zu einem Teil ja recht einfach, schließlich müssen wir nicht mehr jagen, das erledigt das Schlachthof und anschließend der Metzger um die Ecke für uns. Da "schlechtes" Karma erst durch die Absicht entsteht, wollte ich fragen wie ihr im Alltag damit umgeht, als wichtiges Beispiel dienen hier für mich die Insekten. Gerade im Sommer wo man oft das Fenster auf hat fliegen ja oft Mücken, Fliegen usw ins Zimmer rein. Wie geht ihr damit um? Sagen wir eine Fliege setzt sich permanent auf euren Körper sich nieder, das ist ja ziemlich nervenaufreibend. Wie sollte man da vorgehen? Versuchen die Fliege aus dem Fenster raus zu scheuchen? Oder einfach ignorieren? So wie ich das verstanden habe mit dem Karma ist es ja immer die Absicht. Wenn ich beim Metzger Salami kaufe unterstütze ich zwar damit weiter denn "Mord" an denn Tieren aber recht unbewusst, also ohne wirkliche Absicht ein zu Töten. Man könnte es dann höchstens verheuchelt nennen oder?


LG
Ein Mücke wird erschlagen. Ansonsten liebe ich Haxe mit Kraut. :mrgreen:
Frei nach dem Motto "Ist Karma erst einmal versaut, schmeckt die Haxe auch mit Kraut."
Festus hat geschrieben:
Ein Mücke wird erschlagen. Ansonsten liebe ich Haxe mit Kraut. :mrgreen:
Frei nach dem Motto "Ist Karma erst einmal versaut, schmeckt die Haxe auch mit Kraut."

:rofl:

Also könnte man wortwörtlich sagen: Dir ist das Konzept vom Karma absolut Wurst?
Stawrogin hat geschrieben:
...Also könnte man wortwörtlich sagen: Dir ist das Konzept vom Karma absolut Wurst?


Nein, ich akzeptiere es.
Alles was ich willentlich mache, in Gedanken, Worten und Taten, hat eine Wirkung.
Ich lasse mich überraschen, wie diese Wirkung aussieht.
Hallo!

Ich sehe das so: es ist möglich, weitgehend ohne zu töten zu leben.
Aber nicht völlig. Und weitgehend heißt für mich, so weitgehend wie möglich.
Du kannst zB deine Ernährung diesem Vorsatz anpassen, Vegetarier oder sogar Veganer
sein. Dies auch auf die Kleidung (zB Lederverzicht etc. ) ausdehnen.
Kein Gift im Garten sprühen, die Umwelt möglichst nicht schädigen.
Das wäre schon viel.
Aber es wird immer Bereiche/ Beispiele geben (oder von anderen konstruiert werden)
in denen das nicht 100%ig funktioniert.

Wie weit jemand dabei geht, das als Richtig Erkannte anzuwenden hat immer damit zu tun,
wie intensiv du hinschaust. Und wenn ich etwas in 30 Jahren Berufsleben gelernt habe,
ist es das die Menschen wegschauen. In Bereich der Psyche meist, weil es zu sehr weh tut hinzuschauen. Im normalen Alltag, weil es unbequeme Konsequenzen bewirkt.
Wie dies:

Stawrogin hat geschrieben:
Wenn ich beim Metzger Salami kaufe unterstütze ich zwar damit weiter denn "Mord" an denn Tieren aber recht unbewusst,


Die Konsequenz wäre, kein Fleisch mehr zu essen und auch keines mehr in Auftrag zu geben dadurch, das du es kaufst. (auch der Auftraggeber trägt seinen karmischen Anteil an der Handlung, nicht nur der Ausführende).
Dein Beispiel hat nichts mit "unbewusst" zu tun, sondern mit "nicht hinschauen wollen".

Und das tun die Menschen halt. Und um ihr Konstrukt zu stabilisieren und nicht hinschauen zu müssen werden dann verkopfte Begründungen bemüht, Verantwortung geleugnet oder Fakten so interpretiert das sie zur gelebten Einstellung passen.

