Glück in mir selbst und materielle Dinge - Ein Widerspruch?

Moderator: void

Hallo Zusammen,

erstmal freut es mich riesig dieses Forum gefunden zu haben und mich endlich mich erfahreneren Buddhisten aus zu tauschen! :-)

Und jetzt habe ich gleich eine kleines "Problem". Die Schilderung dazu muss notwendigerweise etwas ausführlicher ausfallen, ich versuche mich auf das wesentliche zu beschränken. Ich hoffe ihr lest es trotzdem alle und könnt mir dabei helfen. Also los geht´s:

Ich beschäftige mich jetzt seit etwas mehr als einem Jahr mit Buddhismus (ich lese/höre (Hörbücher) sehr viel darüber) und muss sagen dass die Philosophie mir in meiner fast schon neurotischen Gedankenwelt sehr hilft zur Ruhe zu kommen, mich weniger zu sorgen und entspannter zu sein.

Ich habe ein Kleinunternehmen am Laufen (Gesang, Show, Entertainment usw.) und seid etwa 3,4 Monaten verbringe ich fast meine komplette Freizeit mit dem Lesen über Buddhismus und dem studieren der Top 10 Literatur zum Thema Effektivität, Produktivität, seine Ziele erreichen und umsetzten. Was ich sehr faszinierend finde ist, dass es in diesen Themenbereichen und dem Buddhismus sehr viele Parallelen gibt.
Es ist zwar immer anders formuliert aber die Inhalte und grundsätzlichen Prinzipien sind oft die selben.
Dualismus, die allen Lebewesen und Gegenständen zu grundliegende Verbindung in der Natur der Leerheit, Karma, Meditation, Leben im Moment, Gedanken nur beobachten ohne zu werten usw.
Auch finde ich toll, dass die Lektüre sehr menschenorientiert und überhaupt nicht materialistisch, gierig oder ausbeutend ist. Dort wird nicht vermittelt dass man nur Erfolg hat wenn man andere über den Tisch zieht. Es wird überall darauf hingewiesen an sich selbst zu arbeiten, die Gefühle und die Würde aller Menschen zu respektieren niemanden auszubeuten und nur zum Wohle aller beteiligen gemeinsam an etwas zu arbeiten.
Erfolg im (weitestgehenden) Einklang mit der buddhistischen Philosophie.

Und trotz dieser vielen Gemeinsamkeiten gibt es einen, wie ich finde sehr großen Widerspruch und dass ich diesen Widerspruch nicht ins Reine bringen kann, kratzt mich mental enorm auf, weil ich das Gefühl habe, das unerschütterliche Vertrauen in den Buddhismus und die Erfolgsliteratur, die mich beide persönlich und mein Leben schon so weit zum besseren entwickelt haben zu verlieren.

Ich schreibe hier jetzt die "Behauptungen" die in beiden Werken gemacht werden so auf wie ich sie auffasse. (Nicht nur die deckungsgleichen)

1.
Ich kann nur im Moment wirklich glücklich sein, da ich, wenn ich nicht im Moment bin, Vergleiche mit der Vergangenheit oder der Zukunft anstelle und nur im Vergleich etwas gut oder schlecht sein kann.

2.
Wahres Glück kann ich nur in mir selbst finden. Glück kann nicht von äußeren, materiellen Faktoren oder Menschen kommen.
(Diesen Behauptungen stimme ich zu!)

3.
Die Arbeit an, für und mit den Dingen die mir am meisten Spaß macht und darin immer besser und erfolgreicher zu werden, macht glücklich und zufrieden. (daran glaube ich)
(ich stelle erfolgreich nicht gleich mit reich oder mächtig)


Und jetzt die Frage auf einen Punkt gebracht, die mich so beschäftig und von der ich hoffe dass ihr eine Antwort geben könnt die meinen Blickwinkel ändert und den (vermeintlichen) Gegensatz, der bestimmt aus meiner persönlichen Perspektive kommt aufzulösen. Damit würdet ihr mir mehr helfen als ich in diesem Text vermitteln kann.