Das lässt sich natürlich auf ganz viele Beispiele anwenden, aber du hast ja die Salami selber erwähnt.

Meine Antwort auf deine Frage wäre: so weit wie möglich dabei gehen und sich nichts vormachen.
Dann ist ein großer Schritt erreicht.

LG Rolf
Ich esse kein Fleisch und jedes Insekt in der Wohnung wird von mir vor die Tür gesetzt. Und das nicht mal, weil es mich nervt, sondern weil ich denke, dass es für das Tier draussen schöner ist als in meiner Wohnung.
Diese "wohlwollende" Haltung gegenüber jeglichem Getier hatte ich schon immer in mir (quasi angeboren).
Für mich also ganz normal.
Es gibt aber ein Aber. Ich habe einen Hund, der Fleisch fressen will und es auch bekommt...
Und Zecken werden entfernt.
Ich war eine Zeit "Bettelmönch"

Oft war neben Reis und Gemüse auch Fleisch in meiner Bettelschale.

Hätte ich das Gegebene dann ablehnen sollen?

Buddha sagte :Lehnt nicht ab aufgrund Eurer Abneigungen und nehmt nicht aufgrund Eurer Bevorzugung an. Vermeidet einfach Hunger und Durst.

_()_

Was mir aufgefallen ist, das das Nicht-töten oft mit dem Ziel "gutes kharma" verknüpft wird.
Ein Bettelmönch isst einmal täglich nur um den Körper zu erhalten, er wählt nicht aus was er kriegt, außer er weiß oder vermutet dass ein Tier extra für ihn geschlachtet wurde.
Aus den Regalen im Supermarkt kann man selber auswählen und die Nahrung die großes Leid verursacht hat weglassen. Jedenfalls ließe ich mir das nicht mal von einem Buddha verbieten, was er aber auch bestimmt nicht getan hättte.
_()_ Multi

Besonders wichtig finde ich Deinen letzten Satz. Bedenke aber: Du selbst bist Buddha.

Wenn man mich fragt, so ist meine Meinung, das es ausserhalb eines Klosters kaum machbar ist, völlig den Regeln nach zu leben.

_()_

Ah noch das Wort eines klugen Menschen ...
"Gewaltlosigkeit begreifst Du erst, wenn sich eine Bremse auf Deinen Hoden niedergelassen hat."
Wenn es ein Töten gibt das ohne Gier, Hass, Wegblenden gibt, gibt es kein Problem.
Wenn es kein Töten aus Gier, Hass, Wegblenden gibt, gibt es kein Problem.
Achte ich darauf die Geistesgifte in meinen Personen zu erkennen und nicht mit ihnen zu tun ist Karma nur Handlung.
Die Geistesgifte lassen sehr viel Diskussionen hier verdorben zurück.
@Ellviral ... wie gut, das Du etwas Schuldiges gefunden hast.

_()_
jianwang hat geschrieben:
_()_ Multi

Besonders wichtig finde ich Deinen letzten Satz. Bedenke aber: Du selbst bist Buddha.


Buddha bedeutet soviel wie "Der Erwachte", was ich von mir nicht gerade behaupten kann.

jianwang hat geschrieben:
Wenn man mich fragt, so ist meine Meinung, das es ausserhalb eines Klosters kaum machbar ist, völlig den Regeln nach zu leben.


Das glaube ich.

jianwang hat geschrieben:
Ah noch das Wort eines klugen Menschen ...
"Gewaltlosigkeit begreifst Du erst, wenn sich eine Bremse auf Deinen Hoden niedergelassen hat."


Da zeigt sich ob man Gewaltlosigkeit wirklich begriffen hat.
mukti hat geschrieben:

Buddha bedeutet soviel wie "Der Erwachte", was ich von mir nicht gerade behaupten kann.


Im Zen sieht man jeden Menschen mit der Buddha-Natur "ausgestattet". Wenn ich "Buddha" sage, meine ich nicht den Menschen, der damals war.

Buddha-Geist und gewöhnlicher Geist ... wo ist da ein Unterschied?
Wenn Du meditierst, ist dies nicht nur Du, sondern auch Buddha und alle ihm Folgenden meditieren mit Dir.

"Alles ist Eins" - die "Konsequenzen" sind weitreichend.

_()_
Na gut das ist eine andere Baustelle, wäre separat zu diskutieren. Dazu habe ich jetzt gerade keine Zeit.
jianwang hat geschrieben:
Ich war eine Zeit "Bettelmönch"

Oft war neben Reis und Gemüse auch Fleisch in meiner Bettelschale.

Hätte ich das Gegebene dann ablehnen sollen?

Buddha sagte :Lehnt nicht ab aufgrund Eurer Abneigungen und nehmt nicht aufgrund Eurer Bevorzugung an. Vermeidet einfach Hunger und Durst.

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Was mir aufgefallen ist, das das Nicht-töten oft mit dem Ziel "gutes kharma" verknüpft wird.

Reis. Werden beim Anbau, werden bei der Pflege, wird bei der Ernte nichts Lebendes getötet? Vielleicht sind die traditionellen Methoden sogar relativ (?) annehmbar. Beim heutigen Reisanbau sterben garantiert mehr Tiere pro Kilo Produkt als bei der Erzeugung von Rindfleisch in Argentinien.

Reis ist dabei noch eine relativ umweltfreundliche Pflanze. Wie viele Wesen (Insekten, Spinnen) werden in Mähdreschern oder Getreidemühlen beim Weizen getötet für eine einzige Scheibe Brot? Gleiches gilt für Gemüse, vielleicht noch stärker.

Ich übe mich darin, kein Leben zu nehmen. Ich töte nicht vorsätzlich. Ich füge keinem empfindungsfähigen Wesen Schaden zu.
jianwang hat geschrieben:
"Alles ist Eins" - die "Konsequenzen" sind weitreichend.

Ja, wahrscheinlich Wiedergeburt in der Hölle.
pamokkha hat geschrieben:
jianwang hat geschrieben:
"Alles ist Eins" - die "Konsequenzen" sind weitreichend.

Ja, wahrscheinlich Wiedergeburt in der Hölle.
:lol: :rofl: :like:
fotost hat geschrieben:
Reis. Werden beim Anbau, werden bei der Pflege, wird bei der Ernte nichts Lebendes getötet? Vielleicht sind die traditionellen Methoden sogar relativ (?) annehmbar. Beim heutigen Reisanbau sterben garantiert mehr Tiere pro Kilo Produkt als bei der Erzeugung von Rindfleisch in Argentinien.

Reis ist dabei noch eine relativ umweltfreundliche Pflanze. Wie viele Wesen (Insekten, Spinnen) werden in Mähdreschern oder Getreidemühlen beim Weizen getötet für eine einzige Scheibe Brot? Gleiches gilt für Gemüse, vielleicht noch stärker.


Ja die Erde ist ein Jammertal und die Natur ist ein Schlachtfeld. Immerhin kann man darauf hinarbeiten, sich so weit wie nur möglich aus der Leidverursachung rauszuhalten.
mukti hat geschrieben:
fotost hat geschrieben:
Reis. Werden beim Anbau, werden bei der Pflege, wird bei der Ernte nichts Lebendes getötet? Vielleicht sind die traditionellen Methoden sogar relativ (?) annehmbar. Beim heutigen Reisanbau sterben garantiert mehr Tiere pro Kilo Produkt als bei der Erzeugung von Rindfleisch in Argentinien.

Reis ist dabei noch eine relativ umweltfreundliche Pflanze. Wie viele Wesen (Insekten, Spinnen) werden in Mähdreschern oder Getreidemühlen beim Weizen getötet für eine einzige Scheibe Brot? Gleiches gilt für Gemüse, vielleicht noch stärker.