Wenn ich nur im Moment und niemals durch externe Faktoren glücklich sein kann und Glück nur in mir selbst generieren kann, warum sollte ich dann daran arbeiten erfolgreich und effektiv zu sein?

Oder anders formuliert.

Warum sollte ich im Moment, wo ich glücklich sein kann/sollte, mich auf die Zukunft konzentrieren um materielle Dinge und externe Werte zu erlangen dich mich nicht wirklich glücken machen?


Muss ich, um die buddhistische Lehre voll und ganz zu verstehen und zu leben auch in einem Kloster leben?
Darf ich dazu nicht mehr "wollen" als ich unbedingt, zwingend zum (Über-)leben brauche?
Ich kann doch nicht der einzige Mensch in der westlichen Welt sein, der sich so gut wie möglich an diese Lehre halten will. Es muss doch auch andere geben die mit diesem Widerspruch (wissentlich oder nicht) leben. Es muss doch auch andere, im Westen lebende Buddhisten geben die im Moment ihr Glück finden und trotzdem arbeiten gehen und sich lieber das etwas hochwertigere Produkt kaufen ohne gleich die ganze Lehre auf den Kopf zu stellen. Oder?
Wie passt das zusammen?

Und selbst wenn ich nicht (im Showbusiness im kleinen Rahmen) erfolgreich werden wollen würde, so würde ich doch trotzdem in der westlichen Welt, bis zu einem gewissen Maß durch Arbeit erfolgreich sein wollen/müssen für materielle Dinge wie ein Dach überm Kopf, ein Herd eine Waschmaschine und auch mal den ein oder anderen Dekoartikel weil es die Wohnung schöner und gemütlicher macht.

Ich habe keine großen Bedürfnisse und kann ohne Heuchelei von mir behaupten, dass ich alleine in einer zwei Zimmerwohnung völlig zufrieden wäre. Ein Auto das fährt und was man eben hier bei uns so "wirklich" braucht. Sicher muss ich keine Bügeleisenstation für 1200 € kaufen und klar fände ich eine Audi in der Einfahrt auch nicht schlecht aber das will ich nicht das brauch ich nicht.

Aber bin ich gleich diesen Grundgedanken (Glück kommt nicht von materiellem oder externen) entgegen wenn ich mir, weil es qualitativ einfach besser ist, oder schöner aussieht mir lieber einen Appel-Laptop, oder ein Kondensator-Mikrofon, oder die Kücheneinrichtung für 2000 € mehr leiste als die Produkte die mir weniger gut gefallen oder einfach nachweisbar qualitativ weniger hochwertig sind?

Muss ich als Buddhist in einem kahlen Einzimmerapartment leben und nur so viel "Erfolg" und "Effektivität" an den Tag legen um davon zu überleben?
Das kann ich irgendwie nicht glauben. Aber ich verstehe nicht wie es zusammenpasst.
Ich würde es so gern verstehen.

Danke dass du alles gelesen hast!
Ich hoffe sehr ihr könnt mir einen/euren Blickwinkel zu diesem Thema erläutern und mir eine Perspektive zeigen die beide (für mich so widersprüchlichen) Punkte zusammen bringt.
Damit würdet ihr mir und (so kitschig, melodramatisch und aufgesetzt das auch klingen mag) meinem Seelenfrieden sehr sehr helfen.

Vielen Dank!

Liebe Grüße



Daniel
Ich verstehe sehr wohl Dein Problem. Auch mir stellte es sich vor 40 Jahren, als ich begann, mich für den "indischen Barbaren" zu interessieren.

Suche Dir ein sangha und Einen, der Dir wirklich zeigen kann, was den Buddhismus ausmacht,
Imho ist hier in einem "Schreibmedium" die Gefahr des "Missverstehens" zu gross.