Ja die Erde ist ein Jammertal und die Natur ist ein Schlachtfeld. Immerhin kann man darauf hinarbeiten, sich so weit wie nur möglich aus der Leidverursachung rauszuhalten.
Leben ist Leiden, muss ich mir weil ich das weiss mein Leben verleiden?
fotost hat geschrieben:
Reis. Werden beim Anbau, werden bei der Pflege, wird bei der Ernte nichts Lebendes getötet? Vielleicht sind die traditionellen Methoden sogar relativ (?) annehmbar. Beim heutigen Reisanbau sterben garantiert mehr Tiere pro Kilo Produkt als bei der Erzeugung von Rindfleisch in Argentinien.

Reis ist dabei noch eine relativ umweltfreundliche Pflanze. Wie viele Wesen (Insekten, Spinnen) werden in Mähdreschern oder Getreidemühlen beim Weizen getötet für eine einzige Scheibe Brot? Gleiches gilt für Gemüse, vielleicht noch stärker.

Ich übe mich darin, kein Leben zu nehmen. Ich töte nicht vorsätzlich. Ich füge keinem empfindungsfähigen Wesen Schaden zu.


Das ist ein wichtiger Punkt, den Du ansprichst: Sogar bei der Produktion veganer Lebensmittel werden viele Tiere getötet.

Hinzufügen muss man sogar: Viele Tiere ("Schädlinge") werden dabei vorsätzlich getötet!

Man kann also als Individuum versuchen, selbst nicht vorsätzlich zu töten.
Aber dennoch bleibt es stets so, dass wir - weil wir leben müssen - verantwortlich sind für die Tötung anderen Lebens. (Albert Schweitzer hat diese Erkenntnis sehr eindrucksvoll formuliert.)


Was die Tötung von Lebewesen auch bei der Produktion veganer Lebensmittel betrifft, legt Udo Pollmer provokant den Finger in die Wunde:
mukti hat geschrieben:
fotost hat geschrieben:
Reis. Werden beim Anbau, werden bei der Pflege, wird bei der Ernte nichts Lebendes getötet? Vielleicht sind die traditionellen Methoden sogar relativ (?) annehmbar. Beim heutigen Reisanbau sterben garantiert mehr Tiere pro Kilo Produkt als bei der Erzeugung von Rindfleisch in Argentinien.

Reis ist dabei noch eine relativ umweltfreundliche Pflanze. Wie viele Wesen (Insekten, Spinnen) werden in Mähdreschern oder Getreidemühlen beim Weizen getötet für eine einzige Scheibe Brot? Gleiches gilt für Gemüse, vielleicht noch stärker.


Ja die Erde ist ein Jammertal und die Natur ist ein Schlachtfeld. Immerhin kann man darauf hinarbeiten, sich so weit wie nur möglich aus der Leidverursachung rauszuhalten.


Unsere Chance

Ich übe mich darin, kein Leben zu nehmen. Ich töte nicht vorsätzlich. Ich füge keinem empfindungsfähigen Wesen Schaden zu.
Ellviral hat geschrieben:
mukti hat geschrieben:
Ja die Erde ist ein Jammertal und die Natur ist ein Schlachtfeld. Immerhin kann man darauf hinarbeiten, sich so weit wie nur möglich aus der Leidverursachung rauszuhalten.
Leben ist Leiden, muss ich mir weil ich das weiss mein Leben verleiden?


Nein aber ich muss es auch nicht Anderen verleiden.
fotost hat geschrieben:
Unsere Chance

Ich übe mich darin, kein Leben zu nehmen. Ich töte nicht vorsätzlich. Ich füge keinem empfindungsfähigen Wesen Schaden zu.


Sehe noch mehr Chancen: Ich übe mich darin soweit wie möglich an keiner Schädigung beteiligt zu sein, auch nicht als Konsument.
mukti hat geschrieben:
fotost hat geschrieben:
Unsere Chance

Ich übe mich darin, kein Leben zu nehmen. Ich töte nicht vorsätzlich. Ich füge keinem empfindungsfähigen Wesen Schaden zu.


Sehe noch mehr Chancen: Ich übe mich darin soweit wie möglich an keiner Schädigung beteiligt zu sein, auch nicht als Konsument.


Danke mukti,

das war meine Intention, meine Idee dahinter. Die absolute Kette der Verbindungen aufzuzeigen wäre für unsere moderne Gesellschaft unerträglich. Die Verknüpfungen gehen viel zu tief.

"Ich übe mich darin ..." Buddha war ein langweiliger Realist :mrgreen:
mukti hat geschrieben:
fotost hat geschrieben:
Unsere Chance

Ich übe mich darin, kein Leben zu nehmen. Ich töte nicht vorsätzlich. Ich füge keinem empfindungsfähigen Wesen Schaden zu.


Sehe noch mehr Chancen: Ich übe mich darin soweit wie möglich an keiner Schädigung beteiligt zu sein, auch nicht als Konsument.


Das habe ich früher auch mal gedacht, es sei möglich, weitgehend unbeteiligt zu sein an Tötungen. Durch bewussten Konsum.

Inzwischen bin ich mir da nicht so sicher. Schau Dir mal das oben verlinkte Video an: Es wird darin - sarkastisch aber leider höchst realistisch - vorgerechnet, wie viele Mäuse allein bei der Produktion eines Früchte-Müslis grausam vergiftet werden.

Wie soll man da noch abwägen, welcher Konsum von Lebensmitteln weniger schädlich ist?

Ich fürchte, so eine Abwägung ist unmöglich.
Stawrogin hat geschrieben:
Hi Zusammen,

Ich hätte da eine Frage und zwar ist es ja im Buddhistischen Verständnis keine Lebewesen zu töten. Das zu schaffen ist ja in der Modernen Welt in der wir leben zu einem Teil ja recht einfach, schließlich müssen wir nicht mehr jagen, das erledigt das Schlachthof und anschließend der Metzger um die Ecke für uns. Da "schlechtes" Karma erst durch die Absicht entsteht, wollte ich fragen wie ihr im Alltag damit umgeht, als wichtiges Beispiel dienen hier für mich die Insekten. Gerade im Sommer wo man oft das Fenster auf hat fliegen ja oft Mücken, Fliegen usw ins Zimmer rein. Wie geht ihr damit um? Sagen wir eine Fliege setzt sich permanent auf euren Körper sich nieder, das ist ja ziemlich nervenaufreibend. Wie sollte man da vorgehen? Versuchen die Fliege aus dem Fenster raus zu scheuchen? Oder einfach ignorieren? So wie ich das verstanden habe mit dem Karma ist es ja immer die Absicht. Wenn ich beim Metzger Salami kaufe unterstütze ich zwar damit weiter denn "Mord" an denn Tieren aber recht unbewusst, also ohne wirkliche Absicht ein zu Töten. Man könnte es dann höchstens verheuchelt nennen oder?


LG

Durch Töten lassen sich Insekten genauso schwierig aus dem Zimmer vertreiben wie wenn man sie mit einem Glas fängt und raussetzt (das geht genauso einfach wie totschlagen, ist aber eine erheblich schönere Tätigkeit. Fliegengitter am Fenster sind auch eine schlaue Anschaffung.

Im Buddhismus geht es auch nicht um das Verbot des Tötens sondern um das Gebot des Nichttötens. Eine Fliege zu retten oder zu entscheiden, ein Tier im Zweifelsfall nicht zu töten, gilt als heilsame Handlung.

Andererseits ist es völlig unmöglich, sich aus allem Sterben herauszuhalten. Auch Gemüseanbau hat den Tod unzähliger Kleinstlebewesen zur Folge. Wenn man erbsenzählerisch an die Sache herangeht und perfekt sein will, müsste man das Essen aufgeben. Aber auch damit kommt man nicht aus der Nummer heraus, denn den eigenen Hungertod billigend in Kauf zu nehmen ist genauso ein Mord.