Ich wünsche Dir, das Du deinen Intellekt, den kleinen Affengeist, überreden kannst, eine andere Strasse zu wählen zum WEG.

gassho _()_

PS: Dogen zenji sagte : Den Buddhismus zu studieren heist, uns selbst zu studieren Uns selbst zu studieren heist, uns in jedem Moment selbst zu vergessen.
Hallo Daniel,

ich kann schon irgendwie nachvollziehen, weshalb Dich diese beiden Themen, Buddhismus und Anleitungen zur Produktivitätssteigerung parallel interessieren.

Am Ende geht es bei beiden irgendwie um Selbstoptimierung 8)

Solange Du den Spagat hinbekommst, den die vollkommen unterschiedlichen Ansätze darin bieten ist doch alles ok. Die Bücher zum Thema Effektivitäterhöhung gehen oft davon aus, die Rahmenbedingungen der Welt in wir leben (Marktwirtschaft, relativ anonymer Massengesellschaft..) geschickt auszunutzen, die buddhistische Lehre will dazu führen, das Festhalten daran als Teil des menschlichen Grundproblems zu überwinden.

Ein gutes Leben führen sollte sowohl für einen Mönch wie für einen Millionär möglich sein. Wer denkt, daß nur eine Variante richtig sein kann, hängt irgendwo fest.

Die Frage 'Warum sollte ich im Moment, wo ich glücklich sein kann/sollte, mich auf die Zukunft konzentrieren um materielle Dinge und externe Werte zu erlangen dich mich nicht wirklich glücken machen?' ist interessant, ich bin auf andere Antworten gespannt.

Mich erinnert die Frage spontan an das neue Testament mit 'sorge Dich nicht um morgen' etc.
In einigen Augenblicken ist da viel dran. Manchmal sollte man einfach den Augenblick leben.
Auf der anderen Seite ist eine nüchterne Vorsorge für eine Zukunft absolut hilfreich. Buddhismus ist keine Weltendzeitlehre.

Arbeit, Werte schaffen, Vorsorgen sollte kein Wert an sich werden. Man kann es aber durchaus als einen Teil von Metta ansehen. Wer in den Jahren, in denen er leistungsfähig ist dies umsetzt, sorgt indirekt auch für andere mit durch Steuern, Sozialabgaben und die Produkte seiner Arbeit.

Auch der buddhistische Mönch ist bei seinen Bettelgängen darauf angewiesen, daß sich andere auf den Reisfeldern geplagt haben.

Willkommen im Forum
Hallo Ingarius,

ja, ( ein Schmunzel ) der Moment hat es in sich... ( ein Schmunzel ).
Für mich ist das so.... in dem Moment lebt man immer..... es ist nicht möglich anderes als im Moment zu leben. Dem Moment kann ich nicht entgehen, und nur darüber gerade gedacht und schwupsi- dupsi, ist er schon fort.....
Im Moment..... wenn ich über die Vergangenheit nachdenke, existiert nur als eine Vergangenheit. Sie ist nicht der Moment, sondern die Vergangenheit. Sie erfühlt ein Teil des Momentes mit ihrer Anwesenheit, bediengt durch meine Gedanken, nicht mehr real, eine Gedanke halt... über etwas, was es war... Die Vergangenheit kann ich nicht mehr gestalten und verändern. Ich kann aber in dem Moment aus ihr lernen, genauso wie ich aus dem Jetzt lernen kann und dadurch das Jetzt und die Zukunft neu oder weiter gestalten möchte/kann/ schaffe oder nicht schaffe/ nicht möchte/ nicht kann, die wird kommen so wie ich es jetzt lebe ( denke, fühle, tue, spreche, gestaltet durch die Energie des Jetzt/ des Momentes) ..... Die Zukunft gibt es auch im Jetzt, aber sie ist halt nur die Zukunft. Ohne Jetzt ist sie nicht erreichbar.So wie ich heute lebe, so wird sich meine und die Zukunft Anderer ergeben. Ja, auch den Anderen, weil ich zu dem Ganzen gehöre. Ich bin mit Allem verbunden, mit anderen Menschen, Natur, Pflanzen, Tieren, Erde, Luft, Energie, usw... Jahrelang habe ich ein Gefühl gehabt, dass ich ein selbstständiges, völlig von den Anderen abgespaltetes Ich bin.... Falsch gedacht... ( lach).... dann passierte etwas... Nach gewisser Zeit der Meditation, dem Eineignen vom Wissen über dem Sein, Leben, Geburt und Tod, über dem Kreislauf der sich irgendwann schließt... habe ich ein Moment erlebt, in dem mich das Gefühl bewohnt hat, nur ein Teil des Ganzen zu sein .Und ab da bin ich nur ein Teil und aber auch sehr bedeutsames Teil, wie jedes andere Teil... und wir Alle sind das Ganze..und wir Alle haben unterschiedliche Aufgaben zu erfüllen und wir lernen und schleifen an uns damit das Ganze in der schönsten, vollkommensten bedingungslosen Liebe, die manche Menschen Gott oder Buddha oder Tao oder noch was da nennen, strahlt.. Wobei die Aufgaben werden unterschiedlich erfüllt oder gelernt... Aber es ist wie es ist .Ist das nicht wunderbar ?