Praktikabel ist aber die Einstellung, das bewusste Töten zu vermeiden. Und wenn's denn unbedingt sein muss (Parasiten), sich wenigstens nicht daran zu erfreuen und keinen Hass zu empfinden. Das ist auch schon viel zum Üben.
Frieden-und-Freude hat geschrieben:
mukti hat geschrieben:
Ich übe mich darin soweit wie möglich an keiner Schädigung beteiligt zu sein, auch nicht als Konsument.


Das habe ich früher auch mal gedacht, es sei möglich, weitgehend unbeteiligt zu sein an Tötungen. Durch bewussten Konsum.

Inzwischen bin ich mir da nicht so sicher. Schau Dir mal das oben verlinkte Video an: Es wird darin - sarkastisch aber leider höchst realistisch - vorgerechnet, wie viele Mäuse allein bei der Produktion eines Früchte-Müslis grausam vergiftet werden.

Wie soll man da noch abwägen, welcher Konsum von Lebensmitteln weniger schädlich ist?

Ich fürchte, so eine Abwägung ist unmöglich.


Ich glaube viel Leid wird durch unsere Begierden erzeugt.

Würde ich in meinem Garten keine Maßnahmen gegen die sogenannten Schädlinge ergreifen, bliebe kaum mehr was übrig. Dabei versuche ich so gewaltlos wie möglich vorzugehen, und finde immer wieder neue Lösungen für dieses Problem. Z.B. wegen der Wühlmäuse habe ich Hochbeete gebaut und einige Beerensträucher in Drahtkörbe gesetzt, sonst mache ich ihnen durch verschiedene Störmaßnahmen langsam klar, dass sie hier nicht erwünscht sind. Man könnte sie auch in Käfigfallen fangen und aussiedeln. Was dennoch angefressen wird nehme ich in Kauf, sei ihnen ein wenig Delikatesse gegönnt, ich gebe freiwillig was ab von der Ernte.
Wenn die Landwirtschaft weniger auf Gewinnmaximierung und mehr ethisch ausgerichtet wäre, ließe sich viel Gemetzel bestimmt vermeiden, man müsste nur extra danach forschen, sich ein wenig Mühe geben und auch etwas Verzicht üben.

Als Konsument bräuchte es diese Überfülle an verschiedenen Lebensmitteln nicht, wo der Überschuss dann massenhaft weggeworfen wird. Schädlingsbekämpfung und nebenbei-Töten, etwa wenn unbeteiligte Tiere von Erntemaschinen zerstückelt werden, scheint noch kaum ein Thema zu sein unter Veganern. Sollte das mal aufkommen, könnte es dazu eine eigene Sparte entsprechend erzeugter Lebensmittel geben. Einstweilen hat man schon mal etwas Auswahlmöglichkeit - z.B. verzichte ich noch nicht vollständig auf Joghurt, aber achte meistens darauf dass es von Kühen in Freilandhaltung mit Biowiese stammt, das ist schon mal etwas besser. So gibt es überall etwas, wo man sich in dieser Sache verbessern kann.
Frieden-und-Freude hat geschrieben:


Was die Tötung von Lebewesen auch bei der Produktion veganer Lebensmittel betrifft, legt Udo Pollmer provokant den Finger in die Wunde:


Mich ärgert dieser sogenannte Experte mit seinem Zynismus und seinem Verein, der großtuerisch als Europäisches Institut für Ernährungswissenschaft auftritt. Das ist ja keine Satire, sondern der meint das in echt! Etwa heißt es im Video vollmundig:
Da hätten wir viel mehr Hunger auf der Welt, wenn man die ausschließlich für Tierhaltung geeigneten Flächen gar nicht nutzt.

Darum geht es nicht. Die weltweite Kapazität an Weideland ist begrenzt und kann mit der globalen Veränderung der Ernährungsgewohnheiten und dem Bevölkerungswachstum nicht mithalten. Beispielsweise essen Chinesen verglichen mit früher durchschnittlich sechsmal so viel Fleisch. (Damit fast halb so viel wie Amerikaner.)