Es ist wichtig, was ich tue, denke oder rede und fühle und wie ich rede, denke, tue und fühle.
Bin ich das :) ? oder das :twisted: ?
Hallo Daniel,

solche Fragen trägt man schon mal ne weile mit sich, so jedenfalls auch bei mir.

Wenn die Ausrichtung stimmt, ruckelt sich nach und nach aber alles zurecht!

Willkommen! :sunny:
Warum sollte ich im Moment, wo ich glücklich sein kann/sollte, mich auf die Zukunft konzentrieren um materielle Dinge und externe Werte zu erlangen dich mich nicht wirklich glücken machen?


Bist du denn glücklich?

Wie ist das mit der Vergänglichkeit?

Was soll die Unterscheidung von intern und extern?

Woher weisst du denn, was morgen ist und was morgen dich glücklich macht?

Grundsätzlich müssen wir Glück nicht suchen, genauso wie man seine Buddhanatur nicht suchen muss. Nur, solange wir sie nicht gefunden haben, sind wir auf der Suche - nach Glück, nach Buddha ....
Und du hast sie noch nicht gefunden, sonst würdest du solche Fragen nicht stellen.
Dann such' mal weiter.
Hallo Ingarius

Warum sollte ich im Moment, wo ich glücklich sein kann/sollte, mich auf die Zukunft konzentrieren um materielle Dinge und externe Werte zu erlangen dich mich nicht wirklich glücken machen?



Ich würde das für mich so beantworten:

Materielle/ äußere Dinge machen nicht letztlich/ endgültig glücklich. Sie können aber ihren Teil dazu beitragen das es dir gut geht, das du deine Bedürfnisse erfülle kannst, das du überhaupt in die Situation kommst, in der du dich um dein spirituelles Wachstum kümmern kannst und nicht von Alltagssorgen und -problemen davon abgehalten wirst.
Wenn du darum kämpfen musst, deinen Hunger zu stillen hast du keine Zeit für geistige Dinge.

Es geht darum, dir bewusst zu machen das aus diesen Bemühungen kein endgültiges Glück erwachsen kann und du nicht im Glauben dessen, nutzlosen Dingen nach jagst weil du denkst, sie können dich glücklich machen.
Damit du den Schwerpunkt anders legen kannst.
Äußere Dinge/ Werte sind also nicht per se schlecht. Nur wenn man sie zum Maß aller Dinge macht und den Focus falsch legt.

Ob du mit wenig lebst und deinem Weg folgst oder ein asketisch lebender Bettelmönch bist und deinem Weg folgst, das sind nur Abstufungen.

Hier ist also gar keine Entscheidung nötig, lediglich ein „ bewusst machen“.

LG Rolf
Hey, :)

Bist du denn glücklich.
also ich muss sagen dass ich zur Zeit so zufrieden mit mir und meinem Leben bin wie ich es noch nie war! Das liegt zweifellos an BEIDEN Themen die ich verfolge.


Wie ist das mit der Vergänglichkeit?
Da verstehe ich leider nicht ganz worauf du hinaus willst. :roll: :nohear:

Was soll die Unterscheidung von intern und extern?
Ich halte es schon für wahr und wichtig zu erkennen, dass ich, solang ich nicht mit mir selber glücklich bin (intern) das nicht (oder nur kurzzeitig) mit anderen Personen oder Gegenständen (also extern) ausgleichen kann. Wenn ich "erfolgreich" bin äußert sich das doch meist in Form von größerer Nachfrage, mehr Umsatz was extern kommt. Ich glaube Erfolg hat immer mit dem Gewinn von externen Dingen zu tun.

Woher weisst du denn, was morgen ist und was morgen dich glücklich macht?
Das werde nie wissen. (Was morgen ist) Aber sollte ich morgen zu dem Schluss kommen dass es mein größter Wunsch ist Hundefriseur zu werden, würde ich ja auch mit vollem Einsatz mich nach diesem Ziel richten. Ach hier kann ich deinem Gedankengang nicht ganz folgen.

Und du hast sie noch nicht gefunden, sonst würdest du solche Fragen nicht stellen.
Das ist mir bewusst. :lol: :angel:

Bitte denk nicht ich möchte da irgendwas infrage stellen oder kritisieren.
Das ist nur der Versuch meine Gedankengänge beziehungsweise die Fragen die mir dann sofort einfallen zu stellen beziehungsweise der Versuch zu schildern an welchen Fragen ich dann hänge und nicht weiterkomme.

Danke für deine Antwort :)
Hallo Rolf,

Würdest du es demnach nicht als egoistisch bezeichnen?!
Ich glaube ein Teil meines Problems liegt darin dass ich, wenn ich mir mal Schuhe für 100 € kaufe (was 1 x in 1,5 Jahren vorkommt) schon fast ein schlechtes Gewissen bekomme das Geld nicht zu spenden für Menschen denen es nicht so gut geht wie mir .
Denn wenn es nur darum ginge mir so viel Lebensstandard zu ermöglichen dass ich mich um geistiges und spirituelles Wachstum kümmern kann würden ja wie ich geschrieben habe schon einfach eine kahle Wohnung und genügend Geld um essen kaufen zu können ausreichen. Kann man "das zu tun was mir am meisten Spaß macht" auch als ein Grundbedürfnis ansehen? Ist "Das was mir am meisten Spaß macht" so oft und erfolgreich wie möglich zu tun, egoistisch?
Oder bin ich da bisschen extrem? :shock: :roll:

Danke für deine Antwort die hat mich schon ein Stück weiter gebracht :)
solche Fragen trägt man schon mal ne weile mit sich, so jedenfalls auch bei mir.

Wenn die Ausrichtung stimmt, ruckelt sich nach und nach aber alles zurecht!


Hallo Lucy,

Hat es sich denn bei dir zurecht geruckelt?
Hattest du auch mit dem Widerspruch zu tun und wie bist du dagegen vorgegangen?

Danke für deine Antwort :)
Hallo Dana,

danke für deine Antwort. Leider kann ich den Zusammenhang zwischen meinen Fragen und deine Antworten überhaupt nicht erkennen :nosee: :nospeak:
Ich würde mich freuen wenn du mir den erläutern würdest

vielen Dank :)
Ingarius hat geschrieben:
solche Fragen trägt man schon mal ne weile mit sich, so jedenfalls auch bei mir.

Wenn die Ausrichtung stimmt, ruckelt sich nach und nach aber alles zurecht!