Die allermeisten Tiere werden daher heute in immer größeren Anlagen vor allem mit Kraftfutter aus Soja, Raps, Mais, Weizen und anderem Getreide von Ackerflächen gefüttert, die der direkten Lebensmittelproduktion verloren gehen. Beispielsweise steht eine Rinderkalorie neun Getreidekalorien gegenüber, die verloren gehen. Der intensive Ackerbau führt zur Verschmutzung der Böden und Verknappung des Grundwassers, die Überweidung ruiniert die Böden.

Besonders problematisch wird dies, wo die Nahrungsmittelkonkurrenz in andere Länder oder Regionen „ausgelagert“ wird. Die Europäische Union etwa importiert mehr als 70% der Eiweißpflanzen für ihr Tierfutter, vor allem Sojabohnen und Sojaschrot aus Brasilien, Argentinien, Paraguay und den USA. Die dort dafür benötigte Fläche entspricht über 20 Prozent der gesamten Ackerfläche der EU.

Für den Anbau werden Urwälder abgeholzt und riesige Weidegebiete in Äcker verwandelt. Eine Katastrophe für die globale Artenvielfalt und den Klimaschutz; aber auch ein Raubbau an Bodenfruchtbarkeit durch die Monokulturen.

Zur industriellen, nicht mehr an Weiden gebundenen Herstellung von Fleisch, Milch und Eiern wird ein Vielfaches der Kalorien zunächst in Form von Getreide und Ölfrüchten in besonders energieintensiven Monokulturen angebaut. Weil die Tiere zudem die gefährlichen Klimagase Methan (Wiederkäuer) und Ammoniak aus Gülle und Mist emittieren, ist die industrielle Tierhaltung der mit Abstand größte Beitrag der Landwirtschaft zum Klimawandel.

[url]http://www.weltagrarbericht.de/themen-des-weltagrarberichts/fleisch-und-futtermittel/fleisch-und-futtermittel-volltext.html
[/url]
Auf weltagrarbericht.de heißt es daher: Auch wenn der Weltagrarbericht zum Konsumverhalten keine Empfehlung abgibt, lassen seine Ergebnisse nur einen Schluss zu: Die Reduzierung des Verbrauchs von Fleisch und anderen tierischen Produkten in Industriestaaten und ihre Begrenzung in den Schwellenländern ist der dringendste und effektivste Schritt zur Sicherung der Ernährung, der natürlichen Ressourcen und des Klimas.

Pollmer dagegen: Wenn der Metzger eine Wurstsemmel über die Theke reicht, dann weiß ich, dass ich mich nicht schämen brauche.
Vielleicht würden dem Herrn Pollmer ein paar Wurstsemmeln weniger gut tun.
Bei mir zu Hause haben sich hinter dem Rollokasten im 1. Stock Wespen häuslich niedergelassen...
Wisst Ihr wie es möglich ist, das Wespennest zu entfernen, ohne die Wespen zu töten?
Es ist für mich interessant zu lesen, wie von einer Frage aus der Lehre hin zu Politik gefunden wird. Doch lassen wir das erstmal beiseite.

"Samsara und Nirvana ist Eins" - ein Grundgedanke des Mahayana, wobei mit Samsara die sichtbare Welt und mit Nirvana die Leere, das Dharmakaya gemeint ist.
"Alles, ob belebt oder unbelebt, stellt die Buddha-Natur dar" - ein Grundgedanke der Soto-Schule.

Wieso folgt aus dem obigen, nicht zu töten?

Wenn ich eine Mücke erschlage oder einen Kartoffelkäfer zerquetsche, was geschieht mit ihnen? Man kann sie "eigentlich" nicht töten, sagt die Lehre.
"Nur" die jetzige Erscheinumgeform der Mücke oder des Käfers verschwindet !? Doch wohin geht ihr Karma?

_()_

PS: Ich erwarte keine Antwort ... es ist nur mein Fühlen (und Erkennen) zu diesem ...

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