Hallo Lucy,

Hat es sich denn bei dir zurecht geruckelt?
Hattest du auch mit dem Widerspruch zu tun und wie bist du dagegen vorgegangen?

Danke für deine Antwort :)


... Zumindest sind solche Fragen nicht mehr so drängend wie vor ein paar Jahren. Nach wie vor ist es nicht einfach, alles 'unter einen Hut zu bringen' - aber manchmal gelingt es, einfach nur zu tun, was dran ist. Und ich plane sehr viel weniger.
Wie ich vorgehe? Als wichtigstes sehe ich es derzeit an, nicht auszuweichen vor dem unangenehmen Gefühl. Es weg haben wollen, eine Lösung finden wollen ist oft der größte Teil des 'Problems'. Wenn ich dann mal wieder schaffe, mich mit all dem unbequemen zu entspannen und ihm ins Auge zu schaun, verschwindet es :upsidedown:

Danke für die schöne Frage :rose:
Lucy hat geschrieben:
Ingarius hat geschrieben:
solche Fragen trägt man schon mal ne weile mit sich, so jedenfalls auch bei mir.

Wenn die Ausrichtung stimmt, ruckelt sich nach und nach aber alles zurecht!


Hallo Lucy,

Hat es sich denn bei dir zurecht geruckelt?
Hattest du auch mit dem Widerspruch zu tun und wie bist du dagegen vorgegangen?

Danke für deine Antwort :)


... Zumindest sind solche Fragen nicht mehr so drängend wie vor ein paar Jahren. Nach wie vor ist es nicht einfach, alles 'unter einen Hut zu bringen' - aber manchmal gelingt es, einfach nur zu tun, was dran ist. Und ich plane sehr viel weniger.
Wie ich vorgehe? Als wichtigstes sehe ich es derzeit an, nicht auszuweichen vor dem unangenehmen Gefühl. Es weg haben wollen, eine Lösung finden wollen ist oft der größte Teil des 'Problems'. Wenn ich dann mal wieder schaffe, mich mit all dem unbequemen zu entspannen und ihm ins Auge zu schaun, verschwindet es :upsidedown:

Danke für die schöne Frage :rose:
Der "eine Hut" ist das Du nicht vom bedingten Entstehen getrennt sein kannst. Auch Du bist bedingtes Entstehen, der zweite Hut der immer irgendwie über ist ist der, der das sich alle Menschen mit den Erscheinungen des bedingten Entstehens auseinander setzen müssen und dabei Verblenden das sie bedingtes Entstehen sind, Erscheinungen des bedingten Entstehens wahrnehmen und ihre Handlungen danach ausrichten. Doch Kein Teilchen kann dem bedingten Entstehen entkommen oder besser es nicht sein. Das ist der eine Hut unter den die zehntausend Hüte erscheinen.
Hallo Ingarius.

Ingarius hat geschrieben:
erstmal freut es mich riesig dieses Forum gefunden zu haben und mich endlich mich erfahreneren Buddhisten aus zu tauschen! :-)

Hier gibt es sehr viele Leute, die auf 'erfahrener Buddhist' machen (ich zum Beispiel), die aber in ihrem privaten Leben immer wieder grandios scheitern. Sei also bei allen Antworten vorsichtig, auch bei meiner, obwohl die natürlich viel besser ist, als die anderen...

In[garius hat geschrieben:
Ich beschäftige mich jetzt seit etwas mehr als einem Jahr mit Buddhismus (ich lese/höre (Hörbücher) sehr viel darüber) und muss sagen dass die Philosophie mir in meiner fast schon neurotischen Gedankenwelt sehr hilft zur Ruhe zu kommen, mich weniger zu sorgen und entspannter zu sein.

Schreib' doch mal, was Du genau gelesen und gehört hast - man kann auch viel Scheiße lesen und hören - und was Deine 'schon ser neurotische Gedankenwelt' genau ist.

Ingarius hat geschrieben:
Ich habe ein Kleinunternehmen am Laufen (Gesang, Show, Entertainment usw.) und seid etwa 3,4 Monaten verbringe ich fast meine komplette Freizeit mit dem Lesen über Buddhismus und dem studieren der Top 10 Literatur zum Thema Effektivität, Produktivität, seine Ziele erreichen und umsetzten. Was ich sehr faszinierend finde ist, dass es in diesen Themenbereichen und dem Buddhismus sehr viele Parallelen gibt.
Es ist zwar immer anders formuliert aber die Inhalte und grundsätzlichen Prinzipien sind oft die selben.

Ich weiß nicht, was Du zu Effektivität, Produktivität gelesen hast (auch da gibst du - wie beim Buddhismus - keine Titel an). aber ich würde mal sagen, dass Du beides falsch verstanden hast.

Du hast ein 'Kleinunternehmen': Sind andere Leute von Dir finanziell abhängig?


Ingarius hat geschrieben:
Muss ich, um die buddhistische Lehre voll und ganz zu verstehen und zu leben auch in einem Kloster leben?
Darf ich dazu nicht mehr "wollen" als ich unbedingt, zwingend zum (Über-)leben brauche?
Ich kann doch nicht der einzige Mensch in der westlichen Welt sein, der sich so gut wie möglich an diese Lehre halten will. Es muss doch auch andere geben die mit diesem Widerspruch (wissentlich oder nicht) leben. Es muss doch auch andere, im Westen lebende Buddhisten geben die im Moment ihr Glück finden und trotzdem arbeiten gehen und sich lieber das etwas hochwertigere Produkt kaufen ohne gleich die ganze Lehre auf den Kopf zu stellen. Oder?
Wie passt das zusammen?

Himmel, werd' erwachsen! Brauchst Du die Religion und ein Forum, um zu wissen, wie man sich anständig benimmt?


Ingarius hat geschrieben:
Muss ich als Buddhist in einem kahlen Einzimmerapartment leben und nur so viel "Erfolg" und "Effektivität" an den Tag legen um davon zu überleben?

Eventuell ja.
Ingarius hat geschrieben:
Muss ich, um die buddhistische Lehre voll und ganz zu verstehen und zu leben auch in einem Kloster leben?
Darf ich dazu nicht mehr "wollen" als ich unbedingt, zwingend zum (Über-)leben brauche?
Ich kann doch nicht der einzige Mensch in der westlichen Welt sein, der sich so gut wie möglich an diese Lehre halten will. Es muss doch auch andere geben die mit diesem Widerspruch (wissentlich oder nicht) leben. Es muss doch auch andere, im Westen lebende Buddhisten geben die im Moment ihr Glück finden und trotzdem arbeiten gehen und sich lieber das etwas hochwertigere Produkt kaufen ohne gleich die ganze Lehre auf den Kopf zu stellen. Oder?
Wie passt das zusammen?


Hallo Ingarius,
ich halte mich im Zweifelsfall daran:
https://de.wikipedia.org/wiki/Edler_Achtfacher_Pfad
Im normalen Arbeitsleben darauf zu achten, dass Gier, Hass und Verblendung nicht die Oberhand gewinnen, öfter daran zu denken, dass was Dich heute glücklich macht morgen Dein Unglück sein kann weil beides nur eine Frage der momentanen subjektiven Definition ist. Dafür muss man nicht ins Kloster. Hoffe ich hab Deine Frage richtig verstanden.
Alles Gute!
Hallo !

Ingarius hat geschrieben:
Hallo Rolf,

Würdest du es demnach nicht als egoistisch bezeichnen?!



Das liegt, wie alles, im Auge des Betrachters .
Wenn du 100,-Euro Schuhe kaufst während deine Kinder hungern oder keine Schulbücher haben,
würde ich da viel Egoismus sehen.
Wärest du sehr reich, gibst viel Geld für wohltätige Dinge aus und kaufst dir dann mal
gute Schuhe- sähe ich da viel weniger Egoismus.

Es geht auch hier darum, wo dein Focus liegt. Reichtum oder Macht an sich sind nicht negativ.
Was sie dir bedeuten und was du damit machst- darauf kommt es an.

Es gibt für deine Frage keine objektive/sachliche Antwort die irgendwo mit dem Anspruch der
"Wahrheit" festgemeißelt ist.
Wenn du in einer kalten schlichten Wohnung hockst und den Rest des Geldes wegschenkst,
bringt dich das nicht zwingend weiter in deiner Entwicklung. Nur wenn es für dich stimmig ist, d.h. wenn die innere Einstellung passend ist.
Du kannst innerlich freigebig sein, obwohl du nichts zu verschenken besitzt.
du kannst innerlich freigebig sein, obwohl du selber viele Dinge besitzt.
Du kannst viel wegschenken und innerlich dennoch keine Freigebigkeit entwickelt haben.

Probier es doch aus und lass es sich entwickeln

Gruß Rolf
Ich danke euch allen für eure Beiträge!
Ich habe jetzt (auch durch persönliche Gespräche) einige andere Blickwinkel kennengelernt die sich nicht mit meinen widersprechen denen ich zustimmen kann und die mir helfen meine oben aufgeführten Fragen und die Zweifel mit mir und meiner Auffassung von dem was richtig ist in Einklang zu bringen.

Vielen Dank euch allen

Liebe Grüße

Daniel
Hi,
damit habe ich mich auch schon beschäftigt. Was sagt denn mein Pali-Kanon dazu?
Wer normal arbeitet hat kaum eine Chance das Endziel zu erreichen.
Es gibt eine einzige Ausnahme, was den Beruf angeht und das sind: Lehrer!
Wie und warum weiß ich ich auch nicht genau
Außer dem letzten Ziel gibt es ja auf der Treppe noch oben, etliche Stufen, die man beschreiten kann. Das ist immerhin mehr als gar nichts.
Fassungslos Kopf schüttelt.

Sry, Du Buddha - sagtest Du nicht was von "mehr erreicht, als in dem 8fachen Pfad beschrieben" oder so ähnlich...
Warum sollte ich im Moment, wo ich glücklich sein kann/sollte, mich auf die Zukunft konzentrieren um materielle Dinge und externe Werte zu erlangen dich mich nicht wirklich glücken machen?


Das ist eine sehr gute Frage!

Für die Beantwortung wirst du dir Zeit nehmen müssen. Aber es ist eine äußerst wichtige Frage, könnte sogar dein "Koan" sein.

Ich würde dir eine weitere Frage ans Herz legen:

"Wenn ich mich nicht mehr um die materiellen Dinge kümmere, vermag ich es permanent im Moment glücklich zu sein?"

Es gibt nämlich sehr oft diese Empfehlungen, dass man einfach im Moment leben sollte usw. Eckhart Tolle und solche Typen verdienen sich daran eine goldene Nase. Das Ding ist aber:

Nur die wenigsten können dies überhaupt!

Jeder, der ausgedehnte Meditationen ausgeführt hat oder auf einem Seshin war, der weiß wovon ich rede. Du wirst, hoffentlich nur "vorläufig", immer wieder in dieses Samsara hineingezogen, auch wenn die andere Option verlockender klingt. Und in diesem Samsara kann schon mal Geld hilfreich sein. Aber ja, Glück ist etwas anderes und liegt nicht in den materiellen Dingen.

Viel Glück auf deinem Weg :moon: :like:

Wer ist online?

Insgesamt sind 4 Besucher online. Im Detail: 0 sichtbare Mitglieder (oder Bots), 0 unsichtbare Mitglieder und 4 Gäste
Der Besucherrekord liegt bei 214 Besuchern, die am 27.02.2017 23:21 gleichzeitig online waren.

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste